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Ribbon Game

GeschichteFreundschaft, Übernatürlich / P16
Akashi Seijūro Kagami Taiga Kuroko Tetsuya OC (Own Character)
28.02.2015
27.12.2015
44
54.281
22
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28.02.2015 1.012
 
MEETING

Ich stand ihm direkt gegenüber. Er war größer als ich und irgendwie angsteinflößend. Dennoch wollte ich schon immer einmal gegen ihn spielen. Gegen ihn und seine ganze Mannschaft. Denn wenn sie bisher soweit gekommen waren, dann waren sie stark. Das Finale würde spannend werden. Darin bestand kein Zweifel …

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„Da ist sie. Die Schleifenträgerin!“, rief jemand aus meiner Klasse. „Woah, heute sieht sie wieder besonders hässlich aus!“, stimmte ihm ein Mädchen zu.
Nicht, dass es nur heute so war. Nein, es war jeden Schultag so. Eigentlich sogar jeden Tag.

Aber wer würde sich nicht wundern, wenn ein Mädchen mit zwei weißen Schleifen rechts und links im Haar knapp über dem Ohr in der Gegend herumlief?

Die Schleifen hatten bei mir eine besondere Bedeutung, und ich würde sie, außer beim Schlafen, nicht abnehmen. Sie machten mich besonders und unterschieden mich von allen anderen an dieser Schule, denn niemand sonst trug hier Schleifen. Ich ließ mir nicht sagen, wie ich mich anzuziehen hatte, es war mein persönliches Geheimnis und ich würde es niemandem preisgeben, dem ich nicht vertraute.

Es war nicht so, dass ich mit Bauchschmerzen in die Schule ging, weil mich alle anderen entweder Schleifenträgerin oder ausgebrochene Laborratte nannten. Nein, mit mir nicht. Ich ging trotzdem gern in die Schule, ließ mich von meinen Mitschülern nicht hänseln, weil sie ja doch in ernsten Situationen ganz nett sein konnten.

Nur die Mädchen waren da immer etwas anderer Meinung. Sie schubsten mich rum, nahmen mich kaum ernst, aber seitdem ich mich gegen ihre Attacken wehren konnte, ließen selbst sie mich in Ruhe.

„Satsuki, die nächste Seite bitte“, bat der Lehrer. Ich erhob mich und hielt meine Lektüre, ehe ich anfing mit lesen. Meine Lehrer meinten, mein Englisch sei ziemlich gut. Später würde ich vielleicht im Ausland studieren, aber im Moment fesselte mich Japan einfach nur. Ich fühlte mich hier seit meiner Geburt wohl. Auch, wenn ich seit der Mittelschule wegen meinen Schleifen geärgert wurde.

Ich war nicht besonders groß für mein Alter, immerhin war ich schon sechzehn. Meine braunen Haare lagen auf den Schultern und genauso lang waren auch meine weißen Schleifen. Die Schleifen, die ich so liebte und beschützen würde. Niemand durfte sie mir entfernen. Absolut niemand. Falls es jemand versuchen sollte, wusste ich mich zu verteidigen.

Auch, wenn die Tage in Japan lang waren, bei mir vergingen sie immer schnell. Und das war auch gut so. Denn als ich zu Hause ankam, machte ich noch meine Hausaufgaben, bevor ich mir eine andere Tasche nahm und wieder verschwand.

Mein Ziel war ein Sportplatz. Und zwar einer, den eigentlich nur ich benutzte. Warum wusste selbst ich nicht. Jedenfalls war der Sportplatz von Anfang an leer gewesen. Und dabei spielten relativ viele Leute Basketball. Genauso wie ich.

Basketball war wie mein zweites Leben. In der Schule wusste davon niemand. Ich schaute auch gerne die Spiele und verfolgte ihre Bewegungen mit. Ich versuchte mir diese Bewegungen anzugewöhnen und mit der Zeit beherrschte ich sie besser und besser. Für mich aber war der Spaß und die Leidenschaft an diesem Sport das Beste. Das erste Mal hatte ich mich dafür interessiert, als ich ein paar Leute hatte spielen sehen.

Ihre Defensive, ihre Offensive, alles hatte mich fasziniert. So sehr, dass ich vom Zuschauer zum Spieler wechselte. Meine größte Baustelle war nur noch das Werfen der Körbe. Damit setzte ich mich zur Zeit auseinander. Doch egal, wie oft ich es versuchte, es klappte nicht. Aber bei mir stand nicht der Gewinn im Vordergrund, es war nach wie vor der Spaß, der mich davon überzeugte, weiterzumachen.

Ich setzte zu einem erneuten Wurf an und führte ihn aus. Aber kurz vor dem Korb prallte der Ball ab und rollte in die entgegengesetzte Richtung. Ich lief hinterher, solange, bis der Ball anhielt oder eher angehalten wurde. Ich schaute auf einen weißen Schuh, welcher anscheinend einem Fuß gehörte und der wiederum meinen Ball angehalten hatte.

Vorsichtig schaute ich auf und blickte dabei gegen das Licht der untergehenden Sonne. Vor mir stand ein Junge, vielleicht ein bisschen älter als ich, mit pink-roten Haaren. Seine Augen schienen mich zu durchbohren und bei genauerem Hinsehen bemerkte ich, dass er zwei unterschiedliche Augenfarben besaß. Eines pink-rot, das andere braun. Sein Blick jagte mir einen kurzen Schauer über den Rücken. Dennoch hielt ich ihm stand.

„Du hast was verloren“, meinte er kalt, bückte sich und hob mir den Basketball auf. „Pass ein bisschen besser auf“, mahnte er und musterte mich von oben bis unten. Er fixierte seinen Blick auf mein Gesicht, eher gesagt auf meinen Kopf. Ein etwas angsteinflößendes Grinsen schlich sich auf seine Lippen. „Oh? Du scheinst Talent zu haben. Leider ist meine Mannschaft schon voll. Trainiere weiter und stecke deine gesamte Kraft ins Lernen“, meinte er und drehte sich um.

„Mir geht es nicht um den Gewinn. Mir geht es um den Spaß und die Leidenschaft. Ich kann Leute, die nur den Sieg anstreben und beim Spielen gar nichts fühlen, nicht ausstehen“, sagte ich frei heraus.

Der Junge drehte sich wieder ein Stück zu mir, doch ich konnte sein Gesicht nicht erkennen. „Dann verachte mich. Denn ich strebe den Sieg an. Ich habe bis jetzt noch nie verloren und werde es auch nie. Das merke dir gut, denn ich bin unschlagbar.“

Die Stimme des Jungen stach wie ein Eispflock durch meinen Körper. Ich hatte noch nie jemanden gesehen, der so gefühlskalt sein konnte. Aber etwas tief in mir sagte, dass er kein Egoist war, sondern ein Teamplayer.

„Ich hoffe, ich sehe dich irgendwann mal auf dem Feld. Dann werde ich dir zeigen, was Gewinnen und was Freude heißt“, sagte der Junge mit der eiskalten Stimme.
„Dann werde ich dir zeigen, was Verlieren ist und wie man trotzdem durch die Leidenschaft immer wieder aufsteht“, konterte ich und sah dem Jungen nach, der sich langsam aber sicher von mir entfernte.

Jetzt hatte ich auch die Möglichkeit, den Schriftzug auf seinem Rücken zu lesen. Rakuzan. Den Namen würde ich mir merken. Genauso wie diesen Jungen. „Du bist interessant“, sagte er noch und verschwand dann gänzlich.
Und genau so hatte alles angefangen. Das wahre Spiel hatte erst begonnen.
 
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