Ame no Yuki - Wolfchildrens

GeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P6
03.03.2015
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Ame no Yuki – Wolfchildrens

Es war einer dieser eigentlich ganz normalen, wenn auch stürmischen Tage gewesen. Doch für eine kleine Familie veränderte dieser Tag alles.

Der junge Wolf lief davon. Er konnte seine Mutter einfach nicht mehr weinen sehen. Er konnte es nicht. Diese Frau hatte ihn aufgezogen, alles für ihn und seine Schwester aufgegeben und jetzt meinte sie, nicht genug getan zu haben? Verrückt. Der Wolf spürte den vom Regen durchweichten Boden an den Pfoten und hörte letztlich seine Mutter doch noch sagen:“Werde glücklich!“ Er spürte, dass sie nun losgelassen hatte und gab ihr eine Rückmelung. Ein Jaulen, dass so viel bedeutete wie: Danke.

An diesem Tag, ging Ame seinen eigenen Weg. Auch Yuki verließ ihre Mutter mit dem erreichen der Mittelschule. Für Yuki war es zwar nicht leicht gewesen ihre Mutter ganz alleine zurück zu lassen, aber damals sagte diese nur mit einem Lächeln:“Geh schon. Ich bin doch gar nicht alleine.“

„Yuki!“, meinte Sohei und schaute, was seine Freundin machte. Yuki schrieb wie so oft einen Brief an ihre Mutter. „Ach, du schreibst wieder einen Brief.“, stellte der Junge mit einem Lächeln fest. Die 14-Jährige lächelte zurück und sah auf ihren Brief:

Liebe Mama,
ich wollte dir unbedingt jetzt wieder einen Brief schreiben.
Letztens haben wir die Matheklausur zurück bekommen.
Ich hatte eine 2+!
Na ja, ansonsten sind Sohei und ich weiterhin zusammen.
Weißt du etwas neues von Ame? Ich vermisse ihn immer noch.
Ich hoffe dir geht es gut und du bist nicht alzu einsam.

Gruß,
Yuki

Der Brief war diesmal kurz gehalten, aber trotzdem schickte Yuki ihn sofort ab. „Du hättest auch warten können, bis du deine Mutter sowieso wieder siehst.“, meinte Sohei zu Yuki, die aber nur erwiderte:“Mag sein. Ich will aber das sie jetzt schon weiß, was gerade ist. Außerdem... Ist sie doch ganz allein. So ohne mich.. oder Ame.“ Das letzte Wort sprach Yuki so leise, dass Sohei es gar nicht mehr verstehte. Sie vermisste ihren Bruder, mehr als sie zugab. Seit damals, war ihr geliebter Bruder einfach verschwunden.

„Mama... Wo ist Ame?“, fragte Yuki. Gerade erst, wurde sie von ihrer Mutter abgeholt. Nachdem sie Sohei die Wahrheit gesagt hatte, kam auch Hana kurz darauf. Nun aber waren sie wieder zu Hause, doch Yuki konnte ihren bruder nicht finden. Hana senkte den Kopf und versuchte scheinbar Tränen zurückzuhalten, aber sie lächelte und sagte:“Ame hat jetzt seinen eigenen Weg gefunden. Er ist jetzt im Wald, als Wolf. Aber... er ist glücklich.“ Diese Wort kamen der Frau mit einem Lächeln über die Lippen, obwohl sie die Tränen verdrengen musste. „Dann kommt Ame nie mehr wieder?“, fragte Yuki nach und stütze sich an der Wand. Hana nickte, doch fügte hinzu:“Vielleicht wird er uns doch mal besuchen kommen.“ Yuki ließ sich komplett an die Wand sinken. „Bruder...“, schluchzte sie.

