The Walking Dead - Carpe Diem

von Nayfe
GeschichteAbenteuer, Horror / P16
Carol Peletier Daryl Dixon Glenn Rhee Maggie Greene Rick Grimes
20.03.2015
11.11.2019
111
662258
81
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Dieses Kapitel
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Hallo liebe Leser :D
Dies ist meine erste FF im TWD-Fandom und ich hoffe, ich bekomme es so hin, wie es meiner Vorstellung entspricht.
Dass ich diese Geschichte überhaupt schreibe bzw. poste, verdanke ich RikkuWinchester! Sie ist selbst eine gute Schreiberin und ihr solltet ihre Geschichte "Somewhere I belong" http://www.fanfiktion.de/s/54c6a7f300032d8332656dbe/1/The-Walking-Dead-Somewhere-I-belong ebenfalls einmal lesen! Sehr zu empfehlen!
Ich beginne ab Staffel 1 und werde mich größtenteils an die Story von TWD halten, aber es werden sich auch Teile verändern, weil ein OC (Jenna M. Walker) hinzukommt. Einige Zitate bzw. Szenen werden euch vielleicht bekannt vorkommen, andere habe ich freier interpretiert und hoffe, die Figuren gut erfasst zu haben.

UPDATE:
In puncto Pairing habe ich mich mittlerweile entschieden, aber seid nachsichtig mit mir, denn es wird noch ein bisschen dauern, weil ich eben gerne Personen aufbaue und den Kerninhalt von TWD darstellen möchte.

Disclaimer: Die Figuren in dieser Geschichte gehören nicht mir, sondern den Zeichnern, Schreibern und Produzenten von The Walking Dead und ich möchte damit auch kein Geld verdienen. Diese Geschichte dient allein der kostenlosen Unterhaltung meiner Leser auf Fanfiktion.de

Das Copyright meiner eigenen Charaktere obliegt allein mir.
Wer sich bedient, wird sich mit mir und dem Support auseinandersetzen müssen.
Zudem unterstehen diese Ideen einer Creative Common Lizenz CC BY NC SA, sodass im Falle einer Urheberrechtsverletzung bezüglich dieser Ideen mindestens eine Erwähnung von meiner Geschichte und meiner Person erfolgen muss.
http://de.creativecommons.org/was-ist-cc/

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UPDATE
Stimmen der Leser zu TWD-Carpe Diem:

- Meiner Meinung nach, sollte jeder TWD-Fan, der hier angemeldet ist, einen Blick auf diese FF werfen, denn ich bin überzeugt davon, dass du hier weiterhin einiges leisten wirst und bin froh, auf die Geschichte gestoßen zu sein! (Oopsy)

- So kenne ich mich gar nicht.
Idee, OC's und alles kann noch so gut sein, wenn der Schreibstil nicht umhaut, klicke ich oft weg, weil das Lesen dann oftmals keinen Spaß macht. Aber deine Geschichte liest sich unglaublich schön und flüssig. Mit deinen Beschreibungen, hab ich alles vor Augen, man kann sich super in deine Hauptfigur hineinversetzen. das finde ich wichtig! (Riiiesenfan)

- Zuerst dachte ich, die Geschichte mit Jenna Walker wäre wieder ein Versuch, einen OC in die The Walking Dead Welt zu katapultieren, ohne dabei Hand und Fuß zu behalten - was man ja öfter in diesem Fandom sieht. Aber siehe da, ich war wirklich positiv überrascht (Chrysalis)

- Ich kann eigentlich nichts mehr sagen. Ich bin einfach nur begeistert von deiner Idee und deinem Schreibstil. Ich kann wirklich sagen, ich finde deine Geschichte echt toll, weil die Idee einfach klasse ist. (Myownhollywood)

- Hallöchen :)
Ich bin begeistert von deiner Geschichte. Du gehst sehr ins Detail, was ich sehr gut finde. (Sakura--Uchiha)

