Meine Freunde, deine Freunde

GeschichteHumor, Romanze / P16 Slash
21.02.2015
21.02.2015
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Kommentar: Hallo zusammen! Es ist wirklich seltsam, auf was für Ideen einen manche Begegnungen so bringen. Außerdem war mir mal wieder so nach Kimi und Romain. Ich bin gespannt, was ihr zu diesem Oneshot sagt.

Disclaimer: Der Inhalt des Oneshots entspricht nicht den wahren Begebenheiten, sondern ist einzig und allein meiner Phantasie entsprungen. Ich kenne keine der hier beschriebenen Personen, ich verdiene kein Geld damit und möchte auch niemandem zu nahe treten.





Meine Freunde, deine Freunde


Schweiz
Januar 2013


Eigentlich hatte er geglaubt, dass er sie inzwischen alle kannte. Eigentlich hatte er geglaubt, sämtliche Klischees bestätigt bekommen zu haben. Eigentlich hatte er geglaubt, er wüsste inzwischen, worauf er sich eingelassen hatte...
Böser Fehler.

Kimi konnte gerade noch verhindern, dass er ihren ungebetenen Gast mit einem mehr als genervten Augenrollen begrüßte. Er wollte nicht unhöflich sein. Wirklich nicht. Aber musste das ausgerechnet jetzt sein?
Mit mäßig guter Laune verschränkte der Finne die Arme vor der Brust, lehnte sich gegen den Türrahmen und beobachtete das Begrüßungsprozedere der beiden Franzosen. Er würde sich mit den vielen Umarmungen und Bussis niemals anfreunden können.
Es gefiel Kimi gar nicht zu sehen, wie sich der Fremde an Romain klammerte, ihm heulend in den Armen lag und sich zum bestimmt dritten Mal dafür entschuldigte, dass er einfach so hier auftauchte.


Olivier hieß der Freund, von dem Romain erklärt hatte, dass er ihn bereits seit sehr vielen Jahren kannte. Er war ein gutes Stück kleiner als Romain und nicht ganz so schmal. Er hatte sich die Haare eindeutig blondiert und sofern man es über die roten Reizungen hinweg erkennen konnte, hatte er wohl blaue Augen.
Vielleicht hätte Kimi ihn nett finden können. Vielleicht wäre er ihm sogar sympathisch geworden. Aber nicht, wenn er ihm die wenige Zeit raubte, die er mit Romain in der Winterpause hatte.

„Ist das... d-denn wirklich... o-okay für euch?“, schluchzte Olivier, als er sich nach einer gefühlten Ewigkeit doch wieder von Romain löste.
,Nein, ist es nicht‘, ging es Kimi durch den Kopf.
„Natürlich ist das okay für uns. Ich habe dir doch gesagt, dass du jeder Zeit zu mir kommen kannst, wenn du Probleme hast“, antwortete Romain gegensätzlich zu Kimis Gedanken.
,Mist...‘

Ja, seine Haltung war nicht besonders gastlich. Ja, auch er half seinen Freunden immer, wenn sie Schwierigkeiten hatten und selbstverständlich liebte er auch diese Seite an Romain. Dass er hilfsbereit war, dass er sich um seine Freunde und Familie kümmerte, dass er so einfühlsam war, aber verdammt noch mal! Das hier war ihre gemeinsame, freie Zeit, von der sie viel zu wenig hatten.
Olivier stammelte noch ein weiteres „Danke“, während Romain ihm seine Tasche abnahm und grob in Richtung Wohnzimmer deutete. „Du kannst dich ja schon einmal mit Kimi setzen. Ich richte dir nur schnell das Gästezimmer ein.“

