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★Lυllαby ★

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Familie / P12 / MaleSlash
Dr. Helen Magnus Nikola Tesla
12.03.2015
22.04.2015
26
67.876
6
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14.03.2015 1.820
 
Die ambitionierte, charakterstarke Medizinerin saß zunächst wie versteinert da und ließ sich von der Miniaturausgabe mit den rosigen Wangen, der auffällig hellen Haut und dem zierlichen, fast zu schlanken, kleinen Körper, welcher sich mit den rosafarbenen, zu ihrer Größe passenden Kleidung (Nikola musste mit ihr einkaufen gewesen sein) an sie drückte, umarmen.
Mit ihrem ganzen, verständlicherweise leichten Gewicht, setzte sich das Mädchen auf Helens Schoß, legte vorsichtig die Arme um ihre Taille und vergrub ihr bildschönes, wie eine Puppe wirkendes Gesicht in ihrem Schlafanzug.
Ein munteres, kurzes, überglückliches Quieken, entlockte sich ihrer Kehle, bevor die Kleine lächelnd zu ihr hoch blickte.
Schwarze, seidene, weiche Locken, fielen ihr in einer langen, ungebändigten Mähne über die Schultern und den Rücken.
Sie wirkte ganz und gar gewöhnlich, ... wären da nicht die violett-schimmernden, großen Augen, in denen sich die Wissenschaftlerin entzückt verlor.
So ein beeindruckendes Phänomen, hatte die herum gekommene, mit allerlei seltsamen und alles andere als gewöhnliche Kreaturen arbeitende Frau noch nie gesehen.
"Hey, Süße! Hi, freut mich, deine Bekanntschaft zu machen. Auch wenn ich glaube, dass du mich wohl schon länger zu kennen scheinst...", sprach die Ältere zögernd und streichelte der kindlichen, vor wenigen Minuten noch schlafenden Gestalt, wohlwollend übers Haar.
Das Mädchen freute sich sichtlich über die joviale Geste, gab wieder einen kurzen, unverständlichen Laut von sich, löste sich behutsam von Magnus Leib und nickte mit ernster Mimik.
Gespannt und aufmerksam, beobachtete Nikola das Geschehen von seinem Platz aus.
Sie ergriff die Hand der Erwachsenen mit den britischen Wurzeln und fixierte ihr Gegenüber ernst.
Fast mitleidig oder von einem schlechten Gewissen gequält, wanderten lilafarbene Augen über das verletzte Antlitz der über 150-Jahre alten Lady.
Ihr eben noch klarer, ungetrübter Ausdruck, veränderte sich sogleich.
Ohne jede Vorwarnung, schloss der zweite Hausgast ihre auffälligen Sehorgane und verschränkte ihre Finger mit denen der Teratologin.
Eine willkommene Wärme und ein eigenartiges, undefinierbares Gefühl, erfasste die Kryptozoologin schlagartig.
Instinktiv wollte sie zuerst ihre Hand zurückziehen, doch aus irgendeinem, ihr bislang unbekannten Grund, vertraute sie der Jüngeren und ließ sie weiter gewähren.
"Wer ist sie? Wie heißt sie? Ob sie eine Mutter oder Angehörige hat, die nach ihr suchen? Was ist nur passiert und was macht sie da mit mir?" schoss es der Ursprungsblut-Trägerin interessiert und nachdenklich durch den Kopf.
Urplötzlich fühlte sie, wie der Schmerz in ihrem malträtierten Leib verschwand.
Eine seltsame Energie durchströmte den Körper der Doktorin.
Auf einmal ergriff eine merkwürdig erwachsene, fremde, jedoch auch gleichzeitig aufrichtig klingende Stimme, das Wort: "Hab keine Angst. Ich will dir helfen. Lass es einfach zu!"

Baff, ein wenig mulmig und vollkommen geschockt, sah sich die Netzwerk-Leiterin im Raum um und stotterte anschließend verwirrt:
"W ... Wer ... hat das gerade gesagt? ... Wo bist du? ... W ... Was willst du von mir? ... Komm raus und zeig dich!"
Der Vampir beäugte seine panisch und ängstlich dreinblickende Freundin.
Magnus Atmung und ihr Herzschlag, beschleunigten sich sofort.
Ihre smaragdgrünen Augen, welche mit bernsteinfarbenen Sprenkeln versehen waren, wanderten suchend und hektisch durch das Schlafzimmer.
"Helen? Darling, mit wem redest du da? Ist alles in Ordnung?" wandte sich der Erfinder besorgt an sie und guckte zu dem regungslos dasitzenden, seltsam abwesend und konzentriert wirkenden Vierjährigen,welche immernoch ihre Hand hielt.
Er wollte gerade erneut zu einer Frage ansetzen und das Kind von ihrem Schoß nehmen, da fiel es ihm plötzlich wie Schuppen von den Augen.
Fassungslos und ungläubig, starrte Tesla in das eben noch von Kratzern, Blessuren und einem blauen Auge übersäte Gesicht, welches nun wie neu und unberührt aussah.
Die weiche, jetzt wieder makellose Haut strahlte.
"Ähm... H ... Helen? ... D ... Deine Verletzungen... Aber das kann doch unmöglich...", rang sich der Physiker verblüfft ab und löste vorsichtig das an ihrer Stirn angebrachte Pflaster.
Die vor kurzem noch mit einer Naht verschlossene Kopfplatzwunde, war ebenfalls wie durch Zauberhand verschwunden.
Die beiden tauschten abwechselnde, überraschte Blicke aus.
Magnus konnte ihr Glück kaum glauben.
Sie fasste sich an das vor einer Minute noch angeschwollene, blauverfärbte Jochbein und berührte die intakte Hautstelle an der Stirn.
Dann löste sie sogleich gespannt den letzten, großflächig angebrachten Bauchverband.
Wie erwartet, war auch die Schusswunde vollständig und restlos verheilt.