- Deine Story fesselt, obwohl du nicht ununterbrochen nur Action bringst. Du hast die Charaktere super getroffen,
Und man merkt wie viel herzblut du in diese Geschichte steckst!
Hör bloß nicht auf weiter zu schreiben! Ich habe lange keine so gute FF mehr Gelsen!!!! (Chiara23)

- Diese Geschichte hat mich wirklich gefesselt.  Keine "Mary Sue" und vorallem keine riesige Lovestory zwischen Daryl und dem Oc... die bereits nach 2 Minuten feststellen das sie füreinander geschaffen sind! Und im  zweiten Kapitel schon halb verheiratet sind! ^^
Deine Story ist endlich mal etwas realistisches!
Deine Schreibweise ist wirklich super und ich verliere mich in jedem Kapitel! (MissLin)

- ich hatte das ganze Kapitel über ein dickes Grinsen im Gesicht (Bibo)

- Du hast dir deine Geschichte gut überlegt und greifst viele wichtige Punkte auf und bringst neue Konflikte rein (Intellego)

- Ich fand deine Fanfiktion zufällig und mein erster Eindruck war: Wow, das ist mal was anderes. Und ich liebe Jenna. Sie ist ziemlich erfrischend und einfach lustig (Sami Tenshi)

Die Stimmen zur Geschichte sind wichtige Bestandteile von ihr, weil sie mir zeigen, wie sehr ich euch hiermit begeistern kann und können auch als Entscheidungshilfe dienen, sich näher mit TWD- Carpe Diem zu befassen.
Das würde mich freuen.

So, und nun viel Spaß beim Lesen.

Eure Nayfe

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Ein Spezialeinsatz hatte man ihr gesagt, als sie sich vor zwei Tagen am Stützpunkt eingefunden hatte.

Special Forces.

Eigentlich lag das, was sie tun sollten, weit außerhalb ihrer Zuständigkeit, doch ein Soldat kam, wenn man ihm das befahl und machte alles, was man ihm auftrug.
Sie war seit dreizehn Jahren in diesem Job und Trägerin des Silver Star.

Für außerordentliche Dienstleistungen.

Die Army hatte eine nette Umschreibung für ihre sieben Monate in Gefangenschaft und die damit verbundene endlose Folter gefunden und sie mit einer Beförderung in die Einheit der Special Forces für ihre „Loyalität“ belohnt.
Die Welt war ein Machtspiel und für sie würde es nie einen Unterschied geben, ob es noch schlechter werden könnte.
Jedenfalls hatte sie das bisher immer gedacht.

Zwei Tage vorher….



„Walker!“, rief jemand und sofort salutierte sie, als ihr Anführer kam.
Lt. Commander Keith Richardson, ein sehr netter Kerl, doch leider auch hemmungsloser, militärisch bekannter Schürzenjäger.
Seine Beutesammlung war nahezu legendär, doch sie hatte nie dazugehört.
Die Töchter der Offiziere hatten schon in seinem Bett so manche Stunden verbracht und er sollte mehrere Geliebte in verschiedenen Einsatzgebieten haben.
Für sie war das nicht wichtig, doch Klatsch und Tratsch verbreiteten sich in den Lagern schnell, wenn es nichts Interessanteres gab.

„Lt. Commander Richardson“, nickte sie ihm zu und er nickte ihr zu. Ein Zeichen, dass sie ihm folgen sollte – schon wieder.

„Walker, du hast Post bekommen“, begann er das Gespräch und sie blickte ihn verwirrt an. „Dafür kommandierst du mich von meiner Aufgabe ab, die Ausrüstung zu überprüfen?“, widersprach sie ihm, doch Lt. Commander Richardson ermahnte sie nicht.
„Nicht nur deswegen, aber du gehörst zu der Einheit, die morgen Abend in Richtung Atlanta aufbricht. Diese Mission ist bedeutend für die Menschheit“, verkündete er ihr und sie verdrehte die Augen, jedoch so, dass er es nicht sehen konnte.
„Sind sie das nicht irgendwie alle?“, flüsterte sie hörbar.

