The Walking Dead - Carpe Diem

von Nayfe
GeschichteAbenteuer, Horror / P16
Carol Peletier Daryl Dixon Glenn Rhee Maggie Greene Rick Grimes
20.03.2015
11.11.2019
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Dieses Kapitel
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Hallo meine lieben Leser,

ein weiteres Kapitel mit etwas Verspätung, aber nach ganz viel Stress habe ich mir eine kurze Pause gegönnt und wollte etwas zur Ruhe kommen, bevor es wieder stressig wird.

Es sind derzeit 73!!!!! Empfehlungen und 202 Favoriteneinträge.
Für mich ist das unglaublich, dass ihr in einer solch großen Anzahl mit den Charakteren euch in dieses Abenteuer stürzt und ihnen eine ebenso große Unterstützung zukommen lasst.
VIELEN LIEBEN DANK!

Zu diesem Kapitel:
Das Gefängnis und der Gouverneur sind bereit für das letzte Gefecht.
Rick erhebt sich als Anführer seiner Gruppe aus der Menge und stellt sich seinen Ängsten und seinem bisher schlimmsten Widersacher - Auge in Auge.  
Der Gouverneur ist dem Gefängnis nicht nur in der Anzahl seiner Unterstützer, sondern auch an Waffenstärke aufgrund der Panzer deutlich überlegen.
Die Panzer sind seine effektivste Waffe gegen Menschen und Mauern, um seine Rache zu bekommen.
Jeder weiß, dass nur ein falscher Schritt oder Panik aus dem taktikschen Plan rasch ein reines Selbstmordkommando werden kann.
Doch nicht alle sind auf der Seite des Gouverneurs, wohingegen Ricks Gruppe geschlossen hinter ihrem Anführer steht und sie der Evakuierung noch Zeit verschaffen wollen, um schließlich wieder die volle Kampfstärke zu sammeln und das Gefängnis zurückerobern wollen.
Doch nun, viel Spaß beim Lesen!

Eure Nayfe ;)
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Rick Grimes, Lt. Cm. Keith Richardson, Maggie Rhee, Daryl Dixon, Michonne, Hershel Greene, der Gouverneur, die Gruppe und die Erleuchteten
(Gefängnis)

Sie waren alle bereit.
In den Gräben rund um die Verteidigungslinie lagen sie bereit für den Angriff.
Jenna hockte linksseitig des ersten Panzers, ein paar der Granaten hatte sie aus ihrem schwarzen Koffer aus dem „Monster“ geholt, um zumindest eine geringe Chance zu haben, ihre AK 47 war mit reichlich Munition bestückt und würde in ihren Händen das vertraute Lied des Todes singen.
Ihr Headset knisterte kurz und sie schloss ihre Augen für einen kurzen Moment, weil sie wusste, dass Keith dort oben auf dem Dach lag und sie wenig Zeit für ihre Art der Einsatzbesprechung gehabt hatten.

„Ich hoffe, dein Ohr ist offen für meine Ratschläge, Jen“, funkte Keith kurz, wobei Jenna sich auf die Unterlippe biss, denn ihre Unterhaltungen vor einem Kampf begannen meistens genau auf diese Weise – das gab ihr Sicherheit.
„Nicht mehr als sonst auch, Rambo“, erwiderte Jenna und hörte Keith leise lachen, was sie innerlich in ihrem Willen bestärkte, dem Gouverneur ein Gefecht zu liefern, das er nie wieder in seinem Leben vergessen würde.
„Wir sehen uns auf der anderen Seite, Jen“, meinte Keith entschieden und ließ seine beste Freundin wissen, dass er bei ihr war.
„Bleib am Leben, Rambo“, war ihre letzte Erwiderung auf seine Abschiedsworte und gleichzeitig ein Versprechen, das Ende dieses Kampfes gemeinsam zu erleben.

Manche Dinge änderten sich zum Glück nicht mehr.  

In den anderen Gräben lagen Maggie, Beth, Tyreese und ein paar von denen, die noch einigermaßen kämpfen konnten.
Sayid und Kenneth würden nach der Evakuierung an ihrer Seite den Gouverneur ebenfalls eine Weile aufhalten und sich mit dem Gefängnis anschließend zurückziehen.
Rick ging geradewegs auf die Barrikade zu, an welcher der Gouverneur seine Streitkräfte versammelt hatte und Daryl hatte gemeinsam mit Carl Grimes, der aufgrund Ricks Erlaubnis mitkämpfen und das Gefängnis nicht wie Mary und Paul hatte verlassen müssen, an eine der Schützenlöcher in den Barrikaden Stellung bezogen, um Rick zu beschützen.
Daryls Blick glitt in Richtung Dach, wo Keith Richardson seine Leute versammelt und ein wachsames Auge auf Ricks Sicherheit hatte.

