The Walking Dead - Carpe Diem

von Nayfe
GeschichteAbenteuer, Horror / P16
Carol Peletier Daryl Dixon Glenn Rhee Maggie Greene Rick Grimes
20.03.2015
18.07.2019
106
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75
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Hallo meine lieben Leser,

ich freue mich, endlich wieder weiterzuschreiben und Zeit und Muße dafür gefunden zu haben.
Der Alltag zwingt einen oft, die Pläne zu ändern und ohne einen freien Kopf fehlt es an Kreativität.

Derzeit sind es 74!!!! Empfehlungen und 205 Favoriteneinträge, die meine Geschichte dank euch in Zahlen verzeichnen darf.
Es versetzt mich immer in Aufregung und Freude, wenn ich derartige Unterstützung von euch erhalten.
VIELEN LIEBEN DANK!!!!

Zu diesem Kapitel:
Nach dem Fall des Gefängnisses bilden sich die verschiedenen Überlebensgruppierungen und neben Rick, Carl und Michonne haben noch weitere überlebt, die einander noch finden müssen.
Maggie hat auf ihrer Flucht vor dem Kugelhagel sich die junge Mary Walker gekrallt und ist mit ihr in Sicherheit verschwunden, was Mary nicht besonders passt, denn schließlich hat sie dort auf ihre große Schwester Jenna gewartet.
Es ist das erste Mal, dass Maggie und Mary mehr miteinander zu tun haben und nicht viel miteinander anzufangen wissen, ehe sie auf zwei weitere Überlebende treffen und beide erkennen, dass sie sich viel ähnlicher sind als sie zunächst glaubten.
Die Schwierigkeit hier bestand darin, das Kräftegleichgewicht der Gruppierungen zu bewahren und ich denke, dass ich es einigermaßen zufriedenstellend gelöst habe, nachdem ich monatelang über die Aufteilung nachgedacht und gebrütet habe.
Doch nun viel Spaß beim Lesen!

Eure Nayfe ;)
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Maggie Rhee, Sasha Williams, Bob Stookey und Mary Walker
(Irgendwo abseits des Highway 85, nahe der Bahngleise)

Maggie drückte Mary gegen eines der Autowracks und presste ihren Zeigefinger auf die Lippen der Teenagerin.
Sie hatte Mary auf dem Parkplatz allein vorgefunden und sie zur Sicherheit mitgenommen, obgleich Mary heftig dagegen protestiert hatte und überhaupt nicht zufrieden war.
Mary hatte auf ihren Bruder und ihre große Schwester, einschließlich Keith warten wollen, doch Maggie hatte sie auf ihrer Flucht einfach gekrallt und vom Parkplatz in Sicherheit gezerrt, weil Mary sonst dort mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit den Tod gefunden hätte und das wollte sie nicht.
Maggie hatte den Tod ihres Vaters mitansehen müssen und Mary allein aus diesem Grund aus der Schusslinie des Panzers gezogen, damit nicht noch jemand starb.
Der Tod ihres geliebten Vaters setzte Maggie immer noch zu, doch derzeit lenkte Marys Anwesenheit sie von dem Schmerz ab und sie wollte unbedingt Glenn finden, der im Schulbus bei den Kranken gewesen war.

Ein paar Beißer versperrten ihnen nun jedoch den Weg und Maggie besaß nur ihr Messer, um sie unschädlich zu machen, während Mary ihre gesamte Ausrüstung mit sich führte.
„Ich könnte auf sie schießen“, schlug Mary flüsternd vor, wobei Maggie jedoch den Kopf schüttelte: „Du hast noch nie auf bewegliche Ziele geschossen!“
Ein gutes Argument, allerdings brachte sie das auch keine Meile weiter in Richtung Evakuierungspunkte.
„Es sind fünf Untote“, zuckte Mary mit den Schultern und deutete auf ihr Messer, „zur Not eben im Nahkampf. Von hinten anschleichen, ihnen in die Kniekehle treten, damit sie umfallen und ihnen das Messer in den Kopf rammen, fertig.“

