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There is always something left to lose

OneshotSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P12 / Gen
die Dame OC (Own Character) Peter/Peter Pan
19.03.2015
19.03.2015
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There is always something left to lose


When you talk, it's like a movie and you're makin' me crazy
'Cause life imitates art
If I get a little prettier, can I be your baby?
You tell me, "Life isn't that hard."

Lana Del Rey - Gods & Monsters





Peter hatte die ganze Zeit über deine Hand gehalten - im Park, in diesem unheimlichen Nebel - und selbst jetzt, als ihr Seite an Seite durch den dunklen Wald lieft, in dem kein einziger Vogel sang und euch einzig und alleine das Geräusch eurer Schritte auf dem trockenem Boden begleitete, hielt er dich fest und gab dir Halt. Die hohen Bäume waren kahl und wirkten kränklich. Ihre dürren Zweige hingen tief und du wartetest nur darauf, dass sie dich packen und von dem goldäugigen Jungen fortzerren würden.

Du mustertest Peter heimlich aus dem Augenwinkel heraus.
Sein blasses Gesicht war über und über mit hübschen Sommersprossen überzogen, die ihm etwas Spitzbübisches verliehen, während seine Augen wie flüssiges Gold glänzten und seine strubbeligen Haare einen stechenden Rotton aufwiesen, zwischen denen zwei spitze Ohren herausragten. Nicht zum ersten Mal fielen dir die feinen Narben auf, die seine Wangen zierten, doch du wagtest es nicht, ihn danach zu fragen.
„Wie Kratzspuren“, dachtest du und während du noch darüber nachgrübeltest, woher diese Narben wohl stammten, bemerktest du nicht, wie Peter stehen geblieben war.
Vor euch erstreckte sich eine gewaltige Mauer aus hellem Stein, welche von Moos und Efeu überwuchtert wurde.
„Wir sind da“, verkündete der rothaarige Junge und deutete mit einem Nicken zu der kreisrunden Tür, die deiner Aufmerksamkeit gänzlich entgangen war.
Dicke Äste bildeten ein verschlungenes Muster, dass dich vage an ein Gesicht erinnerte, und die vielen, weißen Blüten, welche die Tür schmücken, bildeten einen harten Kontrast zu der farblosen, verdorrten Waldlandschaft hinter euch.
„Peter, ich habe Angst“, gestandest du ihm und erntetest dafür ein schiefes Lächeln. Dieses wunderbare Lächeln, dass voller wundersamer Versprechen war und dich erst dazu gebracht hatte, ihm zu vertrauen und folgen. Wo auch immer Peter hingehen würde, du würdest ihm bedingungslos hinterher stolpern.
Es war lächerlich, geradezu verrückt - immerhin kanntet ihr euch noch nicht einmal einen Tag lang. Die Erinnerung an eure erste Begegnung, ließ dein Herz für den Bruchteil einer Sekunde schneller schlagen.


Du saßt auf den kalten Stufen vor deinem Elternhaus und vergrubst den Kopf in deinen Händen. Heiße Tränen rannten dir über das Gesicht, verschmierten dein sorgfältig aufgetragenes Make-Up und hinterließen dunkle Spuren auf deinen Wangen.
Es tat so weh. Noch eine Stunde zuvor, hattest du dich dem Himmel nahe gefühlt und warst auf Wolke Sieben geschwebt. Ein weiterer Schluchzer entfloh deinen Lippen, als du an ihn dachtest.
Den Jungen, den du so sehr liebtest, dem du dein Herz und noch viel mehr geschenkt hattest. Er hatte dich schamlos ausgenutzt und die rosarote Brille mit grausamer Gleichgültigkeit von deinen Augen gerissen, nachdem du dich ihm hingegeben hattest. Weggeworfen, wie ein ungeliebtes, wertloses Spielzeug.
Du ließt alles raus, deine Gefühle, deine Tränen und dennoch fühltest du dich danach kein Stück besser. Der Schmerz saß zu tief und du fragtest dich gerade, ob du jemals wieder lachen können würdest, als zwei ausgetretene Chucks in dein verschwommenes Sichtfeld traten.
„Alles okay bei dir?“, fragte dich eine unbekannte Stimme. „Du siehst aus, als könntest du einen Freund gebrauchen.“
Du hobst den Blick und sahst einen blassen, rothaarigen Jungen mit zur Seite geneigtem Kopf vor dir stehen. Wärst du nicht so sehr mit dir selbst beschäftigt gewesen, wären dir vielleicht seine seltsamen Augen und die spitzen Ohren aufgefallen, aber im Moment wolltest du einfach nur deine Ruhe haben. Ein leichtes Lächeln umspielte seine Lippen, als er in die Hocke ging und nach deiner Hand griff.
„Warum weinst du?“
„Das geht dich nichts an“, entgegnetest du in einem Anflug von Verärgerung und zogst deine Hand zurück. „Was kümmert es dich überhaupt?“
Sein Lächeln wurde breiter.
„Ich bin Peter“, stellte sich der Unbekannte vor. „Du solltest nicht mitten in der Nacht und ohne einen Begleiter auf der Straße sitzen. Komm, wir gehen ein Stückchen und du erzählst mir, warum du dir die Augen aus dem Kopf weinst.“
Peter zog dich auf die Beine und obwohl sich alles in dir dagegen sträubte, diesem Fremden zu vertrauen, könntest du nicht anders, als sein Lächeln zu erwidern und für einen kurzen Augenblick deinen Kummer zu vergessen.