„Sie reden nur“, meinte Carl beiläufig, „wir könnten das jetzt und hier beenden und den Gouverneur einfach erschießen.“
„Aus der Entfernung?“, schüttelte Daryl ablehnend den Kopf, weil selbst Jenna mit ihrem Sturmgewehr eine gewisse Nähe brauchte und die Distanz eindeutig zu groß war, weshalb der Scharfschütze auf dem Dach eindeutig ihnen mehr Sicherheit gab.
„Ich bin ein guter Schütze“, widersprach Carl dem Jäger, doch angesichts von Carls Waffenwahl hob Daryl nur ungläubig eine Augenbraue: „Du würdest ihn vermutlich noch nicht einmal treffen und stattdessen Schlimmeres anrichten. Rick versucht, noch mehr Zeit für uns zu gewinnen, indem er mit ihm verhandelt und Keith Richardson wird ihn beschützen und genau im Blick haben. Du musst deinem Dad vertrauen und abwarten.“

„Wir müssen uns nicht bekämpfen!“, rief Rick über die Barrikaden hinweg, um Zeit zu gewinnen, „Caesar Martinez hätte dieses Angebot womöglich nicht gemacht, aber ich biete Ihnen und ihren Gefolgsleuten Frieden an! Hier ist genug Platz für beide Gruppen!“
Das Angebot war Rick spontan eingefallen, auch wenn er es nicht wirklich ernst meinte, aber für eine Ablenkung erschien es ihm passend.
„Mehr als genug“, erwiderte der Gouverneur, „aber wir wollen nur Caesar Martinez. Mit Ihnen im benachbarten Zellenblock könnten wir keine Nacht ruhig schlafen, Rick!“
„Wir würden uns nur begegnen, wenn wir es wirklich wollen“, hielt Rick dagegen, obwohl es ihm gleichgültig war, dennoch musste er den Gouverneur noch eine Weile beschäftigen, um seinen Leuten genug Zeit zu verschaffen.
Eine der schlimmsten und effektivsten Verteidigungsanlagen waren die Gräben, welche derzeit von Brettern verdeckt waren und mit einem Hebel entriegelt wurden, um die Fußtruppen zu stoppen.
„Je länger ihr wartet, uns nicht das zu geben, was wir haben wollen“, erklärte der Gouverneur nüchtern, obgleich seine Rachegelüste ihm mehr Begeisterung abverlangten, „desto mehr werden von euch sterben.“

Rick suchte nach den passenden Worten für eine Erwiderung, um den Gouverneur am Leben zu erhalten, als sein Headset kurz knackte und er Keith Richardsons Stimme hörte: „Ich habe ihn genau in meiner Schusslinie und könnte ihm einen Warnschuss verpassen, wenn Sie möchten, Rick. Zeigen Sie dafür nur mit zwei Fingern hinter Ihrem Rücken, dass ich ihm kurz demonstriere, was ein Scharfschütze kann. Meine drei Begleiter zielen auf die Baumkronen mit den Brandsätzen und könnten der Gruppe einen Schrecken einjagen. Der Rest ist ebenfalls kampfbereit.“
Für ihn war dies ein klares Zeichen, dass seine Leute bereit waren, mit ihrem Leben die Fliehenden zu beschützen und ohnehin schätzte Rick zwar die Diskussion, sodass er diesen Konflikt lieber friedlich gelöst hätte, doch Keith hatte ihm bereits ausdrücklich genug eingeschärft, dass der Gouverneur nicht gekommen war, um mit Rick im Sandkasten zu spielen.
„Wir werden Ihnen Caesar Martinez nicht aushändigen“, entschied Rick mit ernsterer und entschlossener Miene, „wenn Sie ihn haben wollen, dann holen Sie sich ihn doch selbst! Sobald Sie jedoch auch nur einen Schritt auf diesen Grund und Boden setzen, werden wir uns wehren!“
Mit zwei Fingern auf seinem Rücken zeigte Rick Keith an, dass er ruhig einen kleinen Warnschuss abgeben konnte und suchte bereits nach ausreichender Deckung in der näheren Umgebung, sollte es anschließend zum Gefecht kommen – der umgestürzte Schulbus hinter ihm war geeignet.