Mary Walkers Vorschlag war durchaus keine schlechte Idee, doch Maggie bekam ein mulmiges Gefühl bei der Sache, denn in ihren Gedanken sah sie bereits die Szene, in der Jenna sie wegen ihrer Schwester eigenhändig und auf qualvolle Weise tötete, sollte Mary etwas zustoßen.
Wie sehr Jenna Walker ihre Geschwisterkinder liebte, hatte Maggie seit deren Ankunft im Gefängnis viel zu häufig beobachten können und wie tief die Gräben und hart Jennas Mauern waren, um im Kampf letzten Endes einfach nur zu funktionieren – ohne sie war Jenna eine ganz andere Person.
Allerdings schaffte Maggie die fünf Beißer auch nicht alleine, weshalb sie Mary dringend brauchte.

„Hast du das denn schon mal gemacht?“, fragte Maggie leise flüsternd, „deine Schwester wird mich nämlich umbringen, sollte dir etwas zustoßen.“
„Ich war seit Beginn hier draußen, Maggie“, erwiderte Mary entschlossen, „und Keith hat nicht nur den Babysitter gespielt.“
Ihre letzten Worte überzeugten Maggie nicht unbedingt, doch sie wollte Glenn finden und bisher standen lediglich die fünf Untoten zwischen ihr und ihrem Ehemann, daher willigte sie ein.
Gemeinsam schlichen sie aus ihrer Deckung hinter dem Autowrack hervor, zogen ihre Messer, knöpften sich die ersten Beißer nach eben jener Methode vor und waren dabei recht erfolgreich.
Mary hatte das zwar erst ein oder zwei Mal machen müssen, doch sie erinnerte sich an das Training mit ihrer großen Schwester, der sie häufig in die Kniekehle hatte treten müssen, um diese Technik zu lernen – einfach, aber effektiv.
Rasch erledigten sie die letzten und Maggie blickte zu Mary, die ihr siegreich zunickte, bevor sie den Weg in den Wald einschlugen.

„Wir brauchen Wasser“, bemerkte Mary an einer der Weggabelungen des Waldweges, „Keith hat uns von der Dreier-Regel erzählt. Ein Mensch kann drei Minuten ohne Luft, drei Stunden ohne Schutz, drei Tage ohne Wasser und drei Wochen ohne Nahrung auskommen. Bei dieser Jahreszeit braucht uns Schutz nur wegen der Untoten zu interessieren, aber Wasser und Nahrung haben Priorität.“
Maggie blickte die junge Walker an, die mehr wusste als ihre kleine Schwester Beth, und stimmte ihr zu: „Dein Dad hatte nicht Unrecht.“

Das Wort „Dad“ kam ihr schwer über die Lippen und Schmerz und Trauer holten Maggie kurzzeitig wieder ein, sodass Mary bemerkte, dass sich ihr Blick trübte und Maggie eine Hand auf ihrem Arm spürte, die sie jedoch abschüttelte.
Sie ließ ihren Blick einen nach einer Ablenkung suchen und entdeckte rasch irgendwelche Beeren an einem Strauch. Sofort marschierte sie dorthin, pflückte ein paar und bot Mary eine Beere an, die ihr jedoch die gesamten Beeren aus der Hand schlug.
„Hast du sie noch alle?“, fuhr Maggie die Teenagerin an, doch Mary ließ sich davon nicht beirren: „Die kannst du nicht essen! Sie sind zwar nicht giftig, verursachen aber ungekocht erheblichen Durchfall und Bauchschmerzen!“
Maggie wollte etwas erwidern, doch von einer der Seiten drang atonales Ächzen an ihre Ohren und sie setzten rasch ihren Weg fort, bis sie auf zwei weitere Beißer stießen, die sie erledigten und Mary einen Pfeil in ihren Bogen einlegte, weil in der Ferne noch ein Untoter zu sehen war – sie traf.
Das harte Training ihrer großen Schwester zahlte sich aus, auch wenn Mary oft genug in den letzten Monaten über Jenna geflucht hatte, so erkannte sie nun die Weitsicht von Keith und ihr.

