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★Lυllαby ★

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Familie / P12 / MaleSlash
Dr. Helen Magnus Nikola Tesla
12.03.2015
22.04.2015
26
67.876
6
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27.03.2015 1.373
 
Helen gähnte.
Das matte Licht von hereinfallenden Sonnenstrahlen wärmte ihr Antlitz und erhellte die gemütliche, vertraute Umgebung.
Liebliches Vogelgezwitscher, drang in gedämpfter Lautstärke an ihre Ohren.
Gedankenverloren und sich noch im Halbschlaf befindend, griff sie mit dem Arm auf die andere Seite des Bettes.
Doch anstatt das freche Physikgenie mitsamt seines gut gebauten, muskulösen Adoniskörpers (an den sie sich vergangene Nacht wie eine Katze angeschmiegt hatte) vorzufinden, griff die Engländerin ins Leere.
Stutzig schlug sie die Augen auf und blickte sich blinzelnd in ihrem Schlafzimmer um.
Kein Nikola.
Plötzlich regte sich ein kleines, warmes Bündel, welches sich ganz nah an ihren Bauch gekuschelt hatte und eisern die Bettdecke in Beschlag nahm.
Das schwarzhaarige Mädchen hatte sich im Schlaf scheinbar zu ihr rüber gerollt, ihre Hand um die Taille der Älteren gelegt und war eng an den weiblichen Leib rangerückt.
Das süße Gesicht mit dem hellen Teint, den rosigen Wangen, der Stupsnase und den großen, violett-schimmernden Augen, hatte sie zufrieden in ihrem Schlafanzug vergraben.
Ein Bein der Jüngeren, war über Magnus Oberschenkel geschwungen worden.
Mit einem breiten Grinsen, musterte sie das Kleinkind, welches noch immer leise schnarchte und die auffallenden Sehorgane weiterhin geschlossen hielt.
Das Herz der 159-Jährigen schmolz bei dem zuckersüßen Anblick förmlich dahin.
Vorsichtig drehte sie sich kurz auf die andere Seite und schaute gespannt auf den Radiowecker.
Es war inzwischen schon zehn Uhr durch.
Fast geschockt, starrte sie die grell leuchtenden Ziffern an.
"Wow, solange habe ich aber schon lange nicht mehr..."

Gerade als das Netzwerks-Oberhaupt ihren Gedanken zu Ende bringen wollte, ertönte ein protestierendes Gemurmel.
Auf einmal spürte sie, wie Ari auf sie drauf krabbelte und sich schließlich mit einem freudigen Schmunzeln, auf ihre Hüfte setzte.
Zwei kleine Hände legten sich abstützend auf ihren flachen Bauch.
"Guten Morgen, Süße. Na, gut geschlafen?" begrüßte sie die Gelehrte, bohrte ihren Blick in den ihren und lächelte sanft.
Die Vierjährige quietschte glücklich und rutschte ein Stück weiter nach vorne.
"Morgen. Gut geschlafen!" plapperte die Kleine gut gelaunt und aufgeweckt nach.
Dann beäugte sie die Ursprungsblut-Trägerin und deutete mit einem Finger fragend auf sie.
Die Evastochter lachte, umklammerte mit beiden Händen die der Heranwachsenden und zog sie mütterlich zu sich.
Ari landete auf Helens Brust und bemerkte, wie sich ihre Arme automatisch um ihren Körper schlangen.
Liebevoll strichen sie über den kindlichen Rücken und drückten sie fest an sich.
"Ich hab auch gut geschlafen, Kleines! Danke der Nachfrage." säuselte ihr die Xenobiologin mit engelsgleicher Stimme ins Ohr, strich ihr ein paar der pechschwarzen Haarsträhnen aus dem Gesicht und küsste den Wonneproppen zärtlich auf die Stirn.
Augenblicklich entspannte sich der eben noch aufgeregt hin und her wippende Leib der Schwarzhaarigen.
Sie seufzte lautstark und zufrieden, schmiegte sich anschließend seelenruhig an die Britin und genoss die so wohltuenden Streicheleinheiten.
Magnus wusste nicht genau, warum sie sich diesem eigentlich fremden Kind so nah fühlte.
Sie konnte es nur schwer erklären...
Die Art, wie dieses Mädchen mit ihr umging, wie es sich verhielt, wie es kommunizierte und wie es sie aus diesen großen, traurigen und zugleich faszinierenden Augen heraus ansah, ... das alles zog die Wissenschaftlerin unwillkürlich in ihren Bann.
Zudem erinnerte sie so vieles an Ari, gleichsam an ihre tote Tochter.
Es war bizarr, machte ihr einerseits Angst und doch konnte sie einfach nicht anders!
Ungeahnte, für immer begraben geglaubte Gefühle, Empfindungen und Sehnsüchte, kamen bei der Kryptozoologin hoch und überwältigten sie.
Nachdem ihr der kleine Engel im Teddybär-Schlafanzug, zahlreiche, dankbare Küsse aufs Gesicht aufgedrückt und zögernd mit der Hand ihre Wange gesteichelt hatte, fiel sie ihr anhänglich um den Hals.
"Lieb!" krächzte Ari.
Urplötzlich durchschnitt ein geräuschvolles Bauchgrummeln die Stille.
Die Mundwinkel zu einem gerührten und zugleich amüsierten Lächeln verziehend, setzte sich die Zufluchtsleiterin im Bett auf.
"Ich würde fast behaupten, dass du Hunger hast! Na komm, Schätzchen, gehen wir in die Küche und machen dir erst mal ein anständiges Frühstück, einverstanden?" schlug sie vor.
Der Schützling nickte und gab ein paar aufgeweckte, unverständliche Laute von sich.
Die Erwachsene hob sie behutsam hoch, setzte sie auf ihre Hüfte und setzte sich dann mit ihr in Bewegung.

