The Walking Dead - Carpe Diem

von Nayfe
GeschichteAbenteuer, Horror / P16
Carol Peletier Daryl Dixon Glenn Rhee Maggie Greene Rick Grimes
20.03.2015
17.06.2019
104
622950
75
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Dieses Kapitel
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Hallo meine lieben Leser,

vielen lieben Dank an Knopperschen für das Review zur Geschichte!
Freue mich, dass diese Geschichte für euch spannend ist und ihr sie gerne weiter verfolgt.
Ich hoffe, ihr hattet alle ein paar schöne Festtage im vergangenen Jahr und seid gut in das neue auch gestartet und wenn nicht, dann hoffe ich, dass sich die Stolpersteine beseitigen lassen ;)

In diesem Jahr darf ich mich auch bereits über 74!!!! Empfehlungen und 203 Favoriteneinträge freuen!
Es ist zudem das 100. Kapitel und ein Art Jubiläum!
Desweiteren wurde bereits über 60.000 Mal auf diese Geschichte zugegriffen!
Ihr macht mich fertig und seid unglaublich!!!
VIELEN LIEBEN DANK!!!!

Zu diesem Kapitel:
Hier kommt wieder die Handlung der Serie stärker zum Tragen, jedoch beeinflusst durch meine eigenen Handlungsstränge.
Das Gefängnis ist gefallen und alle Bewohner mussten flüchten, um nicht nur neue Kampfstärke zu erlangen, denn der Plan ist nicht reibungslos verlaufen und sie wurden in einzelne Gruppen verstreut.
Rick und sein Sohn Carl haben nach all den Vorkommnissen Schwierigkeiten, miteinander auszukommen, obgleich sie denselben Plan verfolgen, nur unterschiedliche Wege für richtig halten.
Carl sieht in seinem Vater nach dem Verlust der kleinen Judith sein einziges noch lebendes Familienmitglied, das er sehr liebt, aber er für sich beansprucht, nicht mehr von ihm wie ein Kind behandelt zu werden und eigene Wege gehen möchte.
Rick hingegen sucht nach einer Lösung für die Situation und möchte seinen Sohn auf Biegen und Brechen beschützen.
Sie wissen nicht, wo die anderen sind und ob jemand die ausgebrochene Panik wegen der Panzer überlebt hat.
Doch nun viel Spaß beim Lesen!

Eure Nayfe ;)
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Rick und Carl Grimes
(Irgendwo abseits des Highway 85)

Carl schritt mürrisch vorwärts, während sein Vater ihm hinterherhumpelte.
„Carl“, rief Rick seinem Sohn von hinten zu, „nicht so schnell!“
Doch Carl kümmerten die Belange seines Vaters nicht, weshalb er einfach weiterging und sein Vater ihm schon folgen würde – machte er doch sowieso.
„Carl! Warte!“, schrie Rick eindringlicher, sodass Carl sich zum Halten gezwungen sah, „wir müssen zusammenbleiben und etwas zum Übernachten finden! Hey, das wird schon.“

Die Hand seines Vaters auf der Schulter missfiel Carl, der seinen Vater abschätzig anblickte und es reines Glück war, dass er diesen Zweikampf mit dem Gouverneur überlebt hatte.
Während die eine Hälfte des Gefängnisses sich mit den Panzern und Angreifern beschäftigt hatte, war es allein an Rick gewesen, sich dem Gouverneur entgegen zu stellen und das hatte für beide Seiten nicht gut geendet.
Ricks Verletzungen im Gesicht und seine Schusswunde am Bein machten ihn langsam und Carl hatte gelernt, dass so jemand nicht überlebte.
Er schüttelte die Hand seines Vaters ab und ging zügig weiter, während Rick weiterhin seinem Sohn hinterher humpelte.
Am Ende der Straße gelangten sie an ein altes Diner, welches sie bereits vor Monaten auf Vorräte überprüft hatten, doch leer ausgegangen waren.
Rick stellte sich an die Tür und wies Carl an, draußen aufzupassen, doch sein Sohn weigerte sich.

