Meister der Katastrophen

KurzgeschichteHumor, Fantasy / P12
21.02.2015
21.02.2015
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„Konzentrieren und Auslösen.“
Ich konzentrierte mich und löste aus. Der Pappkamerad der Nato flog in die Luft und wurde in Fetzen zerrissen.
„Sehr gut, Sie werden wirklich besser Peter“, kommentierte Nightingale meinen Zauberspruch.
Normalerweise spart Nightingale immer sehr mit seinem Lob für mich, es konnte natürlich auch daran liegen, dass ich einfach zu schlecht war um Lob zu erhalten, aber es motivierte mich schon, wenn er wenigstens ein bisschen zufrieden war. Mit breiter Brust stellte ich mich zur nächsten Übungseinheit auf. Ein selbst auslösendes Paintball-Gewehr. Ich möchte ja nicht angeben, aber das war schon fast meine Spezialität, ein schnell heraufbeschworener Schildzauber, um mich vor den heranfliegenden Farbkugeln zu schützen. In letzter Zeit hatte ich es geschafft 10 von 10 Treffer abzuwehren und deswegen war ich heute der Überzeugung, dass ich die Schutzweste nicht mehr benötigen würde.
„Ich werde den Helm und die Schutzweste heute nicht brauchen“, sagte ich kühn und stellte mich vor die Wand.
„Sind Sie sicher? Sicherheit sollte vor allem beim Training Vorrang haben“, warnte mich Nightingale. Ich machte eine Handbewegung und gab ihm zu verstehen, dass ich auf jeden Fall keine Kugel abbekommen würde. Nightingale stellte das Gewehr ein und ich konzentrierte mich.
Kling, Kling, Peng.
Die Kugeln schossen los, ich beschwor meinen Zauber und wie es sich für einen Spezialisten gehört, wehrte ich natürlich alle Kugeln ab. Ich grinste triumphierend, aber Nightingale ging nicht darauf ein. „Gut, noch mal Peter, wenn Sie es jetzt schaffen sind Sie wirklich gut“, sagte er, schaltete wieder die Zeitschaltuhr an und ich machte mich bereit.
Kling, Kling, Peng. Klatsch, Klatsch, Klatsch, Klatsch, Klatsch.
„Das war unfair“, motzte ich los. Nightingale hatte mit Scindere die Kugeln noch zusätzlich auf eine andere Bahn gelenkt. Bevor sie mich erreichten, machten sie einen Schlenker und schossen dann mit hoher Geschwindigkeit auf mich herab. Meine Kleidung war versaut und von meinem Kopf tropfte die dickflüssige Farbe herab.
„Sie dürfen sich nicht zu sicher sein, das habe ich Ihnen gerade gesagt. Glauben Sie, dass der Gesichtslose so dumm ist und Ihnen die Kugeln geradeaus in ihr Sichtfeld hinein zaubert?“, fragte er vergnügt. Ich antwortete nicht, er hatte recht, aber er hätte mich wenigstens vorwarnen können, ich war mir nicht sicher, ob Molly die Farbe wieder aus der Kleidung bekommen würde.
„Früher in Casterbrook musste man immer bereit sein, dass ein anderer Schüler sich einen Scherz erlaubte und in die Übungen eingriff, sodass unerwartete Hindernisse auftauchten. Die Lehrer ließen uns gewähren, sie wussten was für eine hervorragende Übung das für uns war“, schwelgte
Nightingale in Erinnerungen. Das tat er nicht oft, ich wusste so gut wie nichts über diesen Mann, dabei war ich jetzt schon recht lange sein Lehrling.
„Oh ja war bestimmt lustig, wenn ein anderer Schüler einem einen Feuerball um die Ohren jagt, wenn man überhaupt nicht darauf vorbereitet ist“, sagte ich ironisch und versuchte nicht den gesamten Schießstand mit Farbe einzusauen.
„Es gab natürlich Grenzen, verletzen durften wir uns gegenseitig nicht“, gab Nightingale zu bedenken und wich einem Farbspritzer aus.
