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The Walking Dead - Carpe Diem

von Nayfe
GeschichteAbenteuer, Horror / P16 / Gen
Carol Peletier Daryl Dixon Glenn Rhee Maggie Greene Rick Grimes
20.03.2015
04.04.2021
122
581.745
91
Alle Kapitel
249 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
07.08.2015 4.295
 
Hallo liebe Leser ;)

nun, ist es so weit....das letzte Kapitel von Staffel 2 ;)

Ich wünsche euch viel Spaß und bis zum 28.08.2015!!

Eure Reviews beantworte ich, wenn ich aus meinen Urlaub zurückkehre, aber ihr könnt mir - wie immer - welche da lassen ;)
Wenn es euch gefallen hat ;)

Liebe Grüße,
eure Nayfe ;)

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Die Gruppe und Jenna M. Walker


Sie waren dieses Mal in einem Motel untergekommen und mussten eine Weile rasten, weil Loris Schwangerschaft mittlerweile die langen Fahrten beeinträchtigte und sie einige Stunden zumindest Schlaf brauchten.
Sie hatten sich derweil an die Anwesenheit von Jenna Walker gewöhnt, auch wenn diese möglichst Abstand zu ihnen hielt, so erwies sie sich als durchaus nützlich und hielt ihr Versprechen, selbst wenn der Jäger und die Soldatin sich oftmals noch angifteten – alles andere blieb jedoch aus.
Beide Streithähne waren nicht immer derselben Meinung und die Momente selten, in denen sie freiwillig zusammenarbeiteten – Rick überlegte bereits, wie er dies ändern konnte.  

Glenn kam gerade von einer Tour mit T-Dog, Daryl und Jenna zurück und war froh, dass die beiden letzten Personen sich nicht gegenseitig dort draußen getötet hatten – kleine Meinungsverschiedenheit.
Maggie kam sofort und umarmte und küsste ihn – sie hatte sich um ihn gesorgt.
„Ihr wart lange weg“, stellt sie fest und versuchte, sich ihre Sorge nicht anmerken zu lassen, doch Glenn lächelte sie an.
„Die zwei Streithähne hatten eine kurze Diskussion über sein oder nicht sein und haben ein paar Beißer damit aufgescheucht, die wir dann erledigen mussten, aber bisher ist es hier sicher. Du hast mir gefehlt, Maggie, aber hier, ich habe dir etwas mitgebracht.“
Glenn kramte aus seiner Hosentasche ein silbernes Armband und eine Tüte Süßigkeiten hervor, von denen Maggie ihm erzählt hatte, dass sie diese gerne aß.
Maggie blickte ihn fragen an: „Hast du dich deswegen in Gefahr gebracht? Ich möchte nicht, dass du dich wegen mir in Gefahr bringst, nur um mir etwas zu schenken.“
„Nein, wir waren sicher und du darfst beide Sachen haben“, lächelte Glenn sie an, „für die schönste Frau in meinem Leben. Ich bin froh, dich zu haben, Maggie.“
Er gab Maggie einen Kuss und beide verschwanden auf ihr Zimmer, das sie sich miteinander teilten.

Daryl kehrte unterdessen missmutig auf sein Zimmer zurück, das er alleine bewohnte, doch Carol hatte ihn bereits zurückerwartet.
„Ich bringe sie irgendwann um“, knurrte er, pfefferte seinen Rucksack in die Ecke und schlug mit der Faust gegen die Wand, wodurch Carol erschrak – altbekanntes Problem namens Jenna.
„Hattet ihr dort draußen Ärger?“, fragte sie vorsichtig, denn Daryl schien geladen.
„Ärger? Dieses Miststück…“, knurrte der Jäger aufgebracht und Carol ahnte mittlerweile, worum es bei den kleineren Auseinandersetzungen mit der Soldatin ging – Macht.
Sie durften sich nicht prügeln, was auch in ihrer Situation viel zu gefährlich gewesen wäre, daher spielten sie ihre Spielchen miteinander und testeten permanent die Grenzen des anderen aus – keiner wollte wirklich nachgeben.