Wieder musste Kimi sich zusammennehmen, um keine unangebrachte Reaktion zu zeigen. Der Protest lag ihm bereits auf der Zunge, ließ sich nur gerade so eben wieder hinunter schlucken. Er hatte keine Lust darauf, sich mit einem Typen, den er nicht kannte und der nach Romains Kurzinformation gerade von seinem Freund verlassen worden war, alleine in einem Raum zu sein. Er wusste doch bei Menschen die er kannte schon nicht so recht, was er zu ihnen sagen sollte.
„Du musst dir doch meinetwegen keine Umstände machen“, wandte Olivier sich noch einmal an Romain. Hätte Kimi seinen Teamkollegen nicht so gut gekannt, dann hätte er nun Hoffnung geschöpft, dass Romain es sein lassen würde, dass er sich um Olivier kümmerte und er selbst sich verdrücken konnte. Aber Romain sagte natürlich genau das, was Kimi erwartet hatte.
„Das sind keine Umstände. Ich bin gleich bei euch.“ Mit diesen Worten und den beiden Reisetaschen, die Kimi schon beim ersten Erblicken nervös gemacht hatten, verschwand Romain die Treppe hinauf.


Jetzt fühlte Kimi sich wirklich unwohl. In seinem enormen Liebeskummer hatte Olivier ihn vorhin nicht begrüßt, als Romain ihm geöffnet hatte. Kimi war sich nicht einmal sicher, ob der Franzose überhaupt Notiz von ihm genommen hatte. Jetzt stand dieser Unbekannte vor ihm, versuchte krampfhaft sich zusammen zu reißen und blickte etwas eingeschüchtert zu dem Finnen herüber.
Vermutlich wäre es höflich, wenn er jetzt irgendetwas zu Romains Freund sagen würde. Aber was? Eigentlich war er froh, dass er die etwas zu helle und vor allem aufgelöste Stimme für einen Moment nicht hören musste. Trotzdem. Er war ein guter Freund von Romain, da sollte er sich ein bisschen Mühe geben.
„Hi.“ Das war nicht viel, aber es war doch zumindest eine Begrüßung, oder nicht? Die Standartfragen konnte er sich auch schenken, also überlegte er kurz. Da Olivier sich so gar nicht von der Stelle rührte, fügte der Finne also hinzu: „Na, dann komm mal mit.“

Er setzte voraus, dass Olivier ihm schon folgen würde. Er setzte auch voraus, dass Olivier sich unaufgefordert setzen würde, aber dieses kleine Häufchen Elend blieb einfach so mitten im Raum stehen, kaum dass sie das Wohnzimmer erreicht hatten. Kimi hätte so einiges darum gegeben, dem Franzosen in den Kopf blicken zu können. Er hasste Ratespielchen.
„Du kannst dich ruhig setzen“, versuchte Kimi so freundlich wie möglich zu sagen, als Olivier nach einer halben Minute immer noch unentschlossen in der Gegend herum stand. Er konnte nur hoffen, dass Romain gleich wieder unten sein würde. Der würde besser wissen, was mit dem Kerl anzufangen war.

Olivier nickte rasch. „J-ja, danke...“ Es klang abgehackt, gestellt, so wie er es sagte. Kimi fragte sich, ob er wirklich so angsteinflößend wirkte oder ob ihm die Gerüchte um seine Person einfach wieder weit voraus geeilt waren.

Wieder blieb es eine Weile still zwischen ihnen. Kimi hatte noch nie gerne Gespräche begonnen. Er war besser darin, einfach irgendwann mit einzusteigen. Er überlegte einen Moment, hörte Romain eine Etage über ihnen rumoren und verfluchte es, dass er hier unten festsaß. Dass Oliviers Unterlippe verdächtig zu beben begann, machte es nicht besser.
„Willst du vielleicht was trinken?“, fragte Kimi und bemühte sich, es möglichst beiläufig klingen zu lassen. Sein Französisch war furchtbar schlecht, darum versuchte er es gar nicht erst. Er war sich nicht sicher, wie gut Oliviers Englisch war, aber Romain hatte Kimi versichert, dass er es mit all seine Freunden sprechen konnte.
Er beobachtete, wie Oliver sich nervös durch die Haare fuhr und wartete auf eine Antwort. „Ähm... vielleicht ein Wasser?“ Kimi hoffte, dass er ihn jetzt nicht so ansah, wie es sich anfühlte, dass er nicht genervt aussah. Woher sollte er denn wissen, was Romains Gast, ihr Gast, trinken wollte?

