Cold Case Lucky Stars- Das Happy End

GeschichteAbenteuer, Familie / P12
Lilly Rush Scotty Valens
16.03.2015
16.03.2015
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Hallo!

Dank der Tatsache,
dass eine liebe Freundin sich dieser Geschichte
vor nicht allzu langer Zeit annahm, habe auch
ich sie noch einmal gelesen und muss der lieben
F wirklich recht geben:

Diese Story verdient,
neben dem letzten Kapitel,
wirklich noch einen würdigen Schluss.

Und ein kleines HappyEnd.

Insofern grub ich diesen Epilog
aus meinem Archiv wieder hervor
und hoffe, dass er Euch allen,
liebe Lucky Ones, gefällt!

Taucht mit mir noch einmal ein,
in die Vergangenheit und gleichzeitig
die Zukunft unserer Helden aus LS.

Dies ist ein Geschenk an alle meine
Leser von „Cold Case Lucky Stars“!

Viel Vergnügen beim Lesen
wünscht wie immer,

Eure

Sas



Country Song for this one:
(ihr wisst schon, back to the roots ;)
„Has Anybody Told You“
by Ashley Monroe
https://youtu.be/Reop48BxAHI?list=PLjylyLYIEfaQHOS6NxK6HTupIXnna1DcD




Epilog


-15 Jahre nach dem Epilog von Cold Case, Lucky Stars-



Lilly war auf Zehenspitzen aufgestanden
und nach unten gelaufen, als sie Sam leise vom
Stall aus bellen gehört hatte.

Ein Pferd antwortete mit einem leisen Wiehern.

Sie hob Olivia und Tripod 2 vom Sofa und öffnete das Küchenfenster,
von dem aus sie die Auffahrt zum Haus genau einsehen konnte.

Sie sah zur Koppel hinüber, über der ein Nebelschleier lag.

In der Ferne konnte sie ihr eigenes, altes Pferd Shadow
und die Schimmelstute Faith ruhig
und friedlich zusammen grasen sehen.

Nightfall blöckte aus seinem Schafstall,
irgendwo krähte ein Hahn.

Wie spät war es?

Sie sah auf die alte Wanduhr, ein Geschenk ihres Vaters.
Halb fünf? Was zum Teufel!

Klappernde Geräusche drangen vom Stall an ihr Ohr
und sie schirmte die Augen mit der Hand ab, um besser sehen zu können,
beugte sich noch ein wenig mehr vor.

Noch war es kalt und sie zog ihren Bademantel fest um ihre Schultern.

Im selben Augeblick sah sie die kleine Rappstute und ihre Tochter,
die gerade aus dem Stallgebäude traten.

Lil sah, wie Hailey, ihre Jüngste,
sich in einer mühelosen und eleganten, fließenden Bewegung
in Lillys alten Westernsattel auf den Pferderücken schwang.

„Hi, Mom.“

Das junge Mädchen hob grüßend die Hand,
die Zügel lässig über den Hals des Pferdes gelegt.

„Hailey, was hast du um diese Uhrzeit bitte vor?“

rief ihre Mutter und bemühte sich, nicht zu besorgt zu klingen.

Sie lehnte sich aus dem Küchenfenster und sah zum Himmel.

Die Sonne war noch nicht zu sehen.

„Oh, Mom...“

stöhnte der Teenager
und kam grinsend an das Fenster geritten, so,
dass ihr Pferd beinah hineinsehen konnte.

„Es sind Ferien und da dachte ich-“

„Deine Einfälle kenne ich, junge Dame!
Du kannst von Glück sagen, dass dein Vater noch schläft,
wenn er dich erwischt hätte...“

Ihre Mutter legte dem Pferd eine Hand auf den langen, schlanken Hals.

„Ach, du weißt doch, dass er mir eh nichts abschlagen kann.“

erwiderte die Angesprochene keck und schob die Hand beiseite.

Ein Sonnenstrahl erhellte ihre feingeschnittenen Gesichtszüge
und man konnte erste Sommersprossen erkennen, wenn man genau hinsah.

Hailey hatte Scottys dunkles Haar,
aber die porzellanene Hautfarbe und die blauen Augen ihrer Mutter geerbt.

