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Between the Lines - The wonderful world of words

von DellarFar
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
19.02.2015
02.10.2020
29
263.212
214
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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03.05.2015 8.781
 
Kapitel 6 Rotkehlchen und der böse Wolf

„Du verdammter...", setze ich an, komme aber nicht weit. Kain greift nach meinem Arm und zieht mich mühelos in den Schwitzkasten. Mein Körper kippt nach unten und fast sofort erfasst mich ein Schwindelgefühl, welche mein gesamtes Inneres in Aufruhre versetzt.
„Schon zurück? Hast du dir Brotkrumen ausgelegt, damit du in deinem Zustand wieder her findest?", witzelt er selbstgefällig und ich möchte ihm den Hals umdrehen. Oder ihn zu mindestens treten oder hauen. Doch mein Körper gehorcht nicht, sondern zappelt nur hilflos rum.
„Integriertes Navi. Ich funktioniere über GPS... Arghn, willst du mich verarschen? Verdammt noch mal...",  presse ich hervor und versuche weiter mich aus seinem Griff zu befreien. Der Blick, den Kain mir schenkt, zeigt nichts weiter als Belustigung und Schadenfreude, aber in keiner Weise Schuld oder Scham. Ich habe ihn auf frischer Tat ertappt und er grinst mich nur an? Wenn er mir jetzt erklärt, dass ich selbst schuld daran bin, weil ich es noch immer nicht geschafft habe ein Passwort einzurichten, dann verprügele ich ihn. Ganz bestimmt. Wenn ich Glück habe, verleiht mir der Alkohol ungemeine Kräfte. Schließlich sorgt er schon jetzt dafür, dass ich meine Lage nur halb so aussichtslos einschätze, wie sie wirklich ist. Äußerst gefährlich und das sinnbildliche Klischee dafür, wie solche Nächte eskalieren. Kains Griff ist eisern. Er drückt meine Wange gegen seine Brust und ich spüre die Hitze, die von ihm ausgeht und die sich gnadenlos auf mich überträgt. Mein Puls sowieso schon rasender Puls nimmt weiter an Fahrt auf und die Effekte auf meinen Körper werden unleugbar. Diese auffällige Körperlichkeit, die seine kleinen Übergriffe mit sich bringen, irritierte mich schon beim letzten Mal. Seine Ringergriffe. Die Leichtigkeit, mit der er mich dadurch am Boden festgenagelt konnte. Das Flattern in meinem Körper als ich mich weniger dagegen wehrte als ich es hätte müssen. Auch jetzt. Ich spüre seine Wärme und merke deutlich, wie die Muskeln unter seiner Haut arbeiten. Die Worte in meinem Kopf bilden sich sekundenschnell und formulieren intensive Bilder. Dadurch angeheizt, wehre mich nur noch mehr, was Kain keineswegs zu stören scheint.
„Reg dich ab, Hänsel. Ich bin nur der böse Wolf und du hast mir die Großmutter auf dem Präsentierteller serviert. Du bist selbst schuld." Wie bitte? Ich brauche einen Moment bis ich seine Worte richtig sortiert habe. Kain lässt mich los als er merkt, dass ich mit denken beschäftigt bin. Ich brauche einen Moment um den Schwindel los zu werden und kann nicht verhindern, dass ich mich dabei auf den Boden knie. Soviel zu meinem Vorhaben ihn zu verprügeln.
"Alles okay?", fragt er vorsichtig.
„Du... Du dringst schon wieder mut- und böswillig in meine Privatsphäre ein und dann wagst du es auch noch....", knurre ich aufgebracht. Meine Stimmung schlägt wieder um und die kurze Abkühle aus dem Waschraum ist endgültig verpufft. Er will Krieg? Er kriegt Krieg. Auch die Reste des Alkohols scheinen mit einem Mal wieder rasend schnell durch mein Ader zuschießen. Angefacht durch die Wut und die Verärgerung.
„Ach komm, du machst es mir, aber auch verdammt leicht. Ich sagte doch, dass ich es lesen werde.", wiegelt er unbeeindruckt ab. Seine Dreistigkeit ist unfassbar und reine Provokation.
Er greift ungesehen nach der Flasche Bier, die er auf meinem Schreibtisch abgestellt hat und nimmt einen großen Schluck. Danach deutet er mit dem Flaschenboden auf mich. „Aber jetzt mal zu dir kleines Rotkäppchen. Was denkst du dir eigentlich? Wie kommst du dazu so was über uns zu schreiben?" Während er spricht, deutet er abwechselnd mit der Bierflasche auf meinen Bildschirm und auf mich. Ich weiß nicht warum, aber seine Worte lassen meine Wut ein wenig schrumpfen und machen anderen Empfindungen Platz, die ich noch weniger mag. Ich richte mich schwerfällig auf und schiebe den Drehstuhl zur Seite, damit ich an meinen Rechner rankomme.
„Ich sagte es schon mal, das hat nichts mit dir zu tun. Noch dazu hat dich niemand aufgefordert irgendwas davon zu lesen.", bluffe ich halbgar.
„Schon klar, aber das war wie das Locken in ein Pfefferkuchenhaus für Erwachsene." Noch mehr Märchen. Kain geht mir mächtig auf den Keks und noch dazu fühlt sich mein Gehirn schwammig und fluffig an. Es frustriert mich, dass zu betrunken bin um mich gebührlich zu wehren und er dadurch die Oberhand hat. Vermutlich hat er es geplant. Warum habe ich nur nicht früher daran gedacht meinen PC auszuschalten? Leicht schnaubend beuge ich mich über die Tastatur und schließe das Dokument. "Was ist nun Rotkäppchen", hakt er nach.
„Kannst du das mit dem Märchenonkel mal abschalten?", sage ich genervt ohne den anderen Mann auch nur eines Blickes zu würdigen.
„Vielleicht, wenn du damit aufhörst einen auf dritten Bruder Grimm zu machen. Also, was soll das da mit dem Porno aus Worten, den du über uns beide schreibst, Pinocchio."
„Porno aus Worten?", wiederhole ich ungläubig, "Und Pinocchio ist von Carlo Collodi. Nicht von den Gebrüder Grimm." Kain übertreibt maßlos. Diese Diskussion schlägt mir auf den Magen und Kains Getue erst recht. Niemand, wirklich niemand, zwingt ihn in diesen Zimmer zu sein und kein Mensch hat ihn dazu genötigt meine Geschichte zu lesen.
„Ist das dein Ernst?", fragt mich der Schwarzhaarig sichtbar irritiert und verwundert. Na, wenigstens das habe ich hinbekommen. Ein Punkt für mich. Ich freue mich später.
„Du übertreibst. Da steht weder dein Name, noch... irgendwas anderes, was man mit dir in Verbindung bringen kann. Und außerdem kann ich nur wiederholen, es hat nichts mit dir zu tun.", ergänze ich wegen des seltsamen Blicks, den er mir zuwirft. Nur langsam wird auch mir bewusst, dass er es wirklich gelesen hat. Jedes schmutzige kleine Wort. Mein Magen macht einen Salto und mir wird schummerig. Unbewusst lasse ich meine Finger knacken, wende meinen Blick ab und nehme den Schatten daher nur schemenhaft wahr, der sich mir nähert. Ich weiche zurück als er meine Hüfte berührt und drehe mich zu ihm um. Er greift an beiden Seiten an mir vorbei und stützt sich auf dem Tisch ab. Seine Augen scheinen mich zu durchdringen. Sie sind intensiv und dunkel. Ich schlucke hilflos.