"Miss Magnus, es ist jetzt alles gut! Sie haben mich selbstlos beschützt und sich für mich mehrere Kugeln eingefangen. Bisher war ich leider nicht stark genug, aber jetzt konnte ich mich endlich dafür revanchieren. Danke, dass Sie mich gerettet haben." drang es in einem engelsgleichen Tonfall an ihre Ohren.
"Hab ich das? Okay. Danke ebenfalls, ... aber... ich ... versteh's nicht! Wer spricht da und wer bist du?" versuchte es die Kreaturen-Beschützerin nocheinmal.
Auf einmal drückte die Jüngere zärtlich ihre Hand und deutete mit einer unmissverständlichen Geste, mit dem Finger ihrer anderen Hand, auf sich selbst.
Der Schönheit mit dem nussbraunen Haar und der ausgeprägten Wangenpartie, lief es mit einem Mal eiskalt über den Rücken.
Ihr fiel sprachlos die Kinnlade runter.
"Sie können sich nicht mehr erinnern oder? Na ja, die Typen haben Sie ja auch ganz schön zugerichtet und Ihnen mehrfach eins über den Kopf gezogen. Da ist es ganz klar, dass ihr Gedächtnis in Mitleidenschaft gezogen wurde... Ich kann versuchen, Ihnen einen Teil ihres Erinnerungsvermögens wieder zurück zubringen, wenn Sie das wollen? Allerdings wird mich das viel Kraft kosten und ich werde eine zeitlang inaktiv bleiben. Solange wird dann mein Wirt übernehmen...", teilte ihr das Wesen mit.
"Wirt? Was zum Teufel ist hier los? Und warum hört Nikola nichts?" dachte die Xenobiologin entsetzt und starrte ihr kleineres Gegenüber misstrauisch an.
Das Mädchen mit den pechschwarzen Locken und dem elfenbeinfarbenen Teint, welche noch immer fest die amethystfarbenen Augen geschlossen und ihre Hand mit der Helens verhakt hatte, grinste.
Dann seufzte sie kurz.
"Ich kommuniziere am liebsten auf telepathischem Wege. Da ich mir, trotz der netten Art dieses Mannes, nicht sicher war, ob er vertrauenswürdig ist, wollte ich zuerst mit Ihnen reden, bevor ich mich ihm offenbare. Sie müssen wissen, dass ich nach allem was passiert ist, sehr vorsichtig und skeptisch gegenüber anderen Leuten geworden bin. Ich vertraue im Moment nur Ihnen, Miss Magnus. Aber wenn Sie ihn mit hundertprozentiger Sicherheit für vertrauenswürdig halten und Sie das lieber mögen, kann ich auch sprechen. Sollen wir ihn jetzt in unsere Unterhaltung miteinbeziehen?" las die Kleine Magnus Gedanken und löste somit ein paar der aufkommenden Fragen.
"Achso, jetzt versteh ich's. Dann bist du also eine  Abnorme, oder? Keine Sorge, Nikola ist einer meiner ältesten und besten Freunde. Es mag vielleicht auf den ersten Blick nicht so erscheinen, aber unter der rauen, eigenwilligen Fassade und dem einschüchternden, abschreckenden Vampir, trägt er sein Herz am rechten Fleck. Ich kenne ihn gut genug, dass ich ihm ohne zu zweifeln, mein Leben anvertrauen würde! Du kannst gerne offen sprechen, wir sind hier in Sicherheit. Das heißt, wenn uns diese "Typen" von denen du gesprochen hast, nicht gefolgt sind... Was wollten die denn eigentlich von mir?" übermittelte ihr die Britin.

