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The Walking Dead - Carpe Diem

von Nayfe
GeschichteAbenteuer, Horror / P16 / Gen
Carol Peletier Daryl Dixon Glenn Rhee Maggie Greene Rick Grimes
20.03.2015
04.04.2021
122
581.745
91
Alle Kapitel
249 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
12.06.2015 5.584
 
Hallo meine lieben Leser ;)

erst einmal vielen Dank an Bibo, Oopsy und riiiiiesenfan ;) für ihre Reviews und wie in meiner Antwort versprochen: Kapitel 20 ^^

Mittlerweile sind es 9!!! Empfehlungen und 37 Favos!
Ihr macht mich fertig...aber im absolut positiven Sinne! Vielen, vielen Dank dafür!

Meine Muse RikkuWinchester gilt ebenfalls mein Dank, denn sie darf sich das alles immer zuerst durchlesen ;)

So, nun ein paar Worte zu diesem Kapitel:
Ich habe ein paar Dinge umgemünzt und ich hoffe, ihr werdet mich wegen diesem fiesen Cliffhänger am Ende nicht steinigen ^^
Diejenigen, die schon länger dabei sind, werden mich in puncto Radikalität bereits kennen und vielleicht ist dieses Kapitel deswegen auch so gefürchtet ^^ und ich muss mich eventuell wieder bei euch wie bei "Nicht sicher" entschuldigen ^^ mal sehen...

Noch eine kurze Info zum Schluss:
Dieses Kapitel wird bis zum 17.07.2015 auch zunächst das letzte sein, das ich poste, da ich mitten in der Klausurvorbereitung stecke und bis zu meiner letzten Klausur stark in die Pflicht genommen werde, was den Cut noch ein wenig schlimmer macht.
Es tut mir leid, aber ich muss mich darauf konzentrieren -.-
Nach dem 17.07 geht es hier nahtlos mit Kaptiel 21 weiter! Das ist versprochen und wird auch nicht gebrochen ;)
Natürlich werde ich noch auf Reviews antworten, aber ich muss mich hauptsächlich auf meine Klausurvorbereitung konzentrieren und hoffe, dass ihr hierfür Verständnis habt.

So, doch nun viel Spaß mit dem neuen Kapitel!
Eure Nayfe ;)

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Die Gruppe und Jenna M. Walker


Rick stand draußen auf der Veranda und dachte über das nach, was sie bei Einbruch der Dunkelheit tun würden: Randall erschießen.
Die Gruppe hatte es entschieden und alle bis auf Dale und Andrea – Jennas Meinung zählte nicht – waren sie alle dafür gewesen.
Es fiel ihm nicht leicht, dass er dies würde tun müssen, doch es führte kein anderer Weg daran vorbei.
Sie konnten keine weitere Person durchfüttern und das Misstrauen Randall gegenüber war noch größer als bei der Soldatin, die sogar bei einigen aus der Gruppe eine paradoxe Sympathie genoss.
Carol, Andrea und Shane schienen sie zu mögen und Rick selbst fand, dass dieser Person kein allzu schlechter Charakter innewohnte, doch er hatte die Kälte in ihren Augen und ihre Streitsucht in Bezug auf Daryl keine Sekunde vergessen – der Jäger war jedoch nicht unbedingt anders.
Sie provozierten sich gegenseitig, als würden sie versuchen, den Knackpunkt des jeweilig anderen zu finden, um das Feuer weiter anzufachen.
Jedoch würde es nicht mehr lange dauern, ehe sie die Soldatin wieder quitt wurden, auch wenn es Rick mittlerweile nicht mehr gefiel, dass sie trotz allem gehen wollte – der Winter nahte.

„Jemanden zu töten, ist eine schwere Entscheidung, Mr. Grimes“, sagte eine Stimme ruhig und ließ Rick erschrocken herumfahren – Jenna Walker.
Er hatte die Soldatin nicht kommen hören.
„Jenna, Sie haben mich erschreckt und bitte, nennen Sie mich Rick!“
„War nicht meine Absicht, Rick“, entgegnete die Soldatin kühl und blickte auf das Gelände hinaus.
„Sie sind also auch dagegen, dass wir den jungen Mann töten?“, wollte Rick wissen, auch wenn Jennas Meinung wenig zählte, so hatte dennoch einiges an Wahrheit in ihren Worten gesteckt.
„Ich bin höchstens dagegen, dass die Gruppe ihn einfach so töten möchte. Es wäre zwar ein großes Wagnis, nach seinen Verbündeten zu suchen, aber immerhin einen Versuch wert, nur um die Lage ein bisschen besser einschätzen zu können“, erklärte Jenna und Rick blickte sie an.
Diese Frau war ein einziges Rätsel, aber sie ging immer taktisch vor – Soldatenmanier – so wie bei der ersten Begegnung.