„Das Gefühl seines heißen, bebenden Leibes über meinem. Ich spüre die Härte, die sich unentwegt gegen meinen willigen Körper drückt. Er hält sich bewusst zurück, lässt seine Lippen über meinen Hals wandern. Küssend. Beißend. Ich zergehe vor Gier. Ich strecke mich ihm entgegen, lasse ihn deutlich die Härte meiner eigenen Erregung spüren. Biete mich ihm schier an. Ich will ihn spüren. Ich will, dass er mich ausfüllt und fest nimmt. Tiefer. Immer tiefer." Erneut zitiert Kain Wort für Wort eine Stelle meines Textes. Und jedes Wort sendet einen feinen, aber ebenso intensiven Schauer durch meinen Körper. ich weiß, was ich geschrieben habe und ich ebenfalls sofort die Bilder in meinem Kopf, die mich inspirierten. Die letzten Worte scheint er mir heiser entgegen zu flüstern, was es nur noch schlimmer für mich macht. Ich schlucke schwer und drücke ihn abrupt weg. Kain lässt mich gewähren und ich flüchte in die Mitte des Zimmers.
„Triviale Erotik. Nichts weiter.", entgegne ich schnell. Meine Stimme ist einen Moment lang seltsam hoch.
„Trivial? Erzähl keine Märchen. Das sind eindeutig du und ich, Hänsel." Ich beiße die Zähne zusammen.
„Fick dich, Kain. Ist dein Ego so gigantisch, dass du wirklich glaubst, das du irgendwas damit zu tun hast?", belle ich und sehe dabei zu, wie die obligatorische Augenbraue in seinem Gesicht nach oben wandert. Es ist immer die Linke. Sie hat einen feineren Schwung als die andere. Er nimmt einen Schluck Bier und verschränkt die Arme vor der Brust.
„Okay, wer erzählt es dann?" Sigmund Freud und C.G. Jung hätten ihre Freude mit diesem Egomanen. Mit mir wahrscheinlich auch. Leider muss ich mir eingestehen, dass ich selbst nicht verstehe, warum gerade Kain Teil meiner Fantasien ist. Jeff ist der Auslöser, aber von ihm fantasiere ich nicht. Jedenfalls nicht in diesem Sinn.
„Eine x-beliebige Gretel", zwinge ich hervor und verfluche mich augenblicklich selbst, weil ich mit den blöden Märchen weitermache. Kain glaubt mir nicht, dass wird durch das brummende Geräusch deutlich, welches von den bierfeuchten Lippen perlt.
„Die Aussage, dass du als Mann aus der Sicht eines Mädchens schreibst, finde ich nicht weniger verstörend. Als würde man Rotkäppchen plötzlich aus der Sicht des Wolfes lesen. Verstörend."
„Ich bitte dich, bleib mal auf dem Teppich. Das ist vollkommen normal." Wahnsinnig viele Frauen schreiben Krimis aus der Sicht von männlichen Protagonisten. Trotzdem wage ich es nicht ihm zu erklären, dass das in meinen Bücher dauernd so mache. Ein kurzer Film all meiner weiblichen Hauptfiguren spielt sich in meinem Kopf ab. Sie haben viele unterschiedliche Charakterzüge und Persönlichkeiten und sind dennoch immer ein bisschen Ich selbst.
„Ach ja? Na gut, dann erkläre mir aus der Sicht eines grundsätzlichen Biologen, der du ja bist, ob eine Verhärtung in der Lendengegend beim weiblichen Geschlecht unbedenklich ist?" Kain schwingt seine mittlerweile fast leere Bierflasche und fordert mich damit mehrmals gestisch auf zu antworten. Als ich nicht reagiere, nimmt er einen letzten großen Schluck. Meine Nicht-Reaktion scheint ihn zu bestätigen. Ich setze an, doch es ist zu spät.
„Wie ich es mir dachte,  du reichst mir hier den vergiftet Apfel und hoffst, dass ich anbeiße. Es sind doch du und ich. Warum schreibst du so was?" Überrumpelt und ertappt. Mein Gehirn funktioniert einfach nicht gut genug um jetzt etwas Sinnvolles oder Erklärendes wiederzukäuen.
„Es überkam mich", erwidere ich lapidar und seltsam ernüchtert. Ich ernte einen verstörten Gesichtsausdruck und erkenne, wie mich Kains braune Augen aufmerksam mustern. Wahrscheinlich versucht er zu verstehen, wie ernst diese Aussage nehmen muss. Erstick dran.
„Einfach so?"
„Künstlerische Freiheit. Außerdem sind Jeff und Abel schuld!", patze ich quengelnd zurück. Erschießt mich! Bitte. Sofort! Nichts passiert.
„Machst du jetzt einen auf Aschenputtel und schiebst die Schuld auf die zwei Stiefschwestern? Ich bitte dich! Okay, aber ich spiele mit. Wie meinst du das?" Noch mehr Märchen. Mein Kopf dreht sich. Ich schiebe mich an Kain vorbei zu meinen Schreibtisch, fahre rigoros den Rechner runter, während ich darüber nachdenke, wie ich es ihm erklären kann ohne die Diskussion fortzusetzen. Ich krame in der Schublade nach der angebrochenen Schachtel Zigaretten.
„Es hat mich überrumpelt, okay? Dass Jeff auf Kerle steht", gestehe ich ein. Den letzten Teil verschlucke ich zur Hälfe, weil ich mir eine Zigarette zwischen die Lippen stecke und aufstehe.
„Moment mal! Du wusstest nicht, dass er schwul ist?" Kain hält mich zurück.
„Ding. Ding. Ding. Nein. Ich hab es erst durch dich erfahren." Ich drücke ihm hart meinen Zeigefinger gegen die Brust und schätze nach Eintreten des Schmerzes ein, dass ich das nie wieder machen werde. Der Kerl ist aus Stahl. Kain zuckt nicht mal und scheint ernsthaft erstaunt.
„Oh!"
„Ja, Oh. Mehr hast du dazu nicht zu sagen?", knurre ich. Eigentlich habe ich damit gerechnet, dass er jetzt das schadenfreudige Rumpelstilzchen macht, aber seine Reaktion überrascht mich. Ich sehe, wie er mit dem Kopf schüttelt, nickt und wieder wirkt als er würde er ihn schütteln. Für mein Gehirn ist das in diesem Moment zu viel. Schon vom Zusehen wird mir schwindelig. Ich taste haltsuchend nach der Schreibtischkante und schließe die Augen. Ich spüre Kains Hand an meinem Arm. Sie ist warm, fast brennend und ich mache einen Schritt von ihm weg. Seine Hilfe brauche ich nicht.

