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Loads of Trouble

von MiraiShu
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
21.03.2015
07.08.2018
94
358.866
125
Alle Kapitel
291 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
07.01.2017 3.053
 
Guten Abend und euch allen noch ein frohes Neues Jahr!
Auf dass wir 2017 etwas produktiver an dieser FF arbeiten können...
Wir hoffen, ihr hattet schöne Feiertage und einen guten Neustart, oder für die glücklichen Menschen mit festen Ferienzeiten einen guten Start am Montag!

Liebe Grüße!
Emma & Mirai



Kapitel 55: The Things we've lost

Schweigen mochte einem ein schlechtes Gewissen machen, aber den Mut für die Wahrheit aufzubringen war oft noch so viel härter. Jedenfalls in dem Moment. Hätte er doch einfach die Klappe gehalten, dann hätte Phil gar keinen Verdacht geschöpft. Gut, es war nicht zu vermeiden. Er würde es herausfinden. Früher oder später. Hoffentlich... Da konnte er es ihm auch gleich sagen. Zeigen.
„Fynn... Fynn hat mich nicht nur geküsst.“ Nein, das klang nicht so, wie es klingen sollte. „Er hatte seine Hände unter meinem Hemd. Also nicht so, wie du denkst!“

Hatte Mike nicht gesagt, es war nur für Nick schlimm und nicht für ihn? Sie würden kaum Sex auf der Straße gehabt haben, trotzdem hatte Nick – sein Freund! - sich öffentlich von einem anderen Mann befummeln lassen. Wieso erzählte er ihm das jetzt, wo Phils Nerven ohnehin am Ende waren? Wo die Erinnerung so weh tat und-
„Er hatte ein Taschenmesser dabei.“
...Was?
„Mach dir keine Sorgen, die Verletzung ist nicht groß, aber...“
Deswegen hatte er Nick nicht zu nah kommen dürfen. Nicht weil er sich ekelte, sondern weil er verletzt war und Schmerzen hatte. Phil schluckte schwer. Er war so unendlich dumm gewesen.
„Ich bringe ihn um!“
Nick schüttelte den Kopf. „Er... war sauer. Und verletzt. Ist nichts größeres als eine 2€-Münze.“ Er bemühte sich um ein Lächeln, doch Phils Lippen blieben schmal, als er sich aus seiner Decke schälte und ins Bad ging um ein großes Pflaster und Salbe zu holen. Er kniete sich neben Nick auf die Matratze, der ihn mit großen, wenig begeisterten Augen ansah. Phil schloss eine Sekunde die Augen, begann dann Nicks Hemd aufzuknüpfen.
Doch der Ältere hielt ihn fest. „Nicht!“
„Warum?“
Nicks Wangen zierte ein leichtes Rot, als er den Kopf zur Seite drehte. „Es wird eh vernarben...“
„Hmh.“ Auf das sein Freund auf immer etwas am Körper hatte, dass ihn an Fynn erinnerte. Phil wollte schnauben und wütend sein, doch dazu fehlte ihm die Kraft, stattdessen ließ er seine Hände sinken, machte Anstalten wieder aufzustehen, als Nick selbst die obersten vier Knöpfe öffnete. Er sah Phil nicht an, biss sich auf die Lippe und schob den Stoff seines Hemdes über seine linke Schulter bis seine Brustwarze entblößt wurde. Die und ein eckiges, rotes P. Phil konnte seinen Blick nicht abwenden, starrte auf die Kruste aus trockenem Blut und verletzter Haut.
„W-... Er hat... W-Was... Wieso?“
„Ich war's.“ Nicks Stimme war rau, verloren. Ebenso sein Blick. Verloren und schamerfüllt. Seine Ohren waren rot, seine Wangen dafür wieder blass.
„Du... Warum hast du... oh Gott, Nick!“ Phil wusste nicht, was er dazu sagen sollte. Also küsste er seinen Freund einfach. Innig, tief.