„Das würde meine Leute nur in Gefahr bringen“, wandte Rick ein.
„Ja, das wäre durchaus möglich, aber Sie sind in Ihrem vorherigen Leben Polizist gewesen, Rick“, bemerkte Jenna und er wusste nicht recht, was er mit ihrer Aussage anfangen sollte.
Wollte sie ihn verhöhnen?
„Das ist etwas, das ich weiß, Jenna, das müssen Sie mir nicht unter die Nase reiben“, erwiderte Rick, doch die blonde Soldatin schüttelte ihren Kopf.
„Sie missverstehen mich und was ich Ihnen damit sagen möchte. Haben Sie schon einmal einen Menschen getötet, Rick?“, wollte Jenna wissen und Rick glaubte, eine Ahnung zu haben, wohin dieses Gespräch führte.
„Aus Notwehr…“, brachte Rick langsam hervor und versuchte, in Jenna Walkers Augen zu lesen, was sie von ihm wollte, doch konnte es nicht erkennen – da war eine harte Mauer.
„Ich meinte, bewusst getötet, also in dem Willen, diesen Menschen direkt zu töten, ohne Notwehrrecht?“, fragte Jenna und Rick schüttelte den Kopf: „Nein.“
„Dann werden Sie es nicht tun können und selbst wenn Sie es dann doch tun, Rick, wird es Sie für immer zerstören. Sie sind immer noch irgendwo Polizist und daran hat sich auch in dieser Hölle nichts geändert und Polizisten werden ausgebildet, um Menschenleben zu beschützen und nicht um sie zu nehmen. Rick, ein Menschenleben bewusst zu nehmen, ist etwas vollkommen anderes als es aus Notwehr zu beschützen und es wird Sie vernichten, weil Sie das Gefühl verkennen, wie es ist, jemanden mit Absicht zu töten“, stellte Jenna fest und schöpfte dabei aus ihrer eigenen Erfahrungsquelle – sie konnte töten, damit hatte sie keine Probleme, solange es keine Freunde waren.

„Und Sie glauben, dass Sie dieses Gefühl kennen?“
„Ich bin Soldatin, Rick, und wir töten immer mit Absicht, doch ein Polizist sollte nur aus Notwehr töten. Wenn Sie es tun, wird es Ihre Seele in Stücke reißen, weil sie dazu nicht ausgebildet wurden. Irgendwann werden Sie das einmal sicherlich tun müssen, doch Ihre Zeit ist noch nicht gekommen“, entgegnete Jenna kühl und schien es tatsächlich ernst zu meinen.
„Was macht Sie da so sicher, dass ich ihn nicht werde töten können, Jenna?“, fragte Rick und Jenna blickte ihn mit kalten blauen Augen an.
„Sie sind kein Killer wie ich, Rick“, brachte Jenna gefühllos hervor und dem Sheriff lief es bei ihrer Aussage eiskalt den Rücken herunter.

Wie konnte sie nur so etwas sagen?

„Ich kann ihn töten, das wäre mein Angebot an Sie als Bezahlung für meine Rettung“, bot Jenna ihm schließlich an und Rick musste schlucken, „mich wird es nicht zerstören, Rick, weil ich bereits oft getötet habe.“
Das klang nach einem Angebot des Teufels und die Soldatin machte keinen Hehl darum, was man sie bei der Army gelehrt hatte, dennoch schockierte Rick eher diese abgeklärte Art – die Selbstverständlichkeit.
Jenna Walkers Geschichte von der Soldatin, die Atlanta überlebt hatte, wurde immer glaubhafter, aber dieses Angebot wollte er nicht annehmen, selbst wenn es ihm diese schwere Aufgabe abgenommen hätte - er musste es selbst und auch für sich als Beweis tun.
„Nein, das ist nicht Ihre Angelegenheit, sofern Sie nicht zur Gruppe gehören. Ihnen würde ich zudem keine Waffe einfach so in die Hand drücken“, lehnte Rick immer noch schockiert ab. „Wie Sie meinen, aber denken Sie über mein Angebot nach“, entgegnete Jenna und schlenderte davon.

Lori tauchte hinter Rick auf und sah, dass ihr geliebter Mann leichenblass geworden war und dann auch in gewisser Weise den Grund: Jenna Walker.
Sie konnte die Frau auf den Tod nicht ausstehen und hoffte inständig, dass sie bald verschwinden würde.
„Schatz, was ist passiert? Hat sie dir gedroht oder…?“, begann Lori, doch Rick schüttelte geistesabwesend den Kopf.
„Nein, sie hat mir nur gerade angeboten, dass sie unser Problem mit Randall lösen möchte“, brachte Rick hervor und Lori war entsetzt.
„Ich habe dir doch gesagt, dass diese Frau eiskalt ist! Dagegen ist der Junge ein reines Unschuldslamm!“
„Lori, sie hat es mir angeboten, damit ich es nicht tun muss, weil sie glaubt, dass es mich zerstören wird“, erwiderte Rick und blickte seine Frau an, die um ihn besorgt schien.
„Du hast ihr Angebot hoffentlich abgelehnt? Wenn du dieser Frau eine Waffe in die Hand drückst, wird sie uns alle töten, da bin ich mir sicher“, meinte Lori und Rick biss sich nachdenklich auf die Lippe.
„Ja, ich habe abgelehnt, weil ich als Anführer der Gruppe selbst handeln muss und nicht die Arbeit einen anderen erledigen lassen kann. Dennoch weiß ich nicht, ob du bezüglich Jenna Recht hast. Natürlich, würde ich ihr keine Waffe in die Hand drücken, aber Carol und Andrea scheinen sie zu mögen und Hershel hat berichtet, dass sie Beth das Leben gerettet hat…“
„Carol mag sogar Daryl, von Andrea brauche ich nicht zu sprechen und die Sache mit Beth würde ich auch nicht allzu hoch bewerten. Rick, allein ihr Angebot…“, argumentierte Lori und blickte ihren Mann flehend an – diese Frau musste als nächstes verschwinden.
„Ich weiß, du magst sie nicht und ich kann auch nicht sagen, dass ich große Sympathien für Jenna hege, aber ich denke, dass sie mir das Angebot gemacht hat, um mich zu beschützen und nicht, um jeden hier zu töten. Sie mag die Augen eines Killers haben, aber diese Frau geht taktisch vor und weiß, dass sie eine Übermacht gegen sich hätte“, unterbrach sie Rick und Lori wusste, dass es noch keinen Sinn hatte, gegen die Soldatin zu argumentieren – sie musste abwarten.
Irgendwann würde diese Frau einen Fehler begehen und dann fand sie bei ihrem Mann mehr Gehör.