„Könnt ihr nicht einfach das vergessen, was gewesen ist?“, fragte Carol und hatte damit einen wunden Punkt getroffen.
„Vergessen? Sie hätte mich beinahe getötet und ich rette ihr auch noch das Leben, indem ich ihr mein Blut gebe!“, polterte Daryl los und bei dem Gedanken an den Tag, an dem er der Soldatin begegnet war, wurde ihm wieder schlecht.
Carol hörte davon gerade zum ersten Mal, aber diese Information konnte ihr vermutlich in einer der Zwickmühlensituationen noch nützlich werden, sollten die beiden Sturköpfe sich erneut duellieren wollen, wie sie das bei der letzten Rast vorgeschlagen hatten.
„Hast du es ihr überhaupt mal gesagt?“, fragte sie ihn mutig und hielt gegen seine mürrische Laune – das hatte sie sich ein wenig von Jenna abgeschaut.
Carol mochte die Soldatin mittlerweile gut leiden, auch weil sie ihr vor zwei Tagen eine Zeichnung von Sophia geschenkt hatte.

„Jeder Soldat hat etwas, das ihn in schweren Zeiten aufrecht hält…“

Da Daryl ihr keine Antwort gab, schloss sie daraus automatisch, dass er dies der Soldatin verschwiegen hatte.
„Du erwartest wohl von ihr, dass sie das irgendwann von selbst errät? Ich weiß, dass sie nur zweitweise bei uns bleibt, aber ihr beiden könntet gemeinsam so viel mehr für die Gruppe erreichen als alleine, doch dazu seid ihr viel zu sehr damit beschäftigt, euch gegenseitig herauszufordern und auszutesten, wer von euch der Stärkere ist. Ist dir schon einmal in den Sinn gekommen, dass ihr euch in einigen Punkten ähnelt?“
„Vergleichst du mich gerade mit dieser eingebildeten…“
„Vergiss es, Daryl, diese Diskussion hat keinen Zweck“, seufzte Carol und verließ das Zimmer, wobei sie direkt mit Jenna zusammenstieß, der prompt ihre Sachen auf den Boden fielen.

„Kannst du nicht aufpassen, Arschloch?“, knurrte Jenna, die sich sofort gebückt hatte und glaubte, dass Daryl sie angerempelt hatte.
„Es tut mir leid, Jenna“, entschuldigte sich Carol und half ihr, die Sachen einzusammeln.
„Oh, Carol, das war nicht an dich gerichtet“, wandte Jenna entschuldigend ein und erhob sich mit Carol.
„Ich weiß schon, an wen das gerichtet war, aber Daryl befindet sich in seinem Zimmer“, entgegnete Carol, „was ist da draußen zwischen euch vorgefallen? Es ist gefährlich, wenn ihr…“
„Ich weiß, aber wer nicht hören will, muss fühlen“, knurrte Jenna, schulterte ihren Seesack und positionierte ihn am Ende des Ganges, wo sie die Haupteingangstür genau im Blick hatte, um im Notfall direkt reagieren zu können.
„Ihr beiden seid euch wirklich ähnlich“, flüsterte Carol kopfschüttelnd und ging auf ihr Zimmer zurück, das sie sich mit Lori teilte.

