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★Lυllαby ★

GeschichteDrama, Familie / P12 / MaleSlash
Dr. Helen Magnus Nikola Tesla
12.03.2015
22.04.2015
26
67.876
6
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12.03.2015 1.273
 
Es war eine stürmische, raue, wolkenverhangene Nacht.
Der Wind fegte erbarmungslos über das kleine Dörfchen hinweg und ließ das bunte Herbstlaub in kleineren Windhosen aufwirbeln.
Dicke Regenwolken hingen wie ein grau-schwarzer Schleier am Himmel und bedeckten die ansonsten so prächtig glitzernden Sterne.
Es dauerte nicht lange, da hatte sich der harmlose Nieselregen in einen kühlen, unangenehmen und kräftigen Schauer verwandelt.
In der Ferne ertönte ein lautes Donnergrollen und vereinzelte Blitze entluden sich grell.
Bei diesem grauenhaften, ekligen Wetter, war der Serbe einmal mehr froh, dass er sich im Trockenen befand.
Genauer gesagt, hielt er sich zurzeit in seiner gemütlichen Behausung, in seiner Heimatstadt Smiljan auf.
Der Nobelpreisträger genoss die Ruhe, die idyllische Landschaft und die Ungestörtheit, welche er nicht zuletzt der Tatsache zu verdanken hatte, dass er alleine auf einer Anhöhe, in dem exorbitanten, einladenden, prunkvollen Anwesen hauste, welches größtenteils von hohen Bäumen, einem kleinen See und einem übergroßen Waldgebiet umzäunt war.
Nichts desto trotz, erreichte er mit dem Auto in zehn Minuten das Zentrum des beschaulichen Örtchens und in einer halben Stunde in die nächstgelegene Stadt.

Relaxed und mit einem Glas Rotweinin der Hand, saß der Mann mit der schlanken, leicht muskulösen Gestalt, dem abstehenden, pechschwarzen Haar, den maskulinen, markanten Zügen und den leuchtenden, kobaltblauen Augen, welche mit silber-grauen Sprenkeln durchzogen waren da.
Er hatte seine Füße auf der bordeauxroten Couch ausgestreckt und lag entspannt, sowie mit der Nase in einem seiner Lieblingsbücher vergraben, in dem stilvoll eingerichteten Wohnzimmer.
Im Hintergrund ertönte Beethovens Mondscheinsonate, Bach und weitere, klassische Klavierstücke, welche von einer Stereoanlage abgespielt wurden.
Ein uralter Konzertflügel thronte in einiger Entfernung zu den restlichen, in dunklem Holz gehaltenen Mobiliar, neben einem verglasten Couchtisch.
Das geliebte Musikinstrument war ein Andenken seines Vaters, welches er ihm nach seinem Tode, Ende des achtzehnten Jahrhunderts, hinterlassen hatte.
Oft saß er, wenn er nicht in seine Arbeit oder andere Dinge vertieft war da und spielte.
Der durch das injizierte Ursprungsblut unsterblich gewordene Vampir, lauschte gedankenverloren den melodischen Klängen und horchte zwischendurch auf das kontinuierliche Prasseln der Regentropfen, welche beständig auf das Dach fielen und in kleineren Rinnsalen an der verglasten Hausfront hinunterliefen.
Stundenlang ruhte er am Fenster, blickte auf den kristallklaren, azurblauen See hinaus, in dem er gerne seine morgendlichen Bahnen schwamm, um fitt zu bleiben oder lauschte auf das Vogelzwitschern des dichten Wäldchens.
Für ihn gab es kaum etwas Schöneres, als dieses Domizil und die drum herum liegende, paradiesische Umgebung.
Der Erfinder liebte das Gefühl von Freiheit und schätzte die Abgeschiedenheit.
Es kam ihm oftmals so vor, als könne er nur an ebendiesem, faszinierenden, naturverbundenen Ort, gänzlich und vollständig abschalten.

Seit jeher war der Weinkenner kein sehr geselliger Mensch.
Nur mäßig, interessierte er sich überhaupt noch für jemanden.
Einsamkeit und seine eigene Gesellschaft, bevorzugte der mit einem hohen IQ, brilliantem, technischen Geschick und dem chaotischen, oftmals als arrogant oder merkwürdig abgestempelten, tiefgründigen, belesenen Wesen ausgestattete Herr, stets aufs Neue.
Er hatte in seinem mehr als 150-Jahre alten Leben einfach schon so vieles erlebt, dass er inzwischen kaum noch an etwas wahrhaftig Interesse zeigte.
Die Menschen waren für den Unsterblichen fast alle gleich und die, an denen ihm einst einmal etwas gelegen hatte, waren nun schon lange tot.
Freunde hatte er - bis auf eine einzige Ausnahme, keine mehr.
Ebenso wenig eine Familie.
Auch für Frauen, begeisterte sich der attraktive, gutaussehende Adamssohn eher weniger.
Einige Liebeleien gab es da, in den letzten Jahrhunderten zwar schon.
Doch so richtig ernst gemeint oder gar eine längerfristige Beziehung mit jemandem einzugehen, ... das konnte und wollte der Wissenschaftler nicht.
Denn immerhin war er gewissermaßen tot und ernährte sich ausschließlich von Blut.
Und da war ja zudem noch die Sache mit der Unsterblichkeit, welche ihm für alle Zeiten das junge, makellose Erscheinungsbild schenkte und ihm auch - aufgrund der regenerativen Kräfte, welche durch seine mutierte Vampir-DNS ausgelöst wurde -, einen natürlichen Tod verwehrte.
Ja, ... Nikolas einzige Liebe galt der Wissenschaft, die grenzenlose Verehrung seiner Ahnen (er hatte oftmals mehr schlecht als recht versucht, seine ausgestorbene Rasse zu neuem Leben zu erwecken), der Lyrik und der Musik.
Für mehr war da kein Platz in seinem verfluchten Leben.
Und damit hatte sich der Serbe mittlerweile abgefunden.
Doch gab es da trotz allem eine Sache, vielmehr eine tiefergreifende Sehnsucht, ein gewisser jemand, ... nach der sich der Physiker geradezu regelrecht sehnte bzw. sich nach eben dieser verzehrte...

