Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

★Lυllαby ★

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Familie / P12 / MaleSlash
Dr. Helen Magnus Nikola Tesla
12.03.2015
22.04.2015
26
67.876
6
Alle Kapitel
18 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
24.03.2015 3.116
 
Die Kleine schlummerte noch immer geruhsam auf ihm.
Bedächtig darauf erpicht, den schwarzhaarigen Engel ja nicht aufzuwecken, legte er sie vorsichtig und behutsam, neben seine Wenigkeit auf das weiche Sofapolster.
Dann stahl sich Tesla leise und mit einem letzten Blick auf den noch immer fest vor sich hindösenden, in eine warme Decke gehüllten Leib, schnell von der Couch.
Der unruhige Hausgast, schien das Fehlen des Nobelpreisträgers nicht zu bemerken, zu sehr war das Kind damit beschäftigt, in das wohlersehnte, nun friedliche Land der Träume abzudriften.
"Schlaf weiter, Kleines. Ich bin gleich wieder bei dir. Ich will nur nochmal nach Helen sehen!" wisperte er ihr in gedämpftem Tonfall zu und strich ihr sanft vom anderen Ende der Sitzgelegenheit aus, über den Lockenkopf.
Anschließend verschwand Nikola aus dem wohlig vom prasselnden Feuer des Kamins beheizten Raum.
Im vorherigen Eifer des Gefechts, war es ihm leider entgangen, wohin seine Freundin mit der nussbraunen Haarpracht, nachdem sie übereilt das Schlafzimmer verlassen hatte, geflüchtet war.
Dank seiner übermenschlichen Schnelligkeit, hatte er alle Räume des Anwesens, binnen Sekunden abgeklappert.
Der Abnorme seufzte, als er abermals erfolglos in der Küche stand.
"Verflucht! Helen, wo bist du?" fuhr es ihm beunruhigt durch den Kopf.
Auf einmal spürte er einen kaum merklichen, schwachen Luftzug, welcher scheinbar ganz nah schien.
Seine gesteigerte Sinneswahrnehmung, erwies sich wieder einmal als Retter in der Not.
Der sich von Tierblutkonserven ernährende Erfinder, drehte reflexartig sein Haupt.
Anschließend starrte er mit einem breiten, halb erleichterten Grinsen, zur angegliederten, verglasten Gartentür.
Sie stand einen Spalt breit offen, sodass ihm ein kühler, von draußen kommender Windstoß, erfrischend um die Nase wehte.
Ohne zu zögern, betrat der Herr mit den geschärften Sinnen und dem frechen, tiefgründigen, dominanten Gemüt, den nun in finstere Dunkelheit getauchten Garten.