Rick kam aus seinem Zimmer, das er mit Carl bewohnte und trommelte die Gruppe zu ihrer abendlichen Besprechungsrunde zusammen, die im Aufenthaltsraum des Motels stattfand.
„Wie sicher sind wir hier?“, richtete Rick die Frage an die Kundschafter, die eben von ihrer Tour zurückgekehrt waren.
„Es waren nicht viele Beißer hier und Spuren von anderen Menschen habe ich auch keine entdecken können“, erklärte Daryl knapp, wobei er den Streit mit Jenna bewusst ausließ, den sie unterwegs gehabt und damit Beißer angelockt hatten.
„Wir haben zwei Tage Vorsprung vor der großen Herde und die kleine liegt nur einen Tag hinter uns. Die Wagen stehen zum direkten Aufbruch bereit und wir sollten eine Nacht uns ausruhen können, aber wenn ich heute Nachtwache habe, werden Beth, Herschel oder Carol meinen Wagen fahren müssen“, erklärte Jenna, wobei ihr Carol ein wenig lieber war, wenn sie nicht wieder bei Daryl auf dem Motorrad mitfuhr.
„Du musst nicht immer jede Wache in einem Haus übernehmen, Jenna“, erwiderte Rick, „das habe ich dir im vorletzten Ort auch schon einmal gesagt.“
„Ich schlafe schlecht, wenn ich weiß, dass ich an den Boden gefesselt bin. Das Motel geht für eine Nacht, aber im Morgengrauen müssen wir sofort aufbrechen, solange sie unsere Witterung noch nicht wieder vollständig aufgenommen haben“, meinte Jenna und Daryl horchte auf.
Er hatte schon länger vermutet, dass die Soldatin Jagdkenntnisse besaß, aber er wusste nicht, wie gut sie darin war – für Essen musste es in der Vergangenheit auf jeden Fall gereicht haben.
In diesem Punkt biss er sich auf die Unterlippe, weil er ihr Recht geben musste und er hasste es, wenn diese Soldatenschlampe Recht behielt oder mit seinen Gedanken übereinstimmte.
Das war nicht normal und ärgerte ihn.
Vor dieser Frau wollte er auf gar keinen Fall einknicken und ihr einen Grund geben, ihn zu demütigen.
Er war ein Mann und keine Pussy.
Wenn er vor Jenna Walker einknickte, war das sein Ende.

Rick beschloss, dass Jenna nicht alleine die Nachtwache haben sollte und stellte ihr Glenn als zweiten Mann zur Seite, was sie ohne Murren akzeptierte – der Asiate war in Ordnung.
„Wir hatten noch nicht so häufig das Vergnügen einer gemeinsame Wache, Glenn“, meinte Jenna, als Glenn sich zu ihr setzte und die Position klug gewählt fand.
„Von hier aus hat man alles im Blick“, entgegnete er anerkennend und Jenna nickte.
„Alte Angewohnheit und im Zivilleben wirst du sie auch nicht wieder los. Wenn du ein Gebäude betrittst, suchst du nach Fluchtwegen, in einem Restaurant setzt du dich automatisch an den Tisch, von welchem du aus alle Türen im Blick hast und du überprüfst sogar die Unterseite deines Autos auf Sprengladungen, die man eventuell dort angebracht hat“, erklärte Jenna, „manche meiner Kameraden schlafen sogar mit ihrer Waffe oder ihrem Feldmesser unter dem Kopfkissen und sich an einen Soldaten anzuschleichen, ist demnach auch keine gute Idee.“
„Klingt nach einem harten Job.“
„Jeder Job ist hart. Was hast du vor dieser Hölle gemacht?“, fragte Jenna neugierig, denn ihr waren an dem Koreaner Eigenschaften aufgefallen, die sie nicht zuordnen konnte – Soldat war er definitv nicht gewesen.
„Ich war Pizzabote“, antwortete Glenn und Jenna lächelte amüsiert.
„Sag ich ja, auch kein einfacher Job, aber jetzt ist mir auch klar, weshalb du so ein gutes Straßenraster in deinem Kopf hast“, meinte Jenna und Glenn kratzte sich verlegen an den Kopf – ein Lob?
„Dürfte ich eventuell noch einmal deinen Wagen fahren?“, fragte Glenn vorsichtig und Jenna blickte ihn verwundert an: „Wieso das? Du fährst doch bei Maggie mit.“
„Schon, aber dieses „Monster“ ist einfach genial. Wie kommt man auf die Idee, sich so etwas zusammen zu bauen?“, wollte Glenn wissen und Jenna erinnerte sich an den Abend zurück, an dem sie sich auf dem Dachboden mit ihren Männern und Madison betrunken hatte und sie diese dämlich Idee gefasst hatten – der Wagen hatte ihr bereits mehrmals das Leben gerettet.
„Man trinkt ganz viel, schwafelt irgendetwas von Kunstrasen und schwupps“, antwortete Jenna, „kommen Ideen wie dieser Wagen in deinen Kopf. Er ist ein Andenken an ein paar Menschen, mit denen ich gemeinsam durch jedwede Hölle gegangen bin und ich ehre sie mit jedem Mistding, das der Wildfänger aus dem Weg räumt.“
„Wo sind diese Menschen?“, fragte Glenn vorsichtig, weil er wusste, dass die Soldatin auf manche Fragen sehr ungehalten reagierte und sich an die Diskussionen mit Daryl erinnerte.
Jenna senkte den Kopf und antwortete leise und direkt: „Sie sind tot.“
Glenn wollte ihr sein Beileid aussprechen, doch Jenna hielt ihm direkt ihre Hand entgegen:
„Nein, mach das nicht. Wir haben noch eine Tür zu bewachen. Du übernimmst den ersten Teil der Wache und ich den zweiten. Wecke mich, wenn deine vier Stunden vorbei sind und wenn du einschläfst, verpasse ich dir eine.“
Mit diesen Worten legte Jenna den Kopf in die Ecke und döste weg, während Glenn die Tür im Blick hielt und über ihre Worte nachdachte.
Menschen bedeuteten der Soldatin also doch etwas, nur war Glenn sich nicht sicher, ob das auch auf ihre Gruppe zutraf.
Jenna kümmerte sich um die Aufgaben, die man ihr auftrug, hielt sich aber ansonsten aus internen Diskussionen heraus.
Glenn fand, dass die Soldatin kein schlechter Mensch war und ein bisschen Daryl ähnelte, aber das hörten wohl beide nicht sehr gerne, obgleich sie sich eine Gemeinsamkeit bereits teilten: sie mochten Carol.

