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★Lυllαby ★

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Familie / P12 / MaleSlash
Dr. Helen Magnus Nikola Tesla
12.03.2015
22.04.2015
26
67.876
6
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Dieses Kapitel
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12.04.2015 3.188
 
"Aber, ... A... Aber... d... das... darf... nicht... sein! ... Bist du dir sicher, Dakara? ... Nein! Das lasse ich nicht zu! Du hast damals zu mir gesagt, dass du meine Hilfe brauchst. Also muss es doch eine Möglichkeit geben, wie ich euch helfen kann, oder? Hör zu, warum wechselt du nicht einfach den Wirtskörper? Wenn du eure Verbindung löst, dürfte es euch beiden doch wieder besser gehen, oder?"
Ihre Gesprächspartnerin blieb stumm.
Die Jüngere schlummerte fiebrig in ihren Armen.
Ihr kleines Herz schlug nah an dem ihren.
"Dakara? Dakara! Komm schon, antworte mir!"
Ohnmächtig und bestürzt, bemerkte die Brünette, dass sich ihre Augen mit Tränen füllten.
"Bitte! ... Es... es... muss... doch... einen... Weg... geben!"
Helen versuchte es noch mehrere Male, doch die Abnorme schwieg weiterhin.
Es war aussichtslos.
Ihre Eingeweide zogen sich schmerzhaft zusammen.
Sie umschlang den kleinen Leib fester.
"Ihr dürft nicht sterben! Haltet durch, okay? Ich werde schon irgendwie eine Lösung finden!" wisperte die Frau entschlossen.
Eine ganze Weile, blieb sie mit Ari zusammen liegen, bevor sie letztlich vorsichtig aufstand, sich sammelte und ihrem Job als Ärztin nachging.

Gerade als die Medizinerin eifrig dabei war, den Gesundheitszustand des Kleinkindes, den Umständen entsprechend zu verbessern, platzte die Schwarzmarkt-Händlerin herein.
Ihre eisblauen Augen, bohrten sich förmlich kritisch in die der anderen.
Sie gab ihren zwei Sicherheitsleuten ein Zeichen, welche sich daraufhin am Eingang postierten und wachsam mit ihren Gewehren dort verblieben.
Es war irgendwie morbide.
Die ganz in schwarz gekleideten Kolosse, wirkten wie Statuen.
Sie sprachen kein einziges Wort und bewegten sich kaum.
Doch Magnus wusste, dass sie sie bei der kleinsten, falschen  Bewegung, gezielt ins Visier nehmen und abdrücken würden.
Die Dame mit dem hellen Teint, der weiblichen, sportlich-kurvigen Gestalt, welche das rote Business-Outfit nochmals zu unterstreichen schien und den ellenlangen, in pechschwarzen High-Heels verpackten Beinen, durchschritt erhaben den Raum.
Ein gefährliches, kühles Lächeln, zeichnete sich auf ihrem perfekt mit Make-Up verschönerten Gesicht ab.
Die raspelkurzen, strohblonden Haare, waren nach hinten frisiert worden und brachten damit ihre hohe Stirn und die ausgeprägten Wangenknochen gut zur Geltung.
Wie ein Raubtier, welches sich seiner schutzlosen Beute näherte, kam Dianna auf sie zu.
Die Biologin seufzte schwer und versuchte ihre angefangene Tätigkeit weiterhin konzentriert zu vollenden.
Sie hatte die Kratzer und Blessuren an den Armen des Sprösslings versorgt, ihr Blut abgenommen, ein fiebersenkendes Mittel gegeben, und war nun gerade dabei, ihr eine elektrolythaltige Kochsalzlösung über einen venösen Zugang zu verabreichen.
Die kleine Erkrankte mit dem porzellanweißen Antlitz, schlief weiterhin tief und fest.
Sie schien von all dem nichts mitzukriegen.
Wofür die Doktorin insgeheim dankbar war, denn es erleichterte ihr vieles.
"Und? Wie weit sind Sie?" erkundigte sich die Blondine.

Die ambitionierte, fleißige Evastochter, stellte die Tropfen Anzahl bei der Infusion ein, beobachtete zufrieden, wie die Flüssigkeit in den Körper der dehydrierten, geschwächten Patientin lief und ging dann schnurstracks, mit der kurz zuvor abgezapften Blutprobe, zu einem auf der Arbeitsfläche stehenden Mikroskop.
