Der Hoffnung Tod

von Nairalin
GeschichteDrama / P12
01.03.2015
01.03.2015
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Huhu,

hier ist mein Wichtelgeschenk für Elentirmo zum Wichteln Freundschaftswichteln von Súlimë.

Ich hoffe, es gefällt dir!

Vorgabe:

Gewünschte Figuren, die befreundet sind/sein sollen: Beleg und Túrin
Verarbeitung: Dramaaaa! (Ich denke, die Geschichte der beiden bietet mehr als genug Platz dafür.) Ein Gedanke wäre, Beleg herausfinden zu lassen, wie Túrin den Rest seines Lebens/Teile davon verbrachte. Eventuell ein Gespräch mit Orodreth, der ja zumindest bis zum Fall Nargothronds informiert ist. Ich lasse dir an dieser Stelle aber gern vollste künstlerische Freiheit.
Max. erwünschtes Rating: P16
Alternative Figurenkonstellation: Frodo und Sam, irgendwann nach dem Ringkrieg, wenn Frodo schon weiß, dass er nicht mehr lange in Mittelerde bleiben wird.Sonstiges: Ich mag Drama, kaputte Charaktere und Ähnliches, bin allerdings auch mit anderen Dingen zufrieden. Überrasch' mich!

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Der Hoffnung Tod


Beleg starrte das schwarzhaarige Kind vor ihm an und wusste erst nicht so recht, was er tun sollte. Aran Thingols Befehl war klar gewesen und er sollte dem Jungen das Kämpfen beibringen, damit dieser für die Zukunft bestmöglich ausgebildet war. Mablung hatte erst etwas erstaunt ausgesehen, als er ihm von dem Befehl erzählt hatte, doch dann hatte er nur gelacht und sich die Lachtränen weggewischt.

Natürlich war dem Älteren bekannt, wie sehr Beleg Kinder vergötterte und nur zu gerne fand man vermisste Kinder dort, wo er selbst gerade war. Nur es war ihm lieber, er kümmerte sich um die kleinen Wirbelwinde, als dass sie versuchten, in die Waffenkammer zu gelangen, weil die Burschen glaubten, dass es eine Mutprobe war. Sie konnten sich verletzen und es würde weder den Wachen, die oft genug ihre Augen nicht offen hielten, noch den Kindern gut bekommen. Abgesehen von den erzürnten Eltern, die Probleme bereiten würden.

"Ich lerne es nie!"

Túrin warf den Bogen auf den Boden und stampfte wütend auf. Blaue Augen, gleich einem gefrorenen See in hohen Lagen, schauten ihn vorwurfsvoll an und Beleg erwiderte den Blick. Ruhig hob er den Bogen auf und hielt ihn dem Jungen hin, der wenig begeistert wirkte. Er lächelte freundlich und mürrisch wurde ihm der Bogen aus der Hand gerissen. Er verkniff sich das Lachen und stellte sich hinter seinen Schützling.

"Du musst dich nur konzentrieren. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und selbst ich musste zielen lernen", erklärte er ruhig und drückte die Schultern Túrins, der wieder den Bogen zu spannen begann.

"Glaub ich nicht!"

Beleg konnte ein Lachen nicht mehr verhindern. Kinder waren etwas Wundervolles und es war vollkommen egal, welchem Volk sie zugehörig waren.

"Du kannst Mablung fragen, wenn du willst, Túrin. Ich habe anfangs mehr Pfeile ins Nichts geschossen, als ich zählen kann."

Ein ungläubiges Schnauben erklang und Túrin legte den Pfeil an. Beleg sah, wie sehr der Arm des Jungen zitterte, weshalb er in Gedanken schon einen weiteren Punkt auf die Liste setzte, was er noch tun musste. Einen weniger starken Bogen bauen zum Beispiel. Leise sagte er ihm, wie er den Bogen halten musste, seitlich dastehen, Füße parallel, gerader Rücken und den Pfeilschaft bis zum Ohr ziehen.

Sie übten und übten bis Túrin mit seinem letzten Pfeil, den Rand der Zielscheibe traf und jubelnd sich umdrehte. Arme legten sich um seine Oberschenkel und er spürte, wie das Kind sich an ihn schmiegte und lachte. Mit seinen zehn Jahren, war der Junge noch jung genug, dass Beleg ihn sich einfach schnappte und hochhob. Die Augen funkelten wie blaue Sterne voller Freude.

Ihm wurde warm ums Herz und Beleg drückte Túrin nur einen Kuss auf die Stirn.

~*~


Federn waren in seine silberweißen Haare eingeflochten, ebenso auch blaue Leberblümchen, die sich stark von seiner Haarfarbe abhoben. Túrin schlief in seinen Armen, während er hoffte, dass niemand hereinkam und sie sah. Sein Schützling hatte solange geschmollt, bis Beleg nicht mehr nein sagen konnte und zuließ, dass der Junge seine Haare neu flocht und die Federn und Frühlingsboten hineingab.