Ihr langes, gelocktes Haar fiel in weichen Wellen an ihrem schlanken Rücken,
der in einer hellblauen Bluse steckte, hinab und die kamelfarbenen Cowboystiefel,
die Lilly ihr zum Geburtstag geschenkt hatte, vollendeten das Bild der
beeindruckend hübschen jungen Frau im Sattel.

„Ich muss los, Ashley erwartet mich am Ende der Straße
zur Sugar Creek Ranch und ich bin sowieso schon spät dran!“

Wie immer.

Verspätung war Hailey's zweiter Vorname.

Wo sie sonst recht ordentlich und gewissenhaft war,
was die Pünktlichkeit betraf, hatte sie noch einiges aufzuholen.

Resignierend seufzte ihre Mutter tief.

Immer nur ihrem eigenen Kopf folgend.

„Also kann ich es mir sparen, Honey und Angelo zu fragen,
ob ihre Tochter auch an diesem früh morgendlichen Unternehmen beteiligt ist.“

Hailey wandte den Rappen und Lilly entdeckte die prall gefüllten Satteltaschen.

„Hast du wenigstens dein Telefon dabei?“

Eine kleine, schmale Hand erhob sich, ohne,
dass das Mädchen sich die Mühe machte,
sich im Sattel umzudrehen,
und schwenkte ein pinkfarbenes Handy.

„Hailey!“

Doch Lilly hörte nur noch ein verklingendes Lachen.

Am Ende der Straße entdeckte Lilly schließlich eine kleine Staubwolke
und sah undeutlich die schemenhaften Umrisse von Pferd und Reiter dort auftauchen.

Haileys beste Freundin Ashley,
von der benachbarten Pferderanch,
war also bereits auf dem Weg,
ihre verspätete Freundin abzuholen.

Ihre Tochter trieb ihr Pferd zu einer schnelleren Gangart an,
als sie ihre Freundin ebenfalls entdeckte.

Gut, dann gab es eben nur noch eine Möglichkeit, das Kind aufzuhalten...!


Lilly spitze die Lippen und stieß einen gellenden Pfiff aus.

Sofort gruben sich die Hufe des Pferdes in den Boden
und es machte kehrt, obwohl seine Reiterin vergeblich versuchte,
sich dagegen zu wehren.

Endlich kam das Tier vor dem Fenster erneut zum Stehen
und schüttelte schnaubend die kurzgeschnittene Mähne.

Lilly lachte.


„Boah, Mom, das ist so unfair!“

maulte das Mädchen und kaute frustriert auf der Unterlippe herum.

„Als ob du den Trick nie anwenden würdest.“

meinte Lilly ungerührt und lächelte stolz.

Sie hatte Shadow's Nachkommen,
genau wie deren Vater damals,
beigebracht, auf einen Pfiff ihrerseits
sofort auf der Stelle kehrt zu machen
und zu ihr zu kommen.

„Das grenzt an Gehirnwäsche.“

konterte Hailey nun missmutig
und reckte trotzig das Kinn vor.

Ihre blauen Augen sprühten Funken
und ihre Lippen waren hart zusammengepresst.
Sie drückte die Schulterblätter durch
und saß übertrieben gerade auf dem Pferd.

Alles in allem drückte ihre gesamte,
gestraffte Körperhaltung Widerwillen und Verachtung aus.

Doch Lilly konnte nur milde den Kopf schief legen.

„Du musst den Ice Queen Blick noch ein wenig üben, Schatz.
Und bei mir wird er eh niemals funktionieren!“

Obwohl ich zugeben muss, dass sie immer besser wird...
es ist geradezu unheimlich, wie sehr sie mir gleicht.

Lilly gab ihrer Tochter ihre ganz eigene Version
ihres berühmt berüchtigten einschüchternden Blickes
und sah, wie diese seufzend nachgab.

„Yeah, Mom.
Du bist die Beste.“

fügte Hailey sarkastisch hinzu
und lehnte sich im Sattel zurück.

„Komm her, Flicka, Liebes.“

gurrte Lilly und klopfte der kleinen Rappstute lobend den Hals,
ordnete die Stirnlocke.

Hailey zog ihren Reithelm kurz vom Kopf
und fuhr sich durch das lange Haar.

„Gott, ist das peinlich.“

fuhr sie ihre Mutter an,
als sie Ashley und ihrem Rotfuchs Sugar verlegen entgegensah.

