Strange Melodies

GeschichteKrimi, Romanze / P16
Dr. John Watson OC (Own Character) Sherlock Holmes
28.02.2015
02.09.2015
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Hallo :D
Erst einmal, schön, dass ihr bei dieser Geschichte gelandet seid. Die Idee spukt mir schon laaaange im Kopf herum und jetzt konnte ich einfach nicht mehr anders, als sie hier hoch zu laden. Ich hoffe sehr, dass das erste Kapitel euch gefällt und auch ein bisschen neugierig macht. ^^
Das ist übrigens meine erste Geschichte, die sich um Sherlock dreht, also seid bitte nicht so streng zu mir. Ich würde mich sehr über erste Meinungen freuen.
Ich wünsche noch ein schönes Wochenende. :)
Jojo



Dr John Watson schloss die Tür auf und betrat ein wenig zögernd die Wohnung in der Baker Street. „Sherlock?“, rief er und schloss die Tür hinter sich. Der Detektiv lag nicht auf dem Sofa im Wohnzimmer. Anscheinend tigerte er auch nicht gerade durch die Wohnung, denn es herrschte Stille. John hätte fast gedacht, sein Freund wäre nicht zu Hause, da entdeckte er den Laptop auf dem Tisch. Hochgefahren. Das musste allerdings nichts heißen. Sherlock hatte es vielleicht auch einfach nur nicht für wichtig gehalten, den Laptop herunter zu fahren.
„Sherlock“, rief er noch einmal.
Was?“
John zuckte zusammen und drehte sich um. „Sherlock? Was machst du da?“ Er sah auf seinen besten Freund hinunter, der neben der Tür auf dem Boden saß. Er hatte die Augen geschlossen und den Kopf an die Wand gelehnt.
„Ich denke. Was willst du?“
John seufzte. „Greg hat mich angerufen.“
„Greg?“
„Lestrade. So langsam müsstest du dir mal seinen Vornamen merken.“
„Unwichtig. Warum schickt er dich, damit du mir sagst, dass ich zum Tatort kommen soll?“
„Du bist nicht mehr ans Handy gegangen, sagt er.“
„Warum auch? Ich habe ihm gesagt, dass ich komme.“
„Er wartet seit drei Stunden auf dich.“
„Er hat nicht gesagt, dass ich sofort kommen soll.“
John verdrehte die Augen. „Hättest du dir das nicht denken können? Jetzt beweg dich.“
Sherlock stand sichtlich genervt auf. „Kommst du mit?“
„Ich habe keine Zeit.“
„Kommst du mit?“
„Gut“, seufzte John. „Von mir aus.“
Fünf Minuten später saßen die beiden in einem Taxi, das sie zum Tatort bringen sollte. Sherlock war mit seinem Handy beschäftigt, John sah aus dem Fenster. Wie immer.
„Wie geht es Mary?“, fragte Sherlock.
„Gut.“
„Du solltest dich bei ihr entschuldigen.“
John sah ihn entnervt an. „Weil du dich in solchen Sachen ja auch so gut aus kennst.“
Sherlock hob eine Augenbraue und sprach weiter, ohne John anzusehen. „Man streitet sich so lange, bis einer sich entschuldigt. Das ist doch so, oder liege ich da falsch?“
„Sie kann sich ja auch bei mir entschuldigen.“
„Sie ist eine Frau. Sie erwartet, dass du dich bei ihr entschuldigst. Tu das und ihr könnt im Nu euer Verliebt, Verlobt, Verheiratet – Spielchen weiter spielen.“
John verdrehte die Augen und sah wieder aus dem Fenster. Wie kam Sherlock eigentlich dazu, mit ihm über einen Streit sprechen zu wollen, den Mary und er vor knapp einer Stunde geführt hatten? Ein lächerlicher Streit, so im Nachhinein betrachtet.
Hochzeitsvorbereitungen waren schrecklich anstrengend.
„Wahrscheinlich hast du Recht.“
„Natürlich habe ich Recht.“
Johns Handy vibrierte. Er warf einen Blick darauf.

