Watch out! - Aufmerksamkeit ist alles

von Ysuran
KurzgeschichteKrimi / P12
Andreas Kringge Michael "Mick" Brisgau
27.02.2015
15.09.2015
3
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27.02.2015 1.232
 
„Rückzug! Rückzug verdammt!“, brüllte Ferchert nur noch in das Funkgeräte, doch kaum hatten wir die Chance darauf zu reagieren ertönte bereits ein hektisches Piepen und kurz darauf flog der Transporter, dem wir in dem Moment unseren Rücken zukehrten, um vom Parkplatz wegzukommen, in die Luft. Ein lauter Knall war das Einzige, was ich noch vernahm, dann spürte ich fast zeitgleich eine starke Druckwelle in meinen Rücken stoßen, was mich nach vorne schleuderte, sodass ich ungebremst über den Boden rollte, bis ich einige Meter weiter zum Liegen kam. Nun fiepste es in meinen Ohren und ein Rauschen machte jegliche Aufnahme von weiteren Befehlen unmöglich. Ich traute mich gar nicht, meine Augen zu öffnen, als befürchtete ich, dass ich etwas sehen würde, was ich nicht sehen wollte. Erst die Stimme Micks zog mich langsam wieder in die Gegenwart:
„Andi! Sag was!“ Es war eine Mischung aus Sorge und Schock, die in seinem Unterton mitschwang und so ahnte ich, dass es schlimm aussehen musste. Wie betäubt drehte ich mich etwas, sodass ich von meiner Seite auf den Rücken plumpste, was ich sofort wieder bereute, als mein Kopf schmerzte und ein Schwall Übelkeit in mir aufstieg. Ich würgte und keuchte unweigerlich ganz kurz, während ich die Augen öffnete, um etwas erkennen zu können. Kurz darauf konnte ich auch das Gesicht vor meinen Augen Mick zuordnen und so antwortete ich endlich: „Alles gut. … Hab nur fliegen gelernt.“ Ich versuchte mich gleich aufzusetzen, wurde aber durch Micks Hand auf den Boden zurück gedrückt. „Spinnst du eigentlich?“ Es war keine Frage, auch, wenn er es so klingen ließ. „Du bleibst jetzt liegen! Mit so was ist nicht zu spaßen.“, fügte er hinzu und versuchte sich dann vergebens an einem Lächeln, als wolle er den scharfen Ton von eben vergessen machen, ich schaute ihn jedoch nur weiter keuchend an und versuchte meine Gedanken zu ordnen. „Der Krankenwagen ist schon auf dem Weg. Wir müssen nur was warten.“ „Gondar.. Was i-“ Er unterbrach mich: „Er ist tot. Der rennt nicht mehr weg.“ „Aber..“, setzte ich zu einer Widerrede an, brauchte aber zu lange, um die Worte im Mund zurecht zu legen und so kam er mir wieder zuvor: „Ist schon gut. Mach dir darüber jetzt keine Gedanken! Darum kümmern wir uns später. Komm du erst mal wieder zu Kräften!“ Und kaum hatte er das gesagt, holten mich Schmerz, Übelkeit und Schwindel wieder ein, nachdem ich sie bis dahin erfoglreich zurückgedrängt hatte. Entkräftet sank ich nach hinten zusammen und spürte nur noch ansatzweise wie Mick seine Hand ausstreckte und sie an meinen Hinterkopf legte. Wohl, um den Sturz abzubremsen, wenngleich er nicht lang hätte werden können, da ich ja bereits am Boden lag. Ich nahm zwar noch vereinzelte Sätze von ihm auf und weiß auch noch, dass irgendwann Ferchert hinzugekommen sein musste, aber wenig später erinnerte ich mich bereits nicht mehr daran, als wäre ich zu diesem Zeitpunkt irgendwo zwischen Bewusstlosigkeit und Bewusstsein gewesen.
