Die Wege, die wir nehmen

von Nairalin
GeschichteDrama / P12
02.03.2015
02.03.2015
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Huhu, ihr Lieben!

Diese Geschichte ist ein Geburtstagsgeschenk für die wundervolle Súlime. Alles Liebe und Gute schonmal im Vorfeld!

Etwas verfrüht, wird dieser nun hochgeladen, da ich in den nächsten Wochen zu viel im RL zu tun habe und ich es sonst nur vergesse hochzuladen. Ich kenn mich ja...

Ich hoffe sehr, dass es dir gefällt, Súli! Vor allem dass ich auch Denethor richtig charakterisiert habe.

Über Rückmeldung würde ich mich von allen sehr freuen und wünsche euch damit viel Spaß beim Lesen!

Nachdem ich mir durchaus vorstellen kann, dass die Adeligen der Elbensprachen mächtig waren, haben Denethor und Finduilas Sindarin und Quenya beherrscht bzw. auch an ihre Kinder weitergegeben. Deshalb auch kurz folgende genutzte Wörter:

atto = [Qu.] Papa, Koseform von atar
amme  = [Qu.] Mama, Koseform von amille

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Die Wege, die wir nehmen


Es war dunkel hier oben und trotz des offenen Fensters glaubte Denethor, zu ersticken. Der Turm war sein Rückzugsort geworden, seit er sie…

Schmerzerfüllt ballte er die Hände zu Fäusten bis sich die Fingernägel in den Ballen bohrten und höchstwahrscheinlich blutrote Halbmonde hinterließen. Es zerriss ihn schier und es machte ihm zu schaffen. Manchmal konnte er kaum klar denken, so sehr vermisste er sie.

Er zwang sich auf die Kugel vor ihm zu schauen, die dunkel und leblos dalag. Die er eigentlich meiden sollte. Finduilas hatte sich immer gegen den Stein ausgesprochen und er hatte ihn nur im Notfall genutzt. Doch es zog ihn zu dieser hin und er legte schließlich die Hände auf sie und betrachtete fasziniert, wie ein bläulicher Schimmer unter seinen Fingern entstand und den Palantír von innen erglühen ließ. Wo seine Haut die kühle Oberfläche berührte, hatte sich eine flackernde Linie gebildet.

Denethor atmete tief durch und schloss die Augen.

Erst schien nichts zu geschehen, doch dann traf ihn die Macht des Steines mit voller Wucht. Bilder rasten durch seine Gedanken von Personen und Wasser, Osgiliath wie es einst war und die Trümmer von heute, die Weiten von Ithilien und Minas Morgul. In der Ferne sah er Rohans weite Felder und Hügel und die vertraute Kulisse von Dol Amroth. Sein Kopf schmerzte und Denethor glaubte, er müsse zerspringen. Zu viele Informationen drangen auf ihn ein und nur unter größter Anstrengung war er schließlich in der Lage seine Hände zu lösen. Keuchend sackte er in sich zusammen und schloss gequält die Augen.

Er fühlte sich ausgelaugt und erschöpft, sein Körper schien nur aus Schmerz zu bestehen und ein bitterer Geschmack füllte seinen Mund.  Schwer schluckte er, bevor er sich wieder aufrichtete und zittrig aufstand, die Hände an der Stuhllehne verkrallt und die Arme steif, um sich abzustützen. Leicht wankend ging er zur Tür und lehnte sich gegen den Türrahmen, bevor er diese öffnete und sich straffte. In gewohnter Manier stieg er den Turm hinab und passierte die Wachen, welche vor ihm salutierten. Mit einem Lächeln, welches zuckender war, als er wünschte, quittierte er das.

Aus den Augenwinkeln nahm er eine Bewegung war und drehte sich überrascht um, bevor er verbittert den Mund verzog. Für einen Moment hatte er geglaubt, sie zu erblicken, seine wundervolle Gemahlin, die er nie wieder sehen würde. Er wollte schon weiter zum Sitz des Königs, wo seine Familie wohnte, als er halb umgerannt wurde. Arme schlangen sich um seine Beine und er keuchte auf, nach Gleichgewicht ringend.

"Was…?!", rief er aus, doch dann erblickte er den schwarzen Haarschopf, ihrem so ähnlich. Stahlgraue Augen sahen zu ihm hoch und er wurde fast schwach.

"Atto?", wurde er angesprochen und er ging in die Hocke, nachdem er vorsichtig die Arme des Kindes gelöst hatte. Ein lockeres, graublaues Hemd hatte der Junge an und sah ihn ruhig an. Zärtlich strich Denethor ihm durchs Haar und wurde mit einem strahlenden Lächeln belohnt. Der Schmerz ob der Ähnlichkeit zu Finduilas ließ ihn seufzen.

"Faramir", wisperte er und sein jüngster Sohn biss sich abwartend auf die Lippe. "Solltest du nicht bereits im Bett sein?" Die grauen Augen weiteten sich und ein schuldbewusster Ausdruck breitete sich im Antlitz aus. Doch plötzlich lag der Junge ihm um den Hals und vergrub sein Gesicht an seiner Schulter. Überrascht legte Denethor seine Arme um sein Kind.

