The Confessor's escape

GeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P16
15.03.2015
15.03.2015
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Hallöchen meine Lieben Leser
Hier ist mein zweiter Beitrag zum Wettbewerb "Legend of the Seeker"
Diesmal geht es um Kahlans Vergangenheit. Ich hoffen ich habe ihre Gefühle gut dargestellt, wenn nicht, dann gebt mir doch bitte Verbesserungsvorschläge, ja?
Ich hoffe es entspricht euren Vorstellungen
Daisy♥


~ ~ ~


Dunkelheit umgab mich. Tiefe, unerschütterliche Dunkelheit. Langsam spann sie mich ein, wie eine Spinne mit ihrem Netz. Betäubend drang sie in mich vor, bahnte sich ihren Weg zu meinem Herzen, wie ein tödliches Gift.
Es war nicht sonderlich schwer herauszufinden, was ihre Absicht war: Sie wollte mich so lange bedrängen und locken, bis sie durch meine Schwäche mein Herz, meine Seele einnehmen und diese genauso dunkel wie sich selbst machen würde.
Ich fühlte mich so vollkommen einsam und alleingelassen, obwohl ich deutlich das herzzerreißende Wimmern meiner Schwester neben mir hören konnte.
Wie gerne hätte ich sie getröstet, denn er hatte es nicht verdient, dass sie wegen ihm auch nur eine Träne vergoss. Aber trotz dieses Gedankens standen auch mir die Tränen in den Augen, jedoch konnte ich diese noch kontrollieren, denn ich musste stark bleiben. Für Dennee. Für meine Mutter.
Nur wegen ihnen hatte ich dem verlockenden Angebot der Dunkelheit noch nicht nachgegeben. Diese lockte mich mit erlösender Gleichgültigkeit und himmlischer Macht.
Wie befreiend es sein musste, nicht mehr gegen Trauer und Wut ankämpfen zu müssen und ihnen einfach freien Lauf lassen zu können. Diese Gefühle würden sich in meinem Körper festkrallen, ich würde nicht mehr davon loskommen, ja sogar von ihnen beherrscht werden, aber sie würden wenigstens die entsetzliche Enttäuschung und den schrecklichen Schmerz betäuben.
Die Verlockung wurde mit jedem Tag der Unterdrückung, jedem Abend, an dem er uns endlich alleine ließ, größer. Aber jedes Mal konnte ich mich mit dem Gedanken an meine Mutter daran erinnern, wozu ich geboren war.
Also hielt ich immer noch an dem Licht, dem durch und durch guten Mensch an mir fest, der jedoch trotz allem kleiner und kleiner wurde und irgendwann ganz verschwunden sein würde.
Dennee schluchzte leise auf und flüsterte meinen Namen.
Es klang so verzweifelt, dass es mir beinahe das Herz brach.
Es war die reinste Folter, sie nicht trösten und umarmen zu können.
Aber die Fesseln um meine Handgelenke schnitten mir tief in die Haut und verhinderten, dass ich meine Hände auch nur irgend bewegen konnte.
Also versuchte ich, so gut es mit gefesselten Händen ging, mich in dem kleinen Bett umzudrehen. Sie lag auf der anderen Seite des dunklen Zimmers, mit dem Gesicht in meine Richtung gedreht.
Das einzige, das ich in der Dunkelheit erkennen konnte, waren ihre unschuldigen, blauen Augen, die durch das viele Weinen noch dunkler wirkten als sonst. Flehentlich sah sie mich aus diesen an, auch sie konnte dem Schmerz nicht länger standhalten. Ohne nachzudenken wollte ich aufstehen und zu ihr gehen, jedoch sank ich zugleich wieder auf das Kissen zurück, weil das Seil an meinem Fußgelenk mich ans Bett fesselte und mir schmerzhaft ins Fleisch schnitt.