Nicks Augen wurden groß und er schnappte leise nach Luft. „Ph-Phil... Du verstehst nicht...“
„Erklär's mir.“ Phil lächelte leicht, strich ihm sanft über die Wange.
Phil lächelte so sanft und liebevoll. Als hätte es Rick nie gegeben. Als hätte es Fynn nicht gegeben.
„Ich... Er... hat mich gezeichnet und ich hab es nicht verhindern können, Phil.“ Nick hatte sich in seinem ganzen Leben noch nie so sehr für etwas geschämt. Noch nie. Er war so schwach gewesen und so dumm und naiv! Er schloss seine Augen. „Ich hab zuhause... Schadensbegrenzung. Aus dem F ein P gemacht... Deshalb war ich auch nicht direkt bei dir...“
Er wagte es nicht, Phil wieder anzusehen. Auch nicht, als dieser ihm wieder näher kam, schließlich seine Schulter küsste und die Salbe öffnete. Er biss sich auf die Lippe, als ein etwas brennender Schmerz über seine Brust zuckte und gab sich Mühe keinen Ton von sich zu geben bis Phil ein großes Pflaster über die Schnitte geklebt hatte.
„Ich liebe dich“, stellte Phil leise fest, krabbelte einmal über seinen Schoß auf die andere Seite, sodass er seinen Kopf an seine Brust legen konnte, ohne die Verletzung zu berühren. Nick blinzelte.
„Ich... Es tut mir leid.“
„Was?“
„Ich wollte dich nicht auch noch mit diesem Kram belasten. Ich liebe dich auch!“ Er legte seine Arme wieder um Phil, vielleicht sogar etwas zu eng, doch Phil schien es nicht zu bemerken. Nun war er es, der sein Gesicht verbarg, obwohl er nicht weinte. Er seufzte nur leise und fragte sich mal wieder womit er diesen Mann verdient hatte.

Und seine Frage war beantwortet.
Er sagte nicht nur, dass er Phil für immer lieben würde. Es war nicht nur der Gedanke daran, dass er jetzt für immer seinen Anfangsbuchstaben direkt über den Herzen trug und er ihn gar nicht mehr loslassen konnte. Er wurde ebenso gut festgehalten, wie er selbst festhielt. Vielleicht sogar noch besser, immerhin war es Phil gewesen, der immer für die gekämpft hatte. Und das war gut so. Er wollte es gar nicht anders.



Das Klingeln an der Haustür riss die beiden aus ihren Gedanken und auch aus der Umarmung.
„Kannst... du reden?“, bat Phil leise und Nick nickte, erhob sich und knüpfte sein Hemd wieder richtig zu. Er ging die Tür öffnen, während Phil in die Küche huschte um Kaffee zu machen.
„Hallo“, murmelte er, als der Kommissar eintrat. Er war nicht viel größer als Nick und maximal zwanzig Jahre älter. Alles in einem eine ganz sympathische Erscheinung. Und doch...
„Guten Tag. Ich möchte ganz offen beginnen; ist es Ihnen lieber, wenn ich zunächst mit Ihrem Partner rede?“
… Und doch schien es Menschen zu geben, die wirklich das waren, was sie vorzugeben schienen. Phil nickte dankbar und der Kommissar lächelte.
„Ich gehe in mein Zimmer, dann können Sie und Nick hier bleiben“, schlug Phil vor.
„Sehr schön.“
Nick sah Phil an, lächelte leicht und küsste ihn kurz.

