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Loads of Trouble

von MiraiShu
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
21.03.2015
07.08.2018
94
358.866
125
Alle Kapitel
291 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
08.09.2015 3.432
 
Wir bedanken uns ganz herzlich für die lieben Reviews! (Freuen uns natürlich weiterhin über eure Meinung ;) ) Und wünschen euch viel Spaß mit dem nächsten Kapitel! Wir waren fleißig, also wird erst mal weiter regelmäßig geupdater!


Kapitel 25: I'll always protect You!


Die restliche Nacht wurde nicht leichter als der Beginn. Immer wieder musste Nick Phil wecken, weil er sich unruhig durch das Bett rollte, brummte, sogar schrie. Beim zweiten Mal hatte Nick ihn vorsichtig an der Schulter berührt. Phil war zurück gewichen, hatte „Fass mich nicht an!“ gerufen und um sich geschlagen, bevor er hinter dem Vorhang von Tränen seinen Freund erkannt hatte. Und nicht nur seinen Freund. Auch Entsetzen, Überraschung. Und Schmerz.
Am nächsten Morgen wurden sie noch einmal zur Polizeiwache geordert, damit Phil Rick eindeutig als Täter identifizieren konnte. Für das Protokoll war es wohl wichtig. Es kostete Phil eine Menge Kraft. Er musste Rick zwar nicht direkt gegenüber stehen, doch Nick durfte auch nicht an seiner Seite bleiben. Und so fiel er ziemlich erschöpft zurück ins Bett, als sie wieder in Nicks Wohnung waren und Nick erneut Tee gekocht hatte. Langsam gingen ihm die Beutel aus...
„Du solltest schlafen“, stellte Nick fest, als er die dunklen Schatten unter Phils Augen bemerkte.
„Ich... glaube, lieber nicht.“
„Hey... Du kannst nicht immer wach sein.“
„Okay... Aber dann allein.“
Nick sah ihn an, erhob sich dann aber direkt und nickte leicht. Phil erwiderte seinen Blick unglücklich. „Wäre es dir lieber mitzukommen und wieder von mir... abgestoßen zu werden?“
Nick zuckte mit den Schultern. Theoretisch wusste er, dass Phil ihn damit nicht gemeint hatte. Dass es nicht er war, vor dem er sich fürchtete und gegen den er im Traum kämpfte. Aber Theorie und Praxis lagen oft weit auseinander...
„Du musst wissen, ob du meine Nähe... ertragen kannst.“
„Nick, ich liebe deine Nähe! Aber wenn ich schlafe und träume kann ich nicht unterscheiden, wer neben mir ist. Es könnte sein, dass ich dich wieder verwechsele.“
„Schon gut. Schlaf einfach und ruh dich aus.“
Damit verschwand er ins Wohnzimmer. Vielleicht war es wirklich besser für sie beide... Doch darin täuschte er sich.


Eine halbe Stunde später kam Phil zu ihm.
„Ich kann nicht schlafen ohne dich.“
„Und nicht mit mir...“, murmelte Nick, erhob sich aber trotzdem und nahm Phils Hand um ihn wieder ins Schlafzimmer zu bringen, wo er einen liebevollen Kuss bekam und ein kleines Geständnis: „Ich hab Angst alleine...“
Es musste den Jüngeren viel Überwindungen kosten, sich das einzugestehen und auch noch laut auszusprechen. Sich einzugestehen, dass die Ereignisse sein Leben für immer verändert hatten, dass sie ihn nicht kalt ließen, dass es nicht wie in einem Film war, den man einfach beendete. Die Wirklichkeit holte ihn ein, ganz langsam. Und selbst, wenn er die Angst irgendwann besiegen würde, die Erinnerung würde bleiben, seinen Charakter für immer formen. Es war wie der Moment in einem Buch, an dem man sich wünschte, man hätte die nächste Seite nicht gelesen, weil dort etwas stand, dass nicht rückgängig zu machen war. Etwas, das überdauern würde. Und nun war es Phil und nicht irgendein Fremder oder eine Fremde von der man in der Zeitung laß, der dieses Laster trug. Der damit umgehen musste. Und immer wieder versuchte er sich zu sagen, dass es ihn gar nicht so schlimm getroffen hatte, dass es Menschen, Kinder gab, die viel schlimmer dran waren und die viel mehr erlebt hatten. Noch immer versuchte er es in eine Schublade, in eine Phase zu packen, obwohl er so schmerzhaft genau wusste, dass es eine Schublade war, die sich nicht mehr verschließen ließ.
„Du bist hier sicher, Phil.“
„Logisch betrachtet weiß ich das...“
Nick zog ihn auf dem Bett in seine Arme. „Na los. Augen zu. Schlafen. Ich bin bei dir.“
Wenige Augenblicke später war Phil tatsächlich wieder eingeschlafen. Nick dagegen blieb wach, strich ihm gedankenverloren durch die schwarzen Haare. Er zuckte leicht zusammen, als Phil seinen Namen wisperte. War er wieder aufgewacht? Doch als er ihn ansah, waren seine Augen noch geschlossen und im nächsten Moment schrie er: „Hilf mir, Nick!! Bitte!!!“ Seine Hand krallte sich in Nicks T-Shirt-Kragen und zog etwas zu fest an dem Stoff, als dass es für Nick noch angenehm war.
„Hey... Phil. Aufwachen. Ich bin da.“ Er folgte dem Zug an seinem Shirt leicht, küsste Phil zaghaft. Der Jüngere zuckte, nickte leicht und kuschelte sich wieder an Nick, ließ sein Shirt los.
„Er kann nicht kommen, oder?“
„Nein, kann er nicht.“