„Nein, du gehst da nicht allein rein“, widersprach Carl seinem Vater, „du kannst schon fast nicht mehr alleine stehen. Zudem haben wir das schon öfter gemacht, erinnerst du dich? Ich werde dir dabei helfen. Wir holen die Sachen zusammen raus.“
Der Blick seines Sohnes gefiel Rick nicht trug jedoch dazu bei, dass er seinen anfänglichen Widerstand gegen dessen Vorschlag aufgab und sie gemeinsam das Diner durchsuchten, welches wohl früher oft genug von Truckern und Bikern besucht worden war.
Ein Beißer verkündete durch lautstarkes atonales Ächzen seine Anwesenheit und seinen Hunger nach Frischfleisch, Carl ging in Position und erhob seine Waffe.
„Ich erledige ihn“, entschied Carl, doch Rick hielt seinen Sohn zurück: „Nein, der ist ziemlich fertig. Wir locken ihn heraus.“
Rick griff nach einer Axt, die neben einem Zettel mit der Bitte lag, diesen Beißer zu erledigen – der Sohn des Besitzers hatte seinen Vater nicht töten können.

„Tut, was ich nicht tun konnte“.

Carl willigte in den Plan seines Vaters ein, hielt die Waffe dennoch schussbereit in Kopfhöhe des Beißers, Rick zog die Bestuhlung zurück, der Beißer ging auf ihn zu, Rick schlug mit der Axt in seinen Schädel, doch der Beißer war zu groß und zu stark, um davon beeindruckt zu sein und einfach zu Boden zu gehen.
„Nicht schießen!“, rief Rick seinem Sohn zu, doch Carl feuerte einfach einen Schuss ab und traf.
„Du hast es mit der Axt nicht geschafft! Ich habe ihn erschossen!“, erklärte Carl sein Verhalten, doch Rick schüttelte den Kopf: „Ich hatte ihn! Du weißt, jede Kugel zählt und vielleicht hättest du sie später noch gebraucht! Schau, was du findest und dann schnell weg hier!“
Sie durchsuchten die Küche und die Vorratskammern, entdeckten noch ein paar kleine Wasserflaschen und etwas Nahrung, wobei Carl das meiste davon erbeutete – diese Wette hatte er gewonnen.

Vom Diner aus liefen sie weiter an Bahnschienen entlang, Carl ging rücksichtlos voraus, während er seinen Vater weiter hinterher humpeln ließ, ohne sich großartig um ihn zu kümmern.
Nach einer Weile gelangten sie an ein weißes Holzhaus mit Veranda und ehemals einladendem Vorgarten, der nun verwildert daherkam, doch das Haus war dafür in einem noch relativ guten Zustand – sie hatten schon verfallenere gesehen.
Rick entschied, die Nacht dort drinnen zu verbringen, Carl folgte seinem Vater und sie kontrollierten das Haus, wobei Rick seinen Sohn zur Wachsamkeit ermahnte: „Carl, warte!“
„Hey, du Arschloch!“, schrie Carl darauf hin durch das ganze Haus und schlug gegen die Wände, „komm raus! Wir sind hier!“
„Pass auf, was du sagst!“, maßregelte Rick seinen Sohn das erste Mal, doch bekam nur einen verächtlichen Blick seines Sohnes als Antwort.
„Willst du mich verarschen?“, schnaubte Carl bissig, „wenn da unten einer wäre, dann wäre er längst hier!“ Er ließ seien Vater einfach stehen, der weitere Räume inklusive des Kühlschranks kontrollierte, während Carl sich in den oberen Stockwerken umsah und beide niemanden vorfanden – alles sicher.
Für die Nacht sicherten sie sämtliche Türen und Fenster, Rick schob vor die Eingangstür noch das schwere Sofa, was Carl für überflüssig hielt und darüber eine kurz hitzige Diskussion entbrannte, bevor sie das Sofa doch vor die Tür schoben und Rick kurz hinsetzte, um in ihrer Beute nach Essen zu suchen.
Er holte eine Tüte heraus und las die Aufschrift, bevor er sie Carl gab, damit er etwas essen konnte.

