Undercover

von Huelk
GeschichteRomanze / P12 Slash
Jacques Villeneuve Jenson Button
01.03.2015
01.03.2015
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Kommentar: Heute mal etwas Längeres mit Jacques und Jenson. Gut möglich, dass mich gerade wieder ein bisschen das nostalgische Fieber ergriffen hat, aber irgendwie mag ich die beiden nach all den Jahren immer noch. Ich hoffe, dass ich Euch mit den zwei auch eine kleine Freude machen kann. :)

Disclaimer: Der Inhalt dieses Oneshots basiert nicht auf Tatsachen. Alle Ereignisse entspringen lediglich meiner eigenen Phantasie. Ich kenne keine der hier genannten Personen, ich verdiene kein Geld damit und möchte auch niemandem zu nahe treten.





Undercover



Imola, San Marino
25. April 2004


Bestimmt war das keine gute Idee.
Bestimmt war das sogar eine ganz blöde Idee.
Aber was sollte er denn bitteschön tun? Er vermisste seinen großen Kleinen. Er vermisste ihn mehr, als ihm lieb war. Dabei hatte er ihm versprochen, dass sich nichts ändern würde, dass sie sich trotzdem noch sehen konnten und nun war die Saison bereits vier Rennen alt und er hatte sich nicht ein einziges Mal bei seinem Lieblingsbriten sehen lassen.

Jacques musste einsehen, dass es in der vergangenen Saison leichter für sie gewesen war. Als sie gemeinsam für BAR Honda fuhren, als sie sich ab und zu das Zimmer teilen konnten, als sie immer mal wieder zwischen Trainings- und Interviewstress irgendwie Zeit für einander gefunden hatten. Es hätte alles so bleiben können. Es wäre perfekt gewesen, wenn...
Ja, wenn er nicht diese leidigen Streitereien mit Richards, ihrem Teamchef, gehabt hätte. Der Kanadier verstand es bis heute nicht. Er hatte das Team mit aufgebaut, es war bis zu einem gewissen Grad auch sein Team gewesen, aber Richards hatte ihn ja schon immer raus haben wollen, dessen war er sich sicher. Warum auch immer. Er hatte dazu zwar seine Theorien, aber... er wollte nicht mehr darüber nachdenken. Er konnte es sowieso nicht mehr ändern.

Es schmerzte nun zu sehen, dass das Team ohne ihn scheinbar wirklich einen Schritt nach vorn machen konnte. Es schmerzte, dass regelmäßige Podiumsplätze nun scheinbar möglich waren. Vielleicht hatte er deshalb so lange gewartet. Weil er Jenson den Erfolg nicht neiden wollte, weil er keine Missstimmung streuen wollte, wenn der Jüngere sich über seine guten Rennergebnisse freute.
Er wusste, dass Jenson die beiden dritten Plätze in Malaysia und Bahrain mehr als verdient hatte, er wusste, dass der Brite mindestens genauso talentiert war, wie er selbst. Trotzdem würde er lügen, wenn er behauptete, dass er diese Erfolge für das Honda-Team gern selbst gefeiert hätte. Von ihm hatte man sich nach seiner Meisterschaft vor sieben Jahren auch viel versprochen und dann hatten sie ihm das Gefühl gegeben, als habe er sie alle enttäuscht.


Aber eigentlich hatten diese Gedanken gerade gar keinen Platz in seinem Kopf. Viel wichtiger war, dass er unerkannt blieb, dass niemand ihm auf die Schliche kam. Immerhin versuchte er sich hier gerade in ein Team einzuschleichen, dem er fünf Jahre lang die Treue gehalten und das sich nach seinem Abgang nicht großartig verändert hatte.
Allerdings wäre er auch nicht Jacques Villeneuve, wenn er nicht in der Lage wäre, sein Äußeres drastisch zu verändern. Er hoffte, dass der Schritt weg von den wasserstoffblonden Haaren, zurück zu seiner Naturhaarfarbe ausreichte. Er hoffte, dass dieses furchtbare Brillengestell seine Tarnung noch ein bisschen besser machte. Er hoffte, dass niemand bemerken würde, dass die Team-Cap, die er sich weit ins Gesicht gezogen hatte, noch aus dem Vorjahr stammte.