„Ich dachte, ihr seid schon lange Freunde und wüsstest es. Hätte ich..." Er klingt fast als täte es ihm Leid, dass er es mir so mitgeteilt. Er hat nicht mal Schuld daran, aber das verschweige ich natürlich. Erneut spüre ich seinen Blick auf mir und wieder ist es eigenartig intensiv und suchend.
„Was?", frage ich genervt, nehme die Zigarette aus meinem Mund und drehe sie in meinen Fingern umher.
„Hast du schon mal mit einem Mann geschlafen?"
„Wie bitte? Nein, habe ich nicht!", gebe ich überrumpelt von mir. Woher kommt diese Frage?
„Aber in deiner Geschichte beschreibst du es so... Wir... Die Personen, sie... Es ist ohne scheu und als würdest du wissen, worüber du schreibst", erläutert er, ohne, dass ich danach frage.
„Es ist nur Sex... und ausreichend Fantasie, das ist alles. Außerdem scheinst du zu vergessen, dass man mit Frauen auch allerhand machen kann, dass sage ich dir aus Erfahrung und als grundsätzlicher Biologe. Also, alles reine Spekulatius." Ich stocke bei meinem eigenen Wortsalat. Das sind eigentlich Kekse, oder? Egal. Kain grinst.
„Wohl wahr, aber das erklärt nicht die präzisen Vorstellung, die du beschreibst" Kain grinst und scheint sich in diesem Moment irgendwas vorzustellen. Ich will es gar nicht wissen.
„Herrje", seufze ich genervt, "Woher sollte ich bitte wissen, wie deine Küsse schmecken?" Nun klinge ich doch als würde ich sein Mitwirken in der Story bestätigen. Ich brauche dringend Schlaf. „Oder.. na ja, die von anderen Männern. Alles reine Fantasie", ergänze ich mit verräterischer Verspätung. Nun habe ich auch noch eingestanden, dass es mehr oder weniger zwei Männer sind. Wo ist die nächste Mülltonne? Ich will mich drin verkriechen. Kein Recycling nötig. Absolutes Fallobst.
„Natürlich. Reine Fantasie und komplett ausgedacht!", echot mein Gesagtes mit deutlichem Amüsement und beugt sich zu mir vor.
„Die Figuren sind universell!", kontere ich und klinge tatsächlich für einen Moment gefasst. ich schaffe es sogar ihm in die Augen zu schauen.
„Universell. Du schreibst in der Ich-Erzählerperspektive, nicht wahr?" Nur eine rhetorische Frage, "Es heißt doch, der Leser soll es selbst erleben können... als heißt, dass auch, dass du es selbst erleben willst?", fährt er unbeirrt fort.
„Ähm,... nein, also... nicht jeder Autor, der die Ich-Perspektive wählt, will damit das Geschehen erleben. Sonst würdest du ja Krimiautoren unterstellen, dass sie gern Leute töten wollen. Und ich meine nicht dich. Das wird langsam echt lächerlich." Die letzten Worte spreche ich mit Nachdruck und drehe mich von ihm weg. Lächerlich. Ganz genau. Lächerlich. Absurd und nervig. Was bildet er sich eigentlich ein? Ich atme gerade tief durch als Kain meinem Arm packt und mich zurückzieht. Er presst seinen Oberkörper gegen meinen Rücken und ich vergesse für den Moment wirklich zu atmen. Sein Arm drückt sich fest auf meine Brust und er hält mich so in Position. Sein warmer Atem trifft mein Ohr und ich erzittere als er zu flüstern beginnt.

„Die fruchtige Schärfe des Ingwers. Sie breitet sich in meinem Mund aus. Wie loderndes Feuer, arbeitet es sich durch meinen Körper und scheint in meinen Lenden zu explodieren. Ich genieße das Brennen auf meinen Lippen, das nur durch die sanfte Süße seines Mundes gelöscht werden kann. Ich lechze danach, wie die Dürre nach einem ersten Regentropfen..."
„Hör auf!", fahre ich ihn an und versuche mich loszureißen. Sein Griff ist eisern.
„Deine Worte, Robin." Ich schlucke schwer als er einfach fortfährt. „Meine Hände verweben sich in tiefem Schwarz, ziehen die glücksbringenden Lippen näher, so dass ich jeden Millimeter süßer Verlockung ertasten und erleben kann. Ich versinke in der Leidenschaft seiner besitzergreifenden Hände, die mir die Kleidung vom Körper zerren..." Passend dazu wird sein Griff noch ein wenig fester und seine Finger verweben sich fest mit dem Stoff meines Oberteils. Ich spüre, wie mir die Hitze langsam zu Kopf steigt, wie sie kribbelt und pulsiert. Sein warmer Atem trifft meinem Hals in stetigen Wellen und mein Körper reagiert auch darauf.  Die Schauer ziehen sich über meine komplette linke Körperhälfte.
„Hör auf...", knurre ich erneut säuerlich. Wie kann er das so genau wiedergeben? Wie oft hat er es gelesen? Ich komme nicht dazu zu fragen. Kain lässt mich los.
„Du beschreibst mich.", stellt er schlicht fest, "Also, was soll mir das sagen?" Zur Verdeutlichung kramt er in seiner Tasche nach einem der verräterischen Bonbons, die er sich gern in den Pausen in den Mund schiebt. Ich spüre, wie sich bei dem Gedanken an diesen Geschmack mein Hals kribbelnd zusammenzieht. Ich habe schon so oft daran gedacht. Schon viel länger als ich mir eingestehen will. Mein dröhnender Herzschlag ist so laut, dass ich mich fast taub fühle.
„Die essen viele!", antworte ich verzögert, lecke mir selbst über die leicht trockenen Lippen und schaffe es nur ganz schwer meinen Blick von der gelblichen Zuckermasse zu entfernen.
„Nenn mir einen Weiteren an der Uni!", kontert Kain prompt. Damit hätte ich rechnen müssen, aber noch immer merke ich deutlich den Alkohol in meiner Blutbahn. Ich weiß nicht, was sein Problem ist. Und wenn es nach mir geht, wird es kein anderer erfahren. Statt ihm zu antworten nehme ich ihm, das Bier aus der Hand und leere den Rest mit einem Zug. Für meinen Zustand nicht hilfreich, aber vielleicht kriege ich Kain damit endlich zum Schlafen. Ich lasse die leere Flasche demonstrativ in den Müll fallen und mache eine abschließende Geste. Kain reagiert nicht, sondern sieht mich einfach nur an.
„Warum machst du eigentlich so einen Aufriss? Es sind bloß ein paar Worte. Nichts weiter. Sie tun niemanden weh", sage ich nun ehrlicher als ich eigentlich wollte. „Also was willst du von mir hören?" Ich klinge schrecklich ermattet und bin langsam wirklich genervt.  Im Grunde bin ich vor allem müde. Kain hat leicht reden. Ihm kommen nicht ständig diese Worte in den Sinn und in seinem Kopf schreiben sich nicht ständig Szenen und Bilder. Das Knistern von Bonbonpapier dringt an mein Ohr und ich habe nicht gemerkt, dass ich die Augen geschlossen habe. Ich zwinge mich dazu, sie wieder zu öffnen. Kain schweigt und ich wende mich kopfschüttelnd meinem Bett zu, in der Annahme, dass das Gespräch endlich beendet ist. Ich verliere leicht das Gleichgewicht als ich mich nach unten beuge um mein Kissen anzuheben.
„Dann wirst du nicht aufhören mit fantasieren?", höre ich Kain unvermittelt fragen und ich richte mich wieder auf. Wie könnte ich? Er klingt abgelenkt und gedankenversunken. So als würde er mehr über etwas nachdenken als aktiv mit mir zu kommunizieren. Mir entflieht ein leises Seufzen.
„Fantasie kann man schlecht kontrollieren", antworte ich pampig. Wenn er mir eine Möglichkeit nennt, mit der es aufhört, nehme ich sie dankend an.
„Dann bist du auch neugierig?" Natürlich. Ein bisschen jedenfalls, gestehe ich mir selbst ein. Warum sonst hätte ich so viel darüber nachgedacht? Auch jetzt bilden sich automatisch Szenen in meinem Kopf. Ich schubse missmutig mein Kissen zur Seite und höre wieder dieses leise Knistern. Es ist ein seltsamer Laut.
„Auch Neugier kann man nicht kontrollieren.", erwidere ich und greife nach meinen achtlos unter das Kissen geschobenen Schlafklamotten. Als ich aufrichte, spüre ich seinen Körper hinter mir.
„Huch", entfährt es mir leise. Kain umfasst meine Handgelenke und hält mich damit aufrecht. Ich lasse die Schlafklamotten wieder fallen. Sein Blick bewegt sich ruhelos über mein Gesicht. Suchend. Bittend. Es muss der Alkohol sein.
„Ich bin neugierig", flüstert er. Ich bemerke seine Hand in meinem Nacken und spüre gleich darauf seine Lippen auf meinen. Ich bin zu erschrocken um sofort reagieren. Nicht das erste Mal heute. Auch nicht der erste Kuss, den man mir heute stiehlt. Betrunken bin ich anscheinend vollkommen wehrlos.