Als der Morgen graute, weckte Jenna den Koreaner, der ihr half, auch die anderen aus ihren Federn zu schmeißen, weil sie diese Rastzeit wieder aufholen mussten, um den beiden Herden voraus zu sein.
Es war besser, sie im Rücken zu haben, anstatt ihnen in die Arme zu laufen.
Zuerst weckten sie Rick mit seiner Familie, danach Beth, Hershel und Maggie, sowie Carol und T-Dog und den Jäger als letztes, weil sie wussten, dass Daryl eh schon wach war und als Jenna gegen seine Tür klopfen wollte, ging diese sofort auf.
Im Türrahmen erschien der Jäger und beim Anblick von Jenna wäre er vielleicht nicht direkt wieder ins Bett gegangen, aber von einem guten Morgen war dieser Tag somit weit entfernt.
„Wir brechen auf“, verkündete Jenna ihm knapp, denn je weniger sie miteinander sprachen, desto geringer war die Wahrscheinlichkeit eines Streits, obgleich sie das vermutlich mit ihren Blicken sofort wieder ausgleichen würden. Zudem hatte Daryl tatsächlich angefangen, ihre Schritte und Handlungen eingehend zu beobachten und wenn es eines war, das Jenna nicht mochte, dann waren es diese prüfenden Blicke.

Sie fühlte sich in ihre Rekrutenzeit zurückversetzt oder generell zu einigen ihrer Kompanien, wo sie sich gegenüber ihren männlichen Kollegen immer hatte beweisen müssen. Dort hatte sie unter einen andauernden Leistungsdruck gestanden, den sie nun auch wieder wahrnahm – Daryl beobachtete sie.
Jenna spürte gelegentlich seine strengen Blicke und hätte ihm am liebsten dafür eine reingewürgt, aber mehr als ein paar Sticheleien traute sie sich nicht, wenn Rick in der Nähe war, denn momentan wäre da Risiko für sie alleine dort draußen viel zu groß gewesen – Gruppen hatten auch Vorteile.
Irgendwie.

Zudem hatte sie dort draußen sich öfters einigen Gruppen auf Zeit angeschlossen oder war wegen ihrer Radikalität wieder rausgeflogen. Diese Menschen verstanden die Gefahr einfach nicht, doch hier bei dieser Gruppe verurteilte sie niemand gänzlich – außer Lori.
Das Verhältnis zwischen den Frauen hatte sich weiter verschlechtert, sodass Jenna mittlerweile sogar Daryl der Frau des Anführers vorzog – welch Ironie.