Für den Notfall, dass sie alleine dort draußen überleben musste.

Maggie musterte Mary eingehend und entdeckte an ihr unerwartet eine größere Ähnlichkeit mit ihrer älteren Schwester, allerdings nicht im Hinblick auf Äußerlichkeiten, denn selbst ein Blinder hätte die Verwandtschaft zwischen Mary und Jenna erkannt – sie sahen sich sehr ähnlich.
„Gehen wir weiter“, entschied Maggie knapp, ging voran und Mary folgte ihr, bis sie endlich an einen kleinen Bachlauf gelangten, der zwar beiden nicht bekannt vorkam, doch vorrangig interessierte sie nur das Wasser. Mary kramte aus ihrem Rucksack eine große Wasserflasche heraus, füllte sie mit Wasser, tropfte eine jodhaltige Lösung ins Wasser, um es schneller trinkbarer zu machen und legte sie zur Sicherheit eine Weile in die Sonne, ehe Maggie und sie gierig die Flasche austranken und sie abermals füllten.
Sie folgten dem Bachlauf flussabwärts, bis dieser in einen großen Fluss mündete, an dessen Flussufer sie eine heruntergekommene, alte Fischerhütte fanden, wo sie entschieden, die Nacht zu verbringen, denn langsam brach die Dämmerung an.
Im Kamin der Hütte entfachte Mary ein Feuer, während Maggie die Hütte gegen Beißer absicherte und die beiden sich drinnen anschließend nach vergessenen Konservendosen suchten – Dosenravioli.
Mary lachte leise, als sie im Schrank in der Vorratskammer eine etwas verrostete Dose dieser Spezialität fand und Maggie sie verwundert anblickte.

„Oh, das würde meinem Schwesterherz gefallen“, grinste Mary, wobei sie jedoch ein wenig wehmütig an Jenna dachte, „sie hasst Dosenravioli.“
Maggie erinnerte sich an ihre erste Begegnung mit Jenna Walker vor einer gefühlten Ewigkeit in dem kleinen Ort nahe bei der Farm ihres Vaters.
„Bei der ersten Begegnung mit deiner Schwester hat sie uns ihre Dosenravioli freiwillig gegen ihr Leben überlassen wollen“, entsann Maggie sich an diese Begegnung zurück, „wir sind auf sie in der Nähe der Farm meines Vaters…“
Sie brach mitten im Satz ab, fühlte erneut eine zarte, leicht schwielige Hand auf ihrem Arm und blickte in mitfühlende, blaue und warme Augen.
„Ich kann nicht nachempfinden, was es bedeutet, einen Vater zu verlieren“, versuchte Mary ihre Begleiterin zu trösten, „weil ich meinen nie kennen gelernt habe. Wir nennen Keith nur so, weil es in Woodbury unsere Tarnung gewesen ist und sind dabei geblieben, weil er vermutlich einer Vaterfigur am nächsten kommt. Doch ich weiß, was es bedeutet, immer auf einen Menschen warten und um ihr Leben jeden Tag und jede Nacht bangen zu müssen und wie sich Verlust anfühlt, wenn man dir mitteilt, dass diejenige nicht mehr vom Einsatz zurückkehrt. Jenna ist alles, was Paul und ich je hatten. Es tut mir leid wegen deines Dads.“

