Die Täuschung fällt weg

von Nairalin
DrabbleDrama / P12
01.03.2015
01.03.2015
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Huhu,

hier ist mein Wichtelgeschenk für tenintardis zum Wichteln Poesie-Drabbles von AuctrixMundi. Ich habe als Fandom Das Silmarillion gewählt, nachdem in tenintardis Profil unter Fandoms Tolkien stand.

Ich hoffe, es gefällt dir!

Vorgabe:

He was my North, my South, my East and West,
My working week and my Sunday rest,
My noon, my midnight, my talk, my song;
I thought that love would last for ever: I was wrong.

- Funeral Blues by W.H. Auden

Verarbeitung des Zitats: Da ich die Übersetzung des Gedichts nicht mag, reicht es mir als Leitmotiv
Drabbleform: 2x 200 oder 2x 300
Max. erwünschtes Rating: P18
Fandom: Da ist es am einfachsten auf meinem Profil zu schauen, sonst natürlich FA
Sonstiges: Hab Spaß beim schreiben und es würde mich freuen, wenn es vielleicht ein wenig romantisch werden könnte

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Sie lag in seinen Armen, ein Strahlen in ihren Augen, welche Feanáro immer als den grünen Boden unter seinen Füßen bezeichnete, der ihn erdete und fest in der Realität hielt. Seine Finger strichen zärtlich über ihren leicht gewölbten Bauch. Über ihnen spannte sich ein Netz aus Sternen, während sie selbst warm und sicher bei ihm lag.

"Nerdanel", wisperte er nur und küsste sanft ihre Nasenspitze. Sie lächelte nur verliebt und legte ihre Hände an seine Wangen. Er war ihr Ein und Alles, ihr Norden, ihr Süden, ihr Osten und Westen, ihre Arbeit und ihre wohlverdiente Ruhephase, wenn ihre Lehrlinge sie forderten. So anstrengend er oft auch sein konnte, sie liebte ihn wie ihren Nachmittag oder die verheißungsvollen Stunden der Vermischung der Lichter. Feanáro war ihr liebstes Gesprächsthema, wenn ihre Freundinnen sie darauf ansprachen, und ihm beim Arbeiten zuzusehen wie der Hammer im Rhythmus niederging, war ihr Lied, welches sie gedanklich hörte.

Doch seine Sorge um sie, war oft genug ein Streitpunkt. Nerdanel wusste, wie sehr ihn die Angst plagte, sie zu verlieren. Es würde ihr erstes Kind sein und die Erinnerung an seine Mutter ließ ihn ruhelos werden. Umso mehr liebte sie diese bezaubernden Stunden im Freien, die ihn beruhigten.

Sie wusste, dass er sich insgeheim Vorwürfe machte, dass er Schuld am Tod seiner Mutter Míriël trug. Die Worte, dass sie all ihre Kraft in ihren Sohn fließen lassen hatte, waren wie eine Axt über dem Haupte ihres Gemahls. Und er fürchtete, dass er selbes Unheil auch über sie bringen könnte, dass ihr ungeborenes Kind nach ihm geraten könnte und sie all ihrer Lebenskraft berauben würde.

Sie richtete sich auf und lehnte sich über ihn. Ihre Haare fielen wie ein Vorhang um ihre Gesichter.

"Mein Narr!", murmelte sie neckend und küsste ihn. Er umfasste ihre Taille und erwiderte nichts darauf.

~*~


Bittere Tränen rannen über Nerdanels Wangen, als er sich erzürnt abwandte. Ihre Finger bekamen sein Hemd zu fassen und er blieb stehen. Er bebte, sie fühlte es. Sie wusste, dass er sich verraten fühlte. Doch sie konnte ihre Entscheidung nicht ändern.

"Lass mich los!", zischte er und drehte sich um. Seine Augen loderten gleich Flammen. Er ergriff ihr Handgelenk, aber sie war schon längst auf ihn  zugetreten, trotz des mulmigen Gefühls in ihrem Bauch. Feanáro wollte bereits etwas sagen, da hatte sie ihn schon mit der anderen Hand am Kragen herabgezogen, um ihm auf demselben Niveau in die Augen zu sehen. Schmerz und Unverständnis leuchteten in den geliebten Augen, Verrat schrie ihr entgegen. Ihr Herz wurde schwer, doch sie wusste nur zu gut, dass sie ihn erreichen musste.

Nur wie?

Ihr fehlten die Worte. Aulë selbst hatte ihren Vater und ihre Familie gewarnt, dass diese Art zu gehen, der Tod sein würde.

"Du weißt, dass ich mit dir gehen würde, wären die Umstände anders", wisperte sie und er schnaubte ungläubig.

"Natürlich würdest du, wenn du nicht von Aulë betört worden wärest!", fauchte er aufgebracht und Nerdanel wollte schreien.

"Es ist nicht nur Aulë, sondern viel mehr Indis, die mit gebrochenem Herzen in ihren Gemächern ruht!", erwiderte sie gezwungen ruhig. "Eingebettet in Finwës Gewändern!" Etwas blitzte in seinen Augen auf, doch er schwieg. Sie lehnte ihre Stirn an ihn und schluckte ihren Ärger herunter.

"Lass mir zumindest die Zwillinge hier oder zumindest einen", bat sie wispernd.

"Du würdest alle behalten, wenn du mit mir kommst! Denn sie alle wünschen mit mir zu kommen", sagte er trotzig. Wut erfasste sie und sie löste sich.

Feanáro verließ Aman und mit ihm ihre Söhne. Nerdanel hatte geglaubt, ihre Liebe würde ewig währen und er ihr zuhören.

Oh, wie falsch war sie damit doch gelegen!
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