"Du warst nicht da und ich konnte nicht 'Gute Nacht' sagen", vernahm er gedämpft und es schnürte ihm halb die Kehle zu. Sein Griff wurde fester und er strich sanft über den Rücken seines Sohnes. Denethor hatte nicht mit so einer Antwort gerechnet. Doch sein Herz wurde eisenschwer bei den folgenden Worten. "Und ich kann Ammë nicht mehr 'Gute Nacht' sagen…"

Denethors Augen begannen verräterisch zu brennen, doch er kniff sie nur zusammen, um den Drang zu unterdrücken. Finduilas hatte beide Kinder dazugebracht, die Quenyaworte für Papa und Mama zu verwenden, auch wenn Boromir diese aufgegeben hatte, seit sie tot war. Ein Jahr war vergangen und einzig Faramir nutzte die Formen weiter. Sein Jüngster verkraftete den Verlust nur schlecht, während Boromir mit seinen elf Jahren kaum noch darüber sprach oder gar weinte.

Ein Schniefen erklang.

"Boromir sagt, nur Mädchen weinen", wisperte Faramir und Denethor seufzte schwer.

"Das stimmt nicht", erwiderte Denethor leise und hob seinen Sohn nun hoch. Beine schlangen sich um seine Taille und er spürte Tränen durch sein Hemd sickern. "Wenn man jemanden verliert, darf man weinen. Nur muss man irgendwann mit dem Schmerz fertig werden und wieder nach vorne schauen." Der schwarze Schopf seines Sohnes hob sich wieder und er erblickte leicht gerötete Augen.

"Wirklich?", wurde Denethor kleinlaut gefragt und er nickte bestätigend.

"Natürlich. Weißt du, mein Sohn, nicht nur du vergießt Tränen um deine Mutter - möge Eru ihr gnädig sein! - auch ich habe geweint und in manchen Momenten auch jetzt noch", erklärte er leise und der Schmerz war wieder da. Faramir wischte sich mit dem Ärmel über die Augen und schniefte immer wieder. Er wusste, wie schwer es ihm alleine fiel, den Tod zu bewältigen, doch es musste seinem Sohn noch schwerer ergehen. Er war noch so jung und hatte so wenig Zeit mit Finduilas verbringen können. Und die Kindermädchen würden niemals seine Mutter ersetzen, auch wenn es noch besser war, als gar keine weibliche Bezugsperson.

"Deshalb ist es nicht mädchenhaft, es ist nur ein Ausdruck, dass man jemanden liebt und ihn vermisst. Dein Bruder versucht nur stark zu sein, doch auch er weint insgeheim, auch wenn er es dir gegenüber niemals zugeben würde. Schließlich will er dein großer Bruder sein und dich vor allem beschützen."

Verstehend nickte sein Sohn, auch wenn sich Denethor nicht so sicher war, ob er tatsächlich die Tiefe verstand, die das Thema besaß. Er ignorierte die Dienstmädchen und Gardisten, die ihnen auf dem Weg zu ihren Räumlichkeiten begegneten. Er öffnete die Zimmertür und ging direkt zum Kinderzimmer und setzte Faramir auf dem Bett ab.

"Atto?", erklang die scheue Frage und Denethor setzte sich auf den Rand, während sich Faramir seinen Stoffhund genommen und fest umarmt hatte. Er brummte nur und konnte den Schlaf in den grauen Augen sehen, die sein Sohn von ihm geerbt hatte. Finduilas' Augen waren blau wie das Meer gewesen, manchmal kühl und eisig, dann wieder dunkel und warm.

"Kommt Ammë irgendwann wieder?"

Alles zog sich in ihm zusammen und er war für einen Moment zu erstarrt, um etwas zu sagen. Der Verlust war präsent und er wusste nicht, wie er seinem Kind sagen sollte, dass seine Mutter nie wiederkommen würde.

"Irgendwann, wenn wir es am wenigsten erwarten, werden wir sie alle wiedersehen", brachte er rau hervor und zitierte Finduilas, wie sie im Sterbebett gelegen hatte. Mit einem lauten Gähnen schloss sein Sohn zufrieden die Augen. Denethor war unendlich erleichtert, dass Faramir es so angenommen hatte, ohne es zu hinterfragen. Er hätte nicht gewusst, wie er es verarbeiten sollte. Insbesondere da sein Jüngster so sehr nach seiner Mutter kam, im Gegensatz zu seinem älteren Bruder.

Er schloss die Augen, da das Brennen in ihnen wieder übermächtig wurde und beugte sich vor, um sein Kind auf die Stirn zu küssen. Faramir drückte sein Stoffpferd enger an sich und rollte sich zusammen.

"Gute Nacht, mein Liebling", wisperte er gebrochen und wartete solange, bis sein Sohn endgültig im Reich der Träume war. Erst dann stand er auf und verließ lautlos den Raum.

