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Ribbon Game

GeschichteFreundschaft, Übernatürlich / P16
Akashi Seijūro Kagami Taiga Kuroko Tetsuya OC (Own Character)
28.02.2015
27.12.2015
44
54.281
22
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15.10.2015 1.418
 
Seit einer Stunde saß ich nun schon an die Tür gelehnt und dachte darüber nach, was mit mir passieren würde, wenn ich es nicht innerhalb der Frist schaffen sollte, meine Schleifen zu binden. Zugegeben hatte ich Angst davor, dass das passieren könnte, aber ich hatte eine Chance zum Weiterleben. Ich musste nur mehr trainieren und mit meiner Mannschaft Akashis besiegen. Es würde niemals leicht werden, aber man konnte das Beste daraus machen. Ich hatte es immerhin Kuroko versprochen, dass wir den Winter Cup gewinnen würden und dieses wollte ich auf keinen Fall brechen geschweige denn nicht erfüllen. Das, was Kuroko die ganzen Jahre durchgemacht hatte, war beachtlich und er hatte sicherlich unter viel zu viel Druck gestanden. Es war an der Zeit, ihm ein wenig davon abzunehmen und diesen zu meinem eigenen zu machen.

Zwar war es schon relativ dunkel draußen, aber ich konnte nun auch nicht mehr an mich halten, schnappte mir meinen Basketball und lief zu meinem Basketballplatz, denn nie einer besuchen kam, um mich von diesem grausamen Gedanken abzulenken. Immerhin wollte ich für die anderen keine Last sein und ihnen helfen. Wie erwartet kam dort keiner vorbei und ich hatte mehr als genug Zeit, um zu spielen. Um diese Uhrzeit würde nie jemand nach draußen gehen, außer ich, denn ich hatte ein Ziel, dass ich dringendst erreichen wollte. Und irgendwie diente dieses Street Spiel auch dazu, meine Angst zu vertreiben. Sie einzuschließen, sie zu verbannen. Immer wieder rief ich mir ins Gedächtnis, dass ich es niemandem sagen durfte, um sie nicht zu gefährden. Ich durfte sie nicht gefährden, musste so tun, als wäre alles in Ordnung.

Als mein Bruder mir diese Bänder damals geschenkt hatte, die meine Augenfarbe verbergen sollten und auch die Kraft in meinem Inneren versiegeln sollten, hatte ich gedacht, wenn sie mich stören würden, könnte ich sie einfach abnehmen und alles wäre gut, doch dem war nicht so. Immer wenn ich sie abnahm, ob jetzt beim Duschen oder sonst wo, spürte ich die Kraft, die sich in meinen Körper mit Gewalt drängte. Sie war mittlerweile so stark, dass schon die halbe Menge davon ausreichte, um mich die Besinnung verlieren zu lassen. Sollte ich sie ganz benutzen und aufbrauchen, würde mein Körper überbeansprucht werden, was die Blutgefäße in meinem Körper platzen lassen würde und so auch innere Blutungen vorkommen könnten, die mich sterben lassen würden. Deshalb hatte ich seit damals mit meinem Bruder darüber gesprochen und konnte, wenn ich es wollte, sie nur für kurze Zeit abnehmen. Auch während ich schlief konnte ich nicht auf die Bänder verzichten. Und das hatte in meiner alten Schule niemand gewusst. Die Mitschüler achteten nur auf das Aussehen und was ihnen nicht gefiel, änderten sie selbst. So kam es schon häufiger vor, dass sich viele auf mich gestürzt hatten und mir die Schleifen abreißen wollten. Hätte ich von meinem Bruder keine Selbstverteidigung erlernt, wäre ich wahrscheinlich gar nicht mehr hier.

Diese Gedanken kamen mir immer wieder, aber ich spielte einfach weiter und bemerkte gar nicht, wie sich jemand an den Zaun gestellt hatte und mir zuschaute. Ich hatte auch nicht bemerkt, wie ich unter dem ganzen Druck wieder angefangen hatte zu weinen und als ich den Korb nicht traf, sank ich auf die Knie und hielt meinen Kopf nach unten gesenkt. Der Ball rollte irgendwo hin, aber ich wusste nicht wo, mir war es egal. Mir war gerade einfach alles egal.  Wie lange sollte das denn noch so weitergehen? Wie lange konnte ich das ganze in mir noch festhalten, ohne damit vor den anderen herauszuplatzen und zu sagen: „Wenn ich meine Kraft aufbrauche, werde ich sterben.“ Niemanden wollte ich verunsichern, doch durch diese Gedanken machte ich mich selbst zu einem lebenden Wrack, das es nicht einmal hinbekam, vernünftig Körbe zu werfen. Wieso musste die Welt eigentlich so grausam sein? Wieso musste das Leben der meisten Menschen so grausam sein? Ich fand auf diese Fragen einfach keine Antwort. Vielleicht gab es sie auch gar nicht. Aber wenn es sie gäbe, hätte ich die Gründe dafür gerne erfahren, um es rückgängig zu machen. Manchmal wünschte ich mir, ich könnte einfach nur ein ganz normaler Mensch sein, der nicht um jede Kleinigkeit Angst haben musste. Vorsichtig griff ich an den leichten Stoff der weißen Schleife. Ich liebte diese Schleifen. Sie waren das Andenken meines nun verschwundenen Bruders. Ich wusste nicht, ob ich ihn je wiedersehen würde und dennoch wünschte ich es mir aus ganzen Herzen. Und mit diesem Wunsch im Herzen schaute ich in den Himmel hinauf.

