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Versöhnung auf Manderley

von JemVicky
KurzgeschichteAllgemein / P12 / Gen
"Ich" Mrs. Danvers
25.02.2015
25.02.2015
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1.555
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Hallo. Ich bin neu im Rebecca Fandom. Über Reviews würde ich mich sehr freuen. Viel Spaß mit diesem One Shot. Er orientiert sich an dem Buch und wird abwechselnd aus Mrs de Winters und Mrs Danvers` Sichtweise geschrieben werden.



Versöhnung auf Manderley


Mrs de Winter POV


Morgen würde sich alles entscheiden. Es würde rauskommen, was Rebecca vor ihrem Tod getan hatte. Dieser Arzt konnte uns den letzten Beweis für einen Selbstmord liefern. Er konnte meinen Mann aber auch zum Mörder machen. Er hielt unser Schicksal in seinen Händen, ein Mann , der mitten in der Nacht von uns aus dem Schlaf gerissen wurde, den wir vorher nie gekannt hatten und der jetzt plötzlich indirekt durch seine Aussage einen Mord aufklären sollte. Meine Gefühle ihm gegenüber schwankten zwischen Mitleid und Hass. Gewiss, er konnte nichts für die Diagnose, die er gestellt hatte. Er hätte damals nie ahnen können, dass diese Diagnose jemals über Leben und Tod eines dritten Menschen entscheiden könnte. Was, wenn Rebecca wirklich ein Kind erwartete? Hätte sie sich dann umgebracht? Sicher nicht. Sollte der Mord jetzt doch noch aufgeklärt werden? Wenn ja, würde man Maxim dann hängen? Bei dem Gedanken daran wurde mir schlecht. Mir schossen die Tränen in die Augen und ich wagte nicht zu atmen. Alleine saß ich hier in diesem Zimmer auf einem alten Sessel. Maxim, Favell, Frank und Oberst Julyan waren schon vor längerer Zeit gegangen. Ich wusste nicht wie lange, denn ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Eigentlich sollte ich jetzt bei Maxim sein, ihn bestärken, für ihn da sein und ihm zureden, dass alles gut werden würde, auch, wenn ich selber nicht mehr daran glaubte. Doch ich tat es nicht, erlaubte mir etwas Zeit für mich, machte mir meine eigenen Gedanken. Meine Umgebung nahm ich dabei nicht mehr wahr. So bemerkte ich auch die Frau nicht, die mit mir in dem Raum saß. Auf einer Couch etwas abseits von mir. Die Frau, die ich gefürchtet hatte, seit ich auf Manderley angekommen war. Die mir immer gezeigt hatte, wie sehr sie mich hasste. Eine gebrochene Frau, vor der ich keine Angst mehr hatte, für die ich aber immer noch ein wenig Mitleid empfand, trotz allem, was zwischen uns vorgefallen war.


Mrs Danvers POV


Nein. Es konnte nicht wahr sein. Bitte nicht. Ich weigerte mich zu glauben, was Favell behauptet hatte. Rebecca hatte kein Kind erwartet, davon hätte ich gewusst. Sie hätte es mir bestimmt erzählt. Aber was, wenn doch? Wenn sie wirklich mit einem ungeborenen Kind im Leibe gestorben war? Mr de Winter. Es konnte nicht sein. Mr de Winter hatte Rebecca vergöttert, wie jeder Mann. Niemals hätte er sie umgebracht, egal, wie eifersüchtig Favell ihn gemacht hatte. Rebecca ließ sich nicht so einfach umbringen, schon gar nicht von ihrem Mann. Dafür war sie zu stark.

