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★Lυllαby ★

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Familie / P12 / MaleSlash
Dr. Helen Magnus Nikola Tesla
12.03.2015
22.04.2015
26
67.876
6
Alle Kapitel
18 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
16.03.2015 1.573
 
Keine zwei Minuten später, saßen die beiden Unsterblichen mit der kleinen Lady zusammen auf der bordeauxroten Wohnzimmercouch.
Helen und Dakara ruhten in Schneidersitzposition und sich gegenüber sitzend, auf der exorbitanten Sitzgelegenheit, während das skeptische Physikgenie wachsam neben seiner Freundin Platz genommen hatte.
Die besondere Abnorme mit den multiplen Kräften, starrte beharrlich die beiden Erwachsenen an.
Sie wirkte, ähnlich wie die furchtlose Ursprungsblut-Trägerin,  verständlicherweise etwas nervös, war jedoch fest entschlossen, ihr geplantes Vorhaben augenblicklich in die Tat umzusetzen.
Zudem wollten Tesla und Magnus dringend ein paar Antworten auf die noch offenen Fragen, welche indes wie ein Schwarm aufgeweckter Tümmler, in ihren brillianten Köpfen umher schwirrten.
"Wird das weh tun? Wie genau geht denn das jetzt von Statten?" erkundigte sich die neugierige Medizinerin aufgeregt.
Die zarte, sich unheimlich aber gleichzeitig auch so rein anhörende Kinderstimme, setzte erneut zu einer kurzen, sachlichen Antwort an.
"Also, wir werden uns wieder wie vorhin, gegenseitig an den Händen halten, sodass meine Energie einen telepathischen Kontakt zu dir herstellt und ich mich an dein im Gehirn befindendes Erinnerungszentrum heften kann. Normalerweise müsste das innerhalb von Sekunden geschehen. Du musst dich versuchen zu entspannen und deinen Geist von allen störenden Gedanken und belastenden Sorgen freimachen. Nur so, gelange ich ohne Schaden oder komplizierte, nicht beabsichtigte Umwege, an den Ort, wo ich auch tatsächlich hin will. Wenn es dann soweit ist und sich meine Synapsen an die deinen angekoppelt haben, werden die bei dir fehlenden Erinnerungen freigesetzt und wieder, in Form einer bildhaften Darstellung, ähnlich wie eine Diashow nur mit Ton, vor deinem inneren Auge ablaufen.  Du wirst im Normalfall, keinerlei Schmerzen bei dieser Prozedur empfinden und dich hinterher an alles was passiert ist entsinnen, wenn es so klappt, wie ich es vorgesehen hatte." fing das absonderliche Wesen ehrlich an.
Der junge Nobelpreisträger schnaubte verächtlich und fixierte die Sprechende misstrauisch.
"Was genau meinst du mit wenn und normalerweise? Hast du das schon mal bei einem Menschen erfolgreich und ohne bleibende Schäden angewandt? Bist du dazu überhaupt in der Lage?" hakte der Erfinder mit hochgezogenen Augenbrauen nach und bohrte seinen eisblauen Blick, durchdringend in die violett-funkelnden.