Wieder suchte ich den Blick meiner Schwester und versuchte sie wenigstens so zu trösten, aber ihre Augen waren immer noch trüb vor Trauer und Enttäuschung. Gefühle, die uns seit dem Tod unserer Mutter begleiteten und seitdem keinen anderen gewichen waren.
Der Tag ihres Todes war der Tag, an dem all unser Familienglück zerstört worden war, denn unser Vater nahm uns nicht mehr als seine Töchter an, nachdem seine Frau gestorben und er somit aus der Wandlung der Konfessor befreit worden war.
Er betrachtete uns nur noch als Monster, Monster, die Leben zerstören konnten mit ihren Kräften. Und doch war sein Hunger nach Geld größer gewesen, als die Angst vor den Monstern.
Also hatte er uns gepackt, während wir noch wie betäubt um unsere geliebte Mutter geweint hatten. Er hatte uns die Hände gefesselt und in ein Zimmer gefesselt.
Erst nach zwei Tagen war er wiedergekommen, um uns eine Frau zu zeigen, die wir wandeln und in sein Schlafzimmer befehlen hatten sollen.
Die erste von vielen.
Ich verstand nicht, was er dort mit ihnen anstellte, aber ich wusste, dass es nicht gut war.
Trotzdem taten wir alles, was er uns befahl, denn er war unser Vater und wir waren in den Gedanken vernarrt, dass er irgendwann wieder zu Vernunft kommen und, wie ein Vater es tun sollte, mit uns weiter leben würde.
Er schrie oft und schlug uns, wenn wir doch nicht erfüllten was er verlangte.
Beinahe jeden Tag trieb er jemanden auf, den wir wandeln sollten, weil er entweder reich war, meinem Vater Geld verschaffen konnte, oder weil er sich mit einer Frau vergnügen wollte, ohne dass diese um Hilfe schrie.
Erst heute hatten wir ein Mädchen wandeln sollen, das bereits mit ihren gerademal 15 Jahren ein halbes Vermögen von ihren Eltern geerbt hatte und zudem noch gut bestückt war an anderen Dingen, nach denen mein Vater verlangte.
Ich hatte das Entsetzen in ihren Augen gesehen, als sie begriffen hatte, was mit ihr geschehen würde, Sie hatte nur kurz geschrien, nur bis meine Magie sie erreicht und ihr ihren eigenen Willen genommen hatte.  Ihre Augen hatten sich schwarz gefärbt, schwarz wie alles um mich herum, sie war in die Knie gesunken und hatte die Worte gesagt.
„Befehligt mich, Konfessor.“
Worte, die ich hasste und gleichzeitig liebte. Sie bewiesen was für ein Monster ich war, Menschen ihren freien Willen zu nehmen, statt gnädig genug zu sein sie zu töten. Der Verlust ihres freien Willens war für manche weit schlimmer als das Todesurteil.
Aber diese Worte verliehen mir gleichzeitig auch die Macht, die mir als Konfessor gebührte, die Macht, die es den Konfessoren erlaubte in den Midlands zu herrschen.
Diese Worte erinnerten mich an meine tote Mutter. Hoffentlich hatte sie dort, wo sie nun war ein besseres Leben.
„Tu alles was er von dir verlangt“, hatte ich ihr mit brennendem Herzen befohlen und das Mädchen war meinem Vater widerstandslos in seine Gemächer gefolgt.
Kurz darauf war dieser wieder zurückgekommen und hatte uns festgebunden. Dann war er wieder verschwunden, ohne sich zu bedanken. Er bedankte sich nie, schließlich taten wir das nicht aus Gefälligkeit zu ihm und er wusste das.
Hin und wieder drang ein gedämpftes Stöhnen durch die dünnen Wände.
Es ließ mich längst nicht mehr erschaudern. Ich hatte mit der Zeit gelernt mich daran zu gewöhnen.