Eine halbe Stunde später hörte Phil die Haustür. Er hatte es sich auf seinem Bett bequem gemacht, einen Harry Potter-Band zur Hand genommen, auch wenn er sich nicht wirklich konzentrieren konnte. Oder gerade deshalb. Die Bücher kannte er auswendig, da war es nicht weiter dramatisch, wenn er ein paar Zeilen verlor. Es klopfte kurz an seiner Zimmertür, doch er brauchte gar nicht zu antworten, Milena kam auch so herein.
„Hey... Wie geht’s dir?“ Sie setzte sich auf die Bettkante. „Ich wusste gar nicht, dass der Kommissar kommt.“
„Hm“, machte Phil, rang sich ein Lächeln ab. „Mir geht’s trotzdem gut, schätze ich.“
„Wie sieht's aus mit... deinem Freund?“ Ihrem Ton war nur allzu deutlich zu entnehmen, dass sie nur darauf wartete Nick endlich rausschmeißen zu dürfen. Doch dass ausgerechnet er mit dem Beamten redete und nicht Phil, sagte ihr eigentlich schon alles, was sie wissen musste. Phil hatte ihm wieder vergeben.
„Er spricht mit dem Kommissar.“
„Das weiß ich.“
Phil zog eine Augenbraue hoch, dabei wusste er genau, worauf sie hinaus wollte. „Was willst du dann wissen?“
„Ich meine... wegen gestern.“
„Ich werde ihn deswegen nicht verlassen.“
„Ich weiß. Trotzdem möchte ich wissen, wie es dir jetzt damit geht.“
„Ganz gut, schätze ich.“
Milena sah ihn besorgt an, strich ein paar Falten auf der Bettdecke glatt. Eine emotionale Verfassung zu schätzen war nie ein besonders gutes Zeichen, das wussten sie beide. Also musste sie nur starren und warten bis er von alleine weiter sprach. Es dauerte nicht einmal eine halbe Minute bis Phil seufzend aufgab. Er kannte das System schließlich auch.
„Ich hasse, dass er das getan hat. Aber nicht, weil er jemand anderes geküsst hat oder viel mehr geküsst wurde. Und dass ich jetzt Zeit brauche um ihm wieder voll zu vertrauen verletzt ihn genug.“
„Weswegen dann, wenn nicht wegen dem Kuss?“ Sie sah ihn etwas verwirrt an.
Phil senkte seinen Blick. „Weil er mein Vertrauen zerstört hat. Und davon habe ich im Moment eh nicht besonders viel.“
Milena löste ihre Hand von der Decke, strich stattdessen über Phils Arm. „Ich bin für dich da, das weißt du?“
„Danke!“
Sie lächelte leicht, zuckte zusammen, als Nick die Tür öffnete. „Phil? Der Kommissar hat noch ein paar Fragen an dich.“
Phil schluckte, sein Lächeln verschwand sofort. Schweigend erhob er sich, folgte Nick in die Küche, während Milena sich stumm in ihr Zimmer zurück zog. Der Kommissar trank gerade seinen zweiten Kaffee, hatte seine Jacke mittlerweile abgelegt.
„Ich muss bloß wissen, ob Sie noch eine konkrete Uhrzeit im Kopf haben. Und wo genau er Sie aufgelesen hat.“
Phil biss sich auf die Unterlippe, griff automatisch nach Nicks Hand. „Halb vier vielleicht. Knapp hinter der Bushaltestelle Querstraße.“
„Okay.“ Er machte sich eine weitere Notiz, erhob sich dann. „Danke. Ich melde mich wieder, wenn wir eine offizielle Stellungnahme verfasst haben. Dann sollten Sie auch mit Ihrem Anwalt gesprochen haben.“
Phil nickte. „Rick... Also... Er ist in U-Haft jetzt, oder?“
„Ja! Er wird Ihnen jetzt nicht mehr zu nahe kommen können. Mit etwas Glück werden Sie auch vor Gericht nicht viel reden müssen und die Verhandlung wird angenehm kurz. Sein Anwalt rechnet damit, dass er so oder so gestehen wird. Sie sollten ebenfalls einen Rechtsbeistand zu uns schicken.“
„Gut, dann...“
„... lasse ich Sie jetzt in Frieden.“


Phil schloss seine Zimmertür hinter sich, sah zu Nick, der sich auf das Bett fallen ließ und seine Hand nach ihm ausstreckte.
„Bleibst du heute wieder hier?“
„Wenn du das willst.“
Phil nickte, legte sich in seine Arme und schloss seufzend seine Augen.
„Ist... Jeans aus okay?“, fragte Nick leise.
„Ja.“
Nick lächelte leicht, zog seine aus, beobachtete Phil dabei, wie er es ihm gleich tat. Ihm zu helfen, ihn zu berühren, das traute er sich nicht. Stattdessen zog er auch noch sein Oberteil aus, während Phil sich fest in seine Decke wickelte. Phil wusste jetzt ohnehin Bescheid und so lange er das Pflaster trug musste er den Anblick selbst nicht ertragen. Obwohl er es nicht einmal sehen brauchte um es zu fühlen. Es schmerzte nicht mehr richtig, aber...
„D-Deine Shorts behältst du aber an, oder?“ Phil sah ihn aus etwas ängstlichen Augen an und Nick senkte seinen Blick.
„Ja... Wenn es dir lieber ist, wenn ich das Hemd anlasse...“ Möglicherweise wollte Phil das Pflaster ja selbst nicht sehen. Eine Erinnerung an Nicks Vertrauensbruch, seine Schwäche.
„Nein, ist okay so. Willst du noch was essen? Gio anrufen? Oder schlafen?“
„Schlafen.“ Nick lächelte leicht, legte sich neben ihn. Lächeln und so tun, als sei alles in Ordnung. Gio würde er nie wieder unter die Augen treten können. Auch er wusste, was mit Fynn passiert war. Natürlich wusste er es. Er war in der Rangliste des Tratsches direkt hinter jedem Friseur. Schade war es um die gute Pizza... Noch vor ein paar Monaten hatte er bedauert, keinen Sex mehr mit ihm haben zu können, jetzt war es schon nur noch das Essen. Was hatte Phil nur aus ihm gemacht?
Einen besseren Menschen.
Nick schnaubte innerlich. Es war so viel leichter einfach böse zu sein. Dann wäre das alles nicht passiert. Oder er würde die Narbe mit Stolz tragen. Als Zeichen seiner Beliebtheit und seine Stärke, weil es ihm nichts ausmachte. Nick war nicht mehr der Starke. Nur noch für Phil. Vielleicht hatte er ihn deshalb ausgesucht. Weil er jemanden brauchte, der noch schwächer war als er... Nick schloss seine Augen. Er sollte endlich aufhören so zu denken!


