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★Lυllαby ★

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Familie / P12 / MaleSlash
Dr. Helen Magnus Nikola Tesla
12.03.2015
22.04.2015
26
67.876
6
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Dieses Kapitel
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28.03.2015 1.937
 
Nachdem der Sprössling von Helen gebadet und umgezogen wurde, hatten sie sich eine zeitlang mit Verstecken und Bildermalen vergnügt, bevor Ari schließlich erschöpft ihre Stifte niederlegte und sich zu der Älteren auf den Teppich vor den Kamin setzte.
Als der Schützling auf ihren Schoß krabbelte und sich müde an sie kuschelte, sah die globale Netzwerksleitung von Wills Zettel, den sie immer wieder studiert hatte und dem Laptop, welcher auf einem kleinen Beistelltisch ruhte, zu ihr auf.
"Hey, Süße. Bist du schon fertig mit Malen?" fragte sie das Kind mit einem milden Lächeln.
Die Angesprochene nickte stumm und stöhnte gequält.
Ihre Augen richteten sich mit einem glasigen, ausgelaugten Blick in die des Sanctuary-Oberhaupts.
"Müde! ... Warm!" teilte ihr die Jüngere quengelnd mit und starrte sichtlich ausgelaugt zu ihr hoch.
Ihr Gesicht wirkte wieder aschfahl und war von einzelnen Schweißperlen gezeichnet.
Sofort befühlte die Ärztin die Stirn- und Wangenpartie der vor ihr Sitzenden.
"Oweiha, ich glaube, deine Temperatur ist wieder gestiegen! Merkwürdig, ... vorhin war noch alles normal. Eigentlich dachte ich, du hättest es überstanden. Das ist jedenfalls keine gewöhnliche Erkältung oder ein grippaler Infekt... Ich wünschte nur, ich wüsste genau woran du leidest und wie ich dir helfen kann, Liebes! Na ja, ... bringen wir dich erst mal wieder ins Bett und senken dein Fieber, dann kannst du dich ausruhen, einverstanden?" sprach Magnus, strich ihr beruhigend über den Rücken und erhob sich vorsichtig mit der schwarzhaarigen Miniaturausgabe.
Keine drei Minuten später, lag die Kleine mit kalten Wickeln um ihre Waden und nach Verabreichung eines Antipyretikums, schlummernd in Nikolas Doppelbett.
"Schlaf, Schätzchen. Ich seh später nochmal nach dir. Träum was Schönes...", wisperte ihr die Brünette leise zu, küsste sie mütterlich auf den Scheitel und verließ anschließend den Raum.
"Ich sollte in der Nähe bleiben, nicht dass sie wieder Krämpfe oder Flash-Backs bekommt." beschloss sie, ließ die Tür einen Spalt offen und schlich sich auf Zehenspitzen runter ins Erdgeschoss.

Die Kreaturen-Hüterin seufzte schwer.
Seit sie Wills Botschaft gelesen hatte, stand sie dauerhaft unter Strom.
Ihre Gedanken kreisten unentwegt über ein und dieselben Themen: Dianna, ihre Handlanger, die SCAS&H-CORPORATION, die dort festgehaltenen Abnormen, ihre größenwahnsinnigen Ziele und Dakara.
Zudem machte sich die ambitionierte Medizinerin allmählich große Sorgen um Aris Zustand.
"Verflucht! Nikola wollte doch in einer Stunde wieder da sein... Inzwischen sind fast drei Stunden um. Wo steckt er nur?" wunderte sich die Engländerin und widmete sich unruhig wieder der Seite, die sie über mehrere Umwege im Internet gefunden hatte.
Dank ein paar Tricks, die ihr Henry einmal gezeigt hatte, war es ihr gelungen, sich über einen bereits bestehenden Kundenaccount auf einer ganz bestimmten Firmenseite einzuloggen.
Es hatte mehrere Versuche gebraucht, um das Sicherheitspasswort zu knacken, aber letztendlich hatte es die smarte Xenobiologin doch noch vollbracht.
Doch das, was sie dann vorfand, war mehr als nur verstörend...