Ihre Worte waren ehrlich, waren mit einem großen Weitblick gesprochen und klangen für eine Vierzehnjährige schon fast zu erwachsen – ihr Geist war zu alt für ihren jungen Körper.
Maggie zog die Teenagerin fest an sich und obgleich die Körperwärme den Schmerz verstärkte, so war sie dennoch froh, nicht ganz alleine zu sein.
„Ich verspreche dir, wir finden Glenn, deine Familie und die anderen“, flüsterte Maggie ihr zu und hielt sich an Mary fest.
„Oder sie finden uns“, entgegnete Mary zuversichtlich, was Maggie jedoch stark bezweifelte.
„Was macht dich so sicher, dass deine Familie noch am Leben ist?“, fragte Maggie neugierig, doch Mary zuckte nur mit den Schultern: „Ich habe schon mehr als einmal geglaubt, dass meine Schwester tot ist, doch diesen Fehler begehe ich kein weiteres Mal. Dieses Mal möchte ich ihre Leiche mit meinen eigenen Augen sehen und anschließend mit meinen eigenen Händen begraben. Solange gehe ich davon aus, dass sie noch am Leben ist und sie wird die Suche nach Paul und mir nicht aufgeben, bevor sie uns nicht wieder in ihren Armen hält. Das hat sie mir versprochen.“
Manche Versprechen konnten Menschen jedoch nicht halten und Maggie wollte der Teenagerin derzeit nicht ihre letzte Hoffnung nehmen, obgleich sie ihre Beweggründe verstand.
Sie kochten die Ravioli in der Dose über dem Feuer und teilten sich die relativ große Portion, sodass ihre Mägen rasch schwiegen.

Im Morgengrauen weckte Maggie die junge Walker, die ein wenig ungehalten reagierte, weil Maggie sie nicht zur Ablöse geweckt hatte und gemeinsam traten sie hinaus in den Wald.
In den Augen der ältesten Greenetochter war Mary immer noch ein Teenager und genauso schutzbedürftig wie ihre kleine Schwester Beth.
Womöglich verband diese Eigenschaft Maggie sogar stärker mit Jenna Walker, die für ihre beiden Geschwister wohl selbst die Hölle in Brand stecken würde.
„Wir müssen beide genug Schlaf bekommen, wenn wir Glenn und die anderen finden wollen, Maggie“, kreidete Mary ihr diese falsche Rücksichtnahme an, „Keith hat auch oft genug Schlaf gebraucht und ich habe ihn abgelöst. Du kannst mir mehr zutrauen.“
In diesem Punkt hatte Mary Recht, denn es war noch ein langer Weg bis zu einem der Evakuierungspunkte und zunächst galt es, ihren genauen Standort herauszufinden, um sich anschließend besser orientieren zu können. Sie waren einfach nur gerannt, um möglichst viel Distanz zwischen den Angreifern und sich zu bringen und kopflos in den Wald gestolpert.

Noch bevor Maggie etwas erwidern konnte, raschelte es im Gebüsch, sie zückten ihre Waffen, auch wenn Mary wusste, dass ihre Trefferquote mit beweglichen Zielen wesentlich schlechter war als bei den Zielscheiben, doch Übung machte den Meister und sie hatte nicht vor, hier draußen zu sterben.
Zunächst sahen sie nur Gestalten und allein aus einer Reaktion heraus, schoss Mary einen Pfeil ab und hörte, wie jemand vor Schmerz kurz aufschrie – Untote schrien nicht.
„Zeigt euch! Sofort!“, forderte Maggie in Richtung Gebüsch, doch war entsetzt, als Sasha Williams und Bob Stookey zum Vorschein kamen und in Bobs Schulter einer von Mary Walkers Pfeilen steckte – zumindest hatte sie getroffen.
Sasha Williams atmete erleichtert auf, zerrte Bob näher zu Maggie und Mary und die junge Walker entschuldigte sich für den Pfeil.
„Gut, dass ihr es auch herausgeschafft habt!“, stieß Sasha ihren Atem laut aus, „Jenna Walkers Plan war ein reines Selbstmordkommando!“
„Meine Schwester hat den besten Plan ausgewählt, der möglich war!“, hielt Mary gegen Sasha für die Ehre ihrer großen Schwester, doch viel Sympathie hegte diese Frau offenbar nicht für Jenna.
Ein kleiner Zickenkrieg entbrannte kurz zwischen Sasha und Mary, die gegensätzlich Positionen vertraten und Maggie den Streit zu schlichten versuchte, doch die Diskussion wurde hitziger.