Sie zog sich Handschuhe über, entnahm einen Tropfen der purpurroten Flüssigkeit und träufelte sie dann auf einen der Objektträger.
Anschließend schaute sie sich das Ganze sorgfältig unter der Linse an.
"Es ist, wie ich es vermutet habe. Ihr Körper stößt den Parasit ab. Umgekehrt genauso. Die Blutergebnisse der Kleinen, lassen darauf schließen, dass wir es hier mit einer seltenen und äußerst aggressiven Form einer Autoimmunerkrankung zutun haben. Das geht schon eine ganze Zeit lang so. Ihre Zellen können nicht mehr zwischen fremdem und körpereigenem Gewebe unterscheiden. Daher greift es sich selbst an. Momentan ist vorrangig die Lunge in Mitleidenschaft gezogen worden. Sie ist ziemlich entzündet und gereizt. Deswegen hat sie Blut gehustet. Ich denke aber, wenn das so weiter geht, dass bald alle inneren Organe betroffen sein und sich irgendwann sogar auflösen werden. Ihr Körper ist daher sehr geschwächt und anfällig. Es ist mir gelungen, das Fieber zu senken und ich habe ihr Cortison verabreicht, um die Aktivität ihres fehlgeleiteten Immunsystems zu dämpfen. Das sollte uns ein wenig mehr Zeit verschaffen. Ich kann nichts desto trotz, nur ihre Symptome lindern, nicht aber die Krankheit stoppen. So wie es momentan aussieht, werden beide nur noch wenige Stunden oder bestenfalls ein paar Tage haben!"
erklärte ihr das Sanctuary-Oberhaupt sachlich.
Die Geschäftsfrau starrte sie für einen Augenblick geschockt an.
"Kann Dakara nicht einfach den Wirt wechseln, um dem Ganzen zu entgehen?" warf sie neunmal klug ein.
"Nein. So wie es aussieht, kann sie das nicht. Ich befürchte, sie ist dazu mittlerweile zu schwach. Sie hat nur ganz kurz mit mir gesprochen, dann ist der Kontakt auch schon abgerissen." erzählte ihr Helen ehrlich.
"Warum genau stoßen sich die beiden gegenseitig ab? Ich dachte, dass der Lichtbringer einen menschlichen Wirtskörper zum Überleben braucht? Welcher spielt dabei doch keine Rolle, oder?"
Die Engländerin seufzte schwer.
"Ja, das ist auch richtig. Aber wie Sie einst gesagt haben: Das Kind ist eine eher unpassende Hülle. Es ist unmöglich für diese Wesen, sich erfolgreich und auf lange Sicht, problemlos in einem noch heranwachsenden Leib einzunisten. Dakara sagte, dass der Übergang nur funktioniert, wenn der Wirt ihn bedingungslos akzeptiert, sich ihm also freiwillig anbietet und seinen Geist öffnet. Das ist in diesem Fall nicht geschehen. Ihre Informationen bzgl. dieser ausgestorbenen, extrem anfälligen Spezies, waren also unvollständig. Sie hätten sich vorher besser informieren sollen. Das ist alles nur ihre Schuld! Hätte ihr dämlicher Killer nicht so wild um sich geschossen, den alten Wirt verletzt und Dakara nicht vor diese grauenvolle Wahl gestellt, würde jetzt alles ganz anders aussehen!"
Das Gesicht der Vierzigjährigen nahm bitterkalte, todernste Züge an.
"Gut. Das Ding ist also nutzlos für mich und wird sterben. Schade! Ihr momentaner Preis liegt bei 1,6 Milliarden. Das wäre verdammt nett geworden. Aber ich kann sie jetzt unmöglich noch verkaufen. Schließlich habe ich einen Ruf zu waren. Hmm... dann lassen wir sie eben sterben! Wenn sie ohnehin bald abkratzt, brauche ich keine Kugel zu verschwenden."
Magnus sah sie mit großen Augen an.
Entsetzen, Bestürzung und Fassungslosigkeit, stand darin geschrieben.
"Wie bitte!? Das ist nicht ihr Ernst!?" rief sie außer sich, stand auf und ging auf das Bett zu.