Nach vier Stunden wurde Phil wach, streckte sich und gähnte. Der Platz neben ihm war leer. Schnell erhob er sich, lief ins Wohnzimmer, von wo er Nicks Stimme hörte. Alles, bloß nicht alleine sein!
„Sorry, Mike. Später. Phil ist wach. - Jaaa.“ Er beendete sein Telefongespräch, ließ sein Handy auf den Couchtisch fallen. „Hey.“
Phil drückte sich gleich wieder an ihn. „Du hast versprochen, bei mir zu bleiben!“ Er sah ihn vorwurfsvoll an.
„Sorry.“ Nick küsste ihn sanft. „Musste kurz telefonieren.“
„Aber jetzt bleibst du bei mir?“
„Ja.“
Ein erneuter Kuss und ein tiefes Seufzen des Älteren, das Phil nachdenklich stimmte.
„Nick? Wenn... Wenn ich dich nerve, sag Bescheid.“
„Du nervst nicht“, hauchte Nick, knabberte an seinem Ohr. Nun war es der Jüngere, der seufzte, sich trotzdem nicht wirklich entspannen konnte.

Nick schloss seine Augen, ließ seine Zungenspitze über Phils Ohrmuschel gleiten. Ohne groß darüber nachzudenken ließ er seine Hand unter Phils Shirt und auf die warme Haut gleiten. Er war nur knapp über seinem Bauchnabel angekommen, als er festgehalten wurde.
„Nicht...“
Nick blinzelte, sah seinen Freund etwas verständnislos an bevor er seine Hand zurück zog und sich zur Seite wandte. „Sorry. Tut mir leid. Ich... Sorry.“
„Nein, Nick... bitte...“ Phil zog ihn wieder zu sich. „Bitte. Bleib hier...“
„Sag, wenn... Na ja... Wie auch immer.“
„Wenn was?“
„Wenn's okay ist.“
„Nick... es tut mir leid!“
„Nicht deine Schuld.“ Nick biss sich auf die Lippe. Jetzt durfte er Phil also nicht mehr berühren. Jetzt musste er ausbaden, was Rick verbockt hatte. Dabei fiel ihm auf, wie selbstverständlich er Phils körperliche Nähe immer betrachtet hatte. Er hatte ihn geküsst, wenn ihm danach war. Er hatte ihn berührt, wenn ihm danach war und wenn er  guter Laune war, hatte er ihn immer ein bisschen scharf gemacht mit der frohlockenden Aussicht, dass sie hinterher fantastischen Sex hatten. Das ging jetzt nicht mehr und aus psychologischer Sicht konnte Nick das nachvollziehen. Es musste schwer für Phil sein wieder an körperliche Nähe zu denken. Und noch schwerer musste es sein, so etwas wie Lust zuzulassen, wenn man dabei unwillkürlich an Rick denken musste. Nick hatte erlebt, wie der junge Mann im Bett war. Wie hart es zuging und wenig er vor Handgreiflichkeiten zurück schreckte. Er selbst hatte sich wehren können. Er war vorbereitet gewesen, hatte dem ganzen schließlich auch den Anstoß verpasst. Doch Phil... Phil war nicht wie er. Er war Rick körperlich deutlich unterlegen und auch psychisch. Für ihn war es kein Machtspiel, für ihn war es überhaupt kein Spiel. Für ihn musste dieser blow job die reine Demütigung und Enteignung gewesen sein.
Nick zuckte zusammen, als er eine Träne auf seiner Schulter spürte.
„Hey...“, hauchte er leise, löste sich so weit von Phil, dass er ihm in die Augen sehen konnte.
„Ich... kann verstehen...“, murmelte der Jüngere stockend, „wenn... du mich nicht mehr willst...“
„Ich will dich aber!“ Das war ja das Problem... Er wollte ihn und konnte ihn nicht haben.
Phil wich seinem Blick aus. „Nein, ernsthaft. Du solltest dir einen anderen suchen. Irgendjemanden mit dem du was anfangen kannst...“
Wie bitte?!
„Du... Du willst, dass ich fremd gehe?!“

