The distance between us

von yezz
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18 Slash
Abarai Renji Kuchiki Byakuya
20.03.2015
18.07.2015
23
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Auf der verzweifelten Suche nach guten Byakuya x Renji Fanfictions habe ich mich in die Weiten des englischen Sprachraums begeben. Dort habe ich eine riesige Spielwiese von tollen Stories gefunden.
Eine Autorin hatte mich besonders gefesselt. Auf der Plattform archiveofourown.org kennt man sie unter dem Namen junko und ist dort wirklich sehr aktiv. Schnell hatte mich eine Idee in ihren Bann gezogen: Soll ich mich ans Übersetzen wagen?
Noch am selben Abend packte ich meine Englischkenntnisse zusammen (verstehen ist für mich wesentlich einfacher, als schreiben) und fragte sie. Morgens packte mich der Freudentaumel, denn sie war einverstanden.

Lange Rede kurzer Sinn: Viel Spaß mit der ersten Geschichte.
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I want to thank junko again. Thank you very much for your confidence and for giving me your permission.

- Posted originally on the Archive of Our Own by junko -
Series: The distance between us

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Other Duties as Assigned

Der Frühling war in Seireitei eingekehrt, die Blüten der Pflaumenbäume öffneten sich langsam im matten Licht der Nachmittagssonne. Der fruchtige Duft der Blüten überzog den Übungsplatz der 6. Kompanie. Vizekommandant Renji Abarai unterdrückte ein Niesen. Aus den Winkeln seiner, leicht tränenden, Augen sah er Kommandant Kuchiki Byakuya. Dieser beobachtete, wie immer, ausdruckslos das Training. Eine leichte Brise zerrte am Saum seines Haoris, ließ den Stoff grazil im Wind flattern.

Ein toller Anblick.

Renji wurde immer mehr bewusst, dass in diesem Moment, oder besser schon den ganzen Tag, sein Kommandant eine andere Laune hatte. Bei einer anderen Person hätte er vielleicht davon gesprochen, dass diese Angst habe. Allerdings würde er Kuchiki Byakuya nicht als jemanden beschreiben, der seine Gefühle überschwänglich zur Schau stellte. Heute allerdings waren seine Lippen zu einer noch dünneren Linie verzogen. Wenn das überhaupt möglich war.

Nicht, dass das scheinbar sonst jemand bemerken würde. Es war ein kleiner Unterschied, welchen der Rest der 6. Kompanie munter zu ignorieren schien. Renji jedoch konnte nicht anders, als aufmerksam jede Veränderung des Reiatsus, dem spirituellen Druck, seines Kommandanten zu verfolgen. Er würde es nicht zugeben, aber selbst ein leichtes Streifen von Byakuyas Reiatsu schaffte es, dass sein Herz vor Freude hüpfte oder ihm ein Schauer durch den Körper lief.

Als sein Kommandant ihn anschaute, nahm er sofort eine formalere Haltung ein. „Kommandant?“, fragte er nervös.

„Erscheine bitte heute Abend in meinem Büro, Renji.“

„Ja, Kommandant.“




Das kühle, fahle Abbild des Mondes wurde in der Pfütze reflektiert, welche Renji auf seinem Weg durch den Hof durchquerte. Der frühe Abend hatte einen leichten Regenschauer mitgebracht. Der Nieselregen hatte nun aber aufgehört und eine kühle, frische Luft hinterlassen. Es schien eine schöne Nacht zu werden und alles, was Renji nun noch wollte war, es sich mit einer Flasche Bier gemütlich machen. Vielleicht auch mit einem willigen, warmen Körper neben sich. Der Gedanke daran, nun noch Zeit in dem Büro seines Kommandanten zu verbringen, gefiel ihm nicht. Vor allem, wenn er an die Laune von ihm dachte, verschlimmerte es noch. Zumindest war es ihm möglich gewesen, den Grund dafür zu erfahren.

Heute jährte sich der Todestag seiner Ehefrau erneut.

Als er beinahe in Matsumoto hineinlief, warnte sie ihn davor, dass die ganze Geschichte ziemlich tragisch gewesen sei. Byakuyas Frau sei an einer furchtbaren Krankheit gestorben. Und er konnte damit nicht abschließen. Auch Jahre später nicht.

Das erklärte nun die dunklen Ränder um das Reiatsu des Kommandanten. Dennoch konnte Renji nicht verstehen, was zur Hölle dieser, noch dazu um diese Uhrzeit, von seinem Vizekommandanten wollte. Während er auf dem Weg ins Büro seines Vorgesetzten war, zermarterte er sich seinen Kopf. Überfälliger Papierkram? Nein, darum hatte er sich gekümmert. Ein Konflikt mit einem anderen Offizier? Nicht sehr wahrscheinlich. Jeder wusste, dass er sich unter Kuchiki Byakuyas Kommando besser benehmen sollte.