Dass Leberblümchen auch noch Túrins Lieblingsblumen waren, half nur bedingt, etwas gegen das Chaos auf seinem Kopf zu tun. Er brummte leise, bevor er selbst immer mehr zum Wegdämmern begann, nicht bemerkend, wie sich genau jetzt die Tür öffnete und ein überraschter Laut dem Eindringling entfloh.

Doch dann überzog ein breites Lächeln das Gesicht des Ellons und er ging durch den Raum, um sich die Decke zu schnappen, die über einem der Stühle hing, und über Beleg und Túrin zu legen. Elu Thingol wusste, wie es war, wenn Kinder einen um die Finger wickelten, hatte er doch selbst zwei solcher Rabauken. Und es war nur gut, wenn der Junge eine Vaterfigur hatte, die sich intensiv mit ihm beschäftigte und von seinem Verlust ablenkte. Beleg schien mehr Zugang zu ihm zu bekommen als er selbst, was ihn mit milder Trauer erfüllte, doch besser Beleg als gar niemand.

Es war nur eine Schande, dass er das Bild nicht festhalten konnte, Belegs Flechtwerk sah auch gar reizend aus und würde sicher noch einen Kommentar von ihm bekommen.

~*~


Doriaths bester Schütze lief der Fährte hinterher, der ersten seit Wochen. Hoffnung hatte sich wieder in seinem Herz eingenistet, dass er seinen Freund und Jungen wiederfand. Túrins verschwinden war nicht spurlos an allen vorbeigegangen und die Art und Weise wie es geschehen war, hatte fast für einen Krieg gesorgt, der nur durch viel Reden und Beschwichtigen verhindert worden war.

Offiziell war Túrin das Mündel seines Königs, inoffiziell jedoch mehr seines und er sah den Burschen als Familie an. Geschwind trugen ihn seine Füße und das Laub knisterte unter seinen Schritten. Er erinnerte sich zu gut an das erste Treffen, wo er sie halb verhungert und erfroren in den äußersten Wäldern Doriaths gefunden hatte. Er erinnerte sich, wie sich der Junge eng an ihn geschmiegt hatte, nach Wärme suchend und verängstigt. Er erinnerte sich, wie vertrauensvoll Túrin als Kind gewesen war.

Der Schmerz ob des Verlustes fraß ihn halb auf.

Wieso war Túrin weggerannt?

Thingol hätte ihm vergeben, trotz der Schwierigkeiten, die dies nach sich gezogen hätte. Es war ein Unfall und noch dazu ein selbstverschuldeter von Saeros, auch wenn die Nandor das nicht hören wollten. Viele plädierten auf ein Verlassen der Wälder, da Thingol sie schon wieder im Stich ließe, wie schon einst bei Denethor.

Er hätte seinem Schützling vergeben.

Doch jetzt musste er ihn erst finden. Er hatte Gerüchte von Männern im Westen gehört, die Orks jagten und das Gebiet hielten. Er hoffte, dass Túrin dort war. Er hatte auch gehört, dass der Führer dieser Männer Neithan hieß, was seinen Verdacht bestärkte. Hochgewachsen, dunkelhaarig mit stechenden Augen war die Beschreibung gewesen und es traf so sehr auf seinen Freund zu, dass er es eigentlich nur sein konnte. Er musste…

Beleg machte sich Vorwürfe, dass er nicht schneller an Túrins Seite gewesen war, dass er nicht rechtzeitig eingreifen hatte können und noch mehr, dass er ihm nicht hatte sagen können, dass Thingol ihn liebte und verzeihen würde. Sein König hatte nicht jahrelang Briefe mit Túrins Mutter geschrieben, weil er wollte. Er hatte es für den Jungen getan und auch um ihm dabei zu helfen, über den Schmerz hinwegzukommen, dass seine Mutter das Angebot nach Doriath zu reisen, abgelehnt hatte.

Er wusste, wie sehr Túrin darunter gelitten hatte, dass seine Mutter sich und seine kleine Schwester nicht in Sicherheit bringen wollte, dass sie ihn indirekt abgeschoben hatte, obwohl sie nur ihn als Húrins Erben geschützt wissen wollte. Beleg verstand die Gedanken und Gefühle seines Schützlings nur zu genau. Es war für ein Kind schwer zu begreifen, warum die eigene Mutter nicht zu ihm zu kommen wünschte.