Phil nagte an seiner Unterlippe. Nein, natürlich wollte er das nicht. Aber er wollte auch nicht, dass Nick jetzt unter ihm leiden musste. Er wusste, wie wichtig Nick Sex war. Und er wollte es ihm nicht nehmen. Er wollte nicht, dass er vor ihm weg lief, wenn Phil doch etwas länger brauchen würde, um mit dieser Nähe wieder zurecht zu kommen. Er wollte, dass Nick bei ihm blieb. Koste es eben, was es wolle. Und wenn er seinen Körper dafür teilen musste...
„Dann sag so was nicht, ja?!“ Nicks Stimme war ungewöhnlich hart.
„Aber... ich will nicht, dass du wegen meiner Probleme nicht tun kannst, was du willst“, versuchte Phil sich zu erklären.
„Dann sag es trotzdem nicht!“
„Aber... ich wäre dir nicht böse, wenn...“
„Doch, das wärst du! Und jetzt hör auf! Bitte!“

Nick sah seinen Freund gequält an. Was sollte das? Phil wusste doch genau, wie sehr er mit der Treue allgemein zu kämpfen hatte. Wie schwer es ihm von Anfang an gefallen war. Und jetzt bekam er es in den Griff. Für Phil. Zumindest hatte er es in den letzten drei Wochen durchgestanden. Und da fiel ausgerechnet Phil ihm so in den Rücken. Wie sollte er widerstehen, wenn er die ausdrückliche Erlaubnis dazu bekam?! Wieso sollte er es lassen, wenn sein eigener Freund ihn dazu aufforderte?
Phil nickte nur, schien ein wenig in sich zusammen zu sinken. Nick legte wieder seine Arme um ihn, legte seinen Kopf an seine Schulter, sodass seine Locken Phils Wange kitzelten.
„Es... ist nur... unheimlich schwer, dir nah zu sein, ohne dich berühren zu dürfen...“, murmelte der Ältere leise.
„Es tut mir wirklich sehr leid!“
„Ich weiß... Weiß... Weiß Milena schon Bescheid?“
Phil schüttelte seinen Kopf.
„Okay... Gehen wir ins Bett oder willst du vorher was essen?“
„Ich komme doch gerade erst aus dem Bett...“
„Und... Was wollen wir dann bis Schlafenszeit machen?“
Wie viel leichter es war, wenn man seine Freizeit mit kuscheln und küssen und Sex verbringen konnte, als wenn man jemanden beschäftigen musste, dessen Gedanken um einen sexuellen Missbrauch kreisten...
„Können wir bei Milli vorbei? Ich kann ihr das nicht alleine erzählen.“


Auf dem Weg zu seiner und Milenas Wohnung fragte Phil: „Hat... Rick das gemacht, weil er es auf mich abgesehen hat, oder um dich zu treffen?“
Nick biss sich auf die Lippe, schwieg.
„Er hat dir was gesagt, oder?“, hakte Phil nach. „Bitte, sag es mir!“
„Vermutlich beides“, murmelte Nick, als Antwort auf seine vorherige Frage. Er hatte nicht vor, auf die zweite einzugehen.