„Ich habe kein Appetit“, lehnte Carl das Angebot seines Vaters ab, doch Rick gab nicht auf, ging zu seinem Sohn und reichte ihm mit elterlicher Fürsorge die Tüte.
„Ich will aber nichts!“, knurrte Carl mürrisch, doch so leicht ließ sich Rick nicht abweisen und befahl seinem Sohn, zu essen, doch Carl rührte die Verpackung nicht an, was Rick nicht bemerkte, da er nun in das Badezimmer ging, um seine Wunden zu begutachten.
Er hatte mindestens zwei gebrochene Rippen, die Schusswunde an seinem Bein sah auch nicht besonders gut aus und sein Gesicht war auch einmal hübscher gewesen – das Veilchen erblühte in voller Pracht.
Mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln säuberte und versorgte Rick seine Wunden notdürftig, ehe er sich auf das Sofa zum Schlafen legte.


Am nächsten Morgen erwachte Carl noch vor seinem Vater, verdrehte kurz die Augen, ehe er sich die Verpackung mit Cornflakes aus seinem Vorratsbeutel zog, sich eine Müslischale aus der Küche nahm und frühstückte.
Es fehlte Milch, doch immerhin gab es etwas Essbares und in den oberen Räumen fand er in einem der Kinderzimmer noch Comics, die er lesen konnte, solange sein Vater unten auf dem Sofa lag und fast in einen komatösen Schlaf gefallen war.
Als Carl versuchte, ihn zu wecken, damit Rick ebenfalls etwas essen konnte, reagierte sein Vater weder auf Schütteln noch Treten oder auf seine laute Stimme.
„Dad! Wach auf!“, schrie Carl seinen Vater an und rüttelte heftig an ihm, doch Rick schlief tief und fest und rührte sich nicht.
Seine Brust hob und senkte sich, was Carl die Befürchtung nahm, sein Vater könnte tot sein, doch plötzlich schlug jemand gegen die Eingangstür hinter dem Sofa, Carl schreckte hoch und als er das vertraute atonale Krächzen der Beißer hörte, wollte er unbedingt nachsehen und sie notfalls beseitigen.
Er schlich zur Hintertür ins Freie, anschließend zur Vordertür, wo zwei Beißer ächzend nach Einlass verlangten und Carl sich dazu entschloss, beide nicht direkt zu erschießen, sondern von der Tür wegzulocken – dieses Mal hörte er auf seinen Vater. Kugeln waren doch kostbar.

„Hey, ihr!“, rief Carl den Beißern zu, „Frischfleisch! Kommt und holt es euch!“  
Er ließ das Fluchen sein, obgleich er bereits oft genug miterlebt hatte, wenn Jenna die Beißer – ihre sogenannten Mistdinger – fast schon liebevoll mit „Arschgeigen“ bezeichnete.
Sie folgten Carl prompt, schwankten hinter ihm her als hätten sie zu tief in ein Bierglas geschaut, er lockte sie weit vom Haus weg und die Straße herunter und ging dabei rückwärts, um sie im Auge zu behalten.
Allerdings konnte Carl auf diese Weise nicht sehen, was hinter der nächsten Ecke auf ihn wartete – ein weiterer Beißer.
Der Beißer ergriff ihn von hinten, Carl drehte ihn mit der ganzen Kraft herum, rutschte jedoch auf dem Boden aus, fiel rücklings auf den Boden und die Beißer freuten sich bereits über die leckere Zwischenmahlzeit.
Panisch feuerte Carl einen Schuss auf den ersten Beißer ab und traf, doch der leblose, verfaulte Körper fiel nach vorne direkt auf ihn drauf.
Der Körper wog schwer und Carl bekam ihn nicht von sich herunter, dann griffen die anderen beiden an, Carl schoss erneut und binnen Sekunden hatte er ganze drei leblose, nach Verwesung stinkende Beißer auf sich liegen.
Im Kopf des ersten Beißers waren bereits Maden als neue Mitbewohner eingezogen und Carl übergab sich angesichts dieser Tatsache sofort – das war dann doch zu viel des Guten.
Er strampelte sich frei, kam auf die Füße und besah sich trotz allem sein Werk – eine verdammt coole Sache.