~*~


"Ihr könnt ihn nicht ewig von dem Wissen fernhalten!", brauste der Mann vor ihm auf und Denethor funkelte ihn vernichtend an. Er saß auf seinen schwarzen Thron zu Füßen des Königs, der nicht mehr war. Jahrtausende mochten kommen und gehen, doch Gondor würde nie sein Königsgeschlecht vergessen und jemandem anderen den Titel zugestehen. Doch der anmaßende Ton machte ihn wütend und er presste die Lippen aufeinander.

"Solltet Ihr meinen Sohn gegen meinen Willen in Dingen unterrichten, die ich jetzt für unpassend befinde, werdet Ihr aus meinem Reich verbannt werden, Herr Mithrandir. Ich lasse mir von Euch mit Sicherheit nicht sagen, wie ich mein Kind zu erziehen habe und wann ich ihm Dinge beibringe!", entgegnete er kühl und gezwungen ruhig. Es verärgerte ihn mehr als alles andere, dass ausgerechnet der Zauberer meinte zu wissen, was für sein Kind gut war.

Faramir hatte er zuvor hinausgeschickt, da er nicht wollte, dass er mitbekam, was er mit dem grauen Wanderer besprach. Durch Märchen und Geschichten hatte dieser das Vertrauen seines Jüngsten gewonnen und noch mehr, als er ihm von den Elbensprachen erzählt hatte. Mit seinen dreizehn Jahren war sein Sohn naiv genug, um dem Zauberer zu vertrauen, rebellisch genug, um seines Vaters Worte anzuzweifeln, wie es für einen Jungen dieses Alters üblich war. Faramir war zwar ein ruhiges Kind und er war immer außergewöhnlich wohlerzogen gewesen, hatte kaum Ärger gemacht und wenn, dann nicht provoziert, wie einst Boromir. Doch auch er hatte seine störrischen Seiten. Seiten, die ihn zu sehr an Finduilas erinnerten, etwas, was immer wieder den alten Schmerz aufwallen ließ, egal wie sehr er sich dagegen wehrte.

Und es trieb ihn zur Weißglut, dass sein Kind dem Mann vor ihm mehr zu vertrauen und glauben schien, als ihm, seinen Vater. Seit Finduilas Tod war der Ainu, denn nichts anderes hatte ihm der Palantír verraten, ein Dutzend Mal hier aufgetaucht und glaubte, dass ihm jeder gehorchen würde, sobald er erschien. Dies mochte zu seines Vaters Zeiten gewesen sein, doch er war nicht Ecthelion II, sondern Denethor. Er würde nicht an seinen Lippen hängen und folgen. Mehrere Wege führten zum Ziel und der Mithrandirs war nicht seiner.

Zu viel wurde leichtfertig aufs Spiel gesetzt und dass er Thorongil mitgebracht und damit seinen Vater um den Finger gewickelt hatte, würde er ihm nicht verzeihen, egal wie oft Finduilas einst auf ihn eingeredet hatte.

Thorongil mochte von königlichem Blute sein, aber deshalb würde er nicht auf den Thron kommen. Ein Nordländer verstand nichts von Gondor, seiner Gesellschaft und der Kultur. Er war nicht damit aufgewachsen, kannte nicht die Leute, wusste nicht die feinen Nuancen zu deuten. Natürlich hatte der Mann gute Ideen, das konnte und wollte er nicht von der Hand weisen, aber er würde sie zu schnell, zu ruppig umsetzen und sich damit mehr Feinde als Freunde machen. Es würde mehr Unruhe und womöglich einen Bürgerkrieg provozieren und das in Zeiten, wo sie geschlossen dastehen mussten. Reden schwingen würde nichts nutzen, wenn man alles auf einmal umsetzen wollte.

Und Thorongil hatte keine Geduld in der Hinsicht. Er war gerne arrogant und behandelte die Leute oft zu sehr von oben herab. Er wusste nicht, wann Demut angebracht war. Und er würde damit für Chaos sorgen. Er wollte keinen König, der alles zerstörte, was er aufgebaut hatte, der die Balance über den Haufen werfen würde. Lieber wollte er, dass dessen Sohn ihm geschickt wurde, damit er ihn hier erziehen konnte und damit dieser dann den Thron bestieg, da er wissen würde, wie das Volk hier war. Sollte seines Vaters Liebling doch den Norden beherrschen und das Königreich von Arnor wieder aufbauen. Denethor würde ihn sogar unterstützen.

Dass Mithrandir jetzt versuchte, seinen jüngsten Sohn für sich und damit für Thorongil zu gewinnen, würde er nicht zulassen. Nicht Finduilas Liebling. Er würde ihn nicht bekommen!

"Der Junge ist alt und intelligent genug, um dies zu verstehen", versuchte es Mithrandir erneut, doch bevor er weiter argumentieren konnte, wurde die Tür oder vielmehr das Tor schwungvoll geöffnet und sein Erstgeborener kam mit langen, energischen Schritten auf sie zu. Jugend und einen starken Willen strahlte er aus, als er Mithrandir anschaute und dann zu Denethor.

