Herzensblut

von Sunny Kou
GeschichteFantasy / P12
OC (Own Character)
18.03.2015
18.03.2015
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18.03.2015 1.001
 
Freudig gespannt schritt ich durch die Gänge. Um mich herum lärmten Schüler, von denen ich die Meisten noch nie gesehen hatte. Alle sahen so gleich aus, in ihren Schuluniformen. Obwohl ich ebenfalls genauso wie sie gekleidet war, fühlte ich mich, als würde ich im Rampenlicht stehen. Schwer zu glauben in Anbetracht der Tatsache, dass ich kaum beachtet wurde. Aber ich war ja noch nicht in meinem Klassenraum.
Ich bog um die Ecke und ließ die lauten Gruppen hinter mir zurück. Waren meine Haare in Ordnung? Ich befühlte meine beiden geflochtenen Zöpfe, die mir über die Schultern fielen. Ja, schien so.
Ich holte tief Luft und betrat den hellen Raum.
Sofort flog eine zarte Gestalt mit hellgrünen Haaren auf mich zu und riss mich beinahe von den Beinen.
"Mi!", rief sie so laut, dass es bestimmt draußen zu hören war. "Alles Gute zum Geburtstag!"
"Danke", murmelte ich schüchtern lächelnd. Dass sie sich freute, war nett, aber musste sie es gleich so laut tun...?
"Glückwunsch, Miyazaki." Ich spähte an den grünen Haaren meiner verrückten Freundin vorbei (die mir immer noch am Hals hing) und sah einen schlanken Jungen mit braunem Haar.
"Danke, Kushiro", seufzte ich. Jetzt würden alle im Raum Anwesenden zu mir kommen, um zu gratulieren. Schön...
"Guten Morgen", erklang die Stimme meiner Lehrerin.
Erleichtert unterdrückte ich ein Seufzen und pflückte mir meine Freundin vom Hals. Jetzt hieß es bestimmt "hinsetzen und leise sein", sodass ich fürs Erste meine Ruhe haben würde. Und bis zur Pause würde mir bestimmt etwas einfallen, wie ich den vielen Gratulanten entgehen könnte...
Letztes Jahr war ich in der Pause so damit beschäftigt, Glückwünsche entgegen zu nehmen, dass ich gar nichts essen konnte... und während des restlichen Schultages hat mein Magen fürchterlich geknurrt... nicht gerade die schönste Erinnerung an meinen letzten Geburtstag!
Doch das Schicksal bewies einmal mehr, dass Geburtstagsglückwünsche unumgänglich waren.
"Miyazaki hat heute Geburtstag, wie ihr ja alle bestimmt schon wisst."
Natürlich wussten es alle, nachdem ein Mädchen mit grünen Fransen auf dem Kopf es lautstark herausposaunt hatte...
"Und deshalb würde ich vorschlagen..."
Bitte nicht.
"...dass wir für Miyazaki alle gemeinsam singen!"

