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★Lυllαby ★

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Familie / P12 / MaleSlash
Dr. Helen Magnus Nikola Tesla
12.03.2015
22.04.2015
26
67.876
6
Alle Kapitel
18 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
22.04.2015 4.395
 
Danke für die Empfehlungen, die Reviews & das liebe Feedback. ♡♡♡
Hier nun das letzte Kapitel.
(Ich hoffe, es gefällt euch). ^^
Fortsetzung? → Schreibt mir, wenn ihr interessiert seid!
Glg & nun viel Spaß,
Victoria

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Der Mann mit den kobaltblauen, mit silber-grauen Sprenkeln verzierten Seelenfenstern, erwachte aus einem langen, unruhigen Schlaf.
Langsam öffnete er seine Lider und blinzelte ein paar mal gegen das helle, durch die gotischen Glasfenster hereinfallende, gedimmte Sonnenlicht an.
Es dauerte etwas, bis er den Raum erkannte, in dem er sich befand.
Das überwiegend in einem dunklen Holz gehaltene, antike Mobiliar, der uralte, mit kunstvollen Verzierungen versehene Kamin, die cremefarbenen Sitzgelegenheiten, der raumeinnehmende, exorbitante Kleiderschrank, die an den Wänden hängenden Bilder von Sehenswürdigkeiten, berühmten Persönlichkeiten und die zahlreichen mitgebrachten, überall verteilten Gegenstände, wie afrikanische Masken, ein vergoldeter Dolch, ein grüner Jadebuddha, ein gewebter, farbenfroher Orientteppich, ein  selbstgebastelter Traumfänger und etliche andere Dinge, stachen dem schlauen Adamssohn sofort ins Auge.
Spätestens das übergroße Himmelbett, mit den zitronengelben Vorhängen und der dazugehörigen, weichen, warmen Seidenbettwäsche, in dem er gerade zugedeckt lag und das mit viel zu vielen Kissen ausgestattet war, gab ihm eindeutig Auskunft über seinen aktuellen Aufenthaltsort.
Er befand sich im Sanctuary, in Old-City.
Genauer gesagt, war er in dem Schlafzimmer seiner Freundin untergebracht und ruhte in Helen Magnus Bett.
Mit einem tiefen Seufzen, streckte sich der im 18. Jahrhundert geborene Herr und gähnte herzhaft.
Dann setzte er sich auf und überlegte.
"Was ist passiert? Ich weiß noch, wie..."
Abrupt kehrte seine Erinnerung zurück.
Ramon, Dianna, die SCAS&H-CORPORATION, die Entführung, die Kämpfe, das Feuer, Dakara, ... Helen und Ari.
Panik erfasste ihn schlagartig, als er hastig die Decke zurück schlug und übereilt aufstand.
Erst jetzt registrierte er, dass ein Infusionsständer direkt neben dem Schlafquartier stand.
Er bekam durch einen mit seinem Venensystem verbundenen, dünnen Schlauch und ein spezielles, medizinisches System, eine Blutkonserve verabreicht.
Geschwächt und zunächst noch ungewohnt schwindlig und angeschlagen, torkelte der Nobelpreisträger zurück und ließ sich abermals in die Kissen gleiten.
Verblüfft starrte er zu der dunkelroten Plasmaflüssigkeit, welche ihn stärkte und unweigerlich vom Dehydrieren und Verhungern abhielt.
Trotzdem war seine Kehle staubtrocken und er verspürte das für ihn gewohnt starke Durstgefühl.
"Verflucht! Wie lange war ich weggetreten? Hat mir das Helen angehängt? Wenn ja, hab ich ihr einiges zu verdanken. Gott, ich bin so durstig! ... Hoffentlich geht's ihr gut. Und was ist mit Kate und den anderen? Sind die Abnormen alle gerettet, frei gelassen und umfassend versorgt worden? ... Dakara! Ich muss Helen dringend erzählen, was passiert ist. Ich muss zu Ari! Bitte mach, dass es ihr besser geht und sie unversehrt und gesund ist!" fluteten eine Unzahl an offenen Fragen seinen Verstand.
Angst überkam den Sanguine Vampir und ließ sein Herz wild klopfen.
Im selben Moment ging die Zimmertür mit einem leichten Quietschen auf.