Kaum hatte Rick das Zeichen gegeben, prallte auch schon eine Kugel in den Arm des Gouverneurs und verursachte einen kleinen Streifschuss, welcher den Gouverneur verärgerte und er schließlich das Zeichen zum Angriff gab.
Sofort sprintete Rick los, doch während des Laufens traf ihn eine Kugel am linken Oberschenkel und er warf sich schmerzerfüllt hinter den schützenden Schulbus, brachte sich einigermaßen in Sicherheit und unterdessen eröffneten die Erleuchteten das Feuer auf die Gefängnisbesatzung.
Die Erwiderung seitens des Gefängnisses folgte prompt, denn so etwas ließen sie sich nicht gefallen und generell hatten sie bereits auf den Beginn des Kampfes gewartet. Daryl und Carl schossen in die Menge, wobei der Jäger versuchte, die Brandsätze zu treffen, welche seine Jagdgefährtin im Boden versteckt hatte, und Carl direkt auf die Menschen zielte.
Der Rest versuchte sich an eben jenen Brandsätzen, doch die Erleuchteten rückten mitsamt ihrer Panzer vor.
„Jetzt!“, schrie Jenna in ihr Headset, sodass Tyreese an dem schweren Hebel zog, welcher die Holzplatten auf den Gräben zurückzog und die Sicht auf die Beißer darin freigab, welche jeden fressen würden, der dort hineinfiel.
Für gewöhnlich wurden die Gräben regelmäßig geleert, doch Maggie hatte den Verteidigungsplänen damals eine entscheidende Komponente hinzugefügt, indem sie auf den Vorschlag von Woodbury eingegangen war, die Gräben verschließbar zu machen.
Keith schoss von seiner Position auf vorher ausgewählte passende Ziele, seine Schützenreihe traf nur das Notwendige, doch schoss mehr daneben als zu treffen, doch sie waren keine Scharfschützen.


Währenddessen halfen Mary und Paul noch Hershel Greene bei dem Verstauen von medizinischen Vorräten in ihrem Wagen, welchen der alte Tierarzt auch fahren würde.
Bob Stookey hatte sich als kämpfender Sanitäter den Streitkräften angeschlossen, um Wunden direkt versorgen zu können und ging mit gemischten Gefühlen seinem alten Beruf nach, doch er wollte helfen und nützlich sein, statt einfach nur zu fliehen.
Eventuell brauchten die Kämpfer ihn mehr als die Evakuierten, um welche Hershel sich kümmern würde.
Paul hob einen schweren Rucksack in den Kofferraum, als er bei dem Klang von Schüssen zusammenzuckte und einen Blick auf die dicke Betonmauer warf, auf dessen anderer Seite der Kampf begonnen hatte, in welchem Keith und seine große Schwester kämpften.

„Beeilen Sie sich, Mr. Greene!“, rief Mary dem alten Tierarzt mit der Beinprothese zu, der schlecht heute nicht so gut auf den Beinen war und deshalb ein bisschen länger brauchte, wohl auch weil ihm der Schlafmangel zu schaffen machte.
„Ein alter Mann ist kein D-Zug, Mary“, erwiderte Hershel trotz der Umstände noch lachend und reichte der jungen Walker eine schwere Tasche, die Mary in den Kofferraum lud und ihrem fürsorglich die Hand auf die Schulter legte.
Wenn Keith und Jenna kämpften, trug sie die Verantwortung für Paul.
„Fehlt noch etwas aus dem Medizinschrank?“, fragte Mary wissbegierig, denn sie wollte möglichst rasch abfahren, um dem Willen ihrer großen Schwester gerecht zu werden.
Als Kind war sie nicht einfach gewesen und hatte sich oft genug mit Worten widersetzt, die Jenna wohl auch verletzt hatten, doch mit den Jahren war auch ihre Verantwortung gestiegen und sie hatte mehr Pflichten übernehmen müssen.
„Ja, wir brauchen noch ein paar Flaschen vom Reinigungsalkohol“, antwortete Hershel umgehend, „aber das kann ich zur Not auch alleine. Ihr solltet euch wirklich in den Wagen setzen und abwarten.“
„Nein, ich komme mit“, warf Paul ein, was Mary zwar gar nicht gefiel, doch der Medizinschrank gehörte nicht zum Bereich der Gefahrenzone, weshalb sie ihren kleinen Bruder mit Hershel gehen ließ und auf der Beifahrerseite einstieg.