Milenas Reaktion auf Phils gestotterte Erzählung war zu erwarten gewesen. Sie war stinkwütend. Vor allem natürlich auf Rick. Trotzdem blieb sie verhältnismäßig ruhig. Sie wusste, dass es ihrem besten Freund nicht gut tun würde, wenn sie jetzt auch noch rumkeifte. Auch, wenn ihr wirklich danach war. Denn in ihren Augen war es nicht nur Ricks Vergehen, Nick trug zumindest eine Teilschuld. Sie sprach diesen Gedanken nicht aus, doch ihre Blicke sagten eigentlich alles. Schließlich schlug sie vor: „Du könntest zu einem Psychologen gehen.“
„Was soll ich da?!“ Phil war sichtlich nicht begeistert. Er wusste selbst, dass dieses Erlebnis nicht spurlos an seiner Psyche vorbeigegangen war, und dass es einige Zeit brauchen würde, damit er sich wieder gefangen hatte. Aber deshalb würde er sich nicht als psychisch krank abstempeln lassen und zu einem Psychologen gehen!
Milena seufzte. „Ganz ruhig, Phil. Du kannst dort darüber reden und es besser verarbeiten. Nur weil man zu einem Facharzt geht, muss man sich nicht krank fühlen oder es sein.“ Sie wusste sehr genau, worum Phils Gedanken kreisten und irgendwie konnte sie es nachvollziehen. Trotzdem. Es war doch in der heutigen Zeit nichts besonderes mehr, sich Hilfe zu suchen. Und eine Schande war es erst recht nicht! Wo Hilfe da war und benötigt wurde, konnte man sie auch annehmen.
„Der kann das auch nicht rückgängig machen.“ Phil zog die Ärmel seines Pullovers weiter über seine Hände.
„Aber dir helfen...“, murmelte Nick.
„Womit?!“
Nick sah ihn an, zog eine Augenbraue hoch. Phil erwiderte den Blick trotzig. „Nein.“
„Deine Entscheidung.“
Milena jedoch sah das anders. „Stell dich nicht so an, Phil. Ein Mal wird keinem schaden und der kann dann entscheiden, ob noch länger gut wäre oder nicht.“
„Hilft aber nichts, wenn er es nicht will und eh blockiert“, warf Nick ein, bekam einen strafenden Blick von der jungen Frau. „Was denn?! Man kann Menschen zu nichts zwingen, was auf Psyche beruht.“
„Weiß ich selber“, grummelte Milena. „Aber vielleicht überzeugen.“
„Hallo?!“ Phil winkte zwischen den beiden hin und her. „Merkt ihr, dass ich noch anwesend bin?!“
„Wissen wir.“ Nick lächelte, rutschte mit seinem Stuhl näher an seinen Freund.
„Dann redet mit mir und nicht über mich, ja?!“ Phil kuschelte sich an Nick, guckte aber unwillig, während Nick schief grinste.
„Also, Phil, eine Stunde? Nur um zu gucken? Und wenn's nichts ist, dann lassen wir's.“ Er küsste den Jüngeren sanft, aufmunternd. Phil nickte schließlich leicht, auch wenn er es nicht ganz einsah. Wieso musste er dahin gehen? War das nicht seine Sache? Wieso taten die beiden so, als wäre es so leicht? Außerdem bezweifelte er sehr stark, dass Nick, wenn er in seiner Lage wäre, zu einem Psychologen gehen würde. Ein wenig provozierend sah er ihn also an.
„Aber nur, wenn du mitkommst. Also zumindest bis ins Wartezimmer.“
„... Bis vor die Tür?“
„Du willst nicht mit rein?“
„Muss ich?“
Phil biss sich auf die Unterlippe und schüttelte leicht den Kopf. War ja klar gewesen. Das war eben Nick. Er tat so was nicht. Er brauchte niemanden und er wollte nicht in die Nähe von jemanden, der möglicherweise Schlüsse über seine Psyche ziehen konnte, ohne viel zu reden. Als er seinen Blick vom Tisch hob, sah er direkt ins Milenas Augen. Und er kannte diesen Blick. Es war ein Blick, den nur sie konnte und der jede noch so kleine Lüge seinerseits auffliegen ließ.
„Wie geht’s dir?“
Phil sah weg. „Lass das!“, forderte er und versteckte sein Gesicht an Nicks Hals. Der Ältere sah die beiden etwas fragend, irritiert an, legte aber schützend seinen Arm um Phil.
„Sie ist ein Lügendetektor...“, wisperte Phil. „Du solltest sie niemals direkt ansehen, wenn du etwas verbergen willst.“
Nick wand seinen Blick von ihr ab.