Rick lachte rau, hielt Phil am Arm, während dieser ungläubig zusah, wie Nick einen anderen Mann küsste, dem er nicht ins Gesicht sehen konnte. Phil versuchte sich loszureißen, doch dann war Nick plötzlich fort, nur einen Moment bevor er es selbst war, der ihn am Arm hielt, die Hand so stark schloss, dass Phil den Bluterguss geradezu entstehen spüren konnte. Nick lachte. Es war ein fremdes Lachen, nicht vertraut, nicht warm.
„Wieso sollte ich dich schon lieben? So einen schmutzigen, wertlosen Jungen, der nicht mal allein vor die Tür gehen kann.“
„Nick“, winselte Phil, begann zu weinen. Und trotz des schmerzhaften Griffs schlang er seine Arme um den vertrauten Körper, der sich jetzt wie kaltes Marmor anfühlte. So schön und perfekt und doch so kalt und unpersönlich.
„I-Ich wollte nicht... bitte...“
Eine Hand traf hart gegen seine Wange und er fiel Richtung Boden. Vergeblich wartete er auf den Aufprall, doch statt eines Schlags in den Rücken spürte er den Schwindel immer stärker werden.
„Nick! Bitte geh nicht! Ich brauche dich!“
Er schrie erneut auf, als sich etwas in seinen Haaren verfing, daran zerrte.
Nein. Es zerrte nicht. Es streichelte. Sanft. Liebevoll.
Phil blinzelte, sah in Nicks hellblaue Augen, die vom Schein der Nachttischlampe schimmerten.
„Hey...“
„Oh Nick...“ Phil schluckte sein Schluchzen herunter, kuschelte sich fester an seinen Freund. Seinen richtigen Freund.

Nick schluckte ebenfalls. Eigentlich war Phil viel zu nah dafür, dass er nicht noch näher durfte. Sein Traum war ebenfalls von einem Schrei gefüllt gewesen, jedoch ganz anderer Art. Keine Angst. Phil löste sich wieder aus seinen Armen.
„Sorry. Ich... geh ins Bad“, nuschelte der Jüngere und noch bevor Nick sich aufsetzen konnte, war sein Freund aus dem Raum. Nick fuhr sich durch die Locken. Letztes Mal hatte es einen guten Monat gedauert bis Phil ihn wieder an sich ran gelassen hatte. Und nun? Wie lange würde es so weiter gehen? Monate? Jahre? Es würde auf jeden Fall die schwerste Zeit seines Lebens werden. Wieso hatte er sich nie mit diesen Dingen beschäftigt? Psychische Folgen? Und wie vielen jungen Männern hatte er wohl nachträgliche Alpträume beschert? Nein, er hatte niemanden vergewaltigt und letzten Endes war immer alles einvernehmlich von Statten gegangen. Aber er hatte auch immer dafür gesorgt, dass er alles bekam, was er wollte. Woher hatte er wissen wollen, dass sein Gegenüber damit klar kam? Wenn er allein an Henry dachte... Dieser damals so junge, unschuldige Mann. Sein erstes Mal. Er war ziemlich sicher, dass es spektakulär gewesen war – das war es immer. Aber Henry war jetzt ein ganz anderer Mann. Er war nicht nur erwachsen geworden, sondern irgendwie auch verbitterter. Wieso sonst sollte er sich an Phil ran schmeißen?
Die Tür ging wieder auf und Phil kam zurück.
„Nick?“
Angesprochener lächelte leicht, legte sich wieder hin und klopfte auffordernd neben sich.
„Schlaf mit mir!“
Nick erstarrte, sah ihn an und blinzelte ein paar Mal. „...Was?“ Träumte er noch? Phil würde das niemals fordern! Jetzt erst recht nicht.
„Schlaf mit mir!“, wiederholte Phil. Als sein Freund nicht reagierte, ging er zu ihm, legte sich auf den angebotenen Platz und kuschelte sich nach kurzem Zögern eng an Nick. Er wartete keine weitere Antwort ab, sondern drückte seine Lippen auf Nicks.
Wieso wollte er das Angebot noch mal ablehnen?
Nick seufzte. „Nein, Phil.“
„Warum?“
„Weil du das jetzt noch nicht willst und wir damit warten werden bis du mich wirklich willst. Von dir aus. Nicht aus... Pflichtgefühl oder was auch immer. Und auch nicht mitten in der Nacht so plötzlich.“
„Ich will es!“, widersprach Phil.
„Wieso?“
„Du hast noch nie einen Grund gebraucht.“
Nick sah zur Seite. Wundervoll. Phil hatte recht und er war wieder mal das Arschloch. „Aber ich brauche einen dafür, dass du mich bei solchen Dingen anlügst.“ Er schluckte leicht. Nein, er war nicht verletzt. „Für wen hältst du mich, dass ich dich dann einfach anfasse?“