Nun stand er vor der Tür zum Kommandantenbüro. Renji zog sich die Schuhe aus und nahm sich einen kurzen Moment, um sein Shihakushō zu richten. Er zog seinen Obi fester um sein Zanpakutō. Er spürte, dass sein Kommandant hinter der Tür aus dickem Reispapier wartete. Trotzdem zögerte er. Aus irgendeinem Grund war er beklommen, sein Puls schlug laut gegen sein Trommelfell.

„Vizekommandant, ich hatte dich gebeten, in meinem Büro zu erscheinen. Nicht vor meinem Büro in der Gegend herum zu starren.“

Trotz des etwas aufziehenden Tons riss Byakuyas raue Stimme Renji wieder in die Realität.

Er öffnete die Schiebetür. Die Ausstattung des Büros lag im Dunkeln, nur eine einzelne Laterne erleuchtete den Raum, wo Byakuya an einem Tisch auf dem Boden kniete. Das Fenster war geöffnet und der Duft von frisch gefallenem Regen erfüllte den Raum.

Wie immer, wenn er seinen Kommandanten anblickte, schoss ihm ein Gedanke durch den Kopf: Dieser Mann ist unvergleichlich.

Lange Haare, so schwarz, dass es scheint, sie würden in der tiefen Dunkelheit verschwinden, die ihn umringt. Sorgsam, durch das Kenseikan, getrennte Strähnen. Ein Schmuckstück, welches seinen Rang und seine Position symbolisierte. Der Kommandant sah Renji ununterbrochen an. Schiefergraue Augen durchbohrten ihn, auch auf dieser Distanz.

„Kommandant?“, Renji schluckte nervös.

„Komm her. Setz dich.“, mit einer trägen, aber einladenden Bewegung deutete er Renji, hereinzukommen.

Er schob die Tür hinter sich zu und war erfreut zu sehen, dass eine Flasche Sake auf dem Tisch stand. Ah! Vielleicht würde er zumindest ein Getränk bekommen. Als er Gegenüber von Byakuya Platz nahm, fiel ihm auf, dass nur eine Schale auf dem Tisch stand. Warum auch immer. Er blinzelte hoffnungsvoll in Richtung, wo der Rest des Geschirrs stand. Würde er kein Angebot erhalten, könnte er nach einer Schale greifen. Allerdings könnte er sich nur schwer selbst bedienen. Zumindest nicht ohne die Erlaubnis des Kommandanten.
Immerhin war eine der Sake-Schalen vermutlich gut 6 Monatsgehälter von Renji wert. Er versuchte, Blickkontakt mit seinem Vorgesetzten aufzunehmen, doch sein Blick war verschleiert, als sei er in tiefen Gedanken.

Gut, dann musste er wohl warten.

Anstatt seinem Vizekommandanten das Getränk, welches er so sehnsüchtig wollte, anzubieten, schüttet er sich selbst nach. Renji schnappte einen Hauch des Dufts von dem Reiswein auf und hörte, wie die Flüssigkeit leise gegen die Flaschenwand schwabte.

Renji erlaubte sich ein leises Schnaufen, um seine Enttäuschung kundzutun und wartete, mit den Händen an seinen Hüften.

Der Kommandant sagte weiterhin nichts und ging seinen Gedanken nach.

Es schien Renji so, als wollte er lediglich Gesellschaft, während er trank.




Nach Byakuyas dritter Schale schliefen Renji die Beine ein. Das Gefühl von Nadelstichen trieb ihn dazu, sein Gewicht zu verlagern, um den Schmerz ein wenig zu verdrängen. Sein Rücken war steif und er benötigte all seine Willenskraft, um nicht mit seinen Händen auf den Oberschenkeln herumzutrommeln, während er wartete. Wartete darauf, was auch immer sein Kommandant von ihm wollte. Der Rothaarige war bereits mehrfach kurz davor, die bedrückende Stille zu brechen und ihn anzuschreien, was er denn, verdammt noch mal, wollte. Aber aufgrund der düsteren Stimmung und dem heftigen Druck von Byakuyas Reiatsu, blieb er ruhig.

Während er sich dazu zwang, still zu sitzen, wanderten Renjis Gedanken umher.