Wo bist du?

Auf dem Weg zu einem Fall,  beantwortete er die SMS seiner Verlobten.
„Keine gute Idee“, meinte Sherlock.

SCHÖN. Viel Spaß.

John seufzte und steckte das Handy wieder ein.
Sie stiegen aus dem Taxi, als sie am Tatort ankamen. Ein altes, verlassenes Gebäude. Polizisten rannten schon überall durch die Gegend. Sherlock schritt mit wehendem Umhang auf die Absperrbänder zu. Sergeant Donovan warf ihm einen mehr als gereizten Blick zu. Sie schien nicht gerade begeistert. Kein Wunder, da sie vermutlich die letzten drei Stunden hier in der Kälte verbracht hatte.
„Abend“, sagte John, als er sich unter das Absperrband hinweg bückte. Donovan ging nicht darauf ein, sah ihn aber mit einem Blick an, der nicht gerade Zuneigung ausdrückte.
John folgte Sherlock in das Gebäude. Ein Polizist wies ihm die Richtung und schließlich gelangte er in einen großen Raum mit grauen Wänden und grauen Boden. Greg Lestrade war gerade dabei, seine Leute (darunter ein deutlich beleidigter Anderson) aus dem Raum zu scheuchen. Sherlock stand bereits mitten im Zimmer und sah sich um. Lestrade, der ebenfalls ziemlich genervt aussah, trat zu John.
„Abend“, sagte er.
„Hi. Was zum Teufel ist das hier?“
Lestrade zuckte die Schultern. „Deswegen ist Sherlock ja jetzt hier. Nach gut drei Stunden, wohlgemerkt.“
John sah sich mit einem unwohlen Gefühl um. In der Mitte des Raumes, vor Sherlock auf dem Boden, lag eine Leiche. Es war wohl eine junge Frau. Komplett in schwarz angezogen. John würde sie sich später genauer ansehen müssen. Doch das war es nicht, was ihm dieses ungute Gefühl einflößte. Es waren die Noten. Anfangs hatte er es für eine Tapete gehalten, doch jetzt sah er, dass irgendjemand mit blauer Farbe ganze Notenpartituren auf die Wände gemalt hatte. Fein säuberlich aufgetragen, wie gedruckt. Nicht wahllos und durcheinander, sondern geordnet, auf Notenlinien, die sich quer über die Wände zogen. Und mitten im Raum diese tote Frau. Sonst nichts.
„War das schon vorher so?“, fragte John leise.
Lestrade schüttelte den Kopf. „Die Farbe war noch feucht, als wir her kamen.“
„John“, sagte Sherlock.
John ging zu ihm und kniete sich neben die Leiche. Er untersuchte sie, während Sherlock sich die noten an den Wänden genauer besah. „Sie ist noch nicht all zu lange tot“, sagte John schließlich. „Vielleicht ein paar Stunden.“
„Woran ist sie gestorben?“, fragte Sherlock.
„Keine Ahnung. Sie hat keine sichtbaren Wunden oder Verletzungen. Wir werden auf die Obduktion warten müssen.“
Die offenen Augen der Frau starrten blicklos an die Decke. Sie war hübsch. John schätzte sie auf Mitte zwanzig. Die Haare genauso schwarz wie ihre Klamotten. Er sah auf. „Wisst ihr, wer sie ist?“
Lestrade schüttelte den Kopf. „Sherlock?“
Der Detektiv berührte gerade mit den Fingerspitzen die Noten.
„Ergeben die Noten irgendeinen Sinn?“ Lestrade verschränkte die Arme.
„Natürlich ergeben sie keinen Sinn. Sie ergeben Musik. Wenn man sie spielt, natürlich.“
„Kennst du das Lied?“, fragte John.
Sherlock schüttelte den Kopf. „Es würde mich wundern, wenn es nur ein Lied ist.“ Dann machte er Anstalten, den Raum zu verlassen, doch Lestrade trat ihm in den Weg.
