Tagebuch eines jungen Gottes

von HowtoPnP
GeschichteÜbernatürlich / P12
21.03.2015
21.03.2015
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Ich werde nie verstehen, warum Menschen sich betrinken!
Naja, das stimmt nicht ganz, ein Teil von mit versteht es. Der stink-besoffen-auf-ner-voll-geilen-Party-wo-jeder-meinen-Freund-ist-Teil von mir versteht warum Menschen sich betrinken: Die Party wird spaßiger, die Musik wird besser, die Menschen werden offener und es ist nicht so schlimm sich zu blamieren, weil jeder ein Idiot ist.
Aber ein anderer Teil von mir, wird nie verstehen warum Menschen sich betrinken. Das ist der verkatert-am-nächsten-Morgen-Oh-Gott-bitte-töte-mich-Teil von mir. Und mit diesem Teil von mir beginnt diese Geschichte.

Kennt ihr dieses Nie-wieder-Alkohol-Gefühl?  Normalerweise ist das für die Tage reserviert, an denen man gegen 3 Uhr nachmittags mit einem tierischen Kater aufwacht, nachdem man die Nacht auf dem Fußboden geschlafen hat. Ich hatte das welches-dumme-Arschloch-hat –Alkohol-erfunden-Gefühl: Mein Kopf fühlte sich an, als hätte ihn jemand in einen Zementmischer geworfen, in meinem Mund war die Wüste Gobi, mir tat alles weh und ich wollte den Wichser verprügeln, das auf die Idee mit der Sonne gekommen war, obwohl meine Augen noch geschlossen waren.
Aber irgendwas war anders als nach anderen Sauftouren, das Bett fühlte sich irgendwie falsch an. Es war zu weich, die Bettdecke war nicht so kratzig wie sonst und neben mir war irgendwas warmen. Trotz meines Katers öffnete ich meine Augen, um festzustellen was zur Hölle hier los war.
Und als ich die Augen aufmachte, sah ich eine Frau, die meinen Träumen entsprungen sein musste: Anfang Zwanzig,  wallendes schwarzes Haar, volle Lippen und Brüste, die eine eigene Umlaufbahn besitzen mussten. Ihre Figur war – soweit ich das durch die Bettdecke beurteilen konnte – eine Mischung aus Bademodenmodel und Pornodarstellerin. Ich ließ meinen Blick durch den Raum wandern: ein vollgestopftes Bücherregal, bunte Poster an weißen Wänden, ein Schreibtisch mit Computer und Büchern und ein großer Schrank in der Ecke. Abgesehen von den überall verstreuten Klamotten eigentlich eine ganz normale Wohnung.
Das war also scheinbar dieselbe Realität, die ich bewohnte: Es gab Schwerkraft, die Wände waren nicht aus Schokolade und Delphine schienen nicht die Weltherrschaft errungen zu haben. Also blieb nur eine Frage – naja, eigentlich gab es mehrere Fragen, wie beispielsweise: Wo ist meine Hose? Warum tut mein linker Nippel weh? Wie kommt dieser BH an den Deckenventilator? Ist das da auf dem Gummibaum mein Hemd? und Warum steht da Schokosirup auf dem Nachttisch? – aber es gab nur eine Frage, die mir spontan in den Sinn kam: Wieso lag ich mit dieser Traumfrau im Bett?