In diesem Moment träumte Renji von dem sorgenfreien Leben, als er noch 6. Offizier der 11. Kompanie war. Der Sake folgte einem dort schon fast freiwillig. Die 11. Kompanie hatte einen tollen und einfachen Grunsatz: Alkohol, Kampf, Sex. Aufstehen und von vorne beginnen! Ja! So sollte ein Mann mit Kummer umgehen. Seine Freunde um sich herum versammeln, sich die Hucke zusaufen, ein paar verdorbene Lieder singen und mit irgendwem in die Kiste steigen.

Verdammt, wie sich Renji wünschte, genau das jetzt zu tun. Vermutlich würde er aktuell alles lieber machen, als endlos hier zu warten.

Er warf einen erneuten Blick auf seinen Kommandanten. Er konnte keinen Ausdruck von diesem edlen Gesicht ausmachen. Zumindest schien der Adlige zu wissen, wie man trank. Aber was ist man für ein Mann, wenn man seine Flasche nicht mit seinen Untergebenen teilt?

Ein Mann, so vermutete Renji, der sein Gegenüber nicht als gleichgestellt erachtet.

Eine Vermutung, die offensichtlich war, immerhin hatte sein Kommandant ihn nicht einmal mehr angesehen, seit er ihn eingeladen hatte, sich zu setzen.

Was mache ich hier überhaupt?

Unschlüssig kratze er sich den Nacken. Seine Bewegung schien seinen Kommandanten aufgerüttelt und zum Sprechen bewegt zu haben. „Ich möchte deine Tattoos sehen. Lege dein Stirnband ab.“

„Was?“

„Deine Tätowierungen. Ich möchte sie zu sehen.“

Alles klar, sein Kommandant war definitiv betrunken. Dass seine Worte nicht undeutlich waren, beeindruckte ihn. Aber was war das für eine verrückte Aufforderung? Trotzdem sah Renji kein Problem darin und löste den weißen Stoff, den er immer um seinen Kopf trug. Er legte das Stirnband auf seinem Schoß ab.

Als er wieder aufschaute, beobachtete Byakuya ihn über seiner Schale Sake hinweg. Es war ein verführerischer Blick oder doch mehr wie ein Raubtier? Was auch immer er sah, er schien hungrig danach zu sein. Die sonst eisigen, grauen Augen waren getrübt. Die Hitze, die in Renji aufstieg, war... unangenehm, aber dennoch betörend. Sein Atem ging schneller und er ließ seinen Blick sinken. Hatte er wirklich einen Anflug von Erwartung in seinen Augen gesehen. Aber Erwartung auf was? Er war sich nicht sicher.

Die Schale klirrte auf dem Tisch. „Jetzt den Rest.“

„Kommandant?“, sein Vorgesetzter konnte nun nicht ernsthaft von ihm wollen, dass er sich vollständig auszog. Denn der Rest zog sich über seinen kompletten Körper – Arme, Beine, Brust, Rumpf... auch über seinen Hintern.

„Ich habe dir einen Befehl gegeben.“

„Ja, haben sie, aber...“

„Ich werde nicht noch einmal fragen.“

Das starke Ansteigen des spirituellen Drucks warnte Renji, dass Ungehorsam nicht toleriert werden würde.

Dennoch gehorchte er nicht direkt. Vielleicht hatte Renji Glück und sein Kommandant hatte es nur deswegen befohlen, da ihm das Ausmaß seiner Tätowierungen nicht bekannt war. Er würde ihm nur seinen Oberkörper zeigen. Das würde ihn sicher zufriedenstellen. Schon der Gedanke daran, sich derart zu entblößen, ließ sein Gesicht zu einer Grimasse verziehen. „Kommandant.“, presste er durch zusammengebissenen Zähnen heraus.

Er musste tief einatmen, um sich zu beruhigen. Mit zitternden Händen löste er den Knoten seines Gürtels und legte sein Zanpakutō auf den Boden. Bei dieser Bewegung hielt er kurz inne. Halb nackt vor seinen Kommandanten zu stehen, würde ihn schon angreifbar genug machen, aber dann auch noch ohne Waffe?

Er wagte einen flüchtigen Blick zu seinem Vorgesetzten und versuchte, den Ausdruck darin zu entschlüsseln. Wie sollte er diesen deuten? Es war einfach unmöglich, darin zu lesen. Aber sein Reiatsu war nun… weicher? Nein, das war so nicht ganz richtig. Es war immer noch heftig zu spüren, aber da war noch etwas. Etwas Eigenartiges… Sehnsucht?