Wohlige Wärme, breitete sich durch das Kaminfeuer im gesamten Haus aus.
Orangerote Flammen zeichneten sich an der gegenüberliegenden Wand und an der Decke ab und erhellten den ansonsten stockdunklen Raum.
Vereinzelte Bäume peitschten aufgrund des draußen tobenden Sturms mit ihren, wie knorrige Finger aussehenden Ästen, an die Fenster.
Auf einmal, ohne jede Vorwarnung, riss ihn das schrille Geräusch der Klingel aus seinem Gedankengang und dem augenblicklichen Tun.
"Nanu!? ... Wer kann denn das sein? Noch dazu, zu solch später Stunde!" überlegte der Abnorme sofort.
Er legte mit einem genervten Stöhnen das literarische Werk aus der Hand, schaltete die Stereoanlage leiser und näherte sich dann mit einer unmenschlichen Geschwindigkeit der Haustür.
Ohne durch den Türspion zu schauen (schließlich war er ein gottverdammter Vampir und brauchte sich vor nichts und niemandem zu fürchten), öffnete er seine Pforte.
Sogleich wehte ihm ein eisiger Windstoß entgegen und vereinzelte, feuchte Tropfen, benetzten den Stoff seines kohleschwarzen Sakkos und fielen auf den hellen, elfenbeinfarbenen Teint.
"Wer stört?" schnauzte Tesla stöhnend.
Doch gerade als er seinen Satz zu Ende gesprochen hatte, hefteten sich grau-blaue Sehorgane fassungslos in die seines Gegenübers.
Überrascht und perplex, stand der freche Mann da und starrte, als würde er einen leibhaftigen Geist sehen, in das ihm nur zugut vertraute Gesicht der Frau, welche soeben komplett durchnässt, heftig zitternd und seltsam blass auf seiner Veranda stand.
Doch der Grund, weshalb ihm letztlich fast das Herz stehen blieb, war jedoch die Tatsache, dass die zierliche, mit weiblichen Kurven versehene, brünette Dame mit der bronzefarbenen Haut und den smaragdgrünen Augen, welche von bernsteinfarbenen Sprenkeln durchzogen waren, blutete.            
Eine üble Kopfplatzwunde, ein blaues Auge, zahlreiche Kratzer und eine aufgeplatzte Lippe, zierten das sonst so wunderschöne, tadellose Erscheinungsbild.
Ihre rechte Hand war unter dem dunkelbraunen Ledermantel, im Brustbereich versteckt, welcher merkwürdig ausgebeult schien, während die linke fest ihren Bauch hielt.
Unter dem dunkelblauen, feuchten, dreckigen und zerrissenen Buisness-Kostüm, welches sie trug, sickerte an jener Stelle eine dickflüssige, dunkelrote Flüssigkeit hervor.
Die Xenobiologin schien ohne jede Frage ernsthaft verletzt zu sein.

Mit einem flüchtigen, milden Lächeln, jedoch gleich wieder vor Schmerz die Zähne zusammen beißend, stolperte sie schwankend auf Nikola zu.
Dieser konnte sie gerade noch rechtzeitig auffangen, bevor sie letztlich entkräftet in seinen Armen zusammenbrach.
"Nikola...", formten ihre Lippen hilfesuchend seinen Namen.
"Helen! ... Verdammt, was ist mit dir?" stammelte der Adamssohn, bevor er sie vorsichtig hochhob und behutsam in die warme, geschützte Behausung trug.
Auf einmal durchbrach ein ängstlicher Schrei, welcher nunmehr in ein klagendes, jämmerliches Weinen überging, die vorherrschende Stille.
Unter Helens Mantel regte sich etwas.
Plötzlich sah ihn eine kleine Gestalt, mit hellem Teint, rabenschwarzen, schulterlangen Haaren und rosigen, von der Kälte geröteten Wangen, aufgeregt an.
Das wimmernde, einzig in ein gelbes, vom Regen durchnässtes Kleid und den Mantel der Sanctuary-Leitung eingewickelte Mädchen, welches unmöglich älter als vier Jahre alt sein musste, starrte mit tränennassen, lilafarbenen Augen zu ihm hoch.
Sie schniefte heftig.
Mit ihren Händen hielt sie sich eisern an dem Blazer der weggetretenen Kreaturen-Hüterin fest und schmiegte sich eng an deren Körper.
Fasziniert von der auffälligen Irisfarbe der Kleinen, beäugte der Unsterbliche ungläubig seinen zweiten Gast, welche noch immer vollkommen furchtsam und aufgelöst zu ihm blickte.

"Wer in drei Teufels Namen ist das? Und was geht hier nur vor?" schoss es dem Genie fragend durch den Kopf.
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