Die hübsche Engländerin mit dem braun gebrannten Teint, den femininen Zügen, der hervorgehobenen Wangenpartie, der nussbraunen, langen, leicht gelockten Haarpracht und dem kurvigen, schlanken Körper, welcher in eine weiß-graue, eng anliegende Jeans, braune Stöckelschuhe, eine schneeweiße Bluse und einen darüber gezogenen, haselnussbraunen Blazer gehüllt war, betrat mit einem großen Pappbecher in der Hand das Zimmer.
Seine Sorgen lösten sich für einen Augenblick in Luft auf, als der Musikliebhaber bemerkte, dass das vierjährige, in einen babyblauen Hausanzug und dicke Socken gekleidete Kleinkind, scheinbar schlummernd und tiefenentspannt auf ihrer Taille saß.
Die schwarzen Haare waren mittels eines langen, geflochtenen Zopfes aus dem süßen Gesicht entfernt, nach hinten frisiert und mit einem türkisfarbenen Haargummi zusammen gebunden worden.
Das Antlitz hatte sie müde auf der Schulter der Älteren abgelegt.
Ihre kleinen Finger waren in der Bluse der Erwachsenen vergraben, während sich der Brustkorb regelmäßig an Magnus eigenen Leib hob und senkte.
Sie stellte das Getränk auf dem Nachttisch ab und ließ sich danach vorsichtig auf den Sessel, neben dem Himmelbett fallen.
Gedankenverloren, strichen ihre Hände behutsam über den Körper des Kindes, welches dösend die Augen geschlossen hatte.
Ein zufriedenes Lächeln lag dem Mädchen auf den zartrosafarbenen Lippen.
Mütterlich legte die Xenobiologin den Winzling auf ihrem Schoß ab, bevor sie sie erneut hochhob, in eine auf der Lehne liegende Decke wickelte und sie, für beide bequemer, in den Arm nahm.
Mit einem unverständlichen, kurzen Laut, kommentierte Ari im Halbschlaf das Geschehen und schmiegte sich eng an den warmen, nach Patchouli und Vanille duftenden Leib.
Die Biologin grinste entzückt, küsste sie liebevoll auf die Stirn und beobachtete gerührt, wie sich die Schwarzhaarige den zärtlichen Streicheleinheiten genießerisch entgegen lehnte.
Winzige Finger schlossen sich um ihre Hand und hielten sie besitzergreifend fest.
Sie war so mit der Kleinen beschäftigt, dass ihr gar nicht auffiel, dass ihr männlicher Hausgast bereits mit einem dicken Schmunzeln im Gesicht vor ihr auf der Bettkante saß.
"Nikola! Du bist wach! ... Wie fühlst du dich? Hier, trink das, dann wird es dir besser gehen!" stammelte sie überrascht und mit gedämpfter, freudiger Stimme.
Mit ihrer freien Hand, reichte ihm die Ursprungsblut-Trägerin den mit tierischem Blut gefüllten Becher vom Nachttisch.
Dankbar nahm ihn ihr ehemaliger Kommilitone an, umschloss mit seinen Lippen den Strohhalm und trank einen großen Schluck.
Er spürte deutlich, wie das Durstgefühl nun nachließ und seine steifen Glieder wieder zu neuem Leben erwachten.
Eine stillschweigende Minute verging, in der der Klavierspieler das purpurrote Getränk leerte.
Anschließend stellte er den Pappbecher weg, leckte sich genüsslich über den Mund, rutschte näher an die Sanctuary-Chefin heran und beäugte sie spitzbübisch.
Beide schenkten sich ein länger andauerndes Lächeln und ergriffen fast zeitgleich die Hand des anderen.
"Mir geht's jetzt wieder gut. Danke, Darling. Wie du dir ja vielleicht schon denken kannst, habe ich ein paar Fragen an dich: Wie lange war ich weg? Und überhaupt, wie geht's dir, Kate, den anderen und Ari? Was ist mit den Abnormen geschehen?" platzte es neugierig und ungehalten aus ihm raus.