Unterdessen lag Jenna im Schützengraben und konnte nicht ausrücken, weil einer der drei Panzer sich in ihre Richtung bewegte, doch verweilen war ebenso lebensgefährlich.
Immer wieder feuerte sie mit ihrer AK 47 auf die Angreifer, traf und sie fielen zu Boden, doch die Panzer blieben weiterhin die einzig wahre Bedrohung.
Ein lauter Schuss aus dem Panzerrohr ließ ihre Ohren klingeln und zerstörte einen der Wachtürme zu ihrer rechten Flanke.
Sie schätzte den Nahkampf mehr als den Fernkampf, doch irgendwie war Keiths Scharfschützenposition auf dem Dach derzeit wesentlich sicherer, denn ein Mensch konnte gegen einen Panzer ohne eine entsprechende Waffe nichts ausrichten.
Die Panzer hatten mit Leichtigkeit die Barrikaden eingerissen und ihre gesamte Verteidigungslinie durchbrochen, verteilten sich nun auf drei Richtungen und unterstützten die Bodentruppen des Gouverneurs.
Soeben schritten zwei Angreifer voran, doch Jenna grinste innerlich, weil sie genau auf einen der Gräben zukamen, die Brandsätze enthielten, sodass sie ihre AK 47 anlegte und schoss, als die beiden nahe genug waren.
Sofort ging das Petroleumgemisch in Flammen auf und die Angreifer schrien vor Schmerzen.
Ihre Schreie weckten Erinnerungen an Atlanta und die Brandbomben, doch diese Bilder mussten bis zum Ende des Kampfes warten, ehe sie sich darüber Gedanken machen konnte – ihr Kopf musste klar bleiben.

Sie musste als Soldatin funktionieren.

Jenna griff nach einer der Rauchgranaten an ihrer linken Seite, um ihr Vorhaben zu verschleiern und den Graben verlassen zu können, riss mit den Zähnen den Sicherungsring heraus, warf die Rauchgranate und verschlechterte die Sicht der Panzerführer und Angreifer.
Rasch sprang sie aus dem Graben heraus, eilte in die andere Richtung und rutschte im Kugelhagel auf der Flucht vor weiteren Gegnern in einen anderen Schützengraben etwas abseits des mittleren Panzers.
Allerdings war dieser Graben bereits besetzt.

„Ich weiß, ich suche mir bald einen eigenen Graben“, knurrte Jenna zynisch zu Daryl, der seine Jagdgefährtin ein wenig irritiert anblickte und sie ihn von den Angreifern ablenkte, „aber der Panzer wollte mir die Hand schütteln und darauf stehe ich nicht so.“
„Sie sind das Hauptproblem“, kommentierte Daryl ihre Aussage besorgt, obgleich ihre Grundhaltung ihm keinen Anlass zur Sorge gab.
Er feuerte aus seinem M4 Sturmgewehr noch mehrere Salven auf die Angreifer ab, ebenso die Soldatin, doch gegen die Panzer hatten sie kein Patentrezept bisher gefunden.
„Lange können wir sie nicht mehr aufhalten“, brüllte Jenna ihm zwischen zwei ihrer Salven zu, wollte noch etwas erwidern, doch in diesem Moment schoss einer der Panzer abermals und traf das Gemäuer des Gebäudes.

Das bedeutete monatelange Reparaturarbeiten.

Die Soldatin streckte sich erneut für eine weitere Salve, woraufhin Daryl seinen Blick auf ihre Hüften richtete, wo an ihrem Munitionsgürtel mehrere Granaten prangten und ihm eine Idee kam, doch dafür brauchte er ihr Deckungsfeuer, um nicht von Angreifern direkt erschossen zu werden.
„Brauchst du eine von denen noch?“, schrie er sie an, sie schüttelte beschäftigt den Kopf, feuerte eine weitere Salve ab, wechselte blitzschnell ihr Magazin und bedeutete Daryl, dass er eine dieser Granaten von ihrem Gürtel lösen sollte, da sie gerade keine Hände frei hatte.
Ihm war diese Aufforderung unangenehm, doch sie konnte ihr Feuer nicht einstellen, daher überwand er seine Scheu und nahm eilig eine Granate aus ihrem Gürtel.
„Gib mir Deckung!“, schrie er abermals, Jenna nickte, schluckte jedoch als der Armbrustschütze aus den Graben heraus und direkt auf dem Panzer zustürmte, den Sicherheitsring der Granate ebenfalls mit dem Zähnen zog, nahe genug an den Panzer herankam und die Granate im Panzerrohr versenkte. Die Insassen flohen sofort, wurden jedoch von Kugeln getroffen, welche Jenna auf sie abfeuerte, während Daryl umgehend in den Schützengraben zu ihr zurücksprang.

„Warne mich das nächste Mal vor, wenn dir wieder so etwas durch den Kopf geht, Clyde“, knurrte Jenna nicht sonderlich erfreut, was Daryl an der Betonung seines Spitznamens deutlich heraushörte, doch er verwarf es.
„Habe ich von dir, Bonnie. Wir haben jetzt einen weniger“, erwiderte Daryl nüchtern, „noch zwei Mal eine solche Aktion und wir haben nur noch die Bodentruppen gegen uns.“
Ein einfacher Plan, doch die Umsetzung würde schwierig werden.
Sie hatten den mittleren Panzer kampfunfähig gemacht, allerdings waren die anderen beiden Ziele noch weit auseinander.

