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The Walking Dead - Carpe Diem

von Nayfe
GeschichteAbenteuer, Horror / P16 / Gen
Carol Peletier Daryl Dixon Glenn Rhee Maggie Greene Rick Grimes
20.03.2015
04.04.2021
122
581.745
91
Alle Kapitel
249 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
28.11.2019 4.745
 
Hallo meine lieben Leser,

vielen lieben Dank an LaStraps für die Review zum letzten Kapitel.
Das war sogar ein Schnapszahljubiläum, wenn ich mir die 111 so ansehe ;)

Bei derzeit 81!!!!!! Empfehlungen und 221 Favoriteneinträgen kann man sich nur freuen und bei euch für eure ununterbrochene Unterstützung bedanken.
Diese Dimensionen wären ohne euch niemals erreichbar gewesen und dafür möchte ich mich bei euch herzlichst bedanken.
VIELEN LIEBEN DANK!!!!

Zu diesem Kapitel:
Wir beschäftigen uns wieder mit der Gruppe rund um Jenna und Abraham, die auf der Suche nach ihren ehemaligen GRuppenmitgliedern und neuen Verbündeten für die Errettung der Menschheit sind, um Abrahams Absichten noch einmal offen darzulegen.
Dieses Mal kundschaftet die Soldatin die Gegend aus, um eventuell noch mehr Spuren der Gruppe zu finden, die sie vor Tagen bei der Jagd ausgemacht hatte. Dabei stößt sich auf einen deutlichen Hinweis auf den weiteren Verbleib von Maggie, Sasha und Bob, die augenscheinlich noch nicht lange von diesem Ort weg sind und die Gruppe nimmt gemeinsam die Verfolgung auf.
Allerdings stellen sich die Beißer/Mistdinger ihnen in nicht unbeachterlicher Anzahl in den Weg.
Viel Spaß beim Lesen!

Eure Nayfe ;)
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Jenna M. Walker, Glenn Rhee und Gruppe, Abraham Ford, Rosita Espinoza und Dr. Eugene Porter
(Wald, in der Nähe der Bahngleise, abseits Highway 75)

Sie war wieder allein.
Der Waldboden unter ihren schwarzen Militärstiefeln war vom Morgentau noch einigermaßen feucht, sodass sie darauf achtete, keine verräterische Fährte in ihre direkte Richtung zu legen, die jemand ausnutzen konnte, um sie anzugreifen.
Keith war darin deutlich besser als sie, aber Jenna hatte an der Seite von Daryl einiges dazulernen können und war nicht auf den Kopf gefallen.

Der Wind frischte auf und trug den hoffnungsfrohen Duft der Kiefern in einiger Entfernung zu ihr und Jenna blieb kurz stehen, um diesen Moment auf sich wirken zu lassen.
Der Kiefernduft ließ sie sogar lächeln, obgleich ein Ziehen in ihrem Herzen weitaus mehr verriet als sie zugeben wollte – es waren lange einsame Stunden im Wald.
Nach dem Tod von Degataga hatte es nur noch einen Menschen gegeben, mit dem sie hier draußen in stiller und sicherer Kameradschaft gejagt hatte.
Jenna wusste, dass sie besser jagte, wenn jemand ihr Rückendeckung gab, weil sie nicht mehr dauernd über die Schulter schauen musste, doch dieses Gefühl in ihrem Inneren bewies ihr, dass Daryl im Laufe der Zeit mehr als nur ein Jagdgefährte geworden war.
Er war zu ihrem Vertrauten geworden, jemand, dem sie ihre Gedanken mitteilte, die – mit Ausnahme von Keith – sie in Gegenwart anderer Menschen niemals aussprechen konnte und sie wusste, dass er sich ihr auch anvertraute.
Mit Daryl draußen im Wald war sie manchmal sogar richtig glücklich gewesen.
Der Gedanke an die Freiheit der tagelangen Jagd in den Wäldern mit Daryl weckte eine gewisse Sehnsucht in ihr, die durch den Kiefernduft nicht weniger wurde.

Jenna schüttelte den Gedanken ab, um sich wieder auf ihre Aufgabe zu konzentrieren und gelangte durch flaches Gelände, was sie nicht besonders schätzte, weil man Feinde zwar rechtzeitig sehen konnte, doch gleiches galt auch für die Feinde, rasch zu den Bahngleisen und entdeckte erneut eines dieser Schilder, die einen Ort namens „Terminus“ anpriesen.
Ein paar hatte sie während ihrer Jagdrunden schon ihren Weg kreuzen gesehen, doch wenig Notiz davon genommen, weil solche Orte ihr ein flaues Gefühl in der Magengegend bereiteten – sie misstraute Werbung.
Womöglich existierte dort ebenfalls kein Leben mehr, denn Orte wie das Gefängnis und Woodbury waren im Laufe der Zeit seltener geworden.
Viele dieser verlassenen Siedlungen hatte Jenna während ihrer Reisen gesehen und die restlichen Vorräte an sich genommen, wenn sie sicher gewesen war, dass niemand mehr zurückkehrte.