„War bestimmt unterhaltsam, als es hier noch richtig voll war, oder?“
Ich konnte es ja mal versuchen, Nigthingale schien ganz gut drauf zu sein, vielleicht konnte ich ihm das ein oder andere jetzt entlocken.
„Ja, es war damals deutlich mehr los im Folly. Es wurden die großen Säle benutzt und man war eigentlich nie allein, was einem aber auch auf die Nerven gehen kann, glauben Sie mir.“
„So langsam füllt sich das Folly wieder. Ich meine Toby, Varvara und ich sind doch schon mal ein Anfang“, sagte ich grinsend.
„Also wirklich Peter, dass Sie Toby als Menschen mit dazu zählen und Varvara ist nur für eine bestimmte Zeit hier“, ermahnte er mich. „Ich rate Ihnen, dass Sie Ihre Kleidung direkt hier unten in der Waschküche lassen, sonst machen Sie nur noch mehr Dreck.“
„Darf ich Sie daran erinnern, dass Sie es waren der mir diese Überraschungs-Kugeln an den Kopf schleudern musste“, gab ich zurück. Nightingale verzog erst keine Miene und grinste dann kurz.
„Bevor Sie gehen habe ich noch einen Auftrag für Sie. Im St. James's Park sind in letzter Zeit häufiger Unfälle passiert, nichts gefährliches, aber irgendjemand findet es lustig und hat Fallen oder ähnliches installiert, sodass die Besucher des Öfteren hinfallen. Ich bitte Sie sich die Geschichte etwas näher anzusehen“, informierte Nightingale mich und verließ den Schießstand. Ich stapfte derweilen vorsichtig rüber in die Waschküche, um mich meiner Kleidung zu entledigen.
Frisch geduscht und neu eingekleidet, machte ich mich auf den Weg zum St. James's Park. Im Park war es erstaunlich leer, normalerweise sind hier immer Massen an Touristen, da der Park, durch seine nahe Lage zum Buckingham Palace, eine gute Zwischenstation ist, in der Sightseeing-Tour durch London. Nightingale hatte sich mal wieder sehr kryptisch ausgedrückt und ich wusste nicht wirklich wonach ich suchen sollte. Fallen? Wer sollte es schaffen hier Fallen aufzustellen? Ziellos streifte ich also durch den Park und konzentrierte mich auf Vestigia oder andere Kennzeichen des Unheimlichen. Ich überquerte gerade eine große begrünte Fläche, als ich eine Ahnung von einem Vestigium vernahm. Ich blieb stehen und schaute mich um. Ich sah niemanden. Ich ging ein paar Schritte zurück und wieder vorwärts, das wiederholte ich ein paar mal in alle Richtungen, aber das Vestigium wurde nicht sonderlich stärker. Wenn man mich gesehen hätte, hätte man glatt denken können ich übe für eine Tanzaufführung. Plötzlich passierte es, natürlich immer dann, wenn ich gerade mal ein bisschen abgelenkt bin. Ich weiß nicht wie, aber der Rasen unter meinen Füßen war auf einmal schrecklich glatt, ich hatte das Gefühl, dass er sich bewegte, so wie auf diesen großen Rollbändern am Flughafen, nur dass diese Bewegung hier schneller war und irgendwie glitschig. Ich versuchte noch irgendwie das Gleichgewicht zu halten, aber es gab kein Entkommen. Auf einmal hatte ich das Gefühl, das man hat wenn man auf einen Teppich steht und ein anderer schnell an einer Seite zieht, vorzugsweise die Seite zum Rücken, sodass ich einen schönen Abflug in Richtung Boden startete, mit dem Gesicht voran. Meiner eigenen Dämlichkeit war es geschuldet, dass ich dabei den Mund weit aufgerissen hatte, ich wollte eigentlich schreien, aber bekam keinen Ton heraus, weil alles so schnell ging. So kam es, dass ich mit dem Gesicht im saftigen Grün des Parks lag, den Mund gefüllt mit einem Grasbüschel. Ich war so unendlich glücklich, dass niemand hier war, die Leute hätten mich noch mit einer Kuh verwechselt. Angewidert spuckte ich die Grashalme und die dazugehörende Erde aus und plötzlich kicherte etwas neben mir. Sie hatten eine hohe Stimme und es waren viele. Im ersten Moment wusste ich natürlich nicht was es war. Es waren kleine erdfarbene Gnomen und ihr Haar bestand aus Rasen. Es lösten sich immer mehr aus den Boden und kicherten um mich herum. „Ruhe!“, keifte plötzlich einer von ihnen los, ich schätzte mal, dass dies der Anführer sein musste, er hatte ein Gänseblümchen auf dem Kopf. Die anderen verstummten. Um ganz ehrlich zu sein, nach einer Baumnymphe wunderte es mich nicht mehr, wenn es auch so etwas wie Rasengnomen gab, mittlerweile war ich der festen Überzeugung, dass so gut wie alles magische Wesen hervorbringen konnte. Wenn auch nicht alles gleich so magisch war wie Beverly Brook.