Diannas aufgebautes Imperium (und damit war nicht der fassadenscheinige Softwarekonzern gemeint) boomte.
Über 4000 verschiedene, allerlei seltene Kreaturen, wurden für unterschiedliche, exorbitant-hohe Summen, auf dem Online-Portal angeboten.
Angebot und Nachfrage waren erschreckend hoch.
Der Abnormenschwarzmarkt hatte Kunden aus aller Welt.
Fast provozierend, stieß die 159-Jährige auf eine Liste, auf der ein paar der Stammkunden notiert waren.
Diese reichten von angesehenen, millionenschweren Geschäftsleuten, Ölscheichs und sogar Staatsoberhäuptern, bis hin zu populären Wissenschaftlern.
Verständnislos, schockiert und angewidert, schüttelte das weibliche Genie den Kopf und biss sich erzürnt auf die Unterlippe.
Doch das war bei Weitem noch nicht das Schlimmste...
Nach ein paar Minuten, entdeckte sie eine Vielzahl an hochgeladenen  Videos und Photos, welche allesamt das breit gefächerte Warenspektrum zeigten.
Natürlich achteten die Fotografen und Filmer stets darauf, dass die Wesen mehr als nur akzeptabel darauf präsentiert wurden, jedoch wusste es die Frau mit der jahrelangen Erfahrung besser.
Aufgrund der Tatsache, dass sie selbst mitsamt dem Lichtbringer, in einer schäbigen, viel zu kleinen Zelle untergebracht worden war und Dank ihrer geschulten Augen, konnte die gerechtigkeitsliebende Oxford-Absolventin den kleinen, aber feinen Unterschied zwischen der tückisch verborgenen Lüge und der tatsächlichen Realität erkennen.
Auf fast allen Aufnahmen des Videomaterials, wurden atypische, fast zu zahme oder ungewohnt aggressive Verhaltensweisen der Kreaturen und die Gitterstäbe ihrer auch mit Starkstrom versehenen, unfreiwilligen Unterkünfte offenbart.
Whitrows selbst, hatte ihr glorreich und stolz erzählt, dass sie die meisten ihrer Abnormen unter Drogen setzten, damit sie sich ruhig verhielten und keinen Widerstand leisteten.
Während sich die Evastochter mit brodelndem Inneren weiter auf der Seite umschaute, stach ihr eine weitere Liste ins Auge, auf der auch Dakara aufgeführt war.
Der Wert aller Geschöpfe darauf, lag im sechs- oder siebenstelligen Bereich und speziell bei ihrer nicht mal eine Etage über ihr befindlichen Freundin, stieg die Verkaufssumme kontinuierlich, von Minute zu Minute.
Die Deadline war erst in drei Tagen gesetzt, doch das schien die Bieter wenig zu stören.
Sofort kamen ihr Buenos Aires und Diannas Worte in den Sinn zurück.
"Hier jedoch, sind nur fünfzig unserer Lieblinge untergebracht. Unsere Sammlerstücke, quasi. Dakara ist unser Kronjuwel!"