Mit einem eleganten Sliding Stop kamen Ashley und ihr hübsches Quaterhorse Sugar
neben Hailey und Flicka zum Stehen.

Ashley lachte über das ganze Gesicht und nahm ebenfalls ihren Helm kurz ab.

Sie grüßte, indem sie Sugar mit einem versteckten Kommando beinah in die Knie gehen ließ,
wie ein Zirkuspferd und in ihren braunen Augen blitze es.

Breit grinsend strich sie sich eine Strähne ihres kurzen, dunkelblonden Haares aus der Stirn.

„Morgen, Tante Lilly.
Hey Hailey, bereit zum Aufbruch?
Als du nach einer halben Stunde nicht kamst, dachte ich,
ich sehe mal nach, ob du mal wieder verschlafen hast.“

neckte sie ihre Freundin und warf Lilly einen vielsagenden Blick zu.

„Wie immer.“

Lilly rückte ihren Bademantel zurecht
und nickte Ashley freundlich zu.

„Guten Morgen, Ash.
Sugar sieht gut aus.
Man sieht, dass ihr viel trainiert habt in letzter Zeit.“

Ashley grinste schüchtern und errötete.

Ein Lob ihrer Patentante,
die immerhin selbst einmal ein großes Turnier im Reining gewonnen hatte, ehrte sie.

„Danke.
Dad hat uns aber auch ziemlich geschunden.
Ich hab mir abends Pferdesalbe auf den Hintern geschmiert,
sonst hätte ich nicht schlafen können.“

erzählte sie unbekümmert in ihrer unnachahmlich unverblümten Art.

„Das glaube ich dir gerne.
Wie geht es deinem Vater?“

Ashley seufzte und für einen Moment sah sie viel älter aus, als das junge Mädchen,
dass sie eigentlich war.

„Mum muss ihn immer wieder daran erinnern,
sich auszuruhen, aber ansonsten ist er soweit okay,
glaube ich.“

„Das ist sicher anstrengend für deine Mutter.
Sag ihr, ich und Scotty besuchen sie heute Nachmittag mit John.
Er kommt nachher in Nashville an und wir holen ihn vom Flughafen ab.“

Ashleys Gesichtsfarbe tendierte ganz leicht ins rötliche.

„Werdet ihr heute Abend auch noch da sein,
wenn wir vom Ausritt wieder da sind?“

fragte sie
und man hörte deutlich,
wie sie zwischendurch Luftholen musste.

„Himmel, Ash, mein großer Bruder wird dir schon nicht weglaufen.“

raunzte Hailey ihre Freundin ungeduldig an und deutete auf den Himmel.

„Ich hab eh keinen blassen Schimmer, was du an diesem Kerl findest- der nervt doch nur!“


Aber Lilly lächelte ein kleines, wissendes Lächeln.

Ja, für Hailey war John nur ihr dämlicher, nervtötender Zwillingsbruder,
aber für die anderen Mädchen in der Gegend war eben ein Objekt der Begierde.

Kein Wunder, hatte er sein gutes Aussehen,
seinen Charme und seinen Erfolg beim weiblichen Geschlecht
doch definitiv von seinem Vater geerbt.

„Jetzt komm endlich, bevor wir hier noch wurzeln schlagen.
Nachher ist es zu heiß, um...“

sie schlug sich schnell einen Hand vor den Mund
und Lilly runzelte die Stirn.

Diesen Ausdruck kannte sie.

Das Mädchen führte irgendetwas im Schilde.

Und meistens bedeute das nichts Gutes.

„Ihr reitet nicht über den Pass
und du bist spätestens zum Kaffee wieder Zuhause, Hailey, verstanden?!
Grannie bringt sicher noch Apfelkuchen vorbei. “

„Aber Mom!“

protestierte Hailey, doch Lilly konnte am Klang ihrer Stimme erkennen,
dass sie bereits die Waffen gestreckt hatte.

„Und Hailey, Schatz...“

Lilly griff hinter sich,
zog ein paar in Folie eingeschlagene Pfannkuchen hervor
und machte sich mühsam an der rechten Satteltasche ihrer Tochter zu schaffen.