Es juckte ihr in den Fingern, sich auf die skrupellose Frau, welche sicherlich ein Herz aus Stein besaß, zu stürzen und ihr einen Denkzettel zu verpassen.
So grausam konnte man doch einfach nicht sein, oder?
Ein finsteres, amüsiertes Grinsen, umspielte ihre Mundwinkel.

"Jungs, bringt Doktor Magnus wieder in ihre Zelle! Wir sind hier fertig!"
Sofort ergriff die Ursprungsblut-Trägerin die Hand des im Bett liegenden Wonneproppens.
"Nein! Ich möchte hierbleiben! Bitte!" stieß sie panisch hervor und umschlang den kleinen Körper fester.
"Sie braucht mich! Bitte!"
Ihr Tonfall wurde lauter, verzweifelter, sorgenvoller.
Whitrows Männer schritten unbeirrt auf sie zu.
"Ach Schätzchen, es gibt hier nichts mehr für Sie zutun. Ich möchte meine Medizin nur ungern an einer todgeweihten Kreatur verschwenden. Sie wird hier liegen bleiben und sterben. Tut mir leid, aber das ist nun mal meine Entscheidung. Je eher Sie sich damit abfinden, desto besser! Wenn Sie sich nicht auf der Stelle von ihr entfernen und brav mit uns gehen, muss ich zu drastischeren Mitteln greifen!" sprach sie ihre Drohung aus.
Auf einmal drang ein leises Stöhnen an ihr Ohr.
Die Schwarzhaarige mit dem süßen Puppengesicht und dem zierlichen, schlanken Kinderkörper, bewegte sich plötzlich in den Armen der Erwachsenen.
Sie schlug müde ihre lavendelfarbenen Augen auf.
Ein freudiges, erleichtertes Lächeln, legte sich auf ihre zartrosafarbenen Lippen, als sie das vertraute Antlitz erblickte.
Ari gab einen leisen, unverständlichen Laut von sich.
Sie setzte sich mühsam aufrecht hin.
Schlagartig hielt sie in ihrer Bewegung inne, als sie zwei bewaffnete, ganz in schwarz gekleidete Herren samt Gewehren und eine hinter ihnen stehende, blondhaarige Lady mit einem unheilvollen Schmunzeln entdeckte.
Ängstlich krallte sich die Vierjährige in den Pullover ihrer Beschützerin und presste sich schutzsuchend an sie.
Sie verstand spätestens, was vor sich ging, als sich die Fremden wieder ein Stück näherten und sich die Arme der Bilderbuchschönheit fester um sie schlossen.
Beide Herzen rasten wie verrückt.
"Lassen Sie sie los!" versuchte es die Firmen-Leitung erneut mit dunkler Stimme.
Die Brünette schüttelte tapfer mit dem Kopf und zog den Schützling mütterlich an ihre Brust.
Zitternd, verunsichert und bang, klammerte sich das Mädchen mit ihren Gliedmaßen an sie und begann bald darauf, furchtsam zu wimmern.
"Schhht. Schon gut, Süße. Keine Angst, ich lass dich nicht los. Die werden uns nicht trennen!" flüsterte sie ihr, jetzt auch den Tränen nahe, heldenhaft ins Ohr.
Beruhigend und sanft, glitten die Hände der Teratologin über ihren Leib.
Warmer, nun stoßweise erfolgender Atem, machte sich an ihrem Hals bemerkbar.
Ein letzter, liebevoller Kuss, drückte sich auf die Stirn der einstigen Inselbewohnerin, ehe nasse, transparente Tropfen, über die Wangen des Oberhaupts flossen.
"So langsam, verliere ich echt die Geduld mit Ihnen! Das ist doch nur ein stinkendes, nerviges, nutzloses Gör! Jetzt lassen Sie es schon los, oder ich jage ihnen beiden eine Kugel durch den Kopf!" kam es verständnislos von der Einrichtungs-Chefin.
Sie gab ihren Untergebenen ein Zeichen, welche daraufhin stehen blieben und die Zwei ins Visier nahmen.
"Niemals! Ich lasse das Kind nicht allein! Eher sterbe ich mit ihr hier zusammen, als sie im Stich zu lassen. Also los, bringen Sie es endlich hinter sich! Dann muss ich ihre widerliche, hässliche Visage wenigstens nicht mehr länger ertragen!" konterte die 159-Jährige tollkühn.