Die Blätter rauschten und der Wind umspielte das Fell des jungen Wolfes. Er streifte durch die Wälder und das nun schon seit mehr als einem Jahr. In der ganzen Zeit hatte er seine Mutter nur einmal wirklich besucht. Er mochte es nicht, sich in einen Menschen zu verwandeln. Doch seiner Mutter zuliebe tat er es dann. Zumal er seine menschliche Herkunft noch verleugnen sollte, auch wenn er sie nicht unbedingt mochte. Anders als seine Schwester Yuki, die versucht ihre Wolfsseite zu verleugnen, hatte er gelernt damit umzugehen. Wobei... Ob das überhaupt noch so war? Ame hatte Yuki seit dem Regentag von damals gar nicht mehr gesehen. Er hatte sich nicht einmal verabschiedet. Sie wohnte ja auch im Internat und außerdem kannte er die Ferienpläne nicht. Der Wolf wurde aus seinen Gedanken gerissen, als er ein Rascheln hörte. Seine Ohren zuckten und er lauschte. Da sprang aus dem Gebüsch ein Hase hervor! Flink wie er war, ergriff er die Chance und fing das Tier. Nun kaute er auf dem leicht madigen Fleisch des Hasen. In dieser Hinsicht vermisste er oft das Essen seiner Mutter.

„Yuki, Ame! Es gibt Essen!“, sagte Hana wie gewohnt mit einem Lächeln auf den Lippen. „Toll!“, jubelte Yuki glücklich und haute schon begierig mit dem Besteck auf den Tisch. Ame hingegen begutachtete skeptisch die vor ihm liegende Suppe. Der Fünfjährige schnupperte an dem aufsteigenden Dunst und fragte:“Kann man das Essen?“ Hana lächelte ihrem Sohn zu und nickte. Skeptisch nahm er eine der feinen Nudeln auf die Gabel und begann zu Essen. Seine Schwester hingegen schien schon fast fertig mit ihrer Portion zu sein. „Nachschlag!“, grinste die Sechsjährige und hielt Hana den leergeschöpften Suppenteller hin. Ame fand nun auch gefallen an dem Gericht und aß, wenn auch recht langsam.

Hana betrachtete die Bilder an der Pinnwand. Vorallem Bilder von Yuki waren darauf zu sehen. Von Ame hingen lediglich Kindheitsbilder und eines von vor einem halben Jahr. Vor einem halben Jahr.... Da sah sie ihren Sohn zuletzt.

Ame war glücklich im Wald. Er machte das, wozu er bestimmt war. Er wachte nun über die Wälder des Berges. Kühle Luft stieg dem Wolf in die Schnauze. Er war nunmal kein Mensch, sondern ein Wolf. Gleichzeitig machte sich aber auch ein schlechtes Gewissen breit. Da er ab und zu nach unten ins Dorf lief, wobei er aber natürlich keinen Kontaht zu Menschen aufnahm, wusste er, dass Yuki inzwischen im Internat der Mittelschule war. Das hieß, dass seine Mutter nun ganz allein war. Es muss schlimm für sie sein. Eigentlich ist er noch nichtmal Dreizehn Jahre alt, was er selbst aber kaum realisierte. Er war Erwachsen und ein Wolf. Doch seine Mutter hatte vermutlich nicht damit gerechnet, dass sie mit zwei Kindern so bald ganz allein wäre. Ja, vielleicht sollte er doch ab und zu auch Kontakt zu ihr aufnehmen und das nicht nur mit einem kräftigen Jauler. Entschlossen tappte der Wolf nun also, in Richtung seines ehemaligen Zuhauses.

Hana hingegen sah gebannt auf das Passfoto ihres Liebsten. Er war nicht mehr da, Yuki war auch weg und Ame auch. Ihre Kinder hatten ihre eigenen Wege gefunden. Von Yuki hörte sie öfter etwas. Aber Ame konnte sie nur hören, inform von Jaulern, die ihr aber stets zeigten, dass er glücklich war. Plötzlich hörte sie Geräusche. Gestört von den Geräuschen, ging sie zu der Schiebetür und öffnete sie. Als sie sah, wer sie besuchte, stiegen ihr schon die Tränen in die Augen. „Ame!“, schluchzte sie.

Hana erinnerte sich nur zu gerne an diesen Tag. Auch wenn es für sie schwer war, wusste sie, dass ihr Sohn das Leben führte das er wollte. Plötzlich erklang der Schall der Klingel. „Komme..!“, rief die Frau.

„Yuki, was machst du in den Ferien?“, fragte Shino ihre Freundin. „Ich werde zu meiner Mutter fahren und sonst... Ach keine Ahnung.“, antwortete Yuki und packte weiter ihre Sachen. Shiho meinte dann:“Wieso packst du denn schon so fleißig? Die Ferien sind erst in vier Tagen!“ „Ich kann es einfach nicht erwarten!“, gab Yuki grinsend zurück.