„War alles ruhig?“, fragte Daryl die Soldatin, die nickte: „Sonst hätte ich dich als ersten geweckt. Wir sollten jedoch vor unserer Abreise den Hinterausgang kontrollieren und dem Gastgeber am Tresen ein bisschen Trinkgeld hinterlassen, weil es hier so schön war.“
Der Gastgeber war tot – sie hatten ihn bei ihrer Ankunft als Beißer vorgefunden und erschossen.
Daryl konnte den Sarkasmus in Jennas Stimme nicht nur hören, sondern auch fühlen, sodass er sich auf die Unterlippe biss, um ihr nicht zu zeigen, dass diese Aussage ihm durchaus gefiel. Die Soldatin riss gelegentlich solche Sprüche, womit sie bei Rick nicht unbedingt Sympathien sammelte, aber einige aus der Gruppe ein wenig damit erheiterte – ihn nun eingeschlossen.
„Hast du Geld mit?“, entglitt ihm die Frage, bevor er begriff, dass es die ersten netten Worte waren, die er mit ihr wechselte.
Die Soldatin blickte ihn zunächst ein wenig verwirrt, dann jedoch herausfordernd an: „Ein paar Dollar, vielleicht sollten wir sammeln.“
Sie zog ihr Portmonee aus der Innentasche ihrer Rucksackweste, wobei ein Stück Papier auf den Boden fiel und sie mit zwei Dollar vor seiner Nase wedelte.
„Ob das noch was wert ist? Wir könnten ihm auch ein paar deiner Eichhörnchen hinterlassen, vielleicht mag er das mehr. Das schicke Loch in seinem Kopf tut dem keinen Abbruch“, feixte Jenna und beide blickten einander amüsiert an – ein gleichwertiger Gegner.
In diesem Augenblick trat Rick auf den Gang und entdeckte den Jäger und die Soldatin und schritt geradewegs auf sie zu – hier war es zu gefährlich.

„Auseinander, ich möchte keinen Streit am Morgen“, unterbrach Rick seine beiden Streithähne, die eigentlich nie eine Sekunde ausließen, um sich gegenseitig herauszufordern.
Beide blickten ihn ein wenig irritiert an, dann schulterte Daryl seine Armbrust und zog wortlos davon – war doch nichts passiert.
„Ihr solltet euch aus dem Weg gehen, Jenna“, meinte Rick und blickte die Soldatin an, die ihr Portmonee wegsteckte und den Kopf schüttelte.
„Bisschen schwierig, wenn ich mit ihm zur Tour und für den Weckdienst eingeteilt bin, um euch alle aus den süßen Träumen vom Schlaraffenland zu wecken“, erwiderte Jenna.
„Glenn meinte, dass es gestern wieder Ärger zwischen euch gab“, befragte Rick die Soldatin, die jedoch nur mit den Achseln zuckte.
„Rick, wir waren gestern zu keiner Zeit in Gefahr und gerade haben Daryl und ich uns geeinigt, dass er den Hinterausgang des Motels kontrolliert, wo unsere Wagen strategisch gut geparkt stehen“, wandte Jenna gelassen ein und wollte gehen, da hob Rick das Blatt Papier auf.
Sofort riss es Jenna ihm aus der Hand, steckte es wieder in die Innentasche ihrer Rucksackweste und funkelte Rick kalt an.
„Ich wollte es nur aufheben“, verteidigte sich Rick und sofort wurde Jenna wieder ruhiger.
„Muss mir wohl eben herausgefallen sein“, knurrte sie, ging zu ihrem Nachtlager und schulterte den Seesack – sie waren bereit zum Aufbruch.

Daryl beobachtete, wie die Soldatin einen Pfeil an die Bogensehne anlegte und sich zum Spähtrupp meldete, der den Hinterausgang kontrollieren sollte – Mut und Arroganz in einer Person.
Er hatte ihre Pfeile gekürzt und schon einiges damit gejagt – sie waren gut.
Situationen, in denen sie sich nicht gegenseitig an die Kehle gehen wollten, waren eher selten, aber seit eben fragte sich Daryl schon, ob Carol mit ihrer Einschätzung Recht hatte.
Jenna besaß Fähigkeiten, die seinen nicht unähnlich waren und ohne Grund hatte sie dort draußen nicht so lange überlebt oder die vielen Male vor dem Ausbruch. Er würde sie auch dieses Mal bei der Arbeit beobachten, wenn sich die Gelegenheit dazu ergab – so wie gestern.
Deswegen hatte es auch den Ärger gegeben – sie mochte es nicht, wenn er sie beobachtete und er hatte sie zu offensichtlich gemustert.  