Sie konnte hören, wie das Weinen des Winzlings lauter wurde und sich nun mit einem kraftvollen Husten vermischte.
Mitleidig strich sie ihr das kohleschwarze Haar zurück und bemerkte, wie das warme Haupt immer schwerer wurde und sich schließlich kraftlos auf ihrer Schulter ablegte.
Magnus klopfte der ernsthaft Erkrankten vorsichtig auf den Rücken und half ihr so beim Abhusten.
Wieder kam dunkelroter, blutiger Schaum zu Tage.
Urplötzlich packten zwei Hände das Kleinkind und entrissen es ihr unsanft.
"Nein!"
Protestierend wehrte sich die Ältere und versuchte, sie festzuhalten.
Doch es gelang ihr nicht, da sie ohne jede Vorwarnung, von dem zweiten Hintermann niedergeschlagen wurde.
Das letzte was sie vernahm, war Aris herzzerreißendes Schluchzen.
Lilafarbene, glasige Sehorgane, fixierten sie eingehend, bevor alles um sie herum schwarz wurde.

Helen erwachte mit dröhnendem Schädel.
Diannas Mitarbeiter hatte gute Arbeit geleistet.
Er hatte sie mit dem Gewehrkolben genau an ihrer ohnehin schon schmerzenden Kopfplatzwunde erwischt, sodass diese erneut wieder aufgegangen war und den Verband zu durchbluten anfing.
Benommen und mit qualvollen Kopfschmerzen, richtete sich die wieder an den Stuhl Gefesselte auf.
Frustriert stellte sie fest, dass sie sich in der kleinen, Abstellraum ähnlichen, leeren, mittels einer von außen gesicherten Kammer befand.
Es dauerte einen Moment, bis sie sich an das was geschehen war, erinnern konnte.
"Ari! Dakara! Ich muss zu ihnen!"
Bereit, zog sie ihren geheimen Trumpf aus dem Ärmel.
Geschickt nahm sie die Glasscherbe, welche Gott sei Dank immer noch unter ihrer Armbanduhr klemmte und schnitt gekonnt den Kabelbinder an ihrem rechten Handgelenk durch.
Anschließend folgten die andere Hand und ihre an die Sitzgelegenheit gefesselten Beine.
"Super! Endlich!" murmelte die unerschrockene Kämpferin leise und erhob sich langsam.
Sie stand keine Minute später an der Tür, hinter der zwei Wachen postiert waren.
Gerade, als sie sich einen taktisch-günstigen Angriffsplan überlegte, wie sie die beiden Söldner am besten überwältigte, hörte sie das vertraute Geräusch schwerer Stiefel.
"Geht beiseite!" befahl der Neuankömmling herrisch.
"Warum? Dianna wollte, dass wir sie bewachen. Keiner außer ihr, darf rein oder raus! Das hat sie uns strikt mitgeteilt." äußerte sich einer der Bodyguards.
"Ach? Ist das so, ja? Nun, mir hat der Boss aber mitgeteilt, dass ich sie besuchen darf. Und das, wann ich will!" entgegnete eine männliche, tiefe Stimme dominant.
Ein gefährlicher Unterton schwang dabei mit.
"Okay, wenn das so ist, hast du doch bestimmt nichts dagegen, wenn wir die Chefin kurz anfunken und diesbezüglich nachfragen, oder?" schlug einer der Handlanger misstrauisch vor.
"Klar! Wie ihr wollt, Jungs!"
Kaum hatte einer der beiden sein Funkgerät in der Hand, wurde er auch schon von dem im Nahkampf ausgebildeten Mann ausgenockt.
Der zweite wollte den Abzug seiner Waffe betätigen, doch sein Gegenüber war schneller.
"Idioten!" brummte der Rothaarige mit dem giftgrünen Vipernauge und betrat voller Vorfreude und dunkler, zufriedener Genugtuung, den Raum.
"Ramón!" formten die Lippen der ehemalige Oxford-Studentin überrascht.
Für einen kurzen Moment perplex, sein Opfer nicht gefesselt und hilflos vorzufinden, stoppte der braun gebrannte Muskelprotz in der Tür.
"Wie...?"
Noch ehe er Zeit hatte, seinen Satz beenden zu können, stürzte sich die Forscherin auf ihn.