Doch dieses Schild war an einem Stromhäuschen angebracht und in blutroten Lettern sprangen ihr die Worte „Glenn, geh nach Terminus! Maggie, Sasha und Bob ins Gesicht.

Es war kein reiner Zufall und ein stilles Lächeln umspielte vielversprechend ihre Lippen, denn als ihre Finger das Blut berührten, ließ es sich noch an den dickeren Tropfen leicht verschmieren – sie war nahe dran.
Diese Spuren waren noch einigermaßen frisch und höchstens einen Tag alt, was die Entfernung zwischen dieser Dreiergruppe und ihrem chaotischen Haufen deutlich verringerte und im Unterschied zu Maggie, Sasha und  Bob waren sie mit einem fahrbaren Untersatz unterwegs – sie würden sie einholen.
Eines ihrer Headsets hatte sie bei Glenn gelassen, sodass es nicht lange dauerte, ehe ein großer Truck und der Geländewagen, an dessen Steuer Glenn saß, den Bahnübergang erreichten, wo sie im Gebüsch in sicherer Entfernung auf ihre Leute verharrte, um keine böse Überraschung zu erleben.

„Sie ist am Leben!“, keuchte Glenn aufgeregt und wäre vor Freude fast im Dreieck gesprungen, weil seine Maggie lebte.
„Ja, sie leben und sind höchstens einen Tagesmarsch voraus“, verkündete Jenna ihrer Gruppe, die sich um die schwarzen Blutlettern geschart hatte, „sie werden zu Fuß sein und nicht so schnell wie wir oder ich.“
Letzterer Aspekt war entscheidend, denn außer Abraham womöglich war niemand besser zu Fuß und querfeldein unterwegs als die Soldatin, was ein passender Maßstab für die Entfernung zwischen der Dreiergruppe und ihnen war.

„Das ist Ihre Angelegenheit und nicht meine“, erhob Abraham seine Stimme, „Dr. Porter muss nach Washington. Eine derartige Verzögerung…“
„Oh, Sie haben noch Termine, Sergeant?“, schnaubte Jenna verächtlich und straffte ihre Schultern, um sich für ein Wortgefecht zu brüsten, „wir haben einen Deal. Sie wollen mehr Leute für ihre Mission begeistern und wir müssen unsere Leute finden, damit Ihnen unser Anführer dieses Personal auch zur Verfügung stellen kann. Ich schätze es gar nicht, wenn man nicht Wort hält oder die Bedingungen nachverhandeln möchte.“
Angus und Malcolm brachten sich neben Jenna wie zwei Wachhunde in Stellung, während Ryan und Tara den jungen Paul schützend hinter sich brachten, denn ihre Ärsche würden brennen, sollte diesem Jungen etwas passieren und zudem mochten beide den Lockenkopf recht gern.  
„Wenn Sie bei der Army waren, müsste Ihnen doch Ihr Vaterland auch etwas bedeuten!“, argumentierte Abraham Ford, erntete jedoch nur Spott.
„Ich scheiß auf Ihren Patriotismus!“, erwiderte Jenna spöttisch, „der kann einem nicht helfen, wenn man am Arsch der Welt in einem Feuergefecht feststeckt und einem das Blei um die Ohren fliegt! Menschen wie Sie, Abraham, habe ich in Särgen nach Hause fliegen dürfen, also kommen Sie mir nie wieder mit Patriotismus!“

Ein Schweigen machte sich zwischen den Gruppenmitgliedern breit und Paul blickte zu seiner großen Schwester, weil er sie selten derart offen über ihre Kampfeinsätze hatte sprechen hören, obgleich er wusste, dass sie in ihrer Karriere beim Militär einige Kameraden zu Grabe getragen hatte.

Krieg war immer gleich.

„So, wenn wir das jetzt geklärt haben“, durchbrach Jenna ruhiger die Stille, „können wir bis zum nächsten Bahnübergang weiterfahren. Terminus ist, wenn ich mich nicht täusche, der alte Zentralgüterbahnhof. Ein paar Meilen haben sie noch vor sich, aber ich denke, bei ihrem Tempo könnten sie bereits hier in der Nähe des Tunnels sein.“
„Fahren wir“, entschied Glenn umgehend und sprang direkt wieder in den Geländewagen, jedoch dieses Mal auf den Beifahrersitz, weil er der Soldatin nicht ihren angestammten Platz wegnehmen wollte und ohnehin besaßen nicht viele das Recht, das „Monster“ zu fahren.
Über ein paar Nebenstraßen erreichten sie nach wenigen Stunden eine Seite des Tunnels, welcher wenige Meilen vor Terminus lag und Glenn aus dem „Monster“ sprang, noch ehe Jenna ihren Geländewagen angehalten hatte.