Das hatte er ganz alleine geschafft!

Carl ging zurück zur Straße, kam an einem weiteren Haus vorbei und beschloss, darin einmal nachzusehen, ob die Vorbesitzer etwas darin zurückgelassen hatten – konnte nie schaden.
Mutig rannte er gegen die Tür, um sie so aufzustemmen wie sein Vater und die anderen das immer machten, doch die Tür war stärker – die Haustür gewann und Carl verlor.
Der Teenager schüttelte sich, dann nahm er eine Eisenstange, mit welcher er die Tür aufhebeln konnte und trat ein.
Drinnen war alles ruhig und wie immer verlassen.
Fast schon etwas zu sorglos durchsuchte Carl sämtliche Räume, fand ein paar Dinge, die er in einen gefundenen Beutel steckte, und gelangte schließlich im oberen Stockwerk an eine Tür, die er öffnete – ein großer Fehler.
Blitzartig stürzte ein Beißer heraus, Carl erschrak, wich zurück, schoss mehrmals auf den Beißer, doch traf dieses Mal nicht und verschwendete seine letzten Kugeln – keine Munition mehr.
Er trat gegen dessen Kopf, kämpfte sich aus dem Griff frei, floh in den Raum, in welchem der Beißer zuvor noch gehaust hatte, fand dort jedoch keinen Ausweg, daher stürzte er wieder an dem Beißer vorbei, der seinen Schuh festhielt und Carl ihn opferte, um zu entkommen.
Eilig schloss er die Tür wieder zu, schob etwas Schweres davor und triumphierte über den Beißer, weil dieser zwar seinen Schuh, aber nicht ihn bekommen hatte.
Gegen Abend kehrte Carl wieder zu seinem Vater zurück, der immer noch auf dem Sofa schlief und sich seither auch keinen Schritt gerührt zu haben schien.
Er setzte sich an das Sofa zu seinem Vater, um wenigstens ein bisschen Wache zu halten, doch nach den aufregenden Ereignissen war er müde und sein Kopf sackte irgendwann schwer auf seine Brust und er schlief ein. Mitten in der Nacht riss ihn etwas aus dem Schlaf, Carl schreckte hoch, griff nach seiner Waffe und bemerkte, dass sein Vater sich bewegte und dabei stark röchelte, wenn nicht sogar ächzte wie ein Beißer.

War er ein Beißer?

Panisch rutschte Carl von seinem Vater weg, richtete die Waffe auf ihn, wollte schießen, doch ihm stiegen die Tränen in die Augen, weil ihm bewusst wurde, dass er zwar alles konnte, nur das nicht – seinen eigenen Vater töten.

Er hatte doch seine Mutter getötet!
Jetzt fiel es ihm bei seinem Vater plötzlich so schwer?

„Ich kann es nicht!“, gestand Carl sich weinend ein, „nun, bring es schon zu Ende!“
Carl gab jeglichen Widerstand auf, sah sein Ende kommen, doch dann sprach der Beißer zu ihm: „Carl! Geh nicht dort raus! Bleib in Sicherheit!“
Erleichtert atmete Carl auf, denn sein Vater war nicht tot und schon gar nicht von den Toten wiederauferstanden.
Schluchzend nahm er den Kopf seines Vaters, strich über dessen Stirn und die Tränen der Erleichterung und Angst versiegten nicht.
„Ich habe Angst“, gestand Carl sich weiter ein, legte seine Stirn gegen Ricks und sagte dieselben Worte immer wieder.

Es gab nur noch seinen Dad und ihn.

Seine kleine Schwester Judith war auf einem der Evakuierungswagen gewesen, die sie finden mussten, doch dafür war sein Vater noch zu schwach und Carl wagte es nicht, aus dem Umkreis dieses Hauses zu verschwinden, um nach ihr und den anderen zu suchen.