„Sie stehen in unserer Schuld“, quietschte der Anführer mich an.
„Was für eine Schuld? Ich bin über diese Wiese gegangen und ihr habt mich ausrutschen lassen, ich finde ihr steht in meiner Schuld, dafür, dass ich euch nicht gleich verhafte.“
Alles um mich herum fing wieder an zu kichern.
„Nein, es war eine natürlich Bewegung, hin und wieder müssen wir unsere müden Glieder strecken, dass Sie zufällig hier lang gelaufen sind, ist Ihr Pech“, gab der Obergnom von sich und sah mich mit seinen winzigen Augen an. Ich blinzelte ihn an.
„Erkläre mir warum ich in eurer Schuld stehe“, wollte ich wissen.
„Sie haben von unseren Speisen gekostet.“ Es leuchtete mir nicht direkt ein, aber ich verstand, weil ich den Mund voller Dreck und Gras gehabt hatte, hatte ich wohl von ihren Speisen gekostet.
„Das stimmt nicht, ich habe alles wieder ausgespuckt“, erwiderte ich, „nichts ist in meinem Bauch gelangt.“
„Lüge!“, dröhnte es von allen Seiten an meine Ohren, dann übernahm Gänseblümchen wieder das Wort: „Sie haben gegessen, Constable, Sie wissen, dass Sie sich von dieser Last nicht mehr freisprechen können.“ Ich stöhnte, ich wollte nicht wie Onkel Balif enden, der Mama Themse und Gefolgschaft nie wieder verlassen konnte.
„Gut, was möchtet ihr? Soll ich den Rasen schneiden, soll ich ein paar Blümchen hier einpflanzen oder Dünger besorgen?“
„Unsere Nahrung, gegen Ihre Nahrung“, sprach Gänseblümchen und es ertönte ein zustimmendes Gemurmel.
„Ich soll Essen hierher bringen?“, hakte ich nach.
„Nein, du hast bei uns gespeist, wir speisen bei Ihnen.“ Ich musste laut los lachen.
„Soll ich einen Bagger holen und euch hier abtragen und dann ins Folly ausschütten oder was? Das geht nicht ihr könnt nicht ins Folly, da sind Schutzzauber und so, die sind für euch abträglich“, erklärte ich den Wichten. Ich hoffte, dass sie sich die Idee jetzt aus dem Kopf gestrichen hatten, niemand würde mich hier einfach mit einer Wiese heraus spazieren lassen, ich würde noch als Vandale festgenommen werden.
„Ist nicht abträglich, da wir ja von Ihnen eingeladen wurden und wie wir dahin kommen, das lassen Sie mal unser Problem sein“, verkündete der Anführer. Auf einmal rumorte der gesamte Rasen um mich herum, ich sprang schnell auf und lief wieder auf einen Weg. Ein Großteil des Rasen stand in Form von etwa 60 Gnomen vor mir und alle starrten mich an. Dort wo sie eigentlich lagen war jetzt eine Grube.