Eigentlich war es Wahnsinn was er hier versuchte und ihm war auch nicht wohl dabei, während er sich so unauffällig wie möglich in den Boxenbereich seines ehemaligen Rennstalls zu schleichen versuchte.
Wenigstens übertönte das Gegröle der Mechaniker-Crew sämtliche Nebengeräusche. Jenson hatte diesmal sogar einen zweiten Platz geholt und das waren somit schon drei Podiums in Folge. Dass die Stimmung ausgelassen war, sollte ihn also nicht wundern.
Er musste auch gar nicht lange suchen, um Jenson auszumachen, der sich inmitten seiner feierwütigen Crew befand und das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht bekam. Er hatte es immer geliebt, wenn der Jüngere so unbeschwert gestrahlt hatte...

Plötzlich meldete sich wieder das schlechte Gewissen zu Wort, während er sich an den Rand der Box drängte und sich bemühte, möglichst unscheinbar zu wirken. Er dachte darüber nach, wie Richards ihn gegen Ende der Saison immer wieder mit den Vertragsverhandlungen zappeln gelassen hatte. Immer wieder hatte der Teamchef sie verschoben, hatte Ausreden erfunden, warum sie das noch nicht geklärt hatten.
Er hatte wieder für BAR an den Start gehen wollen. Unbedingt sogar. Er hatte weiter mit Jenson gemeinsam fahren wollen. Nicht zuletzt, weil ihn der Jüngere selbst darum gebeten hatte. Also hatte er versucht geduldig zu sein, hatte vorgegeben Verständnis zu haben, nur um Richards milde zu stimmen. Aber als dieser ihm dann kurz vor dem letzten Rennen eröffnet hatte, dass er keinen Vertrag bekommen würde, zu einem Zeitpunkt, als alle Transfers der Top-Teams bereits abgeschlossen waren, hatte der Kanadier die Beherrschung verloren. Es hatte einen weiteren, heftigen Streit mit Richards gegeben und er war so enttäuscht von ihm gewesen, dass er auf das letzte Rennen verzichtet hatte.
Er hatte seine Wut nicht verbergen können. Er hatte damit nicht umgehen können und er hatte in dem Moment, als er sich entschied, nicht an den Start zu gehen nicht darüber nachgedacht, dass er Jenson damit verletzen könnte. Nicht unbedingt damit, dass er nicht antreten wollte, das hatte der Brite durchaus verstanden, aber dass er sich nicht von ihm verabschiedet hatte, dass er zugelassen hatte, dass seine eigene Enttäuschung zwischen ihnen stand...
Die offene Traurigkeit in den großen, blauen Augen war nicht zu übersehen gewesen. So niedergeschlagen hatte er Jenson zuvor noch nie erlebt. Aber als er ihm gesagt hatte, dass er nicht mit nach Japan reisen würde, dass er keinen Tag länger zu diesem Team gehören wollte und Abstand brauchte, hatte Jenson derart unglücklich geguckt, dass es ihm die Kehle zugeschnürt hatte. Für einen Moment hatte er geglaubt, nicht mehr atmen zu können. Besonders, als sich der Jüngere zu diesem unechten Lächeln gezwungen und vorgegeben hatte, es verstehen zu können.

Jacques biss sich fest auf die Lippe. Jenson hatte es nicht verstanden. Die Umstände vielleicht, aber nicht, dass er ihn allein gelassen hatte, nicht, dass er einfach fort gewesen war und ganz sicher verstand der Brite auch nicht, weshalb er seitdem nichts außer ein paar Anrufe von ihm bekommen hatte.
Er wollte es wieder gut machen. Er wollte Jenson beweisen, dass er ihm noch immer wichtig war, dass sich an ihren Gefühlen nichts geändert hatte. Er wollte ihm beweisen, dass es auch so funktionieren konnte, aber dafür musste er sich endlich zusammenreißen und aufhören, berufliche Niederlagen mit in sein Privatleben zu lassen.


Er hatte keine Ahnung, wie lange er in der Ecke gestanden und auf einen passenden Augenblick gewartet hatte. Er wollte schließlich kein Aufsehen erregen. Er wusste schließlich nicht, wie der Rest des Teams auf ihn reagieren würde. Ehrlicherweise wusste er ja nicht einmal, wie Jenson auf ihn reagieren würde.
Er wartete, bis sich die Lautstärke etwas herunter gefahren hatte. Er wartete, bis alle Jenson zu seinem zweiten Platz gratuliert und jeder sein Erinnerungsfoto an diesen weiteren, erfolgreichen Tag für das Honda-Team, gemacht hatte.