„Könnt ihr einmal damit aufhören!“, fuhr Bob Stookey lautstark dazwischen und sorgte für Ruhe, „meine Schusswunde muss versorgt werden! Mary, traust du dir das zu, die Wunde zu behandeln?“
Mary nickte, wandte sich vom Streit mit Sasha ab und durchsuchte anschließend Bobs Rucksack nach dem passenden Werkzeug für die medizinische Erstversorgung und mit der Hilfe des Militärsanitäters schaffte sie es fast selbstständig, die Wunde zu vernähen – sie liebte diese Arbeit.
Maggie und Sasha sahen ihrer jüngsten Begleiterin dabei zu und Mary verzog bei dem Blutgeruch und dem Nähen keine Miene.
„Du wirst einmal eine gute Ärztin, Mary“, lächelte Bob die junge Walker zuversichtlich an, was diese leicht erröten ließ und sie ihre Hände an einem sauberen Tuch abwischte.
„Wir wollten zum Evakuierungspunkt im Osten mit den Kranken“, erklärte Maggie Sasha knapp, „ich muss Glenn finden und mit Sicherheit sind dort auch ein paar der anderen.“
„Osten ist in dieser Richtung“, meinte Sasha fachmännisch, „immer dort, wo die Sonne aufgeht. Wir müssten mittlerweile in der Nähe der Hauptstraße sein.“
„Gut, dann lasst uns keine Zeit vergeuden“, entschied Maggie eisern, „wir haben einen langen Marsch vor uns. Wenn Jenna für eines Sorge getragen hat, dann für die Sicherheit der Evakuierungspunkte.“

Maggie ging voraus, ihre folgte Mary mit geschultertem Bogen in der Mitte und dahinter marschierten Bob und Sasha, die mit dem strengen Tempo von Maggie nicht ganz einverstanden waren.
„Wir müssen zusammenbleiben!“, stöhnte Bob permanent und Sasha befürchtete abermals eine seiner vielen symbolischen Reden, die er ihr seit seiner Flucht hielt, um ihren Pessimismus zu vertreiben – dieser Mann hatte wirklich Nerven.
„Vielleicht sollten wir besser nach Nahrung und einem weiteren Unterschlupf suchen“, schlug Sasha vor, doch Maggie hörte sie nicht und marschierte einfach weiter.
Sashas Blick viel auf die vierzehnjährige Mary Walker, die sich von Maggies Tempo nicht beirren ließ und es fast sogar beibehielt, sodass sie die Hauptstraße alsbald erreichten und nach einigen Meilen dort etwas in Sichtweite kam, das dem Krankenbus recht ähnlich sah.
Sofort lief Maggie los, die anderen hinter ihr her und mit entsetzten Gesichtern mussten sie bei Erreichen des Busses feststellen, dass alle dort drinnen zu Beißern mutiert waren.
Voller Sorge und dem Gedanken, nicht noch einen Menschen verloren zu haben, wollte Maggie die Tür öffnen, doch Bob und Sasha hielten sie davon ab.