„Und? Was können Sie sagen?“
„Ich übernehme den Fall nicht.“
„Was?“, fragte John. „Warum nicht?“
Sherlock zückte sein Smartphone und begann desinteressiert darauf herum zu tippen. „Sherlock“, sagte John.
„Ich muss jemanden anrufen“, murmelte Sherlock nur und verließ den Raum.
„Aber...“, begann Lestrade.
Anderson steckte den Kopf durch die Tür. „Und? Können wir jetzt endlich gehen?“
„Raus“, wies Lestrade ihn an und wandte sich an John. „Was hat er denn jetzt?“
„Keine Ahnung.“ John klopfte dem Detective Inspector auf die Schulter. „Nur keine Panik. Bringt die Leiche zu Molly, sie wird sich darum kümmern. Ich rede mit ihm.“
John joggte aus dem Haus, um Sherlock noch einzuholen. Was aber gar nicht nötig war, denn Sherlock stand ein wenig abseits von den Polizisten und hing am Handy. John ging zu ihm hinüber und versuchte, dem Gespräch nicht allzu auffällig zu lauschen.
„Weißt du, wo sie ist?“, fragte Sherlock gerade. „Ich bitte dich. Du weißt immer von jedem, wo er ist.“ Mycroft also. „Ich muss mit ihr sprechen. Nein. Ich brauche ihre Hilfe. Bei einem Fall. Ja, aber sie ist eben Expertin in solchen Dingen. Gib mir ihre Nummer.“Sherlock verdrehte die Augen. „Dann gib ihr eben meine Nummer und sag ihr, sie soll mich anrufen. Weil ich dich darum bitte, Bruderherz. Gut. Danke.“ Sherlock legte auf und steckte das Handy in die Tasche.
„Warum willst du den Fall nicht annehmen?“, fragte John.
„Selbstverständlich nehme ich den Fall an.“
„Warum hast du dann gerade...“
„Ich musste etwas heraus finden.“
„Ach. Und was?“
Sherlock wandte den Blick ab. „Nichts.“
John sah seinen besten Freund prüfend an. „Stimmt etwas nicht?“
„Nein, nein.“
„Über wen hast du vorhin mit Mycroft gesprochen?“
„Am Telefon, meinst du?“, wich Sherlock aus.
„Natürlich am Telefon.“ John runzelte die Stirn.
„Über eine... Informantin. Sie ist Expertin, was solche Sachen angeht.“
„Was Tatorte mit gespenstischen Noten an den Wänden angeht?“, hakte John nach.
„Die Noten sind nicht gespenstisch, John. Sie sind nur aufgemalt. Aber ja, sie kennt sich mit solchen Sachen aus.“
„Aha“, machte John skeptisch. „Und du gibst zu, dass du ihre Hilfe brauchst, ja?“
Sherlock zuckte die Schultern.
„Warum brauchst du denn Mycroft, um sie zu erreichen?“ John folgte Sherlock, der schon wieder auf dem Weg war, den Tatort zu verlassen.
„Er hat ihre Nummer. Ich nicht.“
„Ach, ist sie eine Freundin von ihm?“
„Freundin? Von Mycroft?“
„Stimmt. Doofe Frage.“
Donovan kam auf sie zu. „Wie, Sie hauen schon wieder ab? Können wir jetzt...“
Sherlock beachtete sie nicht und ging einfach weiter. „Schönen Abend noch“, rief John über die Schulter zurück. Sherlock hielt ein Taxi an und stieg hinein, John ihm hinterher.
„Aber du kennst sie?“
Sherlock warf ihm einen Blick zu. „Natürlich, John. Aber so interessant ist sie wirklich nicht.“
John zuckte die Schultern. „Finde ich schon.“
„Sie ist nur eine alte Freundin.“
„Dir ist klar, dass sie das nur noch interessanter macht?“ Sherlock Holmes und eine alte Freundin? Das konnte ja heiter werden.