Glücklich schaute Hana auf den Brief, der als Briefmarke einen Wolf zeigte. Yuki musste ihr wieder geschrieben haben. Euphorisch öffnete sie den Brief und laß ihn. Nach einigen Minuten des Lesens, pinnte sie ihn an die Wand. Sie sammelte alle Briefe ihrer Tochter, auch wenn sie diese in den Ferien stets sah. Kurz darauf begann sie, die Antwort zu schreiben. Hoffentlich würde Yuki den Brief noch vor den Ferien erhalten.

Nervös war Yuki eigentlich nicht sehr oft. Doch heute sollte sie eingeschult werden und an so viele Kinder war sie einfach nicht gewöhnt. Auch das Zuwinken ihrer Mutter half wenig dagegen. Plötzlich schubsten sich zwei Jungs und einer rammte Yuki. „Au...“seufzte diese. „Hey, könnt ihr nicht aufpassen!“, gab das Mädchen neben ihr zurück. „Öh... danke.“, sagte Yuki und das Mädchen hielt ihr die Hand hin:“Lass dich nicht einschüchtern. Ich heiße übrigends Shino und du?“ Überrascht schaute Yuki zu Shino. Vielleicht würde das doch eine schönes Zeit werden. „Ich heiße Yuki.“

Mit dem schweren Gepäck beladen begab sich Yuki auf die Heimreise. Ihre Mutter wollte sie zwar abholen, aber sie wollte ihr keine Umstände machen. Für die paar Wochen Ferien, lohnte sich das doch kaum.

Sprintend war der Wolf, mit menschlichem Namen Ame unterwegs. Das Laub raschelte dabei so laut, dass einige der Vögel verschreckten. Doch sie würden wiederkommen, denn das hatte der Wolf in seiner Zeit in den Bergen gelernt.

„Guten Appetit, Liebster.“, sagte Hana und stellte die Miso-Suppe hin. Da entdeckte sie ein Blatt Papier. „Was ist das denn?“, flüsterte sie. Sie öffnete das gefaltete Papier und hielt sich die Hand vor den Mund. Es zeigte das Bild, dass Yuki und Ame einst zusammen gemalt hatten.

Lachend saß Yuki am Tisch und malte eifrig auf das Papier. Auch Ame tat dies, mithilfe der Buntstifte. „Was malt ihr denn schönes?“, fragte Hana und wollte auf das Papier schauen. Doch ihre Tochter nahm das Papier und zog es weg. „Du darfst noch nicht gucken, Mama! Es soll doch eine Überraschung werden!“, gab das Wolfsmädchen zu verstehen. Dann malten die Geschwister weiter. Hana war währenddessen am Herd und kochte etwas. Einige Zeit später, kam Yuki zu ihr, mit Ame an der Hand. „Das Essen ist bald fertig.“, antwortete Hana auf die Frage, die sie vermutete. Yuki grinste nur und hielt ihr das Bild hin. „Das haben wir für dich gemalt.“, sagte nun auch Ame, der Vierjährige Bruder von Yuki. Hana schaute auf das Bild und musste Lächeln: Es zeigte sie, mit den Wolfskindern und ihrem Liebsten. Das Bild war in ihren Augen das Schönste, das sie bisher gesehen hatte.

Hana pinnte das Bild wieder an die Wand. Scheinbar war es zuvor abgefallen. „Ob Yuki den Brief bekommen hat?“, fragte sie laut sich selbst, als es klopfte. Wer könnte das sein?, fragte sie sich und lief zur Tür. Als sie diese geöffnet hatte, kamen ihr fast die Tränen. „Yuki! Ame!“, rief sie glücklich und umarmte ihre beiden Kinder. Heute hätte sie endlich ihre beiden Kinder zusammen bei sich, so wie damals.



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Ein offenes Ende^^ Wie es weitergeht, könnt ihr ja selbst gedanklich weiterspinnen. Wie ihr seht, ist in diesem OS viel eure Fantasie gefragt. Ich hoffe er hat euch gefallen und ihr hinterlasst vielleicht sogar ein Review. Demnach: Schönen Dienstag noch!
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