„Wir müssen da rein!“, forderte Glenn, doch die Soldatin blieb ruhig und ließ sich von der Hektik des Koreaners nicht beirren – das konnte tödlich enden.
„Zwei Gruppen“, entschied Jenna kühl, „Glenn und Tara kommen mit mir und kontrollieren den Tunnel von dieser Seite und der Rest fährt eine Kreuzung weiter und wartet dort auf uns. Paul, du bleibst bei Ryan, Malcolm und Angus.“
Ihr kleiner Bruder nickte zustimmend, denn Paul ahnte, dass es dort drinnen gefährlich sein konnte, weshalb er gar nicht erst gegen die Entscheidung seiner großen Schwester protestierte, denn selbst das hätte Keith nur durchgehen lassen, wenn ihm keine anderen Personen zur Verfügung gestanden hätten.
Der Plan war einfach, aber riskant, denn der Tunnel umfing sie drinnen mit seiner steten Dunkelheit.

„Wenn ich ein Mistding wäre“, flüsterte Jenna ihren Begleitern zu und hielt eine Hand griffbereit an einem ihrer Schwerter, „dann würde ich mich genau hier drin verstecken.“
„Wir halten die Augen offen, Jenna“, stimmte Glenn seiner Begleiterin zu, packte seine Machete fester, während Tara nach ihrer Waffe griff, doch sich für ihr Messer entschied, denn hier drinnen würden die Schüsse ähnlich wie in den unterirdischen Tunneln brutal widerhallen.
Sie schlichen mit dem schmalen Schein von Jennas Taschenlampe, die sie in ihren Mund gesteckt hatte, langsam vorwärts und Glenn beeindruckten einerseits die fast lautlosen Schritte der Soldatin, andererseits jagten sie ihm auch Angst ein, denn als Feindin würde er sie wohl zu spät bemerken.
Deswegen war es gut, dass Jenna Walker prinzipiell auf seiner Seite war.
Der Boden zu ihren Füßen knirschte, Jenna zog ihre beiden Schwerter instinktiv aus den Scheiden, denn ihr gefiel die Stille in der Dunkelheit des Tunnels nicht.

Plötzlich wendete sich das Blatt, je tiefer sie in die Dunkelheit vordrangen und sich ein stilles, kampfbereites Lächeln auf Jennas Lippen stahl, als sie das erste atonale Ächzen eines Mistdings hörte – ein wunderbarer Tag.
Tara wollte etwas sagen, doch Jenna hielt ihr direkt ihren schmutzigen Finger auf die Lippen, was in ihr ein leichtes Kribbeln auslöste und sie ihr gehorchte, auch um ihr ein bisschen zu gefallen, doch als sie mit ihren Augen dem Lichtschein der Taschenlampe folgte, entwich ihr Entsetzen.
Vor ihnen lag die Quelle des atonalen Ächzens in erschaudernden Positionen unter Schutt und Geröll begraben.
Zahlreiche Beißer waren womöglich durch einen Deckeneinsturz im Tunnel unter den Trümmern begraben worden und diejenigen, denen die dicken Felsbrocken nicht den Schädel zertrümmert hatten, ächzten weiter ihr hungriges Lied nach Fleisch, während einzelne Körperteile und Gliedmaßen aus den Schutthaufen herausguckten und ein abscheuliches Bild in den Köpfen der Lebenden hinterließen.

Jenna blieb ruhig, auch als sie Blut auf dem Boden entdeckte, in die Knie ging, es zwischen ihren Fingern rieb, daran roch und bei all dem verwesenden Gestank noch den frischen, metallischen Geruch von
lebenden Menschen wahrnahm.
„Das Blut ist noch feucht“, verkündete Jenna ihren Begleitern, was Glenn unruhig werden ließ, doch sie packte den Koreaner fest und schüttelte ihn heftig.
„Leuchte mal zur Decke“, erhob Tara ihre Stimme und obgleich sie nicht damit gerechnet hatte, ging die Soldatin darauf ein.
Der Beton war an der Decke war heruntergekommen und der Schutt hatte die Beißer unter sich begraben – kein kleines Loch.
„Wir kommen niemals da durch!“, atmete Glenn schwer aus, weil seine ganze Sorge Maggie galt, die irgendwo unter den Trümmern verschüttet sein konnte.
„Sag bloß, du lässt dich von ein bisschen Schutt aufhalten? Mit deiner Lungenentzündung warst du kaum von deinem Ziel abzubringen und wolltest blindlings losstürmen, um Maggie zu suchen“, schnaubte Jenna kopfschüttelnd, nahm ihr Schwert und stach es dem ersten Mistding in den Kopf, „deren Schädel sind weich wie Butter. Macheten, Schwerter und Messer sollten uns helfen, das andere Ende zu erreichen. Sollten Maggie, Sasha und Bob hier drin feststecken, brauchen sie vermutlich unsere Hilfe. Ich mache die obere Reihe unschädlich und ihr beiden übernehmt die Mitte und den Boden. Auf diese Weise sollten wir vorankommen.“