„Verdammt, wie wollt ihr euch jetzt bewegen? Das fällt doch auf, wenn hier so ein Loch ist.“
Die Gnomen zuckten mit den Schultern und Erde rieselte von ihnen herab. Das hatte ich mal wieder sehr gut hinbekommen, eine Horde Kleinwüchsiger Grasbüschel stand vor mir und wollte ins Folly. Ich glaube nicht, dass Nightingale diesen Besuch gutheißen würde. Ich ging vorsichtig ein paar Schritte rückwärts, die Armee im Auge behaltend. Ihre Köpfe folgten mir und dann bewegten sie sich und liefen mir hinterher.
„Ihr müsst hier bleiben“,erklärte ich ihnen. Trotzig schüttelten sie mit dem Kopf. „Wenn euch jemand sieht, dann..“, ich konnte den Satz nicht beenden da just in diesem Moment ein Pärchen um die Ecke bog, ich drehte mich wieder zu den laufenden Büscheln und traute meinen Augen nicht. Sie hatten sich blitzschnell wieder zu einem einheitlichen Rasenstück zusammengelegt, es lag mitten auf dem Gehweg und war natürlich genauso groß, wie das Stück, das in der Wiese fehlte. Das Pärchen starte mich an, er flüsterte ihr etwas ins Ohr und zog sie dann schnell weiter, natürlich nicht ohne mir ein paar seltsame Blicke zu zuwerfen. Ich seufzte, ich hoffte, dass diese Geschichte nicht wieder in irgendeiner Zeitung erschien. Ich schaffte es zum Asbo, der Rasen leider auch.
„So, was wollt ihr jetzt? Ich fahre jetzt zum Folly.“
„Wir kommen mit, ist doch klar“, sagte ein Gnom und sah mich an.
Ich wollte etwas erwidern, bekam aber keine Chance dazu, da sich die wandelnde Armee in mein Auto quetschte und alles verdreckte, wenn diese Fahrt vorbei war, konnte ich erst mal eine Totalreinigung machen. Die Fahrt war nervtötend, laut und anstrengend. Die Biester tobten sich jetzt erst so richtig aus. Drückten ständig auf dem Radio, verstellten meinen Sitz und drehten irgendwann ein Techno-Gebrumm so laut auf, dass selbst mir die Ohren klingelten. Während der Fahrt rief ich im Folly an. Jemand nahm ab, antwortete aber nicht.
„Molly wir bekommen heute Abend Besuch, von circa 60 Personen, sie wollen bei uns etwas Essen.“ Ich bekam natürlich keine Antwort.
„Danke, dass du das mit dem Kochen übernimmst Molly, ist echt nett von dir“, verabschiedete ich mich und legte auf. Nach dieser entspannenden Fahrt war ich endlich in der Remise angekommen und die Meute war völlig aus dem Häuschen. „Folly, Folly“, tuschelten sie alle durcheinander. Ich frage mich wirklich, woher diese kleinen Biester wussten, dass das hier das Folly war. Wir betraten die Eingangshalle und Begeisterung brach aus, in Form von wildem und lautem Quietschen. Ich muss gestehen, dass ich nie auf dem Konzert einer Boy-Group gewesen war, zum Glück, denn genauso stellte ich mir den Lautstärkepegel und die Tonhöhe vor. Ich glaube, dass die Gnomen, das Folly als eine Art Museum betrachteten, sie blieben ehrfürchtig vor Newton stehen und schenkten auch der Principia einen ausgiebigen Blick. Dann war die gute Laune schlagartig vorbei, denn Toby kam hinzugeschlittert, bellend und hocherfreut mich zusehen. Dann bemerkte er unsere Gäste und ging vorsichtig auf sie zu. Es folgte wieder ein lautes Gekreische, wenn ich heute mal keinen Hörsturz bekam. Die Gnome bliesen wohl gerade zum Angriff, denn Toby hatte tatsächlich versucht einen von ihnen anzupinkeln und das gefiel ihnen überhaupt nicht.
