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Ein Wiedersehen! mit ungeahnten Folgen

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
05.03.2015
09.04.2015
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05.03.2015 2.446
 
Für mich war es eine Heimkehr voller widersprüchlicher Gefühle. Einerseits freute ich mich wahnsinnig darauf endlich die Mädels wiederzusehen. Es war eindeutig zuviel Zeit vergangen. Aber einmal quer durch das Land fliegen war geldmäßig weder für meine Eltern noch für mich mit meinen kleinen Nebenjobs einfach nicht drin. Daher waren nun schon fünf Jahre vergangen in denen ich mit Kenny und den anderen nur telefoniert und gechattet hatte. Klar, ich war über alles informiert, doch ein bitterer Beigeschmack machte sich in meinen Gedanken breit. Die anderen waren all die Jahre zusammen gewesen, hatten die Schule gemeinsam beendet und besuchten die gleiche Uni. Francesca, jetzt hör mit dieser Schmollerei auf schalt ich mich innerlich. Auf der anderen Seite flog ich ja nicht nur zum Spaß zurück in die Stadt meiner Kindheit. Großtante Eliza war gestorben, nicht das ich mich je gut mit ihr verstanden hatte, aber in unserer ansonsten doch überschaubaren kleinen Familie fehlte nun eine weitere Person. Mum hatte sich nach dem Anruf einer alten Freundin Urlaub genommen und da sie gerade Semesterferien hatte, buchten sie diesen Flug. Ihnen stand jetzt nicht nur die Organisation der Beerdigung und die Beisetzung an sich bevor. Oh nein, auch das Ausräumen des Hauses und alles das, was da vielleicht noch irgendwo versteckt auf sie wartete. Viel Erfahrung haben wir ja nun mal nicht mit diesen Sachen und bei Großtante Eliza sollte man immer auf irgendwelche Überraschungen gefasst sein. Und um ganz ehrlich zu sein waren diese zu 90 Prozent nicht lustig und schon gar nicht angenehm.    *pling*   Auf dem Bildschirm erschien der Hinweis, das wir uns wieder anschnallen sollten. Der Landeanflug stand also unmittelbar bevor. "Mum"   Ich stupste meine Mutter mit dem Ellenbogen vorsichtig an. Diese blinzelte verschlafen, nur um dann wie von der tarantel gestochen hochzufahren und sich den Kopf anzustoßen. "Umpf, sind wir etwa schon da." Sie betastete vorsichtig ihren Kopf und schaute sich mit großen Augen um. Manchmal frage ich mich wie sie es geschafft hat größtenteils unbeschadet durch das Leben zu gehen, doch diesen Gedanken behielt ich besser für mich. Im nächsten Moment spürte ich auch schon das mulmige Gefühl im Magen. Ja, sie verloren an Höhe.  Ich konzentrierte mich auf die Lehne des Sitzes vor mir und atmete tief durch."Frankie? Nun komm, die Maschine ist gelandet und du hast es wieder einmal überlebt!"  Kate Thomas grinste ihre Tochter an, stand auf und maschierte den Gang hinunter durch die offene Flugzeugtür. Ich folgte ihr mit einigem Abstand und etwas wackeligen Beinen. Ich konnte es nicht fassen. Ich hatte mich so konzentriert das ich die Landung total ignoriert habe. An das Starten und Landen konnte ich mich bei aller Liebe einfach nicht gewöhnen. Noch so ein Grund, warum ich die anderen lange nicht gesehen hatte. Umso schöner war es auf dem festen Boden am Rand des Rollfeldes zu stehen und die frische Luft einzuatmen. Es gab mir einen Stich als mir bewust wurde das ich nun schon wieder in ein stickiges Gefährt einsteigen musste. Okay, nur in einen Bus und auch nur für fünf Minuten, die sie bis zum Terminal brauchen würden, aber viel lieber wäre ich einfach gelaufen. Eine dreiviertel Stunde später verließen wir endlich das Gepäckband und konnten den gesicherten Bereich verlassen. Im Flughafen war die Hölle los, es war laut und überfüllt. Es schien gerade Hauptflugzeit zu sein. Überall fielen sich die Leute um den Hals. Man konnte