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Even roses have thorns

GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P16 / Gen
07.03.2015
11.05.2020
15
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07.03.2015 1.335
 
Samstag Abend. Die letzten Sonnenstrahlen scheinen durch das Zimmer und färben dieses in ein sattes Orange. Meiner Lieblingsfarbe.
„Dreh dich noch einmal.“
Langsam hole ich Schwung, werde schneller. Ich bin bei der Anprobe eines neuen Kleides, das mir mein Vater schenken möchte. Es ist langes und weites, hellblaues Kleid, das am Dekolleté ordentlich Busen zeigt, aber sehr verspielt verziert ist.
„Das ist perfekt.“, sagt die Schneiderin und nimmt die letzten Stiche am Kleid vor.
Das ist wohl übertrieben. Das Kleid ist zwar schön, aber das Korsett darunter lässt meinen Busen zu groß aussehen und es drückt jegliche Luft aus mir heraus. Trotzdem werde ich es wohl tragen müssen, denn das Land ist in Aufruhr. Prinz Robert sucht eine Gemahlin, da er gerade volljährig wurde. Eigentlich kann man nichts dagegen haben, denn jeder hat es verdient glücklich zu sein, aber nicht in Form eines Wettbewerbs. Erst letztens wurde jedem Mädchen im Alter von 16 bis 18 Jahren eine Einladung und beigefügten Formular zur Anmeldung geschickt. Tausende von Mädchen werden sich bewerben, aber nur ein Mädchen aus jedem Landbezirks bekommt die Chance überhaupt in das Schloss der Königsfamilie zu kommen. Es besteht also nur eine kleine Chance weiterzukommen, doch jedes Mädchen wird es versuchen. So wie ich.
„Besteht die Chance, dass das Korsett weiter geschnitten werden kann?“, frage ich und muss dabei wirklich aufpassen, dass ich nicht meine gesamte Luft verbrauche. Auch wenn ich in die zweite Runde kommen sollte, würde ich Luft brauchen.
Die Schneiderin schüttelt ihren Kopf energisch, sodass ihr dunkles Haar in alle Richtungen geschüttelt wird. „Das ist jetzt absoluter Trend in Paris. Je enger, desto besser.“
„Aber ...“
„Seid ihr nun bald fertig?“, schneidet uns mein Vater ab und blickt auf die Uhr. Er sitzt die ganze Zeit auf einen Stuhl am Fenster und wartet darauf, dass die Schneiderin fertig wird. Hin und wieder schaut er aus dem Fenster und es sieht so aus als würde er sehen können wie die Zeit vergeht. Immer wenn er das Gefühl hat, dass die Zeit an ihn vorbei geht, ohne dass er etwas machen kann, fängt er an seinen Gehstock nervös hin und her zu drehen und ab und an streicht er sich seinen großen Bauch.
Die Schneiderin verstummt und nimmt die letzten Nadeln aus dem Kleid. Sie nickt und ich schreite von den Podest hinunter.
„Gut“, sagt mein Vater, als er merkt, dass wir fertig sind und geht aus dem Zimmer, „Komm schon, Tiana!“
Zum Ausziehen des Kleides gehe ich hinter die Trennwand und lasse mir dabei helfen es auszuziehen, was sich als schwierig erweist, da sich die Helferinnen ein wenig tollpatschig anstellen. Danach helfen sie mir wieder in mein eigenes Kleid zu schlüpfen. Das ist weniger schön als das Kleid, was ich gerade von meinen Vater bekommen habe. In meinen schlichten Kleid, das die Farbe einer Pfirsich hat, stand ich vor der Tür. Bevor ich gehe, lächle der Schneiderin zu und folge meinen Vater. Er ist ein beschäftigter Mann - der Leiter einer Handelsgesellschaft und somit gehören wir in die 3. Kaste, deshalb verzeihe ich ihm, dass er wenig Zeit für mich hat. Außerdem ist er und Nick, mein Bruder, das Einzige was ich noch habe. Meine Mutter war schon seit ein paar Jahren verstorben und seitdem war er stiller und in sich gekehrter als sonst. Nick meinte, dass sei nur eine Phase von ihm, aber ich glaube nicht mehr daran, dass er wieder wie früher wird. Allerdings kann ich mich kaum noch daran erinnern, da ich noch sehr klein war. Damals hatte er auf jeden Fall mehr Zeit für mich und Nick.
„Tiana!“, ruft mein Vater. Hab ich erwähnt, dass er ungeduldig ist? Ich lege einen Gang zu, obwohl es sich gar nicht schickt so schnell zu gehen. Schnell versuche ich mit meinen Vater Schritt zu halten, aber selbst mit Krückstock ist er ziemlich schnell für sein Alter. Wir hetzen durch das Atelier nach draußen, wo uns ein großes Auto erwartet.
Zum Glück hilft mir der Chauffeur ein zu steigen, denn sonst wäre ich vor Hektik nach hinten gefallen.