Lt. Commander Richardson lachte: „Walker, du wurdest meiner Einheit vor drei Jahren zugeteilt und bei nahezu jeden Einsatz darf ich mir irgendeinen Spruch von dir anhören. Ich kann dich nicht suspendieren, weil ich sonst mein Gefahrenradar verliere und du vermutlich die einzig vernünftige Person in meiner Einheit bist. Es ist mir ein Rätsel, wie du jemals mit deiner Art zu den Special Forces gekommen bist, weil du dich stetig mit Worten widersetzt, aber ohne dich würde ich vermutlich untergehen.“
„Du übertreibst, Lt. Commander Richardson“, meinte sie und grinste schelmisch.

Lt. Commander Keith Richardson und Lt. Jenna Walker waren fast seit Anfang ihrer Zeit bei den Special Forces gute Freunde und nicht selten hatte Jenna Walker ihren Lt. Commander aus der Scheiße geholt.

Der Lt. Commander drehte sich zu seiner Soldatin um und reichte ihr den Brief.
„Durchaus nicht, Lt. Jenna Walker, ich bin sogar ganz sicher, dass wir ohne dich in diese Falle getappt wären, daher bin ich im Falle meines Todes beruhigt, wenn du das Kommando übernimmst. Sei froh, dass du mich als deinen Vorgesetzten hast und niemand anderen.“
„Ich bin für eine offene Meinung, wenn mir etwas nicht passt und es heißt doch immer, diese Mission ist bedeutend, jene Mission ist bedeutend…fügen sie noch „für die Menschheit“ hinzu, weißt du, dass es eine Sache wird, die du garantiert hasst. Keith, ich bin seit dreizehn verfluchten Jahren dabei und es wird sich nie etwas ändern. Die Welt nicht und wir nicht“, entgegnete Jenna und Keith Richardson lächelte sie an.

„Du bist sauer, weil man dir deinen Urlaub gestrichen hat, oder? Es tut mir Leid, Jenna, ich musste das tun“, stellte Keith fest.
„Ich bin dir nicht böse, aber ich habe meine Familie seit drei Monaten nicht mehr gesehen und hatte gehofft, meine Urlaub antreten zu können, um Paul und Mary zu sehen“, seufzte Jenna und Keith legte ihr die Hand auf seine Schulter.

Keith bewunderte seine Kollegin für ihren Ehrgeiz und für die Bürden, die sie jeden Tag mit sicher herumtrug.
„Sie werden es verstehen, Jenna. Wie alt sind Paul und Mary jetzt eigentlich?“
„Mary ist zwölf und Paul zehn Jahre alt. Sie geht diesen Sommer schon auf die High School und ich bekomme nicht viel von ihrem Leben mit. Eine tolle große Schwester bin ich“, schnaubte Jenna und erkannte auf dem Briefumschlag die Schrift ihrer kleinen Schwester.
„Mary und Paul können stolz auf dich sein, Jenna. Wer hat denn eine Schwester bei den Special Forces, die sich hier den Arsch aufreißt, damit sie später aufs College gehen können? Hast du noch einmal etwas von deiner Mum gehört?“, fragte er vorsichtig, denn das Thema schnitt er ungerne an.

„Nein, nicht seitdem ich sie entmündigt und in eine psychiatrische Klinik gesteckt habe. Sie brauchte wieder einen Entzug, deswegen wollte ich auch zu Mary und Paul. Alexandra kann nicht ewig auf sie aufpassen…“
Alexandra Michaels war das Kindermädchen, das auf ihre Geschwister aufpasste, während Jenna im Einsatz war und sie nicht bei ihnen sein konnte.
Für Jenna war das keine Regelung auf Dauer, allerdings brauchte sie das Geld, das die U.S Army ihr zahlte, um ihren beiden Geschwistern eine bessere Kindheit und Zukunft zu ermöglichen als sie es selbst gehabt hatte.