Trotzdem richtete der Finne sich sogleich auf. Wenn der Franzose es nicht wusste, dann war es auch egal, dann konnte er ihm auch etwas holen, seine Hände beschäftigen und sich ein bisschen aus dieser unangenehmen Situation herausziehen.
Kimi ließ sich Zeit, als er in die Küche ging, ein Glas aus dem Schrank und eine Flasche Wasser von der Anrichte nahm. So lange würde Romain doch nicht mehr brauchen können. Er goss den Inhalt betont langsam ein, stellte die Flasche ganz langsam wieder zurück.

Allerdings schaffte er es nicht lange genug zu brauchen. Als er ins Wohnzimmer zurückkehrte, war von Romain noch immer nichts zu sehen. Nur Olivier schluchzte wieder ein bisschen herum. Kimi wusste nichts dazu zu sagen und mehr wollte ihm auch nicht einfallen. Er würde es also aussitzen müssen.
Er stellte das Glas auf dem Tisch ab und setzte sich selbst wieder. Die Zeit schien irgendwie stehen geblieben zu sein, da kam es schon fast einer Erlösung gleich, als Kimi endlich Romains Schritte auf der Treppe hörte.

„Entschuldige“, sagte Romain ein wenig atemlos, als er zu ihnen stieß. Beeilt hatte er sich also, aber es war Kimi trotzdem zu lang erschienen. „Ich war nicht ganz auf einen Besuch vorbereitet, aber jetzt ist alles fertig. Also, was ist denn genau passiert?“
Und genau das war Kimis Stichwort. Er wollte ganz sicher keine Details über die Beziehung von Olivier wissen. Er kannte ihn keine fünf Minuten und er wusste auch nicht, mit wem er zusammen war. Er würde sowieso nur stumm daneben sitzen können.
„Bin dann mal weg“, informierte Kimi Romain lediglich, als er sich aufrichtete. Das hieß so viel wie: Ich bin in der Garage und schraube an meinem Motorrad und zwar so lange, bis diese Sitzung vorbei ist und es Essen gibt.
Romain nickte nur und der Finne war erleichtert, dass er verschwinden durfte.


* * *   * * *   * * *


Nach zwei Abenden, die nur daraus bestanden hatten, dass Romain trösten, aufbauen und seinen Freund von seinem Liebeskummer ablenken musste, hatten sie sich eine romantische Nacht mehr als verdient. Kimi hatte das alles akzeptiert, er hatte sich soweit es ging zurück gezogen und hatte auch nicht genörgelt. Aber so langsam könnte Olivier gerne wieder gehen. Er vermisste Romain, selbst wenn er neben ihm saß. Es war eben etwas anderes, wenn sie nicht allein und ungestört waren.
Für heute wollte er an ihren nervigen Besucher aber nicht mehr denken. Während er sich im Badezimmer, das direkt an ihr Schlafzimmer grenzte, noch rasch die Zähne putzte, wartete Romain nebenan bereits auf ihn. Kimi spürte ein vorfreudiges Kribbeln in seinem Magen, als er daran dachte, was er gleich mit seinem Franzosen anstellen könnte. Endlich wieder! Darauf hatte er für seinen Geschmack aus Rücksichtnahme auf einen Mann, den er gar nicht kannte, viel zu lange gewartet.

Schnell aber gründlich spülte Kimi sich noch den Mund aus, bevor er ihr gemeinsames Schlafzimmer betrat. Natürlich hatte Romain bereits das Licht gedämmt. Eine romantische, kuschelige Atmosphäre bedeutete dem Jüngeren viel und Kimi hatte nichts dagegen einzuwenden. Wenn es Romain gefiel, dann sollte er es auch haben.
Kurz ließ der Finne seinen Blick über seinen Geliebten schweifen, der es sich auf seiner Seite des Bettes mit einem Buch gemütlich gemacht hatte. Dem Titel nach zu urteilen war es bestimmt ein furchtbar kitschiger Roman. Oder genau das Gegenteil. Es war ja nicht so, dass Romain ihn nicht hin und wieder überraschen könnte.