Grinsend drehte Hailey sich zu ihrer Freundin um,
als Lilly die köstlich duftenden Teigkreise verstaut hatte
und Flicka sanft über die Flanke strich.

Ashley hob beide Daumen in die Luft und kicherte leise.

„...vergiss den Proviant nicht.“

vollendete Lilly den Satz.

„Du hast deine Mutter gehört, junge Dame.
Wir sehen uns zum Kaffee.“

erklang plötzlich hinter Lilly eine Stimme
und Scotty trat von hinten zu seiner Frau ans Fenster,
legte die Arme um sie
und fixierte seine Jüngste
mit einem strengen Blick.

Lilly lächelte vielsagend
und schmiegte sich ein wenig in seine Arme,
während die Mädchen, beide,
mit den Augen rollten.

„Ja, Daddy, aber können wir nicht bitte doch über den Pass-“

kokettierte Hailey
und zog einen Schmollmund in seine Richtung.

„Hailey Margery Valens- ich sagte, hör auf deine Mutter!“

knurrte Scotty.

„Bis zum Kaffee seid ihr zurück.“

Hailey hielt Ashley triumphierend eine Hand zur High-Five hin
und diese schlug kichernd ein.

Diesmal war es an Lilly, genervt die Augen zu rollen.
Sie hatte es kommen sehen.
Sie gab es ja nur ungern zu, aber...

Hailey hatte recht.



Sie hatte ihren Vater schon immer äußerst geschickt um ihre kleinen Finger gewickelt.

In dieser Hinsicht konnte Lilly sich noch eine Scheibe von ihrer Tochter abschneiden.

Aber gegen dieses besondere, bei ihrer Geburt geschmiedete Band kam niemand an-

Hailey hielt einen ganz besonderen Part von Scottys großem Herz ganz für sich allein.

Natürlich war ein mindestens genauso großes Stück davon für Lilly und John reserviert,
aber das Band zwischen Vater und Tochter war einfach etwas ganz Besonderes.

Sie erinnerte sich noch genau an die Geschichte der Säuglingsschwester von seinen Gesichtsausdruck, als die Kleine das erste Mal auf der Frühchenstation
ihren viel zu kleinen Finger um seinen Daumen legte.

Da war es spätestens um ihn geschehen gewesen.

Lilly schmunzelte.

Natürlich liebte sie ihn dafür.

Scotty war der beste Vater, den man sich nur wünschen konnte.

Auch für seinen Sohn, auf den er so stolz war, wie ein Vater es nur sein konnte
und keines seiner Baseballspiele verpasste.

John ging es mit Hailey doch auch nicht viel besser, als jedem,
den der lockige Wirbelwind für sich einnahm.
Das schien ihr besonderes Talent zu sein,
so, dass man ihr fast jede Dummheit verzieh.

Sue, die Mutter von Lillys Freundin Honey,
hing ganz besonders an der besten Freundin ihrer Enkelin Ashley.

Und John war Hailey,
durch das Zwillingsband miteinander verbunden
und von dem Gedanken beseelt, seine Schwester in jeder Lebenslage beschützen zu müssen.

Als ob Hailey das überhaupt nötig hätte,
wie diese gebetsmühlenartig genervt immer zu wiederholen pflegte.

Von wem ihr John, ihr guter Junge, diesen Beschützerinstinkt wohl geerbt hatte?!

Leider war das in Haileys Fall gar nicht so verkehrt!
Hatte Hailey nämlich auch Lillys Talent, in brenzlige Situationen zu geraten, geerbt.

Lilly war zwar der Meinung, dass Scotty nicht immer so nachsichtig mit Hailey sein durfte,
besonders, als die zehnjährigen Zwillinge vor ein paar Jahren mal wieder etwas angestellt hatten,
was auf Haileys unrühmliches Einfallsreichtum zurückzuführen war,
und John bereitwillig alles Schuld auf sich genommen hatte, was seine,
in seinen „großen Bruder-“ Augen so mutige kleine Schwester ausheckt hatte,
aber damit stand sie auf ziemlich verlorenen Posten.