Die Idee gefiel Tara und Glenn nicht unbedingt, aber es gab keine Alternative und trotz ihrer Erwartung funktionierte der Plan recht gut, bis sie den letzten Geröllberg erklommen und der Schein von Jennas Taschenlampe eine kleinere Horde Mistdinger erleuchtete, die umgehend vom Lichtschein angezogen wurden – wie Motten von Lichtquellen.
Einige von ihnen besaßen nur noch halbe Gliedmaßen, manche bestanden fast nur noch aus ihrem Skelett und allgemein wiesen sie ein Verwesungsstadium auf, das seinesgleichen noch suchte.

„Oh, mein Gott“, stammelte Tara entsetzt und Glenn stockte bei diesem Anblick der Atem.
„Großartig, ich dachte schon, der heutige Tag wird langweilig“, knurrte Jenna kühl und ihre Stimme triefte vor Sarkasmus, „ihr werdet auch immer hässlicher.“
Tara wusste in diesem Augenblick nicht, was sie mehr fürchten sollte – die Beißer oder die Soldatin – obgleich sie einerseits von Jennas Ruhe beeindruckt und andererseits abgeschreckt war.
Diese Frau war gegenüber ihrem kleinen Bruder so fürsorglich und dennoch passte dieses Bild nicht zu der Frau, die nun mit ihr auf diesem Geröllberg stand und den Beißern mitten in ihre fauligen Gesichter spottete.
„Jenna, ich hätte gerne einen Plan“, schluckte Glenn hoffnungsvoll, dass die Soldatin einen anderen Weg wählte, als durch die Reihen der Beißer hindurch, doch er kannte sie lange genug und wusste innerlich, dass es keinen Rückweg gab.
„Nun, es sind genug Mistdinger für alle von uns da. Tara, du nimmst die Seite links von mir“, entschied Jenna sekundenschnell, um den Rookie einigermaßen im Blick zu haben, weil sie ihre Fähigkeiten vorsichtig testen wollte, „Glenn, du bist rechts von mir. Meine Schwerter brauchen Platz, weshalb ich direkt durch die Mitte gehe. Jedes Mistding, das ich nicht erledige, fällt euch zu. Geschlossene Angriffslinie, keine Ausreißer oder Heldentaten. Ich will hier heute nicht sterben, verstanden!“

Ihre Worte besaßen Autorität und Sicherheit und schenkten Tara und Glenn unerwartet eine Portion Mut zurück, den sie kurzfristig bei dem Anblick der Horde vergessen hatten.
Tara griff in ihren kleinen Rucksack und holte zwei Stirnlampen  heraus, die sie noch von ihrer Arbeit in dem Tunnelsystem bei sich gelagert und vor dem Angriff auf das Gefängnis mitgenommen hatte – für Notfälle.
„Ich habe leider nur zwei“, ließ Tara verlauten, doch Jenna deutete auf ihre Taschenlampe, welche sie sich in den Mund steckte und dann das Kommando für den direkten Weg durch die kleine Horde gab.
Tara nahm kurzfristig an, die Soldatin hätte Todessehnsucht, doch ihr stockte der Atem, als der erste Schwertstreich gleich zwei Beißern die Schädel spaltete und schwarzes Blut auf ihre Kleidung spritzte.
Zwei Beißer forderten jedoch umgehend Tara heraus, weshalb sie sich keine weiteren Gedanken darüber machen konnte.
Sie wich zur Wand des Tunnels aus, um dem Biss des ersten zu entgehen, stach ihm mit ihrem Messer in den Hinterkopf, er fiel zu Boden und wehrte anschließen den nächsten Beißer direkt ab, indem sie in dessen Schläfe stach.
Glenn rechts von ihr hatten mit der Machete einen deutlicheren Vorteil, doch bekam ebenso viele Beißer wie Tara ab, weshalb keiner von ihnen verschnaufen konnte – die Soldatin ließ ihnen genug Arbeit übrig.