Der Jäger und die Soldatin wurden dieses Mal von Rick und T-Dog begleitet, weil der Sheriff unbedingt Schwierigkeiten vermeiden wollte.
„Ich schlage vor, wir teilen uns auf Flanken auf. Daryl und ich nehmen links und Jenna und T-Dog orientieren sich nach rechts  und wenn alles sicher ist, dann springen die Fahrer in die Wagen und wir sichern den Weg für die Gruppe“, entschied Rick und Jenna nickte.
Binnen weniger Sekunden waren sie draußen und schlichen um die Wagen herum.
T-Dog folgte der Soldatin wortlos, denn er arbeitete ungerne alleine mit ihr – sie war ein Kühlschrank.
Dann hörten sie ein vertrautes Ächzen und Jenna drehte sich zu T-Dog um: „Shh, wir dürfen keinen Lärm verursachen. Dort sind ein paar weitere Neuankömmlinge, also benutze die Axt und nicht das Gewehr.“
T-Dog nickte, dann lugte die Soldatin um den roten Truck herum, spannte die Bogensehne und ließ ihren Pfeil los.
Die Beißer gerieten in Aufruhr, dann kamen von der anderen Seite auch Pfeile und sie schlichen weiter vor – noch ein paar mehr.

Das Headset in Jennas Ohr knisterte: „Was denkst du, ist das eine Herde?“
„Nein, Rick, das sind nur neue Gäste“, entgegnete Jenna, „ruf die Gruppe raus, während Daryl und ich aus der Deckung heraustreten und du mit T-Dog den Weg zu den Wagen sicherst. Wir kümmern uns darum.“
„Erschießt euch nur nicht gegenseitig“, antwortete Rick, dann erklärte Jenna T-Dog den Plan, verließ die sichere Deckung des Wagens und schoss einen Pfeil nach dem anderen auf die Mistdinger ab – Daryl kam ihr von links entgegen.

Es waren noch genug Beißer für beide übrig.

Von der Armbrust und dem Bogen surrten Pfeile auf die Ankömmlinge nieder und trafen sie in den Kopf – wortlos arbeiten sie mit Blicken das erste Mal alleine zusammen ohne sich zu streiten.
„Weg da, der gehört mir“, knurrte Jenna, ließ ihren Pfeil los, doch Daryl hatte den letzten Beißer ebenfalls anvisiert und kurz darauf durchbohrten zwei Pfeile den Kopf.
Beide sammelten rasch ihre Pfeile ein und beim letzten blieben sie stehen. Die Pfeile durchbohrten jeweils ein Auge und ragten hinten wieder heraus – der war erledigt.
„Meiner sitzt besser als deiner“, bemerkte Daryl herausfordernd und blickte zur Soldatin neben sich.
Jennas Augen waren kalt wie Eis, sie biss sich mürrisch auf die Unterlippe, dann zog sie unerwartet ihr Schwert und rammte es dem Mistding in den Kopf.  

„Der hat noch gezuckt“*(*), erwiderte sie trocken, zog Schwert und Pfeile aus dem Kopf, blickte kurz Daryl an, bevor sie die Klinge mit einem Tuch säuberte und in die Scheide zurücksteckte, „beides miserable Treffer.“
Sie reichte ihm seinen Pfeil und er wusste nicht, was er darauf erwidern sollte – diese Frau konnte es einfach nicht lassen.

Bevor er etwas erwidern konnte, fuhr Glenn mit Jennas „Monster“ vor und die Soldatin wandte dem Koreaner ihre Aufmerksamkeit zu: „Denk dran, Glenn, wenn ich auch nur einen Kratzer oder den Vollidioten da als Kühlerfigur nach deiner Spritztour habe, müssen deine Eier dran glauben.“
Mit „Vollidiot“ war Daryl gemeint – zumindest sagte sie nicht wieder Redneck.
Danach stieg sie zu Maggie in den Wagen, die am Steuer saß und sich nicht unbedingt über ihre neue Gesellschaft freute, doch Glenn schien Jenna keine Ruhe gelassen zu haben.

