Zufluchtsort

von Huelk
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P12 Slash
Fernando Alonso Mark Webber
21.03.2015
21.03.2015
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Kommentar: Für alle, die Fernando am vergangenen Rennwochenende genauso vermisst haben wie ich, habe ich hier noch mal einen kleinen Oneshot aus dem Jahr 2012 ausgegraben. Ich hoffe, dass er Euch gefällt und vielleicht berührt er den ein oder anderen ja auch. Viel Spaß beim Lesen.

Disclimer: Der Inhalt dieses Beitrags ist natürlich rein fiktiv und hat mit der tatsächlichen Realität nichts zu tun. Ich kenne keine der auftretenden Personen wirklich, ich verdiene hiermit kein Geld und möchte keinem damit zu nahe treten.





Zufluchtsort



São Paulo, Brasilien
25. November 2012


Ein wenig unkoordiniert stolperte er hinter Mark ins Zimmer. Es war aber auch nicht so einfach, vernünftig zu gehen, wenn man beide Arme um seinen Lieblingsaustralier geschlungen hatte. Seit sich die Türen des Aufzugs hinter ihnen geschlossen hatten, sah er überhaupt nicht ein, warum er den Älteren wieder loslassen sollte. Die „Fernando, wenn uns einer sieht...“-Einwände von Mark, hatte er dabei absichtlich ignoriert. Ja, das wäre vielleicht nicht erstrebenswert, wenn sie jemand dabei beobachten würde, wie sie dicht aneinander gekuschelt über den Hotelflur wanderten, aber er hatte inzwischen einen Punkt erreicht, an dem ihm das vollkommen egal war.
Er hatte in dieser Saison so viel Gegenwind bekommen, so viel Kritik und die war nicht immer gerechtfertigt. Mit Ungerechtigkeiten hatte er noch nie besonders gut umgehen können und dann wandten sich auch noch Menschen gegen ihn, denen er seit Jahren vertraut hatte. Zumindest kam es ihm so vor. Da war niemand, der ihn in Schutz nahm, niemand, der ihm beistand, wenn di Montezemolo sich wieder vollkommen unnötig über ihn beklagte. Glaubten sie denn, dass es ihm selbst gefiel, wie die Dinge liefen? Glaubten sie, dass er seinen eigenen Unmut immer zurückhalten konnte, um professionell zu sein? Und selbst wenn, er konnte es im Moment ohnehin keinem von ihnen recht machen. Sie sahen alle nur das Schlechte und sie erwarteten, dass er die Situation des Teams über Nacht veränderte.

„Es wäre leichter, wenn du mich mal kurz loslassen würdest“, hörte er Marks ruhige Stimme sagen, als er umständlich die Zimmertür hinter ihnen geschlossen hatte und nun mitten im Raum stand. Aber Fernando schüttelte nur den Kopf. Mark musste die Bewegung in seinem Rücken spüren und der Spanier hörte ihn seufzen.
Er wusste, dass er manchmal nicht einfach war. Nur konnte er gerade auch darauf keine Rücksicht nehmen. Er wollte Mark nicht loslassen. Auf gar keinen Fall. Nicht jetzt.
„Kann ich wenigstens kurz alleine ins Bad?“ Und wieder schüttelte Fernando den Kopf.

Der Ältere gab ihnen noch einen Moment, blieb einfach stehen und überlegte, wie er seinem Freund jetzt am besten helfen konnte. Es hatte wenig Sinn, ihm die üblichen Floskeln vorzubeten. Es nützte nichts, ihm zu sagen, dass wieder bessere Zeiten kommen würden und er seinen Job gut gemacht hatte. Bei drei lächerlichen Punkten, die ihm zum Gewinn der Weltmeisterschaft gefehlt hatten, würde er ihm solche Texte niemals glauben.
Da er auch nicht genau wusste, was er jetzt tun sollte, zog er den Kleineren einfach mit zum Bett, kletterte ein wenig ungelenk darauf, denn Fernando sah noch immer nicht ein, weshalb er ihn jetzt loslassen sollte. Einerseits fand er diese Anhänglichkeit niedlich und andererseits drückte Fernando ihn gerade ein bisschen zu fest.


Eine halbe Stunde später hatte der Jüngere sich regelrecht in Marks Armen zusammengerollt, machte sich ganz klein und kämpfte mit den Tränen, die entsetzlich hinter seinen Lidern brannten. Es war so schwer, sie zurückzuhalten. Nach zwei Minuten spürte er einen winzigen Tropfen aus seinem Auge flüchten und über das Nasenbein laufen. Er schämte sich furchtbar für das jämmerliche Bild, das er hier abgeben musste.
„Es tut mir leid“, schluchzte er kaum hörbar an Marks Brust und bemerkte, wie der ersten Träne noch weitere folgten. Er biss sich fest auf die Unterlippe, in der Hoffnung, dass der Schmerz ihn dazu bringen würde, sich zusammen zu reißen. Als er den metallischen Geschmack von Blut auf seiner Zunge wahrnahm, wusste er, dass es zu fest war und es führte lediglich dazu, dass alle Dämme brachen.
Sein ganzer Körper bebte unter den kläglichen und verzweifelten Lauten, die er nun nicht mehr zurückhalten konnte. Intuitiv drängte er sich dabei noch dichter an Mark, der mit einer Hand sanfte Kreise auf seinen Rücken malte.