"Vater, eine Botschaft aus Osgiliath ist eingetroffen!", wandte er sich sofort Denethor zu und dieser konnte den leichten Stich der Genugtuung nicht unterdrücken, als er Mithrandirs Gesicht bemerkte, nachdem Boromir ihn ignorierte. Sein Sohn war loyal und stand hinter ihm, was dem Zauberer nicht passte.

"Begrüßt Mithrandir, bitte, und erzählt mir dann von der Nachricht", befahl er ruhig und setzte sich etwas auf. Boromir folgte mit einer angedeuteten Verbeugung und grüßte den Gast, der hoffentlich bald wieder verschwand.

"Orktrupps wurden wieder gesichtet und haben sich in den Ruinen verschanzt. Meine Männer haben gesehen, wie sie Karten zeichneten, auch wenn bereits einige erschossen wurden", begann Boromir und blickte ihm fest in die Augen. Das dunkle Haar hing ihm ins Gesicht und spiegelte seine eigene Widerspenstigkeit. "Ich wollte mit Euch, Vater, die weitere Vorgehensweise abstimmen, bevor ich meine Befehle durchsetze, wenn ich schon mit Euch sprechen kann."

Denethor nickte zufrieden und ließ sich den Plan vortragen. Wenig hatte er zu bemängeln, einzig zu einem besonnenen, nicht stürmischen und übereilten Verhalten riet er seinem Sohn, der Mithrandir bewusst ignorierte.

"Ich müsste mit Euch alleine sprechen, Vater, wenn es möglich wäre", bat schließlich sein Sohn und er nickte. Er wandte sich dem Zauberer zu, der wenig Gefallen daran zu finden schien, dass er nicht seinen Willen bekam.

"Ich bin nicht in höchster Eile zu euch gekommen, um nun abgewiesen zu werden", wagte er es einzuwenden und Denethor straffte sich.

"Und ich werde mit Euch noch heute sprechen, Mithrandir. Jedoch sind die Grenzen zu Mordor und gerade Osgiliath zu wichtig, um nach hinten verschoben zu werden. Boromir wird womöglich heute noch zurückreiten müssen, um die Lage zu sichern", erwiderte Denethor und Mithrandir gab nach. "Der Truchsess von Gondor vergisst nichts von Wichtigkeit, vergesst dies nie!" Damit entließ er den Zauberer, der sich erhob und den Saal verließ. Anhand des Aufpralls seines Stabs am Boden konnte Denethor genau erkennen, wie sehr er den Mann damit verärgert hatte.

"War dies weise, Vater?", fragte Boromir besorgt und verzog den Mund. Denethor schnaubte.

"Ich lasse mir nicht sagen, wie ich mein Reich zu leiten und noch weniger, wie ich meine Kinder zu erziehen habe, mein Sohn. Er will deinen Bruder dazu nutzen, um jemandem auf den Thron zu bekommen, der keine Ahnung von diesem Reich und diesem Volk hier hat", grollte Denethor und Boromir sog zischend die Luft ein. Er konnte sehen, wie Zorn in seinem Sohn aufstieg. Dieser setzte sich auf die Stufen neben seinem Thron und fuhr sich frustriert durchs Haar.

"Faramir vertraut ihm…", murmelte Boromir und schien nicht zu wissen, was er tun sollte.

"Er ist jung und hat dieselbe Leidenschaft für Elben und die Mythen, wie eure Mutter. Mithrandir nutzt dies aus. Nur wenn ich gegen ihn spreche, wird dein Bruder sicher rebellieren. Er ist in dem Alter, in dem er mir weniger Glauben schenkt, als er sollte."

Boromir wirkte nachdenklich und kratzte sich am Kopf.

"Ich könnte versuchen, Faramir von Mithrandir fernzuhalten, in öfters mitnehmen, wenn Du willst, Vater", schlug er schließlich vor und Denethor nickte leicht.

"Es wäre mir sehr recht, wenn du das machen könntest", meinte er schließlich und seufzte. "So sehr ich deinen Bruder liebe, aber er ist oft so idealistisch und naiv, dass es mich schmerzt. Er ist dadurch leicht zu beeinflussen und er sieht nicht, welche Nachteile die Rückkehr eines Königs hätte, die Mithrandir unterschwellig plant."

"Ist dieser Thorongil ein solch schlechter Mensch?", wagte sein Sohn schließlich zu fragen und Denethor knirschte mit den Zähnen. Der alte Groll und Schmerz kamen hoch.

"Ich würde lügen, wenn ich ja sage. Er ist kein schlechter Mensch, aber er hat keine Ahnung von dem, was hier gebraucht wird. Er ist ebenso idealistisch, wie er auch gerecht ist. Aber es fehlt ihm an Wissen, um das Volk und den Adel. Er müsste Jahrzehnte hier leben, bevor er ein König werden könnte. Es fehlt ihm an Fingerspitzengefühl, wann welche Änderungen eingebracht werden können, ohne zu sehr gegen Adel zu arbeiten. Er würde sonst einen Flächenbrand legen, den er nicht aufhalten könnte und damit auch das schnelle Ende der Königslinie", holte Denethor aus und konnte Verstehen in den Augen seines Kindes sehen.