"Bin einkaufen! Der Kühlschrank war leer und muss noch ein paar dringende Besorgungen machen... Hab Waffeln gemacht. Stehen auf der Anrichte. Bedient euch! Bin in etwa einer Stunde wieder zurück. Hoffe, ihr habt einen schönen Morgen... Passt auf euch auf! Bis nachher, Nikola." stand es auf einem Zettel, welcher unübersehbar am Kühlschrank angebracht war, in einer ordentlichen Handschrift geschrieben.
Die Sanctuary-Vorsitzende schmunzelte.
Sie setzte das Kleinkind auf einem Stuhl ab, goss Orangensaft in ein Glas, legte zwei frische, noch warme, mit Puderzucker bestäubte Waffeln auf einen Teller und zerteilte sie in mundgerechte Stücke.
Anschließend drückte sie dem Sprössling eine Gabel in die Hand, richtete sich selbst einen Teller her und goss sich eine Tasse heißen Tees ein.
Die Oxford-Absolventin wollte gerade ebenfalls an der Esstheke Platz nehmen, da entdeckte sie auf einmal eine zweite, auf ein Blatt Papier geschriebene Nachricht, welche offen auf dem im angegliederten Wohnzimmer stehenden Flügel lag.
Während sich die Jüngere hungrig über ihr Frühstück hermachte, las Helen die ausdrücklich an sie adressierte Botschaft:
"Liebste Helen,
wie du sicher gleich sehen wirst,
haben uns deine Kinder eine Nachricht geschickt.
Sie ist, kurz bevor ich zur Tür heraus gehen wollte, eingetroffen.
Bitte tu mir den Gefallen und warte, bis ich wieder da bin!
Wir werden alles Weitere später besprechen.
Sei versichert, dass ich mich beeilen werde!
(Ich würde euch jetzt nicht alleine lassen, wenn ich nicht unbedingt müsste).
Ich habe euch im Übrigen, zu eurer eigenen Sicherheit eingeschlossen.
Den Code kennst du ja.
Tu nichts Unüberlegtes oder Dummes! ...
In Liebe, Nikola
P.S. Schusswaffe liegt in meinem Schreibtisch, im Arbeitszimmer. Schlüssel für die Schublade, liegt auf dem Kaminsims."


Irritiert starrte die Lady mit dem bronzefarbenen Teint und der langen, nussbraunen Haarpracht, das Geschriebene an.
Danach befühlten ihre Finger die beigefügte Nachricht, welche über das abhörsichere Alliiertengerät verschickt worden war.
Smaragdgrüne Augen weiteten sich ungläubig und ein eiskalter Schauer lief ihr sogleich über den Rücken.
Nackte Panik und Entsetzen, stiegen schlagartig in ihr hoch.
Die über 150-Jahre alte Dame schluckte schwer.
Angst kroch ihr schnell und ohne, dass sie etwas dagegen tun konnte, in die Glieder.
Sie unterdrückte nur mit Mühe einen Aufschrei, als sie letztlich die versandte Hiobsbotschaft erblickte:

"Doc,
wir haben Teslas Nachricht bekommen.
Kommen Sie nicht her und kein Kontakt mehr!
Sanctuarys sind alle in Alarmbereitschaft.
Werden seit Tagen beschattet.
Ich ahne nichts Gutes!
Ich denke, die wissen inzwischen, wo Sie sind...
Halten Sie sich bereit oder tauchen Sie unter!
Wir werden zu Ihnen stoßen, sobald es uns möglich ist.
Passen Sie auf sich auf,
Will"


Der Verstand des weiblichen Genies überschlug sich förmlich.
"Die wissen wo ich bin? Wie zum Teufel? Das kann doch gar nicht sein!? ... Verdammt, wenn das stimmt, sind Dakara und ich in ernster Gefahr! ... Verflucht, Nikola! Warum musst du mich gerade jetzt alleine lassen? Und überhaupt..."
Abrupt legten sich zwei kleine Hände von hinten um sie und umklammerten eins ihrer Beine.
Helen hätte um ein Haar fast einen Herzinfarkt gekriegt.
Ihr Herz schlug so wild in ihrer Brust, dass es drohte zu zerspringen.
Ein dicker Kloß bildete sich in ihrem Hals und ihr Körper begann leicht zu zittern.
Zwei große, lilafarbene Augen, starrten sie eindringlich und mit einem puderzuckerverschmierten Mund an.
"Kein ... Hunger?" fragte sie das kleine Mädchen und beäugte sie ahnungslos.
Die Biologin seufzte schwer.
Dann schüttelte sie den Kopf und legte der Vierjährigen nur mit einem gekünstelten Lächeln die Hand auf die Schulter.
"Komm, wir waschen dich erst mal, ja? Und danach ziehen wir dich um und messen dir nochmal Fieber!"
Breit grinsend hielt sie der Unsterblichen, welche aufgewühlt und zutiefst um ihr beider Wohlbefinden besorgt war, ihre kleine Hand hin.
Magnus ergriff sie und schlenderte mit ihr zusammen ins Bad.
Vorher jedoch, schnappte sie sich den Schlüssel vom Kaminsims und steckte ihn entschlossen in ihre Hosentasche.
Sie würde Ari mit ihrem Leben verteidigen.
Die Ältere hatte sich geschworen, ihr und Dakara zu helfen und das würde sie auch tun.

Wenn es sein musste, war sie zum Äußersten bereit.
Nocheinmal würden Dianna und Ramón sie nicht bekommen!
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