"Kate geht's gut. Ich habe ihre Stichverletzung zwar nähen müssen, aber sie springt schon wieder putzmunter durch die Gegend. Du kennst sie, sie ist hart im Nehmen! Sie und Henry haben mir erzählt, was passiert ist... Keine Sorge, alle Abnormen und unsere Leute, sind noch rechtzeitig rausgekommen, bevor das Gebäude in die Luft gegangen ist. Du warst insgesamt zwei Tage bewusstlos. Wir haben dich am Strand mit schlimmen Verbrennungen vorgefunden. Ari blieb unverletzt. Sie hatte lediglich einen Schock und trug außer den alten, oberflächlichen Kratzern am Arm, welche mittlerweile kaum noch zu sehen und erstaunlich schnell verheilt sind, keine ernsthaften Verletzungen davon. Ich habe sie eingehend untersucht: Ihre Werte liegen alle im Normbereich. Es ist merkwürdig, aber ihr Immunsystem arbeitet jetzt einwandfrei. Sie ist kerngesund, wie's scheint. Trotz deiner vampirischen Selbstheilungskräfte und den kontinuierlichen Bluttransfusionen, hat es gedauert, bis deine Wunden restlos zugeheilt waren und sich dein Gewebe regeneriert hat. Ich glaube, so schlimm verletzt warst du schon lange nicht mehr! Kurzzeitig habe ich es echt mit der Angst zutun bekommen... Declan hat mir vorhin über eine Konferenzschaltung mitgeteilt, dass er, die Polizei und die anderen Sanctuarys noch dabei sind, alle die was mit der SCAS&H Corporation zutun haben, ausfindig zu machen, sie zur Rechenschaft zu ziehen und die anderen Abnormen-Verstecke rund um den Globus aufzuspüren. Es läuft nicht ganz so schnell und reibungslos, wie ich es mir eigentlich erhofft hatte, aber es geht voran. Mir geht's auch gut. Dank dir! Du bist ein wahrer Held, mein Lieber!"

Helen holte tief Luft und wollte gerade zu einem weiteren Satz bzw. einer Frage ansetzen, da regte sich der bis dato schlafende Wonneproppen.
Die Jüngere drehte sich blitzartig zu ihm um, als sie seine Stimme erkannte.
Ihre nun geöffneten, kastanienbraunen Seelenfenster, weitetete sich ungläubig, während ihr ein aufgeregter Schrei entfuhr.
Sie richtete sich auf, zappelte ungeduldig auf dem Schoß der Teratologin und streckte ihre Arme weit nach dem frechen, keinen Meter von ihr entfernt sitzenden Genie aus.
"Ich glaube, da freut sich jemand ganz besonders dich zu sehen. Ari ist die letzten Tage sogut wie nie von deiner Seite gewichen und hat kaum geschlafen. Ich hab sie regelrecht zum Essen und Trinken zwingen müssen. Das war vorhin das erste mal, dass ich sie länger als zwei Stunden am Stück von deinem Zimmer fernhalten konnte." erzählte ihm das Netzwerks-Oberhaupt, erhob sich mit dem Kleinkind und gab es vorsichtig an Nikola weiter.
Kaum dass der Erfinder das putzige, unversehrt wirkende Mädchen in den Armen hielt, fiel sie ihm sogleich lebhaft um den Hals.
Ein kuschliger, warmer Kinderkörper, drückte sich fest an ihn.
Zarte Lippen und eine angenehm weiche, porzellanfarbene Haut, streiften sein Gesicht und bedeckten es mit wilden, stürmischen Küssen.
Eine zentnerschwere Last schien von seinen Schultern zu fallen, als sich der in einen dunkelgrauen Herrenschlafanzug gekleidete Adamssohn, grinsend mit seinem Mündel in die Kissen sinken ließ.
Beide schauten sich lange an, umarmten sich und tauschten vertraute Zärtlichkeiten aus.
In diesem Moment glaubte der von Glück und Liebe beflügelte Serbe, sich nie wieder von seinem kleinen Schatz lösen zu können.
"Hey, mein Engel, wie geht's dir? Tut mir leid, dass du dir Sorgen um mich gemacht hast." säuselte er ihr sanft ins Ohr, zog sie noch näher an seine Brust und hauchte ihr väterlich zwei Küsse auf den Scheitel und die Nasenspitze.
Ein ansteckendes, himmelhochjauchzendes Kichern, kam von Seiten des Sprösslings.
"Gut!" antwortete sie kurzangebunden und quietschte vergnügt.
"Sorgen gemacht!" fügte das junge, weibliche Geschöpf mit den rosigen Wangen, ihn wiederholend hinzu und schmiegte sich mit glasigem Blick, aber weiterhin schmunzelnd, ungeniert an ihren Beschützer.
Die 159-jährige Ärztin trennte ihren Freund derweil von dem Blutzufuhr-Apparat und setzte sich anschließend neben die Zwei aufs Bett.
