Not Just A Name - OS zur Gelöscht-Trilogie

KurzgeschichteAngst / P6
02.03.2015
02.03.2015
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Ich stand auf einem großen Platz und überall waren Leute. Hektisch blickte ich mich um. War ich jemandem aufgefallen? Nein, niemand sah mich auch nur an. Gut. Ich richtete meinen Blick auf den Boden und ging zügig auf ein schmutzig graues Hochhaus zu.
Anstatt jedoch hineinzugehen, bog ich im letzten Moment ab und ging um das Gebäude herum. Hier war niemand mehr, dieser Hinterhof interessierte die Menge nicht. Äußerst vorteilhaft für meinen Zweck. Ich sah mich um, bis ich den mit Efeu beinahe zugewachsenen Durchgang zwischen diesem und dem nächsten Haus erkannte. Das war er. Dort musste ich lang.
Aber was dann? Leicht verunsichert ging ich einige Schritte auf den Durchgang zu, aber bevor ich ihn durchschritt blieb ich stehen und stützte mich an der Wand ab. Warum tat ich das überhaupt?
Ich war plötzlich absolut orientierungslos. Wo war ich überhaupt? Und wer war ich? Krampfhaft kramte ich in meinem Gedächtnis nach den Antworten. Ich strich mir eine nervige Strähne aus dem Gesicht, und da viel mein Blick auf meine Hand. Dort stand etwas, fast vollkommen verblasst, mit Kugelschreiber geschrieben. Ich führte meine Hand näher an mein Gesicht, in dem Versuch, die Zeichen zu entziffern. Waren es überhaupt Buchstaben, oder nicht doch Zahlen? Oder doch etwas anderes? Nein, dort sah ich ganz deutlich ein A, an zweiter Stelle. Der erste Buchstabe... es könnte ein B sein. Vielleicht aber auch ein D... oder ein P? Das hatte doch keinen Sinn.
Ich sank an der Mauer zusammen und ließ mich langsam zu Boden rutschen. Wie war ich hier nochmal hingekommen? Und welchen Tag hatten wir überhaupt? Verzweifelt schlug ich mir die Hände vors Gesicht. Wie sollte ich mich nur je erinnern, was ich tun sollte, wenn ich nicht mal wusste wo, wann und vor allem, wer ich war?
Ich fühlte wie Tränen mein Gesicht herunter rannen. Warum hatte ich all das vergessen? Ich war mir sicher, dass es wichtig war. Absolut sicher. Vielleicht war es sogar lebenswichtig? Und wenn ja, für wen? Etwa für mich, oder doch für jemanden, der mir wichtig war?
Jedes Mal, wenn ich versuchte, mich an etwas zu erinnern, rann ich geistig gegen eine Wand. Es tat fast körperlich weh. Oder nicht doch nur fast, sondern tatsächlich? Ich nahm meine Hände vom Gesicht und sah sie an. Meine Knöchel waren gerötet, als hätte ich auf etwas eingeschlagen. Daran konnte ich mich aber nicht erinnern...aber das musste ja nichts bedeuten. Ich wusste gar nichts mehr.
Ich stand wieder auf. Vorhin war ich doch auf diesen Durchgang fixiert gewesen. Vielleicht lagen ja auf der anderen Seite alle Antworten.
Mühsam richtete ich mich auf und ging zögerlich auf die Lücke zwischen den Häusern zu. Ich atmete tief durch, schloss die Augen und tat die letzten Schritte. Auf der anderen Seite der Gebäude öffnete ich die Augen wieder, und ich sah... nichts besonderes. Ein weiteres graues Hochhaus vor mir, genau wie die beiden hinter mir. Nichts hatte sich verändert. Mir war nicht plötzlich etwas wichtiges eingefallen, ich war nicht plötzlich in einer anderen Welt in der alles Sinn ergab.
Wieder ließ ich mich auf den Boden sinken und starrte geistesabwesend meine Hände an, ohne wirklich etwas zu erkennen.
Auf einmal hörte ich in der Ferne Sirenen, und schon nach wenigen Augenblicken wusste ich, dass sie näher kamen. Mein Blick wurde wieder klar und fiel auf die Schrift in meiner rechten Hand. Da wurde mir klar, was dort stand. Ein Name. Mein Name. Der erste Buchstabe war ein D, dann kam ein A, ein N und wieder ein A. Dana. So hieß ich. Ich war so überglücklich, wieder etwas zu wissen, dass ich beinahe nicht bemerkt hätte, dass die Sirenen nicht mehr näher kamen. Sie hatten angehalten, waren aber immer noch zu hören, und das beunruhigend nah. Ich hatte Angst vor diesen Sirenen, denn Sirenen bedeuteten Polizei.
Ich stand wieder auf, und zum ersten Mal fiel mein Blick auf mein linkes Handgelenk. Und dort sah ich ein kleines, schwarzes Gerät das an einer dünnen Kette um mein Handgelenk befestigt war. Mir schoss das Wort „Levo“ durch denk Kopf, direkt gefolgt von „Kriminelle“ und „Slaterin“. Das war es.
Eine Kriminelle. Ich war eine Kriminelle, und sie hatten mich geschnappt und geslated. Aber sie hatten es nicht geschafft, mir alle Erinnerungen zu nehmen. Das Slating war nicht perfekt, es hab Lücken! Noch immer vollkommen erstaunt von meiner plötzlichen Erkenntnis bemerkte ich gar nicht, wie sie auf mich zukamen. Es waren die Polizisten, sie wussten, dass ich mich erinnerte. Darum jagten sie mich. Ich lächelte, während sie mir Handschellen anlegten. Sie würden es nie schaffen, mir mein Ich zu nehmen. Sie würden mich wieder slaten, und wieder, und wieder. Aber ich würde eins ums andere Mal meine Erinnerungen wiederfinden. In dieser Welt war ich eine Kriminelle, alle sahen es so. Aber das war  nicht wie Wahrheit. Ich war keine Kriminelle, ich war einfach nur Dana.
Ich bin Dana.
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