Sie versuchte ihm die Beine weg zu treten und ihn damit zu Fall zu bringen, doch der sich in den dreißigern befindende Adamssohn war flink wie ein Wiesel.
Er wich aus, packte sie und warf sich mit ihr zu Boden.
Ein wildes Gerangel erfolgte.
Magnus streckte ihren Arm aus und wollte ihm das spitze Glasstückchen ins einzig intakte Auge bohren, aber der Mörder war stärker.
Er vereitelte die Attacke, rammte ihr hart sein Knie in den Bauch, vergub seine andere Hand in ihrem Haar und schlug dann fest ihren Kopf auf den dunklen Holzboden.
Die Kryptozoologin stöhnte, Wogen des Schmerzes quälten sie augenblicklich.
Effektiver hätte er sie nicht ruhig stellen können.
"Du böses, ungezogenes Mädchen! Na warte nur Schlampe! Gleich werde ich dir Manieren beibringen!" fauchte er erzürnt, holte eine Spritze aus seiner Hosentasche hervor und jagte sie ihr hart in die Seite.
Die Unsterbliche bemerkte, wie ihre Kräfte sie nach und nach verließen.
Sie verlor allmählich das Gefühl in ihren nun tauben Gliedmaßen.
"Was... hast... du... mir... da...?" stammelte sie und lag, unfähig sich auch nur irgendwie zu bewegen, da.

Der ekelhafte, erregte, viel zu schnelle Atem und das übelriechende Aftershave, schlugen ihr unangenehm entgegen.
Ein diabolisches Grinsen, legte sich auf das narbenhafte, düster dreinblickende, von feuerroten Haaren umrahmte Gesicht.
"Ich weiß nicht genau, was das für ein Zeug ist, aber es lässt deine Muskeln erschlaffen und stellt dich ruhig. Ich war vorhin noch nicht fertig mit dir... Jetzt werde ich da weitermachen, wo wir aufgehört haben!"
Der Agent begann damit, ihr hungrig den Pullover hoch zu schieben.
Seine schwitzigen, übergroßen, schwieligen Hände, berührten ungehalten ihre Haut und streiften verlangend über ihre in Unterwäsche verpackten Brüste.
"Hör... auf!" brachte die Gelehrte angestrengt hervor.
Ramón leckte sich über die Lippen.
Ein erregtes Stöhnen verließ seine Kehle, als er seine Jeans ein Stückchen runter schob und sich mit seiner Härte hedonistisch an ihrer Hüfte rieb.
Seine Finger gingen grabschend auf Wanderschaft und kratzten mit seinen langen Nägeln fest über ihren flachen Bauch.
"Ahhh! Verdammt, Püppchen! Du hast echt eine verflucht geile Figur! Lehn dich lieber zurück und entspann dich! Glaub mir, so ist es einfacher für dich!" zischte er, zog ihr das Oberteil ganz über den Kopf, warf es in die hintere Ecke und machte sich dann daran, ihr die Hose auszuziehen.
Verzweifelt, bemühte sich die Frau mit den Smaragdaugen ruhig zu bleiben.
Sie wollte ihm den Triumph von Angst in ihrem Antlitz oder sogar Tränen, unter gar keinen Umständen gönnen.
Vermutlich würde ihn das ohnehin nur noch mehr anstacheln.
Dieser Mann war wahrlich ein Monster!
Er würde sie ohne jede Reue vergewaltigen und sich gewaltsam das nehmen, wonach er sich schon seit langem verzehrte.
"Schrei für mich, Miststück!" säuselte er ihr abschließend süffisant ins Ohr.
"Verdammt! Bitte nicht!" schoss es der Doktorin hoffnungslos und gebrochen durch den Kopf.
Sie war kurz davor, gänzlich aufzugeben.
Ihre Lage war aussichtslos:
Ari und Dakara würden bald sterben, unzählige Abnorme der Zufluchtsstätten, befanden sich wahrscheinlich schon auf dem Weg zu einem der Bunker der SCAS&H Corporation, wo sie sicherlich nicht lange bleiben, sondern stattdessen schnell verkauft werden würden und Ramón war im Begriff, sie erbarmungslos zu missbrauchen.