„Das stimmt, aber ich kann dich auch nicht in den Urlaub schicken, wenn der Befehl von ganz oben kommt und Jefferson mit Grippe im Bett liegt. Im Grunde genommen kannst du dich bei ihm und seinen Viren bedanken. Mary und Paul leben auf dem Stützpunkt ein gutes Leben und gehen auf eine externe Schule, so wie du es immer für sie gewollt hast. Mit dieser Entscheidung und meinem Einsatz hast du dir das Leben erleichtert, Jenna, und das war nicht falsch.“
„Keith, ich fühle mich deshalb immer noch ein wenig schlecht. In Buford hatten sie ihre Wurzeln und es hat sich nicht viel für uns geändert, doch es ist gut, dass sie auf eine staatliche und keine militärische Schule gehen. Stell dir vor, Paul hat mich als Elternteil für den Berufstag an seiner Schule eingeladen. Seine Klassenlehrerin hat mich angerufen und mir von seinem Aufsatz erzählt, den er über seine Familie schreiben sollte. Ich habe fast angefangen zu weinen, weil er geschrieben hat, dass seine Schwester die beste Mutter, der beste Vater und die beste große Schwester auf der Welt für ihn ist, selbst wenn ich nicht immer da bin. Mary schreibt mir ständig Briefe und so langsam schlägt bei ihr die Pubertät durch und neulich hat sie mir eröffnet, dass sie Medizin studieren möchte. Gott, als ich mich bei der Army für die beiden verpflichtet habe, kam es mir nie in den Sinn, dass ich so lange wegbleiben müsste. Keith, ich möchte nur eine Woche Urlaub. Bitte!“, bat Jenna, klimperte mit den Augen und er lachte.

„Das war nicht falsch, Jenna. Sieh es doch einfach mal aus deiner Sicht. Du wohnst nicht weit von deiner Arbeit weg, es sei denn du bist im Einsatz und Mary und Paul sind für ihr Alter schon recht erwachsen, weil sie eine so tolle große Schwester haben, die sich für sie einsetzt und zur Not bin ich auch noch da.“ „Manchmal habe ich Angst, dass mir etwas passieren könnte, wenn ich im Einsatz bin und sie dann ganz alleine sind. Ach, Gott, ich hätte Steven nicht abservieren sollen“, stöhnte Jenna.
Steven war einer ihrer letzten Exfreunde, doch die Beziehung war kurz nach ihrer Rückkehr aus der Gefangenschaft an Jennas neuer Einstellung zu ihrem Leben gescheitert.
Er hatte es einige Zeit ertragen, doch nicht verstanden, dass sich Jenna trotz allem wieder zum Dienst gemeldet hatte.  

„Steven war ein Idiot, soweit ich weiß. Ich bin besser, Jenna.“
„Ja, klar, du bist ein basisbekannter Schürzenjäger, der unter meinem Dach lebt, weil ihn seine Ex aus der Wohnung geschmissen hat und stetig Angst haben muss, nicht von Ehemännern, Freunden oder Vätern zu Brei verarbeitet zu werden. Alleine die Tatsache, dass ich mit dir befreundet bin und du mein Mitbewohner bist, lässt einigen Spielraum für so manche Spekulationen und sollte eine deiner Eroberungen mir noch einmal versuchen, ihren Standpunkt in Bezug auf dich klar zu machen, werde ich deutlich.“
„Ich werde es mir merken, aber ich meinte das ernst, Jenna. Hast du nie daran gedacht, dass…?“
„Du meinst, ich soll Mary und Paul dem Onkel Keith im Falle meines Todes anvertrauen? Sie mögen dich, aber ich sehe dich nicht als verantwortungsbewussten Menschen, Keith. Bisher hat keine deiner Beziehungen länger als zwei Wochen gehalten und selbst wenn, bist du ihnen dauernt fremdgegangen. Mary und Paul sind eine Lebensaufgabe und keine Sache für eine Nacht, Keith. Ich bin froh, dass du mir mit allem hilfst und ich glaube, Paul sieht in dir eine Art Vaterfigur und Mary mag dich auch sehr, aber…“