Mrs de Winter POV


Jetzt würde ich hochgehen. Zu meinem Mann. Ihm zeigen, dass er nicht alleine war. Dass ich ihn nicht verlassen würde, was auch immer geschieht. Ihm zeigen, wie sehr ich ihn brauchte. Ich blickte auf. Ein Schrecken durchfuhr mich, als ich sie sah, hatte ich doch geglaubt, es wäre niemand mehr hier. Gerade mit ihr wollte ich nicht in einem Raum alleine sein, das war bisher immer schlecht ausgegangen. Mir fielen dunkle Schatten unter ihren Augen auf. Sie sah müde und abgewetzt aus. Erst jetzt wurde mir klar, wie sehr sie das alles getroffen haben muss. So wie ich mich in der Gefahr befand, einen geliebten Menschen zu verlieren, so war ihr das bereits passiert. Mehr als einmal war ich Zeuge davon geworden, wie sehr sie Rebecca vergötterte und verehrte bis über ihren Tod hinaus. Der Gedanke an einen Mord musste sie vollkommen fertig machen, noch dazu, wenn sie annahm, dass Rebecca schwanger gewesen sein könnte. Ich konnte sie hier nicht alleine lassen. Es gab Dinge, die geregelt werden mussten, morgen würde es vielleicht zu spät sein. Zaghaft ging ich auf sie zu. Sie schien mich nicht zu bemerken. Jetzt berührte ich sanft ihre Schulter und sprach sie an. „Mrs Danvers?“


Mrs Danvers POV


Eine Stimme ließ mich zusammenzucken. Ich hatte gar nicht gemerkt, dass sich mir jemand genähert hatte. Als ich aufblickte, sah ich in braune, warme Augen. Sie gehörten dieser... Frau. Ja, sie war eine Frau geworden, kein verschüchtertes kleines Mädchen mehr, aber dennoch verachtete ich sie. Glaubte sie wirklich, sie könnte Rebecca von Manderley vertreiben? Hätte sie wirklich gedacht, sie könnte hier leben als „Mrs de Winter?“ Es war ja zu sehen, dass Rebecca irgendwann noch Gerechtigkeit bekommen sollte. Irgendwie tat mir die Frau leid. Konnte sie denn etwas dafür? War sie nicht auch kurz davor, ihren Mann zu verlieren? Ich verstand nicht, wie sie ihn so sehr lieben konnte. Er hatte Rebecca verraten. Sollte er sie auch getötet haben? Ich wagte nicht, den Gedanken zu Ende zu denken. Sie sprach mich wieder an. „Ich... würde gern mit Ihnen reden.“ Diese Aussage überraschte mich. Wäre ich an ihrer Stelle gewesen, hätte ich kein Wort mehr mit mir wechseln wollen. Es hätte mich bei ihr nicht sonderlich gestört, aber das schlechte Gewissen nagte trotzdem an mir. Was hatte ich nur getan? Ich hätte sie beinahe umgebracht. Wären die Signalraketen nicht gewesen... Diese Signalraketen hatten uns erst in diese Situation gebracht. Ohne sie würde die Wahrheit über Rebeccas Tod nie aufgedeckt werden. Aus diesem grund war ich in zweifacher Hinsicht dankbar für die Unterbrechung. Ich gab es nicht gerne zu, aber wenn sie tatsächlich gesprungen wäre, hätte ich es bitter bereut, hätte niemals damit leben können. „Worüber?“, fragte ich, möglichst neutral. „Mrs Danvers. So kann es mit uns nicht weitergehen. Ich weiß, warum sie mich hassen, aber ich verstehe es nicht. Ich liebe Mr de Winter. Aus diesem Grund habe ich ihn geheiratet. Ich bin nicht hierher nach Manderley gekommen, um Ihnen weh zu tun.“ Hatte sie das gerade wirklich gesagt? Ich konnte es nicht glauben. Machte sie mir keine Vorwürfe? „Es tut mir leid. So unendlich leid.“ Mehr konnte ich nicht sagen.

Mrs de Winter POV


Damit hätte ich nicht gerechnet. Dass sie sich so schnell entschuldigte. Aber sie war ein Mensch. Sie war in Rebeccas Schlafzimmer einfach nicht Herrin ihrer Sinne gewesen, wie in einer Art Trance. „Hätte es denn wirklich so sein müssen?“ „Iich weiß es nicht. Aber jetzt ist es zu spät. Wie sollten Sie mir jemals verzeihen können? Sie wären wegen mir beinahe gestorben.“ Ja, das stimmte. Ich wusste selbst nicht warum, aber aus irgendeinem Grund war ich bereit, ihr zu verzeihen. Ich wollte keine Differenzen zwischen uns haben. Außerdem war ich mir sicher, dass ich nicht gesprungen wäre, auch ohne die Unterbrechung. Das sagte ich ihr. „Glauben Sie, wir könnten noch einmal von vorne beginnen? Jetzt, wo alles auf uns zukommt, sollten zwischen uns keine Differenzen vorliegen.“ „Glauben sie wirklich, dass wir das schaffen? Ich fürchte, es ist zu viel passiert.“ Für eine kurze Zeit setzte Schweigen ein. „Wissen Sie, ich denke, es ist nie zu spät. Wir werden noch etwas brauchen, um wirklich von vorne anzufangen, aber ich bin sicher, wir schaffen das. Wenn wir es nur beide wollen.“ Sie sah mich lange und intensiv an. „Ich wäre dazu bereit. Wenn Sie es sind“, antwortete sie schließlich.


Mrs Danvers POV


Es war die Wahrheit. Ich meinte, was ich sagte. Ich wunderte mich immer noch, warum sie mir so einfach verziehen hatte, aber ich hatte viel weniger eine zweite Chance verdient als sie. Wenn ich so darüber nachdachte, fragte ich mich, was sie denn getan hatte. Sie war einfach nur eine junge Frau, die geheiratet hatte. Vielleicht... Ja, vielleicht hätte ich sie niemals so sehr gehasst, wenn wir uns unter anderen Umständen kennengelernt hätten.

Sie schlug vor, schlafen zu gehen. Sie hatte Recht. Es war schon spät und ein anstrengender Tag gewesen. „Morgen wird sich alles entscheiden“, sagte sie noch, bevor sie rausging. „Ja, das ist wahr. Ich wünsche Ihnen viel Glück.“ Auch, wenn ich Mr de Winter noch nicht vertraute, hoffte ich doch, dass er es nicht getan hatte. „Danke. Mrs Danvers … Was immer der Arzt sagt. Ich werde für Sie da sein. Ich kann ,mir vorstellen, dass das für sie gerade sehr schwer sein muss.“ Von dieser Aussage war ich gerührt. Für sie war es sicher auch nicht leicht. „Ich danke Ihnen. Hoffen wir, dass dieser Arzt nichts schlimmes sagen wird.“


Mrs de Winter POV


Wir beide wussten, dass dies nicht der Fall sein würde, aber es war ein Hoffnungsstrahl, an dem wir beide festhielten. Wir wünschten uns eine gute Nacht und gingen zu Bett. Wenn es auch noch lange dauern würde, bis wir uns wieder vollständig vertrauten, so war heute Nacht immerhin schon mal ein Anfang geschaffen.


Mrs de Winter war diejenige, die Mrs Danvers im Arm hielt, nachdem die schreckliche Wahrheit über Rebeccas Krankheit ans Licht gekommen war. Sie zeigte ihr damit, dass sie nicht alleine war und bewahrte sie damit wahrscheinlich vor dem Wahnsinn. Obwohl Mrs de Winter sich nicht gut dabei fühlte, Mrs Danvers über die Todesursache von Rebecca zu belügen und sie weiterhin in dem Glauben zu lassen, es wäre Selbstmord gewesen, wusste sie doch, dass es für alle Beteiligten das Beste war. An einem warmen Aprilnachmittag sprach Mrs Danvers Mrs de Winter das erste Mal mit ihrem Namen anstatt mit „Madam“ an. Irgendwann schaffte sie es, mit der Hilfe ihrer neu gewonnenen Freundin, Rebeccas Tod zu verarbeiten und hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken.
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