Kimi mochte es, wie sich die kleine Falte zwischen Romains Augenbrauen verstärkte, wenn er in sein Buch vertieft war. Er mochte es, wie er an manchen Stellen seine schmalen Lippen aufeinander presste. Er mochte es, wie er sich ungeduldig ein paar seiner hellen Strähnen aus der Stirn strich, wenn sie ihm während des Lesens nach vorn fielen.
Langsam setzte Kimi sich auf seiner eigenen Seite auf die Bettkante, schob sich vorsichtig an Romain und brachte ihn dazu, seine ganze Aufmerksamkeit ihm zu schenken.

„Das ging aber schnell“, bemerkte der Franzose und sein Lächeln hätte nicht strahlender sein können. Kimi war sich sicher, dass Romain ihn in den vergangenen drei Tagen auch sehr vermisst hatte, er war nur immer zu freundlich, um das zu sagen, zu freundlich, um Olivier eine Abfuhr zu erteilen.
„Schnell ist mein Job“, gab Kimi zurück und bekam einen Knuff in die Seite.
„Hey, keine Bemerkungen zu unserem Job in unserem Bett“, ermahnte Romain ihn, aber sein unterdrücktes Lachen verhinderte, dass er dabei sonderlich beeindruckend klang.
Lächelnd beugte Kimi sich zu ihm, gab seinem Franzosen einen langen Kuss und murmelte: „Ganz wie du willst.“ Als könnte er Romain je ernsthaft etwas abschlagen. Als würde es ihn stören, wenn der Jüngere ein paar Regeln aufstellte, die er wunderbar brechen konnte, um ihn ein bisschen zu reizen.

Kimi genoss es, dass Romain ihn augenblicklich dichter an sich zog, dass er nach dem nächsten Kuss verlangte, den der Finne ihm nur zu bereitwillig gab. Er genoss es, dass Romain sofort seine Nähe suchte, dass seine Finger nur Bruchteile von Sekunden später den Weg unter sein T-Shirt gefunden hatten. Er genoss das sanft kribbelnde Gefühl, dass Romains Berührungen immer in ihm auslösten und das ihm kleine Schauer über den Rücken rinnen ließ.
Kimi liebte den Geschmack von Romains Lippen und er konnte es kaum erwarten, sie zu auf seinem Körper zu spüren. Sie hatten Ruhe, sie hatten Zeit und die sollten sie sich unbedingt nehmen. Wann immer der Ältere seinen Franzosen erkundete, fand er etwas Neues, das er an ihm liebte.

Das Buch landete vergessen neben ihnen auf den Laken, während Kimi sich auf Romains Hüften niederließ und begann, seinen Liebsten von jeglichem Stoff zu befreien, der ihn den Zugriff auf die weiche, warme Haut verwehrte. Er wusste, wenn er noch länger darauf verzichten müsste, würde er noch vergehen. Noch nie war seine Sehnsucht so groß gewesen, noch nie hatte er den Franzosen so gierig geküsst, wie in diesem Augenblick.
Er dachte nicht mehr nach. Er war vollkommen im Moment, den er mit Romain teilte. Es gab nur sie beide und sonst niemanden. Nichts um sie herum, nichts...


Kimi verkrampfte sich sofort, als er das laute Aufschluchzen auf der anderen Seite der Wand vernahm, verdrehte mehr als genervt die Augen und spürte eine Menge böser Kraftausdrücke auf seiner Zunge brennen, mit der er so gerne andere Dinge angestellt hätte.
Romain sah auch nicht sonderlich begeistert aus, als er Olivier hörte und strich entschuldigend durch Kimis blondes Haar.
„Tut mir leid. Es... geht ihm wirklich mies“, versuchte Romain zu erklären, aber das war ein sehr schwacher Versuch, Verständnis für seinen Freund zu vermitteln.
Kimi knirschte mit den Zähnen. Es war ihm herzlich egal, ob es Olivier mies ging. Was war denn bitte mit ihm? Er musste sich zurückhalten seit der Kerl zur Tür herein gekommen war.