Sie blieben in geschlossener Formation, während Jenna leicht vor ihnen war, um die Mitte direkt auszudünnen, was ihr auch gelang und Tara zwischendurch immer mal wieder einen stillen Blick auf die Kampftechnik der Soldatin warf.
In ihren Augen waren die zwei Schwerter gleichsam eine Verlängerung für Jennas Arme und noch nie in ihrem Leben hatte Tara jemanden so eisern und brutal kämpfen gesehen – nicht auf diese Weise.
Als das letzte Mistding tot zu Boden fiel, wischte Jenna das Blut von ihren Schwertern ab, steckte sie jedoch nicht zurück in ihre Scheiden, weil sie nicht wusste, ob noch einmal ein solcher Kampf auf sie lauerte.
Ihre Arme zitterten von der Kraft der Schwertbewegungen und dem Gewicht ihrer Schwerter, welche sie eine länger Zeit nicht mehr benutzt hatte und sie dies nun zu spüren bekam – sie waren schwer.

„Alles in Ordnung?“, fragte Jenna ihre beiden Begleiter knapp, die ebenso wie sie schwitzten, denn in diesem Tunnel war die Luft stickig, faulig und die Wärme hatte sich wohl stärker wegen des Einsturzes gestaut.
„Vielleicht hätten wir uns auch vorbeischleichen können“, keuchte Tara erschöpft von dem Kampf und nahm einen Schluck aus ihrer Wasserflasche.
„Gute Idee, das nächste Mal frage ich die Mistdinger, ob sie nicht lieber mit uns Verstecken spielen“, schnaubte Jenna spöttisch und Tara senkte betreten den Kopf, weil diese blonde Frau so abweisend ihr gegenüber war, doch dann fühlte sie etwas hartes an ihrer Hand und ergriff den Schokoriegel, den Jenna Walker ihr reichte.
„Ihr müsst ihn euch teilen“, erklärte Jenna ruhig, „ich habe nur einen Riegel eben eingesteckt, aber der Zucker wird die Nerven beruhigen. Wir rasten kurz, durchsuchen die Leichen nach etwas Nützlichem und dann ziehen wir weiter. Das Ende des Tunnels ist nicht mehr weit. Ich kann den Luftzug schon spüren. Gute Arbeit.“

Worte des Lobes waren selten, das war Glenn gewöhnt, doch sie schien sichtlich zufrieden mit dem Ergebnis des Kampfes und nach einer kurzen Rast setzten sie ihren Weg durch den Tunnel fort.
Nach wenigen Schritten drang ein Lichtschein in ihre Richtung und der Luftzug des Tunnels wehte den Geruch von Feuer herein.
Sofort, ohne jegliches Zögern, wechselte Jenna von ihren Schwertern auf ihre Beretta, denn sollte sie vor einem Feuer davonlaufen müssen, war sie gerne leichter bewaffnet.
Ein paar Geröllberge versperrten ihnen die Sicht, doch nichts schien in Flammen zu stehen, weshalb Jenna ihre Begleiter anwies vorsichtig zu sein.

„Brennt es hier?“, fragte Glenn flüsternd, doch Jenna zuckte nur mit dem Schultern: „Bin mir nicht sicher. Könnte ein Lagerfeuer sein, und wo ein Lagerfeuer ist, sind auch Menschen nicht weit.“
„Also, sind es Sasha, Maggie und Bob?“, fragte Tara nun neugierig, aber ebenso leise, denn die Tunnelwände ließen viele Geräusche widerhallen.
„Menschen halt“, gab Jenna augenrollend zurück, „ich kann ja nicht hellsehen. Besser, wir sind auf einen Kampf vorbereitet als auf ein Kaffeekränzchen.“
Glenn unterdrückte still einen Lacher, weshalb nur ein Glucksen von ihm zu hören war, denn er kannte die sarkastische Art der Soldatin und war nicht mehr sonderlich schockiert, wenn sie einen solchen Spruch verlauten ließ.

Die kleine Taschenlampe führte Jenna in die vorgesehene Schiene an ihrer Beretta, nahm Angriffshaltung ein und gemeinsam platzten sie direkt in das Lager.
Erschrockene Gesichter starrten ihnen entgegen, doch der Lichtschein des Lagerfeuers ließ jeden rasch die Waffen sinken und eine der Gestalten stürzte direkt auf Glenn zu.
Der Schein der Kopflampe ließ Glenn das Gesicht seiner geliebten Maggie erkennen, die umgehend in seinen Armen zu schluchzen begann und er sie so fest drückte, weil er sie wiedergefunden hatte.

Sie waren alle am Leben!
Er hatte seine Maggie wieder!