Noch ehe er mit einem Fuß auf der hölzernen, von mehreren Lichtern erhellten Terrasse stand, vernahm er das stetige, monotone Geräusch von Regentropfen, welche unnachgiebig auf das über ihm empor ragende Dach prasselten.
Es schüttete, wie aus Eimern.
Das von grünem Gras und Herbstlaub umliegende, gelegentlich von einem Gärtner versorgte Gelände, war durch das drum herumliegende, dichte Waldgebiet und den sich ein paar Meter vor ihm erstreckenden, azurblauen See, deutlich abgegrenzt worden.
Bevor der Serbe seine Bekannte, anhand seiner auch bei Nacht sehenden, blau-grauen Augen, ausfindig machen konnte, roch er sie.
Ihr dezentes Parfum, welches nach Patchouli und Vanille duftete und ihr für ihn unwiderstehlicher Eigengeruch, strömte dem über 150-Jahre alten Mann augenblicklich mit dem Wind entgegen.
Die Brünette stand zirka zehn Meter von ihm entfernt, auf dem langen, hölzernen Steg.
Sie schaute gedankenverloren auf das vom silbrigen Mondlicht in Szene gesetzte, schwarze Wasser, welches von einer kräftigen Briese aufgewirbelt und in kleinen Kreisen, welche in wellenhafte Bewegungen übergingen, zu ihr rüber getrieben wurde.
Die Frau mit der bronzefarbenen Haut, hatte ihm den Rücken zugewandt.
Regungslos, bis auf die wild in dem Unwetter wehenden, inzwischen schon vom Regen feuchten, braunen, langen Haare, blieb sie wie angewurzelt auf ihrem Platz stehen.
Das Rascheln der Bäume, durchbrach das Geräusch der auf dem Boden aufplatschenden, transparenten Wassertropfen und durchschnitt damit die ansonsten gänzlich-einsame Stille.
Je näher der Oxford-Absolvent der gespensterhaften, abwesenden Evastochter kam, desto mehr spannten sich seine Muskeln an.
Sorge vermischte sich mit Unsicherheit, Angst und Ahnungslosigkeit.
"Warum hatte sie so fluchtartig die Situation verlassen? Warum war sie hier draußen? Und was machte sie da so nah am See?" fragte sich der Weinliebhaber und musterte die Schönheit, welche er inzwischen fast erreicht hatte, ernst.
Er schluckte schwer.
Plötzlich zogen sich seine Eingeweide unangenehm zusammen, als er registrierte, dass ein gebrechlicher, gar nicht zu ihrem starken, taffen und unerschütterlichen Wesen passender Laut, soeben aus ihrer Kehle drang.
Vorsichtig trat er einen Schritt an die Dame heran und legte ihr sanft seine Hand auf die Schulter.
Ein ertapptes Zittern, durchfuhr den bis dato wie eine Statur dastehenden Leib der Teratologin.
Ihr grauer Rollkragenpullover und die Jeans, fühlten sich eisig, nass und wie eine schwere, künstliche Haut an.
Doch all das, hatte sie bis eben erfolgreich zurückgedrängt oder es schlicht und einfach ignoriert.
Es gab andere Dinge, die sie beschäftigten...

"Helen? ... Was machst du denn hier draußen? Komm rein! Du wirst dich sonst noch erkälten...", begann der Sanguine Vampir zögernd auf sie einzureden.
Als sich die Angesprochene weder regte noch das Wort ergriff, schob er sich schließlich vorsichtig an ihr vorbei und stellte sich direkt vor sie, ans Ende des Stegs.
Nachdem er ihr nun von Angesicht zu Angesicht gegenüber stand, wurde ihm schlagartig anders zumute.
Sie hatte ihren Blick gesenkt und fixierte den Neuankömmling nicht einmal.
Ihre Mikik war wie festgefroren.
Die rosafarbenen Lippen, waren zu einem dünnen Strich zusammengepresst worden.
Ihre Wangen waren von der Kälte gerötet und sie stieß durch ihre Nasenlöcher kleine, weiße Wölkchen aus.
Tesla musste sie nicht weiter ansehen, um zu verstehen, was vor sich ging.
Er kannte ihre Körpersprache und hatte sie über die Jahrhunderte nahezu perfekt gelernt, zu lesen.
Doch er wollte sich dieses Mal ganz sicher sein und es selbst sehen...
Deswegen legte der Ursprungsblut-Träger behutsam seine Hand an ihr spitzes Kinn und hob es vorsichtig an, damit sie zu ihm hochgucken musste:
... In den großen, smaragdgrünen Augen der Xenobiologin standen jetzt eindeutig Tränen.
Sein Herz brach fast.
Das war mehr, als er ertragen konnte.
"Helen... Liebes, ... komm, ich bring dich jetzt ins Warme, okay? Ich...", fing der Hobby-Pianist fürsorglich und zutiefst beunruhigt an.
Ein abruptes Schluchzen, welches sich aus dem nun leicht geöffneten Mund der Gleichaltrigen entlockte, sowie ein glasklarer, über ihre rechte Wange laufender Tropfen, brachte ihn augenblicklich aus dem Konzept.
Die aufgelöste, von ihren momentanen Gefühlen überwältigte Britin, zitterte inzwischen wie Espenlaub.
"Bitte, ... Ni... Nikola, ... g... geh... ein... einfach!" stotterte sie leise.
Die Engländerin biss sich fest auf die Lippe und wischte sich mit dem Handrücken sogleich über die geröteten Augen.
Sie wollte nicht, dass er sie so sah.
Wollte nicht, dass er sich ihretwegen sorgte...
"Lass... mich... allein! ... Ich..."
Noch ehe sie ihren angefangenen Satz beenden konnte, hatte sie der starke Vampir gepackt und setzte sich mit ihr zusammen in Bewegung.
Das Netzwerks-Oberhaupt wollte protestieren, doch sie hatte keine Kraft mehr.
Widerstandslos und kurz davor, endgültig zusammen zubrechen, ließ sie sich von ihm hochheben.
Trauer und ein sengender Schmerz, beutelten die 159-Jährige, welche es lediglich schaffte, einen Arm um Nikolas Hals zu legen, bevor er ihren leichten Körper Richtung Haus trug.