Phil schwieg einen Moment, die Verzweiflung deutlich in seinen Augen. Nick hielt ihn für schmutzig. Er wollte ihm doch nur die Möglichkeit geben, ihn wieder als sein Eigentum zu markieren, es wenigstens zu versuchen. Wie sollte er Nick sonst davon überzeugen, dass er ihn immer noch wert war? Wo er doch selbst nicht mehr daran glaubte...
„Ich will, dass du glücklich bist“, flüsterte er schließlich.
„Dass bin ich, wenn du es auch wieder bist. Dafür musst du jetzt nicht mit mir schlafen.“ Und sie wussten beide, dass Nick diese Worte in spätestens zwei Wochen bereuen würde.
„Hältst du mich für schmutzig?“
„Schmutzig? Dich? Warum sollte ich?“
„Nichts“, murmelte Phil. „Sollst du nicht. Vergiss es. Schlaf weiter.“
Er würde ja doch keine ehrliche Antwort bekommen. Dafür war Nick zu charmant...


~.~



Es vergingen zwei Wochen bis Phil eine Bestätigung für den Gerichtstermin bekam. Auch Nick erhielt eine Vorladung. Es vergingen zwei weitere Wochen, in denen Nick versuchte, Phil zu einem Spaziergang zu überreden. Zu einem Essen im Lokal. Zu einem Besuch bei Mike und Seth. Zu einem Besuch von Seth. Doch Phil schüttelte jedes Mal den Kopf, also gab Nick es auf.
Er ging wieder zur Uni, jedoch nur unregelmäßig, sodass er das Semester ziemlich sicher wiederholen würde, während Phil davon redete, einfach gar nicht mehr zu studieren und sich etwas anderes zu suchen. Vielleicht etwas, das er zuhause machen konnte.
An einem Mittwoch fand Nick die Visitenkarte von Annika. Phil war nicht mehr bei ihr gewesen. Sie wusste von nichts, doch vielleicht wäre es besser, wenn sie... Sie war immerhin professionell ausgebildet und so wenig Sympathie Nick auch für sie über hatte, beim letzten Mal hatte sie Phil wirklich geholfen.
Es kostete ihn einiges an Überredungskunst, doch schließlich willigte Phil ein. Vorausgesetzt Annika kam zu ihnen in die Wohnung und nicht er in die Praxis. Also rief Nick an, machte einen Termin für morgens vor den üblichen Sprechzeiten.

Phil redete nicht viel. Er versuchte auch nicht mehr, Nick zum Sex zu überreden. Er wollte ihm nah sein, aber Küsse waren mehr als genug. Händchen Halten, nachts ankuscheln. Mehr brauchte er nicht. Er redete sich ein, dass es okay für Nick war. Ignorierte seine kalte Haut, wenn er nachts aufstand und eine kalte Dusche nahm. Ebenso wie Nick es ignorierte, dass Phil täglich ein bis zwei mal duschte. Sie sprachen nicht darüber, dass Nick manchmal länger weg war, wenn er Sachen aus seiner Wohnung holte. Phil war sicher, dass Nick ihm noch immer treu blieb – warum auch immer. Wieso beendete er ihr Elend nicht einfach? Wieso war er sogar so... taktvoll sich zuhause einen runter zu holen und nicht in Phils Schlafzimmer?

Das P auf Nicks Brust war wie erwartet geblieben. Ein weißes, eckiges P, direkt über seiner Brustwarze, über seinem Herzen. Theoretisch fühlte Nick nichts mehr von der verletzten Haut, dennoch war er empfindlicher als je zuvor. Aber das war egal, denn außer ihm berührte niemand seine Brust und es bekam auch niemand zu sehen. Er trug keine weiteren Ausschnitte mehr, keine lockeren T-Shirts und das nackt Schlafen hatte sich ohnehin erledigt.


Ein Monat nach Rick und sie zerbrachen leise. Jeder für sich.
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