aber nicht mit Bestimmtheit sagen, ob sie Abschied nahmen oder sich begrüssten. Na toll, wenn man einen Moment nicht aufpasste. Suchend drehte ich mich nach Mum um. Wo steckt die nur wieder und ich schnaubte frustriert durch die Nase. Dann ging ich einen Schritt an die Seite, um nicht mitten im Weg zu stehen. Im nächsten Moment rammte mich etwas ziemlich großes und ich verlor das Gleichgewicht. Unweigerlich würde ich vor all den Leuten hier auf den Boden knallen und mir anschließend wünschen dass das bitte ja keiner gesehen hat. "Hoffentlich filmt das jetzt keiner!" dachte ich noch während ich die Augen schloss. Doch als der erwartete Schmerz ausblieb, blickte ich etwas ungläubig auf den Boden. Jemand hielt mich fest, ein gutes Stück vom Boden entfernt und zog mich nun langsam zurück, bis ich wieder sicher auf beiden Füßen stand. "Sorry, alles okay bei dir?" fragte er ziemlich zerknirscht. "öhm, ja denke schon, bin ja auch selber Schuld. Wer bleibt schon mitten in diesem Durcheinander stehen.... Klasse Reaktionszeit.... Äh..." plapperte ich einfach drauf los und besah mir meinen Unfallgegner/Retter. Bei seinen Augen stockte mir kurz der Atem. Das irritierensde Eisblau, das ich je gesehen hatte. "Wow!" - "Wie bitte?" fragte Mr. Blue Eyes nun unverschämt grinsend. Okay, peinlich, das habe ich jetzt doch nicht etwa in echt laut gesagt. Frustriert schüttelte ich ein wenig den Kopf, um wieder klar denken zu können. "Kreislauf" antworte ich knapp, warf meine langen, braunen Haare zurück und steuerte schnurstracks die nächste Toilette an und schloß mich in einer Kabine ein. Peinlich berührt setzte ich mich auf den Klodeckel und nagte an meiner Unterlippe. Blöde Angewohnheit, beruhigt aber irgendwie. Zumindest mich. Wie konnte es sein das dieser Typ mich dermaßen aus dem Konzept gebracht hatte. Ja, klar, er hatte echt tolle augen, aber.....aber.... Irgendwie kam ich hier nicht richtig weiter. Irgendetwas störte mich, es zog an meinem Unterbewusstsein. Hmmmh. Kannte ich ihn vielleicht? War durchaus möglich. Er war ungefähr in meinem Alter. Wer konnte er sein... Ein Handy durchbrach die Stille. Oha, meins. Es war Mum. Sie hatte einen Wagen gemietet und das ganze Gepäck bereits allein eingeladen. Sie wartete nur noch auf ihre Tochter, die sich vor der ganzen Arbeit gedrückt hatte. Immer noch grübelnd eilte ich zum Parkplatz und fand Mum ins Gespräch vertieft. Dieses Paar aber erkannte ich sofort, Henry und Delia McDougal. Mums Freunde aus Schulzeiten und die Eltern meines ehemaligen Klassenkameraden Matthew. Matthew, der Anführer der M+Ms und unser aller war gewordener Albtraum. Zusammen mit Lyndz' Bruder Micheal und ihrem Kumpel Marco hatten sie uns einen Streich nach dem anderen gespielt. Aber ich und meine Mädels hatten uns Auge um Auge dafür revanchiert. Mum lächelte stolz, die McDougals` lächelten neugierig und ich lächelte nervös zurück. Lächerlich dieses ganze Gelächele. Als ich vor ihnen stand, unterzog mich Mrs. McDougal mit prüfenden Blick aus ihren eisblauen Augen einer kurzen Inspektion. Na toll, ich bin so etwas wie das neue Auto der Nachbarn und muss jetzt beweisen, das ich mein Geld wert bin, dachte ich sarkastisch. Das was sie dabei zu meiner Mum sagte, bekam ich gar nicht mehr ganz mit. Mir ging gerade ein Licht auf, ach was rede ich da. Kein Licht, der reinste Lampenladen. Der Typ mit den eisblauen Augen, OMG, das war, ich meine das ist..... Scheiße. Ich hab gerade ein "Wow!" gehaucht. Nicht grad leise. Und zwar wegen dem Typen mit den eisblauen Augen. Bitte, das darf doch nicht war sein. Ich fand den Typen heiß. Und es besteht die Möglichkeit, das es...... Nein, nicht weiterdenken, Frankie. Unter gar keinen Umständen und nie im Leben war er es. .....Matthew.....  "Oh Francesca, es ist schön dich wieder zu sehen, Kleines. Ach, da ist er ja. Matty, hier drüben sind wir. Ich sah ihn zwischen den Autos auf uns zukommen und wusste, das mich kein Mantra ala -nein,nein,nein-; mehr retten konnte. Das war definitv der Typ der mich vorhin im Flughafen aufgefangen hatte. Oh Boden, bitte tu dich auf, damit ich hier verschwinden kann. Mist, Wunschdenken brachte auch nichts. Er schaute mich ratlos an, als ob er nicht so recht wüsste, was er davon halten sollte mich hier bei seinen Eltern stehen zu sehen. Doch sein Dad hatte bereits zu einer Erklärung angesetzt, meinen Namen nebenbei gleich dreimal innerhalb kürzester Zeit mit eingebracht sowie eine Einladung zum Abendessen. Mit wachsendem Erstaunen blickte Matthew zwischen mir und seinem Vater hin und her. Oh, ich hätte bereits viel früher eingreifen müssen, das weiss ich genau, aber irgendetwas ließ meinen Verstand ziemlich träge arbeiten. Hoffen wir mal das es wirklich nur am Jetlag lag. Doch als meine Mum dann auch noch erwähnte, das wir uns erstmal ein Hotel suchen müssten, da wir garantiert erst einmal nicht in Großtante Elizas Haus schlafen konnten, die gute war im Auftrag meiner Mum darin aufgebahrt worden - ist das zu fassen? ( Ganz ehrlich! Als sie zuhause meinte wir könnten dort schlafen, hab ich ihr gleich ziemlich klar gesagt was ich davon halte, nämlich rein gar nichts - aber das nur am Rande.) Als die McDougals auch nur das Wort Hotel hörten waren sie auch schon nicht mehr zu bremsen und ich bekam weder eine schlagfertige Antwort hin noch konnte ich überhaupt den Mund aufmachen. Fassungslos lauschte ich den Einwänden von Mums Freundin. Viel zu unpersönlich in so einem Kasten, wozu hat man denn schließlich Freunde, man könnte uns auch viel besser unterstützen, blablabla. Das ganze Arsenal an Überredungskunst wurde auf meine Mum abgefeuert. Und, was meint ihr. Was kam dabei raus.... Ja, genau. Ich wohne die nächsten drei Wochen mit Matthew unter einem Dach... Das wird in einer Katastrophe enden, ich könnte heulen.   Endlich war ich mit meiner Mum allein im Auto. "Wieso hast du nicht einfach nein gesagt? Das Wort kennst du doch. In den letzten zwanzig Jahren habe ich es oft genug von dir gehört" platzte ich heraus als sie den Wagen rückwärts aus der Parklücke manövrierte. "Ob du es glaubst oder nicht, mein Schatz, ich freu mich über die Einladung. Das sind meine Freunde und ich hab sie ewig nicht mehr gesehen. Warum bist du eigentlich so dagegen. Du kannst doch etwa nicht allen Ernstes immer noch diesen Kleinkrieg gegen Matthew führen. Ihr seid doch längst aus dem Alter raus!" sie grinste etwas unsicher. "Keine
Ahnung, es ist nur so.... Ich weiß auch nicht so genau." Obwohl ich ganz genau wusste was los war. Ich mochte ihn nie, er war mein Feind. Die hatten uns viele Male das Leben echt schwer gemacht und uns kaum einen Grund gegeben sie nicht zu verachten. Wieso konnte der nicht einfach aus meinem Leben wegbleiben. Die letzten fünf Jahre waren eine totale Erleichterung. Und nun das. Und warum zur Hölle musste er obendrauf auch noch echt gut aussehen. "Ein Penny für deine Gedanken!" Ich lächelte gequält. "Kein Plan Mum. So war es früher und ich hab da wohl nie mit abgeschlossen" reimte ich mir unsicher zusammen. Besser eine kleine Notlüge erfinden als mit der Wahrheit rausrücken. "Dann ist ja jetzt die beste Gelegenheit um mit dem Kinderkram aufzuhören!" Sichtlich angetan von ihrer Idee strahlte sie mich an und bog vom Flughafenzubringer ab und bog dann in unseren ehemaligen Wohnblock ab. Das Haus der McDougals lag nicht weit entfernt von unserem ehemaligen Zuhause. Auf dem Weg zur Schule bin ich damals täglich daran vorbei gelaufen. Es sah auf den ersten Blick