Als mein Blick wieder zu ihr wanderte, begann besagte Traumfrau sich zu bewegen. Sie drehte sich zu mir murmelte ein verschlafenes „Morgen“ und schaute mich mit tiefblauen Augen an. Mein Hirn war paralysiert. Wobei das nicht ganz der Wahrheit entspricht, mein Gehirn arbeitete auf Hochtouren, aber ich war nicht in der Lage einen klaren Gedanken zu fassen, bevor er von einem anderen Gedanken verdrängt wurde.
Ich möchte nun die Möglichkeit nutzen einige meine Gedanken in unbestimmter Reihenfolge wiederzugeben:
„Wie können Augen so blau sein?“
„Was zur Hölle ist letzte Nach passiert und warum kann ich mich nicht daran erinnern?“
„Verdammte Scheiße, sind die Titten echt?“
„FUCK! Wieso fällt mir ihr Name nicht ein?“
„Wie hab ich DIE abgeschleppt?“
„Bitte sag mir, dass der Schokosirup auf dem Nachttisch letzte Nacht benutzt wurde!“
„Fuck, wieso muss ich ausgerechnet dieses Mal einen Filmriss haben?“
„Bitte steh auf Frühstückssex!“
„Bin ich gestorben und ins Paradies gekommen?“
Zumindest auf die letzte Frage hatte ich eine klare Antwort: NEIN!
Wenn jemand wie ich in den Himmel kommen könnte, wäre diese Welt vollkommen fürn Arsch. Außerdem würde ich mich im Paradies wahrscheinlich nicht so scheiße fühlen!

Ich starrte sie an, sie sah mich mit verträumten Augen an und lächelte.  Scheinbar fand sie mein Unvermögen ganze Sätze zu formen charmant. Bevor die Stille zu unangenehm werden konnte wurde sie durch etwas unterbrochen, durch eine Klospülung.

Genau was mein Kater brauchte: mehr rasende Gedanken!
Wer zur Hölle war im Badezimmer? Hat sie einen Freund? Ob ich mir wohl mein Hose schnappen und aus dem Fenster springen kann, bevor er mir eine reinhaut? Würde ich einen Sturz auf dem Fenster überhaupt überstehen?
Wieso kann ich mich verfickt nochmal an Nichts erinnern?
Ein paar hektische Blicke später hatte sich ein ungefährer Plan in meinem Kopf gebildet: Vom Bett springen, meine Hose vom Bücherregal reißen,  das Hemd vom  Gummibaum ziehen und dann aus dem Fenster. Das könnte funktionieren!
Allerdings wurden meine zweifellos genialen Fluchtpläne zerstört, als sich die Traumfrau mit einem  leichten Seufzen an meine Brust kuschelte. Aber so ein Verhalten würde einen Freund ausschließen, es sei denn, sie hätten eine offene Beziehung. Aber so oder so blieb mir nichts als die ungewohnte Aufmerksamkeit zu genießen und mich zur Wundern was zur Hölle aus dem Badezimmer kommen würde. Nach wenigen Sekunden stellte sich heraus, dass „Was zur Hölle“ weiblich, rothaarig, etwa 1,60 klein, gut ausgestattet und sehr, sehr nackt war!
Mein Körper traf in diesem Moment die beste Entscheidung des Tages: Das Blut stört im Hirn eh nur, schicken wir es da hin wo es mehr Spaß haben kann! Das seltsamste an der Situation waren die Reaktionen der Beteiligten: Die schwarzhaarige Schönheit im Bett reagierte mit einem überraschten „Oh“ und einem zielgerichteten Griff, während sie verschwörerische Blicke mit dem rothaarigen Traum austauschte, die daraufhin grinste und sich ins Bett warf.
Ich war schockiert! Zum einen, da ich nicht erwartet hatte, dass irgendeine Frau so auf meinen Penis reagieren könnte und zum anderen weil sich mir eine Frage aufdrängte: „War er schon immer so groß?“ Diese Frage wurde mir durch die Entfernung der Bettdecke durch eifrige Hände sehr schnell beantwortet: VERFICKTE SCHEIßE NEIN!

In den nächsten Stunden lernte ich einige Dinge:
Die schwarzhaarige Schönheit hieß Anna, die rothaarige Mary. Beide waren Studentinnen und  lebten in der WG, in der wir uns grade befanden. Dabei lernte ich, dass die Frage „Ähm Sorry, wie heißt ihr beide eigentlich?“ nicht unhöflich ist, wenn sich die besagten beiden nach Atem ringen an dich kuscheln. Und ich lernte, dass Sex gegen meinen Kater hilft.