Irgendwie wusste die Sanctuary-Leitung, dass ihre skrupellosen Entführer nie geplant hatten, sie frei zu lassen, sobald der Deal abgelaufen war.
Selbst wenn sich Whitrows gnädig zeigte, so würde sie der kaltblütige, sich selbst seinen eigenen Leute widersetzende Einäugige, auf gar keinen Fall einfach freigeben.
"Wie gesagt: Du gehörst mir, Püppi!"

Auf einmal entsicherte sich die von dem Kappi-Träger zugeschlagene Tür.
Eine weitere Gestalt betrat resolut das Zimmer.
Große, dunkelverfärbte Seelenfenster, warfen einen flüchtigen Blick auf die unschöne, verstörende Szenerie.
Hass und eine unbändige Wut, glomm sogleich in ihnen auf.
"Man! Ich hab doch gesagt, verpisst euch! Ich...", stieß der spanisch sprechende Auftragskiller genervt hervor und drehte sich um.
Für einen blitzartigen Moment, stand die Zeit still.
Lange, geschärfte, animalische Klauen, schnitten durch Haut, Sehnen und Knochen, wie ein Messer durch Butter.
Ein blutiger Schwall ergoss sich über den am Boden liegenden Körper der Älteren, welche geschockt mitansah, wie sich Ramóns Haupt, mit einem einzigen, sauber ausgeführten Hieb, augenblicklich von seinem Hals abtrennte.
Tot brach der Enthauptete, welcher nun neben sie fiel, zusammen.
Nicht einmal ein angsterfüllter Aufschrei, kam der nun zitternden Führungskraft über die Lippen.
"Tut mir leid, aber ich konnte einfach nicht anders! ... Helen, ist alles okay mit dir?" ergriff eine ihr nur zugut bekannt vorkommende Stimme das Wort.
Der Neuankömmling kniete sich sogleich neben sie, strich ihr vorsichtig das Blut aus dem Gesicht und half ihr dann in eine sitzende Position.
Er zog seinen über dem Jackett tragenden Mantel aus und hüllte sie, ihre nackte Haut verdeckend, darin ein.
Das Material fühlte sich warm und weich an.
Starke Arme, schlangen sich fest um ihren Leib und stützten sie.
Der liebliche Geruch von Zimt, Nelken und einer frischen Meeresbriese, stieg ihr beruhigend in die Nase.
Cobaltblaue, nun nicht mehr nachtschwarze Augen, starrten sie mitfühlend und besorgt an.
Magnus war wie in Trance.
Sie brauchte einen Moment, um sich von den eben passierten, grauenvollen Geschehnissen zu erholen.
Ihre Gliedmaßen, waren durch die verabreichte Droge noch immer schlaff und taub.
Nun konnte sie ihre Gefühle nicht mehr länger im Zaum halten.
Tränen liefen ihr sturzbachartig die Wangen hinab.
Ein larmoyantes Schluchzen entfuhr ihr aufgelöst.
"Nikola! ... Du... bist... hier..."
Tröstlich drückte sie der Vampir an sich und fuhr ihr sanft über den Rücken und das nussbraune Haar.
Er wiegte sie beruhigend, wie ein kleines Kind, hin und her.
"Ja. Das bin ich, mein Herz. Und ich bin nicht alleine! Ich hab die ganze Kavallerie mitgebracht. Ist ja gut. Du musst jetzt keine Angst mehr haben. Wir holen dich hier raus, okay? Euch alle!"
Romantisch hauchte er ihr einen kleinen Kuss auf den Scheitel.
"Wie...?" wollte Helen wissen.
"Sagen wir einfach, dein Protegé, Heinrich und ich, sind verdammt clever! Es gibt keine Festung, die so versteckt ist, dass man sie nicht findet oder die gänzlich uneinnehmbar wäre. Wenn man weiß wie, kann man sich hier durchaus Zutritt verschaffen. Außerdem braucht das Sicherheitssystem dringend bessere Firewalls und schwieriger zu knackende Passwörter. Den Rest erklär ich dir später! ... Kannst du aufstehen? Wo ist Ari und Dakara?" fragte Tesla.
Smaragdgrüne Augen verloren sich betrübt in den seinen.
"Nikola, ... sie werden sterben! Sie sind beide schon so gut wie tot!" verkündete ihm seine Freundin niedergeschlagen die Hiobsbotschaft.
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