Um ehrlich zu sein hatte Beleg dies auch nie verstanden. Er mochte zwar noch keine Elleth gefunden haben, die mehr als freundschaftliche Gefühle in ihm auslöste, aber er liebte Kinder mehr als alles andere. Wenn er eigene Kinder hätte, er würde alles unternehmen, um diese zu schützen und bei ihnen zu sein. Sie brauchten Eltern und deren Rückhalt und Fremde konnten niemals das Gefühl vermitteln, welches die eigenen Eltern einem gaben. Er hatte zu oft Waisenkinder gesehen, die ihre Zieheltern nach den leiblichen fragten oder Freunde und Bekannte ihrer Eltern aufsuchten. Sie waren, durch die Verbindung der Mutter mit dem Vater, mit diesen verbunden und wie oft hatten sie nicht gesehen, was bestimmte Dinge vor der Geburt für Auswirkungen auf das Kind hatten. Sie nahmen alles wahr und fühlten gerade bei der Mutter deren Emotionen.

Natürlich war Beleg bewusst, dass die Zweitgeborenen nicht die vorgeburtliche Prägung verstanden und ihr auch wenig Beachtung schenkten. Einer der Gründe, warum sein eigenes Volk darauf achtete, dass die werdenden Mütter immer umsorgt wurden und nicht zu viel Stress ausgesetzt waren. Dasselbe Prinzip war auch bei den Goldor, die es nur noch extremer hielten. Keine Kinder in Kriegszeiten, nur in Zeiten des Friedens. Welcher in der Art und Weise wie die Goldor es wünschten in Beleriand nie existieren würde. Frieden war, was man daraus machte. Er würde niemals so sein, wie der in Valinor, wo die Valar ihn aufrecht hielten. So verdammten die hohen Prinzen ihr Volk, wenn sie warteten bis es so war, wie einst in ihrer alten Heimat. Ihr Volk würde so untergehen.

Ein Rascheln zu seiner Linken ließ ihn aufhorchen und er folgte dem Geräusch bis er vor einem Bach stand. Fußabdrücke waren im weichen Boden zu erkennen und die ersten Frühlingsboten sprossen. Blaue Leberblümchen und weiße Schneeglocken gaben dem noch braunen Wald Farbe und riefen Erinnerungen an verblichene Frühlinge hervor, an einen Jungen, der voller Wunder die Umgebung und die düsteren Erfahrungen vergaß und mit leuchtenden Augen von einem Farbfleck zum nächsten rannte.

Er rannte weiter und folgte den Spuren durch den Wald und es schien ihm, dass Larnach die Wahrheit erzählt hatte, als er von Wolfmännern sprach. Wie die grauen Jäger waren die Spuren nur leicht erkennbar, ungewöhnlich für Menschen und nur im weichen Boden deutlich zuordenbar.

So vergingen Tage und Beleg suchte immer fort, stetig und voller Geduld, seinen Ziehsohn und Freund zu finden. Erschöpfung befiel ihn des Nachts und ließ ihn wie tot schlafen und Ruhelosigkeit hielt ihn auf den Beinen. Doch dann hörte er in der Ferne Stimmen und er schlich sich an. Männer waren dort, wild und rau, die in einer Höhle ihr Lager aufgeschlagen hatten. Er erkannte die Zeichen und steckte alle Waffen weg und ging mir offenen, gut erkennbar leeren Händen auf sie zu. Erleichterung erfüllte ihn, dass er endlich gefunden haben dürfte, wonach er so lange gesucht hatte.

Doch sie erschraken und plötzlich wurde er von hinten gepackt und seine Arme verdreht. Schmerzerfüllt keuchte er leise auf und drehte seinen Kopf so, dass er seinen Angreifer erkennen konnte.

"Wenn Ihr keine Gäste wünscht, solltet Ihr besser Acht geben. Weshalb also heißt Ihr mich so willkommen? Ich komme als Freund und suche einen Freund. Ich hörte, Ihr nennt ihn Neithan", sagte er und bewegte sich etwas, um der unangenehmen Position zu entkommen. Doch der Mann packte ihn noch fester und drehte seine Arme noch mehr.

"Er ist nicht hier. Aber woher kennt Ihr seinen Namen, wenn Ihr uns nicht ausspioniert habt?", kam misstrauisch von einem hellhaarigen Mann mittleren Alters. Er wollte schon antworten und von Lanarch und seiner Tochter erzählen, doch sein Angreifer kam ihm zuvor. Seine Situation wurde nicht besser und man wollte ihn gar erschlagen, aber zu seinem Glück waren es genug, die gegen solch ein Vorgehen waren. Er wurde fest an Händen und Füßen an einen Baum gefesselt und eingehend befragt, doch er konnte nicht mehr antworten, als dass er Neithan suchte und dessen Freund aus Kindheitstagen war.

Je länger er stand, desto mehr schliefen ihm die Glieder ein und er schloss für einen Moment die Augen. Er hoffte, dass Túrin bald kommen würde. Doch eine Ewigkeit schien die Zeit zu sein, Wasser und Essen verweigerten sie ihm und er gab die Hoffnung auf. Túrin kam nicht und er würde durch die Hand der Männer sterben, die mit seinen Antworten nicht zufrieden waren.

Er hatte versagt.
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