Die in dem Wirtskörper eingenistete Kreatur seufzte.
Anschließend hielt sie tapfer den argwöhnischen Augen des Vampirs stand und nickte selbstbewusst mit dem ebenholzschwarzen Lockenkopf.
"Um ganz offen zu sein, habe ich das bisher nur drei Mal in meinem 250 Jahre alten Leben gemacht. Beim ersten Mal, war der Geist in den ich eingedrungen bin zu unruhig und verschlossen. Er hat sich nicht richtig entspannt, ausserdem war er körperlich sehr angeschlagen und schwach. Um es kurz zu machen, ... es hat nicht funktioniert und der arme Kerl  ist zwei Tage später, an einem Hirnaneurisma gestorben. Ob die misslungene Prozedur letzten Endes daran schuld war oder auch nicht, sei mal dahingestellt. Der zweite Versuch, bei einer Frau im mittleren Alter, verlief jedoch komplikationslos. Sie konnte sich an jeden, noch so kleinen, verloren gegangenen Erinnerungsfetzen entsinnen. Ausserdem habe ich sie von ihrer beginnenden und durch Ärzte diagnostizierte, fortgeschrittenen Demenz geheilt. Ebenso erging es einem jungen Mann, welcher danach sogar unglaubliche, volle zwölf Prozent seines Gehirns nutzen konnte. Ich war damals noch bedeutend jünger und aufgrund vieler Ressourcen und optimalen Bedingungen, welche mir hier leider, auch aufgrund dieser einfach noch zu jungen, ungeübten Hülle, nicht mehr zur Verfügung stehen und meine Fähigkeiten unweigerlich einschränken, bedeutend stärker und geschickter... Aber ich denke trotzdem, dass ich das kann und dass es klappen wird, sonst hätte ich es dir doch gar nicht erst vorgeschlagen, Helen! ... Du kannst gerne noch einmal deine Meinung ändern. Ich bin dir nicht böse, wenn du dich jetzt doch weigern solltest. Dann musst du allerdings der Geschichte glauben, die ich dir dann aus meiner Sicht erzähle und die vermutlich nicht alle deine erlebten Einzelheiten und gewünschten Antworten enthält... Es ist deine freie Entscheidung!"

Die tollkühne Brünette grinste unbeirrt.
Ihre smaragdgrünen Augen mit den bernsteinfarbenen Sprenkeln, funkelten sicher.
"Helen, ...", mischte sich der Herr mit den vampirischen Charakteristika in Sorge versetzt ein und griff nach ihrer Hand.
Doch das Sanctuary-Oberhaupt fiel ihm abrupt ins Wort, schaute die beiden zu ihr gedrehten Gesichter abwechselnd an und erwiderte schließlich mutig:
"Wow, das klingt echt verlockend. Vielleicht bin ich hinterher sogar schlauer als James, Gott hab ihn selig, oder auch ein unliebsames, gesundheitliches, neurologisches Problem los!? Na ja, ... ich brauche Antworten, also werde ich es dennoch tun." entschied sich die Britin.
Verständnislos und sich über Magnus risikofreudige Einstellung, sich von einem dahergelaufenen, einerseits gruseligen, scheinbar parasitären Abnormen im Gehirn rumdoktern und ihr Leben damit so leichtfertig aufs Spiel setzen lassen entrüstet, verschränkte der in Serbien geborene Jüngling sauer die Hände vor der Brust und stöhnte schwerfällig.
Gekränkt und wütend, erhob er sich von dem bequemen Möbelstück.
"Okay, da ich hier ja anscheinend nur störe und du allem Anschein nach lebensmüde bist Helen, verkrümel ich mich hiermit. Ich informiere deinen Protegé in der Zeit, in der ihr beiden hier Frankenstein und Hellseher spielt, mal über die letzten Ereignisse und teile ihm über eine abhörsichere Quelle mit, dass du hier bei mir bist... Viel Spaß und sag ja nicht hinterher, ich hätte dich nicht gewarnt!" keifte der Wissenschaftler geladen und bissig, bevor er sich mit unmenschlicher Geschwindigkeit entfernte.
Er flüchtete in seinen halbleeren, übergroßen Weinkeller und fing mittels seinen elektromagnetischen Fähigkeiten an, über das ehemalige, uralte Alliiertengerät, eine Nachricht an das Gegenstück in der Zufluchtsstätte, in Old-City zu schicken.
Der Serbe verstand beim besten Willen nicht, warum seine uralte, liebenswerte Bekannte, wegen ein paar Informationen ihr Leben aufs Spiel setzte und warum sie dieser telepathischen, erst vor kurzem begegneten Bestie, so uneingeschränkt vertraute.
Nachdem, was sie ihm erzählt hatte, musste da noch mehr als bloße Neugierde, Pflichtbewusstsein und Nächstenliebe dahinter stecken, vermutete der clevere Pianist.
War das etwa tatsächlich darauf zurückzuführen, dass Helen Mitleid mit dem kindlichen Wirt hatte? Immerhin war sie schon immer sehr kinderlieb und hatte ihre eigene, einundzwanzig Jahre alte Tochter, erst vor zwei Jahren, auf dramatische und schlimme Weise verloren.
Weckte die Kleine womöglich ihre Muttergefühle oder war es doch nur das übermächtige, fachspezifische Interesse an einem scheinbar einzigartigen, höher gestellten, machtvollen Lebewesen, welches seit Big Bertha, das Kronjuwel des Sanctuary-Netzwerkes darstellen würde, weshalb sie sich so draufgängerisch und aufopferungsvoll verhielt?
Oder waren ihre Beweggründe eher von eigennützigen Motiven, wie z.B. Rache bzgl. ihrer brutalen und scheinbar eiskalten Widersacher geprägt (was Nikola noch am ehesten tolerierte und sogar nachvollziehen konnte)?
... Grübelnd setzte der einstige Oxford-Student eine weitere Flasche "Chateau Margaux" an die Lippen und trank die seine Nerven beruhigende Flüssigkeit auf Ex herunter.