Mehrere Schüsse aus den Panzern trafen die Grundfesten des Gefängnisses und ließen Schutt und Asche durch die Gegend fliegen, die Geschosse bohrten Löcher in die Wände und machten es für die Schützen auf den Dächern fast unmöglich, dort zu bleiben.
Die Angreifer gewannen zusehends an Boden, während das Gefängnis immer mehr verlor.
Menschen, Blut, Gewehrsalven und dem ganzen Lärm folgten nun auch noch die Beißer, welche durch die umgestürzten Barrikaden nicht mehr zurückgehalten wurden und sich Teile davon wie Brücken über die Gräben gelegt hatten.
Das alles bestimmte das Geschehen, überall brach ungewollt Chaos aus, die Angreifer gewannen weiter an Boden, denn die Panzer waren zu übermächtig.
„Rückzug!“, schrie sie zwischen den Gewehrsalven über das gesamte Schlachtfeld hinweg, obgleich sie außer ihrem Jagdgefährten niemand wirklich hören konnte.
Niemand wusste mehr, wo oben und unten war und jeder hoffte, dass man es irgendwie doch schaffte.
Das Detonieren von Panzermunition verursachte in Jennas Ohren ein vertrautes Klingeln und hinterließ einen bitteren Beigeschmack – er leitete den Rückzug endgültig ein.

Irgendwer schrie dazwischen, dass sie noch mehr Zeit benötigten, obgleich keiner mehr den Überblick hatte und alle irgendwie nur noch um ihr Leben rannten.
Weitere Schreie und blitzartig kreuzte Beth mit einem Gewehr auf, welches sie zur Keule umfunktioniert hatte, jedoch sich mit Beißern auseinandersetzen musste und irgendwie überfordert war und dringend Hilfe brauchte.
Zeitgleich blickte die Soldatin sich nach einem Weg zum Rückzug um, als sie am Rande des Schlachtfeldes Hershel Greene und ihren kleinen Bruder Paul erblickte, welcher neben dem Tierarzt auf dem Boden kniete und ihm womöglich aufhelfen wollte.
Jennas Herz krampfte sich vor Schreck, Angst und panischer Sorge um ihren kleinen Bruder sofort zusammen, doch zwischen ihnen bewegte sich weiterhin einer der Panzer und versperrte ihr den direkten Zugriff.
In ihrem Kopf rasten nur noch die Gedanken, kreisten um die Rettung ihres kleinen Bruders und ließen für alles andere keinen Platz – ihre größte Angst.

Sie warf einen kurzen Blick auf ihr letztes Magazin, welches bereits zur Hälfte leer war und nicht für diesen Weg reichen würde, ehe ihr Blick auf Daryls frisches Magazin fiel, welches er soeben einlegte, um weitere Salven abgeben zu können – seine Armbrust hatte er ebenfalls in den Kampf mitgenommen.
Sie sah, dass die Gefahr auf der anderen Seite auch für Beth größer wurde und sie nicht unbedingt in ihrer ungünstigen Lage etwas dazu beitrug, dass es besser wurde.
Jenna biss sich bar ihrer Entscheidung auf die Unterlippe, denn sie hatte sich bereits für ihren kleinen Bruder entschieden.
Ihr Leben hatte nur für ihre Geschwister existiert und vielleicht war es gut, dass sie für diese Aufgabe, auch zu sterben bereit war.
Sie drehte sich zu ihrem Jagdgefährten um, welcher das Gewehr herunternahm, weil er ihr aus dem Schützengraben helfen wollte, da er oberhalb im Schutze einer Barrikade bereit zum Aufbruch hockte, doch blitzartig spürte er raue, vom Wind und Wetter gegerbte, rissige Lippen auf seinen, was ihn davon ablenkte, sein Gewehr richtig festzuhalten und der Kuss und das Gefühl dabei ihn paralysierte, sodass er nicht bemerkte, wie das M4 aus seinen Händen in ihre Hände glitt und als sich ihre Lippen von ihm lösten, bemerkte er den faden Beigeschmack des Abschieds, wollte protestieren, doch Beth schrie und Jenna stieß ihn unbarmherzig rückwärts und das letzte, was er von der Frau sah, die ihn wahnsinnig machte, war ihre breite, uniformierte Rückansicht, bevor sie  sich wütend den Gewehrsalven stellte, Beth und ihm genügend Zeit zur Flucht verschaffte und er dieses Mal nicht damit gerechnet hatte, dass sie so etwas für ihn tun würde. In diesem Moment feuerte der Panzer erneut und zerfetzte Hershels Körper.
Daryl wollte zurück und sich mit Jenna gegen die Angreifer stellen, doch Beth benötigte Hilfe und einer der Panzer befand sich zwischen der Soldatin und ihm, sodass er nur in die andere Richtung widerwillig die Flucht antrat.
Er tötete einen der Angreifer, der sich ihnen in den Weg stellte, floh mit Beth und blickte nicht zurück.