„Jenna, ich würde es für dich tun, weil ich weiß, wie viel sie dir bedeuten“, wandte Keith ein und strich Jenna mit seiner Hand über ihre Wange.
„Keith, ich bin mein gesamtes Leben schon für sie verantwortlich…“
„Jenna, ich wohne bei dir und fahre sogar mit dir und deinen Geschwistern in den Urlaub. Du bist die Konstante in meinem Leben und trittst mir immer in den Arsch, wenn ich Scheiße baue und ihr seid fast wie meine eigene Familie. Ich bin dir das schuldig, Jenna, und ich liebe Mary und Paul.“
„Wir schulden dir viel mehr, Keith“, erwiderte Jenna.

Kurz nach ihrer Beförderung hatte Keith durch Zufall von Jennas Engagement für ihre Geschwister erfahren und sich in vielerlei Hinsicht als Freund erwiesen, der sich um seine Leute kümmerte und Jenna kamen durch ihre besondere Situation viel Unterstützung durch ihren Vorgesetzten, was einigen aus der Truppe anfangs übel aufgestoßen war.
Keith hatte sich dafür eingesetzt, dass Jennas Familie auf einen Stützpunkt ziehen konnte und nach einiger Zeit war er fast jeden Abend bei ihnen zu Gast gewesen.
Nachdem Keith von seiner Ex-Verlobten aus der gemeinsamen Wohnung geschmissen worden war, hatte Jenna ihn bei sich aufgenommen. Anfangs war es nur vorübergehend gewesen, doch er mit der Zeit hatten sie nicht mehr über seinen Auszug nachgedacht. Schließlich war das Haus auf der Basis groß genug für eine Familie und mit Keith hatte sich schnell ein solches Gefühl eingestellt.
Mary und Paul liebten ihn.
Jenna vermutete, dass Keith sich oftmals sehr einsam gefühlt hatte, weil die Beziehung damals schon aufgrund seiner zahlreichen Affären gekriselt hatte und als sie ihn damals zum Dank in dieses kleine Haus auf dem Stützpunkt eingeladen hatte, war er danach immer wieder gekommen und hatte begonnen, ihr die Arbeit mit den beiden abzunehmen.
Paul sah zu dem Mann auf und Keith war zu seinem Idol und Vorbild geworden. Mary hingegen hatte ihre Schwester einmal gefragt, wann sie diesen Mann endlich heiratete, doch eine derartige Beziehung strebte Jenna schon lange in ihrem Leben nicht mehr an.

Nicht nach ihrer Gefangenschaft.
Nicht nach all dem.

Keith würde später seinen Kindern ein guter Vater sein, wenn er dann endlich mal eine längere Beziehung hätte, die über seine üblichen zwei Wochen hinauskam.
Er hatte in gewisser Weise Recht, wenn er sagte, dass Jenna die einzige Frau in seinem Leben war, die konstant an seiner Seite blieb.
Was blieb ihr auch anderes übrig?

„Ich werde es mir durch den Kopf gehen lassen, Keith. Gehen wir heute Abend mit Mary und Paul in ein schickes Restaurant essen?“, fragte Jenna und Keith lachte.
„Das kommt immer darauf an, wer zahlt, Jenna.“
„Du natürlich, schließlich hast du mir den Urlaub gestrichen und da finde ich es nur gerecht, wenn der Onkel Keith mal zahlt“, neckte sie ihn und Keith nickte zustimmend.
In Bezug auf Mary und Paul konnte er schlecht sich widersetzen, weil er sie wirklich liebte und sie ihn gleichsam im Sturm erobert hatten.