Ergriffen und die Szenerie nicht weiter stören wollend, blieb sie stumm, beobachtete und lächelte.
Minuten vergingen, in denen alle Anwesenden schwiegen und den Zauber des Augenblicks genossen.
Urplötzlich durchbrach einer der Drei, welche nun endlich den Mut fand, ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen, die Stille.
"Ich hab dich lieb, ... Daddy!" krächzte die Vierjährige, welche mit ihrem ganzen Gewicht auf ihm lag, kaum merklich ihren Kopf von seinem Brustkorb anhob und den Nobelpreisträger mit den silber-grauen Augen entschlossen fixierte.

Die Blicke der beiden Unsterblichen trafen sich.
Tesla schluckte schwer.
Er freute sich zwar über alle Maßen, diese zuckersüßen, wie Musik klingenden Worte, aus dem Mund des einstigen Lichtbringer-Wirts zu hören, doch er wusste, dass er ihr die unschöne Wahrheit diesbezüglich mitteilen musste.
Genauso wie seiner Freundin das mit Dakara.
Beide verdienten es, zu erfahren, was passiert war...
Behutsam strichen seine Hände über den Rücken der Jüngeren, welche scheinbar immernoch ihr Gedächtnis verloren hatte und ihn nun fälschlicherweise für ihren Vater hielt.
Ein langgezogenes Seufzen verließ seine Kehle.
"Prinzessin, ... ich hab dich auch lieb. So sehr! ... Aber hör mal, ... ich bin nicht...", versuchte er ihr schweren Herzens verständlich zu machen.
Es war eine Qual.
Der Hobby-Pianist tat sich sichtlich schwer damit, die richtigen Worte zu finden.
Einerseits wollte er, dass sie über ihre Vergangenheit Bescheid wusste.
Doch die Illusion einer perfekten Familie, in der er eine tragende, lebenswichtige Rolle für sie spielte, ihr Halt, Liebe und Sicherheit gab und endlich als das akzeptiert wurde, was er immer für sie sein wollte, ... das zu zerstören und loszulassen schmerzte.
Zudem würde er ihr mitteilen müssen, dass sie keine Mutter mehr hatte.
"Sie hat ein Recht darauf, es zu erfahren. Ari ist nicht mein Kind! Ich muss ihr die Wahrheit sagen! Aber was ist, wenn sie Helen mittlerweile auch schon als Elternteil abgestempelt hat? Sie hat zwar die Zeichnung gesehen, aber ich glaube so ganz hat sie das alles nicht verstanden... Möglicherweise überfordere ich sie jetzt total damit oder jage ihr Angst ein! Was ist, wenn sie sich von mir entfremdet? Ich will sie nicht schon wieder verlieren oder traurig sehen!" überschlugen sich seine Gedanken.
Auf einmal spürte er, wie ihm die Kryptozoologin hinter Aris Rücken jovial zuzwinkerte und in Richtung Tür deutete.
"Süße, warte mal brav hier! Ich möchte deinen Dad kurz unter vier Augen sprechen, einverstanden?" half sie dem Gelehrten aus der Misere.
Trotzig stöhnend, schüttelte die Miniaturausgabe mit dem ebenholzschwarzen Zopf ihren Kopf und hielt sich eisern an ihm fest.
Sie dachte gar nicht daran, ihn loszulassen.
"Nein! Hierbleiben!" quengelte sie lautstark und funkelte die Wissenschaftlerin protestierend an.
Ihr kleines Herz schlug ängstlich in ihrer Brust.
Eine Hand legte sich daraufhin an ihre Wange und strich beruhigend über die zarte Haut.
Automatisch schaute die Kleine zu dem Physiker auf.
"Ich bin gleich wieder bei dir, Herzchen. Keine Angst, ich lauf nicht weg, versprochen!" versicherte er ihr glaubhaft und schenkte ihr ein aufrichtiges Lächeln.
Widerwillig seufzte das Kind und rutschte schließlich fügsam von ihm runter.
"Versprochen. Nur kurz!" murmelte sie hartnäckig, während sie mitansah, wie sich der Abnorme von seinem Platz erhob und sich neben die kluge, hübsche Frau gesellte.
Die Medizinerin nickte ihr bestätigend zu.