Unterdessen hockte Jenna mit ihrem kleinen Bruder Paul und den Überresten von Hershel Greene hinter eine der dicken Betonwände im Inneren des Gefängnisses und spürte die Angst eines Menschen, den sie über alles auf dieser Welt liebte.
Der Panzer stellte weiterhin eine Bedrohung dar, doch vorerst musste sie ihren Bruder aus der Schusslinie und in Sicherheit bringen, doch ganz gleich wie Jenna es drehte und wendete, an ihrer Seite war derzeit der sicherste Platz der gesamten Schlacht – das Schicksal hatten einen beschissenen Humor.
„Der Panzer wird uns töten“, schluchzte Paul und seine Worte verstärkten die Angst in ihr.
„Nein, das wird er nicht“, unterbrach Jenna ihren kleinen Bruder und suchte nach den letzten Hoffnungsfunken in ihrem Inneren, die ihm Halt geben konnten, „erinnerst du dich, was du immer über mich gesagt hast? Ich bin keiner deiner Superhelden, Paul, aber ich werde alles dafür tun, damit du überlebst. Das ist das Versprechen, was ich dir gegeben habe, als du mir nach deiner Geburt in den Arm gelegt wurdest, kleiner Bruder. Keith hat euch viel beigebracht und ich habe selbst gesehen, dass du alleine überleben kannst, wenn du dazu gezwungen bist. Das Waldabenteuer war eine dämliche Idee, aber ich habe gesehen, dass du kämpfen kannst, Bruderherz. Wir müssen nur weiter in das Gebäude hinein und über den Hinterausgang bei den Parkplätzen fliehen.“

Paul blickte zu seiner ältesten Schwester, schüttelte sich kurz und ein entschlossener Ausdruck kam zum Vorschein, denn er wusste, dass seine Schwester ihn bis zu ihrem letzten Atemzug verteidigte – auch mit ihrem Leben.
Es war diese Sicherheit und Gewissheit, die Paul und Mary in ihrer Nähe immer gespürt hatten und womöglich waren ihre geschwisterlichen Bande genau aus diesem Grund derart eng – sie liebten einander und verließen sich aufeinander.
Keiner ließ den anderen im Stich.

„Ich folge dir“, entschied Paul binnen Sekunden, auch wenn sein Herz vor Angst heftig in seiner Brust pochte, „Mary wartet bestimmt noch am Wagen auf uns.“
„Bleib in meiner Nähe und dicht hinter mir, Brüderchen“, wies Jenna ihren kleinen Bruder an, nahm missmutig das M4 Sturmgewehr und gemeinsam schlichen sie durch die Zellentrakte, bis sie zu Jennas alter Behausung im Zellenblock C kamen.
Dort saßen in einer der Einzelhaftzellen immer noch Ryan und Malcolm, die von dem gesamten Kampflärm aufgeschreckt waren.
Paul blickte die beiden „Gäste“ an, stieß seine große Schwester in die Seite und meinte: „Sollen wir sie nicht freilassen? Hier erwartet sie nur der Tod und sie haben uns vor dem Gouverneur gewarnt. Das sollte zumindest ihr Leben wert sein.“
Ihr kleiner Bruder besaß ein gutes Argument, auch wenn Jenna Ryan und Malcolm nur unfreiwillig in ihre Freiheit entließ, so würde sie hier nur der Tod erwarten und das wäre ihnen gegenüber nicht gerecht – immerhin hatten sie die Bewohner gewarnt.
Jenna packte ihren Schlüssel, den Daryl ihr in der Werkstatt angefertigt hatte, und schloss die Einzelhaftzelle auf.
„Danke“, sagte Ryan, bevor ihm Jenna eine Schaufel und Malcolm eine Spitzhacke in die Hand drückte: „Wenn ihr weiterhin ein Leben haben wollt, dann folgt mir und baut keine Scheiße. Ihr habt uns gewarnt, deshalb gewähre ich euch diese Chance, also nutzt sie.“