Jenna und Keith fuhren gemeinsam zu dem etwas außerhalb liegenden Wohnkomplexes des Militärs, wo sich die Offiziershäuser befanden.
Im Grunde genommen hatte Keith das Haus auf seinen Namen beantragt und ihr die Nutzung gestattet, war aber später mit eingezogen.

Ohne ihn hätte sie Ewigkeiten auf einen derartigen Luxus warten müssen.


Jenna stellte den Wagen auf die Einfahrt, stieg aus und kaum hatte sie die Autotür zugemacht, öffnete sich die Haustür und ihre beiden Geschwister kamen auf sie zugestürmt.
Als erstes fiel ihr der junge Paul in die Arme, weil es noch im Moment „cool“ war, seine große Schwester zu umarmen und Jenna dieses Mal drei Monate weggewesen war.
Keith hatte unterdessen den Babysitter gespielt.

Ihm verdankte Jenna es quasi auch, dass immer nur Keith oder sie, aber nie beide gleichzeitig in den Einsatz mussten.

Der Lieutenant hatte viel bewegt.

Paul Nicholas Walker hatte die dunklen lockigen Haare von ihrem Stiefvater geerbt, glich jedoch in allen anderen Zügen eher Sarah Walker, seiner und Jennas Mutter.
Ansonsten hielt Paul sich wie nahezu alle Jungs in seinem Alter schon für sehr erwachsen, was leider in seinem Fall auch leider ein wenig mehr zutraf, als es Jenna lieb war.
Paul hatte am härtesten erfahren müssen, dass Sarah Walker nicht in der Lage war, für ihre Familie zu sorgen und dass seine große Schwester nun alles für ihn war.

Jenna strich ihm liebevoll durch sein Haar.
„Lass das“, knurrte Paul, „ich habe sie mir gerade extra gekämmt.“
„Paul Nicholas Walker, so begrüßt man seine große Schwester nicht, wenn sie von einem Einsatz zurückkehrt“, maßregelte Keith ihn und der Junge grinste.
Keiths Worte bewirkten schon lange bei Paul Wunder, weil er zu ihm aufsah und Keith sich sogar richtig Mühe gab, dem Jungen eine Vaterfigur zu sein. Jenna hoffte inständig, dass ihr Mitbewohner noch eine Zeit lang bei ihr wohnen blieb und sah in Keith Sprunghaftigkeit in bezug auf feste Bindungen für sich einen Vorteil.
Er würde zumindest die nächsten Jahre noch diese Rolle für Paul spielen und ihr Arbeit abnehmen können.
Bei ihm wusste sie ihre Geschwister in Sicherheit.

Danach trat die ältere Mary Samantha Walker auf ihre Schwester zu und umarmte sie, als hätte sie befürchtet, dass Jenna nicht mehr zu ihnen zurückgekehrt wäre.
„Hey, Kleines, ich bin wieder da und es ist alles gut. Keine Kugel hat mich getroffen“, sagte Jenna, gab ihrer Schwester einen Kuss auf den Kopf und Mary blickte sie an.

Sie kam ganz nach Sarah Walker.
Blonde Haare, blaue Augen und sah wie eine deutlich jüngere Ausgabe von Jenna aus.
Doch Mary Walker war mit ihren zwölf Jahren bereits so erwachsen, wie Jenna es gewesen war, als sie sich verpflichtet hatte, um das Geld für ihre Familie zu verdienen.
Da war Jenna gerade mal 17 Jahre alt gewesen.
Mary verstand, was und wieso Jenna diese Dinge tat und hatte noch mehr Angst um ihre große Schwester als diese um sich selbst.