Nach den ersten Schrecksekunden küssten sie sich immer wieder, um sich zu vergewissern, dass niemand von ihnen dies nur träumte.
Jenna senkte ihren Blick, weil dieser Moment nur Glenn und Maggie gehörte und sie selbst das Gefühl kannte, von geliebten Menschen getrennt zu sein.
„Du lebst“, schluchzte Maggie, die ihre Freudentränen nicht zurückhalten konnte, „ich habe es die ganze Zeit gewusst!“
Dann ließ Maggie ihren Ehemann kurz los, um seine Begleiter unter die Lupe zu nehmen und erkannte im Lichtschein des Lagerfeuers direkt die burschikose Gestalt der Soldatin – Unkraut verging wirklich nicht.

„Jenna hat mich mit der Hilfe von unseren Gästen aus dem Gefängnis gerettet und Tara gehört zu Ryan und Malcolm“, erklärte Glenn überglücklich seiner Ehefrau, „sie hat uns bei der Flucht zusammen mit einem Mann namens Angus geholfen. Ein weiterer Teil unserer Gruppe wartet am anderen Ende des Tunnels auf uns.“
Maggie begutachtete Tara und reichte ihr freundlich die Hand, woraufhin Tara den Gruß zögerlich erwiderte, denn alles wirkte auf sie noch recht befremdlich und Angus war nicht an ihrer Seite, der ihr freundschaftlichen Halt gegeben hätte.
Neue Menschen hatte Tara noch nie direkt mit offenen Armen empfangen. Anschließend wandte Maggie sich der Frau zu, der sie einerseits manchmal die Pest an den Hals gewünscht hatte und andererseits immer heilfroh gewesen war, sie in der Gruppe gehabt zu haben – Jenna M. Walker.
Sie ging auf Jenna zu, die sich für jeden Angriff seitens Maggie wappnete, doch auf eine Umarmung war Jenna nicht vorbereitet gewesen – sie versteifte sich umgehend.

„Danke, Jenna“, lächelte Maggie sie an und die Soldatin versuchte, dieses Lächeln irgendwie zu erwidern, ohne sich anmerken zu lassen, dass sie sich durch die Umarmung eingeengt fühlte, „du hast ihn mir heil zurückgebracht.“
Maggie erwartete nicht, dass Jenna darauf etwas erwiderte, weil sie genug Zeit mit ihr verbracht hatte, um zu wissen, dass sie solche Taten nicht an die große Glocke hing oder irgendeine Gegenleistung verlangte.
Sasha und Bob traten nun ebenfalls näher und umarmten ihre verschollen geglaubten Gruppenmitglieder, nur Sasha hielt sich von Jenna Walker fern, obgleich sie durchaus von der Soldatin beeindruckt war.

Wenige Augenblicke später ließen sich auch Ryan mit Paul, Malcolm, Angus, Abraham, Rosita und Eugene in dem Tunnelgewölbe blicken, nachdem Jenna ihnen über Funk die guten Nachrichten mitgeteilt hatte.
Den Truck und das „Monster“ hatten sie vorsorglich vor dem Tunnelausgang geparkt und schlugen hier ein fast sicheres Nachtlager auf.
Ein größeres Lagerfeuer brannte, Fleisch briet saftig auf einem Spieß – zwei Opossums – und ein Top mit Kräuterbrei köchelte vor sich hin.
Abraham löste jedoch mit seinem Anwerben und der Erklärung, dass Eugene die Ursache für den Ausbruch kannte, eine heftige und hitzige Diskussion aus, von welcher Jenna sich mit ihrem kleinen Bruder etwas zurückzog.

„Jetzt müssen wir nur noch Mary finden“, meinte Paul und beachtete die Diskussion gar nicht, „wenn sie nicht bei Maggie, Sasha und Bob ist, dann vielleicht bei Keith. Wir werden sie finden, ich weiß es.“
Paul legte fürsorglich den Arm um seine große Schwester, weil er spürte, dass sie mit dem Ergebnis nicht ganz zufrieden war.
Jenna strich ihrem kleinen Bruder über seinen Lockenkopf und lächelte knapp: „Das nächste Mal binde ich mich an euch fest, dann können wir nicht mehr getrennt werden.“
Paul lachte amüsiert: „Gute Idee, aber dann hätte ich eben auch durch den Tunnel gemusst und ich mag es hier nicht sonderlich.“
„Nur diese eine Nacht“, erklärte Jenna ihren kleinen Bruder fürsorglich, „morgen ziehen wir weiter.“