„Ich muss wissen, ob er da drin ist!“, fuhr Maggie beide besorgt an, während Mary ihren Blick durch die Umgebung schweifen ließ, um die drei notfalls vor den Untoten zu warnen, sollten welche aufkreuzen.
„Schön, aber wir machen es gemeinsam“, gab Bob zögerlich nach, obwohl er wusste, dass man einen Panzer auf Frontalkurs besser nicht aufhalten sollte, „allerdings clever und lassen einen nach dem anderen heraus.“
„Zwei von uns an der Tür, falls sie sich dagegen drücken“, seufzte Sasha nun auch nachdenklich und ergriff ihr Gewehr, „und Mary, du hältst dich raus.“
Das passte Mary nicht, aber sie gab sich mit der Absicherung der Umgebung vorerst zufrieden und Maggie wollte ein paar Schritte von der Tür entfernt stehen, um die Gesichter der Beißer zu sehen.
Einen nach dem anderen ließen Sasha und Bob die Beißer aussteigen, Maggie blickte in ihre Gesichter, erkannte viele der ehemaligen, erkrankten Bewohner, doch unter ihnen war Glenn nicht.

„Ich kann sie nicht mehr halten!“, ächzte Sasha und rutschte unter den Druck der Beißer auf die Tür weg, sodass plötzlich alle Beißer gierig ins Freie drangen, um sich am frischen Fleisch vor ihrer Nase zu laben.
Maggie wurde schlecht, sie erstarrte vor Trauer und ihr verschwamm die Sicht vor ihren Augen, weil sie von ihrem Schmerz nahezu überwältigt wurde.
Ein Beißer torkelte gefräßig auf sie zu, sah in ihr seine Mahlzeit und Maggie reagierte in ihrer Schockstarre nicht.
„Maggie!“, rief Mary ihr zu, drehte sich um und versenkte einen ihrer Pfeile in den Kopf des Untoten, der ihre Begleiterin verspeisen wollte.
Maggie wich langsam zurück, doch Marys Stimme hatte sie aus der Starre gelöst, sie ergriff ihr Messer und begann, den anderen bei der Tötung der Beißer zu helfen.
„Es tut mir leid“, stammelte Maggie immer noch schockiert und spazierte durch Reihen der Gefallenen, während Bob und Sasha über den Verlust dieser Menschen trauerten.
„Sie waren fast in Sicherheit“, seufzte Bob und bemerkte, dass Sasha neben ihm mit dem Kopf schüttelte: „Dieser Plan war einfach nicht gut durchdacht.“
„Ich hätte es jedoch auch nicht anders gemacht“, warf Maggie ein, bevor sie in das Innere des Busses kletterte und bitter feststellen musste, dass Glenn sich auch nicht dort aufhielt oder als Beißer feststeckte.

Bittere Tränen rannen ihr die Wangen herunter, die sie bisher immer zurückgehalten hatte und die Ohnmacht der Ratlosigkeit ließ sie auf einen der Sitze niedersinken.
Wo war ihr geliebter Glenn?
War er noch am Leben?

Wieso war er nicht in diesem Bus gewesen?


Bob und Sasha wussten nicht, ob sie eintreten sollten, doch stattdessen sprang Mary in das Innere des Busses und näherte sich vorsichtig und mit einer immensen Feinfühligkeit der Frau, die sie im Grunde genommen sogar gerettet hatte – sie war Maggie nicht mehr böse.
„Er ist nicht hier“, schluchzte Maggie ein wenig verzweifelt und erleichtert zugleich, wehrte sich jedoch auch nicht, als Mary ihren Kopf gegen ihren Körper drückte und es Maggie so vorkam als würde Mary das nicht zum ersten Mal machen – jemandem Halt geben.
„Dann wird er irgendwo dort draußen sein und wir sollten die Suche nach ihm nicht aufgeben“, flüsterte Mary ihr zu, „tot oder lebendig. Was du suchst, ist Gewissheit.“