„Keith hat gesagt, dass er keinen Kontakt mehr zu dir hatte und ich habe mir daraufhin Sorgen gemacht“, antwortete Mary und umarmte Jenna abermals.
„Weißt du, der blöde Keith redet schon einmal ganz schönen Unsinn. Ich habe ihm mehrmals gesagt, dass alles gut verläuft und ich mich nur dann melde, wenn es Probleme gibt“, erklärte Jenna und tröstete ihre kleine Schwester. Mit einem strafenden Blick sah Mary zu Keith, der den Kopf schüttelte, aber dann auch von ihr eine Umarmung bekam und sie gemeinsam ins Haus gingen.

„Ich muss mit euch beiden etwas Wichtiges besprechen“, sagte Jenna und alle vier setzten sich gemeinsam an den großen runden Küchentisch, der schon seit ihrem Einzug als Krisenbesprechungsort diente und sich gerade dafür anbot.

„Jetzt hast du doch Urlaub“, meinte Paul, doch Jenna lächelte traurig, als er dies sagte.
„Ich muss leider für jemandem bei einem Einsatz morgen Abend einspringen“, gestand Jenna und sofort fielen die bösen Blicke der beiden auf Keith, der abwehrend die Hände hob.
„Ich bin daran nicht schuld, der Befehl kam nicht von mir. Einer aus unserer Einheit ist erkrankt und bei der Mission fehlt genau ein leitender Offizier. Eure Schwester ist die einzige Person, der ich das zutraue und daher musste ich die Position mit ihr besetzen. Wir sind doch drei Monate gut miteinander ausgekommen und dieser Einsatz soll nur wenige Tage dauern“, erklärte Keith und ertrug die Enttäuschung von den beiden nicht.

Jenna hatte Mary und Paul versprochen, während ihres Urlaubes einen Freizeitpark zu besuchen.
„Hey, Keith fährt mit euch in den Freizeitpark und ich bin schneller wieder zurück als ihr blinzeln könnt, versprochen“, schwor Jenna, „großes Indianerehrenwort!“
„Wirklich versprochen?“, fragte Mary, weil sie wusste, dass ihre Schwester die Versprechen, die sie gab immer sehr ernst nahm. „Habe ich dich jemals belogen, wenn ich euch gesagt habe, dass ich vom Einsatz zurückkehre?“, entgegnete Jenna und diese Antwort schien ihre kleine Schwester zu beruhigen.
„Nein, unsere Schwester kommt immer wieder zurück“, lächelte Paul, der zwar wusste, dass Jenna gefährlich Einsätze hatte, doch die Tragweite und Gefährlichkeit jeder Mission verschwiegen Keith und sie den Kindern immer. Einzig und allein Mary hatte den Weitblick, solche Dinge zu überblicken und es wurde jedes Mal schwerer, Dinge vor ihr geheim zu halten.
„Ja, und weil der gute Onkel Keith eurer Schwester den Urlaub streichen musste, werden wir heute Abend auf seine Rechnung richtig schick essen gehen und einen drauf machen“, lächelte Jenna, „ihr dürft sogar das Restaurant aussuchen.“

Hatte sie die Laune ihrer jüngeren Geschwister bisher noch nicht erhellen können, so hatte sie die beiden mit dem Restaurantbesuch sofort für ein wenig Ablenkung begeistert.
Es wurde ein schöner Abend und als Jenna abends mit ihrer kleinen eigenartigen Welt von Familie heimkehrte, wusste sie, dass es nichts Schützenswerteres gab als ihre beiden Geschwister und in gewisser Weise auch Keith.
Sie würde für ihre Familie ihr Leben geben.

Am Nachmittag des darauffolgenden Tages stand sie vor dem Spiegel und zog ihre Einsatzuniform an.
Man hatte ihr nicht gesagt, worum es ging, daher bestand wohl höchste Geheimhaltungsstufe, doch sie brauchte nur den Einsatzort: Atlanta.
Bestimmt musst sie wieder eine dieser versteckten Terrorzellen ausheben und den Idioten dort in den Arsch treten.
Eine leichte Aufgabe.
Dann nahm sie ihre Erkennungsmarke und legte sie um ihren Hals.