Im angenehm warmen, beheizten Gästezimmer angekommen, setzte er sie schließlich auf ihrem Bett ab.
Wie ein Häufchen Elend, saß die Erwachsene da und blickte betrübt zu Boden.
"Du musst dir dringend ein paar trockene Sachen anziehen! Hier!" lenkte der ehemalige Kommilitone ein, fischte einen langen, warmen Schlafanzug aus dem exorbitanten, dunkel gehaltenen Kleiderschrank und legte ihn neben sie auf die Bettdecke.
"Zieh dich um, Helen! Ich bring dir in der Zwischenzeit einen Tee. Bin gleich wieder da, okay?" teilte ihr der Schwarzhaarige mit und wollte sich schon auf den Weg ins Erdgeschoss machen, da hielt ihn die Biologin am Arm fest.
Grüne, niedergeschlagene, gequälte Sehorgane, welche mit bernsteinfarbenen Sprenkeln versehen waren, bohrten sich verletzlich in die seinen.
Sie wollte etwas zu ihm sagen, doch sie fand irgendwie nicht die richtigen Worte.
Stattdessen rollten ihr, ohne dass sie etwas dagegen tun konnte, weitere Tränen über das erschöpfte, vom Regen benetzte Antlitz.
Der Unsterbliche verstand augenblicklich und seufzte tief.
"Komm schon, Darling! Dein Körper ist eiskalt! ... Bitte, zieh dich um! Ich bin in nicht mal zwei Minuten wieder bei dir, versprochen. Oder willst du etwa, dass ich dir beim Aus- und Anziehen helfe?" meldete er sich in engelsgleichem Ton zu Wort und beäugte sie durchdringend.
Er versuchte sie aufzuheitern, indem er ihr ein spitzbübisches Grinsen zuwarf und schelmisch zwinkerte.
Die alterlose, altruistische Bilderbuchschönheit, ließ ihn nach einer gefühlten Ewigkeit los.
Ihr Innerstes tobte.
Zuerst wollte sie nicht, dass er sich ihrer überhaupt annahm und jetzt wollte sie nicht, dass er ging.
Es war zum verrückt werden!
...
Als der Nobelpreisträger wie vereinbart, mit dem Heißgetränk in ihrem Schlafzimmer erschien, lagen ihre nassen Sachen bereits am Boden.
Mühsam kämpfe sich die Sanctuary-Leitung mit den letzten Knöpfen des blau-goldenen Seidenschlafanzuges ab.  
Ihre Finger zitterten unkontrolliert, während sie stumm fluchte.
"Lass mich! Komm her..."
Nikola stellte den Tee auf dem Nachttisch ab, setzte sich neben die Zufluchtsleiterin und half ihr schließlich, sich richtig anzuziehen.
Dankbar schaute sie zu dem Physiker, welcher sie anschließend in die Bettdecke einwickelte und sie kommentarlos in den Arm nahm, auf.