Auf seinen Lippen hängt das Aroma von Bier. Malzige Herbe, die auf die prickelnde Minze meines Mundes trifft. Als ich langsam begreife, was hier passiert, ist es feine Süße, die meine Lippen umschmeichelt und mich vom Aufhören ablenkt. Sie wird intensiver und langsam schmecke ich das fruchtige Aroma der Zitrone. Es ist fast genauso, wie ich es mir vorgestellt habe. Ein Hauch von Schärfe breitet sich in meinem Mund aus als seine Zunge gegen meine schlägt. Sie prickelt über meine Geschmacksknospen als der Kuss innerhalb von Sekunden intensiver wird. Kain fragt nicht. Er nimmt und es gefällt mir. Seine Haltung habe ich die als Ablehnung interpretiert, aber es ist ebensolche Neugier. Was wohl seine Fantasien sind? Was passiert in seinem Kopf? Der Gedanken lässt meinen Körper erbeben.
Ich spüre, wie seine geschickte Zunge meine lockt. Dem sanftes Stupsen folgt energisches Streicheln. Kain entlässt mein Handgelenk, bettet sich auf meinem unteren Rücken und drückt mich dichter an ihn heran. Es fühlt sich anders an den starken größeren Körper zu spüren. Aber es fühlt sich auch aufregend und gut an. Kanin beginnt meine Seite entlang zu streichen und findet schnell den Weg unter meinen Pullover. Seine leicht rauen Fingerspitzen gleiten über  elektrisierte, willige Haut der angespannten Muskeln meines Rückens. Wieder bin ich wohligen Schauern ausgesetzt, die meinen gesamten Leib mit Gänsehaut überziehen. Dabei sind es nur diese winzigen Berührungen. Ich kann keinen klaren Gedanken mehr formulieren. Ich bin dominiert von dem herausragenden Gefühl seiner Körperwärme und seiner Lippen, sowie vom Alkohol, der zusätzlich mein Gehirn lähmt und alles noch intensiver macht. Je näher mich Kain an sich drückt, umso deutlicher merke ich, dass es auch ihn nicht kalt lässt. Es erregt mich nur noch mehr und entfesselt mich.

Meine Finger gleiten in das tiefe Schwarz seiner Haare. Es ist wie ein niedergeschriebener Ablaufplan in meinem Kopf. Es ist das, was sich seit Wochen wieder und wieder in meinen Gedanken formuliert. Ich lasse meine Finger den von mir erdachten Pfad über seinen Nacken gleiten, über seinen Trapezmuskel zur linken Schulter. Es ist als überprüfte ich das Traumbild auf seine Richtigkeit und bisher gibt es kein Bereuen. Er liebkost meine Unterlippe, während mein Daumen über sein linkes Schlüsselbein streicht. Beim Übergang zur Schulter spüre ich eine leichte Erhebung am Knochen. Ein Bruch. Kain beißt mir sanft in die Lippe und zieht meine gesamte Aufmerksamkeit zurück auf seinen Mund. Seine Hand schiebt sich meine Seite hinauf, legt einen Teil meines Bauches frei. Sein Daumen stoppt über meiner Brustwarze. Ein feines Kribbeln durchfährt mich als er nur zaghaft darüber streicht. Nicht mehr als ein Necken. Meine Augen sind nur halb geöffnet und doch erkenne ich die Erregung in seinen. Sie ist deutlich und klar.
„Ei, Großmutter, was hast du für große Hände?", murmele ich, weil es mit gerade durch den Kopf geht. Absurd, aber passend zu unseren vorangegangenen Märchenthema. Als ich meine Finger über seinen Bauch zu seiner Brust gleiten lasse, spüre ich, wie er seine Muskeln anspannen. Auch das habe ich mit vorgestellt und auch das ist etwas besser als in meiner Fantasie.
„Damit ich dich besser packen kann!", steigt Kain nahtlos mit ein. Flüstert mit rauer Stimme. Er packt meine Hüfte und drückt unsere Becken aneinander. Unmissverständlich. Ein tiefes Raunen flieht über seine Lippen als er sich zu meinem Ohr beugt. „Lass mich ein bisschen den bösen Wolf spielen", schlägt er flüsternd vor. Ein federleichter Kuss trifft mein Ohrläppchen. Danach ein Biss, gefolgt von einem schmeichelnden Lecken. Blut rauscht in meinen Ohren, hämmert sich durch meinen angeregten Körper und der klitzekleine Rest Vernunft wird augenblicklich von einer Flutwelle aus Alkohol und Lust mitgerissen. Sie ertrinkt zusammen mit der bezifferten Kennung meiner Hemmschwelle. Ich sage weder ja, noch nein und muss es auch nicht, denn mein ganzer Körper signalisiert ihm meine Antwort. Schreit förmlich seine Zustimmung.
Kain wartet nicht länger, greift mit dem Daumen in meine Hose und öffnet mit einem einfachen Handgriff meinen Jeansknopf. Trotzdem überrascht blicke ich an mir hinab und wieder auf. Kain grinst und zieht sich mit einer flüssigen Bewegung das Shirt über den Kopf. Er gewehrt mir so einen kurzen Blick auf seinen trainierten Körper, bevor er mich wieder zu sich heranzieht. Seine Lippen betten sich an meinem Hals und ich schließe automatisch die Augen, während sie sich küssend und beißend meine Haut widmen. Auch das ist, so wie ich es niedergeschrieben habe, aber intensiver.

Als nächstes fällt mein Oberteil. Seine Hände legen sich an meine Taille. Seine Daumen streichen über meine weniger definierten, aber dennoch deutlichen Bauchmuskeln. Ich muss mich nicht schämen und Kains Blick bestätigt es mir. Seine Berührungen sind weder zurückhaltend noch scheu. Sie sind neugierig und wissend. Ob er sich vorgestellt hat, wie es sich anfühlt seine Finger über meinen Körper gleiten zu lassen? Hat er fantasiert, wie ich klinge? Mir reicht es nicht mehr nur darüber nachzudenken. Ich drücke ihn von mir weg, schubse ihn sachte in die Richtung von Jeffs Bett. Kains Blick ist kurz irritiert, doch als er mit einem weiteren Stoß gegen den Bettrahmen prallt, versteht er es.
Wie im Film reißen wir uns die restlichen Kleidungsstücke von den Körpern. Zwischendurch nehmen wir unsere Münder in Besitz. Jeder Kuss ist eine kleine Offenbarung und gespickt mit Aufregung und Neugier. Wir küssen uns langsam und kontrolliert. Danach unordentlich und feucht. Es ist neckend und leidenschaftlich. Kains Geschmack lässt hunderte neue Worte in meinem Kopf entstehen. Adjektive, denen ich niemals eine solche Bedeutung beigemessen hätte. Doch nun wirken sie seltsam passend. Fast perfekt. Ich giere nach dem aufregenden Gefühl, welches seine Lippen in mir auslösen. Als nur noch unsere Unterwäsche übrig ist, bleiben wir schweratmend voreinander stehen. Mein Blick haftet sich an seine leicht geöffneten Lippen, während Kains erneut fast unfokussiert über meine Erscheinung wandert.
Die Stille macht unsere schweren Atemgeräusche nur noch lauter. Es ist der letzte Moment um aufzuhören. Keiner von uns beiden regt sich. Ich will nicht aufhören. Ganz oder gar nicht. Ich schiebe es auf den Alkohol und der Tatsache, dass mein Kopf nur noch danach schreit mir das zu holen, worüber ich schon so lange nachdenke. Sex. Kurzerhand drücke ich Kain aufs Bett und setze mich demonstrativ über ihn. Seine braunen Augen beobachten mich neugierig und aufgeregt. Aber erwartend. Meine Hand streicht über die deutliche Ausbeulung seiner Unterhose. Ich zucke leicht zurück als ich die deutliche Hitze durch den Stoff hindurch spüre und dann die Härte bemerke. Ebenso die Größe. Nun flutet mich etwas Nervosität.
Als würde er es bemerken, setzt sich Kain unvermittelt auf und greift mir in den Nacken. Seine Lippen schnappen amüsiert nach meinen und sehe ich ihn verschmitzt grinsen. Er zieht meinen Kopf tief in seine Halsbeuge, so dass seine Lippen ohne Probleme an mein Ohr kommen. Seine Zähne gleiten erst sanft und dann fest über das zarte Fleisch meines Ohrläppchens. Ich keuche laut, zucke zusammen und greife in diesem Moment nach seiner Körpermitte. Sein Stöhnen echot durch meine Gehörgänge, pulsiert durch meine Glieder und es fühlt sich wunderbar an. Kain hält mich in Position, während ich meine Handfläche nun weniger zögerlich über seine Härte gleiten lasse.
„Ei, Großmutter, was hast du für einen großen...", raunt er mir entgegen. Das Wort Schwanz ist nur ein erregtes Flüstern. Ich fühle mich ertappt und schaudere deutlich. Diesmal bin ich es, der nach seiner Lippe schnappt als mir klar wird, wie sehr mich das angemacht hat. Kains Hand legt sich auf meinen Oberschenkel. Sie streichelt sich dichter an meine Körpermitte heran, zieht neckend an dem weichen Stoff. Ich keuche auf und erfülle so seine Vorstellungen. Ich keuche heftiger als ich spüre, wie sie sich tiefer in meine Shorts schiebt und ungeniert um meine Härte schließt. Die Wärme ist wohltuend. Die stetige Bewegung seiner Hand ist berauschend und befriedigend. Sie ist wissend, nicht schüchtern, aber auch nicht nur experimentierend. Die unbeschreibliche Hitze benebelt meinen gesamten Körper und der Druck in meinen Lenden wird immer stärker. Ich keuche fast enttäuscht auf als sich seine Hand zurückzieht. Doch Kain verfolgt ein anderes Ziel. Beide Hände legen sich auf meinen kleinen festen Hintern. Er zieht mich hoch, so dass ich mehr über ihm knie als sitze. Zunächst gleiten seine Finger von unten durch die Hosenbeine. Mit jedem Zentimeter, den sie tiefer in meine Hose fahren, durchzuckt mich ein aufgeregtes Schaudern. Kain offenbart mir seine Absichten und Vorstellungen und ich stelle schwer atmend fest, dass ich mich längst darauf eingestellt habe der passive Part zu sein. Der Gedanke daran macht mich nervös, aber er erregt mich auch. Und die Erregung übertrifft alles, denn sie aufregend und intensiv. Es fühlt sich gut an. Keine Furcht. Reine Neugier.