Auch viele meiner Fragen fanden nun eine Antwort:
Anna und Mary waren Frühstückssex gegenüber sehr offen.
Ja, Annas Titten waren echt – Marys übrigens auch – und die fühlten sich so gut an wie sie aussahen.
Ja, der Schokosirup war involviert. Wodurch auch mein schmerzender Nippel erklärt wurde.
Die Frage nach dem BH im Ventilator, meinem Hemd im Gummibaum und der Frage aller Fragen „Wie konnte ich bei diesen Frauen landen?“ wurden leider nicht vollständig beantwortet.
Meine Erinnerung ließ mich im Stich und die Antwort der beiden Mädchen beschränkte sich auf ein „Du warst einfach so … WOW!“ Ich befürchtete schon den beiden das Hirn rausgefickt zu haben.
Ich war nicht unbedingt der WOW-Typ. Versteht mich nicht falsch, ich war nicht unbeschreiblich hässlich, aber ich war – naja – ich war halt nicht das, woran man bei „animalische Anziehungskraft“ denken würde. Ich hatte einen recht ausgeprägten Bauch, Pickel im Gesicht, trug eine Brille und spießige Klamotten. Ich war einfach nicht der Typ, der reihenweise Frauen aufreißt - oder besser gesagt: Ich war nicht der Typ mit dem Frauen freiwillig reden. Aber weiter Fragen nach meinem WOW-Faktor endeten in –naja,  jedenfalls nicht in Gesprächen.

Nach drei oder vier sehr ereignisreichen Stunden, einem – sagen wir einfach – umständlichen Frühstück und zwei sehr körperlichen Verabschiedungen stand ich im Treppenhaus. Und ich war nicht allein. Scheinbar stellten sich einige der Bewohner die Frage  „Wer ist dieser Nick und warum wird sein Name durchs Treppenhaus geschrien?“ oder vielleicht stand ganz zufällig ein halbes Dutzend Leute im Flur, die mich anstarrten, als wäre grade ich ein Godzilla in Strapsen.
Die Gruppe bestand aus drei Jugendlichen, die zu sehr damit beschäftigt waren zufällig hier zu sein, als dass es glaubwürdig gewesen wäre, einem Mann ende Vierzig im dreckigen Unterhemd, der einen irgendwas-mach-ich-falsch-Gesichtsausdruck zum Besten gab, einem langhaarigen Typen, der mich irgendwie an einen professionellen Wrestler erinnerte und  eine junge Frau, deren Blick mir zu sagen schien „Was zur Hölle hast du da drinnen gemacht und wo ist dieser Nick?“
Nachdem ich einen so guten – sagen wir einfach „Morgen“, weil ich keine Ahnung hatte wie spät es war – gehabt hatte, sah ich es nicht ein, mir die Laune verderben zu lassen, also begegnete ich den Blicken mit einem ungemein charmanten fickt-euch-doch-selbst-Lächeln. Scheinbar hatte ich dabei etwas falsch gemacht – oder die Dame hatte mich einfach nur falsch verstanden – denn  sie sah dieses Lächeln als Einladung mir die Zunge in den Hals zu stecken. Nach was weiß ich wie langer Zeit und einem leichten kitzeln an meiner Brust hauchte sie mir ein „Ruf mich an“ ins Ohr und ging ihrer Wege, wobei ein mysteriöses Klatschen zu hören war.
Meine Gedanken brauchten einige Momente um sich zu ordnen:
Ich wurde grade von einer Frau geküsst. Mit Zunge. Vor Zeugen. Sie hatte mir –soweit ich das erkennen konnte – ihren Namen und ihre Handynummer auf die Brust gekritzelt. Und hatte mir – wenn ich das Klatschen richtig interpretiert hatte – auf den Arsch gehaun. Wieder vor Zeugen.
Neben all diesen schockierenden Feststellungen,  den Erinnerungen an die vergangenen Stunden und der Theorien über die letzte Nacht, wurden mir zwei Dinge klar: 1. Irgendetwas war ganz und gar nicht normal und 2. Ich brauchte definitiv weitere Hosen!
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