Ihr wart die ganze Nacht gemeinsam durch die verlassenen Straßen und Häuserschluchten von New York City geschlendert, während du ihm alles erzählt hattest. Angefangen bei deinen Eltern, die sich ständig stritten, bis hin zu deinem gebrochenem Herzen. Und Peter hatte dich nicht ein einziges Mal unterbrochen. Er hatte einfach nur zugehört, an den richtigen Stellen genickt und dich mit ein paar albernen Witzen über dieses miese Schwein, dass dich verletzt hatte, abgelenkt.
Erst, als ihr den Hafen erreicht hattet, wart ihr stehen geblieben.

„Du bist etwas Besonderes“, sagte Peter und musterte dich eindringlich. „Es gibt da jemanden, den ich dir gerne vorstellen würde. Weißt du, es gibt so viel mehr in der Welt, als du dir vorstellen kannst. Hinter diesem Nebel liegt eine Insel – Avalon – verborgen vor neugiergen Blicken. Dort gibt es keine Erwachsenen, die dir weh tun können. Keine Regeln, die dir vorschreiben, was du zu tun und zu lassen hast. Dort leben Feenwesen und Trolle, in verzauberten Wäldern und dunklen Höhlen. Möchtest du mit mir kommen?“
Du hättest ihm sagen können, dass es an dir nichts besonderes gab und du nur ein einfaches Mädchen warst. Dass es Feen und Fabelwesen nicht wirklich gab. Du hätttest dich umdrehen und das Weite suchen sollen, doch du sahst ihn einfach nur stumm an, während tausend Gedanken durch deinen Kopf schwirrten.
Da war etwas an ihm, dass dich verunsicherte. Die Art, wie er von Avalon schwärmte, und sein Lächeln, dass so unglaublich ansteckend war. Und in diesem Moment gegriffst du, dass sich dein Leben von einer Sekunde auf die andere komplett verändern würde, wenn du mit ihm mitgehen würdest. Und da war noch etwas anderes, dass dich in deiner Entscheidung bestärkte: Hoffnung, die in dir aufkeimte, wie eine winzige, von der Sonne geküsste Blume, und zu neuem Glanz erblühte.
Du nicktest und folgtest dem Kinderdieb Hals über Kopf in den Nebel.

Die Reise durch den wirbelnden Nebel, verfolgt von grotesken Gestalten, und eure Ankunft in Avalon war alles andere als märchenhaft gewesen. Die Realität hatte dich mit der Wucht eines Hammerschlages getroffen und auf den Boden der Tatsachen befördert.
Und doch hatte der goldäugige Junge stets deine Hand gehalten, den ganzen beschwerlichen Weg über.
Eine absurde Frage drängte sich dir auf: Gab es so etwas wie Liebe auf den ersten Blick?



„Wir müssen weiter,“ riss Peter dich aus deinen Gedanken und zog dich mit sich durch die runde Tür, welche sich unter seiner Berührung nach innen hin geöffnet hatte.
Ihr wandertet durch einen langen Gang, dessen Wände wie Diamanten schimmerten. Immer weiter und weiter folgtet ihr dem steinernem Weg, bis ein schwaches Licht vor euch auftauchte. Ein glockenhelles Lachen wehte zu dir hinüber, zog dich magisch an und wie von selbst trugen dich deine Füße Schritt für Schritt in Richtung des Ausganges.

Der Anblick, welcher sich dir bot, verschlug dir die Sprache. Peter hatte nicht gelogen. Vor dir lag tatsächlich ein verwunschenes Märchenreich.
Wunderschöne Blumen, in allen erdenklichen Farben und Formen, tummelten sich im hohen Gras, das in dem sattesten Grünton erstrahlte, welches du jemals gesehen hattest.
Kleine, geflügelte Wesen mit silbernen Mähnen tanzten durch die Luft und spielten Fangen miteinander. Ihre durchscheinenden Flügel gaben ein stetiges Summen von sich, während sie von einem Baum zu dem nächsten flatterten.
Das Zentrum des Hortes nahm ein großer Teich ein, dessen Wasseroberfläche das Licht der Sonne reflektierte, und du meintest, darin Fische schwimmen zu sehen, deren Oberkörper denen von Menschen ähnelten. Ein weißer Baum, an dessen Zweigen goldene Äpfel hingen, lag inmitten einer Insel auf dem Teich.
Du fühltest dich berauscht von all dieser Schönheit und wähntest dich in einem Traum. Dein Blick wanderte umher, sog alles begierig auf und als du schon dachtest, du hättest alles gesehen, erblicktest du sie.