Kleine Erdkugeln flogen durch den Eingangsbereich und Toby war das Angriffsziel. Toby fand das sehr lustig und versuchte nach den Kugeln zu beißen, nach kurzer Zeit war er über und über mit Erde besudelt, so auch die ganze Eingangshalle.
„Könnt ihr mal aufhören? Ihr seid doch hier zu Gast, gehört es sich für Gäste sich so zu benehmen?“, fragte ich die Wichte. Sie sahen mich alle gleichzeitig an und stellten ihr Feuer ein, bis auf einer der schoss mir einen Erdklumpen ins Gesicht. Ich machte ein finsteres Gesicht, aber das schien sie überhaupt nicht zu beeindrucken.
„Gut, wenn ihr mir folgen wollt, ich führe euch jetzt zum großen Speisesaal“, verkündete ich großzügig und zeigte mit einer Geste, wo wir lang gehen würden. Der Eingangsbereich sah aus, wie ein Sandkasten, wenn Nightingale mich nicht tötete, würde Molly diesen Teil übernehmen und ich muss sagen, es wäre mir lieber wenn Nigthingale mein letztes Stündchen schlagen lässt.
Ich führte die Menge in den großen Speisesaal und dieser war, zu meiner Überraschung, gedeckt. Molly hatte mich tatsächlich ernst genommen.
„Freie Platzwahl“, teilte ich mit und der Kampf um die Plätze war eröffnet. Erdklumpen flogen wieder durch den Raum, aber nach einer Viertelstunde saßen alle Gnomen auf ihren Plätzen. Den Größenunterschied hatten sie dadurch wettgemacht, dass sie, fragen Sie mich nicht woher, eine Art Erdquader erschaffen hatten, als eine Art hohes Kissen auf dem Stuhl, sodass alle zumindest verfolgen konnten was auf dem Tisch angerichtet wurde. Ich fragte mich, ob Nightingale den ganzen Radau hier noch nicht mitbekommen hatte, er war noch nicht erschienen, bei der Geräuschkulisse hätte er schon längst hier sein müssen. Ich setzte mich artig neben Gänseblümchen, der mir gütig zu nickte.
Ich fragte mich wirklich, ob diese Teile überhaupt richtiges Essen zu sich nehmen konnten, ich meine Gras? Braucht Wasser, Mineralien und das war's. Wieso zum Henker wollten sie bei uns essen? Dann ging die Tür auf und Molly stand dort und begutachtete die Ansammlung. Sie ließ den Blick über die Menge schweifen und fixierte dann mich. Ihr Blick war finster und sie war so böse, wie ich sie selten gesehen habe. Dann hörte ich weitere Schritte und wäre am liebsten, mit diesen Männchen um mich herum, in den Erdboden versunken.
„Ah Molly, ich habe mich schon gefragt, wieso der Tisch im Privatenspeisezimmer nicht gedeckt ist, wir essen heute...“, er stoppte mitten im Satz und sah in den Raum. Niemand machte mehr ein Geräusch und ich wusste, das war gefährlich. Doch dann erhob Gänseblümchen neben mir feierlich seine Stimme.
„Seid gegrüßt ehrwürdiger Captain Nightingale, es ist lange her, seit wir uns gesehen haben. Ich freue mich über Ihre großzügige Einladung zum Dinner in Ihr Haus, damit die Schuld beglichen wird.“
Nightingale presste die Lippen aufeinander und nickte dann langsam.