Anders als an Dennees verzweifeltes Schluchzen. Es war unmöglich sich daran zu gewöhnen. Es versetzt mir jedes Mal aufs Neue einen Stich in mein  Herz. Und jedes Mal wurde ich wütender auf meinen Vater. Wie konnte er ihr so etwas antun? Ich konnte es ertragen, ich musste es ertragen. Ich war die Älteste. Aber Dennee… So klein, so schwach, so unschuldig. Sie hatte es nicht verdient.
Aus diesem Grund war ich mir inzwischen sicher, dass der Tyrann, unser Vater, kein Herz besaß. Und doch hoffte ein klitzekleiner Teil meines Herzens noch…
„Kahlan?“, obwohl Dennee flüsterte, hallte ihre Stimme laut durch die erdrückende Stille, „Kahlan, ich will zu Mummy.“
Ich wusste sofort, dass sie es ernst meinte, denn ihre Stimme klang auf einmal sehr fest und passte nicht mehr zu dem neun Jahre alten Mädchen.
Meine Schwester meinte es, wie sie es sagte. Sie wollte an den Ort an dem unsere Mutter war. Einen besseren Ort als hier.
Sie wollte lieber tot sein, als noch länger diese Pein zu ertragen.
Ich war entsetzt. Obwohl ich wusste, dass wir beide oft genug mit diesem Gedanken gespielt hatten, hatte keiner von uns je gewagt, ihn laut auszusprechen. Nie schien die Situation so aussichtslos, denn immer hatten wir einander gehabt, um uns gegenseitig am Leben zu halten.
Aber Dennee hatte Recht, unsere Liebe zueinander würde nicht mehr lange ausreichen.
So stark sie auch war, irgendwann würden es unsere Seelen nicht mehr aushalten, von Dunkelheit umgeben zu sein und ihr ständig standhalten zu müssen.
Das musste aufhören. Ob nun durch unseren Tod oder auf eine andere Weise war dabei völlig egal. Alles war besser, als dieses Leben. Unterdrückt von unserem Vater, den sowieso nur unsere Kräfte interessierten. Bestimmt wäre es ihm egal, wenn wir sterben würden, er würde nur um den Verlust der Magie trauern.
Diese Tatsache war mir schon seit sechs Jahren schmerzlich bewusst, aber in dieser Nacht stieg brodelnde Wut in mir auf. Wut auf meinen Vater, die ich jahrelang unterdrückt hatte, aus Angst er könne uns noch schlimmeres antun.
Diese Wut kochte in meinem Inneren und setzte schließlich mein Herz in Brand. Sie brannte die schreckliche Dunkelheit fort und ließ die Lebenslust wieder Einzug halten.
In dieser Nacht war ich überzeugt, dass es nichts Schlimmeres geben konnte, was er uns noch antun könnte.
„Nein“, erwiderte ich mit fester Stimme, „Nein, Dennee, so darfst du nicht denken. Es wird alles wieder gut. Versprochen.“
Die Entschlossenheit in meiner Stimme überraschte mich so, dass ich beinahe vor mir selbst zurückschreckte, aber die Hoffnung in Dennees Augen gab mir den Mut, weiterzumachen.
„Ich habe eine Idee. Du musst jetzt genau zuhören, wir haben nicht viel Zeit.“
Mit großen Augen sah sie mich an, nickte jedoch neugierig.
Die Idee in meinem Kopf nahm langsam Form an. Es war nicht sonderlich viel und auch noch nicht richtig ausgefeilt, aber es war mehr, als wir bisher gehabt hatten.

Irgendwann mussten ich doch eingeschlafen sein, nachdem ich noch ewig über meinen Fluchtplan nachgedacht hatte, denn ich wachte erst wieder auf, als mein Vater laut polternd die Tür öffnete und abfällig befahl, dass wir aufwachen sollten.
Verschlafen öffnete ich die Augen. Mein Körper war noch im Halbschlaf, aber mein Gehirn war in dem Augenblick vollständig aufgewacht, in dem ich meinen Erzeuger erblickt hatte.