"Ich bin mir sicher, dass dir dein Daddy gleich was vorliest. Hol doch schon mal das Märchenbuch aus der Nachttischschublade, mach es dir gemütlich und überleg dir, welche Geschichte du hören willst, okay?" schlug sie vor.
"Ja!"
Ein Leuchten legte sich auf das Antlitz der Heranwachsenden, welche sofort neben sich, in das Holzschränkchen griff und ein großes, goldenes Buch daraus hervor zog.
Sie legte sich brav unter die Bettdecke und fing dann an, abgelenkt die bedruckten Seiten zu durchblättern.

Ehe die Zufluchtsstätten-Leiterin die Chance hatte zu sprechen, packte der Gleichaltrige die Gelegenheit beim Schopfe.
"Helen, ich weiß nicht, ob du's mitbekommen hast, aber Ari hat ihr Gedächtnis verloren. Es ist alles, bis auf das jüngste Ereignis, vollkommen ausradiert worden. Sie weiß weder wer wir sind, noch dass ihre Mutter tot oder was genau passiert ist. Dakara hat es geschafft, die Verbindung zu ihr zu trennen. Sie hat sich selbst geopfert, um Aris Leben zu retten. Deswegen ist die Autoimmunerkrankung zurück gegangen! Ich habe ihr eins von ihren Bildern gezeigt, ihr erklärt, dass ich ein Freund bin und sie nach Hause bringen werde. Aber ich fürchte mittlerweile, dass sie da wohl was falsch aufgefasst hat." begann er hastig.
Tränen stiegen ihm niedergeschlagen und am Boden zerstört in die meerblauen Sehorgane.
"Ich hab wirklich versucht, Dakara auch zu retten. Aber sie war für eine erneute Übergangszeremonie viel zu schwach. Sie war so stur und wollte sich nicht von ihrem Vorhaben abbringen lassen. Ich wollte ihr eigentlich anbieten, sich mit mir zu vereinen! ... Sie hat gemeint, dass sie Ari einen Gefallen schuldet und dass sie sich freut, ihre Familie und Freunde wieder sehen zu können. Ich soll dir ausrichten, dass du ihr sehr geholfen hast und dass du dir keine Vorwürfe machen sollst... Sie hat gewusst, dass Aris Gedächtnis bei der erfolgreichen Trennungsprozedur in Mitleidenschaft gezogen werden wird und hat noch versucht, mich zu warnen. Aber..."
Abrupt hielt der Weinliebhaber inne.
"Versprich mir, dass du gut auf die beiden aufpasst, ja? Ich bin mir sicher, dass du Ari der beste Vater auf der Welt sein wirst." schossen ihm die Worte des Lichtwesens erneut durch den Kopf.
"Moment... Sie... Dakara... ... ... Ich glaube, sie hat das mit Absicht gemacht! Das mit dem Gefallen, war gar nicht darauf bezogen, Aris Leben zu retten, ... sondern er bestand vielmehr darin, dass sie sie die grauenhaften, schlimmen Erlebnisse vergessen lassen wollte.Dakara hat bewusst mit dem letzten Rest ihrer Fähigkeiten Aris Verstand manipuliert. Sie wollte, dass die Kleine mich für ihren Vater hält und neu anfangen kann! Ich denke, sie hat gewusst, dass ich ihr meinen Körper als Wirt anbieten wollte. Deswegen hat sie wirklich abgelehnt. Sie wäre für einen erneuten Übergang nicht zu schwach gewesen... Bevor sie Aris Verstand gelöscht hat, wäre sie vermutlich noch dazu in der Lage gewesen. Dakara hatte das von Anfang an vor!" fiel es ihm plötzlich wie Schuppen von den Augen.
"Das hätte nie passieren dürfen! Sie hat wegen mir alles verloren. Sie verdient einen Neuanfang! Ich wäre töricht, wenn ich es nicht zumindest versuchen würde, oder?"
Baff, geschockt und mit weichen Knien, hielt sich der Vampir an seiner guten Bekannten fest.
Ein Zittern durchfuhr seinen Leib.
Er schluckte abermals schwer.
Ein dicker Kloß bildete sich in seinem Hals.