"Würde er denn solange warten, um es zu lernen?", wurde er gefragt und Denethor dachte nach, holte all die Erinnerungen an seinen Rivalen hoch.

"Nein… er war immer schon ungeduldig und auch arrogant, wie ignorant. Ich erinnere mich, dass er bei Elben aufwuchs und er vergleicht die Menschen mit diesen. Er erwartet ein Verständnis, welches Menschen erst nach langem Überlegen entwickeln, welches die Elben sehr viel schneller haben. Und ich kenne die Dúnedain im Norden, sie sind im engen Kontakt mit den Elben und leben mehr nach deren Art und Weise - selbst wenn sie nicht mit diesen Kontakt haben. Und er vergaß immer, dass die normalen Menschen meist nicht von edlen Motiven geleitet werden, sondern von ihren niederen Trieben. Ich bezweifle, dass sich dieses Voraussetzen von ihm bis heute geändert hat."

Boromir schwieg und schaute hoch zur steinernen Decke. Sein Gesichtsausdruck wirkte frustriert und demotiviert.

"Das heißt, selbst wenn wir anbieten würden, dass er erst einmal eine Art Lehre macht und auch alles lernt, was Faramir und ich lernen müssen, würde es das nicht bringen, da er es nicht machen würde?"

Denethor nickte nur und schwieg. Es brachte nichts, weiter über einen möglichen König zu sinnieren, der zu sehr vom Norden geprägt war. Hinzukam auch noch, dass Thorongil auch noch fast gleich alt wie er selbst war. Gerade einmal ein Jahr war dieser nach ihm geboren worden. Er würde sich nicht mehr ändern wollen, noch können.

"Er ist also im Prinzip Faramir sehr ähnlich…", murmelte sein Sohn und Denethor seufzte. So gesehen stimmte das, was es ungleich schwieriger für ihn machte. Boromir hatte natürlich auch seine Schwächen und er leugnete das nicht. Sein Sohn war stolz und neigte zur Selbstüberschätzung. Aber er war realistisch und wusste, wie das Volk war, über welches er einmal herrschen würde. Er wusste, wann er mit harter Hand durchgreifen musste, ebenso wann er gewisse Reformen nicht durchbringen konnte, weil die Stimmung und das Verlangen nicht in dem Ausmaß vorhanden waren.

Er brauchte eben nur Zeit, um sich seine Hörner abzustoßen, dann würde er durchaus ein guter Herrscher. Mit Faramir an seiner Seite, der über eine bereits gute Weitsicht verfügte, würde es keine Probleme geben. Doch dafür müsste Faramir auch frei von jeglicher Beeinflussung sein, die sein Urteil trübte.

Es erschöpfte ihn und er war froh, dass zumindest sein ältester Sohn zu ihm stand und seine Bedenken nachvollziehen konnte.

"Ich werde zu Faramir gehen, Vater!", meinte Boromir und erhob sich. "Nicht, dass Mithrandir noch auf die Idee kommt, sich jetzt um ihn zu 'kümmern'." Dankbar lächelte er den Jungen an und entließ ihn.

~*~


Schmerz schien seinen Schädel schier zu zerreißen. Doch eisern starrte er in die Kugel und wich keinen einzigen Fuß zurück. Er würde sich nicht von der Dunkelheit unterkriegen lassen. Zulange hatte er seinen Geist gestärkt und war sich klar geworden, was seine Ideale, Stärken und Schwächen waren. Er würde nicht nachgeben.

Das Auge brannte feuerrot und Denethor ließ nicht nach. Mut und Erdung halfen ihm Stand zu halten. Er nutzte alles, was er hatte und ließ nicht nach. Seine Gedanken band er an seine Kinder, an seine Verantwortung und seine Gemahlin. Die Erinnerungen an Finduilas ließen ihn stark bleiben, richteten ihn auf und er wusste, er konnte sich zumindest auf dieser Ebene messen.

Immer wieder drängte der Feind auf ihn ein, doch Denethor verteidigte seinen Grund mit Ruhe und reiner Willensstärke. Und dann, dann gab der Feind nach und zog sich zurück. Erschöpft sank Denethor in den Stuhl zurück und schloss die Augen. Erst ein Klopfen riss ihn wieder hoch und er rief ein leises "Herein!".

"Atto?", vernahm er und Faramir trat ein. Er wirkte unsicher und schien nicht zu wissen, was er sagen sollte. Denethor schaute ihn fragend an und deutete, dass er näher kommen sollte. Schwarzes, stark gewelltes Haar fiel seinem Sohn ins Gesicht und verdeckte fast die linke Gesichtshälfte. Teilweise hatte er richtige Locken, gerade im vorderen Bereich und dort, wo sie frisch geschnitten worden waren.

Ein Buch lag in seinen Armen und er blieb vor ihm stehen. Mit Mühe entzifferte Denethor, dass es sich um ein Märchenbuch handelte, welches aus Dol Amroth kam. Schmerzlich krampfte sich sein Herz zusammen. Finduilas hatte es mitgebracht gehabt.