Ich hatte nicht den Mut, meinen Zorn zum Ausdruck zu bringen, aber dafür legte ich so viel Hass und Wut in meinen Blick, dass sie hoffentlich unmöglich zu übersehen waren.
Es erfüllte mich jedoch mit unfassbarer Freude, dass ich ihn vielleicht nie mehr wiedersehen musste, dass er uns vielleicht nie wieder quälen und ausnutzen konnte, aber das durfte ich ihm auf keinen Fall zeigen, sonst würde er Verdacht schöpfen.
„Hier habt ihr was zu essen!“, knurrte er und knallte eine Schale mit Brei und einen Becher voll Wasser neben mir aufs Bett. Dasselbe tat er bei Dennee, die ihr Zittern kaum zu verbergen vermochte. Spöttisch lachte er über ihre Angst, jedoch haftete sein Blick stets an ihren Händen. Auch er fürchtete sich.
Er verließ den Raum ohne ein weiteres Wort zu verlieren, natürlich vergaß er nicht, abzusperren und nur wenige Minuten später hörte man, wie die Haustür hinter ihm ins Schloss fiel.
Das war meine Gelegenheit. Ich wartete noch fünf weitere Minuten, um sicherzugehen, dass er nicht wieder zurückkam und drehte mich, soweit es mit gefesselten Händen ging, so, dass ich mit dem Gesicht zu der Wand gedreht war, an der mein Bett stand.
Diese Wand grenzte direkt an die Räume meines Vaters und wenn ich Glück hatte, befand sich das von mir gewandelte Mädchen noch dort. Die Gewandelten verschwanden immer kurz nachdem mein Vater alles hatte, was er wollte. Ich wusste nicht wohin, aber ich hatte keinen von ihnen je wieder zu Gesicht bekommen.
„Mary?“, flüsterte ich und versuchte irgendwie auf mich aufmerksam zu machen, indem ich mit dem Bett so gut es ging gegen die Wand stieß.
„Mary?“, diesmal wagte ich es, lauter zu sprechen und tatsächlich hörte ich, wie sich auf der anderen Seite etwas bewegte. Vor Erleichterung setzte mein Herz einen Schlag aus. Sie war noch da.
„Hallo?“, hörte ich eine Stimme gedämpft fragen, „Herrin? Seid ihr das?“
„Ja, ich bin es“, antwortete ich erleichtert, „Hör zu, ich habe eine Aufgabe für sich. Du musste es schaffen, dass mein Vater dich bis heute Abend behält. Das ist schon einmal die erste Schwierigkeit, denn ich weiß nicht, was er vorhat.“
„Keine Sorge, Herrin, er hat Gefallen an mir, denke ich“, verkündete sie in dem unterwürfigen Ton, den ich nicht ausstehen konnte.
„Gut. Wenn du das geschafft hast, musst du dafür sorgen, dass er betrunken ist. Flöße ihm so viel Wein ein, wie du finden kannst. Dann musst du ihm den Schlüssel stehlen, wenn er nichts mehr mitbekommt und uns befreien. Aber komm erst, wenn die Sonne untergegangen ist, dann ist es sicherer. Hast du verstanden? Kannst du das schaffen?“
Es kam mir komisch vor, so mit einem Mädchen zu reden, dass älter war als ich, aber das gehörte wohl dazu, wenn man eine Konfessor war.
„Ja, ja, Herrin, für euch tue ich alles“, die Begeisterung in ihrer Stimme war beinahe schon unheimlich.
„Vielen Dank, Mary. Bis heute Abend und lass dir aber nichts an deinem Verhalten anmerken.“
„Ja, Herrin, ich werde kommen“, mit diesen Worten entfernten sich die Schritte von uns und ich atmete erleichtert auf. Dennee und ich lächelten uns gegenseitig bis über beide Ohren an. Jetzt mussten wir nur noch warten.
Und das Warten war unerträglich.