Als der Abend hereinbrach, machten sich Daryl, Shane und Rick mit dem gefesselten Randall auf dem Weg zu Scheune, wo sie dem jungen Mann die Augen verbanden und ihn in ihre Mitte stellten.
„Das alles wird gleich vorbei sein“, meinte Shane gelassen.
„Wartet! Ihr dürft mich nicht umbringen! Nein, nein, nein, bitte! Nein! Ich will nicht sterben!“, flehte Randall, während Rick seinen Revolver lud und ihn auf Randall richtete.
„Möchtest du lieber stehen oder knien?“, fragte Rick kühl, doch ihm war unwohl bei dieser Sache. Daryl brachte den, um sein Leben flehenden, bettelnden Randall mit Leichtigkeit auf die Knie.  

„Es wird Sie zerstören…“

Die Worte der Soldatin hallten durch seinen Kopf und Rick blickte erst zu Shane, dann zu Daryl.
Mittlerweile hatte Randall angefangen, aus Angst zu weinen und konnte nicht begreifen, dass sie ihn einfach töten wollten!
„Willst du noch irgendetwas sagen?“, fragte Rick und blickte hinunter zu Randall, der vor ihm kniete.
„Bitte, nicht! Nein“, weinte Randall und Rick entsicherte den Revolver, sodass Randall es klicken hörte – der Revolver war schussbereit.
Nur ein Schuss und dann würde alles vorbei sein.
Die Gruppe würde für immer sicher sein!

„Sie sind kein Killer wie ich, Rick…“

Rick blickte erneut zu Randall, fasst den Griff des Revolvers fester, wurde jedoch die Gedanken an das Gespräch mit der Soldatin nach der Besprechungsrunde nicht mehr los.
„Tu es, Dad!“, forderte eine Stimme ihn plötzlich auf und sofort blickten alle zum Eingang, wo Carl aufgetaucht war, „tue es!“
Auf diese Weise hatte Carl Rick unterbrochen, der zu Shane sah und dieser den Jungen aus der Scheune bringen wollte, damit sie mit ihrer Arbeit fortfahren konnten.
Rick legte abermals auf Randall an und versuchte, noch entschlossener zu sein.

„Polizisten werden ausgebildet, um Menschenleben zu beschützen und sie nicht zu nehmen…“

Abermals hörte er Jennas Worte in seinem Kopf und dann war es vorbei – er konnte es nicht!.
Die Soldatin hatte Recht behalten.
„Bring ihn weg“, befahl Rick mit Blick auf Randall, „bring ihn weg!“
Daryl packte Randall, zog ihn hoch und brachte ihn aus der Scheune, während Shane grummelnd davonzog – sein Freund hatte einfach keinen Mumm dazu.
Rick kehrte mit Carl zum Zeltplatz der Gruppe zurück, wo alle ihn – auch die Soldatin – bei seiner Ankunft erwartungsvoll anblickten, weil sie wissen wollten, ob es bereits geschehen war.

„Er bleibt in Gewahrsam, vorerst“, sagte Rick, wobei er kurz zu Boden sah und sich in gewisser Weise schämte, weil er es nicht hatte tun können.
Jenna blickte zu Rick, doch dieser sah weg – er wollte sie darum nicht bitten.
„Ich gehe Dale suchen“, verkündete Andrea erleichtert und verschwand umgehend vom Lagerfeuer.
Lori blickte zu Carl: „Carl, gehe, bitte, ins Zelt.“
Dann erklärte Rick: „Er ist uns gefolgt und wollte zusehen. Ich konnte es nicht…“
„Das ist ok, mein Schatz“, sagte Lori und nahm ihren Mann in den Arm.

Währenddessen unternahm Dale seinen Kontrollgang, auch weil er bei diesem Verbrechen an dem jungen Randall nicht dabei sein wollte.
Er hatte es nicht verhindern und alle umstimmen können und das saß tief in ihm fest.
Kurz hinter dem verbrannten Haufen der Beißer aus der Scheune hörte er ein komisches Brummen und legte sein Gewehr an – Unachtsamkeit konnte ein Fehler sein und sicher war sicher.
Als er näher kam, entdeckte er eine angefressene, verendende Kuh, die wohl zu den Ausreißern gehören musste, von denen Hershel gesprochen hatte – was war hier geschehen?
Das Tier lebte gerade so noch, doch ihm quollen sämtliche Eingeweide aus dem Bauch heraus und eigentlich wusste Dale, was das bedeuten konnte: Beißer.
Es schien noch nicht lange her zu sein, dass sich einer von denen einen ordentlichen Snack gegönnt hatte, sodass sich Dale umdrehte und heftig schlucken musste, denn er blickte direkt in die Augen des Beißers.
Ein hageres Ding, aber mit wirren, weit aufgerissenen Augen und jede Menge Blut und Essensreste, die noch aus seinem Mund heraushingen – widerlicher Anblick.
Sofort fiel er über Dale her, der vor Schreck erstarrt war und riss ihn zu Boden.