Jenna M. Walker, 5562314.

Sie kannte die Nummer auswendig und trennte sich nur zum Duschen von ihr, wenn sie auf dem Stützpunkt war.
Tot würde ihr die Nummer nichts bringen, doch sie war ein untrennbarer Teil von ihr und ihrem Leben, das sie führte und würde es bis zu ihrer Pensionierung bleiben.
Den Rest würde sie kurz vor Abflug erhalten.
Mary kam ins Zimmer ihrer älteren Schwester und blickte sie besorgt an.
„Alles in Ordnung, Mary?“, fragte Jenna. „Ich weiß, dass Keith und du uns nicht alles sagt, aber ich muss wissen, wie gefährlich das ist, wohin sie dich dieses Mal schicken“, verlangte sie zu wissen und überraschte Jenna mit ihrer Forderung ein wenig.
Sie war im Grunde genommen viel zu alt für ihren Körper, doch das hatte die familiäre Problematik aus ihr gemacht.
„Dieses Mal bin ich wirklich nicht darüber informiert, Mary, und selbst wenn würde es dir nur Sorgen bereiten. Ich komme zurück, Schwesterherz, das verspreche ich dir. Du weißt doch, dass ich auf mich aufpassen kann und nie alleine bin“, lächelte Jenna ihre kleine Schwester an, doch die Zeiten waren vorbei, in denen das ausgereicht hätte.

„Ich wünschte, du müsstest nicht schon wieder gehen“, seufzte Mary, hob ihre Hand und gab Jenna ein Foto, das Keith, Paul und Mary zeigte.
„Wann habt ihr das denn machen lassen?“, fragte Jenna überrascht, nahm das Foto in die Hand und lächelte.
„Vor zwei Wochen. Keith meinte, dass wir es dir an den Einsatzort nicht schicken können, daher habe ich es aufgehoben, damit wir beim nächsten Einsatz bei dir sind“, erklärte Mary und Jenna drückte ihre kleine Schwester ganz fest an sich.

„Oh, Mary, ihr seid immer bei mir, egal wo ich mich im Einsatz befinde“, sprach Jenna ergriffen und gab ihrer Schwester einen Kuss auf den Kopf, „Paul und du, ihr seid das Wichtigste in meinem Leben.“
„Wir sind der Grund, weshalb du immer weg musst“, wandte Mary traurig ein, doch Jenna hob ihr Kinn und zwang sie, sie anzusehen.
Marys wundervolle blaue Augen blickte in die blauen Augen ihrer großen Schwester, die sie liebte und zu ihr aufsah, weil Mary wusste, was sie alles für sie tat. Sie wollte später nicht zum Militär, aber vielleicht ermöglichte dieses ihr ein Medizinstudium, doch Mary wusste, dass Jenna es niemals zulassen würde, dass sie sich nur dafür verpflichtete. Mary wusste von dem Collegefond, den Jenna für ihre Geschwister angelegt hatte und auch wollte, dass sie an keiner militärischen Universität studierten.
Ihre große Schwester tat so viel für sie, dass Mary nicht wusste, wie sie dies ihr jemals wieder zurückgeben konnte, außer mit ihrer Liebe.

„Doch ihr beiden seid auch der Grund, weshalb ich jedes Mal heil zurückkehre und während ich weg bin, habt ihr Keith, den ihr ärgern könnt. Wir holen alles nach, wenn ich zurück bin, Mary. Diese Mission wird nicht schwer werden; vermutlich nur ein paar Mistkerlen den Hintern versohlen und dann bin ich wieder bei euch“, entgegnete Jenna und steckte das Foto in die Innentasche ihrer Uniform.
Versprechen hielt sie immer ein.
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