Er kam erst am frühen Nachmittag wieder nach Hause und verschwand direkt wieder in sein Zimmer. Ich hörte, wie er sich mit Mary unterhielt, aber was sie sagten konnte ich unmöglich verstehen, dazu waren sie viel zu leise. Daraufhin vernahm ich nicht mehr viel aus dem Nebenzimmer.
Die Zeit zog sich langsam und zäh dahin und ich zweifelte bereits daran, ob der Abend überhaupt kommen würde. Dennee schlief zwischendurch immer wieder ein und ich wünschte ich könnte ebenfalls schlafen, aber dazu war ich viel zu aufgeregt. Alles in meinem Kopf drehte sich um eine Frage: Wird alles funktionieren?
Als dann doch endlich die Sonne unterging, wurde ich immer ungeduldiger und die Spannung war kaum noch auszuhalten. Es war schrecklich an ein Bett gefesselt zu sein, und nichts tun zu können. Ich fühlte mich so hilflos. Alles hing von Marys Erfolg ab. Was, wenn sie es nicht geschafft hatte? Was, wenn sie tot war?
Aber schließlich nahm mein angespanntes Gehör doch wahr, wie ein Schlüssel im Schloss unserer Zimmertür klickte.
Marys Kopf erschien im Türspalt und sie eilte schnell heran, um  meine Fesseln zu lösen. Kaum war ich frei, weckte ich meine kleine Schwester und versuchte auch bei ihr die Knoten der Fesseln zu öffnen. Meine Hände zitterten wie verrückt und irgendwann musste Mary mir zu Hilfe kommen.
Verschlafen rieb Dennee sich die Augen, war aber sofort wach, als sie bemerkte, was los war. Als wir beide auf den Beinen standen, sah ich unsere Retterin an
„Wo ist er?“, fragte ich besorgt. Meine Stimme zitterte ebenfalls vor Aufregung.
„Er ist betrunken eingeschlafen. Ihr braucht euch also keine Sorgen zu machen, Herrin“, beruhigte sie mich.
Zufrieden nickte ich ihr zu und begab mich mit meiner Schwester an der Hand zum Ausgang. Mary folgte uns.
Vorsichtig sah ich mich nach den beiden Wachen um, die mein Vater bezahlen konnte, aber sie waren nicht zu entdecken. Leise machten wir uns auf den Weg zur Hintertür. Wir waren beinahe angekommen, als mich ein lautes Krachen mitten in der Bewegung innehalten ließ. Mary hatte mit dem Fuß eine Vase umgeworfen.
Geschockt sah ich mich um und zog meine Schwester in das nächste Zimmer – die Speisekammer. Bestimmt hatten uns die Wachen gehört. Kurz zögerte ich, aber dann riss ich auch Mary mit mir. Sie hatte es nicht mit Absicht getan. Ich konnte sie nicht einfach so ausliefern. Das war das Mindeste, was ich tun konnte, nachdem sie uns gerettet hatte. Auch sie hatte die Freiheit verdient.
Ich bedeutete meinen Begleiterinnen leise zu sein und lauschte. Von draußen waren schwere Schritte und leises Gemurmel zu hören, aber es entfernte sich schnell wieder. Wahrscheinlich hatten sie beschlossen, dass es nur eine Katze gewesen war.
Mein Herz klopfte so furchtbar laut, dass ich Angst hatte, allein deswegen entdeckt zu werden doch ich zog Dennee und Mary mit mir zu der Tür, die ins freie führte. Langsam öffnete ich sie, aber zum Glück war auch dort niemand.
Mit einer schnellen Bewegung zog ich meine Schwester vor mich und befahl ihr in den Wald zu rennen, so schnell sie konnte, ebenso wie Mary, dabei ließ ich meinen Blick jedoch unverwandt durch die Umgebung streifen. Vielleicht kamen die Wachmänner doch noch um die Ecke. Aber ich hatte Glück.
Mit klopfendem Herzen rannte schließlich auch ich los, als die anderen verschwunden waren. Ich rannte schneller als je zuvor in meinem Leben und schon nach kurzer Zeit hatte ich die anderen eingeholt. Im Lauf ergriff ich Dennees Hand, um sie nicht zu verlieren.
