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Im Zeichen des Wandels

von Justinian
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16
Sinbad
13.03.2015
02.04.2016
24
68.255
3
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13.03.2015 1.027
 
Kapitel 1– Auf dem Weg nach Sindria [1]
Auf hoher See
Ein lautes Krachen hallte durch den spärlich beleuchteten Lagerraum des Frachtschiffes und Orangen und andere Früchte verteilten sich über den hölzernen Boden. Nuri landete mit einem dumpfen Geräusch auf dem Boden und rieb sich den schmerzenden linken Oberarm. Warmes Blut durchsickerte seine Finger und lief seinen Arm hinunter. Ein langer Splitter hatte die Haut aufgerissen, es brannte stark. Als auf der Treppe Schritte erklangen begann er hastig auf dem Boden herum zu haschen und sammelte die heruntergefallenen Früchte zusammen. Glücklicherweise hatte die Kiste den Sturz einigermaßen gut überstanden. Die Schritte näherten sich und innerlich bereitete Nuri sich schon auf eine wütende Ansprache samt Strafe vor. Den Kopf gesenkt haltend wartete er ab. Als die Schritte neben ihm zum Stehen kamen begann sein Arm zu zittern. Er traute sich nicht aufzusehen.

Als ihn jemand am Arm packte zuckte er zusammen und begann undeutliche Entschuldigungen zu stammeln. „Aber, aber“, ertönte eine sanfte Stimme nahe seinem Ohr. Als Nuri aufblickte sah er in das Gesicht eines jungen Mädchens, vielleicht ein oder zwei Jahre jünger als er selbst. Nuri war fast achtzehn, sah aber jünger aus. Als er einen Moment schwieg sah ihn das Mädchen verwundert an: „Wir haben uns neulich erst kennengelernt. Am Hafen.“ Nuri nickte kurz. „Ich bin Amira. Und dein Name war Nuri, nicht wahr?“ Nuri nickte erneut. Dann begann er selbst erstmals zu sprechen: „Ich hab nicht gehört dass du es warst.“ Sein Blick lag ruhig auf den Ketten an ihren Füßen. Amira blieb das nicht verborgen. „Man gewöhnt sich daran. Man lernt irgendwie so zu laufen dass man nichts hört.“
„Ja das kenne ich.“
„Ja, nun.“ Amira betrachtete Nuris Wunde. „Das sieht ja schlimm aus. Wie hast du das den gemacht?“ Nuri kratze sich nervös durch die dunkelblonden Haare und deutete dann auf eine leere Stelle, oben auf einem hohen Regal. „Ich wollte nur die Ladung verstauen.“
„Und dabei stellst du dich so schusselig an?“ Ungläubig schüttelte Amira den Kopf. Leichte Schamesröte stieg Nuri ins Gesicht. „Natürlich nicht!“ rief er.
„Aber? Na lass mich das erstmal ansehen.“ Amira betrachtete die Wunde und entfernte einige kleine Holzreste, die sich darin verfangen hatten. Nach einer Weile gab sie seufzend auf: „Das bringt so nichts.“ Sie sah sich einen Moment lang im Raum um und eilte dann zu ein paar großen Fässern. Zwischen ihnen holte sie eine Holzschale hervor und öffnete das größte von insgesamt fünf Gefäßen. Nuri sah sich nervös um, als Amira eine dunkelrote Flüssigkeit herausschöpfte und kurz daran nippte. „Hm, Wein“, sagte sie und brachte die Schale zu Nuri. „Lass mich kurz deine Wunde ausspülen. Sonst entzündet sie sich.“ Nuri wollte etwas erwidern,aber als die Flüssigkeit seine verletzte Haut berührte brannte es einen kurzen Moment lang stark und er zuckte zusammen. Ein vergnügtes Lächeln legte sich auf Amiras Gesicht. „So schlimm ist es doch wohl nicht?“ Nuri ging nicht darauf ein. Nervös sah er sich noch einmal um. „Du solltest besser nicht an die Vorräte gehen. Wir werden nur Ärger bekommen.“