Kains Lippen widmen sich genüsslich meinen Brustwarzen, während seine Hände spielerisch meine Shorts nach unten befördernd. Als ich mich von ihm entferne um das lästige Stück Stoff los zu werden, lässt auch Kain seine Shorts verschwinden, gewährt mir damit einen guten Blick auf seine Erregung. Sie ruht hart und perfekt auf seinem Unterbauch. Kain gibt mir die Zeit ihn ausführlich zu mustern. Ich schlucke schwer und merke, wie mein sowieso schon rasendes Herz kurz aussetzt und danach noch wilder weiterschlägt. ich bin so damit beschäftigt, dass ich nicht auf seinen Gesichtsausdruck achte. Leise lachend zieht er mich wieder an sich heran.
Seine Hand umfasst uns beide. Ich sehe dabei zu, wie seine Härte gegen meine reibt, wie sich seine Finger genüsslich und intensiv über die zarte, heiße Haut bewegen. Der feuchte Glanz verteilt sich auf die gesamte Länge unserer Erregungen und die Reibung wird immer befriedigender. Ich neige mich ein wenig nach hinten, stütze mich mit den Händen an seinen Knien ab und halte nicht mit dem akustischen Gefallensbekunden hinterm Berg. Doch nicht nur meine Geräusche erfüllen den Raum. Auch Kain atmet heiß gegen meine Brust, keucht und raunt. Es ist tief und voller Wohlgefallen. Ein genüssliches Stöhnen perlt über seine Lippen und die wissende Hand ist verschwunden. Im nächsten Moment drückt er mich ins Kissen und richtet sich auf. Kain beugt sich schwer atmend zu Jeffs Nachttisch und nach kurzem Suchen landet ein Kondom auf meinem Bauch. Das kühle Aluminium fühlt sich seltsam an auf meiner erhitzten Haut. Ich greife danach, sehe Kain zwinkern und wie er zwei Tuben aus Jeffs Schränkchen holt. Stirnrunzelnd betrachtet er die Etiketten und wirkt leicht überfragt. Als nächstes zuckt mit den Schultern und ich beobachte, wie einer der Behälter in einem hohen Bogen vor dem Bett zu Boden geht. Ich setze mich auf und schaue über den Matratzenrand. Kain lässt den Verschluss des behaltenen Gleitmittels aufschnappen. Ein schmatzendes Geräusch ertönt und er leckt sich grinsend über die Unterlippe.
„Letzte Chance um über deine Position zu verhandeln." Seine Stimme ist mehr als ein erregendes Raunen und es gefolgt ein belustigtes Grinsen. Kain wendet seinen Blick nicht ab und obwohl ihm bereits eine Ladung Gel über die Handfläche rinnt, schließt er die Tube nicht. Ich schaue dabei zu, wie ihm etwas der klaren Flüssigkeit auf den Oberschenkel tropft und  Aufregung durchfährt mich, lässt mein Lenden zucken. Ich folge dem Tropfen, der fast streichelnd seinen Innenschenkel entlang gleitet. Eine weitere glitzernde Perle landet diesmal auf seinem Unterbauch. Kain packt mein linkes Fußgelenk, zieht mich mit einen kräftigen Ruck in eine liegende Position und dichter zu sich heran. In einer schnellen Bewegung beugt er sich über mich. Seine benetzten Finger tippen vorsichtig über meine Hüfte, malen kleine unsichtbare Spuren über meinen Bauch und die Oberschenkel ehe sie sich meiner Erregung widmen. Kain lässt die feuchten Fingerkuppen über meine Spitze tippen, kreist spielerisch über den empfindlichen Schlitz. Automatisch spanne ich den Bauch an und drücke mein Becken der Berührung entgegen. Ich halte den Atem an. Abwartend. Erwartungsvoll. Unwillkürlich suche ich seinen Blick. Das tiefe Braun seiner spricht von Leidenschaft, Neugier und purem Verlangen. Es beruhigt mich. Mein Herz macht trotzdem einen kleinen Satz und meine Vernunft verabschiedet sich vollständig. Mit einer schnellen Bewegung zieht er mich etwas weiter runter, so dass er sich bequem zwischen meine Beine positionieren kann. Er beugt sich über meinen Bauch. Küsst und knabbert, während mich zu befriedigen beginnt. Es sind gleichmäßige und rhythmische Bewegungen. Er pumpt mich in einem Tempo, bei dem ich weiß, dass ich so nicht schnell kommen werde und das ist beabsichtigt. Nachdem ich genüsslich zu keuchen beginne, spüre ich seine feuchten Finger tiefer wandern und meinen Eingang finden. Er fackelt nicht lange. Nach und nach wandert erst ein Finger tiefer, dann ein zweiter. Mal stoßend. Dann kreisend, massierend. Eine perfekte Kombination aus Vorbereitung und Ablenkung, denn jedes Mal, wenn er weitergeht, nimmt seine massierende Hand an meiner Erregung an Fahrt auf. Immer dann, wenn ich mich keuchend unter ihm winde und mich seinen Berührungen entgegen bewege, geht er weiter. Der Druck in meinen Lenden wird ekstatisch, katapultiert mich an meine Grenzen und er lässt wieder von mir ab. Seine Bewegungen werden wieder sanfter. Ich lege meinen Kopf in den Nacken als er etwas in mir berührt, was ich bisher nicht kannte. Ein lautes, begeistertes Stöhnen flieht von meinen Lippen. Ich bäume mich heftig auf und mit einem Mal sind Kains Hände verschwunden.