In diesem Punkt fand Mary in Maggie unerwartet eine Verbündete, die ebenso nach ihren geliebten Menschen suchte wie sie.
„Suchen wir Glenn, Beth und deine Familie“, riss Maggie sich langsam wieder zusammen und blickte in blaue, fast schon vertraute Augen – sie war Jenna so verdammt ähnlich.
Die Sturheit schien in dieser Familie womöglich sogar erblich bedingt und woher dieser unbändige Wille kam, niemals aufzugeben, sondern dann erst recht den Kopf gegen die Wand zu rammen, wusste Maggie nicht, doch jemanden wie Mary in ihrer Nähe zu haben, tat ihr unerwartet gut.
Im umgebauten Schulbus lag eine Straßenkarte und glücklicherweise kannte Maggie als Jennas Stellvertreterin sämtliche Evakuierungspunkte, die nur Ratsmitgliedern und der Kriegsstrategin bekannt waren, damit niemand etwas ausplauderte, sollte er in die Hände von fremden Menschen geraten – Jenna Walker war dahingehend paranoid gewesen.
„Hier sollte der Bus hinfahren“, atmete Maggie tief durch, erhob sich von ihrem Sitz, wischte sich ihre Tränen am Ärmel ihres Sweatshirts ab und kehrte mit Mary zu Sasha und Bob zurück, „wir sind hier und das Ziel liegt noch ein paar Meilen entfernt. Ich war dabei, als der Gefängnisrat diesem Rückzugsort zugestimmt hat.“
„Das sind knapp zehn Meilen“, stöhnte Sasha, die einen derart langen Fußmarsch nicht zwingend bevorzugte, doch weit und breit war kein fahrbarer Untersatz zu sehen und die einzelnen ausgeschlachteten Autowracks halfen ihnen nicht weiter.
„Dann sollten wir bis zum Einbruch der Dunkelheit zumindest die Hälfte davon schaffen“, entschied Maggie mit neu entfachtem Kampfgeist, „wir haben hier auch einige Nahrungsverstecke für Notfälle auf der Route angelegt, sollte ein längerer Marsch notwendig sein.“

Mary schüttelte angesichts der Diskussion den Kopf, schulterte ihren Bogen und marschierte los – Erwachsene waren manchmal wirklich anstrengend.
„Halt! Zusammenbleiben!“, rief Bob, ehe er mit Sasha und Maggie der jungen ungestümen Walker nachsetzte und soeben ein Teenager ihnen den Weg vorgegeben hatte.
„Ich will meinen kleinen Bruder, meine große Schwester, Glenn und Keith finden“, knurrte Mary inbrünstig, „das schaffe ich nicht, wenn ihr andauernd über alles diskutieren müsst.
„Wo sie Recht hat“, meinte Bob anerkennend, „hat sie Recht. Trotzdem müssen wir zusammen bleiben, weil wir nur gemeinsam stark sind.“

Bei Einbruch der Dämmerung schlugen sie ihr Lager in einem alten Bahnhofgebäudes auf, welches früher wohl einmal einer der zahlreichen Güterbahnhöfe auf der Strecke nach Woodbury gewesen war.
Das Nahrungsversteck im Bahnhof hatte Maggie rasch ausgemacht, den Plastikbeutel ausgegraben und nun labten sie sich an eingelegten Pfirsichen, was in Sasha jedoch wenig Begeisterung hervorrief – sie hatte eindeutig zu viele davon essen müssen.
Anschließend teilten sie die Wachen ein, wobei Mary und Maggie die zweite Schicht übernahmen und Sasha und Bob nach einigen Stunden ablösten.
Die Grillen zirpten in dieser Nacht leise, was generell ein gutes Zeichen war, da Tiere sich selten in der Nähe von Beißern aufhielten und Stille niemals etwas Gutes bedeutete.
„Danke, Mary, dass du mir das Leben gerettet hast“, bedankte Maggie sich leise und erhielt ein strahlendes Lächeln als Antwort: „So macht man das doch unter Freunden, oder? Man passt aufeinander auf und beschützt einander.“
„Es tut mir leid, dass ich nicht gewartet und dich einfach vom Gefängnis weggezerrt habe“, entschuldigte Maggie sich, „du hast nach deiner Familie Ausschau gehalten. Ich hatte…“
„Vielleicht wäre ich nun auch tot“, unterbrach Mary sie abrupt, „und das wäre noch schlimmer als von ihnen getrennt zu sein, weil ich das eher gewohnt bin. Jenna wird mich finden, schließlich hat sie beim letzten Mal ganz Georgia nach uns durchkämmt.“