"Nikola, es ging nie darum, dass ich ihr helfe, ... sondern Ari! Jetzt wird mir so einiges klar! ... Von dem Augenblick an, in dem sie in das Kind hineinfahren musste, hat sie gewusst, dass sie sterben wird. Ich glaube, das Wohlergehen ihres Wirts hatte stets äußerste Priorität. Sie wollte, dass wir Dianna und ihre Verbündeten aufhalten. Nicht ihretwegen oder aus Rache, sondern weil sie wusste, dass sie Ari nie in Ruhe lassen bzw. sie jagen und ohne Hilfe sterben würde. Dakara hat sich schuldig und verantwortlich gefühlt. Sie hat von Anfang an geplant, die Kleine, wenn ihr die Abtrennung erfolgreich gelingen sollte, bei uns unter zu bringen. Nur deshalb, war sie auch so wild darauf, mir mein Gedächtnis wieder zu geben. Sie hat gewusst, dass ich Mitleid haben und sie bei ihrem Vorhaben unterstützen würde, wenn ich erst Bescheid wüsste. Ich denke, sie ist, während sie mit mir verbunden war, tiefer in meinen Geist und meine Erinnerungen eingedrungen. Sehr wahrscheinlich, hat sie sogar das mit Ashley rausbekommen. Vielleicht hat sie mich deswegen ausgesucht. Mir kam das, was Ari an dem einen Abend in Trance gesagt hat, eh sehr suspekt vor. Vielleicht war Dakara gar nicht so inaktiv, wie sie es uns vorgemacht hat. Ist ja auch egal, ... letzten Endes hat sie nur versucht, ein unschuldiges Leben zu retten und ihren Fehler, für den sie eigentlich nichts kann, wieder gut zu machen. Ausserdem hat sie nebenbei dafür gesorgt, dass wir unzählige Abnorme aus den Fängen dieser widerwärtigen Händler befreien und diese skrupellosen, kriminellen Machenschaften vereiteln konnten." offenbarte ihm die schlaue Führungskraft.
"Du hast recht. Ich denke, dass sie öfters unsere Gedanken gelesen und mehr über uns gewusst hat, als sie es uns wissen lassen wollte. Sie hatte nichtsdestotrotz, immer nur gute Absichten. Irgendwie bleibt mir diese Abnorme trotzdem ein Rätsel!" fügte der Herr mit den abstehenden Haaren nachdenklich hinzu.
Die Schönheit mit den Smaragdaugen und dem bronzefarbenen Teint ergriff seine Hand.
Sie verlor sich in seinen Augen.
"Weißt du, auch wenn ich manches vielleicht nie verstehen werde, ... so hat das alles doch auch sein Gutes."
Fragend beäugte sie der Oxford-Absolvent.
"Irgendwie hat uns dieses Abenteuer wieder zueinander finden lassen und jeder hat letztendlich bekommen, was er wollte: Ich hab dich, du hast mich und Ari hat jetzt eine Familie, die sich liebevoll um sie kümmern wird, wie es Dakara vorgesehen hatte."

Ein leichtes Lächeln umspielte die Mundwinkel der Teeliebhaberin.
Verlangend, vergrub der Klavierspieler seine Hand in ihrer nussbraunen Haarpracht, überbrückte die geringe Distanz, zog sie näher an sich heran, hielt sie fest und versiegelte seine Lippen leidenschaftlich mit den ihren.
Beide Herzen rasten wie verrückt.
Hitze durchzog ihre Körper wie ein heftiger Stromstoß.
Helen erwiderte, innerlich jubelnd und ihr Glück kaum fassen könnend, den Kuss und umschlang romantisch den männlichen Adoniskörper.
Sie konnten sich nicht beherrschen.
Unzählige Emotionen überrollten die beiden Erwachsenen wie eine Flutwelle.
Transparente, wie kleine Diamanten glitzernde Tropfen, liefen ihnen nun haltlos übers Gesicht.
"Soll das etwa heißen, dass du mich liebst und die Kleine mit mir aufziehen wirst?" wollte er von ihr wissen, als er keuchend und einzig um Luft zu holen, von seiner Geliebten abließ.
Beide im 18. Jahrhundert Geborenen, strahlten nun um die Wette.
Die Brünette errötete leicht.
Ihre Finger fanden den Weg zu seiner Wange.
Sie stellte sich auf die Zehenspitzen, schenkte ihm ein charmantes, herzerwärmendes Grinsen und stahl sich abermals einen lange anhaltenden Kuss.
Berauscht, hielt sie sich an seinem Hemd fest, zog seinen unwiderstehlichen Geruch ein, knabberte, während sich ihre Zunge jagten, an seiner Unterlippe und presste sich immer enger an seine gestählte Brust.