Schreie waren zu hören und sofort war die Gruppe auf den Beinen.
Die Gruppenmitglieder liefen wirr durcheinander, suchten nach ihren Waffen und
für Jenna spielten diese Schreie nur ein allzu vertrautes und bekanntes Lied: Mistdinger.
Und sie war unbewaffnet!  
In dem Durcheinander bekam sie jedoch plötzlich von irgendwem eine Waffe in die Hand gedrückt, was Jenna zunächst wunderte, doch ihr Herz bei diesem Gefühl, endlich wieder eine Waffe zu tragen, schneller schlug.
Sie hatte nicht bemerkt, wer ihr sie gegeben hatte, aber bei Schreien war das besser als gar nichts und vielleicht konnte sie helfen – irgendwie.  
Soldaten hatten eine eigenartige Beziehung zu Waffen; mit ihnen war es gefährlich, doch ohne sie auch und Jenna war da keine Ausnahme.
Laute Hilfeschreie spornten alle Gruppenmitglieder an, sofort zu demjenigen zu eilen, der um Hilfe schrie und das war ohne Zweifel Dale.

Dale kämpfte gegen den Beißer, damit dieser ihn nicht biss und er hatte dermaßen Kraft, trotz seines hageren Körperbaus, dass er ihm den Brustkorb auseinanderdrückte.
Schmerz durchfuhr ihn, doch noch immer wehrte sich Dale gegen den Beißer, der ihn fressen wollte und ihm immer weiter den Brustkorb auseinanderzog, sodass dieser frei lag und die Schmerzen waren unerträglich.
Als erster war Daryl bei Dale, stürzte sich auf den Beißer und rammte ihm sein Jagdmesser in den Kopf, dann wandte er sich Dale zu.
„Hilfe! Hier drüben! Wir brauchen Hilfe!“, schrie Daryl, wodurch er die anderen zu ihm lotste, die kurz darauf ein wenig panisch um ihn herumstanden und Rick versuchte, den alten Mann zu beruhigen.
„Wir brauchen Hershel!“, rief Rick und Hershel eilte herbei, der jedoch Rick zu signalisieren versuchte, dass es keinen Zweck hatte, Dale zu operieren.
Jennas Blick fiel sofort auf die Wunde, als sie ankam und sie wusste, dass die Überlebenschance bei einer derartigen „Verletzung“ ohne erfahrene medizinische Versorgung das Todesurteil in einer Hölle wie dieser bedeutete – er würde zu einem Mistding werden.
Sie erinnerte sich an Madisons Worte und an die Dinge, die sie während ihres Einsatzes in Atlanta gesehen hatte - Männer, die im Kugelhagel dort umkamen und wieder zum Leben erwachten. Jenna schüttelte sich und schluckte die Erinnerungen an die Tage dort in Atlanta wieder herunter - nicht jetzt und nicht hier!

Carl stand daneben, bekam die Szene in voller Länge mit und erblickte den Beißer – es war der, den er mit Steinen beworfen hatte.
Er lag seiner Mutter weinend in den Armen und erzählte immer wieder, dass es seine Schuld war und wie so etwas hatte passieren können.  
Alle Gruppenmitglieder waren aufgelöst und es drohte, Panik auszubrechen.
Die Soldatin fühlte die schwere Waffe in ihrer Hand und wusste, was sie zu tun hatte – sie konnte töten und sie würde es.
Da niemand auf Jenna wirklich achtete, entsicherte sie ihre Waffe, richtete sie auf Dales Kopf und tat das, was man ihr beigebracht hatte: Töten.

Als der Schuss fiel, war alles mit einem Mal vorbei.

Dale war tot und alle blickten die Soldatin an, die gerade ihren geliebten Freund und Gefährten ohne jegliche Gefühlsregung getötet hatte – sie waren alle wie erstarrt.  
Niemand sagte etwas, doch Jenna hatte die Worte des Jungen deutlich gehört, sodass sie auf Carl zuschritt und ihm eine gewaltige Ohrfeige verpasste.
Der Junge wollte den Blick von dem toten Dale abwenden, doch Jenna packte ihn und zerrte ihn direkt vor die Leiche.
„Was machen Sie mit ihm?“, polterte Lori sofort kreischend los und schien als einzige wieder die Fassung gewonnen zu haben.
„Ihm zeigen, was er zu verantworten hat! Doch nicht nur alleine! Sie, Lori, sind die unfähigste, inkompetenteste Mutter, die ich je in meinem Leben gesehen habe! Das ist auch ihre Schuld! Sie haben nicht auf ihn Acht gegeben und die Worte des Jungen sind eindeutig! Er hat alle hier in Gefahr gebracht!“, erwiderte Jenna kalt und ohne jegliche Gefühlsregung.
Plötzlich hörte die Soldatin einen Revolver klicken und sah, dass Rick seinen Revolver gegen Jenna erhoben hatte und auch die anderen bedrohten sie mit einer Waffe.