Als ich los motzen will und aufsehe, rollt er sich das Kondom über und beugt er sich zu mir runter. Seine Lippen legen sich auf meine. Ich erwidere den Kuss nur fahrig. Seine Lippen an meinem Kiefer. An meinem Hals bis sie erneut auf mein Ohr treffen.
„Jetzt werde ich dich verschlingen, kleines Rotkehlchen." Er richtet sich auf und zieht mit eine einfachen, schnellen Bewegung mein Becken in seinen Schoß. Mein linkes Bein landet zusätzlich über seiner Schulter und mein Gehirn ist nicht wirklich dazu in der Lage dem Ganzen zu folgen. Ich spüre, wie seine Härte gegen meinen Hintern streicht. Mein Keuchen wird hektischer, obwohl noch nichts passiert ist. Doch das ändert sich schnell. Unbewusst greife ich nach seinem Arm. Ich kann nicht verhindern, dass ich leicht verkrampfe als er sich stetig gegen und dann in mich drückt. Kains Hand umfasst ebenfalls meinen Arm und er beugt sich zu einem weiteren, langen zu Kuss zu mir runter. Er bewegt sich nicht oder nur langsam. Es wird besser. Seine Hitze. Ich spüre sie in mir. Mein Körper bebt aufgeregt und angeregt. Mit der Schulter drückt er mein Bein weiter nach vorn und seine Erregung noch ein Stück tiefer in mich. Kain stöhnt leise und beherrscht. Ich greife in das Kissen unter meinem Kopf und drücke mein Gesicht gegen meinen Oberarm. Ich bin dankbar für Kains Beherrschung. Seine warmen Lippen küssen sich über meinen Kiefer, zu meinem Kinn. Eine solche Geduld und Fürsorge habe ich ihm gar nicht zu getraut. Er gibt mir die Zeit, die ich brauche, doch als er spürt, dass ich mich vollends entspanne, gleitet er schnell tiefer. Ich stöhne laut auf, packe seine Schulter und entlasse sie erst wieder als Kain einige Male genüsslich, aber kontrolliert zugestoßen hat. Die Hitze ist atemberaubend. Kain greift meine Hüfte fester und seine Stöße werden härter und schneller. Es erfüllt mich mit absoluter Befriedigung. Er soll nicht aufhören.
Kain packt mich am Becken, hebt mich an und lässt seine Hände genüsslich über meinen kleinen Hintern gleiten, während er sich tief in mir versenkt und innehält. Er ertastet den Punkt unserer Vereinigung, während seine Lippen meinen Hals hinabküssen, über meine Brust wandern und sich um meine harte Brustwarze legen.  Er spielt. Er genießt. Er nimmt, was ich ihm biete und ich kann es ihm nicht verdenken. Trotzdem staut sich die Ungeduld in mir, also lasse ich mein Becken so gut ich kann rotieren, drücke mich ihm entgegen und biete somit etwas Widerstand. Ich will ihn animieren, will es ebenso gut für ihn machen und höre mit Genugtuung, wie Kain tief gegen meine Brust stöhnt. Seine Zähne knabbern an der empfindliche Haut meiner Brustwarzen. Ein Biss. Ich keuche auf. Dann spüre ich seine Zunge, die streichelnd und heilend kleine Kreise zieht. Ich nehme mein linkes Bein von seiner Schulter und schlinge beide Beine fest um seine Hüfte. Er wiederholt die Liebkosung meiner Brustwarze unbeeindruckt auf der anderen Seite und ich drücke ihm mein Becken härter entgegen. Es ist ein regelrechter Ruck, der auch die letzten Zentimeter tilgt. Seine Finger greifen erschrocken in das feste Fleisch meines Hinterns und er sieht auf. Seine Augen funkeln angeregt und das Lächeln auf seinen Lippen ist wild. Er packt mich und lässt sich gleichzeitig seitlich nach hinten fallen. Der plötzliche Wechsel lässt mich seine gesamte Länge noch deutlicher spüren, da er den Winkel ändert. Ich finde mich tief auf seinem Schoss sitzend wieder und stöhne nun selbst überrascht auf. Kains streicht beruhigend über meine Seite. Doch statt Erleichterung verursacht es mir ein prickelndes Kitzeln, welches mich zusammenzucken lässt und Kain ein überraschtes Stöhnen entlockt. Dann stößt probehalber nach oben. Ich keuche erneut. Kain setzt sich auf und legt seine Hände an meine Taille.
„So, fress ich dich mit Haut und Haar", keucht er mir heiß entgegen. Sein Becken zuckt nach oben. Ich erwidere mit einem heißen Stöhnen. Ich greife an seinem Kopf vorbei und suche Halt der kühlen Wand.
„Tiefer. Immer tiefer." Diesmal sind es meine Worte, die er zitiert. Sie machen die ganze Szenerie nur noch intensiver für mich.
„Halt den Mund und fick mich", knurre ich ihm barsch entgegen. Kains Hände halten plötzlich still und er sieht zu mir auf. In seinem Blick erkenne ich eine Mischung aus Erstaunen und puren Verlangen.
„Na, na, kleines Rotkehl..." Bevor er es beenden kann, drücke ich ihm meine Lippen auf. Kain redet zu viel. Eindeutig. Er erwidert den Kuss sofort leidenschaftlich, umgreift meine Hüfte und ich hebe mein Becken um ihm mehr Platz zu bieten. Er nutzt ihn bereitwillig, in dem er heftig und hart nach oben stößt. Seine Bewegungen sind schnell und ungemein befriedigend. Ich beginne mich selbst zu pumpen, lasse meine Augen genießerisch geschlossen und komme heiß, heftig, während mir Kain genüsslich sein Becken entgegen rammt. Kains Hand gleitet an meine Wange. Sein Daumen streicht über meine bebende Unterlippe, während der Orgasmus meinen Körper durchzuckt und der Druck endlich nachlässt. Ein paar letzte kräftige Stöße und auch Kains Körper versinkt in der wohltuenden Befriedigung.

Seine Augen sind geschlossen, während seine Hand fahrig über meine hektisch hebende Brust streicht. Nachdem ich mich wieder etwas gesammelt habe, steige ich von seinem Schoß und stolpere fast aus dem Bett.
„Wie unromantisch, Hänsel", kommentiert Kain mein abruptes Aufstehen. Er regt sich nicht, sondern liegt mit geschlossenen Augen auf den Rücken. Ich gehe rückwärts auf mein Bett zu und setze mich als ich den kühlen Bettrahmen an meinem Waden spüre. Ich habe das Gefühl noch immer seine Hände an meinem Körper zu spüren. Fest und intensiv.  Meine Glieder pulsieren. Mein gesamter Körper vibriert als Nachwirkung dieser intensiven Bettgymnastik. Die Befriedigung durchrollt mich mit absoluter Genugtuung. Auch wenn ich jetzt schon merke, wie schwer sich meine Hüfte anfühlt.
„Kuscheln kostet extra", sage ich plump, "Und ich schlafe nicht in fremden Betten" Ich ziehe mir die Decke über den Schoß. Kain gibt kein Wort mehr von sich. Rapide Einstellung der Serotoninausschüttung. Wahrscheinlich ist er augenblicklich eingeschlafen und hat nichts mehr von meinem dummen Kommentar mitbekommen. Ich spüre es ebenfalls. Obgleich auch extreme Aufregung durch meine Adern rast und mich in diesem Augenblick wach pusht. So wirklich klar ist mein Kopf noch immer nicht. Ich sehe zu dem anderen Bett, erkenne den trainierten Körper und merke das Pulsieren meines eigenen wieder stärker. Als ich mir sicher bin, dass Kain wirklich schläft, krame ich mir ein Taschentuch aus dem Nachtschrank und säubere meinen Bauch, der noch kleinere Spuren meiner eigenen Samenflüssigkeit aufweist. Danach ziehe ich mir meine Schlafklamotten über und lege mich hin.
Ist das gerade wirklich passiert? Ich sollte nicht darüber nachdenken. In meinem Kopf klingt es nach einer beschlossenen Sache, doch als ich schon wieder zum anderen Bett sehe, wird mir klar, dass das nicht so einfach ist. Kains Anwesenheit macht mich nervöser als ich gedacht habe. Meine Glieder werden nur langsam schwer. Mein Kopf schaltet äußerst schwerfällig ab und ich brauche eine gefühlte Ewigkeit um einzuschlafen.