Fast schon kam es dem Kanadier so vor, als wäre er bereits mit der Umgebung verschmolzen, als er sah, wie Jenson direkt in seine Richtung kam. Sicher um die Box zu verlassen, etwas Entspannung und Ruhe zu finden, bevor er ins Hotel zurück fuhr, um sich noch ausgiebig feiern zu lassen.
„Bist da oben jetzt Stammgast, was?“, wandte er sich an den Briten, als dieser mit ihm auf einer Höhe war und augenblicklich inne hielt, ihn etwas ungläubig von oben anstarrte. Er konnte nicht anders, als über Jensons Gesichtsausdruck zu lachen. So entsetzt müsste er doch nun wirklich nicht gucken!
Er beobachtete, wie Jenson sich rasch umsah, dann wieder ihn anblickte und ein paar Mal blinzelte, als könnte er nicht glauben, was er sah. „Jacques?“, brachte er ein bisschen atemlos und stockend hervor. „Was... wie bist du...?“

Zu niedlich, wenn Jenson überrascht war. Damit verschlimmerte er den Drang des Älteren, ihn belustigt, aber gutmütig auszulachen, nur noch mehr. „Geht's noch ein bisschen auffälliger?“, raunte der Kanadier ihm belustigt zu und versuchte sich einfach der Gesten und Worte anzupassen, mit denen ihn die Mechaniker auch schon begegnet waren. „Glückwunsch zum zweiten Platz.“
„D-danke...“, brachte Jenson geradeso hervor, als er von seinem ehemaligen Teamkollegen in eine feste Umarmung gezogen wurde. Als Jacques ihn wieder losgelassen hatte, sah er allerdings noch immer ziemlich perplex aus. „Ich hätte nur nicht damit gerechnet dass du... dass du... nun ja...“

Innerlich amüsierte er sich noch viel mehr. Es passierte nicht sehr oft, dass ausgerechnet Jenson Button nicht wusste, was er sagen sollte. Er konnte nicht verhindern, dass sein Grinsen noch breiter wurde, als er sagte: „Was? Dass ich Undercover gehe, nur um dich wieder zu sehen?“
Jenson machte Anstalten, augenblicklich den Kopf zu schütteln, nickte dann allerdings und zuckte schließlich mit den Schultern. „Ja, so ungefähr... ich meine... Ich dachte du willst mit dem Team nichts mehr zu tun haben.“

Er warf einen prüfenden Blick auf ihre Umgebung um sicherzugehen, dass gerade wirklich niemand auf sie achtete. Es war in der Tat nicht der beste Ort, um solche Dinge zu besprechen, aber er hatte das nicht länger aufschieben können. Die Sehnsucht nach Jenson war einfach viel zu groß geworden.
„Du bist ja nicht das Team“, gab er schließlich zurück und sah Jenson dabei fest in die Augen. „Es ist ja nicht deine Schuld, dass es so gekommen ist. Es ist nicht fair, wenn ich deshalb nicht mehr mit dir rede oder dir aus dem Weg gehe. Ich meine, es muss doch nichts an uns ändern.“
Kaum hatte er das ausgesprochen und kaum wurde ihm bewusst, was er eben gesagt hatte, machte Jenson genau die großen Augen, die er, überrascht über sich selbst, auch erwartete. Es sah ihm gar nicht ähnlich, so etwas zu sagen, aber... Es war nun einmal die Wahrheit.

Mit einem Mal aber war da wieder dieses traurige Lächeln auf Jensons Züge, dass da gar nicht hingehörte, das er niemals dort hatte sehen wollen. Der Brite sollte nicht traurig sein. Vor allem wollte er nicht der Grund dafür sein, dass Jenson niedergeschlagen war.
„Was ist?“, fragte er den Jüngeren. So schlimm waren seine Worte doch nicht gewesen. Sonst brachte er so ehrliche Liebesgeständnisse nur zusammen, wenn er sich etwas Mut angetrunken hatte.