„Da ist nichts, das dir leid tun müsste“, antwortete der Australier mit ruhiger Stimme und begann mit den Fingern der anderen Hand vorsichtig durch Fernandos dunkle Haarsträhnen zu streichen. Eigentlich wusste der Jüngere das, aber er brauchte Marks Bestätigung, denn ihm konnte er glauben. Ihm konnte er vertrauen.
„Ich bin so erbärmlich“, presste Fernando leise hervor. Er wusste, dass Mark es nicht leiden konnte, wenn er sich selbst so schlecht machte, aber so fühlte er sich im Augenblick nun einmal. In den letzten Jahren hatte er zweimal die ganz große Chance gehabt und zweimal hatte er sie nicht ergreifen können.
„Hör auf damit. Mach dich nicht fertig. Du bist wundervoll“, murmelte Mark ihm ehrlich ins Ohr und zog seinen Kleinen noch dichter. Auch, wenn Fernando das gerade vielleicht nicht glauben mochte, aber der Ältere hatte über die Jahre gelernt, dass es wichtig war, ihm Bestätigung zu geben. Fernando wusste, dass er manchmal anstrengend war, aber Mark war immer geduldig mit ihm und bemühte sich um ihn. Er konnte es ihm gar nicht hoch genug anrechnen, dass er bei ihm war. Jetzt. In diesem Augenblick, in dem er sich so schrecklich schwach vorkam.

Aber trotzdem war der Spanier noch nicht bereit, diese Worte anzunehmen. Die Enttäuschung über sich selbst wog noch zu schwer. „Ich habe versagt“, wisperte er stattdessen unglücklich und ahnte gar nicht, wie sehr er Mark damit das Herz zerriss. Er barg das Gesicht an der Schulter des Älteren und sah nicht, wie dieser das Gesicht verzog.
„Das stimmt doch gar nicht“, widersprach Mark ihm mit ruhiger Stimme. „Das hast du überhaupt nicht und wer das sagt, hat überhaupt keine Ahnung davon, was du geleistet hast. Du hast diese bösen Worte nicht verdient.“
Das einzige, das Fernando gerade wirklich trösten konnte war, dass er sich auf Marks Worte verlassen konnte. Der Australier hätte es nie im Leben gesagt, wenn er es nicht auch so meinen würde. Das zu wissen, war ihm unendlich wichtig. Und dennoch...

„Drei Punkte, Mark“, stieß Fernando unglücklich aus, wobei seine Tränen wieder die Überhand gewannen. Sie waren deutlich in seiner Stimme zu hören. „Ein verfluchter achter Platz und ich hätte vier gehabt. Den hätte ich in Belgien locker geschafft...“
Alleine die Erwähnung des Belgien-Rennens versetzte Mark einen Stich und ließ es ihm eiskalt werden. Daran erinnerte er sich noch gut. Er hatte die Bilder des Startunfalls lange nicht mehr aus dem Kopf bekommen. Nur wenige Zentimeter und Grosjeans Lotus hätte Fernando voll erwischt. Der bloße Gedanke daran, dass das auch hätte anders ausgehen können, verursachte ihm eine Gänsehaut.
„Ja, die verlorenen Punkte sind ärgerlich“, stimmte Mark ihm nachdenklich zu. „Aber mir ist es lieber, du verlierst Punkte, als dein Leben.“ Das klang hart, aber der Australier war sich ganz sicher, dass sie es so sehen mussten, dass sie dankbar sein sollten, dass sie hier und heute zusammen sein durften.

Fernando verbot sich jeden weiteren, kläglichen Laut, presste die Lippen fest aufeinander und nickte. Was würde er nur machen, wenn er Mark nicht hätte? Er wollte lieber gar nicht daran denken.
„Du hast recht...“, sagte Fernando undeutlich und versuchte einmal tief durchzuatmen.
„Das habe ich immer“, entgegnete der Ältere selbstsicher.
„Manchmal“, schränkte der Spanier ein.
„Meistens“, korrigierte Mark.
„Oft“, entschied Fernando.
„Gut, damit kann ich leben“, gab Mark schließlich nach. Wie schon so häufig, aber bei Fernando machte das nichts. Bei ihm musste er nicht auf das letzte Wort bestehen. Er war ihm eben hoffnungslos ergeben.

Nun zeichnete sich auch auf Fernandos Zügen wieder ein leichtes Lächeln ab. Vielleicht war die verlorene Weltmeisterschaft doch nicht gleich der Weltuntergang. Vielleicht war es nicht so wichtig, was andere von ihm hielten, solange Mark immer zu ihm hielt. Vielleicht war es wirklich der bessere Weg, wenn er sich auf die positiven Dinge besann, auf das Licht zwischen den Schatten.
Mark machte ihm alles so viel leichter und das mit bloßen Worten, einfach dadurch, dass er da war. Mark hatte alles verändert, seit er in sein Leben getreten war und das war schon ziemlich lange her. Sie waren Freunde und dann waren sie plötzlich mehr. Sie hatten all ihre Höhen und Tiefen miteinander geteilt. Es war ein schönes und beruhigendes Gefühl, dass er sich so sicher sein konnte, dass sich das niemals ändern würde, dass Mark sein Wort hielt und immer zu ihm halten würde. Egal was passierte.
Wann immer ihm das Herz weh tat, brauchte er nur den Kopf auf Marks Brust legen und dem seinen zu lauschen. Bei Mark war er sicher. Immer und vor allem. Mark war... sein Zufluchtsort.
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