Danach setzt sich mein Vater zu mir und schließt die Tür. Mit seinen Gehstock klopft er an die Decke, um den Chauffeur zu symbolisieren, dass wir fertig zum abfahren sind.
„Hast du das Formular dabei?“, fragt er mich und schaut unruhig auf seine Uhr.
Ich nicke. „Ja, habe ich.“
„Kannst sie alleine abgeben? Ich muss mich noch mit einigen Geschäftsmännern treffen.“
Wieder nicke ich. „Natürlich.“
„Gut. Ich werde Nick schicken, dass er dich abholen kommen soll.“
„Ja.“, sage ich und blicke nach draußen. Die Straßen werden von den Laternen beleuchtet und kaum einer ist zu sehen. Keine schöne Zeit, um auf sich allein gestellt zu sein, doch mein Vater bleibt unbeirrt, als er meinen sorgenvollen Blick sieht.
„Du schaffst das schon.“ Danke. Vielen Dank.
Der Wagen wird langsamer und hält direkt am Rathaus der Stadt. Man kann hören wie der Chauffeur aus dem Auto steigt, dann macht er die Tür auf und reicht mir die Hand, um mir beim Aussteigen zu helfen, wie es sich nun mal gehört.
„Danke.“
Der Chauffeur will gerade die Tür zu machen, als mein Vater ihn dabei hindert.
„Viel Glück, meine Prinzessin.“, sagt er und lächelt.
Verdutzt bleibe ich stehen und schaue dem Wagen hinterher. Seit langem hat mein Vater nichts mehr derartiges gesagt und jedes Mal, wenn er es doch tat, freue ich mich und muss lächeln.
Aber ich vergesse, wieso ich hier bin. Ich will das Formular abgeben, dass in meiner Handtasche liegt, doch das kann noch dauern, denn als ich mich umdrehe, sehe ich, dass sich immer noch hunderte Mädchen anstellen, um das Formular abzugeben. Ich seufze.
Eine gefühlte Stunde später merke ich wie lange das Abgeben dauert. Ich bin gerade erst in der Mitte angekommen, von daher fange ich an meine potenziellen Konkurrentinnen zu mustern und ich muss zugeben, dass manche wirklich hübscher oder interessanter aussehen. Andere jedoch sehen … merkwürdig aus, um es nett zu formulieren. Viele von den Mädchen kommen aus den unteren Kasten, fünf bis sieben. Sie erhoffen sich ein besseres Leben durch die Heirat mit den Prinzen, denn die Gewinnerin des Wettbewerbs darf ihn wie im Märchen heiraten.
Allerdings gibt es auch viele Mädchen aus den höheren Kasten, so wie ich. Jedoch versuche ich nicht die Krone zu ergattern, denn ich habe bereits ein erfülltes Leben.
Ich nehme das Formular aus der Tasche heraus und schaue es mir noch einmal an. Erst gibt es normale Fragen, wie der Name, das Alter, Kaste und Adresse.
„Tiana Galloway, 17...“, lese ich meine Angaben leise.
Dann kamen Angaben wie Gewicht, Größe oder Haar- und Augenfarbe. Zuletzt kommen einige persönliche Angaben, wie Talente oder Sprachen, die ich kann.
„Ballett und Französisch, Spanisch.“
Gut, ich habe nichts vor Aufregung vergessen, als ich es aufgefüllt habe.  Heute morgen nach dem Frühstück habe ich es ausgefüllt. Ich habe kaum etwas essen können, weil ich so aufgeregt war. Nick hat sich neben mich gesetzt und konnte nicht glauben, dass ich es wirklich tue. Mehr oder weniger hat er mir dabei geholfen, denn die meiste Zeit hat er über mich gelacht.
„Ich habe gestern im Rathaus sauber gemacht und dabei konnte ich hören, wie die Beamten darüber sprachen, dass die Mädchen gar nicht ausgelost werden, sondern man wirklich nach Aussehen und Charakter aussucht, deshalb macht man auch ein Foto.“, hallt es hinter mir, „also habe ich eine größere Chance genommen zu werden!“
Das ist neu! Ich habe wirklich gedacht, dass man nur ausgelost wird. Ist auch logisch, sonst hätte es keinen Sinn gemacht das Formular auszufüllen.
Das Blatt stecke ich zurück in die Tasche und merke, dass ich bereits die Nächste bin, die sich anmelden kann. Ich bin wohl zu sehr mit meinen Gedanken beschäftigt.
Am Schalter unterschreibe ich die Richtigkeit meiner Angaben und setze mich auf einen Stuhl, wo man dann das Foto macht. In diesen Moment wünsche ich mir, dass ich mich doch noch ein wenig hübscher gemacht hätte.
Trotzdem setze ich mein schönstes Lächeln auf und blicke in die Kamera. Es blitzt und der Fotograf winkt mich weiter.
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