nicht anders aus. Nur die Bäume und Sträucher waren größer und es standen zwei neue SUV`s vor der Tür. Das Auto parkte Mum an der Straße und wir stiegen aus. Mit meinem Rucksack und dem Koffer ging ich langsam hinter ihr den gewundenen Plattenweg zur Haustür entlang, als diese auch schon aufgerissen wurde und wir mehr oder minder ins Haus gezogen wurden. Mum wurde im Gästezimmer untergebracht und mir bot man das Arbeitszimmer an. Da es einen eigenen Zugang zum Balkon hatte und ich auf gemeinsame Nächte mit meiner Mum gut verzichten konnte, erschien mir dieser Vorschlag sehr angenehm. Versteht mich nicht falsch, ich liebe Mum, aber mit 20 im Doppelbett mit meiner ziemlich neugierigen, schnarchenden Mum zu schlafen, ist nicht mein sehnlichster Wunsch. Zumal ich die nervige Angewohnheit habe im Schlaf zu sprechen... Wir besprachen unseren Schlachtplan  1. Auspacken     2. Mum trifft sich mit dem Bestatter     3. Delia fährt mit     4. Henry setzt sie dort ab, da er noch einen Termin hat     5. Die "Kinder" haben frei (hahaha :-/) Gesagt, getan und schon stand ich im Wohnzimmer allein mit Matthew. "Okay, kennst du dich hier noch aus?" Ich nickte. "Gut, dann fühl dich wie zuhause, Frankie." sagte er noch bevor er nach oben verschwand. Kurz darauf hörte ich laute Musik, vermutlich aus seinem Zimmer. Ich zuckte mit den Schultern und ging mit meinem Rucksack auf die Terasse. Den Laptop auf den Tisch stellend blickte ich mich im Garten um. Die Pumpe vom Pool plätscherte vor sich hin, sonst war alles ruhig und auf dem Tisch stand ein Krug Eiswasser sowie einige Gläser. Während mein Laptop hochfuhr, goss ich mir ein Glas ein und trank einige Schlucke. Keine neue Nachrichten.... Ich schrieb in unseren Chat. >Hey ihr Süßen, wer hat Zeit?< Ich wartete. Nach einer Weile schloß ich die Augen, ein bisschen in der Sonne dösen, erschien mir sehr verlockend und meine Freundinnen schienen beschäftigt zu sein. Eine Reihe von Tönen sagte mir, dass es gleich mehrere Chatantworten gab und ich schoß hoch und las:  Lindz  Jetzt schon, in der praxis war die Hölle los, ich glaube wir hatten    dort heute sämtliche Katzen der Gegend da zum Krallenschneiden    lol  Kenny  Hey Frankie, hast du gar nichts zun tun in den Semesterferien?    Ich trainiere fast nur noch, während der Uni kann ich das oft    knicken :-P  Rosie  Hört auf sie zu verulken, sie macht das richtig, und ich mach das    in vier Tagen auch so. freu  Fliss  Hab grad gesehen das du online bist. Was treibst du?   Typisch. Alle meldeten sich zeitgleich bei ihr. Sie lachte.    Frankie Bin noch sehr entspannt, genieße Ruhe und Wetter. Was macht    ihr heute noch? Brauch mal eine Idee  Fliss  wir gehen noch ins beach night.  Lyndz  oh fliss, erklär ihr doch was das ist....  Kenny  nicht wieder tanzen =-O  Rosie   Kenny, sag ja nicht ab.........  Fliss  Das Beach Night ist ein Club am Strand. Da sind wir immer am    Freitag;-)  Frankie Na das wär ne idee für mich,  danke, ich glaub das werd ich    machen, war ewig nicht mehr tanzen. HEL <3   Bevor noch irgendwer antworten konnte, schloß ich den Chatroom. "Du willst also tanzen gehen?" "Himmel, Matthew jag mir nie wieder so einen Schreck ein. Außerdem kannst du aufhören meine Nachrichten zu lesen!" Der hatte Nerven. So ein... "Friedensangebot? Ich gehe da heute auch hin und nehme dich mit. Du willst also die anderen überraschen?" Oh. Doch intelligenter als man annehmen sollte."Okay, angenommen. Frieden. Und nein, die anderen wissen nicht das ich hier bin." Er zwinkerte mir zu und sagte "Partyoutfit, keine sportlichen Sachen aber auch nichts übertriebenes."  Naja, das wird sich schon machen lassen. Mein Koffer war gut gefüllt.
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