„Habt ihr noch Fragen?“, hakte Riko nach, doch wir schüttelten nur die Köpfe. „Schön, dann wiederhole ich es noch einmal: Die Startaufstellung ist wie immer, es hat sich nichts verändert. Heißt also: Teppei, Hyuuga, Izuki, Kagami und Kuroko. Ihr seid zuerst dran. Da es aber Teppei nicht so gut geht, wegen seinem Bein, werde ich darauf im ersten Viertel achten und ihn gegebenenfalls nach dem ersten Viertel auswechseln lassen. Satsuki-chan wird dann eingewechselt. Die anderen haben die Aufgabe anzufeuern, aber das wird sowieso klar sein. Satsuki-chan, achte bitte im ersten Viertel nur auf Kise, die anderen Kameraden lässt du außen vor. Vielleicht fällt uns ja noch etwas auf. Alles klar?“ „Jup!“ „Dann lasst das Halbfinale beginnen“, meinte Riko und setzte sich mit uns in Bewegung.

Die Halle war sehr gut gefüllt, fast alle Plätze waren belegt und auch Kaijo war schon auf dem Feld und spielte sich warm. Kise schien sehr erfreut zu sein, denn als er Kagami und Kuroko erblickte lief er zu ihnen , sehr zum Missfallen seines Captains Kasamatsu, der ihn anbrüllte, doch es kümmerte den Blondschopf nicht sonderlich, er unterhielt sich trotzdem und zu meiner Überraschung sah ich Kuroko lächeln. Im Gegensatz zu den anderen Wundern sah es so aus, als hätte Kise schon seine Niederlage erfahren und hatte den Weg zum Teamspiel zurückgefunden. Er sah sich um und als er mich erblickte schaute er etwas düster, oder bildete ich mir das nur ein? Kurz darauf winkte er jedoch freundlich und schien gute Laune zu haben.

Eine Viertel Stunde darauf begann dann das Spiel. Beide Mannschaften stellten sich auf und zum ersten Wurf stellten sich wie immer Kagami und Kise bereit, da sie die größten waren. Der erste Ball ging an Seirin und wurde ganz genau eingekorbt. Auch die nächsten Bälle gingen ins Netz und irgendwie hatte ich das komische Gefühl, dass Kaijo etwas plante und das sollte sich später als wahr herausstellen. Ich war mir zu hundert Prozent sicher, dass sie etwas planten. Ich konnte es theoretisch schon an ihren Gesichtern ablesen.

Sie machten es Seirin zu leicht und das sollten auch meine Freunde schon bemerkt haben. Anscheinend hatten sie es denn sie beeilten sich mit Punkten. Mir war klar, dass Kaijo ihnen einen Vorteil ließ und in den nächsten Vierteln erst etwas zeigen würden. Bis dahin mussten wir uns vorarbeiten.  Teppei war nicht sehr gut in Form, weshalb Kuroko und Teppei die Positionen tauschten. Kuroko war nun in der Offensive, Teppei in der Defensive. Ein paar Punkte wurden noch geholt, bis das erste Viertel vorbei war und sich alle anderen kurz ausruhten. Etwas stimmte hier ganz und gar nicht und ich sah mit einer Gänsehaut zu Kise, der mich unentwegt anstarrte. Ich fragte mich, was ich ihm wohl getan hatte?

Riko sprach mit dem Mann am Spielfeldrand wegen des Auswechselns und kam kurz danach wieder. Ich hatte mich in der Zeit warmgemacht und betrat nun unter dem Protest der Zuschauer das Feld. Jedoch interessierte es mich nicht. Ich stellte mich auf meine Position und wartete,  bis angepfiffen wurde. Doch kaum war das getan, schnappte sich Kise den Ball und spielte so scharf an mir vorbei, dass ich das Gleichgewicht verlor und Bekanntschaft mit dem Boden machte.

Kise machte einen Dreier und sah danach auf mich herab. Seine Augen loderten. Er hatte bereits die Zone aktiviert. Er begann also jetzt schon seine Fähigkeit auszuspielen. „Ich habe lange trainiert, seit mich Kurokocchi das letzte Mal geschlagen hat und ich habe nicht vor, hier und heute wieder zu verlieren, also mach dich auf etwas gefasst. Ich mache es dir nicht leicht. Wir werden euch nämlich überragen, das habe ich damals auch schon Kagamicchi versprochen. Es sollte eigentlich ein lustiges Spiel werden. Aber jetzt, wo du hier bist, geht alles den Bach runter. Hast du keine Schuldgefühle?“ Ich sah ihn geschockt an. „Ich hab dich gesehen. Vor einer Woche.“ Er ging nah an mir vorbei und flüsterte mir unauffällig ins Ohr. „Hast du keine Schuldgefühle, dass du deine Freunde reihum anlügst und sie im Glauben lässt, alles wäre gut?“
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