So hatten sowohl Scotty als auch John
Lilly nur hilflos angesehen und gemeint:

„Begreifst du denn nicht, Lil/ Mum- sie ist genauso stark und klug wie du.
Was soll man gegen diese wahnsinnig hübschen blauen Augen auch tun?!“

Lilly hatte damals natürlich durchschaut,
was Sache war und beiden Kindern Hausarrest erteilt.
Wobei beide ihren Teil abbekamen, nachdem sie John
mit ernster Polizisten- Stimme erklärt hatte,
dass das Verdecken eines Deliktes auch nicht viel besser war,
als das Planen eines solchen.

Wenn Hailey die Mildtätigkeit ihres Vaters
ihr gegenüber nur nicht immer so schamlos ausnutzen würde!

Um genau zu sein,
hatte Lilly es auch diesmal schon in Scottys braunen Augen sehen können,
dass es ihn ungeheure Willenskraft kostete, nicht schon wieder komplett
auf Haileys Dackelblick hereinzufallen.

Trotzdem liebte Lilly ihr kleines Mädchen über alles und wusste selbst,
wie schwer es war, Hailey's beherztem Tatendrang und ihrem fröhlichen,
einnehmenden Wesen zu widerstehen.

So sah sie es ihrem Mann auch nach, dass er dazu nicht immer in der Lage war.

Und John?
Ein so starkes Band, wie zwischen den Geschwistern,
hatte Lil noch nicht erlebt.

Als John letztes Jahr von der Schule abging, um ein Jahr im Ausland zu verbringen,
hatte er die Trennung von seinem Zwilling kaum ausgehalten.

Immer, wenn sie Hailey und John ansah,
sah Lilly sich selbst, wie sie hätte seien sollen-

Wenn ihre Kindheit so verlaufen wäre, wie Hailey sie erfahren hatte-
gut aufgehoben, geliebt und behütet im Schoß einer liebevollen Familie.

Hailey war taff und ein bisschen verschlossen,
aber sie war auch tüchtig und eine gute Schülerin.

Auch, wenn sie sich von beinah niemandem etwas vorschreiben ließ,
hatte sie doch ein großes Herz und Lilly's Begabung im Umgang mit Pferden geerbt.

Sie wollte dieses Jahr aufs College gehen und wahrscheinlich Tiermedizin studieren,
damit sie eines Tages Lucille auf der Farm als Tierärztin zur Hand gehen konnte.

Wo es den unternehmungslustigen John in die weite Welt hinaus zog,
war ihre Kleine völlig heimatverbunden und bodenständig.

Ihr beiden Kinder hatten sich prächtig entwickelt
und waren zu wunderbaren Persönlichkeiten herangewachsen,
auf die sie und Scotty sehr stolz waren.



„Sei ein liebes Mädchen
und gib Daddy einen Kuss,
bevor ihr los reitet.“

lächelte Scotty jetzt sein kleines Babygirl an
und beugte sich an Lilly vorbei zum Fenster heraus.

Blitzschnell beugte Hailey sich zu ihrem Vater hinab
und drückte ihm einen flüchtigen Kuss auf die Wange.

Lilly seufzte theatralisch
und flüsterte Scotty ins Ohr:

„Dir ist aber schon klar,
dass sie dich gerade mal wieder herumgekriegt hat, oder?“

Lilly sah zu ihrer Tochter auf dem Pferderücken hoch.

„Was ist mit mir?!“

beschwerte sie sich gespielt beleidigt
und auch sie bekam einen schnellen Kuss.

Die beiden Mädchen grinsten einander an,
setzten ihrer Helme wieder auf und wendeten ihre Pferde.

„Bye, Mom, bye Dad!
Bis heute Nachmittag dann!“

In lockerem Trab hielten die Reiter auf den jungen Morgen zu.

„Hailey!“

Lilly rannte zur Haustür
und ein Stück den Weg hinunter.

Sam sprang freudig an ihren Beinen hoch.

„Herrgott, was denn jetzt wieder!“

Hailey zügelte ihr Pferd
und drehte sich im Sattel um.

„Reitet am See vorbei, dann seid ihr schneller!“

Das breite Lächeln auf dem Gesicht ihrer Tochter,
als sie in einem kurzen Galopp wieder zu Ashley aufschloss,
ließ Lilly trotz der morgendlichen Kälte warm ums Herz werden
und Tränen in ihren Augenwinkeln brennen.

Da geht sie hin, mein Baby.

dachte Lilly Rush Valens wehmütig
und sah zum Haus zurück.