Milena musste grinsen. Dass Nick mehr Geheimnisse hatte, als er zugab hatte sie auch so gewusst. Und das würde sie jetzt auch nicht laut sagen. Trotzdem war sie ein wenig neugierig, hätte zu gerne gewusst, was der Schwarzhaarige verbarg. Na immerhin hatte er jetzt vielleicht etwas mehr Respekt vor ihr.
„Kommt Basti nach hier?“, fragte Phil nach einer Weile des Schweigens.
„Nein, ihr habt hier heute sturmfrei. - Sag mal, gehst du Basti aus dem Weg?!“
„Er mag mich nicht.“
„Er hat überhaupt keine Sympathie für Schwule“, warf Nick ein, sah Milena anklagend an. Doch diese schüttelte den Kopf.
„Ihr spinnt doch!“
Phil sah sie an. „Merkst du noch was?“
„Das fragst du! Darf ich dich daran erinnern, in wen du dich verliebt hast und wie er mit dir umgegangen ist?! Mein Freund behandelt mich ordentlich und alle anderen auch!“ Sie war aufgestanden, funkelte ihren besten Freund wütend an.
Phil schnaubte. „Da hab ich aber andere Erfahrungen gemacht. Mein Freund hat mich jedenfalls nie dazu gebracht, meine beste Freundin so zu enttäuschen!“
„Das ist jawohl was anderes! Und ich habe mich entschuldigt!“
„Was ist daran so anders?! Und er sich nicht!“
„Dass ich nicht wegen ihm fast vergewaltigt wurde!“ Sie stoppte. „Sorry...“
Phil sprang auf, Tränen in den Augen. „Du...“ Er schüttelte den Kopf und lief aus dem Zimmer, aus der Wohnung. Nick erhob sich ebenfalls, sah Milena wütend an.
„Vielen Dank auch!“
Phil war da draußen alleine jetzt nicht gut aufgehoben, das wusste Nick. Die Wunde war noch zu frisch, als dass Phil schutzlos durch die Gegend laufen sollte. Zu mal das Wetter nicht das beste war und es bereits dunkel wurde. Da lag die Gefahr einer Panikattacke geradezu auf der Hand. Nur Sekunden nach seinem Freund verließ Nick die Wohnung, doch diese Zeit hatte ausgereicht, damit der Jüngere sich verrannt hatte. In den Straßen und in seinen Gedanken...

Was war, wenn Rick ihm hier begegnete? Oder ein Freund von Rick? Er war alleine... Nick war nicht da. Niemand schützte ihn! Wo war er? Eben hatte er die Straße doch noch gekannt! Schritte hallten über den Asphalt und Phil kauerte sich auf dem Boden in den Schatten einer Häuserecke. Tränen brannten in seinen Augen und ließen den Schein der Straßenlaterne milchig werden. Rief da jemand seinen Namen? Oder bildete er es sich ein. Nick musste ihn doch suchen! Aber was war, wenn es nicht Nick war? Hätte er bloß sein Handy nicht liegen gelassen. Er musste hier weg. Schnell. Aber wohin? Wo war er noch sicher?! Das war doch Nicks Stimme, die ihn da rief, oder? Er musste ihm antworten! Aber wenn er antwortete, wozu versteckte er sich dann? Nein. Er musste leise sein. Leise sein und sich verstecken und nicht von Rick gefunden werden. Ihm wurde schlecht. Der Geschmack auf seiner Zunge, das Gefühl in seinem Mund...!
„Nick!“ Er hatte es rufen wollen, doch es war mehr ein heiseres Flüstern.
„Phil?!“ Sein Freund blieb im Licht der Laterne stehen, sah sich um. Nick. Es war Nick. Der Jüngere erhob sich langsam, machte einen kleinen, schüchternen Schritt auf ihn zu, jeder Zeit bereit wieder zurück zu weichen, sollte er sich geirrt haben. Doch gleich darauf blitzten ihn hellblaue Augen erleichtert an und der Ältere zog ihn lächelnd an sich.
„Hey...“, hauchte er, als Phil panisch sein Gesicht an seinem Shirt versteckte, sich an ihn klammerte, wie ein verloren gegangenes Kind. „Sie hat das nicht böse gemeint....“
„Ich... war alleine.... Ich will nicht alleine sein!“
„Ich bin bei dir, Phil.“ Nick küsste sanft seine Stirn. „Gehen wir nach Hause.“
„Nick... Ich hab Angst...“ Phil nahm gar nicht richtig wahr, was der Schwarzhaarige sagte, sah sich nur ängstlich, verstohlen um.
„Ich bring dich zu mir, ja? Du bist sicher bei mir. Versprochen. Du bist sicher.“