"Wir werden in Kürze folgende Neuheiten erhalten: Einen tunesischen Feuerelementaren, ein ausgewachsener Steno, eine Meerjungfrau, zwei Magois, einen Lepidoptera und einen Sasquatch." lautete es in einer auffällig-großen Notiz, welche unter "Aktuelles & Demnächst in unserem Angebot", geschrieben stand.
Wütend und kurz davor, die Beherrschung zu verlieren, klappte Magnus den Laptop zu.
"Scheiße! Das sind alles Abnorme aus meinem Sanctuary! Und der Große! ... Die haben es wirklich auf mich und die Zufluchtsstätten abgesehen. Ich muss handeln! Ich kann doch nicht einfach hier rumsitzen, meine Freunde ins offene Messer laufen lassen und nichts tun!?" schrie es in ihr.
Die Nerven der Britin lagen blank.
Sie brauchte jetzt dringend eine Verschnaufpause.
Es juckte ihr in den Fingern, Will anzurufen, nach Old-City zurückzukehren oder den nächsten Flug nach Argentinien zu nehmen, um die armen, festgehaltenen Lebewesen zu befreien und ihren Widersachern gehörig, im Stil einer Helen Magnus, den Hintern aufzureißen.
Doch das konnte sie nicht!
Nicht, ... bevor es Ari und Dakara besser ging. Immerhin war sie irgendwie für sie verantwortlich und ausserdem benötigten die beiden jetzt mehr denn je, ihre Hilfe.
"Ich muss mich beruhigen. Will weiß schon, was er tut. Die anderen Sanctuarys sind laut seiner Nachricht ebenfalls informiert worden und bleiben wachsam. Vielleicht sind sie ja sogar schon dabei, etwas gegen die SCAS&H-CORPORATION zu unternehmen. Das ist alles wahrscheinlich eh nur eine ausgeklügelte Falle, um mich aus meinem Versteck zu locken, damit sie den Lichtbringer finden. Sie ist im Moment die kostbarste Abnorme und ihr Primärziel... Argh! ... Und trotzdem fällt es mir schwer, mich einfach so feige hier zu verstecken und abzuwarten." dachte sich die resolute, temperamentvolle und überaus mutige Netzwerks-Vorsitzende.

Nachdem sie ein weiteres Mal nach ihrem Schützling gesehen hatte und erleichtert feststellte, dass ihre Temperatur erneut gefallen war und die Vierjährige weiterhin tief schlief, stahl sie sich mit ihrem inzwischen zweiten Weinglas nach draußen.
Der Garten war vom gestrigen Regen und den witterungsbedingten Gegebenheiten, ein einziges, teils schlammiges, von buntem Herbstlaub übersätes, rutschiges Gebiet.
Doch das störte die Doktorin nicht weiter, immerhin schien jetzt wenigstens die Sonne.
Schließlich griff sich Helen eine der roten Wolldecken von der Terrasse und setzte sich damit auf den kleinen, hölzernen, ebenfalls von Blättern und einer nassen Schicht bedeckten Steg.
Sie ließ eines ihrer Beine vornüber baumeln, während sie das andere anzog.
Danach nippte die Dame mit der ausgeprägten Wangenpartie und den smaragdgrünen Augen, genüsslich an der purpurroten Flüssigkeit, stellte ihr Glas neben sich und starrte anschließend auf das glitzernde, azurblaue Wasser hinaus.
Ein kühler, erfrischender Windstoß, wehte ihr um die Nase und wirbelte ihre braune, lockige Haarpracht auf.
Vögel erhoben sich lautstark von den Bäumen des hinter dem Sees liegenden Wäldchens.
Die herum gekommene Lady, liebte es, einfach so ungestört dasitzen zu können und genoss die idyllische Ruhe.
Sie schloss tief ein und ausatmend die Augen.
Mit einem schmunzelnden, glücklichen Gesichtsausdruck, schob die Ursprungsblut-Trägerin plötzlich ihre Sorgen und Ängste beiseite und erinnerte sich stattdessen an den gestrigen Abend.
Ihre Körperhaltung entspannte sich dabei unbewusst.
Bilder und positive Emotionen, fluteten jetzt ihren Verstand und beeinflussten ihre bis eben noch missmutige, angeschlagene Stimmung.
Es war alles so perfekt gewesen!
Wie er sie im Arm gehalten und berührt, mit ihr gesprochen, sie getröstet und sich rührend um ihre Wenigkeit gekümmert hatte...
Die Art wie er roch, dieses verdammte Parfum, was er jedes mal trug, sein ungemein ästhetisches, gepflegtes, attraktives Erscheinungsbild (sie liebte seinen eleganten Kleidungsstil, die zu ihm passenden, pechschwarzen, kurzen Haare und den porzellanweißen, makellosen Teint), der auch durch die Vampirgene veränderte, starke, männliche Körperbau, sein freches, liebenswürdiges, intelligentes und charismatisches Wesen, seine so weich und wie eine himmlische Symphonie klingende Stimme und vor allem die kobaltblauen, mit silber-grauen Sprenkeln versehen, geheimnisvoll-strahlenden Seelenfenster, ... ja, ... das alles, zog die Chefin der Zufluchtsstätte hingerissen und fasziniert in ihren Bann.