Romain erkannte den Unmut des Älteren natürlich, zupfte auffordernd am Bund seines Shirts. „Komm, lass uns nicht aufhören. Ich denke es wird ihn nicht umbringen, wenn wir ihn mal eine Nacht ignorieren und so tun, als hätten wir schon tief und fest geschlafen.“
Kimi konnte nicht verhindern, dass er verwundert eine Augenbraue hochzog. Solche Worte ausgerechnet aus Romains Mund? Das war ja etwas ganz Neues, aber das konnte ihm nur recht sein. Er hatte absolut nichts dagegen einzuwenden.

Der Finne lächelte zufrieden, gab dem sanften Zug von Romains Händen nach und ließ sich sein T-Shirt über den Kopf ziehen. Es landete nicht unweit von dem des Jüngeren entfernt auf dem Boden. Die Tatsache, dass Romain sich über eine solche Chaosstiftung nicht beschwerte zeigte deutlich, wie sehr er das hier ebenfalls vermisst hatte.
Es dauerte nicht lange, bis er Kimi wieder vollkommen in seinen Bann gezogen hatte. Langsam strichen die langen Finger Romains Schlüsselbein entlang, seine Lippen folgten ihrer Spur. Der Franzose kicherte, als Kimis Haarspitzen seinen Hals kitzelten. Viel weiter kamen sie allerdings nicht...

Diesmal war es ein regelrechtes Aufheulen, das Kimi dazu brachte, sich wieder aufzusetzen und angespannt scharf die Luft durch die Nase zu ziehen. Jetzt sah er bestimmt wirklich wütend aus.
„Verdammt, ich kann nicht mit dir schlafen, wenn dein Freund neben an heult!“, stieß Kimi frustriert aus und sprach das Wort Freund dabei aus, als sei es etwas ganz Furchtbares.
Romain seufzte bedauernd, strich mit den Händen entschuldigend Kimis Oberarme hinauf und hinunter. „Ich weiß, dass er nicht ganz einfach ist...“, begann er, wurde aber von dem Finnen unterbrochen.
„Nicht ganz einfach? Er ist nicht auszuhalten!“, versetzte Kimi und vielleicht wurde er gerade wirklich ein bisschen gemein. Immerhin hatte Olivier ihm nichts getan. Außer ihm seine Pläne für die Winterpause mit Romain gemeinsam kaputt zu machen, aber wenn man es rational betrachtete, konnte er gar nichts dafür.

Der Jüngere verzog das Gesicht, wahrscheinlich wollte er Kimi böse angucken, aber das gelang ihm nicht so richtig. Kimi fand, dass er höchstens ein wenig zerknautscht aussah.
„Hey, das ist nicht sehr nett von dir!“, sagte Romain fast ein bisschen streng. „Deine Freunde sind auch nicht gerade einfach, besonders dieser Lari.“
„Lauri“, korrigierte Kimi.
„Wie auch immer“, wiegelte Romain mit einer unterstreichenden Handbewegung ab. „Jedenfalls ist es nicht so besonders angenehm, wenn er hier um drei Uhr morgens anruft.“
„Er war halt ein wenig betrunken...“, spielte Kimi herunter und im Prinzip tat er damit auch nichts anderes, als Romain.
„Ach, und das macht es besser?“, entrüstete sich der Jüngere und Kimi musste wohl einsehen, dass sein Franzose recht hatte.

Er hatte es auch nicht gerade toll gefunden, dass Lauri hier mitten in der Nacht angerufen und sie aus ihrem wohlverdienten Schlaf geholt hatte. Es hatte ihm leid getan, denn Romain hatte sich dermaßen aufgeregt, dass er die ganze Nacht keine Ruhe mehr gefunden hatte.
Damals hatte Kimi seinen langjährigen Freund ebenfalls in Schutz genommen. Damals hatte er erklärt, dass Lauri gerade eine schwierige Phase durchmachte. Genau wie Romain es jetzt bei Olivier tat.