Wir rannten lange und schnell in den Wald hinein, immer tiefer und tiefer.
Meine Lungen brannten wie Feuer, das Atmen war schmerzhaft und meine Beine drohten beinahe zu versagen. Immer wieder klagte Dennee, dass sie nicht mehr könne, aber wir durften nicht rasten. Es war viel zu riskant, vielleicht hätten sie uns dennoch eingeholt und wieder nach Hause gebracht und dann wäre es noch schlimmer geworden als jemals zuvor. Das konnte ich nicht zulassen.
Wenn sie unser Verschwinden bemerkten, mussten wir schon mindestens einen Tag von Daheim entfernt sein, andernfalls wäre es viel zu leicht gewesen uns einzuholen, zumal sie nicht wussten in welche Richtung wir geflohen waren.
Ich wusste nicht, wie lange wir gelaufen waren, ob Tage oder Stunden, ich hätte es nicht sagen können, aber irgendwann kamen wir am Waldrand an, von dem aus wir direkt auf ein Dorf blicken konnten, in dem meine Mutter einst mit mir gewesen war.
Erschöpft sanken wir drei ins Gras und rangen verzweifelt nach Luft. Wir waren die ganze Zeit gerannt und hatten nur kurz an einem Bach gerastet, um etwas zu trinken.
Eine Weile saßen wir da und sagten kein Wort, bis Mary schließlich die Stille durchbrach.
„Wohin gehen wir nun, Herrin?“
„Es tut mir leid, Mary, aber du kannst nicht mit uns kommen“, eröffnete ich ihr mit Bedauern in der Stimme, woraufhin sie mich verletzt ansah, „Hör zu, die Männer meines Vaters suchen  nur nach uns, nicht nach dir und wenn sie uns doch noch kriegen, dann bist wenigstens du noch frei. Verstehst du?“
Langsam nickte sie, sah aber immer noch nicht bereit aus zu gehen.
„Also gut, ich wollte das eigentlich nicht tun…“, fing ich an und hasste mich für das, was ich jetzt tat, „Ich befehle dir, nach Süden zu gehen, immer weiter so lange bis du ein Dorf findest, in dem du leben möchtest. Dort gründest du eine Familie und denkst nicht mehr an mich zurück.“
„Ja, Herrin“, antwortete sie niedergeschlagen und wandte sich zum Gehen.
„Auf Wiedersehen, Mary. Ich werde dir auf ewig dankbar sein. Mögen die guten Geister dich begleiten.“
„Ich werde euch stets treu bleiben, Herrin.“
Wir sahen ihr noch lange nach, bis sie als ein kleiner, schwarzer Punkt am Horizont verschwand.
Ich nahm die Hand meiner kleinen Schwester und lächelte sie überglücklich an. Ich war so glücklich wie seit langem nicht. Wir waren in Sicherheit.
„Komm, Dennee, lass uns weiter gehen“, lachte ich.
„Aber wohin, Kahlan, wohin?“, wollte sie verunsichert wissen, doch auch sie konnte ihr vollkommenes Glück nicht verbergen.
„Dorthin, wo das Schicksal uns führt.“
Ich schmunzelte, aber das reichte mir nicht, ich wollte mehr.
Schließlich konnten wir beide unser Lachen nicht mehr zurückhalten. Wir tanzten und hüpften über die Wiesen, um unsere Freude zum Ausdruck zu bringen. Endlich waren wir frei.
Wir hatten kein Zuhause mehr, nichts wohin wir gehen konnten. Wir hatten nur einander und die Kleider, die wir am Leib trugen. Wir waren hungrig, durstig und erschöpft. Aber wir waren frei. Endlich befreit aus den Fängen unseres Vaters.
Laut lachend schlenderten wir Hand in Hand durch die vom Sonnenaufgang rot gefärbten Felder und Wiesen.
Jetzt würde alles gut werden.
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