„Du lässt ihn einfach deinen Wagen fahren?“, wunderte sich Maggie, denn sie wusste um Jennas Pingeligkeit in Bezug auf dieses Auto – das war ihr immer noch unerklärlich, aber die Soldatin redete auch nicht viel.
„Wenn meinem Baby etwas passiert, sind seine Eier dran, dann braucht ihr auch keine Kondome mehr“, erwiderte Jenna trocken, reichte Maggie die Schachtel, die sie bei der gestrigen Tour geklaubt hatte und ihr Gegenüber glaubte, dass die Soldatin die Wahrheit sprach.
„Lohnt nicht“, antwortete Maggie, „also lass sie mir noch eine Weile.“
„Gut, dann lasse ich mir etwas anderes einfallen“, feixte Jenna, zog ihr Schwerthalfter aus, stellte die Schwerter sowie Köcher und Bogen in den Fußraum, lehnte sich in den Sitz zurück und döste weg.
Maggie lachte leise – diese Frau besaß wirklich auch Humor.



Andrea und Michonne


Sie hatte Andrea das Leben gerettet; eine Frau, die zwei Beißer an einer Kette führte, deren Unterkiefer und Arme abgetrennt waren – eine noch seltsamere Erscheinung als die Soldatin.

Michonne.

Ihre Waffe war ein Katana, das in einer weißen Scheide steckte und Michonne brauchte keine Schusswaffe.
Andrea war ihr den gesamten Winter über gefolgt und die Beißer hatten sich als nützliche Tarnung erwiesen – die anderen Beißer nahmen sie dadurch nicht wahr.
Michonne war eine eher stille Begleiterin, aber Andrea schätzte ihre Gesellschaft und mit den Monaten waren sie sich näher gekommen.
Anfangs war Andrea ihr einfach nur hinterher gelaufen, doch mittlerweile unterhielten sie sich abends und Andrea fand, dass Michonne ein bisschen in ihrer Einstellung der Soldatin ähnelte – eine Bedrohung wurde sofort eliminiert.
Doch sie gingen immer zu Fuß und an einem Tag ließen sie mittlerweile viel Wegstrecke hinter sich.

Andrea schwächelte seit einigen Tagen und Michonne war ein wenig um sie besorgt.
Ihre blonde Begleiterin hustete, nachts zitterte sie und Michonne befürchtete, dass sie sich eine schwere Erkältung zugezogen hatte, doch Andrea lehnte es ab, sich auszuruhen, weil sie weiterziehen musste.
Es gab kaum einen Ort, an welchem sie für eine längere Zeit sicher waren und eine Rast wollte Andrea sich nicht erlauben. Mit den angeketteten Beißern waren sie durchaus für kleinere Ansammlungen unsichtbar, doch Michonne war sich nicht sicher, ob das auch für größere Herden galt.

Michonne bemerkte, dass Andrea mit jedem Tag und jeder längeren Wegstrecke schwächer und langsamer wurde, sodass sie letztendlich in einem kleinen Vorort eine längere Rast einlegte – die Grippe hatte Andrea niedergestreckt.
Die Hand der schwarzen Samurai lag auf Andreas Stirn und ihr Blick war voller Sorge: „Du hast Fieber. Wieso sagst du mir nichts?“
„Wir müssen doch immer weiter“, hustete Andrea erschöpft, „die Gefahr…sie…“
Michonne schüttelte den Kopf: „Wenn du krank bist, dann musst du mir das sagen. Wir bleiben hier, bis du dich erholt hast. Ich werde auf dich aufpassen.“
„Nein“, entgegnete Andrea, „du kannst mich auch einfach hier zurücklassen, dann bin ich dir kein Klotz mehr am Bein.“
„Denk nicht dran“, fuhr Michonne sie barsch an, „ich gehe dort raus und werde sehen, was ich so finden kann. Dein Fieber muss runter und vielleicht gibt es hier eine Apotheke.“

Die Samurai war ruppig, aber sie fühlte sich für Andrea verantwortlich, seitdem sie Andrea im Wald gefunden hatte – halb erschöpft und kurz davor zu sterben.
„Du musst das nicht tun“, widersprach Andrea schwach, doch mit einem mahnenden Blick von Michonne erstarben ihre Widerworte rasch.
Michonne überprüfte kurz eingehend die Sicherheit ihrer Unterkunft, hielt sie für vergleichbar in Ordnung – besser als gar nichts – und machte sich auf den Weg nach draußen.