Der physikalisch begabte, unsterbliche Mann, mit dem sie schon seit so vielen Jahren befreundet war und für den sie zeitweilig einmal mehr, als sie es von sich selbst gedacht hätte empfand, hatte ihr gestern so schöne und liebe Dinge anvertraut.
Sein Verhalten in den letzten Tagen, die vielen flüchtigen und manches Mal auch verboten länger anhaltenden Berührungen und das, was er von sich gab, waren allesamt eindeutige Zeichen, oder etwa nicht?
Wem sollte sie weiter etwas vormachen: Ihr Herz gehörte ihm.
Das tat es bereits vor vielen Jahren schon.
Helen wusste, dass es ein Fehler war, sich von ihm zu trennen.
Gleich nachdem sich die Ereignisse, welche letztlich der einzige Grund für das Beziehungsaus gewesen waren, überschlagen hatten, bereute sie ihre Entscheidung.
Sicher, sie hatte so mehr Zeit, sich um Ashley zu kümmern und Mutter zu sein (Ende des 19. Jahrhunderts, viele Jahre nach dem Krieg und der Trennung des Serben, entschied sie sich aus Einsamkeit dafür, den bis dahin eingefroren Embryo aufzutauen und endlich ihre Tochter groß zu ziehen)*, ... doch etwas fehlte.
Er fehlte!
Von da an, war es schwierig und still zwischen ihnen geworden.
Doch jetzt entflammte die Liebe zu ihm scheinbar erneut.
Es ließ sich nicht leugnen, dass sich Magnus regelrecht nach ihm sehnte.
Innerlich fluchte sie, dass sie gestern in einem nahezu perfekten Moment, in dem sich ihre beiden Lippen fast automatisch berührten, gegähnt und ihr somit aufgrund der aufkommenden Müdigkeit, einen üblen Strich durch die Rechnung gemacht wurde.
Sie wollte ihn küssen, so sehr! ...
"Ich muss ihm sagen, was ich empfinde! Im schlimmsten Fall, weist er mich zurück, aber das glaube ich nicht... Super! ... Als hätte ich nicht schon genug Dinge um die Ohren, die mir schwer fallen und um die ich mich kümmern sollte!" fuhr es ihr mit heftig schlagender Pumpe und einem tiefen Seufzer, durch den Kopf.

Die Biologin erhob sich.
Auf einmal fegte eine kräftige Windböe über sie hinweg und erfasste ihr inzwischen leeres Glas.
Es kullerte auf die Seite, rollte schnell über die Holzplanken und landete schließlich mit einem unheilvollen Geräusch, weiter vorne, im Wasser.
"Mist!"
Gerade als sich die Kryptozoologin weiter vor wagte und das Behältnis aus dem See fischen wollte, rutschte sie mit ihrem linken Fuß auf der inzwischen durch den Wind verhedderten Decke und dem darunter befindlichen, glitschigen Laub aus.
Sie verlor das Gleichgewicht und stürzte.
Verzweifelt, versuchte sie sich noch festzuhalten oder gar abzufangen, doch es gab nichts dergleichen, was ihr auch nur irgendwie dabei geholfen hätte.
Es ging alles viel zu schnell.
Die Bilderbuchschönheit traf mit ihrem Kopf unglücklicherweise einen der rechts und links angebrachten, herausragenden Holzpflöcke.
Sie schlug so hart mit dem Hinterkopf auf den Stegrand auf, dass ihr sofort schwarz vor Augen wurde.
Bewusstlos und ausgenockt, fiel Helen in einen bitterkalten, tieferen Bereich des Sees.

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*Nikola hatte sie sogar schon seit längerem dazu ermutigt
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