Von dieser Suche hatten sie erst erfahren, als es längst zu spät gewesen war und die wenigen Menschen, die darüber Bescheid gewusst hatten, hatten nichts darüber verraten.
„Ich hätte ihr nie eine Familie zugetraut“, gestand Maggie ihr und Mary presste ihre Lippen aufeinander, weil sie diesen Satz hinter vorgehaltener Hand schon häufig gehört und sie viele gefragt hatten, ob sie von ihrer großen Schwester auch gut behandelt wurde.
„Wäre Jenna nicht gewesen, wären Paul und ich in staatliche Kinderheime gewandert und dort oder bei Pflegeeltern aufgewachsen“, versuchte Mary die Vorbehalte gegen ihre ältere Schwester zu zerstreuen, „ihre Erziehung war streng, aber ich habe es ihr auch oft genug nicht leicht gemacht und ganz das trotzige Kind gegeben. Irgendwann nach ihrer Grundausbildung habe ich mich nachts einmal heimlich aus dem Bett gestohlen und sie für eine ihrer Klausuren am College lernen sehen, damit sie bei der Army in die höheren Soldstufen rücken konnte, und irgendwie für mich beschlossen, ihr mehr mit Paul zu helfen. Für sie kommen Paul und ich immer an erster Stelle.“

Dieses Bild von Jenna Walker passte nicht zwingend zu der unterkühlten Blondine, die ohne jegliche Gefühlsregung Menschen tötete und gegenüber den meisten eine stark distanzierte Haltung einnahm, doch es gehörte zu der Seite, die Maggie seit der Ankunft von Jennas Familie stärker wahrgenommen hatte. Man brauchte kein Intelligenzbolzen zu sein, um zu sehen, dass die blonde Soldatin ihre Geschwister mehr als alles andere auf der Welt liebte.
Mary erhob sich von ihrem Posten, blickte in die Morgendämmerung und legte eine Sehne in ihren Bogen ein.
„Ich muss mal“, verkündete sie Maggie, die darüber sogar lachen musste, weil Mary am Vorabend eine ganze Wasserflasche leergetrunken hatte.
Die blonde Teenagerin verschwand hinter einem Gebüsch und Maggie studierte die Straßenkarte eingehend. Wenn sie heute die restlichen fünf Meilen liefen, erreichten sie die Stelle gegen Mittag und vielleicht warteten dort schon ein paar der anderen und vor allem Glenn auf sie.

Glenn würde nur dorthin gehen, wo es sicher war.

Ein eigenartiges Gefühl machte sich in Maggies Nacken breit und sie blickte sich nach Mary um, die nun schon eine Zeit lang verschwunden war und so lange brauchte niemand für einen kurzen Exkurs ins Gebüsch, um Wasser zu lassen.
Maggie erhob sich von ihrem Posten, ließ ihr Messer aufspringen und plötzlich hörte sie einen ohrenbetäubenden Hilfeschrei.
Sofort eilte Maggie in die Richtung, aus welcher der Schrei gekommen war, suchte in dem Gebüsch hektisch nach Hinweisen über Marys Verbleib, doch der Laubboden war aufgewühlt und ein weiterer Schrei kam von der Straße hinter dem Bahnhofsgebäude. Sie sprintete los, erreichte die Vorderseite des Gebäudes und konnte nur noch einem schwarzen Wagen mit einem weißen Kreuz dabei zu sehen, wie er am Horizont verschwand.
Irgendjemand hatte Mary gekidnappt.
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