Sherlocks Handy klingelte. Er nahm sofort ab und hörte zu. „Wie, sie möchte nicht... Ich soll was? Aber – Mycroft? Hallo?“ Sherlock starrte frustriert sein Handy an.
„Was ist denn?“
„Sie möchte nicht helfen“, murmelte Sherlock.
„Oh“, machte John. „Und jetzt?“
„Mycroft sagt, ich soll sie in Ruhe lassen.“ Sherlocks Mund verzog sich zu einem bitteren Strich und er sah aus dem Fenster. „Ich brauche aber ihre Hilfe.“
Wieder klingelte ein Handy, dieses Mal Johns. „Ja?“
„Guten Abend, Dr Watson. Hier spricht Mycroft Holmes.“
„Ah... Hallo.“
„Ich bin mir nicht sicher, ob mein Bruder mich vorhin verstanden hat.“ Mycrofts Stimme klang nicht gerade begeistert. Und seltsam angespannt. „Also machen sie ihm bitte klar, dass er sie einfach in Ruhe lassen soll.“
„Ich weiß doch noch nicht einmal, um wen es hier...“
Sherlock nahm John das Handy aus der Hand und hielt es sich ans Ohr. „Mycroft, ich brauche ihre Hilfe bei einem Fall. Mehr nicht. Wirklich nicht. Sie soll sich den Tatort ansehen, mir sagen, was sie mir sagen kann, und dann kann sie wieder gehen. Gib ihr einfach meine Nummer. Ich kann ihr alles erklären, wenn sie mich anruft.“ Sherlock lauschte einen Moment gespannt, dann zeichnete sich Erleichterung auf seinem Gesicht ab. Er hielt John das Handy hin.
„Sie wissen nicht, um wen es hier geht?“, fragte Mycroft.
„Nein“, antwortete John etwas genervt. „Sie?“
„Natürlich. Ich schaue, was ich machen kann. Aber Sherlock soll sich bloß keine Hoffnungen machen.“ Der ältere der Holmes Brüder legte auf.
Irritiert steckte John das Handy wieder ein. „Er meint, du sollst dir keine Hoffnungen machen.“
Sherlock schnaubte. Er war schon wieder mit seinem Smartphone beschäftigt. Eine Weile später hielt das Taxi vor dem Haus, in dem John und Mary wohnten. John stieg aus. Kurz bevor er die Tür schloss, rief Sherlock noch: „Entschuldige dich bei ihr!“
„Halt die Klappe, Sherlock“, murmelte John, als das Taxi weiter fuhr.
Er ging ins Haus und stieg die Treppe zu ihrer Wohnung hoch.
„Ich bin wieder da“, rief er und schloss die Tür hinter sich. Er zog Jacke und Schuhe aus und ging ins Wohnzimmer, wo seiner Verlobte auf dem Sofa saß und ihn ignorierte. „Mary?“
Ja, sie ignorierte ihn definitiv. Sie war gut darin, Leute zu ignorieren.
John seufzte, trat hinter das Sofa und legte ihr die Hände auf die Schultern. Er beugte sich zu ihr hinunter. „Es tut mir Leid. Ich habe mich vollkommen lächerlich aufgeführt.“
„Ja, das hast du allerdings.“
„Verzeihst du mir?“
„Sicher.“ Sie drehte den Kopf und küsste ihn.
Innerlich war John am Fluchen. Dass dieser verdammte Detektiv auch immer Recht behalten musste.

Sherlock Holmes bezahlte den Taxifahrer und ging hoch in seine Wohnung. Er warf seinen Mantel und den Schal über die Sessellehne und legte sich auf das Sofa. In seinem Kopf ging er die Noten durch, die er an der Wand gesehen und sich behalten hatte. Wenn sie ihm nicht helfen wollte, musste er das eben selbst erledigen. Natürlich würde es mit ihrer Hilfe viel, viel schneller gehen.
Sie und ihr verdammter Stolz.
Frauen.
Plötzlich klingelte sein Handy. Er nahm ab.
„Hallo, Sherlock“, sagte eine Stimme.
Sherlock lächelte. „Hallo, Coralie.“
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