Es ist Jeffs zartes Stimmchen, welches mich letztendlich aus dem Schlaf reißt. Ich ziehe mir automatisch die Decke mehr über den Kopf.  Doch nur wenige Augenblicke später gleitet sie wieder über meine Schultern. Ich wiederhole das Spiel rupfe sie wieder hoch, verdrehe mir dabei den Arm. Doch die Decke wandert schneller wieder runter als mir lieb ist. Mein Mitbewohner schafft es drei Mal mein müdes Gehirn auszunutzen, bevor ich ihm wutentbrannt ein kleines Kissen entgegenschleudere.
„Kommt schon ihr zwei. Immerhin seid ihr früher im Bett gewesen als Abel und ich und wir sind schon über eine Stunde wach", flötet Jeff fröhlich und Nerv tötend.
„Willst du dafür einen Preis?", grummele ich ins Kissen.
„Hätte nichts dagegen." Ich bin mir sicher, dass Jeff grinst.
„Bei Gelegenheit verleihe ich dir den Oscar für den dümmsten Spruch des Tages", mischt nun auch Kain mit und richtet sich auf. Aus dem Augenwinkel heraus sehe ich, wie er, mit einer schnellen Bewegung, das benutzte Kondom in einem Taschentuch verschwinden lässt bevor sich Jeff zu ihm umdrehen kann.
„Meinst du wirklich? Etwas voreilig, schließlich haben wir Abel heute noch nicht reden hören...", brumme ich ablenkend ehe mein Mitbewohner etwas erwidern kann und ernte den gewollten verärgerten Blick des blonden Mann.
„So ungern ich, dem da recht gebe, aber da ist etwas dran." Kain grinst und angelt nach seiner Hose. Erst als er sich auch sein Shirt übergezogen hat, steht er von Jeffs Bett auf und räumt das Bettzeug zusammen. Er wirft mir einen undefinierten Blick zu und verschwindet mit einem einfachen Gruß aus dem Zimmer.
„Wow, was für eine Katerstimmung. Ihr solltet unbedingt trinkfester werden." Ein weiterer preisverdächtiger Blödmannkommentar. Jeff hebt etwas vom Fußboden auf und ich erkenne die zweite Tube Gleitmittel in seiner Hand.
„Kann ja nicht jeder so ein Alkoholvernichter sein, wie du. Dich braucht man später nicht mehr einbalsamieren. Du bist schon konserviert.", gebe ich nonchalant von mir und bin mir der kleinen Provokation durchaus bewusst. Ich versuche meinen Mitbewohner so gut es geht zu ignorieren, spiele weiter meine mürrische Morgenmuffelrolle und registriere mit klopfenden Herzen, dass er die Tube ohne zu fragen in den Nachtschrank zurücklegt.
„Würdest du mehr vor die Tür gehen und leben, würdest du nicht gleich nach zwei Gläsern Bambi umfallen", schleudert mir mein Mitbewohner an den Kopf und das kleine Kissen von eben hinterher.
„Saufen ist also leben? Da kann ich drauf verzichten." Partys sind scheiße und werden es immer sein. Dahingehend wird sich auch meine Meinung niemals ändern. Ich streiche mir durch die zerwühlten Haare, seufze leicht und schließe müde die Augen. Nun bekomme ich langsam aber sicher Kopfschmerzen. Jeffs folgende Worte sind nur dumpfes Gemurmel und nach einen Moment echot mir Kains melodisches Keuchen durch den Kopf. Ob ihn wirklich reine Neugier dazu getrieben hat? Wahrscheinlich eine ausgewogene Mischung aus Alkohol und Wissbegierigkeit. Ich seufze schwermütig als mir klar wird, dass mich nun diese Erinnerungen statt der Fantasien verfolgen werden. Es ist zum Verrücktwerden. Ob es Kain auch so geht?

War es überhaupt neu für ihn? Ich bin mir nicht sicher. Er schien Erfahrung zu haben. Auch die Tatsache, dass ich weitestgehend schmerzfrei und relativ beweglich bin, bestätigt mir diese Annahme. Warum auch nicht? Analverkehr hat man auch mit Frauen und er kann durchaus Erfahrung mit dieser Sexpraktik haben. Wieso enttäuscht es mich? Jetzt reicht’s aber. Ich rubbele mir gedankenvertreibend durch die Haare und ignoriere Jeffs fragenden Blick. Genug ist genug. Ich werde den gestrigen Abend als studentischen Erfahrungswert abhaken und schnellstmöglich vergessen. Sicher wird es Kain nicht anders handhaben. Ein One-Night-Stand, der ungewöhnlich absurden Art. Nicht mehr und nicht weniger.
„Kater? Brauchst du ein Aspirin?", fragt er mich lächelnd, fast besorgt und wirft mir im selben Augenblick die Packung zu. Wahrscheinlich habe ich unbewusst genickt, aber sicher bin ich mir nicht. Obwohl sich meine Kopfschmerzen noch in Grenzen halten, drücke ich mir eine Tablette raus und schlucke sie trocken.
„Sag mal, ist dir aufgefallen, das Kain nichts anhatte? Schläft er öfter nackt?", fragt er mich mein Kumpan plötzlich. Meine Kopfschmerzen werden sofort stärker. Ich schüttele fassungslos den Kopf und schaffe es beim Rausgehen Jeff keines Blickes zu würdigen. Trotzdem höre wie er mir ein verstörtes Was nachruft und verschwinde kurz in den Waschraum. In der Bewegung merke ich meine Hüfte und den Arsch doch. Ich brauche eine Zigarette. Dringend.