Nick war mehr als froh und erleichtert, als sie endlich in seiner Wohnung waren. Er schrieb Milane eine kurze SMS mit Phils Handy, brachte diesen dann ins Bett.
„Soll ich dir Tee machen?“, bot er an, nachdem der Jüngere sich völlig in die Bettdecke gewickelt hatte.
„Nicht hier weg gehen!“
Nick biss sich auf die Lippe, nickte aber leicht und legte sich zu ihm. Sofort legte sich der schlanke Körper halb auf ihn und er fühlte seinen warmen, schnellen Atem direkt an seinem Hals, bekam unwillkürlich eine Gänsehaut. Er wusste, dass es eine Panikreaktion war, dass Phil bloß seinen Schutz suchte und doch war es schön, ihm so nah zu sein. Trotz der Kleidung. Nur sehr langsam wurde Phil wieder ruhiger. Irgendwann hob er seinen Kopf, sah Nick an, als würde er jetzt erst bemerken, dass er bei ihm war, und küsste ihn dann. Tief. Innig. Aber auch verzweifelt. Für Nick schmeckte es dennoch nach Sehnsucht. Er wollte mehr davon. So viel mehr. Er blinzelte.
„Versuch ein bisschen zu schlafen.“
„Es tut mir leid, Nick. Es tut mir wirklich leid, dass du die ganze Zeit unter mir leidest. Dass ich abgehauen bin auch. Und... das alles!“
„Hey, ganz ruhuig. Es ist alles okay. Das wichtigste ist jetzt erst mal, dass es dir wieder besser geht.“
„...Versprichst du mir was?“
„Hm?“
„Versprich mir, dass du bei mir bleibst. Also... mit mir zusammen. Nicht unbedingt die ganze Zeit örtlich, aber... Ach, du weißt, was ich meine!“
Nick nickte leicht, küsste ihn liebevoll. Wie sollte er das auf ewig versprechen?! Ja, Phil hatte ihn geändert. Und er war noch immer dabei. Auf eine Art und Weise, die er nie für möglich gehalten hätte. Und dennoch...
„Ich liebe dich“, wisperte Phil bevor er seine Augen schloss und einschlief.


Nachts wurde er wach, weil er auf die Toilette musste. Und er diesen seltsamen Geschmack im Mund hatte, den man nach dem Schlafen oft bekam, wenn man dann wieder wach wurde und seine Zähne noch nicht geputzt hatte. Und doch erschien ihm dieser Geschmack als viel unerträglicher, viel bitterer als sonst. Leise stand Phil auf und huschte ins Bad, wo er sofort alle Lichter an machte. Er ging auf die Toilette, putzte dann schnell seine Zähne. Sobald alle Lichter wieder aus waren, rannte er zurück zu Nick und versteckte sich wieder unter der Decke. Sein Freund hatte davon nicht mitbekommen, schlief noch immer. Phil schlüpfte in seinen Arm, schlief recht schnell, aber mit klopfendem Herzen wieder ein. In Nicks Umarmung, die immer enger wurde...


Nick konnte sich nicht mal an daran erinnern, geträumt zu haben, als er aufwachte. Schließlich träumte er nie bewusst. Aber wieso zur Hölle hatte er dann eine Erektion?! Er war in seinem ganzen Leben erst ein Mal mit einer Morgenlatte wach geworden. Als er ein Teenager war und von Sexualität gerade erst den Anflug einer Ahnung bekam. Und danach... hatte er meist ausreichend Sex gehabt um dieses männliche Phänomen zu vermeiden. Reichten jetzt etwa schon zwei Tage neben Phil und ohne Sex um ihn gleich in diese Notlage zu bringen?! Er erhob sich. Bad. Dusche. Viel kaltes Wasser.
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