„Wir könnten nach Terminus gehen, um dort nachzusehen, ob andere von uns ebenfalls dort nach Schutz gesucht haben“, schlug Sasha vor, um offensichtlich die Diskussion auf andere Themen lenken wollte, „mein Bruder Tyreese könnte dort sein. Er würde dorthin gehen.“
„Wir könnten auch Vorräte gebrauchen für die Fahrt nach Washington“, pflichtete Rosita dem Vorschlag bei und blickte zu Abraham, der zunächst dagegen schien, sich den Gedanken jedoch durch den Kopf gehen ließ und schließlich einwilligte.
„Ich übernehme die erste Wache“, mischte Jenna sich rasch in das Gespräch ein, um dieses Thema nicht in den Hintergrund zu rücken, obgleich ihr der Plan mit „Terminus“ nicht sonderlich gefiel, aber wenn andere aus ihrer Gruppe – Mary und Keith – überlebt hatten, dann würden sie vermutlich stur in Richtung „Terminus“ laufen, weil die Schilder es ihnen anpriesen.
Sie wusste nicht, bei wem Mary sich aufhielt, aber der restliche chaotische Haufen, der sich ihre Gruppe schimpfte, würde mit ziemlicher Sicherheit dort nach Schutz suchen.
Jenna selbst hielt von dieser Werbung nichts.

„Dann nicht ohne mich“, stellte Maggie rasch klar, wogegen Glenn protestieren wollte, weil er seine Frau soeben erst wiedergefunden hatte und Zeit mit ihr verbringen wollte, doch Maggie machte ihm mit einem Blick klar, dass es ihr ein innerstes Bedürfnis war, der Soldatin bei der Wachschicht zur Seite zu stehen.
Paul bekam von Jenna einen Kuss auf die Stirn, bevor er sich in den Schlafsack seiner großen Schwester einrollte und rasch am Lagerfeuer bei den immer leiser werdenden Gesprächen einschlief – es gab noch gute Tage für ihre Gruppe.

Maggie ließ sich neben Jenna auf einem Schutthaufen nieder, welchen die Soldatin als Sitzgelegenheit nutzte, um ihre Ausrüstung zu kontrollieren, während sie mit einem Auge die Gegend wachsam beobachtete.
„Wenn du dich bedanken willst“, brummte Jenna lustlos, „das hast du eben schon getan. Ich lasse grundsätzlich niemanden zurück, also kannst du dir den Dank sparen.“
„Ich weiß“, entgegnete Maggie sofort und blickte zur Soldatin, die sie keines Blickes würdigte, „trotzdem bin ich froh, dass du Glenn nicht zurückgelassen hast. Immerhin war er schwer erkrankt und mit Sicherheit ein Last.“
„Das hat er auch ständig behauptet“, rollte Jenna ihre Augen und steckte ihr zweites Schwert in seine Scheide zurück, ehe sie ihr Feldmesser zog und aus dem Köcher einen ihrer unfertigen Pfeilhölzer, um es fertig zu stellen.
„Er hat ein gutes Herz, deswegen liebe ich ihn so“, erklärte Maggie mit einem leichten, schwärmerischen Seufzen und wusste, dass sie ein bestimmtes Thema nicht mehr lange vor sich herschieben konnte – Marys Verschwinden.
Sie hoffte, dass Jenna ihr nicht an die Kehle sprang, weil Maggie für das Verschwinden von Jennas kleiner Schwester verantwortlich war und nicht wusste, wohin das Auto mit dem weißen Kreuz gefahren war.

„Du druckst herum“, stellte Jenna unverblümt fest und verpasste dem Pfeilholz den letzten Schliff, „was willst du von mir?“
Maggie fühlte sich ertappt, doch es brachte nichts, ihr weiter die Wahrheit zu verschweigen und ohnehin schätzte Jenna es nicht, wenn man ihr wichtige Angelegenheiten vorenthielt.
„Stimmt, ich habe einen Grund, mit dir hier bei der ersten Wachschicht zu sitzen“, gestand Maggie ihr offen, „nur bitte, bleib ruhig. Deine kleine Schwester Mary war nach dem Fall des Gefängnisses bei mir.“
„Sie war bei dir? Wieso war sie bei dir? Wo ist sie jetzt?“, fuhr Jenna augenblicklich zu ihr herum und Maggie empfand den starrenden, erwartenden Blick unheimlich, der sich in sie bohrte.
„Ja, sie war bei mir“, schluckte Maggie beunruhigt, „und hat mir das Leben gerettet. Nur konnte ich nicht verhindern, dass sie von irgendwem in einer schwarzen Limousine mit einem weißen Kreuz auf der Heckscheibe entführt wird. Es tut mir leid, Jenna, ich hätte besser auf sie aufpassen müssen!“

Der Körper der Soldatin versteifte sich kurz, sodass Maggie kurz einen Vulkanausbruch befürchtete, doch Jenna stützte schließlich nachdenklich ihre Ellbogen auf ihre Oberschenkel, faltete ihre Hände und legte ihre Zeigefinger gegen die Stirn und die Daumen presste sie nachdenklich gegen ihr Kinn.
Diese Stille machte Maggie fertig und nach wenigen Minuten hoffte sie, dass Jenna sie nun endlich anschreien würde, doch die Soldatin blieb stoisch und rührte sich absolut nicht mehr – das machte ihr Angst.