In der Zwischenzeit, ein Stockwerk höher, hatten sich Helen und Dakara die Hände gereicht und saßen beide mit geschlossenen Augen und konzentrierter Mimik da.
"Helen?" übermittelte ihr die seltene Spezies im Geiste ihr Anliegen.
"Ja?" gab die hübsche Frau mit der ausgeprägten Wangenpartie und den kühlen, femininen Zügen von sich.
"Ich werde mein Bestes geben, hab Vertrauen! Danke nochmal, dass du das tust und mir deine Hilfe angeboten hast. Ich weiß das wirklich zu schätzen!" sprach das Wesen mit der nun wieder erwachsen klingenden, engelsgleichen, reifen Stimme.
"Schon gut. Lass uns anfangen, ich bin soweit!" versicherte ihr die Teratologin.
"Okay. Wie gesagt, ... es wird ein paar Tage dauern, bis ich anschließend wieder mit euch sprechen kann. Du hattest mir dein Wort gegeben, dass du dich solange um meinen Wirt kümmerst, traust du dir das denn auch zu?" wollte die Ältere nochmals von der langlebigen Dame wissen.
"Ja, der Kleinen wird es gut ergehen. Wenn wir uns das nächste mal von Angesicht zu Angesicht unterhalten, ... na ja oder eher durch Telepathie, verrate ich dir dann den Namen, den ich mir extra für sie ausgedacht habe. Sei unbesorgt! Sie ist in den besten Händen! Ich hoffe, dass ich bis dahin über alles was passiert ist, Bescheid weiß und genau verstehe, in was für einer prekären Lage du dich befindest und wer unsere Feinde sind." kam es warmherzig von der einstigen Mutter.
"Das wirst du und dann wirst du endlich verstehen... Helen? Eines möchte ich dir noch schnell offenlegen, bevor es losgeht...", druckste das Lebewesen mysteriös und zögernd herum.
Die ambitionierte Kryptozoologin blieb stumm und hörte aufmerksam und gespannt zu.
"... Du wirst es ohnehin sehr bald herausfinden, deshalb möchte ich es dir lieber gleich offenbaren: ... Mir geht es nicht wirklich sehr gut, deswegen kann ich meine vielen Talente nicht ganz so oft einsetzen, wie ich es gerne würde. Ich werde aufgrunddessen, nach dieser Prozedur, ... sehr geschwächt sein. Helen, möglicherweise wird es meinem Wirtskörper ebenso ergehen! ... Sie weiß nicht, dass ich in ihr bin und würde es auch gar nicht verstehen! Das arme Mädchen ist quasi ahnungslos! Zudem hat sie ebenfalls aufgrund der Strapazen und der Tatsache, dass ich mich unfreiwillig in ihrem Körper eingenistet habe, ein paar Erinnerungslücken. Momentan sorge ich solange es mir noch möglich ist dafür, dass das so bleibt! ... Du wirst bald verstehen, warum ich das tue! ... Es kann sein, dass sie sich trotzdem, wenn ich inaktiv bin, an ein paar davon erinnert... Helen, wenn das passiert, musst du für sie da sein! ... Es tut mir so wahnsinnig leid! Ich wollte nicht, dass das alles passiert!" hallte es traurig und mit tränenerstickter Stimme in dem Inneren der stutzig gewordenen Xenobiologin.
"Wie? Ich verstehe nicht... Moment mal, was genau meinst du damit!" rief Helen.
Doch es war bereits zu spät...
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