Scotty wartete auf der Veranda,
die Hände in den Hosentaschen.


Da fiel es Lilly wie Schuppen von den Augen-
sie hatte vergessen, ihrer aufmüpfigen Teenagertochter
noch etwas wichtiges mit auf den Weg zu geben...


„Springt nicht wieder über den-!“

wollte sie rufen, doch da war es bereits zu spät-

Hailey war angaloppiert,
stellte sich leicht in den Bügeln auf,
so gut das in einem Westernsattel überhaupt ging,
beugte sich tief über den Pferdehals
und flüsterte ihrer kleinen Flicka etwas
in die, vertrauensvoll nach hinten gerichteten,
Ohren zu.

Flicka spannte alle Muskeln an,
erhöhte das Tempo und hielt auf den Zaun zu.

Ihre Ohren spitzten sich nun freudig nach vorn
und Lilly hörte ihre Tochter laut auflachen,
als das Pferd enthusiastisch den Kopf aufwarf,
um mehr Zügel zu bekommen
und noch einmal schneller werden zu dürfen.

Flicka streckte sich,
zog geschickt die Beine unter den Bauch
und Pferd und Reiterin schienen förmlich
über das Hindernis zu fliegen.

Lillys angehaltener Atem entwich in einem tiefen Seufzer,
als sie wieder sicheren Boden unter den Füßen beziehungsweise Hufen hatten
und davon galoppierten.

„Dieses Mädchen bringt mich noch um.“

flüsterte sie,
doch klang eher liebevoller Spott und verärgerter Beifall in ihrer Stimme,
als tatsächlicher Ärger.

Scotty war zu ihr getreten
und sie reichte ihr die Hand.

Er flüsterte,
amüsiert von einem Ohr zum anderen grinsend;

„Sie ist eben deine Tochter.“

Lilly grummelte
und boxte ihn gegen die Schulter.

„Wie hälst du es nur mit Zweien von uns aus?“

Scotty legte ihr einen Arm um die Schultern
und führte sie zum Haus zurück.

Sein berühmtes Scotty-Valens-Herzensbrecher-Lächeln blitze auf.

„Ganz einfach:
Ich liebe dich, Rush!“

Lilly legte den Kopf an seine Schulter
und musste beinah Tränen lachen.

„Ich dich auch, Valens.
Ich dich auch.“

Lilly hielt im Türrahmen inne
und betrachtete ihre Umgebung.

Sie liebte ihren Mann.
Sie liebte ihre Familie, Freunde und die Pferde.

Sie hatte dieses Land und das Leben hier lieben gelernt,
viel mehr, als sie sich je hätte vorstellen können.

Hier war sie endlich frei,
wie die Wildpferde, die sie damals, vor so vielen Jahren,
bei ihrem ersten Ausritt mit Shadow in den Bergen gesehen hatte.

Der Schwarze warf in diesem Moment den Kopf auf
und sah zu ihr hinüber.

Lilly nahm die Schönheit der Hügel mit ihren gold grünen Gräsern,
die sich im leichten Wind bogen, der von den Bergen herunter kam, in sich auf.

Das sanfte Licht und die bunten Farben des frühen Morgens.

Die beiden Pferde hatten nah beieinander gegrast,
von Zeit zu Zeit zog Staub auf, wenn sie die Koppel durchstreiften,
um auf der Suche nach ein paar verbleibenden grünen Halmen ein Stück Richtung Bach zu traben.

Ab und an vernahm man das sanfte Geräusch ihrer Hufe,
die sich auf dem Gras bewegten, wie auf Luftkissen
und das rhythmische Mahlen ihrer Kiefer.

Ansonsten war es still und friedlich.

Alles daran erinnerte Lilly an den Tag,
vor so vielen Jahren, als sie und Scotty
und Izzie zu ihren Ferien auf Lucilles Ranch
angekommen waren.

Jetzt standen die Pferde dicht beieinander
und lauschten mit gespitzten Ohren auf Dinge,
die Lilly als Menschen immer verborgen bleiben würden.

Vielleicht hörten sie ja den Ruf der Freiheit,
den die letzten Wildpferde oben in den Bergen
zu ihnen hinunter schickten, in der Hoffnung,
auch ihre Herzen damit gewinnen zu können.