„Nein“, räumte Kimi also ein und warf Romain den besten, schuldbewussten Blick zu, den er drauf hatte. Es gefiel ihm zwar immer noch nicht, aber er musste es einsehen. Unwillig gab er seinen Sitzplatz auf Romains Schoß auf und kletterte wieder auf seine eigene Seite. „Dann solltest du wohl mal nach ihm sehen.“ Er konnte nicht glauben, dass er das wirklich sagte, aber es war richtig. Es war in Ordnung, auch wenn Kimi es hasste.
Wenigstens war es das wert für das Lächeln, dass er dafür von Romain bekam. „Danke. Wir werden das alles nachholen. Versprochen.“ Mit diesen Worten richtete der Franzose sich auf, sammelte seine Klamotten wieder ein und zog sie wieder an.
Kimi grummelte leicht. Er war doch kein Kind, das man vertröstete. Er seufzte und nickte zustimmend, während er Romain dabei zusah, wie er aus dem Schlafzimmer verschwand. Dann ließ er sich in die Kissen sinken und starrte frustriert an die Decke. Vermutlich würde er schon eingeschlafen sein, bis Romain zurück kam.

* * *   * * *   * * *


Fast hätte er nicht mehr daran geglaubt, aber eine Woche später war der langersehnte Tag endlich gekommen. Kimi konnte sich sein vorfreudiges Grinsen kaum verkneifen, als er das Abschiedsprozedere der beiden beobachtete, das ihrer langatmigen Begrüßung in nichts nachstand.
Olivier hatte es nicht geschafft, in Kimis Gunst zu steigen. Genau genommen hatte er alles dafür getan, dies zu verhindern. Wenn es nach dem Finnen ging, dann würden sie sich nie wieder über den Weg laufen, aber...
Er war eben ein Freund von Romain. Genauso, wie Kimi seine Freunde hatte, die für das Empfinden seines Liebsten nicht weniger grenzwertig waren. Aber egal wie unterschiedlich ihre Freundeskreise auch sein mochten, sie gehörten eben dazu und für Romain würde der Ältere wohl so einiges tun.

Kimi lehnte mit vor der Brust verschränkten Armen im Türrahmen, als Romain sich fertig verabschiedet hatte und die Stufen wieder hinauf kam. Zu seiner Belustigung sah der Franzose inzwischen selbst reichlich abgespannt und entnervt aus. Seine Haare waren ganz zerzaust und seine Augen gaben die Müdigkeit nur zu deutlich Preis, die ihm in den Knochen steckte.
„Okay“, hauchte Romain ihm zu, als er ihn erreicht hatte und die Arme um Kimis Nacken geschlungen hatte. „Du hast absolut recht. Olivier ist anstrengend.“
Wohlwollend nahm Kimi diese Einsicht zur Kenntnis, wie sein breites Grinsen verriet, während er seine Hände locker auf Romains Hüften platzierte. „Mhm“, machte er wissend.
„Sehr anstrengend“, räumte Romain noch ein. „Ich gebe auch zu, dass ich auch irgendwie froh bin, dass er weg ist. Aber falls du glaubst, dass ich ihn deshalb wegschicken würde, falls er irgendwann wieder...“

Kimi unterbrach ihn lieber schnell. An ein nächstes Mal wollte er jetzt lieber nicht denken. „Ja, schon klar. Aber mir war so, als hättest du mir etwas versprochen“, spielte Kimi lieber an die Nacht an, als Olivier ihre Zweisamkeit mit einem Heulflash zerstört hatte.
Romains Grinsen war sehr breit, als er Kimi langsam wieder ins Haus schob und ihn küsste. Jetzt hatten sie endlich Ruhe, jetzt hatten sie endlich Zeit für einander und die würden sie auch ganz bestimmt zu nutzen wissen.
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