"Nun gut. Das ist beruhigend und freut mich zu hören. Zu ihren Fragen: Ja, ich bin wohl soetwas, was euer Volk gemeinhin als eine abnorme, andersartige Lebensform bezeichnen würde. Sie werden es schon verstehen, wenn Sie  sich erst mal wieder erinnern. Und keine Bange, Miss Magnus. Unsere Verfolger haben wir fürs erste abgehängt. Ich zweifle jedoch keine Sekunde daran, dass sie uns trotz allem auf den Fersen sind. Um ehrlich zu sein, ... habe ich Ihnen das ganze Schlamassel überhaupt erst eingebrockt. Denn Sie müssen wissen, diese Männer sind nicht hinter "uns" her, ... sondern ganz allein hinter mir! Sie waren lediglich zur falschen Zeit am falschen Ort. Das tut mir wie bereits gesagt, aufrichtig leid. Ich hätte es mir nie verziehen, wenn Sie meinetwegen gestorben wären. Schon dass Sie so selbstlos versucht haben, mich und meinen Wirt zu beschützen, werde ich Ihnen nie vergessen, Helen Magnus."entgegnete das Kind mit einer überaus dankbaren, älteren, weiblichen Stimme in ihren Gedanken.
Die Beschützerin der Abnormen und aktuelle Leiterin der Zufluchtsstätte in Old-City, lächelte mild.
"Danke für deine Ehrlichkeit. Wie du sicher weißt, ist Abnorme zu beschützen mein Job. Also schockiert mich das jetzt nicht allzusehr... Dennoch würde ich mir gerne ein Bild von unserer Situation machen. Ich will verstehen und vollständig wissen, was passiert ist! ... Du hast gesagt, dass du meine Erinnerung zurückbringen kannst?" erwiderte die kluge, aufopferungsvolle Dame heroisch in ihrem Innern.
"Ja, schon. Aber das müssen Sie nicht tun, Miss Magnus! Vielleicht ist es besser für alle Beteiligten, wenn Sie sich nicht an das Geschehene erinnern. Sie sind mir nichts schuldig, ich könnte jetzt auch einfach gehen. Ich möchte ihre Freundlichkeit nicht überstrapazieren. Je mehr Sie wissen, desto gefährlicher wird es für Sie. Magnus, Sie haben schon so viel für mich getan...", gab das Wesen zweifelnd zurück.
"Hey, ich werde jetzt nicht kneifen und du auch nicht! Ich habe ein recht darauf zu erfahren, was passiert ist. Also los, ich bin bereit."
Die ehemalige Oxford-Studentin zwinkerte frech.
"Na schön. Aber wie bereits erwähnt, das wird mich eine Menge Kraft kosten, Ihnen das zu ermöglichen. Ich bin jetzt schon ziemlich erschöpft, um ehrlich zu sein. Aber ich will es versuchen! ... Eins noch: Egal was passiert, bitte kümmern Sie sich gut um meinen Wirt. Sie ist nämlich noch so klein, unschuldig und hilflos. Das arme Mädchen kann nichts dafür, dass ich mich in ihrem Körper eingenistet habe." fügte die abnorme Kreatur sorgenvoll und fast traurig hinzu.  
"Wenn ich nicht gerade die Kontrolle über ihr Bewusstsein habe, ist sie wie jedes andere, kleine, menschliche Kind. Sie verfügt dann nicht mehr über meine Fähigkeiten und wird ihren Schutz und Hilfe brauchen. Es wird ein paar Tage dauern, bis ich anschließend wieder mit Ihnen reden kann, Miss Magnus. Würden Sie solange auf die Kleine aufpassen?"

"Du hast mein Wort! Ihr wird nichts geschehen. Wir werden uns gut um sie kümmern." versicherte ihr Helen glaubhaft und strich dem noch immer auf ihrem Schoß sitzenden Winzling, vorsichtig und auf mütterliche Weise übers Haar.
"Danke. Vielen Dank. Ich brauche noch einen Moment, um mich zu sammeln. Reden Sie ruhig nochmal mit ihrem Freund, Miss Magnus. Ich glaube, Sie müssen ihm einiges erklären. Oh und geben Sie ihr ruhig einen passenden Namen! Sobald ich soweit bin, werde ich mich bemerkbar machen." informierte sie die andere Gestalt.
Das eloquente, autoritäre und risikofreudige Oberhaupt, nickte einverstanden.
"Übrigens, du musst nicht immer Miss Magnus zu mir sagen. Nenn mich ruhig Helen! Ist kürzer!" bot ihr die Kreaturen-Hüterin an.
"Okay. Ich bin übrigens Dakara-Shari-Nay-Malwynne. Aber Dakara tut's auch." verriet ihr die sanftmütige, klare Stimme endlich ihren Namen, bevor der telepathische Kontakt abbrach und sie die Hand der alterlosen Frau mit dem bronzefarbenen Teint und der hilfsbereiten Ader losließ.
Die Abnorme öffnete ihre lilafarbenen Augen und gab die Bewusstseinskontrolle für den Augenblick auf.
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