„Es ist mir eine Ehre Sie und Ihre Gefolgschaft in meinem Haus beherbergen zu dürfen“, sagte er knapp und setzte sich dann auf den freien Stuhl neben mir. Ich versuchte ein klägliches Lächeln, aber Nightingale schoss mir einen so düsteren Blick zu, dass mir das Lächeln entglitt und zu einer Fratze wurde. Molly kam mit dem ersten Gang rein, ich weiß nicht wie sie es machte, aber sie konnte mit jedem Finger einen Teller halten, sodass alle schnell versorgt waren. Während der ersten Gänge verlief alles ruhig, die kleinen Racker aßen so viel sie schafften, was nicht einmal ein Viertel des Tellers war, und unterhielten sich. Dann kam zum Glück der Nachtisch, diese Plage würde endlich bald vorbei sein. Es gab Pudding, Torte und Eis. Die Winzlinge wurden ganz nervös und freuten sich riesig über den Nachtisch. An meinem Tisch hibbelte einer völlig verrückt auf und ab, die ganze Zeit, auch während des Essens, sein Sitznachbar fand es lustig und erschreckte ihn, sein Löffel flog hoch und landete auf den Kopf von Gänseblümchen. Es kam Stille auf und Anspannung beherrschte die Luft, dann schrie einer dieser gottverdammten Grasbüschel „Essenschlacht“ und das Chaos brach aus. Alles flog durch die Luft, Erde, Gras, Kuchen, Eis und Teller, aber ich war natürlich der Meister der Schildzauber und beschwor einen Schild um mich herum. Ich war unversehrt und suchte mein Glück in der Flucht. Vorsichtig stapfte ich durch den entbrannten Kampf. Nightingale war genauso clever gewesen und hatte auch einen Schutzzauber aufgebaut, er schoss mir einen bitterbösen Blick zu. Ein Erdmännchen flog durch die Luft, genau vor seine Augen und schoss ihm, ich denke mal aus Versehen, Erde in die Augen. Tatsächlich flog der Sand in seine Augen, offensichtlich war gerade dort eine Schwachstelle im Schild gewesen und durch Zufall war das Männchen genau dann vorbei geflogen. Er fluchte und rieb sich die Augen, seinen Schildzauber hatte er für einen kurzen Augenblick vergessen und es landete ein Kuchenstück, Eis und Pudding auf ihn.
„Aufhören!“, bellte er laut und das Tohuwabohu hörte schlagartig auf. Sein Ausdruck war grimmig und er sprach langsam und bedrohlich: „Sie verlassen jetzt auf der Stelle das Haus, Sie haben Ihr Essen bekommen und die Schuld ist beglichen und ich warne Sie, ich will keinen einzigen verdammten Erdklumpen hier sehen, wenn doch komme ich höchstpersönlich in den St. James's Park vorbei und werde dafür sorgen, dass Ihr Stück Rasen gepflastert wird.“ Stille war aufgekommen und die Gnomen huschten leise und geordnet nach draußen nur der Letzte war frech.
„Danke für Ihr Essen, die neue Frisur steht Ihnen ausgezeichnet, macht Sie jünger“, sprach der Gnom und verschwand. Ich musterte Nightingale, seine Klamotten waren versaut, seine Haare zerzaust. Keine Spur mehr vom akkuraten Seitenscheitel und ich muss zugeben, wenn man vom klebenden Pudding absah, sah Nightingale wirklich jünger aus. Er bemerkte meinen Blick und kniff die Augen zusammen. Die Gerechtigkeit hatte heute doch noch gesiegt. Heute morgen sah ich genauso aus wie er jetzt, nur dass es bei mir Farbe gewesen war, aber wenn ich das jetzt erwähnt hätte, dann würde Nigthingale mich tatsächlich umbringen. Vielleicht konnte ich die Situation noch mit Humor retten.
„Sir, ich finde im Gegensatz zu heute morgen, habe ich den Schildzauber wirklich in alle Richtungen ausbreiten können und das auch ganz spontan, ich möchte nicht überheblich sein, aber ich finde, ich bin der Meister der Schildzauber“,witzelte ich.
„Pe-ter“, begann Nightingale langsam, aber wütend, „Sie sind mit absoluter Sicherheit nur eines, der Meister der Katastrophen.“
So etwas ließ Nightingale natürlich nicht auf sich sitzen und ich durfte noch die ganze Nacht den Eingangsbereich und den Speisesaal putzen, unter den bösen, großen und dunklen Augen von Molly.
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