Sein wohlig warmer, stattlicher Leib, gab ihr das Gefühl von Sicher- und Geborgenheit.
Der betörende, äußerst angenehme Geruch von Zimt und einer frischen Meeresbriese, wehte ihr verführerisch um die Nase.
Erschöpft lehnte sich Helen an den Wissenschaftler.
Sie versuchte ihren viel zu schnellen Herzschlag, ihr durch das Weinen unregelmäßiger Atem und die immer wieder aufkommenden Tränen, zu bezwingen.
Doch so ganz, wollte es ihr einfach nicht gelingen...
"Helen? Was ist passiert? Warum weinst du?" wollte Tesla von ihr wissen und ergriff tröstlich ihre Hand.
Zärtlich und bestimmt, strich er darüber und bemerkte, wie sie sich immer fester an ihn schmiegte.
Normalerweise wären beide schon längst vor Scham errötet, hätten solch nahen Körperkontakt verhindert oder die so gut tuenden Berührungen schnellstmöglich unterbunden.
Doch im Moment, war alles anders...
"Es ... ist ... wegen dem, ... was ... die Kleine ... vorhin ... gesagt hat...", strengte sich die Kreaturen-Hüterin betroffen an, zu erklären.
Der Mann mit den nun weichen, maskulinen Zügen und dem hellen, makellosen Teint, hielt sie weiterhin fest im Arm.
Beruhigend, zog er sie an seine Brust und ließ sie geduldig aussprechen.
Er strich ihr liebevoll einige Haarsträhnen hinters Ohr.
Die Abnormen-Hüterin legte ihren Kopf entkräftet auf der Kuhle zwischen Hals und Schlüsselbein ab.
Der Vampir konnte ihren Atem an seiner Haut spüren, was ihm eine angenehme Gänsehaut verpasste.
Ihre freie Hand, welche sich nicht in Nikolas Gewalt befand, ruhte auf seinem Brustkorb und hielt sich an seinem Hemd fest.
Beide Herzen, schlugen bald wie eine uralte Melodie, vertraut im Gleichklang.
"Ich wollte das nicht, Nikola! Aber ich konnte in dem Moment nicht anders... Das hat mich alles so an Ashley erinnert! ... Es gab damals eine ziemlich stürmische Nacht, in der es, wie heute, ziemlich geschüttet hat. Draußen tobte das reinste Unwetter. Ich weiß noch, wie ich gerade dabei war, in meinem Bett einzuschlafen, ... da kam Ashley in mein Zimmer getapst. Sie ist zu mir unter die Decke gekrochen.
Ihr kleiner Körper hat ganz furchtbar gezittert, ihre Augen haben sich durch die Dunkelheit hindurch, ängstlich in die meinen gebohrt und ihre Stimme war fast brüchig
...", vertraute ihm die einstige Mutter larmoyant an.
Sie musste erneut gegen einen Heulkrampf ankämpfen und schluckte schwer.
"... Dann hat sie gesagt: Mommy, ich hab Angst! ...  Das war auch das letzte, was ich zu ihr gesagt habe, bevor sie gestorben ist!" vollendete Magnus ihre Geschichte und schluchzte heftig.
Der Gelehrte strich ihr sanft übers Haar.
Er hasste es, wenn sie weinte.
Es war jedes mal so, als wenn sein eigenes Herz brechen würde.