Ein schockiertes Keuchen ließ ihn dann aber aufsehen und ein Anflug von Furcht stand in den Augen seines jüngsten Sohnes.

"Was ist los, Faramir?", fragte er und zog ihn näher. Der Mund des Jungen ging auf und zu, doch kein Wort verließ die Lippen. "Faramir?" Sorge schwang nun in seiner Stimme mit und Denethor zog ihn ohne weiter nachzudenken auf seinen Schoß, obwohl Faramir mit seinen knapp vierzehn wirklich schon zu alt war. Doch Furcht im Gesicht seines Kindes war etwas, was ihn auf die Gepflogenheiten vergessen ließ.

"Deine Haare", brachte Faramir schließlich hervor und Denethor erstarrte.

"Was ist mit meinen Haaren, mein Sohn?"

Beruhigend legte er seinen Arm um Faramirs Rücken, dessen Augen feucht zu schimmern begonnen. Scheu griff Faramir nach einer Strähne und Denethor erkannte, was sein Kind so aus der Fassung brachte. Sie war grau und wirkte teils richtig weiß.

"Es ist in Ordnung!", beschwichtigte er seinen Sohn, doch er schien ihm nicht zu glauben. Sanft küsste er ihn auf die Schläfe und sah ihn ernst an. "Manchmal müssen wir Dinge tun, die uns nicht gefallen, um die zu schützen, die wir lieben."

Etwas blitzte in den Augen seines Kindes auf und Faramir lehnte sich an ihn. Solche Momente ließen seinen Jüngsten wieder wie das kleine Kind wirken, welches er so geliebt hatte. Er liebte seinen Sohn immer noch, aber manchmal sehnte er sich nach den Zeiten, wo seine Söhne noch ganz klein waren und seine Nähe suchten.

"Und ich würde alles tun, um euch zu schützen", wisperte fast lautlos. Er spürte, wie sich die Hände in seiner Robe vergruben und hielt sein Kind einfach nur fest. Momente wie diese waren so selten, dass er sie liebte und ehrte, wie nichts anderes. Sie waren das Licht in der Düsternis, die er immer wieder sah.

Natürlich war ihm bewusst, dass der Dunkle Herrscher versuchte, ihn zu manipulieren und ihm Dinge zeigte, die nicht der Wahrheit entsprechen mussten. Doch es war deprimierend und anstrengend, diesen nicht Glauben zu schenken. Seine Finger fuhren durch das feine Haar Faramirs, der dies von seiner Mutter geerbt hatte. Boromir hatte seine Haarqualität geerbt, welche wie Rosshaar waren, dick und unbändig.

Und die Zeit schien zwischen seinen Händen zu verrinnen. So schnell wuchsen beide zu Männern heran, würden ihre eigenen Familien gründen und Verantwortung übernehmen. Ein feines Lächeln überzog sein Gesicht. Enkelkinder, allein die Idee erschien ihm surreal. Mit seinem Sohn in seinen Armen und seinem kindlichen Verhalten war es so fern, dass er Schwierigkeiten hatte, sich das vorzustellen.

"Du hast wirklich keine Ahnung, wie viel ihr beide mir bedeutet."

Doch Faramir war bereits weggedämmert, wie er merkte und so hielt er den Jungen einfach nur.

~*~


"Wie Ihr wünscht!", erwiderte Faramir ruhig und Denethor wollte schreien. Sein Sohn hörte nicht, was er sagte, und verstand nicht, weshalb er gegen Mithrandir sprach. Er wollte nicht sehen, welchen Schaden das für ihr Königreich bedeuten würde.

Er regierte jetzt seit fast drei Jahrzehnten und er wusste nur zu gut, worauf es ankam und vor allem wie das Volk reagieren würde. Die Märchen und 'Prophezeiungen' von der Rückkehr des Königs hatten seinen Verstand vernebelt, seine Weitsicht getrübt und ihn taub für die Warnungen seines Vaters gemacht.

"Ich erwarte Euch in vier Monaten zurück, Faramir", sagte er kühl und fasste seinen Sohn ins Auge. Der grimmige Zug um dessen Mund war ihm aufgefallen. "Ich erwarte, dass Ihr mit klarem Verstand zurückkehrt!" Der Befehl verstärkte das Funkeln in den Augen seines Sohnes, der nur ergeben nickte. "Ihr werdet Eurem Bruder Bericht erstatten und mit ihm die weitere Vorgehensweise in Ithilien besprechen. Er ist in Osgiliath."

"So sei es", meinte sein Sohn nur und verbeugte sich. Mit schwungvollem Schritt verließ Faramir die Halle und Denethor sah ihm nur bitter nach. Der Schmerz des Verlustes saß so tief und es ließ die Bürde auf seinen Schultern nicht leichter werden.

Was hätte Finduilas gesagt, wenn sie ihn jetzt sehen könnte?

Was hätte sie zu Faramirs Verhalten gesagt?