Als ich meine Augen das nächste Mal öffnete umgaben mich weiße Wände und brachten mich für einen kurzen Moment zum Stutzen, ehe ich realisierte, dass ich in einem Krankenhaus sein musste. Mich für den ersten Augenblick nicht daran erinnernd, warum ich hier war drehte ich den Kopf wie gewohnt zur Seite, stöhnte aber sofort unter den aufkommenden Schmerzen und griff mit meiner rechten Hand an meine Stirn, während ich den Kopf wieder in seine Urhaltung brachte. Ziemlich unmittelbar danach ertönte auch wieder Micks Stimme: „Andreas?“ „Hmhm?“, brachte ich heraus und hielt die Augen doch lieber wieder geschlossen, als sich alles anfing zu drehen. „Wie-“, er stockte kurz, bevor er die Frage dann doch stellte: „-geht es dir?“ „Scheiße?“, schlug ich unsicher vor, wie ehrlich ich sein sollte, beziehungsweise wollte und offenbar erzwang genau das ein Lachen bei Mick. „Wird wieder.“ „Na, siehst du! Sagte doch, es geht.“, erinnerte ich mich bruchstückeweise an den Einsatz. Sofort klang die Stimme meines Partners wieder besorgter: „Das heißt nicht, dass dir nichts Ernstes zugestoßen ist. Du hast schließlich schon zwei Erholungstage hinter dir.“ Erst stockte ich, dann verstand ich schließlich seine Worte und erschrack: „Zwei was?“ Wieder dachte ich nicht dach und setzte mich aus einem Reflex heraus schnell auf, was natürlich auch sofort eine Quittung hinter sich her zog. Ein weiteres Mal stöhnte ich und nun kam auch wieder die Übelkeit hinzu. Noch bevor mein Körper reagieren konnte war Mick aufgestanden und setzte sich so auf die Bettkante, dass ich gegen ihn sank. „Scheiße..“, fluchte ich entkräftet und konnte für den Moment nicht viel dagegen tun an ihm zu lehnen und so versuchte ich es auch gar nicht erst. In gewisser Weise erleichtert seufzte Mick hinter mir und sagte erst mal nichts.
„Was ist mit dem Fall? Der lag jetzt nicht so lange auf Eis, oder?“, fiel es mir dann wieder ein und zum ersten Mal vorsichtig drehte ich den Kopf etwas nach rechts, um zumindest ein Bisschen von Mick sehen zu können. „Nein, keine Sorge! Der Einsatzort wurde von der Spurensicherung untersucht und Gondario wurde obduziert.“ Er pausiert kurz, verstand wohl aber noch vor einer Entgegnung meinerseits, dass ich mit diesen Informationen nicht zur Gänze befriedigt war und so berichtete er weiter: „Er muss einen Komplizen gehabt haben, denn alleine hätte er den Transporter niemals so umbauen können. Der komplette Wagen war mit Dynamit versetzt. Deshalb ging er auch in die Luft, als ich drauf geschossen hab. Die Druckwelle der Explosion setzte schließlich auch die Bombe an deiner Seite in Kraft. Sie war genau darauf getrimmt innerhalb von Sekundenschnelle hochzugehen, sodass möglichst sicher noch mehr Schaden angerichtet wird. Es war dem Regen der Vortage zu verdanken, dass dir nicht die Decke auf den Kopf geknallt ist. Wäre das Konstrukt um uns trocken gewesen, hätte es dem Druck und der Hitze nicht Stand halten können.“ Überrannt von der Menge an Informationen versuchte ich mir vorzustellen, was er meinte und als ich es schaffte, offenbarte sich mir plötzlich das Szenario wie in Zeitlupe vor meinem inneren Auge:
*Mein Blick schwenkte nur sehr flüchtig zu Mick herüber, um mich zu vergewissern, was er vor hatte und da schoss er auch schon auf den Transporter, den wir umstellt hatten. Gondario grinste plötzlich auf und machte nicht einmal Anstalten, aus dem Wagen herauszukommen. Keine Sekunde später knallte es und der Transporter flog in die Luft. Mick drehte sich sofort um und lief los, aus der Reichweite der Explosionsreichweite heraus, während Ferchert durch das Funkgerät brüllte, wir sollten uns zurückziehen. Kaum hatte ich selbst auf der Stelle gewendet ertönte ein hektisches Piepen neben mir, lockte meine Aufmerksamkeit, während ich weiter lief und offenbarte zwar nicht die Bombe, dafür aber eine weitere Person, welche mit gezogener Waffe in unsere Richtung schaute. Bestimmt 100 Meter trennten uns zu diesem Zeitpunkt, was es mir unmöglich machte in diesem Moment etwas Genaueres zu erkennen und dann holte mich auch schon die Druckwelle der Bombenexplosion ein, welche mich zur Seite schleuderte.*
Erschrocken kniff ich die Augen zusammen und atmete einmal tiefer ein, ehe ich mich wieder gesammelt hatte. „Andreas?“, fragte Mick wieder, als wären es Minuten gewesen in denen ich nicht genatwortet hätte. Total reaktionsverzögert drehte ich den Kopf noch etwas zur Seite und versuchte zu ihm aufzuschauen. Dabei schoben sich meine Brauen sowohl nachdenklich, als auch angestrengt zusammen. Eine Weile schaute ich ihn nur schweigend an, ehe mein Blick wieder nach vorne auswich und ich den Kopf bereitwillig nach hinten an seine Schulter sinken ließ. „Alles gut... Danke.“
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