Er brauchte seinen Vater!

In seinen Augen waren Mary und Paul Walker immer töricht gewesen, weil sie beständig den Worten von Keith Richardson und ihrer großen Schwester gefolgt waren, doch sie hatten immerhin noch gleichsam zwei Menschen, die auf sie aufpassten – er hatte nur noch seinen Vater.

Vielleicht beneidete Carl sie auch um diese Tatsache.


Nach zwei weiteren Tagen ging es Rick etwas besser, doch noch immer schmerzten seine Rippen und demzufolge waren sie wirklich gebrochen – das würde noch lange verheilen müssen.
Carl kümmerte sich um seinen Vater, brachte ihm Wasser und Nahrung, damit er wieder zu Kräften kam und setzte sich neben ihn, als Rick eine Schale mit Cornflakes zu sich nahm.
„Du solltest nicht alleine dort rausgehen, Carl“, riet Rick seinem Sohn zwischen zwei Löffeln, „nicht ohne Rückendeckung. Das ist gefährlich.“
„Ich war vorsichtig und habe noch mehr Nahrungsmittel gefunden“, erwiderte Carl selbstsicher, jedoch nicht mehr so kratzbürstig wie vorher.
„Ein Glück, dass du noch Essen gefunden hast“, nickte Rick zustimmend, wenn ihm die Tatsache auch nicht gefiel, dass Carl mehrmals alleine dort hinausgegangen war.
„Ich habe sogar noch mehr gefunden“, gestand Carl seinem Vater etwas verlegen, „aber ich habe es aufgegessen. Es waren drei Kilo Pudding.“

Rick lachte leise, weil sein Sohn schon immer Süßes gemocht hatte und in dieser Welt es definitiv an Schokolade fehlte.
Wo auch immer Caesar Martinez die Leckereien und Süßigkeiten für Mary und Paul aufgetrieben hatte, hatte Rick niemals herausgefunden.
Die beiden Geschwisterkinder hatten ihre Ausbeute jedoch meistens mit den anderen Kindern geteilt und nur wenig für sich selbst behalten.
Er hätte Jenna niemals zugetraut, dass sie ihren Geschwistern beigebracht hatte, dass man Dinge auch teilen konnte.

Die Walkers waren schon eine seltsame und eigentümliche Familie.

„Es wird wahrscheinlich nicht mehr so werden wie es früher einmal war“, wechselte Rick das Thema und wurde ernster, „ich hatte mich für dich und Judith daran geklammert. Jetzt ist sie nicht mehr in unserer Nähe und ich habe noch nicht genug Kraft, um sie zu suchen. Jennas Plan war gut und er hat bestimmt viele Leben gerettet, aber dafür sind wir nun alle verstreut und ich weiß nicht, wie viele überlebt haben oder ob überhaupt noch jemand da ist. Und du, du bist nun ein Mann, Carl. Es tut mir leid, ich habe mich geirrt.“
„Das muss es aber nicht“, meinte Carl und schlug einen versöhnlichen Ton an.
Er hatte nur noch seinen Vater und er wollte sich nicht mit ihm streiten.



Michonne
(Irgendwo abseits des Highway 85)

Unterdessen schlich Michonne wie ein Panther durch das Unterholz im Wald und fluchte über den Ausgang und den Plan, der eine ganze Gruppe auseinandergerissen hatte.
Sie waren alle irgendwo und nirgends.
Zwei der Evakuierungspunkte waren verlassen gewesen und einige der Wagen erst gar nicht dort angekommen.
Verschollen.
Was auch immer ihnen zugestoßen war, hatte sie daran gehindert, sich an dieser Stelle zu versammeln. Womöglich hatten sie überlebt, doch Michonne war schon lange keine Vertreterin des Optimismus mehr, um daran auch nur einen Funken Hoffnung zu verschwenden.
Die meisten von ihnen waren tot und zu Beißern mutiert – so wie es mit jedem passierte.so wie es mit jedem passierte.
Sie war wieder alleine unterwegs und spürte, dass ihr das nicht gut bekam.