Er wünschte sich so sehr, sie wieder an seiner Seite zu wissen, ihren Rat zu hören. Selbst ihr Tadel war ihm recht, wenn sie nur hier beiseite stände. Er hatte Faramir an Mithrandir verloren, er wusste es ohne Zweifel. Denethor hatte gekämpft, hatte getan, was er vermochte, doch alles war vergebens gewesen, denn das Herz seines Sohnes war längst in der Hand des Zauberers.

Boromir versuchte immer wieder, seinen Bruder von Mithrandir zu entfernen, doch es gelang ihm nicht. Zu sehr war das jüngste Mitglied der Familie bereits eingelullt.

Die Wachen wirkten leblos, wenn er jetzt zu ihnen schaute. Er wusste, dass sie unangenehm berührt waren, doch er konnte es nicht ändern. Dass er immer weniger seine Zunge im Zaum halten konnte, weil sich sein Sohn so gegen ihn stellte, machte es nicht besser. Er wusste, dass Finduilas ihn zurechtweisen würde. Nur war sein Groll gegen Mithrandir und indirekt gegen Thorongil immer mehr am Schwelen und es verletzte ihn tief, dass sein Sohn nicht zu ihm hielt. Er verstand nicht, woher sein Sohn dies hatte. Insbesondere deshalb nicht, weil Faramir seinen Großvater nicht mehr wirklich kennen gelernt hatte. Er hatte sich gehütet Streitereien mit seinem Vater vor den Kindern zu führen. Er hatte auch nur die guten Seiten erwähnt, wenn die Kinder dabei gewesen waren.

Faramir konnte nicht als Einjähriger diese ambivalente Beziehung zwischen ihm und Ecthelion gesehen haben und dadurch ein Muster übernommen haben. Denethor würde auch niemals auf die Idee kommen, jemand Fremdes seinen eigenen Kindern vorzuziehen. Auch wenn es für Außenstehende wirken musste, als ob er Boromir bevorzugte, was er sich eingestand. Sein ältester Sohn stand ihm dahingehend näher, dass er ihn verstand, seine Sorgen nachvollziehen konnte und selbst sah, welchen Einfluss Mithrandir ausübte. Boromir stellte seine Loyalität betont in den Vordergrund, damit Faramir dies deutlich wahrnahm. Doch alle Bemühungen nutzten nichts.

Müde erhob er sich. Das Kettenhemd unter seinen Gewändern raschelte und verließ die Halle, nur um hoch in den Turm zu gehen, welcher nun nach ihm benannt worden war. Er schloss die Tür auf, die zur Dachkammer führte und setzte sich vor den Stein, der ihm über all die Jahre gute Dienste geleistet hatte. Seine Finger berührten die kühle Oberfläche und er schloss seine Augen. Bilder tauchten in seinem Kopf auf und er fokussierte sich auf den Osten, ließ seinen Blick über Ephel Dúath fliegen. Armeen sah er dort und er konzentrierte sich. Es war mit jedem Mal schwerer geworden, die Illusionen des Feindes zu durchbrechen, damit er die wahren Bilder sehen konnte, die dieser vor ihm verschleierte.

Dass Sauron nicht wollte, dass er das wahre Ausmaß sah, war ihm klar. Er wollte ihn verunsichern und verängstigen. Wollte Angst und Zwietracht schüren, ihn durch Betrug und Illusion in den Wahnsinn treiben. Doch dafür brauchte er den Feind nicht. Es reichte Mithrandir allein, der ihn lieber vom Thron sehen wollte, als dass er weiter regierte. Denethor wusste genau, dass er unbequem war und es jedes Mal in einem Kraftaufwand endete, um zu bekommen, was Mithrandir wünschte. Er gab nicht, ohne die Konsequenzen abzuwiegen. Und er hatte gelernt, dass Idealismus nur Leid bringen würde. Etwas, was er Mithrandir vorwarf, der das bei seinem Kind ausnutzte.

Er erblickte düstere Ebenen und Orktrupps. Versteckt in den Bergen waren Brutstätten und er konnte die Vorbereitungen sehen. Doch so übermächtig, wie Sauron ihm weismachen wollte, war er noch nicht. Es war aber nicht mehr allzu fern, bis er annähernd an diese Stärke kommen würde.

Sein Blick wanderte nach Isengard und dort in die Tiefen der Kerker, wo bereits Hochöfen brannten. Der weiße Zauberer hatte sie alle verraten, aber er war nützlich, wenn es darum ging Informationen zu erhalten, um Saurons Illusionen zu zerreißen. Saruman erhielt unverfälschte Informationen, da er Sauron Loyalität geschworen hatte und Denethor nutzte das aus.

Doch immer wieder drangen dunkle Bilder einer schwarzen Zukunft auf ihn ein und er fühlte sich wie ein verwitterter Stein, der schon bald zerspringen würde. Einzig sein Wille und seine Liebe zu seinen Kindern hielten ihn aufrecht. Er konnte und durfte nicht einfach aufgeben. Diesen Sieg würde er Sauron nicht geben. Sein Stolz ließ das nicht zu.

Manchmal fragte er sich, wie sein Weg ausgesehen hätte, wenn er einen anderen genommen hätte.