"Nikola, ... ich habe Dakara versprochen, dass ich auf sie und die Kleine aufpassen würde. Aber wie soll ich das nur tun, wenn ich nicht weiß, was genau mit dem Lichtbringer los ist und ich nicht mal meine eigene Tochter beschützen konnte!? ... Ohne Dakaras und deine Hilfe, wäre ich inzwischen auch schon längst tot! Ich weiß einfach nicht mehr, wie ich das alles schaffen soll! Jeder, der sein Leben in meine Hände legt oder mir etwas bedeutet, stirbt früher oder später! ... Ich bin verflucht. Nigel, James, Ashley, John, mein Vater, ...  ich kann einfach nicht mehr! Was ist, wenn Will, Henry, Bigfoot und Kate, die nächsten sind!? ... Es kommt mir mittlerweile so vor, als wäre jeder Feind, der sich mir aktuell in den Weg stellt, noch schlauer, skrupelloser und bösartiger, als sein Vorgänger. Es wird immer schwieriger, die Gemeinschaft der Abnormen zu beschützen. Vielleicht sollte ich... "
Abrupt wurde die Sprechende unterbrochen.
Der Blutsauger starrte ihr tief in die Augen und schenkte ihr eines seiner umwerfendsten Lächeln.
Ein zärtlicher, sanfter, liebevoller Kuss, wurde der Chefin des Old-City-Sanctuarys, auf die Stirn, zwischen ihr nussbraunes Pony aufgedrückt.
"Helen, meine Liebe, beruhige dich! Hör zu, wir werden schon rausfinden, was mit Dakara los ist, bzw. wie wir ihr helfen können, okay? Wichtig ist erst einmal, dass es unserem schwarzhaarigen, wortkargen Wonneproppen gut geht! Wenn sie soweit ist, wird sich Dakara in ein paar Tagen bei uns melden. Und was dein Team und das Sanctuary angeht: Hab Vertrauen und Geduld! Deine Kinder sind clever und wissen sich auch ohne dich gut zu helfen. Nur weil sie sich bis jetzt noch nicht gemeldet haben, musst du nicht gleich vom Schlimmsten ausgehen! Vielleicht haben sie gerade viel um die Ohren... Ich bin mir sicher, wir werden noch von ihnen hören! Die anderen Sanctuarys sind auch nicht zu unterschätzen. Ich bin mir sicher, dass Mexico bereits alle Hebel in Bewegung gesetzt hat, um dich zu finden. Bestimmt haben die auch schon eine heiße Spur bzgl. der SCAS&H CORPORATION. Ist ja nicht so, als hätten die am Strand der Isla de Sungo, keine Spuren hinterlassen. Und geh nicht so hart mit dir ins Gericht, Darling: ... Dass Ashley oder all diejenigen, welche du aufgezählt hast, tot sind, ist nicht deine Schuld! Außerdem solltest du eines niemals vergessen: Du bist nicht allein, Liebes! Ich bin noch da! Und ich werde dir helfen, verstanden? Also sieh nicht den ganzen Berg vor dir, sondern konzentrier dich auf kleine Schritte! ... Helen, ich glaube an dich! Verlier nicht den Mut. Wir schaffen das, okay?" sprach der Serbe und drückte sie fest an sich.
Sprachlos und gerührt, ließ es die Doktorin geschehen.

"Du hast recht. Danke, Nikola!" hauchte sie und verschränkte ihre Finger mit den seinen.
Sie war noch nie so froh, dass er bei ihr war, wie in diesem kostbaren Augenblick.
Er gab ihr Kraft, Halt und Hoffnung.
Ausserdem trocknete er ihre Tränen und heiterte sie jedes mal auf, wenn sie traurig war oder nicht mehr weiter wusste.
So auch jetzt.
Es war, als hätte es nie die mehr oder weniger, jahrelange Funkstille zwischen den beiden gegeben.
Sie waren sich so nah, wie seit langem nicht mehr.
Und es tat so unbeschreiblich gut...
"Ich hab dich vermisst, Nikola!" gestand ihm die Ärztin schließlich ehrlich und presste sich noch enger an den männlichen Adoniskörper.
Der im 18. Jahrhundert geborene Herr seufzte.
Dann zog er sie noch näher an sich heran, sog ihr betörendes Parfum auf und strich ihr, verliebt zu ihr aufschauend, über die tränennasse Wange.
"Ich dich auch, ... so sehr! ... Es tut mir leid, dass ich nicht für dich da war, als du mich gebraucht hast, Liebes."
Beschämt und mit einem schlechten Gewissen, senkte er den kobaltblauen Blick.
"Schon gut. Du bist ja jetzt da. Ich bin so froh, dass ich ausgerechnet hier mit Dakara gelandet bin. Ich glaube, ich hätte es gar nicht besser treffen können!" äußerte sich die Vorsitzende des Sanctuary-Netzwerks und schmunzelte, während sie seine Berührung genoss.
Ein überglückliches Lächeln, umspielte seine Mundwinkel.
Beide überkam auf einmal der starke Drang, einander zu küssen.
Zu lange war es her, als dass einer der Zwei soetwas Derartiges getan hatte.
Regelrecht sehnsüchtig und wie zwei Ertrinkende, kuschelten sie sich aneinander und verloren sich in den Augen des anderen.
Nikola wollte sich gerade überwinden und den Anfang machen, ... als Helen urplötzlich ein herzhaftes Gähnen unterdrücken musste.
"Tut mir leid."
"Schon, okay. Du bist müde. Ausserdem ist es inzwischen ganz schön spät... Du solltest schlafen, Liebes!"
Widerwillig entfernte sich Tesla von seiner Angebeteten, deckte sie fürsorglich zu und strich ihr ein letztes Mal über den Handrücken.
"Schlaf gut. Ich bin unten, wenn was ist. Süße Träume!" verabschiedete er sich und zwinkerte frech.
In der Tür stehend, knippste der Ältere sorgsam das Licht aus.
Er wolle bereits die Pforte zu ziehen, da meldete sich Magnus noch einmal zögernd zu Wort:
"Nikola?"
"Ja?"
"Kannst du nicht hier bleiben? ... Du musst nicht unbedingt auf der Couch schlafen! Das Bett hier, ist doch groß genug, oder? Ich will jetzt nicht alleine sein... Bitte!"
"Klar, okay. Wenn du das wirklich möchtest, Helen."