Wer hatte der Soldatin eine Waffe in die Hand gedrückt?
Sie hatte Dale getötet!
Nun hatte sie Carl in ihrem Gewahrsam!


„Lassen Sie die Waffe fallen, Jenna!“, drohte Rick ihr und Jenna hielt sie immer noch in ihrer einen Hand fest umklammert, sowie Carl in der anderen.
Sie hatte Carl als Geisel genommen und zuvor Dale getötet!
Einfach so!

„Lassen Sie die Waffe fallen, Jenna!“, forderte Rick sie erneut auf, doch noch immer war Jenna regungslos und verstand nicht, wieso sie nun schon wieder als Bedrohung eingestuft wurde.
Sie hatte deutlich genug und mehrmals gesagt, wozu man sie ausgebildet hatte!  
Glaubten sie wirklich, dass sie Carl nun auch noch töten würde?
Sie tötete doch keine Kinder!
Hatten sie ihr alle nicht zugehört?




Mary und Paul Walker und Lt. Commander Keith Richardson
(Woodbury, am Morgen)

Mary stand vor dem kleinen Spiegel im Badezimmer und machte sich für den Unterricht bereit – sie hatte Schule und Keith bestand darauf, dass sie hinging.
Hier in Woodbury gab es nahezu alles, was sie draußen nicht gehabt hatten, aber das war ihr egal – es brachte ihr Jenna nicht zurück.
Ihre blonden Haare waren ein ganzes Stück gewachsen und sie beschloss, sich heute einen Zopf zu flechten – wie ihre große Schwester – in Gedenken an Jenna.
Mary wünschte sich, ein Familienfoto aus dem Haus in Fort Benning mitgenommen zu haben, aber in der Panik hatte sie das vollkommen vergessen und ohnehin war das Leben wichtiger als ein Foto.

„Mary! Wir kommen zu spät!“, rief Paul und als seine ältere Schwester aus dem Badezimmer trat, musste er sich heftig auf die Unterlippe beißen, um nicht zu weinen – sie sah genauso aus wie Jenna.
„Wir können, Bruderherz“, lächelte Mary, doch als sie den Blick ihres kleinen Bruders sah, nahm sie ihn umgehend in ihre Arme.
„Du siehst genauso aus wie sie“, brachte Paul schluchzend hervor und blickte Mary an.
„Ich wollte einmal sehen, wie ihre Frisur mir steht, als Andenken an Jenna, aber wenn es dich zu sehr mitnimmt, dann mache ich es wieder rückgängig“, sprach sie leise und ihr Bruder drückte sich fester an sie.
„Nein, du kannst es so lassen, weil es dir steht und ich den Gedanken gut finde, Mary, aber es ist ein wenig erschreckend, wie ähnlich du ihr damit siehst“, meinte Paul, wischte sich die Tränen weg und nahm die Hand seiner geliebten Schwester.
„Gehen wir, Bruderherz“, lächelte Mary ihn an und gemeinsam traten sie Hand in Hand hinaus auf die Straße.

Woodbury bestand nur aus einigen wenigen Straßenzügen und war mit Barrikaden an jeder Einmündung versehen, die nach draußen führte. Es vermittelte den paradiesischen Eindruck von Sicherheit und einer Zuflucht und bis auf weiteres war es hier vorerst wirklich sicherer als anderswo.
Die „Schule“ war eine große Wohnung in der Mitte der Straße und die Klasse bestand aus den unterschiedlichsten Jahrgängen und Schülern.
Die älteren Schüler halfen oft den jüngeren und nahmen der Lehrerin Mrs. Carmichael ein wenig die Arbeit ab, sodass sie sich um viel mehr kümmern konnte.
Keith war heute den gesamten Tag mit Caesar Martinez, Shumpert, Crowley und einem widerlichen Typen namens Merle Dixon draußen unterwegs.
Mary konnte Merle Dixon nicht ausstehen und wegen ihr hatte Keith sich schon oft mit Merle angelegt, weil er Mary immer irgendwie aufgelauert hatte.
Die Geschwister kamen gerade noch rechtzeitig zum Schulbeginn und trafen dort auf einige andere Kinder, mit denen sie sich ein wenig in der kurzen Zeit angefreundet hatten.

Abby, Emily, Brian, Tony und Tessa.

„Ihr beiden seid beinahe wieder zu spät dran“, flüsterte die schwarzhaarige Abby Mary zu, „deine Frisur steht dir.“
Abby war ungefähr in Marys Alter, Emily und Brian waren Zwillinge und in Pauls Alter und Tessa war elf.
„Dad hat vergessen, uns zu sagen, dass er heute Morgen auf Kontrollgang ist“, flüsterte Mary Abby zu, die ihre neue Freundin darum beneidete, dass ihr Vater bei der Wache von Woodbury beschäftigt war.
„Abigail Thompson und Mary Richardson! Ich möchte mit dem Unterricht beginnen und wenn ihr so nett wärt, nicht weiter zu quatschen, kann ich anfangen“, maßregelte sie Mrs. Carmichael und der Unterricht begann.
Manchmal fühlte sich Mary ein wenig fehl an diesem Platz, wenn sie in der Schule saß, anstatt ihre medizinischen Kenntnisse weiter zu schulen oder mit Paul das Bogenschießen zu erlernen – es war leiser als eine Schusswaffe.
Heute jedoch würde es beides nicht geben, da sie mit Abby, Emily, Brian und Tony bei Tessa auf ihren Geburtstag eingeladen waren und sie ihn in ihrer kleinen Behausung feierte, die sie sich mit der Familie von Emily und Brian Windsor teilte.
Paul langweilte sich und zeichnete anstatt der Matheaufgaben eine Art kleinen Comic in sein Heft, worin Keith als „Lucky Luke“ diese Untoten erschoss und ganz Woodbury vor einer Invasion beschützte – wie Superman.

„Ehrlich, Paul, du solltest besser aufpassen“, meinte Brian, belächelte jedoch den Comic, „du kannst echt gut zeichnen.“
„Hat mir…“, begann Paul gedankenverloren, bemerkte jedoch, was er sagen wollte und änderte rasch seine Aussage, „meine Mum beigebracht.“
Eigentlich hatte er sagen wollen, dass ihm dies seine große Schwester beigebracht hatte, doch Mary konnte eher schlecht zeichnen und bisher hatten sie es geschafft, bei der vereinbarten Geschichte zu bleiben.
Keith war ihr Dad und Jenna ihre Mutter, die allerdings bei einem Einsatz in Afghanistan ums Leben gekommen war und sie mit Keith auf der Flucht vor diesen Untoten sich nach Woodbury geflüchtet hatten.
Mehr Lügen, so empfand es zumindest Paul, waren wirklich nicht unter einen Hut zu packen, doch er hatte verstanden, dass diese Lügen zum Überleben notwendig waren und keiner wissen durfte, wer sie tatsächlich waren.
„Sie muss eine gute Mum gewesen sein, es tut mir leid, Paul“, entgegnete Brian, der seine Tante an die Untoten verloren hatte.
„Ja, das war sie“, flüsterte Paul und gedachte seiner großen Schwester, der Mary von Tag zu Tag immer ähnlicher wurde – es lag ihr wohl im Blut.
Jenna fehlte ihm sehr und er fürchtete, dass er ihr Gesicht irgendwann vergaß, doch noch lächelte seine große Schwester ihn immer an, wenn er an sie dachte. Paul Walker beschloss, sich so oft an sie zu erinnern und ein Bild von ihr zu zeichnen – es würde lange dauern, aber hier hatte er genug Zeit.

Als die Schule vorbei war, strömten alle Kinder – sie hatten fast halb Woodbury zu dem Kindergeburtstag eingeladen – samt ihrer Erwachsenen zur Wohnung von Tessa Carter und den Windsors.
Mary und Paul wussten, dass Keith einiges für diesen Geburtstag herbeigeschafft hatte, weil viele Einwohner von Woodbury recht schnell Vertrauen zu ihm aufgrund der Tatsache gefasst hatten, dass er Caesar Martinez das Leben gerettet hatte.
Zudem sah Keith – fand Mary jedenfalls – trotz seiner vielen Sorgenfalten auf der Stirn immer noch gut aus und irgendwie fand sie es lustig, dass sogar ihre Freundin Abby auf ihren „Dad“ stand.
Mary hatte im Laufe der Jahre einige von Keiths Freundinnen kennen gelernt, doch meistens hatte sie diese als vollkommen verblödet empfunden und nicht verstanden, weshalb sich Keith mit solchen Frauen umgeben hatte.
Nicht selten hatten beide Geschwister ihre große Schwester mit Keith diskutieren hören, bis dieser aufgebracht das Haus verlassen hatte und am Abend mit einer Tafel Schokolade und einer Flasche Whiskey zurückgekehrt war, um sie bei Jenna zu entschuldigen.

Als Mary noch jünger gewesen war, hatte sie geglaubt, dass Keith und Jenna irgendwann einmal ein Paar werden würden, doch mit den Jahren hatte sie verstanden, dass sie einander als gute Freunde und nicht als Partner brauchten und sie hatte bemerkt, was Keith alles für sie getan hatte.
Er war ein guter Mensch und sie hätte es gerne gehabt, wenn er tatsächlich ihr Vater gewesen wäre, doch im Grunde genommen spielte das keine Rolle, weil sie ihn wie ihren Vater liebte.
Mary und Paul hatten nur noch verschwommene Erinnerungen an ihren Vater – Jennas Stiefvater – und ihn nie in ihrem Leben kennen gelernt.
Er sich von heute auf morgen davongemacht und war nie wieder zurückgekehrt, weil er ihre Mutter Sarah Walker satt gehabt hatte.
Zu ihr hatte Mary ein eigenartiges Verhältnis nach und nach entwickelt, weil sie immer mehr und mehr dem Alkohol zugesprochen und ihre Kinder vernachlässigt hatte – Jenna war sofort eingesprungen.
Für Mary und Paul war ihre große Schwester nahezu alles gewesen – der Lebensmittelpunkt.

Mutter, Vater, große Schwester und Familienoberhaupt.