Bestimmt ließ Renji seine Waffe los. Danach streifte er einfach das Oberteil von seinen Schultern. Der weiche Stoff des Shihakushōs rutschte herunter, bis es in Falten auf Höhe seiner Ellbogen liegen blieb. Die Fäuste hatte er, schon fast verzweifelt, in seine Hüfte gestemmt, um den Rest seiner Robe vor dem Rutschen zu bewahren. Er musste ja nicht unbedingt alles zeigen, um dem Befehl nachzukommen. Als die kalte Luft im Raum ihm eine leichte Gänsehaut bescherte, spürte er die Hitze in seinen Wangen.

„Stell dich, damit ich besser sehe.“

Renji konnte das Grummeln aus seiner Kehle nicht zurückhalten. War er so etwas wie ein Tier in einer Ausstellung oder im Zoo? Es ging ihm ziemlich gegen den Strich, trotzdem stand er schließlich auf.

Unter Byakuyas unbeirrten und besitzergreifenden Blick fühlte er sich völlig ungeschützt, fast schon nackt. Mit knirschenden Zähnen stand er dort, hielt den Kopf hoch, die Schultern zurück und den Blick geradeaus.

Auch das Gesicht seines Kommandanten blieb nicht regungslos, als er ihn anschaute. Seine, sonst leicht zusammengekniffenen, Augen hatten sich etwas geweitet, seine Lippen geteilt.

Dann machte er ein Geräusch, welches Renji beinahe völlig aus der Fassung gebracht hätte.
Es war kaum hörbar, aber er hatte es genau gehört. Es war ein Stöhnen.

Ein tiefes, erregtes Stöhnen.

Die Röte in Renjis Gesicht breitete sich weiter aus. Sein gesamter Körper heizte sich auf. Ein Teil von ihm wollte nicht, dass er seinen Kommandanten anhimmelte. Ein anderer Teil flehte um genau diese Art von Aufmerksamkeit, von eben diesem Mann. Seine Gefühle waren zu kompliziert. Schnell drehte er seinen Kopf, um diesem Blick zu entkommen und starrte so mit großen Augen den aufgehenden Mond an.

„Wunderschön“, sagte Byakuya leise, wie zu sich selbst. „Dreh dich. Ich möchte deinen Rücken sehen.“

Für diese Gelegenheit dankbar, drehte sich Renji schnell herum. Aber anstatt sich zu beruhigen, bereute er dies schnell. Er konnte sich gerade nur vorstellen, wie die Augen seines Kommandanten über seinen Körper glitten.

Ein weiteres Geräusch, ein wertschätzendes Grunzen? „Renji, da sind aber sicherlich noch mehr. Oder nicht?“, hörte er den Schwarzhaarigen mit einem fast spielerischen und verführerischen Ton fragen.

Was? Wie betrunken musste er bitteschön sein? Er war sich absolut sicher, dass es sein Vorgesetzter morgen bereuen würde, wenn Renji ihn nicht stoppen würde. Egal wie, es gab für ihn eine Grenze, wie weit er für das Vergnügen seines Kommandanten gehen würde.

„Ja, da sind noch mehr.“, zustimmend drehte der Rothaarige sich herum.

„Dann möchte ich sie sehen.“

„Nein, das möchten sie nicht.“

Es war von seinem Gesicht abzulesen, dass Byakuya Kuchiki selten ein ‚Nein‘ zu hören bekommen hat. Vor allem von seinen Untergebenen. Es drängte Renji, sich einen Vorteil aus der Sprachlosigkeit des Anderen zu schlagen. So, wie der Schwarzhaarige da saß, mit etwas Farbe im Gesicht und leicht geöffnetem Mund, sah er fast schon süß aus. Byakuya war völlig perplex. Ein ziemlich gehässiger Teil von Renji spornte ihn an, sich zu ihm herüber zu lehnen und ihm einen harten Kuss auf die schmalen Lippen zu drücken.

Endlich! Der Geschmack von Sake.

Natürlich war es eine teure Sorte. Süß und… köstlich. Genauso wie dieser Mund. Er könnte sich in diesem Geschmack verlieren!

Aber er würde der Versuchung nicht nachgeben. Nicht unter diesen Umständen. Er zog sich zurück und lächelte übermütig in Byakuyas geschocktes Gesicht.

Umständlich griff er nach seiner Waffe und war dabei, den Raum zu verlassen.

Der Schwarzhaarige schien für einen Augenblick atemlos. „Was…?“, dann riss er sich zusammen. „Vizekommandant, ich bin noch nicht fertig mit dir.“

„Nein, aber ich mit Ihnen, Kommandant. Es ist für heute besser, wir belassen es dabei. Morgen früh, wenn Sie wieder nüchtern sind – und falls sie Manns genug dafür sind – können sie das hier gerne zu Ende bringen.“
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