Andrea blieb zurück und das Fieber setzte ihr mit Alpträumen zu.
Ihr erschien eine junge blonde Frau, deren Gesichtszüge etwas rundlicher waren als ihre, aber im Allgemeinen ihr glich: Amy.
„Andrea“, lächelte sie süßlich, „du hast meine Hand gehalten, jetzt möchte ich deine halten.“
„Amy?“, fragte Andrea ungläubig, „wie kann das sein? Du bist tot? Ich habe dich nach deiner Auferstehung er…“
„Ich weiß und dafür danke ich dir. Du hast mir ein Leben als Beißer erspart, zumindest ein langes. Dieser Ort hier, wo ich jetzt bin, ist schön, große Schwester“, meinte Amy.
„Oh, Amy, ich wünschte, ich hätte viel mehr Zeit mit dir verbringen können. Es tut mir so leid, dass ich immer irgendwie beschäftigt war“, schluchzte Andrea, „ich weiß, dass du vermutlich nicht real bist, aber ich habe dich lieb.“

Die junge Amy lächelte, strich sanft über Andreas Wange und lächelte: „Es ist in Ordnung, wir waren immer schon verschieden, aber das heißt noch lange nicht, dass ich für immer weg bin. Dad hat doch immer gesagt, dass der Mensch erst dann stirbt, wenn er vergessen wird und du hast mich nicht vergessen, sonst wäre ich nicht hier.“
„Nein“, entgegnete Andrea, „dich habe ich nicht vergessen. Bleibst du bei mir?“
Amy lächelte abermals: „Immer.“

Das Fieber ließ Andrea leicht einschlafen und machte sie müder.
Sie bemerkt daher nicht, wie zwei Männer in das Versteck eindrangen, sondern vernahm nur die Stimmen – das war wieder ein Traum.
Ihre kleine Schwester gab schon auf sie Acht, da war sich Andrea sicher – Amy war bei ihr und ihr konnte nichts geschehen.
„Lebt sie noch?“, fragte eine Männerstimme behutsam, während sein Kollege den Puls fühlte und er ihm zunickte.
„Ja, es sieht allerdings so aus, als hätte sie sich eine Bronchitis eingefangen“, antwortete der Kollege, „Mary hatte das auch einmal. Gott, sie hat gehustet wie blöd und die Frau hier hat Fieber.“
„Sie ist aber nicht alleine, Keith“, sagte der andere, „hier ist noch ein weiteres Lager.“
„Wir können sie nicht hier lassen, sonst stirbt sie“, brachte die Stimme namens Keith hervor, „wir könnten sie mitnehmen, Caesar.“
„Warten wir erst auf den Begleiter“, erwiderte die Stimme namens Caesar, „in Woodbury haben wir ausreichend Medizin, um das zu bekämpfen. Vielleicht können wir mit der zweiten Person verhandeln.“
„Gut, aber wenn derjenige nicht kommt, nehmen wir sie mit“, meinte die Stimme Keith, „wir können sie nicht sterben lassen.“
Irgendwie kam darin auch noch Michonne vor, die mit diesen beiden Typen diskutierte, doch dann wegen ihr einwilligte - sehr seltsam.

Andrea glaubte an einen Traum und fand, dass dieser gar nicht so schlecht war.
Sie lag in starken Armen, die sie behutsam trugen und irgendwann fühlte sie weichen Untergrund unter ihrem Rücken – ein Bett.
Wie lange hatte sie nicht mehr auf einem Bett gelegen?
Wie sehr sehnte sie sich nach ein paar Annehmlichkeiten oder zumindest einer einfachen Matratze – das hier würde ihr schon reichen.

Alles war nur ein Traum, doch der beste, den sie seit langem gehabt hatte.



ENDE STAFFEL 2

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(*) hier die Inspiration zu der Daryl-Jenna Szene ;)
https://www.youtube.com/watch?v=y39brkPs2aA
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