Sarah Walker und ihre älteste Tochter hatten sich oft wegen ihrer Alkoholsucht und Jennas Rolle in der Familie in die Haare bekommen und das war nicht selten ohne Tränen seitens ihrer Mutter verlaufen, weil Jenna sich irgendwann nicht mehr viel von ihrer Mutter hatte sagen lassen – sie war das Familienoberhaupt und hatte das Sorgerecht inne.
Mary war ihr oftmals zur Hand gegangen, als sie älter geworden war und hatte auf Paul aufgepasst, wenn Jenna wieder in den Einsatz gerufen worden war.
Nichts hatten beide Geschwister mehr gefürchtet als diese Einberufungsbriefe, die stetig ins Haus geflattert waren und anschließend hatten sie jeden Abend für Jennas Rückkehr gebetet – Hoffnung.
Einige Male hatten sie Jenna im Krankenhaus des Militärs besuchen müssen, wenn sie eine Kugel getroffen oder sie sich im Gefecht eine Verletzung zugezogen hatte – das war nun alles für immer vorbei.
Als sie sieben Monate in Gefangenschaft verbracht und man ihnen zuerst mitgeteilt hatte, dass ihre Schwester im Einsatz gefallen war, hatte die Welt für Mary und Paul in diesem Moment aufgehört, zu existieren. Umso größer war die Freude gewesen, als das Militär die Nachricht korrigiert hatte und sie ihre Schwester einige Monate später im Krankenhaus besucht hatten. Mary hatte ihr „Bumblebee“ dagelassen, damit der Teddy auf Jenna aufpasste, wenn ihre Geschwister nicht bei ihr waren.
Ihre Angst um Jenna war nach dieser Gefangenschaft stetig gewachsen, zumal sie sich kurz darauf wieder zum Dienst gemeldet und Steven vor die Tür gesetzt hatte – Special Forces.
Mehr Geld, aber auch größere Gefahren
.
Dann war Keith gekommen und hatte einiges in dem Leben der Familie Walker auf den Kopf gestellt, doch dafür waren Mary und Paul dankbar, auch wenn Mary erst später den vollen Umfang von Keith Unterstützung begriffen hatte.
Der Geburtstag war toll und es war dennoch eine Abwechslung zum Alltag in Woodbury, den Mary und Paul jeden Tag durchlebten – fast wie Normalität.


Keith unterdessen war mit Martinez, Shumpert, Crowley und Merle Dixon in einer der nahegelegenen Siedlungen auf der Suche nach Vorräten – der Winter nahte.
„Hey, Goldlöckchen“, schnarrte Merle Dixon, der an einem Arm eine Prothese mit einem Messer trug und mit „Goldlöckchen“ Keith gemeint war, „hat dir schon einmal jemand gesagt, dass du wie ‘ne Pussy aussiehst?“
Keith biss sich zornig auf die Unterlippe, weil dieses Arschloch ihn von oben herab behandelte und es stetig auf eine Prügelei mit dem Lt. Commander anlegte, was Caesar Martinez nicht entging, der davon gar nicht begeistert war, doch noch hielt sich Keith ruhig.
Bei seiner Einheit hätte es noch nicht einmal ein Neuling gewagt, ihm als Lt. Commander zu widersprechen – außer Jenna vielleicht.
Aller Anfang mit seinem Second Lt. war schwer gewesen, doch am Ende hatte er sich mit ihr rasch angefreundet – seine Waffenschwester.
„Halt’s Maul, Merle, hier draußen ist es zu gefährlich“, knurrte Keith und hielt sein Gewehr schussbereit – es war nicht „Annabelle“.
Wenn es eine Sache gab, die Keith in dieser neuen Welt vermisste, dann war es sein geliebtes Scharfschützengewehr namens  „Annabelle“, aber mit dem Jagdgewehr, das er „Kimberly“ getauft hatte, ließ es sich auch gut leben, nur war er seiner  „Annabelle“ immer treu gewesen – wenigstens einer Frau.  
„Keith hat Recht, also sei ruhig“, murrte Martinez dem hageren Merle mit dem kantigen Gesicht zu, das einige Narben zierten.
„Ach, Goldlöckchen hat nur Schiss, das ist alles“, höhnte Merle, „ich kann es bis hierher riechen.“
Keith hatte dunkelblondes Haar, aber keine Locken und erfreute sich nicht unbedingt an diesem Spitznamen, doch noch weniger an den stetigen Provokationen Merle Dixons.
Seit seiner Ankunft und Aufnahme in die Wache von Woodbury ließ dieser Vollidiot keine Sekunde aus, um Keith unter die Nase zu reiben, was für ein Weichei er doch angeblich war.
Dieses Mal ließ er es ebenfalls nicht bleiben und strapazierte damit Keiths Geduld viel mehr als Mary und Paul früher, wenn sie unbedingt etwas von ihm hatten haben wollen, das Jenna ihnen verboten hatte.
Doch eine Kugel war dieses Arschloch auch wiederum nicht wert.