Eigentlich war sie bisher davon ausgegangen, alleine besser zurecht zu kommen, doch sie merkte, dass sie zu lange in der Gegenwart von anderen Menschen verbracht hatte.
Keith, Caesar Martinez, Andrea, Rick, Carl, Mary und Paul.
All diese Menschen hatten etwas in ihr wachgerüttelt und sie sich unweigerlich auch für sie verantwortlich gefühlt, selbst wenn sie die meiste Zeit mit den Suchtrupps von Woodbury unterwegs gewesen war.
Doch auch dort war sie unter Menschen gewesen, wenn nicht sogar Verbündeten und auch Freunden.
Die Stille um sie herum zeigte ihr, dass sie das Alleinsein plötzlich nicht mehr so schätzte wie nach dem Tod ihres kleinen Sohnes André und ihres Mannes Mike und dessen Kumpel Terry.
In der Gegenwart der anderen waren ihre Halluzinationen und Alpträume von dem Verlust dieser Menschen weit weg gewesen, doch in der Stille dieser Einsamkeit kehrten sie mit voller Macht zurück.
Wesentlich stärker als zuvor.
In ihrem Kopf war alles so laut und kein einziger Gedanke dort ergab einen Sinn.
Sie hatte begonnen, über das Nachdenken nachzudenken und verlor sich langsam in den Details der Stille und des Nirgendwo.
Immer wieder schreckte sie nachts aus Alpträumen hoch und musste sich jedes Mal dazu zwingen, erneut einzuschlafen, weil sie die Stille ihrer Traumwelt umso mehr fürchtete.
Früher war ihr diese Einsamkeit des Alleinseins nie aufgefallen oder sogar schwer gefallen, doch seit Woodbury und dem Gefängnis und all den Menschen dort, war die Stille die reinste Qual und Folter.

In den ersten Tagen hatte sie sich erneut zwei Beißer an die Leine gespannt, doch irgendwie hatte sich dieses Leben anders angefühlt.
Sie hatte geglaubt, wieder auf diese Weise neuanzufangen und ganz alleine zu überleben, weil es schon einmal funktioniert hatte, doch diese Rechnung hatte sie ohne ihre Träume gemacht.
Andrea.
Ihre Freundin war in ihren Träumen aufgetaucht, hatte mit ihr gesprochen und sie hatte ihr Lachen gehört, woraufhin Michonne aus diesem Traum hochgeschreckt war.
Sie vermisste Andrea schrecklich.
Damals hatte sie diese schwätzerische Blondine als Last empfunden, doch unbewusst war ihr diese Gesellschaft sogar recht geworden – nicht mehr alleine.
Der Gouverneur hatte Andrea getötet und sie war in ihrem Armen gestorben.
Für diese Tat hatte sie ihm grausame Rache geschworen, doch beim Kampf gegen den Gouverneur vor wenigen Tagen hatten Beißer ihr auch diese Chance genommen.
Es gab Nichts mehr für Michonne, das ihre Rache schüren konnte oder forderte.

In ihr machte sich eine tiefe Leere breit und sie spürte diese grausame Einsamkeit.
In ihrem früheren Leben war sie nie eine Einzelgängerin gewesen, doch hier draußen herrschten andere Verhältnisse und sie traute anderen Menschen nicht über den Weg.
So auch damals Keith, als er mit Caesar Martinez in ihrer vorübergehenden Behausung gestanden und sie inständig angefleht hatte, Andrea wegen ihrer Erkältung nach Woodbury bringen zu dürfen, damit sie überlebte.
Michonne hatte überlegt, diese zwei Männer direkt zu töten, doch Keith hatte mit Engelszungen auf sie eingeredet und sie letztendlich widerwillig von der Notwendigkeit dieser Angelegenheit überzeugt, indem er ihr ein Foto von seiner Familie gezeigt hatte. Zwei Kinder – ein Junge und ein Mädchen.
Michonne hatte Keith die Chance gewährt, sich ihr zu beweisen und zu keinem Zeitpunkt war er eine Enttäuschung gewesen oder hatte ihr Vertrauen missbraucht.
Mary und Paul hatten ihr zudem gezeigt, dass sie bestimmte Dinge nicht für alle Ewigkeit aus ihrem Leben aussperren konnte und sich von den Kindern in einer Weise trösten lassen, die ihr gutgetan hatte.
Mit ihrer Verbannung aus Woodbury war sie dem Gefängnisbewohnern und somit Carl und Rick begegnet und war irgendwann dieser Gruppe gleichsam beigetreten.
Nach dem Kampf und dem Verschwinden des Gouverneurs hatte sie sich den Suchtrupps angeschlossen, um ihre Rachegelüste zu befriedigen und Andreas Mörder seine gerechte Strafe erfahren zu lassen.
Caesar Martinez Vorstellung von einem aufgespießten Kopf des Gouverneurs war für sie angemessen genug gewesen.

