Ein Schatten ihrer selbst

von Damnation
GeschichteAbenteuer, Tragödie / P16
13.03.2015
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Es war ein simples Leben, in der Nähe von Emsteig. Hunderte kleiner Dörfer, windschief und strohgedeckt standen in grüppchenartigen Ansammlungen, durch die sich wie kindlich gezeichnete Schlangen Kieswege wanden, ausgestreut auf dem feuchtnassen, aber dennoch kargen Moor.
Der kleine Fleck Unversehrtheit, das Dorf ihrer Kindheit, trug den Namen Itraya.
Gegründet einst wegen der Seenähe und dem Ausblick auf den majestätischen Arreat der geboten wurde, hatten die Bewohner dort  schon lange den Geist ihrer Vorväter aufgegeben. Seitdem der Weltenstein gestohlen und der Arreat vernichtet wurde, gingen die umliegenden Regionen vor die Hunde. Das einzige was nach der vernichtenden Explosion und der riesigen Druckwelle, die einem sterbenden Stern gleich, noch an der Küste Itrayas zu sehen war, war der riesige, schwarz ausgebrannte Krater, in dessem tiefsten Inneren dennoch das Böse selbst zu schlafen schien. Die Bastionen der Umgebung berichteten von Biestern, die sie nie zuvor erblickt hatten. Sie würden sich im Schatten der Nacht aus dem riesigen Krater quälen und schreien, so furchtbar schreien dass selbst die Handelsschiffe die durch die Zwillingsmeere schipperten, um ihre Waren an die Küstenstädte zu verkaufen, die Segel auffierten um schnell diese gespensterhafte Gegend hinter sich zu lassen. Wie zu erwarten wurden die Handelsrouten dieser Region verlegt oder eingestellt, und die Bewohner waren nun auf Eigenanbau und Viehwirtschaft angewiesen. Doch als ob dies nicht schon Bürde genug für die Bevökerung wäre, begann nach vier Monden der Krater zu schwelen und zu qualmen, kleinere, seperate Schlote brachen täglich auf, und allesamt spien sie Aschfahle Rauchwolken gen Himmel, tags- und nachtsüber. Es wurde finster in Itraya, die Pflanzen gediehen  schlechter, und der Boden war für viele Feldfrüchte zu schwefelhaltig geworden, weshalb die Wahl der richtigen Feldpflanzen noch weiter erschwert wurde. Das Vieh war mager, der Himmel bei Sonnenauf- und Sonnenuntergang kaum zu unterscheiden. Das Leben war hart, aber all dies merkt man nicht, wenn man es nicht anders kennt. Wenn man es nicht besser weiß, wenn man erst nach all diesem Unheil in diese Welt kam...
Kinderlachen. Man sieht wie zwei kleine Mädchen durch die Gassen rennen, sich lächelnd an den Händen haltend. Beide tragen dörfliche Kleidung, ein Simples braunes Wams, ein leinernes, grobes Kleid und eine Art umgeschlagener Latzhose, beide tragen sie Zöpfe in den Haaren. Die Kleinere der Beiden hat sandgelbes, die Größere ebenholzschwarzes Haar. Es ist Mittagszeit in Itraya und auch wenn die Seewege ausfallen, so betreiben doch die örtlichen Dörfer untereinander Handel. Ein paar Silber für ein Kalb, ein paar Kupfer für etwas Saat. Die Mädchen schlendern nun an den wenigen Dorfläden vorbei, der Schmiede, der kleinen Bäckerei, streicheln ein etwas perplex dreinblickendes Pony, welches dies jedoch mit hingestrecktem Kopf über sich ergehen lässt, bis sie eine bekannte Stimme von den Häusern widerhallen hören. "Hale?! Shila?!" Die Mädchen drehen sich um, die Kleinere spricht: "Hale, hast du das gehört?" Nun sieht sich auch die größere der Beiden um. "Ja, das war Mutter, sie hat uns gerufen. Wir gehen besser, und können ja später noch einmal zurückgehen." Die Kirchenglocke läutete, es schlug Mittag. Als sich nun Hale bereits umgewandt hatte um zu gehen, löste sich ihre kleine Schwester und sah das Pony traurig an. "Ich hätte auch so gerne eins..." flüsterte sie leise. Hale blieb stehen.Sie konnte ihrer Schwester auch wirklich nichts ausschlagen: "Ich bin solange dein Pferdchen. Aber nur bis wir zuhause sind." Ein Strahlen machte sich auf Shilas Gesicht breit, als ihre Schwester sie auf ihre Schultern setzte, und leise ein wiehern nachmachte. Hale griff ihre Hände und sie begannen, die kurze Gasse nach Hause zu gehen.
Die Mutter der Beiden stand bereits vor dem kleinen, rustikal gebauten Haus welches sich sehr Zentral im Dorf befand. Trotzdem sah es ein wenig wie ein Hexenhäuschen aus einem der Märchen die ihre Mutter ihnen stets vor dem Einschlafen vorlas aus, da bereits ein Viertel des Daches und ein Teil der Hauswand von Efeu überwachsen waren. Die Pflanze wuchs so dicht, dass im Frühling kleine, graue Singvögel im dichten Geäst brüteten. Auf der Schattenseite des Hauses zog sich eine Goldranke die Wand entlang, eine bereits sehr alte Ranke, deren schöne Blüten die Mädchen manchmal in einer Mischung aus der Dorfapotheke einlegten, um sie zu erhalten und sich ins Haar zu flechten. Ihre Mutter, eine ländlich aber freundlich wirkende Frau hatte sich eine grobe Schürze umgebunden, und hielt eine dunkel gehämmerte Kelle mit einem filigranen Holzgriff in der Hand: "Es gibt Essen Mädchen, ich rufe euch schon zum vierten Mal." Etwas schuldbewusst sah Hale zu Boden, doch der strenge Ausdruck auf dem Gesicht ihrer Mutter verflog schnell mit ihrem Anblick, wie sie ihre kleine Schwester huckepack trug. "Nun aber husch husch an den Tisch, sonst wird es noch kalt." Sie lächelte nun wieder freundlich. Hale half Shila von ihren Schultern und beide Rückten auf zwei noch etwas zu großen, aus gräulich weißem Holz gezimmerten Holzstühlen näher an den Tisch, die Füße quietschten leicht auf den rotbraunen Fliesen. Ihre Mutter schenkte aus, es gab nichts allzu besonderes, einen Steckrübeneintopf, gewürzt mit Kräutern vom Dorfmarkt.
Alle waren nun versammelt, sie sprachen wenig zwischen den Löffeln des Eintopfes, nur einige Worte über den Tag, was sie noch vorhätten. Die Mutter der Mädchen, Hinira, legte ihren Löffel beiseite. "Mädchen, ich werde nun nocheinmal zum Markt gehen, die Jäger sind heute wieder zurückgekehrt und ich will schauen, ob sie etwas Horn gebracht haben." Shina sah sie mit großen Augen an. "Wieso denn Mutter?" Hinira grinste leicht. "Das ist ein Ge-"... Sie wurde im Satz unterbrochen. Unterbrochen von etwas, dass normalerweise ein gutes Zeichen war, oder zumindest zum Alltag gehörte. Doch nicht jetzt. Die Dorfkirche schlug die kleine Melodie, die am Mittag stets gespielt wurde, hektisch, abgehackt. Das Zeichen für Gefahr.