Was wäre gewesen, wenn er Mithrandir gefolgt wäre? Wenn er dem Zauberer seinen Willen gelassen hätte? Wie hätte sein Leben bis jetzt ausgesehen? Wie würde Faramir zu ihm stehen?

Doch all diese 'Hätte' und 'Wäre' waren nichts wert, denn die Vergangenheit konnte er nicht ändern. Und er sah keinen Erfolg in Mithrandirs Weg. Er vertraute zu sehr auf Dinge, die zu risikoreich waren und er hatte gesehen, wohin viele geführt hatten - nicht zum gewünschten Erfolg.

Während der Herrschaft Ecthelions und dem Einfluss Mithrandirs war die Gesellschaft kulturell nochmals herabgesunken. Es hatte Jahre gebraucht, bis Denethor die Defizite wieder aufgearbeitet hatte. Es war ein Kraftakt gewesen eine allgemeine Schulbildung einzuführen, den Menschen von Gondor wieder ihre Wurzeln näher zu bringen. Vom gewünschten Resultat war er noch entfernt, aber die ersten Schritte in die richtige Richtung waren gesetzt. Mehr Menschen hatten einen Begriff, wenn sie von Númenor hörten, es war nicht mehr nur ein Ammenmärchen, sondern ein Teil greifbarer Historie. Und jeder Schritt war gewesen, wie mit Marschgepäck über sumpfigen Grund zu laufen. So vieles war zerfallen und so vieles war verloren. Er würde nicht mehr alles zurückbringen können, aber einen kleinen Teil konnte er den Menschen geben.

Als er schließlich losließ, blinzelte er. Verwirrt bemerkte Denethor, wie spät es bereits war und seufzte. Seine Hände zitterten und er schluckte. Er erhob sich und ging die Treppen hinunter, eine Hand immer an der Mauer. Als er über den Platz des Weißen Baumes ging, schaute er hoch in den Himmel und fühlte sich mit einem Male alt.

Sein Blick wanderte zum Weißen Baum, der einem Gerippe gleich seine Zweige dem Firmament entgegenstreckte. Er sah Kinder lachend herumrennen und sein Herz wurde schwer. Er vernahm das Aufeinanderschlagen von Holzschwertern, die er einst selbst gefertigt hatte. Die Zeit schien zurückgedreht zu sein und das vertraute Brennen in seinen Augen ließ ihn blinzeln, damit niemand seine Gefühle sehen konnte. Er war alleine, doch er wollte nicht überrascht werden.

Ihm war, als würde er wieder "Attoooo!" vernehmen und wie Faramir auf ihn zu rannte. Bitter verzog er seinen Mund und schloss die Augen. Er atmete tief ein und strafte sich.

Und trotzdem bereute er nicht die Wege, die er genommen hatte. Er wusste, dass all seine Vorbereitungen einen Sinn hatten, dass all das helfen würde, Gondor überleben zu lassen, egal wie aussichtslos die Situation erscheinen würde. Er wusste es. Und von daher würde er auch nichts bereuen, wenn dies bedeutete, dass sein Volk, sein Land überleben würde. Es war es wert.

Seine künftigen Enkelkinder würden hier sicher leben und er würde ihnen ein blühendes Reich zu Füßen legen. Und auch Faramir würde verstehen, dass er alles nur für sie getan hatte, seine Kinder, seine Liebsten, seine Familie. Finduilas hatte von Frieden geträumt und er wusste, dass Frieden kommen würde. Er würde sein Volk dorthin führen, komme, was wolle.

Der Palantír war in dem Fall nur ein Mittel zum Zweck. Er wusste, dass sein rechtmäßiger Anspruch ihn zusätzlich vor Sauron schützte, aber sein starker Wille und seine Aufrichtigkeit waren es, die ihm die Stärke gaben, der Dunkelheit die Stirn zu bieten. Und er tat es gern, auch wenn es ihn vorzeitig altern ließ. Dies war sein Los und er würde es mit Stolz nehmen und voranschreiten.

Auch wenn dies bedeutete, dass sein Sohn sich von ihm abwandte. Solange sie einmal in glücklichen Zeiten waren, würde er ernten, was er gesät hatte.

Er würde akzeptieren und dann in Frieden seinen Lebensabend verbringen und darauf warten, dass er einschlief. Finduilas würde ihn erwarten. Sie würde dort sein und lächeln. Ihm den Kopf waschen, bevor sie ihn schließlich küssen würde. Ein Lächeln hob seine Mundwinkel bei dem Gedanken an seine geliebte Gemahlin.  

Tränen fielen zu Boden und nahmen ihren Lauf über seine Wangen, nur um von dort wieder herabzutropfen. All die Mühe, all die Qual würden ein Ende haben.

Seine Söhne würden Gondor regieren. Er würde wieder Kinder in seinen Hallen lachen hören. Würde Glück sehen…

Er wischte sich mit dem Ärmel über die Augen und genoss den kühlen Wind in seinen Haaren. Alles würde ein gutes Ende finden.

Alles.
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