Unter einem Baldachin aus sternförmigen Blütenblättern stand ein Thron, der geradewegs aus der Erde selbst entsprungen schien. Grazile Wurzeln bildeten einen Sitz und darauf entdecktest ein fragiles Geschöpf mit wallendem Haar und einer Haut, so weiß, dass die bläulichen Venen darunter zu erkennen waren. Ihr Antlitz war elfengleich und dennoch musstest du trotz ihrer Schönheit an ein Tier denken, denn ihre mandelförmigen Augen standen weit auseinander. Sie wirkte so zerbrechlich und neben dir bemerktest du, wie Peter die Frau ebenfalls anstarrte.
Ein verträumter Ausdruck legte sich auf seine Züge, wie jemand, der zum ersten Mal die liebkosenden Strahlen der Sonne auf seiner bloßen Haut spürte. Er ließ dich los und ging langsam auf ihren Thron zu.
Du wusstest nicht, ob du stehen bleiben oder ihm nachgehen solltest - zu verwirrend, waren all die neuen Eindrücke, die unentwegt auf dich einprasselten. Neugierig folgtest du dem Spitzohr und als er sich auf ein Knie fallen ließ und sein Haupt senkte, tatest du es ihm gleich.
Die Dame öffnete ihre Augen, richtete ihren Blick auf Peter und ein Lächeln, so bezaubernd, erhellte ihre Mundwinkel, dass du deinen Kopf unbewusst noch ein wenig tiefer senktest.
„Peter, mein lieber Petervogel“, sprach sie, stand auf und breitete ihre Arme in einer einladenden Geste aus. „Ich habe dich so sehr vermisst. Wie lange ist es her?“
„Viel zu lange“, antwortete Peter. Seine Stimme hatte einen sanften Tonfall angenommen und du wünschtest dir, er würde dich so ansehen, wie er sie ansah. Dich so ansprechen, wie er sie ansprach. Voller Liebe und Bewunderung.
„Wen hast du mir da mitgebracht, mein Liebling?“, fragte die Weißhaarige und ihre blassblauen Augen hefteten sich auf dich. Ihr Blick durchbohrte dich mit einer Kälte, so dass sich die feinen Härchen auf deinen Armen aufstellten und ein unangenehmer Schauer über deinen Rücken fuhr.
„Lady Modron, ich habe euch jemanden mitgebracht“, begann Peter und nannte ihr deinen Namen. „Ich glaube, sie könnte das Mädchen sein, welches ihr gesucht habt.“
Welches Mädchen? Wovon sprach er?
Du fühltest dich nackt und ungeschützt unter ihrem harten Blick und diesem Lächeln, das aufeinmal so falsch, so unaufrichtig wirkte.
„Peter, sei so gut und hilf mir.“

Er eilte an ihre Seite, legte einen Arm um ihre zarte Taille und geleitete sie zu dem See. Modron sah dich über ihre Schulter hinweg an und da begriffst du, dass sie nicht das war, was sie vorgab, zu sein. Eine Stimme in deinem Hinterkopf warnte dich davor, sich nicht von ihrer äußeren Fassade täuschen zu lassen.
„Mädchen, komm her zu mir“, befahl sie und winkte dich heran. Die Dame löste die schmalen Träger ihres Gewandes und mit einer fließenden Bewegung glitt der erlesene Stoff über ihre schmalen Hüften.
Du schautest zu Peter. Er lächelte dir aufmunternd zu und wie in Trance gingst du zu der Dame, welche bereits mit ihren Knöcheln durch den Teich watete. Du fürchtetest dich davor, was vor dir lag und ehe du dich dagegen wehren konntest, drückte eine feingliedrige Hand deinen Kopf unter die Wasseroberfläche.
Das Wasser war wider Erwarten warm und als du allmählich begannst, dich zu entspannen, tauchte eine geisterhafte Silhouette vor dir auf. Lady Modron. Sie zog dich tiefer und tiefer in die Dunkelheit des Teiches. Deine Lungenflügel drohten zu bersten, verlangten nach Sauerstoff und dir wurde schwindelig.
„Er gehört mir. Peter gehört nur mir“, flüsterte eine bedrohliche Stimme an deinem Ohr und da verstandest du, dass sie eine Zauberin war. Eine Meisterin der Illusionen, die den goldäugigen Jungen, den du so sehr mochtest, mit einem dunklen Bann belegt und sein Herz vergiftet hatte. Du wolltest auftauchen, ein allerletztes Mal dieses schelmische Grinsen sehen und diesen Anblick für immer bewahren.
Du begannst zu strampeln, schlugst wild mit deinen Armen um dich, doch es nützte nichts. Du gabst den Kampf auf. Das Letzte, was du in diesem trügerischem Nass vernahmst, waren die betörenden Worte der Dame: „Er wird immer mir gehören. Sein Herz und seine Seele, sie sind mein. Für immer und ewig.“
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