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Never felt anything this way

Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / Gen
Samu Haber
18.03.2015
02.02.2016
180
326.855
30
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Dieses Kapitel
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18.03.2015 983
 
Ferien, ich komme

LAURA

„Ella……….!!!!!!!“

Ich brüllte so laut, dass meine Mutter, die neben mir stand, erschrocken zusammenzuckte.
„Laura, bitte, kannst Du nicht ein wenig leiser rufen? Man hört Dich ja bis nach Finnland.“
Ich lachte. „ Sorry, Mum, aber meine Schwester ist einfach schwerhörig, glaube ich.“ Und brüllte noch mal „ELLA!!!!“Es polterte auf der Teppe und meine 10jährige Schwester kam um die Ecke.
„Maaaaaannnnn, was ist los????“fragte sie entnervt.
„Ella, bist Du jetzt endlich mit Koffer packen fertig?“ fragte ich und sah sie fragend an. Sie guckte aus ihren blauen Augen unschuldig zurück. Ihre braunen Haare hingen wirr um den Kopf. Ich hatte von meiner Mutter den Auftrag bekommen, sie „reisefertig“ zu machen. Und im Moment sah sie alles andere als dies aus. Ich packte genervt ihren Arm und zog sie die Treppe wieder rauf.
„Mama sagt, wir fahren in 20 Minuten, also jetzt aber fix, hier siehts ja noch aus als hätte gerade eine Bombe eingeschlagen.“
Ich stopfte hektisch einige Sachen in den Koffer. „Und kämm endlich Deine Haare, Du siehst aus wie ein kleiner Monster.“
„Du meinst wohl,nur weil Du schon 18 bist, kannst Du mir alles sagen??“ motzte Ella mich an.

Es war der typische Trubel vor der Abreise nach Finnland. Eigentlich so wie fast jedes Jahr. Denn fast jedes Jahr verbrachten wir unseren Urlaub in einem Ferienhaus nordöstlich von Helsinki. Mein Vater war Finne, meine Mutter Deutsche. Die beiden hatten sich vor 20 Jahren bei einem gemeinsamen Zeltlager in Dänemark kennengelernt und mein Vater war der Liebe wegen nach Norddeutschland zu meiner Mutter ausgewandert. Zwei Jahre später kam ich dann auf die Welt, und dann als Nachzügler noch meine Schwester. Unsere Eltern erzogen uns zweisprachig, was den Vorteil hatte, dass wir beide Sprachen fliessend beherrschten, uns allerdings hier in Deutschland natürlich bevorzugterweise auf Deutsch miteinander unterhielten. Ella war mehr nach meiner Mutter geraten mit ihren blauen Augen und eher dunklen Haaren und der etwas rundlichen Figur. Ich selber war so wie mein Vater blond und grünäugig, groß und schlank. Aber dabei nicht dünn und mit den Kurven, die sich in den letzten Jahren bei mir entwickelt hatten, war ich auch zufrieden.

„Laura und Ella….kommt Ihr jetzt???“ rief meine Mutter von unten und wir beide stopften hektisch die letzten Dinge in die Koffer, zurrten sie zu und da kam auch schon mein Papa und wuchtete die tonnenschweren Dinger nach unten.
„Sagt mal, habt Ihr Steine eingepackt??“ grinste er.
„Papa, Du weißt doch, Laura hat für jeden Tag der 4 Wochen ein neues Outfit“ lästerte Ella. Ich zog ihr an den Haaren. „Bist ja nur neidisch!!“
„Laura muss doch gut aussehen für die finnischen Blödmänner, die da rumlaufen,“ stichelte Ella weiter. Ich wurde sauer.
„Hör auf! Du weißt selber, dass ich die finnischen Jungs nicht ausstehen kann!!“ rief ich, setzte mich ins Auto und fummelte so schnell es ging meine Kopfhörer ins Ohr. Ich wollte Ellas blödes Gerede nicht mehr hören. Außerdem war mir das Thema peinlich vor meinen Eltern. Natürlich wussten sie mittlerweile, dass ich mich für Jungs interessierte – und die Jungs sich auch für mich, wie ich öfters feststellen konnte. Und es hatte da auch schon die eine oder andere Beziehung gegeben, aber so richtig verliebt war ich noch nie, es war immer nur für einige Monate gewesen und meistens hatte ich Schluß gemacht oder das ganze war irgendwie im Sand verlaufen. Meine Eltern nahmen das zum Glück alles relativ gelassen hin und ließen mir viele Freiheiten.

Wir starteten endlich und ich entspannte mich. Und dachte an Oma’s Ferienhaus am See…Es war zwar nicht groß, hatte nur 4 Zimmer und eins musste ich mir leider mit Ella teilen, aber es lag so wunderschön gelegen an einem idyllischen See mitten im Wald. Trotzdem war es nicht ganz von allem abgeschnitten, denn der nächste Ort war nur 10 Minuten mit dem Auto entfernt und außerdem gab es an dem See noch 2 weitere Wochenendhäuser. Die lagen allerdings so, dass man sich gegenseitig nicht sehen konnte, der See war relativ groß und so hatte man eigentlich immer das Gefühl, ganz alleine zu sein.
„Laura, wer weiss, vielleicht ist Sanna auch wieder da? Ihr habt Euch doch immer so toll verstanden.“
Ich setzte mich aufrecht hin und nahm die Kopfhörer aus dem Ohr. „Ja, das wäre toll, sie ist so eine liebe und nette!!“ sagte ich und dachte an das blonde Mädchen aus der Nachbarschaft, mit dem ich schon so viele Urlaube lang zusammen gespielt und gelacht hatte. Sie war etwas älter als ich und ich hoffte, dass wir uns auch dieses Jahr wieder so gut verstehen würden wie in den Jahren davor.
„Ich bin gespannt, wie sie aussieht, ich hab sie schließlich 3 Jahre nicht gesehen,“ überlegte ich. In den letzten 3 Jahren waren wir leider nicht in Finnland gewesen, sondern in den USA und Afrika und letztes Jahr war meine Mutter wegen einer größeren OP im Krankenhaus und meine Schwester und ich waren zusammen auf einem Reiterhof gewesen im Sommer.

„Hoffentlich ist ihr Bruder nicht da, der nervt doch immer total!!“ ätzte Ella und verdrehte die Augen.
"Samu? Na ja, warum sollte er nicht da sein? Und wieso, das ist doch ein netter Junge“ sagte mein Vater von vorne und konzentrierte sich dann wieder auf die Straße.
„Nett?? DER?? Vor 3 Jahren hat der mich dauernd geärgert, einmal hat er mich ins Wasser geschubst, und dann hat er Sanna und mich dauernd gestört, wenn wir Musik gehört haben oder einfach nur quatschen wollten,“ beschwerte ich mich nun auch. Ich dachte an den kleinen Bruder von Sanna und sah einen blonden Wuschelkopf vor meinem inneren Auge.

„Na ja, er ist inzwischen auch schon 16 und wird wohl andere Interessen haben, als seine Schwester beim Musikhören zu stören,“ lachte meine Mutter.
2 Stunden später waren wir auf der Fähre Richtung Helsinki und so langsam wurde ich immer aufgeregter. Wie würde der Sommer dieses Jahr werden ?
 
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