„Könntest du mich, bitte, anschreien?“, fragte Maggie vorsichtig, doch eine Gegenreaktion blieb zunächst aus.
„Es war nicht deine Schuld“, kam es endlich erlösend von der Soldatin, die mit ihren kühlen blauen Augen in Maggies blickte und ihre gesamte Aufmerksamkeit der ältesten Greenetochter widmete, „aber diese miesen Arschlöcher werde ich aufspüren, jagen und sollten sie Mary auch nur ein Haar gekrümmt haben, werden sie sich wünschen, niemals geboren worden zu sein.“
Das Blau in Jennas Augen verwandelte sich in die Eiseskälte, die Maggie bereits ein paar Mal gesehen hatte, doch dieses Mal jagte sie ihr mehr als nur einen bloßen Schrecken ein – sie fürchtete sich richtig vor der Soldatin.
Jenna Walker liebte ihre beiden Geschwister und Maggie hatte bereits während der Monate im Gefängnis still geahnt, dass es besser war, sich nicht zwischen die Geschwister zu drängen.
Allerdings machte dieser Charakterzug der Soldatin, für ihre Familie alles zu tun, durchaus auch sympathisch und für Maggie sogar menschlich.

„Egal, wohin dich die Suche führt, Jenna“, versprach Maggie entschlossen und blickte mit ihren rehbraunen Augen in das arktische Blau der Soldatin, „ich werde sie mit dir suchen. Mary hat mir das Leben gerettet und ich kann sie nicht einfach ihren Entführern überlassen.“
Ein überraschter Ausdruck flammte kurz in den blauen Augen auf, doch verschwand rasch wieder, ehe sie kurz zustimmend nickte und Maggie froh war, dass sie ohne eine große Auseinandersetzung davongekommen war.
„Deine Schwester Beth ist wahrscheinlich bei Daryl“, bemerkte Jenna und Maggies Herz begann, heftig zu pochen, „wir wurden getrennt, weil Paul meine Hilfe brauchte und Daryl hat Beth gewählt.“
„Du glaubst, die beiden sind noch am Leben?“, stammelte Maggie und abermals an diesem Tag stiegen ihr Tränen in die Augen, die sie sich rasch wegwischte, um vor der Soldatin keine Schwäche zu zeigen.
„Ich glaube es so lange, bis ich ihre Leichen selbst begraben habe“, erwiderte Jenna kühl und Maggie nickte, weil es ihrem Gedanken an Gewissheit entsprach, den Mary einst ihr gegenüber geäußert hatte, zudem ist Clyde kein Vollidiot".
„Das hat deine kleine Schwester auch zu mir gesagt, als ich den Mut verloren hatte“, gestand Maggie der Soldatin, auf deren Lippen sich ein stilles, anerkennendes Lächeln stahl, ehe sie sich wieder ihren Pfeilen widmete und die Unterhaltung auf diese Weise für beendet erklärte.


Am nächsten Morgen packten sie ihre gesamten Sachen, verteilten die  Personen auf das „Monster“ und vor allem auf die große Ladefläche des Trucks, wo die meisten nun mitfahren mussten, denn für ihre gesamte Gruppe war nicht genügend Platz vorhanden.
Ryan, Angus, Tara und Paul fuhren bei Jenna im „Monster“ mit, während Glenn, Maggie, Sasha, Malcolm und Bob sich zu Abraham, Rosita und Eugene gesellten und einander die Geschichten ihrer Flucht erzählten.
Glenn ließ kein Detail über seine Rettung aus, was Malcolm gekonnt kommentierte und Maggie gespannt lauschte.
Nach wenigen Meilen erreichten sie ihren Zielort „Terminus“. Es war das Gelände eines alten großen Güterbahnhofs – eine Art zentraler Verkehrsknotenpunkt – in Georgia und trotz der Verwitterung machte dieser Ort immer noch einen recht gepflegten Eindruck.

Hier lebten noch Menschen.

Die Zäune waren dick und stabil und schienen regelmäßig geflickt und bewacht zu werden.
Alle lächelten, doch Maggies Blick ging direkt zu Jenna Walker, deren Blick deutliche Skepsis zeigte und die Farmerstochter ein eigenartiges Gefühl beschlich, denn nicht selten hatte die Paranoia der Soldatin durchaus Recht behalten.
Vielleicht war sie jedoch auch unbegründet.
Sie hatten überlebt, einander wieder gefunden und „Terminus“ erreicht.
Nur das zählte.
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