Erregt, zog sie scharf die Luft ein, als er sie leichtfertig hochhob und auf seine Hüfte setzte.
Er strich ihr die braunen Haarsträhnen hinters Ohr und wanderte dann neckend mit seinen Lippen über ihren Hals.
Achtlos schälte er sie aus ihrem Blazer, öffnete die vordersten Knöpfe ihrer Bluse und widmete sich quälend langsam der zarten, darunter zum Vorschein kommenden Haut.
Fast erlösend, fing die Sanctuary-Leiterin zu stöhnen an.
Sie krallte sich mit angespannten Muskeln in seine Nackenhaare und warf genussvoll den Kopf zurück.
"Nikola...", knurrte sie ekstatisch, als sie seine kühlen Fingerspitzen, unter ihrem Oberteil, den Rücken hinauf gleiten spürte.
Das Blut schoss ihr jetzt geradewegs in die unteren Regionen.
Ihre Atmung beschleunigte sich schlagartig.
Sie konnte kaum noch klar denken.
"Antworte mir, Ljubavi!" flüsterte ihr der Serbe verheißungsvoll fordernd ins Ohr und stoppte mit seiner derzeitigen Tätigkeit.
Protestierend schmiegte sich die Gelehrte an ihn.
Er berührte mit seinen Lippen ihr Ohrläppchen.
Sein heißer Atem, verpasste ihr ein angenehmes Prickeln.
Gänsehaut folgte.
"Nicht... aufhören! ... Bitte!" stieß sie angestrengt hervor.
"Helen, ... ich will, dass du mir jetzt ganz genau..."
Ohne ihn fertig reden zu lassen, schob sie eine Hand unter sein Hemd.
Ihre Nägel krallten sich in seine Schulter, während sie mit der anderen Hand provokant die Köpfe seines Schlafanzugoberteils öffnete.
Sie bedeckte sein Schlüsselbein mit kleinen Küssen und kniff ihm impertinent in die Brustwarze.
Ein animalisches Brummen entfuhr ihm.
"Ah! ... Du bist wirklich verdammt..."
Triumpierend, ließ sie ebenfalls abrupt von ihm ab.
Beide verloren sich in den Augen des jeweils anderen.
"Ja, ich liebe dich, Nikola und ja, ich möchte Ari mit dir zusammen aufziehen! Ich glaube, ich will doch nochmal Mutter sein. Ich weiß nicht, ob ich es hinkriege, aber ich würde es gerne versuchen, wenn Ari das auch möchte und ich darf?" wisperte ihm die 159-Jährige verwundbar offen ins Ohr.
Das brilliante Genie küsste sie sanft auf die Stirn.
Noch nie hatte er sie so sehr geliebt, wie in jenem Moment.
Er ließ sie behutsam runter und umarmte sie fest.
Eine ganze Zeit lang, standen sie so da.
"Wir sollten reingehen. Die Kleine wird sich bestimmt schon fragen, wo wir bleiben. Meinst du, es ist okay, wenn wir ihr die Wahrheit über uns, ihre Herkunft und das, was wirklich passiert ist, erst anvertrauen, wenn sie älter ist?" wandte der Musikliebhaber ein.
"Ja. Ich finde, das ist eine gute Idee. Verschieben wir das, bis sie soweit ist! Alles andere, würde sie momentan nur unnötig verwirren, belasten oder verunsichern. Vorläufig, scheint mir das die beste Lösung zu sein. Ari braucht jetzt jemand, der sich um sie kümmert. Du solltest ihr zeigen, dass du dieser jemand bist. Sei ruhig ihre Vaterfigur, das warst und bist du ja ohnehin schon." ergänzte das Sanctuary-Oberhaupt.
"Meinst du wirklich, dass ich das hinkriege? Immerhin habe ich absolut keine Erfahrung im Umgang mit Kindern bzw. im Elternteil sein. Ich will jetzt wirklich nicht meckern oder kalte Füße bekommen, aber was ist, wenn ich Fehler mache? Oder ihr Erinnerungsvermögen doch irgendwie mit der Zeit zurück kommt? Das ist eine langwierige, verantwortungsvolle Aufgabe. Ich..."
Magnus brachte ihn mit einem einfachen Kuss zum Schweigen.