Sie hätte sich zudem auch gerne als Henker zur Verfügung gestellt.

All das war jedoch nun vorbei und niemand mehr da, den sie kannte.
Sie hatte an vorderster Front mitgekämpft und zugesehen, wie der Plan gleichzeitig aufgegangen und gescheitert war – die Panzer waren zu übermächtig gewesen.
Jenna Walker hatte gute Arbeit geleistet, aber auch sie war gegen Panzer machtlos gewesen.

Ob es überhaupt jemand geschafft hatte?

Bei ihrer Flucht hatte sie jeden aus den Augen verloren, alle waren ins sämtliche Richtungen geflohen und das Chaos hatte es nicht besser gemacht.
Die ausgebrochene Panik war das Problem in Jenna Walkers Plan gewesen, obgleich sie nur den Gouverneur hätten beschäftigen und nicht besiegen sollen.
Eine Neuformierung mit Woodbury und einem anschließenden erneuten Feldzug gegen den Gouverneur hätte ihrer Meinung nach auch funktioniert.
Leider war es nicht dazu gekommen.

Nach einer Nacht in einem Autowrack spazierte Michonne weiter, gelangte an ein altes, verkommenes Diner, vor welchem ein paar verlassene und verwitterte Motorräder standen, die bereits von Plünderern an Ersatzteilen erleichtert worden waren und sah sich um.
Auf dem Boden im Diner lag ein toter Beißer, doch ansonsten war hier nichts mehr zu finden, weshalb sie diesen Ort rasch wieder verließ.
Allerdings ermahnte sie sich zur Wachsamkeit, denn ein Beißer fiel nicht einfach so von heute auf morgen tot um oder schlug sich selbst den Schädel ein.
Das hätte mit Sicherheit einige Probleme in dieser Welt gelöst, doch leider taten sie Michonne nicht diesen Gefallen und ihr Katana musste die Arbeit erledigen.
Der Weg führte sie weiter zu einer kleinen Ansiedlung und selbstredend war alles dort verlassen.
Staubige, verkommene Einöde soweit ihren Augen sehen konnten.
Hier lebte nichts mehr und die Stille war erdrückend.
Vielleicht konnte sie hier etwas Essbares finden und zum nächsten Evakuierungspunkt diesseits der Bahngleise weiterziehen. Womöglich war dort jemand angekommen.

Sie war keine Optimistin mehr, doch dieser Gedanke ließ ihre Füße unerwartet weiterlaufen.
Bei einem der weißen Holzhäuser mit prächtiger Veranda und verwittertem Vorgarten hielt sie an, griff mit der Hand an ihr Katana, schlich die Stufen zum Fenster empor und lugte hinein.
Vor Schreck und Erleichterung ließ sie ihr Katana los, welches in die Schwertscheide zurücksackte und sie ihren Augen kaum traute.
Dort saßen Rick und Carl auf dem Boden und lachten!

Sie hatten dieses Chaos überlebt!

Freude und Glück konnte Michonne in sich fühlen und ließ es zu, dass ihre Tränen sie übermannten, denn daran hatte sie irgendwie nicht mehr geglaubt.
Sie war nicht mehr alleine!
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