„Es wird dich viel mehr ärgern wenn es sich entzündet und du den ganzen Tag von Schmerzen geplagt wirst. Außerdem habe ich alles gut wieder verschlossen. Wenn ein wenig Wein fehlt fällt das nicht auf.“
„Wenn du das sagst…“ Nuri sah unsicher zu Boden. „Vielen Dank.“
„Nicht doch“, antwortete Amira lächelnd. „Ich hab mal ein wenig über Medizin gelernt. Aber jetzt sag mal, wie ist das passiert?“
„Wie gesagt“; antwortete Nuri während ihm Amira einen Verband aus einem alten Leinentuch anlegte, „ich wollte die Ladung verstauen.“ Inzwischen waren alle Früchte wieder aufgesammelt und zurück in die Kiste gelegt worden. Amira hob sie in das oberste Fach des Regals und sicherte sie indem sie ein dünnes Seil davor spannte. „War doch ganz einfach, oder?“ fragte sie.
Nuri sah beschämt zu Boden. „Ja, eigentlich schon.“ Er rieb sich nervös über den linken Arm. „Ich habe mich als Kind mal verletzt. Seitdem kann ich den linken Arm nicht mehr richtig heben.“
„Ach so.“ Amira überlegte einen Moment. „Und dann hast du versucht sie allein mit einer Hand zu heben.“ Ein Moment der Stille, dann begann Amira leise zu kichern, ehe sie in schallendes Gelächter ausbrach. Nuri sah sie mit vorwurfsvollem Gesichtsausdruck an. „Tut mir leid. Es ist nur…“ Sie lachte erneut kurz auf. „Es sah bestimmt lustig aus.“ Beschämt sah Nuri zu Boden und kratze sich an seinem Arm. Er fühlte sich ein wenig verspottet und nicht ernst genommen. Amira blieb das nicht verborgen, doch sie ging nicht direkt darauf ein. Stattdessen ging sie einige Schritte durch den Frachtraum und sah sich um. An einer Ecke blieb sie stehen und zog eine alte Decke aus einem größeren Zwischenraum zwischen zwei Regalen voll mit Krügen und Kisten. „Hier schläfst du also?“ frage sie und bekam zur Antwort ein kurzes Nicken. Ungläubig schüttelte Amira den Kopf. „Also wirklich.“
„Es ist mir eigentlich ganz recht“, antworte Nuri. „Ich bin lieber alleine.“
Amira ging schon wieder nicht darauf ein und zog zwei längliche Leinenbündel aus dem provisorischen Nachtlager. Danach wickelte sie alles zusammen und drückte Nuri das Bündel in die Hand. „Ich kenne einen besseren Ort auf diesem Schiff. Komm doch mit zu mir.“ Ohne eine Antwort abzuwarten durchquerte sie mit wenigen Schritten den Raum und öffnete eine hölzerne Tür, die in einen weiteren Frachtraum führte. „Komm.“
„Jetzt warte doch mal!“ rief Nuri, lauter als er es gewollt hatte. Rasch senkte er wieder den Blick ehe er weitersprach: „Warum kümmert dich das überhaupt?“

Amira blickte ihn einen Moment an, als verstünde sie seine Frage nicht. Dann lächelte sie kurz und antwortete knapp: „Weil wir uns in der gleichen Lage befinden.“ Sie bückte sich herunter, nahm die Kette ihrer Beinfesseln in die Hand,hob sie ein wenig hoch und ließ sie rasselnd auf den Boden fallen. „Im wahrsten Sinne des Wortes. Aber jetzt komm schon. Pass aber auf mit der Wunde. Sie könnte noch ein wenig nach Wein riechen. Wenn das jemand merkt kommen wir in Erklärungsnöte.“ Damit durchschritt sie die Tür und machte sich eiligen Schrittes auf den Weg in Richtung des hinteren Teils des Schiffes. Nuri blieb keine Wahl als seiner neuen Bekanntschaft eiligen Schrittes zu folgen.
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