"Nikola, du kriegst das sicher hervorragend hin. Du bist ja schließlich nicht allein. Ich unterstütze dich, sogut ich kann! Wir schaffen das schon, okay? Gemeinsam."
Ein glückliches, erleichtertes Lächeln, legte sich auf sein Gesicht.
"Okay. Danke, Liebes!"
Beide betraten anschließend Hand in Hand das Zimmer.

Keine zwei Minuten später,
lag das Mädchen zusammengerollt in Nikolas Arm.
Ihre Lider wurden immer schwerer, während sie sich müde an ihn kuschelte und gespannt dem Märchen lauschte.
Mit dem Buch in der einen und Ari in der anderen Hand, lag der Ältere da.
Ein merkwürdiges Gefühl überkam ihn augenblicklich.
Sein Herz fühlte sich ungewohnt leicht an und ein überbreites Grinsen umspielte seine Mundwinkel.
Ein kleiner Körper, der sich eng an ihn schmiegte, warmer Atem, welcher seinen Hals kitzelte, Arme und Beine, die kreuz und quer um ihn geschlungen waren, ein winziger Brustkorb, der sich gleichmäßig hob und senkte und ein Kopf, welcher schwer auf seiner Brust lag...
Es war überwältigend und gab ihm alles.
Der über 150-Jahre alte Mann wollte gerade leise und stolz das Literaturwerk schließen, als die junge Lady plötzlich ihre für längere Zeit geschlossenen Seelenfenster öffnete und zuckend aus ihrem Schlummer hoch schreckte.
Für einen Moment erschrocken und desorientiert, blickte sie sich angespannt um.
"Schhht. Alles ist gut. Du warst kurz eingeschlafen. Mach ruhig wieder die Augen zu, Liebling! Ich bleib hier und pass auf dich auf, okay?" beruhigte sie der Serbe, streichelte ihr väterlich über den Rücken und zog sie näher an sich.
"Helen?" flüsterte die Heranwachsende und schaute sich nervös und unruhig nach der Brünetten um.
Die bis eben noch unbeteiligte Xenobiologin stand sofort aus ihrem Sessel auf, setzte sich zu den Zweien aufs Bett und legte der Jüngeren, milde lächelnd, ihre Hand auf den ebenholzschwarzen Scheitel.
"Was ist los, Schätzchen? Stimmt was nicht?" fragte sie fürsorglich.
Der süße Winzling mit dem elfenbeinfarbenen Teint, deutete unmissverständlich neben sich. Ari gähnte erschöpft und murmelte:
"Auch hinlegen! Hier!"
Tesla und Magnus schmunzelten zeitgleich.
Die Biologin tat, worum sie gebeten wurde.
Der Wonneproppen rückte ein Stück von dem Adoptivvater weg, legte den Arm der Erwachsenen um sich und kuschelte sich ebenfalls fest an sie.
Geborgen und mit einem exorbitanten, glücklichen Grinsen, lag sie zwischen den Ursprungsblutträgern.
"Helen?" nuschelte die Schwarzhaarige nochmals ihren Namen.
"Ja? Was gibt's denn, Engelchen?"
Liebevoll streichelte ihr die Wissenschaftlerin über den Arm und strich ihr eine aus dem Zopf gelöste, schwarze Haarsträhne hinters Ohr.
"D... Darf... ich...", druckste sie zögernd herum.
"Nur raus damit! Was möchtest du, Süße?" bestärkte die Einrichtungs-Chefin neugierig das Waisenkind.
Eine kleine Pause entstand.
Ari holte tief Luft, drehte sich zu ihr um und guckte sie mit schüchterner, unsicherer Miene an.
"Ich weiß, dass du nicht meine Mommy bist, ... aber darf ich dich so nennen?"
Im ersten Moment total perplex, doch dann vollends ergriffen, zog sie den cleveren Schützling zu sich.
Die Lippen der Evastochter, welcher Tränen in den smaragdgrünen Sehorganen standen, berührten zärtlich ihre Stirn.
"Natürlich darfst du das, Kleines!"

Erfreut und sich im Kreise ihrer liebenden Pflegeeltern befindend, seufzte die kleine Dame.
Ein letzter, schwacher, amethystfarbener Sprenkel, funkelte in einem der kastanienbraunen Augen auf...

--------------------------------------------------http://www.fanfiktion.de/s/554e11240003b97939f33424/1/-Lullaby-Teil-2-

- Hier der Link zur Fortsetzung! ☆ :)
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