Drei Minuten später, lag der Oxford-Absolvent in der Mitte des gigantischen Himmelbettes.
Zu seiner linken, hatte sich das vierjährige Kleinkind herzallerliebst an ihn geschmiegt.
Das schwarze Lockenköpfchen ruhte zufrieden auf seinem Brustkorb.
Ein Arm und ein Bein, hatte der friedlich vor sich hin schlummernde Schützling, um seinen Leib geschlungen.
Mit seinem eigenen linken Arm, hielt er sie fest und streichelte ihr leicht über den Rücken.
Die Medizinerin beanspruchte seine rechte Körperhälfte.
Ihr Brustkorb hob und senkte sich in einem gleichmäßigen Takt.
Sie hatte ebenfalls einige ihrer Gliedmaßen auf ihm abgelegt bzw. ihr Haupt auf seiner Brust liegen.
Der noch übrig gebliebene Arm des Vampirs, umfasste die weibliche Taille.
Seine Hand ruhte dort nahe der ihren.
Trotz des Krampfs, den der wie zur Statur erstarrte Erwachsene, welcher sich nur minimal bewegen konnte, bekam, war er von einer eigenartigen Ruhe erfasst.
Er war noch nie, in seinem 159 Jahre alten Leben, so glücklich gewesen, wie in jener Nacht.
Gleich zwei wunderschöne, bezaubernd anzusehende Frauen im Arm halten zu dürfen, machte ihn stolz und überglücklich.
Es gab ihm das Gefühl gebraucht und vielleicht sogar geliebt zu werden.
Alles was er sich je gewünscht hatte, wurde auf einmal wahr.
"Ich habe mir einen Namen für unseren kleinen Liebling ausgedacht, Helen." hatte er ihr vorhin, bevor die Braunhaarige letztlich in den wohlverdienten Schlaf gefallen war, zugeflüstert.
"Echt? ... Okay, dann schieß mal los!" sagte sie und musterte ihn erwartungsvoll.
"Ich finde, Ari klingt irgendwie süß!" warf er ein und ließ sein Augenmerk väterlich über die Heranwachsende schweifen.
"Hmm... das hört sich schon ziemlich niedlich an. Das muss ich zugeben!" stimmte ihm die Kreaturen-Beschützerin zu.
"Wie kommst du denn ausgerechnet darauf?" hakte sie interessiert und neugierig nach.
"Na ja, ...A ... für Ashley ... und Rica hieß meine Mutter." löste der Adamssohn auf.
Die Miene der Schönheit mit der leicht braun gebrannten Haut und den grün-braunen Augen, erhellte sich schlagartig.
"Schön. Ja, das ist eine sehr nette Idee, Nikola. Gefällt mir!" zeigte sie sich entzückt einverstanden.
"Okay, dann ist es jetzt also amtlich: Wir nennen das Mädchen Ari."

-------------------------------------------------------------
(Ari)j ist hebräisch und bedeutet soviel wie"Löwe".
Ari, wird im alt-isländischen auch als "Adler" übersetzt & = kurdisch für "Flamme".
Des Weiteren, kann es auch als kleine "Ameise" im Japanischen übersetzt werden.
(Das fand ich irgendwie alles passend). ♡
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast