Oxymoron

GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
22.02.2015
25.11.2017
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Hallo erstmal. Schalte mich nur kurz mal ein, um die Sache ein wenig einzuleiten. Also. Diese Geschichte wird, wie auch schon bei der Altersempfehlung angegeben, P18 Slash sein. Allerdings beginnt diese Geschichte langsam und ist im Moment noch eher bei P12 oder P16 anzusiedeln, da es noch ein wenig dauern wird, bis unsere Charaktere wirklich Sex haben.
Ich hoffe, es gefällt trotzdem. Würde mich über Rückmeldung freuen. :-)
~devilish

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Das erste Mal war ich vor zwei Jahren hier auf den Parkplatz hinter dem Theater eingebogen, zum Casting für das Musical „My Fair Lady“. Damals war ich 16 Jahre alt gewesen und hatte keine Ahnung gehabt, was mich hier erwarten würde. Natürlich hatte ich eine Mail bekommen, in der stand, ich solle den angehefteten Monolog lernen, mir einen der drei Songs, die vorgeschlagen wurden, aussuchen und bequeme Kleidung zum Tanzen mitbringen.
Aber ich hatte mich nicht gut vorbereitet. Der Monolog klang abgelesen, viel zu leise, ohne Ausdruck, ohne Pathos. Das war die Kritik, die mir gegeben wurde. Das Singen war ja ganz nett, aber auch viel zu leise und ohne Gefühl. Tänzerisch bist du ja ganz talentiert, aber das war alles so schlaff und energielos.
Dieses Mal würde es anders sein.
Ich hatte aus eigener Tasche Tanzstunden bezahlt, war in einen Chor eingetreten, dessen Chorleiterin mir netterweise bei der Songauswahl und dem Einstudieren geholfen hatte und hatte mich online mit Youtube-Tutorials auf das Vorsprechen vorbereitet.
Natürlich hatten andere bessere Voraussetzungen. Reiche Eltern, die ihnen Gesangsunterricht bezahlen konnten und wollten, zum Beispiel. Aber trotzdem war es besser als nichts und ich fühlte mich auf jeden Fall vorbereiteter, als das letzte Mal.
Wie vor zwei Jahren wartete Natalie schon auf die „Küken“, wie neue potenzielle Mitspieler genannt wurden.
Natalie war das Mädchen für alles aus dem Bilderbuch. Sie war Ansprechpartnerin für alle Probleme, organisierte alles, was anstand und agierte als Diplomatin zwischen der Obrigkeit und dem Fußvolk.
„Hallo Eva“, rief sie, als ich in Hörweite war. Sie kam sofort auf mich zu und umarmte mich kurz. Das war so üblich hier. Vor zwei Jahren war ich mit dem ganzen Körperkontakt noch total überfordert gewesen, weil ich ihn eben einfach nicht gewohnt war. Doch dieses Mal war ich auch da besser vorbereitet.
„Schön, dass du es nochmal versuchst! Viele geben nach der ersten Absage sofort auf. Dabei erklären sie einem doch immer, was nicht so gut war und geben Verbesserungsvorschläge. Ich bin auch erst im zweiten Anlauf ins Ensemble gekommen!“
Ich lächelte über ihre Bemühungen, mir die Nervosität zu nehmen.
Außerdem verwunderte es mich, bei näherer Betrachtung, dass sie sich noch an mich erinnerte. Wir waren zwar seit ein paar Wochen in Mailkontakt, weil ich mich ja für das Casting bei ihr hatte anmelden müssen, aber wie sie die Verbindung zwischen mir und der Eva von vor zwei Jahren geschlossen hatte, war mir ein Rätsel. Zumal ich ja auch ganz anders aussah als damals. Meine Haare waren zu dem Zeitpunkt noch dunkelblond gewesen und nicht, ganz zum Missfallen meiner Mutter, rot gefärbt, ich hatte zehn Kilogramm mehr auf den Hüften gehabt, war dabei noch einen halben Kopf kleiner gewesen und hatte nur eintönige, langweilige Sachen getragen.
Was in den letzten zwei Jahren passiert war, war die Verwandlung vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan gewesen. Kein Übergewicht mehr, keine Pickel mehr, keine fettigen Haare mehr.
Und schüchtern war ich auch nicht mehr, jetzt wo ich mich endlich wohl in meiner Haut fühlte. Schon alleine deswegen hoffte ich darauf, es dieses Mal zu schaffen
„Du kannst schon einmal mitkommen in unser Wartezimmer. Carolin, Marco und Alisa sind noch gar nicht da. Du bist ziemlich früh!“
Mit diesen Worten platzierte Natalie eine Hand auf meiner Schulter und drückte mich sanft in die richtige Richtung. Wir gingen durch den Bühneneingang, vorbei an den Toiletten und Männerumkleiden, bis zu einem Raum, an dem in großen, blauen Buchstaben „FRAUEN 1“ stand. Diese Tür schloss Natalie auf und geleitete mich hinein.
In dem Raum standen mehrere Bänke und Stühle, bunt zusammen gewürfelt. Sie standen in einem, mehr oder weniger, runden Kreis um einen Tisch herum, auf dem eine Dose mit Keksen und eine Kanne Kaffee stand.
„Nervennahrung“, grinste Natalie. „Bedien dich, Zauberhäschen!“
Ich schüttelte den Kopf. Zu nervös zum Essen. Es war genau der gleiche Raum wie vor zwei Jahren. Bis vor ein paar Minuten hatte sich meine Aufregung noch in Grenzen gehalten, doch jetzt brachen tausend Zweifel in meinen Kopf.
„Kann ich auch wirklich den Text?“
„Was, wenn ich mir die Choreographie nicht merken kann?“
„Hab ich überhaupt alles dabei?“
Ich atmete einmal tief durch und verbannte diese Gedanken aus meinem Kopf.
Ich hatte dreimal gecheckt, ob ich alles eingepackt hatte, den Text konnte ich im Schlaf und alles andere war eben Tagesform abhängig. Kein Grund für unnötige Panik, die mich doch nur behindern würde.
„Wie erwarten noch elf weitere Küken“, riss mich Natalie aus den Gedanken. „Ist ein richtiger Ansturm dieses Jahr. Aber wir können auch viel Ensemble brauchen für Hair“, riss mich Natalie aus den Gedanken. Ich war dankbar für die Ablenkung.
„Also hab ich Chancen?“, fragte ich halb ernst und sie grinste. „Wenn du gut vorbereitet bist?“
In diesem Moment öffnete sich die Tür und eine junge Frau, Mitte 20, schätze ich, trat herein. Ihre langen, blonden Haare waren zu einem hohen Pferdeschwanz gebunden, sie trug ein türkisfarbenes Top unter einem schwarzen, geknoteten Bolero und eine graue Sporthose.
Für einen Moment dachte ich, sie wäre ebenfalls ein Küken, doch der Gedanke war schnell verworfen, als Natalie die Frau sah und übertrieben euphorisch „Guten Morgen, Alisa“ rief.
Ich erinnerte mich, dass sie den Namen Alisa auch vorher schon genannt hatte, zusammen mit Marco und Carolin.
Marco und Carolin kannte ich von vor zwei Jahren. Er war der Regisseur und Choreograph der Chose, sie die musikalische Leiterin.
An eine Alisa erinnerte ich mich nicht.
„Da ist ja nicht viel geschlüpft“, grinste Alisa mit Blick auf mich.
„Ach, die kommen alle noch. Du bist zu früh, mein Zauberhäschen.“
Alisa sah auf die Uhr an der Wand. „Na ja. Besser zu früh, als zu spät“, lachte sie. „Gibt es Kaffee?“
„Aber sicher doch“, erwiderte Natalie grinsend und machte eine präsentierende Geste in Richtung Kaffeekanne. „Tada!“
Alisa kam daraufhin auf mich zu, setzte sich gegenüber von mir auf einen Stuhl und nahm die Kaffeekanne. Sie sah zu mir hoch und die Lesbe in mir bekam einen mittelschweren Kollaps. Ich war für einen kurzen Moment gefangen in ihren blitzenden, grün-blauen Augen, die mich erwartend ansahen. Ihr rechter Mundwinkel zog sich zu einem schiefen, irgendwie spöttischen und, auf eine Art, verführerischen Lächeln. „Willst. Du. Auch. Kaffee?“, hörte ich sie plötzlich betont langsam und deutlich sagen. Ihr Lächeln verwandelte sich in ein Grinsen, als sie bemerkte, wie ich wieder zu mir fand und realisierte, dass sie die ganze Zeit mit mir kommuniziert hatte.
„Nein, danke, Sorry, tut mir leid, ich war kurz weg!“; sagte ich so schnell ich konnte und sie lachte auf. „Ja, das hab ich gemerkt.“
Ihre Stimme triefte vor Spott und irgendwas in mir sagte, dass sie diese Situation nicht schweigend und höflich vergessen, sondern mich bei jeder Gelegenheit an die Peinlichkeit erinnern würde.
„Du bist wahrscheinlich auch sehr nervös, nicht wahr?“, meinte sie gespielt sanft und mitfühlend, während ihre zuckenden Mundwinkel andeuteten, wie sehr sie diese Situation amüsierte und in ihren Augen ein herausforderndes Blitzen aufleuchtete.
Doch ich nahm mir in diesen Moment fest vor, mich nicht unterkriegen zu lassen. „Ja, sehr“, erwiderte ich mit einem Tonfall, der klar machte, dass ich sie meinte und nicht das anstehende Casting.
Alisa drehte sich daraufhin zu Natalie und meinte gespielt verwundert: „Das Küken flirtet mit mir.“
Wieder ein gemeiner Schachzug, schließlich hatte sie angefangen. Aber ich wollte ihr den Triumph nicht gönnen und zuckte mit den Schultern. „Irgendwie muss man sich ja den Weg ins Ensemble bahnen.“
Daraufhin lachte Natalie laut auf und Alisa sah mich anerkennend an, als wäre unser Wortwechsel ein Test gewesen, den ich soeben mit Bravour bestanden hatte und ich war erfüllt von Stolz.
Dann stand sie auf, mit der Kaffeetasse in der Hand. „Kommst du mit nach draußen zum Rauchen?“, fragte sie Natalie und die sprang sofort mit einem „Au ja!“ auf. Alisa lachte und die beiden ließen mich alleine.
Ich atmete einmal tief durch. Das versprach ja, heiter zu werden.
Mit diesem Gedanken griff ich in die Keksdose.
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