Dass Jenson sich so unbehaglich auf die Lippe biss, machte es nicht besser. Was hatte sein Kleiner, der größer war, denn auf einmal?
„Irgendwie ist es ja schon meine Schuld“, räumte Jenson plötzlich ein und der Kanadier verstand überhaupt nicht, wie er darauf kam. Weshalb sollte es Jensons Schuld sein, dass er seit Jahren mehr oder weniger Streit mit Richards hatte?
Er konnte nichts weiter tun, als Jenson fragend anzusehen. Das musste er ihm erklären.

„Ich habe dich doch darum gebeten, erinnerst du dich? In Hockenheim. Als wir festgestellt haben, dass wir irgendwie nur abwechselnd die Punkteränge erreichen können“, erinnerte Jenson ihn. Daran konnte er sich auch noch erinnern. Es war wirklich ein Fluch gewesen, aber tatsächlich hatten sie es in der ganzen Saison nicht ein einziges Mal vollbracht, beide unter die ersten Acht zu kommen. Es war wie verhext gewesen.
Aber... „Deswegen bist du doch noch lange nicht Schuld“, warf Jacques ein. Es hatte ihm doch nur gezeigt, dass er dem Jüngeren wirklich etwas bedeutete, dass er nicht wollte, dass sie voneinander getrennt waren. Daran war doch nichts Schlechtes.

„Doch. Wenn du nicht mir zu liebe gewartet hättest, bis es zu spät war, dann hättest du vielleicht noch ein Cockpit irgendwo anders bekommen. Dann hätte ich dir deine Karriere nicht so kaputt gemacht“, erklärte Jenson und es brach ihm fast das Herz, ihn so bedrückt zu sehen.
Dachte er das wirklich? Dachte er, dass er ihm damit seine Karriere zerstört hätte? Das war doch Unsinn!

Noch einmal ließ er seinen Blick durch die Box schweifen. Herrlich, wie unauffällig man in einer großen Gruppe auffallen konnte. Ergab das überhaupt Sinn? Vermutlich nicht, aber das war auch völlig egal. Er zog Jenson noch ein Stück dichter zu sich. Der Vorteil an der Größe des Briten war, dass er nahezu vollständig hinter ihm verschwinden konnte.
„Du hast mir gar nichts kaputt gemacht. Gut, es mag Schöneres geben, als für Briatores Protzteam den Testhammel zu machen“, zufrieden registrierte er, dass Jenson bei diesen Worten leise lachen musste, „aber deswegen ist meine Karriere doch nicht vorbei. Wer weiß, vielleicht bin ich nächste Saison schon wieder ganz vorn mit dabei. Also mach dir deswegen keine Sorgen. Wenn einer was verbockt hat, dann Richards aber nicht du.“

Endlich. Da war es wieder. Dieses offene und ehrliche Lächeln auf Jensons Lippen, das er so sehr liebte. So wollte er ihn immer sehen. So war seine kleine Welt in Ordnung.
Langsam sollte er allerdings wirklich zusehen, dass er hier wegkam. Er hatte schon viel zu viel riskiert und er wollte Jenson nicht in Schwierigkeiten bringen. So eine Aktion könnte durchaus ebenso Konsequenzen für den Briten haben. Vor allem dann, wenn ihnen keine vernünftige Erklärung dafür einfiel, und wie konnte man schon vernünftig begründen, sich bei einem anderen Team einzuschleichen, nur um seinem alten Teamkollegen zum Podium zu gratulieren? Das hätte er auch bei anderen Gelegenheiten tun können, aber...
Er wollte einfach etwas tun, womit er Jenson beweisen konnte, dass er ihm noch wichtig war. Er wollte etwas tun, womit er zeigen konnte, dass er bereit wäre alles für seinen Briten zu tun und er hatte das wirklich gute Gefühl, dass ihm das gelungen war.

„Sehen wir uns nachher?“, fragte Jacques also, wurde dabei noch leiser. Das war schließlich ein Geheimnis, das sie mit niemandem teilen wollten. Was sie taten, wenn sie gemeinsam auf einem Hotelzimmer waren, war ganz allein ihre Sache.
Jenson nickte sofort eifrig, strahlte über das ganze Gesicht, als seien Weihnachten und Ostern soeben auf ein und denselben Tag gefallen. „Klar! In welchem Hotel bist du? Welche Zimmernummer? Oder willst du lieber noch mal auf Mr. Undercover machen?“
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