Als sie von der Plünderung zurückkehrten, war Keiths Laune im Keller und Martinez eilte seiner rechten Hand hinterher.
„Eines Tages halte ich mich nicht mehr zurück!“, schäumte Keith, rammte seine Faust aufgebracht gegen eine der Häuserfassaden in der Nähe der Barrikaden. „Beruhige dich, Keith, er will nur provozieren“, versuchte Martinez seinen Kumpel davon abzubringen, tatsächlich zur Waffe zu greifen und das irgendwann zu tun, denn Keith war auch ein Mann der Tat.
„Denkst du das weiß ich nicht? Vor zwei Tagen hat er Mary einen riesigen Schrecken eingejagt und…“, brüllte Keith wütend und schlug wieder mit der Faust auf die Hauswand ein – es war nicht nur Wut, sondern auch Frust.
Für Mary und Paul musste er jeden Tag stark sein und die Ruhe bewahren, doch gerade wollte er nur noch Dampf ablassen.
„Ich werde mit ihm reden, aber komm runter, Mann“, meinte Martinez, der von Keiths Liebe zu seiner Familie sehr angetan war – vielleicht mochte er den Jäger deshalb.
Wer seinen Kindern zu nahe kam – Martinez hätte nicht anders gehandelt – konnte sich auf einiges gefasst machen, daher verstand er Keith in Bezug auf Merle Dixon nur zu gut.
Keith legte den Kopf in den Nacken, atmete tief durch und blickte Martinez an. Dieser erinnerte ihn ein bisschen an Crawford, vor allem mit seiner Ruhe, doch stille Wasser waren tief, das wusste Keith nicht erst seit gestern.
Trotzdem fand er, dass Martinez einer der wenigen Menschen hier in Woodbury war, die er leiden konnte.
„Kommst du heute Abend auf ein Bier und eine Partie Rommee mit den Kindern rüber? Wir würden uns freuen, Caesar“, lächelte Keith ihn an und Martinez willigte ein, weil er sowieso nichts Besseres zu tun hatte und die Abende bei Keith und seiner Familie schätzte er sehr.

Keith schulterte „Kimberly“ und machte sich auf den kurzen Weg nach Hause ein paar Häuser weiter und als er die Tür öffnete, roch es bereits nach Abendessen – Mary hatte gekocht.
„Keith!“, rief Paul und umarmte ihn stürmisch.
„Hey, junger Mann. Hast du heute in der Schule aufgepasst und deine Schwester beschützt?“, lächelte Keith ihn an und bekam eine weitere Umarmung, „Mary, Kleines, ich bin wieder da!“ Mary kam aus der Küche und Keith musste heftig schlucken, als er sie mit dem geflochtenen Zopf sah – wie Jenna.
Sie umarmte ihn und kurz fiel es Keith schwer, das zu tun, weil sie ihn an Jenna erinnerte – viel zu sehr – doch dann schloss er sie in die Arme und sagte: „Die Frisur steht dir, Hasenzahn.“
Mary blickte ihn beleidigt an, weil sie diesen Spitznamen nicht mochte. Keith hatte ihn ihr damals gegeben, als sie nur einen Schneidezahn besessen und das äußerst amüsant gefunden hatte.
„Mittlerweile habe ich wieder zwei Zähne, aber danke“, erwiderte Mary forsch, erblickte dann jedoch Keiths aufgeschürfte Hand, „was ist passiert, Keith? Komm, das muss ich sofort versorgen und keine Widerrede!“
„Jawohl, Madam“, grinste Keith, setzte sich auf das Sofa und beobachtete, wie geschickt Mary mittlerweile Wunden behandeln konnte.

„Du musst besser draußen auf dich aufpassen, Rambo“, lächelte sie ihn an, „wir haben nur noch dich und…“
Sofort nahm Keith sie in seine Arme, denn Mary konnte Jenna noch so ähnlich sehen, an die Härte ihrer Schwester kam sie nicht heran – Mary war weicher.
Paul kuschelte sich ebenfalls in seine Arme und er saß mit beiden wieder zusammen und war glücklich.
„Ich verspreche es euch beiden, besser auf mich aufzupassen, in Ordnung? Heute war ein ruhiger Tag und wir konnten einiges an Vorräten für den Winter herbeischaffen, damit wir alle genügend zum Essen haben“, versprach Keith und gab ihnen jeweils einen Kuss auf die Stirn, „ich liebe euch beide.“
„Wir dich auch“, sagten beide Geschwisterkinder gleichzeitig und drückten ihrem „Dad“ jeweils auch einen Kuss auf die Wange – Familie.
Vor dieser neuen Welt hatten sie das schon auf ihre ganz persönliche Weise anders definiert.
„Kommt Caesar wieder zum Kartenspielen vorbei?“, fragte Mary und Keith nickte.
„Gut, ich muss ihn noch schlagen“, frohlockte Paul, der bei der letzten Partie alle drei mehrmals geschlagen hatte.
„Wenn wir um Geld spielen würden, hätte Caesar am Ende nichts mehr zum Anziehen und ich wäre bettelarm, Paul“, lachte Keith und musterte den Jungen mit den dunklen Locken, der sofort eine seiner berüchtigten Unschuldsmienen aufsetzte – wie sehr liebte er diese beiden.

Kurz nach dem Essen kreuzte Martinez mit ein paar Bierdosen und Limonade für die Kinder auf und es wurde ein ruhiger, lustiger Abend.
Martinez fühlte sich willkommen bei dieser kleinen Familie, obgleich Paul an diesem Abend sich ein hartes Spiel mit ihm lieferte. Caesar Martinez hatte sogar gelacht, als Mary ihrem Bruder ein Schnippchen mit einem Kartenzug geschlagen hatte – diese Menschen waren in Ordnung.
Für solche Abende kam er gerne zu seinem Bruder der Wache
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