Genau, wie Izzie,
die mittlerweile wieder
mit Truck und Mary in New York lebte.

Lilly seufzte.
Sie hatte schon viel zu lange nicht mehr
mit ihrer Halbschwester gesprochen.

Aber bald... ganz bald, wenn der Herbst
in den Bergen von Tennessee Einzug halten würde,
wenn sie die Kürbisse aus dem Garten holen würde...

Dann käme die ganze Familie wieder in Knoxville
zusammen, um hier, bei ihnen, Thankgiving zu feiern.

Es war irgendwie zu einer Familientradition geworden
und sie hätte nie gedacht, dass es ihr tatsächlich gelingen würde,
einen Truthahn selbst zu zu bereiten- aber mit der Hilfe von guten
Freunden wie Sue und Honey und ihrer Schwiegermutter Rosa
und ihrer Stiefmuttter Celeste...

Das Rush Valens Haus glich zu diesem Ereignis eher einem Tollhaus,
aber es war... ihr Tollhaus.

In den Zimmern des ausgebauten Dachstuhls tummelten sich
dann Familie Cooper: Celeste, Finn und ihr Vater, Paul
mit Alexis, Christinas Tochter.
Außerdem fielen Rosa und Ramiro Valens
mitsamt Alegria, Mike,
Haileys und Johns Cousin Emilio
und seiner Schwester Isabel Valens
aus Philly ein.

Während Izzie den Komfort des Hauses bevorzugte,
machten Truck und Mary es sich lieber in Schlafsäcken im Stall
oder im Zelt draußen bequem. Für Truck und das Mädchen
bedeuteten die Ferien hier immer ein großes Abenteuer
und eine willkommene Abwechslung zum Trubel
der Großstadt.

Manchmal kamen auch die alten Kollegen aus Philly,
John, der Patenonkel der Kinder, Will, Nick und Kat mit,
welche jedoch aufgrund des Platzmangels auf Lucilles und Angelos
Ranch übernachteten und dann erst, zusammen mit diesen und
mit Big Daddy und den Kollegen aus Nashville,
zum Festessen erschienen.

Beim Gedanken an die bevorstehenden, lauten, hektischen
aber wunderschönen Tage, die bald folgen würden,
lächelte Lilly zu den nahen Bergen hin.

Noch war alles ruhig, auch, wenn sich das bald ändern sollte.


Lillys Blick glitt zu ihren Tieren zurück.

Die großen glänzenden Leiber bewegten sich
in vollkommener Harmonie zu Wind und Gras
die Hügel vor ihrem Haus hinauf und wieder hinunter.

In der Ferne schrie ein Greifvogel sein einsames Lied
in den Morgen hinaus, gleichzeitig eine Klage und
eine Aufforderung, ihm in die grenzenlose Freiheit
dieses Landes, welches unter seinen Flügeln
dahin glitt, zu folgen.

Der hübsche weiße Zaun um die Weide
hielt Lillys Grundstück und die Pferde jedoch bei ihr,
umfriedete ihren Platz im Herzen der Berge.

Er sperrte sie nicht ein, wie sie immer gedacht hatte-
Nein. Er verdeutlichte ihr nur, dass dies der Ort war,
an dem Lilly Rush endgültig zur Ruhe gekommen war.

Der Zaun und das Wissen, dass dies ihr Zuhause war.

Nicht weit entfernt stand Shadow,
ein dunkler Umriss gegen den dunstigen,
hellgrauen Nebel, und sog witternd die Luft
durch die Nüstern ein.

Er wieherte.

Gebannt hielt Lilly bei seinem erhabenen Anblick den Atem an.
Auch er hatte hier, mit ihnen, ein neues Zuhause und Frieden
gefunden.

Der Schwarze wandte den Kopf den Bergen zu und schien zu überlegen.

Diesmal wanderte der Blick seiner dunkelbraunen Augen zu Lilly
und dem Haus. Sie spürte förmlich seinen Blick auf ihr haften.

Endlich schüttelte er die Mähne,
senkte zufrieden den Kopf und vergrub die Nüstern mit einem
tiefen Schnauben wieder im saftigen, von Morgentau glitzernden Gras.

Als Lilly,
glücklich lächelnd,
die Verandatür hinter sich zuzog,

ging gerade über den Bergen die Sonne auf.




ENDE
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