Ryan nickte, denn er wusste noch von ihrer letzten Begegnung, dass die Soldatin nicht lange fackelte und sich ihr in den Weg zu stellen, ein sehr dämlicher Gedanke war, auf welche Weise man sein eigenes Todesurteil unterschrieb.
Malcolm ordnete sich widerspruchslos dem Willen der Soldatin unter, denn auch er wollte überleben und er wusste, dass sie ihr einziger Weg nach Draußen war.
Alle folgten der Soldatin, wobei Ryan den zwölfjährigen Paul aufmerksam beobachtete, weil der Junge mehrere kleinere Messer an seinem Gürtel neben einem Revolver trug, welchen er jedoch gezückt hatte und den Rücken der Blondine deckte – außergewöhnlich gut vorbereitet.
Sie gelangten in einen Gang, der in einer Sackgasse endete, doch Jenna wies ihre Begleiter an, die Tür aufzustemmen, welche ihnen auf den ersten Blick nicht aufgefallen war, sie ging nur schwer auf und sie wechselten den Zellentrakt, schlichen hinter der strengen Blondine her, bis sie die Gruppe mit einer erhobenen, geschlossenen Faust wegen irgendetwas zum Halten zwang.
Etwas lag auf dem Boden und bewegte sich nicht.

„Kleiner Bruder, du musst meinen Rücken decken und sollte ich angegriffen werden, schießt du“, meinte Jenna und wusste, dass sie Paul damit unter Druck setzte, doch es war ihr nicht anders möglich.
Paul nickte zustimmend, erhob seinen Revolver, packte ihn fester und Jenna schlich vorwärts zu dem Etwas, das zusammengesunken an der Wand lag und sich nicht rührte.
Es konnte ein Mistding sein, denn derzeit befanden sie sich in Zellenblock D, wo sie zwar das große Loch in der Mauer gestopft hatten, doch aufgrund des Angriffes erwartete Jenna beständig Probleme.
Sie erhob das M4 schussbereit, senkte es jedoch wieder, als sie ihre Taschenlampe auf den Punkt richtete und ein bekanntes Gesicht sah – Glenn.
In seiner Hand hielt er eine Schrotflinte und womöglich hatte er nicht auf Maggie gehört, sich in den Bus zu begeben und mit den Kranken mitzufahren, stattdessen war ihm der Kampf für die Gemeinschaft wichtiger gewesen.
Jenna nahm zwei Finger, legte sie an seine Halsschlagader und überprüfte seinen Pulsschlag, der zwar schwach war, doch es kam glücklicherweise eine Erwiderung und sie schüttelte den Kopf: „Vollidiot.“

Sie griff nach der Schrotflinte, reichte sie Ryan, welcher kurz das Magazin überprüfte und sie auf diese Weise zumindest eine bessere Feuerkraft nachweisen konnten, sollten sie noch weiteren Gegnern über den Weg laufen, womit Jenna bereits jetzt rechnete.
Sie zog Glenn auf die Füße, fluchte über dessen Körpergewicht, welches sie über ihre Schultern verteilen wollte, doch Malcolm kam und nahm ihr Glenn ab.
„Für einen Asiaten ist er wirklich schwer“, bemerkte Malcolm, als er sich mit Glenn belud.
„Steht zu gut im Futter“, erwiderte Jenna trocken und hörte ihre Begleiter leise lachen, einschließlich ihres kleinen Bruder, der unerwartet sie sogar anlächelte, weil er sich einen Einsatz von Keith und Jenna immer derart vorgestellt hatte.

Sie setzten sich wieder in Bewegung, Paul und Angus deckten Jennas Rücken und die Soldatin führte sie durch verwinkelte Gänge nach draußen auf den Parkplatz, wo sie direkt zu ihrem Geländewagen ging, den Malcolm und Ryan noch von ihrer ersten Begegnung kannten.
Rasch öffnete Jenna den Wagen, ließ alle einsteigen, während sie den Parkplatz überblickte und nach ihrer kleinen Schwester Ausschau hielt.
„Paul, du bleibst bei Ryan und Malcolm, ich gehe Mary suchen“, entschied Jenna mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend, wandte sich jedoch mit strengem Blick an die beiden „wenn meinem kleinen Bruder etwas passiert, werde ich euch beide am nächsten Baum langsam und qualvoll ausweiden. Verstanden?“
Es war keine Bitte, noch nicht mal eine Frage, sondern eher eine offene und direkte Drohung, die Malcolm und Ryan nicht ignorierten, denn sie hatten gesehen, wozu die Soldatin fähig war und wie ehrlich sie im Umgang mit ihren Androhungen war – es waren keine leeren Versprechungen.