Später, nach unzähligen Gratulationen und einigen Geschenken, lief ich befreit und hungrig nach Hause (Ich hatte es gerade einmal geschafft, in meinen Apfel zu beißen, als es mit der Ruhe vorbei war. Ich hatte es doch geahnt!). Überraschenderweise wurde ich jedoch von Tammy, dem Persocom meiner Schwester empfangen.
"Hallo, Miss Miyazaki. Miss Koriyama hat mir aufgetragen, Ihnen etwas mitzuteilen."
"Ja?", fragte ich, während mein Magen laut knurrte.
Tammy's Blick wanderte zu meinem Bauch, bevor sie mich mit einem kleinen Lächeln wieder ansah. Ich wurde rot. Obwohl sie kein Mensch war, schaffte Tammy es immer wieder, mich in Verlegenheit zu bringen. Aber das waren eben Persocoms: Menschen täuschend ähnlich...bis auf die Ohren natürlich. Tammys schauten hinter ihren leuchtend blauen Haaren hervor...
Tammy hüstelte. Prompt wurde ich rot und blickte wieder zu ihr. Ihre Mimik war beachtlich. Sie sah mich nämlich spöttisch an, was mich sehr an meine Schwester erinnerte. Dieser sanfte Blick voller Spott...
"Miss Koriyama möchte, dass Sie bei Mister Kushiro warten, bis alles für Ihre Feier vorbereitet ist. Ihre Festkleidung habe ich schon hingebracht."
Tammy lächelte mich freundlich an. Man, wie sehr ich Koriyama um ihren Persocom beneidete... nicht im bösen Sinne, natürlich. Es war nur so praktisch, einen Persocom zu besitzen... noch dazu einen so freundlichen wie Tammy. Ob es unfreundliche Persocoms gab? Die wollte bestimmt keiner kaufen...
Ich blinzelte und realisierte, dass Tammy mich immer noch erwartungsvoll ansah. Sie erwartete wohl eine Antwort...
"Ähm... ja...", stammelte ich verlegen. Jetzt würde Tammy mich bestimmt wieder spöttisch ansehen.
Doch das tat sie nicht.
Sie überraschte mich, indem sie den Kopf schieflegte und mich liebevoll ansah, sodass mein Herz wild zu klopfen anfing.
"Passen Sie auf sich auf, Miss Miyazaki", sagte Tammy mit einer kleinen Verbeugung.
Total verwirrt nickte ich bloß und machte mich auf den Weg zu Kushiro.

Als es draußen langsam anfing, dunkel zu werden, saß ich mit Kushiro auf seinem Sofa und starrte gelangweilt aus dem Fenster.
"Wann ist es denn endlich so weit?", dachte ich ungeduldig. Ich saß hier den ganzen Nachmittag über neben einem Jungen, dessen Blicke mich förmlich auszogen...
Die Festkleidung, die Tammy für mich hergebracht hatte, erwies sich als ein neues Kleid von Koriyama, dass sie mich vor einer Woche in einem schicken Laden anprobieren ließ. Kurz und schulterfrei war es, schlicht und vor allem entsprach es genau meinem Geschmack. Koriyama kannte mich wirklich gut...
Seufzend lehnte ich mich zurück. Doch einen Moment später sprang ich schlagartig auf, da es an der Tür klopfte. Ich war an der Tür, bevor Kushiro auch nur aufstehen konnte, und riss sie auf. Davor stand lächelnd Koriyama. Sie umarmte mich und hauchte leise: "Es ist so weit, Geburtstagskind!"

Stunden später saß ich erschöpft auf dem Stuhl in unserem Wohnzimmer und fächelte mir mit einer Zeitschrift Luft zu. Es waren schon alle Gäste weg bis auf Kushiro, der mit meiner Schwester neben der Haustür stand und über Persocoms fachsimpelte. Obwohl er keinen Eigenen besaß, kannte er sich besser aus als Koriyama und half ihr gerne bei diversen Fragen. Obwohl mich Persocoms faszinierten, hatte ich nicht die Lust, mich mit irgendwelchen technischen Einzelheiten auseinander zu setzen. Warum auch? Ich hatte schließlich keinen eigenen Persocom...
"Mi", riss mich Kushiro aus meinen Gedanken. Während Koriyama immer noch neben der Haustür stand, befand sich Kushiro vor mir. Ich hatte ihn gar nicht kommen sehen...
"Mi, Koriyama hat noch ein Geschenk für sich."
Wie? Aber die Gäste waren doch schon weg...
Bevor ich antworten konnte, rief Koriyama nach Tammy. Warum denn das? Konnte sie mir nicht selbst das Geschenk überreichen?
Ich hörte, wie die Tür zu Koriyamas Zimmer aufging. Neugierig drehte ich mich um.
Und dort stand Tammy.
Mit einem Persocom auf den Armen.
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