Als Jenna sich der Suche nach ihrer kleinen Schwester zuwenden wollte, rollte ein Panzer auf den hinteren Parkplatz und versperrte der Soldatin den Weg zum vorderen Bereich des Hofes.
Das Panzerrohr wurde gedreht und richtete sich genau auf das Fahrzeug und Jenna, die in ihrem Kopf bereits ihre letzten Sekunden in dieser Hölle anbrechen sah, die Augen schloss und nur noch auf den Schuss wartete, der sie aus diesem endlosen Kampf ihres Lebens erlöste.
Gegen einen Panzer kam sie mit einem Sturmgewehr nicht an und nirgends gab es Deckung.

Ein gewaltiger Knall eines Schusses ließ ihre Ohren klingeln, Jenna öffnete skeptisch ein Auge und wunderte sich, dass sie noch am Leben war, ebenso ihre Begleiter und ihr kleiner Bruder, dann blickte sie in Richtung des angreifenden Panzers, in dessen Panzerung ein großes Loch klaffte und dichter, schwarzer Qualm emporstieg – dieser Treffer hatte gesessen.
Der Urheber dieses großen Loches kam wenige Augenblicke später um die Ecke gefahren – der letzte Panzer – hielt jedoch vor dem „Monster“ an, die Luke öffnete sich und ein weiteres, bekanntes Gesicht kletterte aus dem Panzer – Angus.
Ryan und Malcolm stürzten aus dem Geländewagen auf ihren Freund zu und als eine Frau ebenfalls noch ausstieg, konnte Ryan sich nicht mehr zurückhalten und umarmte seine beiden Freunde als hätte er befürchtet, dass sie gefallen wären.
Sie verfielen in aufgeregtes Geschwätz, was der Soldatin nicht gefiel und ihr Gefühl in der Magengegend zur Wachsamkeit und Eile ermahnte.

„Schluss mit dem Kaffeekränzchen!“, fuhr Jenna biestig dazwischen und beendete die angeregte Unterhaltung, „das könnt ihr später machen! Habt ihr, Scherzkekse, auf eurem Weg hierher eine Teenagerin mit blonden Haaren gesehen? Sie sieht wie ich aus, nur wesentlich jünger.“
Tara Chambler blickte die strenge Blondine mit den kalten blauen Augen an und ihr lief es eiskalt den Rücken herunter – eine unangenehme und furchteinflößende Person.
„Nein, da war niemand“, antwortete Angus wahrheitsgemäß und Jennas Herz schlug vor Sorge schneller, denn laut der Aussage ihres Bruders hatte Mary noch auf Hershel und ihn gewartet.
„Setzt euch in den Wagen!“, befahl Jenna grimmig und biss sich mürrisch auf die Unterlippe, „wird mit sechs Personen eng werden, aber Paul ist zum Glück noch ein Kind.“
Tara wollte nicht gehorchen, doch ihre drei Freunde schlossen sich freiwillig dieser kalten Blondine an, was sie überraschte, doch womöglich würde sie den Grund noch erfahren.

Mit dem M4 Sturmgewehr im Anschlag arbeitete Jenna sich vorwärts, bis sie zu dem Pickup kam, welchen Hershel hätte benutzen sollen, doch Mary konnte sie nirgends finden.
Vielleicht war sie in den Wald gerannt, um dort Schutz zu suchen oder hatte noch einen Platz in einem der letzten Fluchtwagen ergattert.
Der Wald erschien der Soldatin jedoch naheliegender, allerdings brauchte sie selbst zunächst eine bessere Position auf dem Schlachtfeld, bevor sie ihre kleine Schwester suchen konnte.
Man verweilte nicht auf verbrannter Erde.
Ihr Plan war zum Großteil gescheitert, obgleich er lediglich der Evakuierung gedient hatte und dieser Zweck war einigermaßen erfüllt worden.
Eilig packte Jenna mehrere Rucksäcke aus dem Pickup, schulterte sie gleichzeitig und trug sie zu ihrem Geländewagen, wo sie diese geschickt neben den Reservekanistern verstaute – Medikamente und Verbandszeug schadeten nie.
Sollte Mary tatsächlich in den Wald gelaufen sein, kannte Jenna bereits jetzt ihr Ziel und es konnte ihnen mehr Schutz bieten als das Gefängnis – zumindest vorübergehend.
Das „Monster“ war mit fünf Erwachsenen und  Paul, welcher auf Ryans Schoß saß und von ihm festgehalten wurde, und dem Gepäck ziemlich beladen, weshalb Jenna bereits beim Anfahren auf den Allradantrieb umstellte und das Gefängnis hinter sich ließ.

Ein kurzer Blick in den Rückspiegel auf das brennende Gebäude glich einem kurzen „Lebewohl“.
Dann fuhr sie weiter.
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