Als ich aus dem Wohnheim komme, habe ich nur noch wenige Minuten um es rechtzeitig in die Vorlesung zu schaffen. Ich unterdrücke mein brennendes Bedürfnis nach einer Zigarette und mache mich auf den Weg. Zähneknirschend.
Mein Handy vibriert noch auf dem Weg zum Hauptgebäude. Ich stecke mir dir ungerauchte Zigarette zwischen die Lippen und lese die Nachricht. Sie ist von Shari. Sie fragt mich nach meinem Befinden und nennt mir das Thema ihrer gestrigen Vorlesung. Der Gedanke an das morgige Treffen und die Vorstellung, dass es diesmal nicht nur Shari sein könnte, beängstigt mich schlagartig. Ich hoffe, dass sie keine Werbung gemacht hat. Ich sehe auf die Uhr als ich den Hörsaal betrete. Die Professorin verspätet sich zum Glück. Ich klappe meinen Laptop auf und schrecke zusammen als sich Kain plötzlich neben mich stellt.
„Reden.", fordert er knapp. So viel zum einfach vergessen. Ich verdrehe unzufrieden die Augen. Schon wieder reden. Er kann mich mal am Arsch lecken.
„... ist ein mündliche Gedankenaustausch oder die Fähigkeit sich mit Sätzen sprachlich zu äußern", kommentiere ich klugscheißerisch, aber undeutlich, weil mir die Zigarette zwischen den Lippen klemmt und sehe mit Genugtuung das Kain ein dämliches Gesicht macht. Er nimmt mir kommentarlos die Zigarette aus dem Mund und legt sie neben meinem Laptop auf dem Tisch ab. Kain macht keine Anstalten zu gehen. Im Grunde blocke ich das Reden ab, weil ich gar nicht weiß, was ich ihm sagen soll. Da ich für meine Romane keine Sexszenen schreiben darf, musste ich noch nie After-Sex-Talk zu Papier bringen. Zu dem gehöre ich zu der Sorte, die sich One-Night-Stands suchen und vor allen anderen Peinlichkeit abschwirren. Der mündliche Gedankenaustausch ist einfach nicht meine Stärke und wird es nie sein. Warum mache ich mir eigentlich so viele Gedanken? Es gibt an und für sich nur vier Reaktionsmöglichkeiten. Peinliches Schweigen. Wütende Schuldzuweisung. Überhebliche Gleichgültigkeit oder wie es Brigitta ausdrücken würde, der Beginn einer wunderbaren Liebesgeschichte. Ihre Augen formen dann jedes Mal imaginäre Herzchen und ich widerstehe dem Bedürfnis mich zu übergeben. Variante Nummer 4 ist die absurdeste und unrealistischste aller Reaktionen also klammere ich sie automatisch aus. Kain beißt sich auf die Unterlippe und lässt sich auf den leeren Platz neben mir fallen.
„Wir müssen nicht darüber reden. Ich hab es schon vergessen", gebe ich gleichgültig von mir und ignoriere das leichte Pochen in meinem Unterleib.
„Müssen wir, weil..."
„Weil, was? Hast du Angst, dass ich mich verplappere und damit hausieren gehe, wie toll du warst? Keine Sorge, das werde ich ganz bestimmt nicht...", unterbreche ich abrupt und verstehe selbst nicht, warum ich bei dem letzten Teil derartig provozierend und sarkastisch klinge. Ich sehe wie der Schwarzhaarige stockt, sich aufrichtet und sich mit dem Armen an der Lehne meines Stuhls und dem Tisch abstützt. Er beugt sich provokativ zu mir runter. Er setzt an und wird vom Rufen seines Namens unterbrochen. Wir schauen beide zu der rothaarigen Frau, die zu seinem eigentlichen Platz gefunden hat. Ich schnaube und hole damit leider Kains Aufmerksamkeit zurück.
„Hör zu, das hätte nicht... na ja, ich war frustriert, weil Merena..."
„Oh, der böse Wolf hat Angst, dass sein rothaariges Flittchen etwas spitz kriegt? Keine Sorge, sie erfährt nicht, dass du anderswo deinen Spaß hattest.". fahre ich ihm wiederholt über den Mund. Noch während ich das sage, ändert sich Kains Blick. Er packt mich am Kragen und zieht mich hoch. Ich greife abwehrend seine Handgelenke, doch Kain stoppt von allein, in dem Moment, in dem mir der erste Hauch von Ingwer entgegen schlägt. Als ihm die Nähe klar wird, lässt er mich schlagartig los.
„Warum provozierst du mich? Ich wollte nur klarstellen, dass das nichts zu bedeuten hatte...klar?" Erneut dringt Kains gerufener Name zu uns durch. Der Größere reagiert nicht, sondern sieht mich weiter mit diesen durchdringenden, ernsten Augen an. Sein größtes Problem an der Geschichte ist also die Angst, dass ich da mehr hinein interpretieren könnte? Blöder Arsch.
„Klar! Aber warum du glaubst, MIR das extra sagen zu müssen?", erwidere ich bissig. Wenn hier jemand gleichgültig gegenüber all diesem Gefühlsscheiß ist, dann bin das wohl ich. Kains Name ertönt erneut. Diesmal starre zu der Rothaarigen und ihr Blick will mich in der Luft zerreißen. Ich spüre nicht mal ein winziges Kitzeln. Sie wäre eigentlich die typische böse Stiefmutter, doch in diesem Märchen ist es etwas anders. Ich möchte mir eine Kugel durch den Schädel jagen, weil ich noch immer in Märchenmetaphern denke.
„Geh lieber zu deinem Rotkäppchen, sonst gibt es nachher wieder Ärger im Paradies und wer weiß, mit welchem Hänsel du beim nächsten Mal im Bett landest...", belle ich leise, so dass es wirklich nur Kain hören kann. Ich lege noch mal nach. Bevor Kain diesmal antworten kann, geht das Licht aus, weil unsere Professorin den Hörsaal betritt. Notgedrungen verschwindet er zu seinem Platz und lässt mich endlich in Ruhe. Es dauert einen Moment bis sich mein Kiefer wieder entspannt und ich merke, wie heftig ich die Zähne zusammengebissen habe. So ein Idiot. Vollarsch und Dumpfbrot. Vielleicht werden mit dieser ernüchternden Reaktion die Fantasien endlich aufhören und ich kann mich wieder vollständig auf meine rosaroten Zuckerwatteromane konzentrieren. In meinem Kopf ein höhnisches Lachen.
Ich versuche selbst genügend Gleichgültigkeit aufzubringen und hätte nie gedacht, dass es mir so schwerfällt. Die gesamte Vorlesung über bin ich unkonzentriert und vergesse darüber hinaus, dass ich eigentlich direkt danach einen Termin mit der Professorin habe. Sie holt mich auf dem Flur ein und möchte wissen, wie das Tutorium läuft. Da aber bisher nur Shari aktiv daran teilnimmt, kann ich ihr sowieso nichts erzählen.

In der Mensa mache ich bewusst einen großen Bogen um den Tisch mit den drei kleinen Schweinchen und komme nicht umher darüber nachzudenken, ob Jeff oder Kain, das Schweinchen ist, welches das Steinhaus baut. Wahrscheinlich Kain und dann mache ich den bösen Wolf mit einer Abrissbirne. Das Lachen in meinem Kopf ist diabolisch, aber leider nicht so befriedigend, wie ich erhoffe.
Meine plötzliche Abkehr bleibt leider auch nicht unbemerkt. Erst ist es Jeff, der nach mir ruft und daraufhin drehen sich auch Abel und Kain zu mir um. Ich ignoriere ihre fragenden Blicke und setze mich an einen weitentfernten Tisch, der nicht mal im Blickfeld des anderen liegt. Bevor ich anfange, krame ich in meiner Tasche nach meinen Kopfhörern und muss mit Ernüchterung feststellen, dass ich sie vergessen habe. Als sich  auch noch drei Mädels an meinen allein besetzten sechser Tisch setzen, ohne mich zu fragen, verabschiedet sich auch der Rest meiner normalen Laune. Nach dem gestrigen Partybesuch bin ich davon ausgegangen meine evolutionsbedingte Veranlagung nach sozialen Kontakten mindestens für eine Woche befriedigt zu haben. Falsch gedacht. Vielleicht ist an dem Spruch, dass Gott Sünden sofort bestraft, doch etwas dran.
Es sind Literaturstudentinnen. Sie diskutieren über John Irvings Roman Gottes Werk und Teufels Beitrag. Ich höre mir eine Weile die Diskussionen über das Für und Wider von Homers Entscheidungen an und stehe in dem Moment auf, in dem Jeff auf mich zukommt. Er holt mich erst ein als ich bereits in unserem Zimmer bin und unter dem Bett nach meinem Basketball angle. Ich höre die Tür in meinem Rücken leise klicken. Gleich geht die Tirade los.
„Ich hasse es, wenn du das tust... Robin, was ist los?" Mein Mitbewohner macht schon wieder ein Gesicht als hätte ich ihm sein Mittagessen geklaut. Ich hab es nur einmal getan und das war in der sechsten Klasse. Verzeihen wird er mir das wahrscheinlich nie.
„Nichts", sage ich knapp und prüfe den Ball nach seinem Luftdruck.
„Dein Gesicht sagt etwas anders und der Basketball in der Hand auch." Nach dem Rausschmiss aus der Basketballmannschaft habe ich nur noch selten gespielt. Meistens dann, wenn es mir nicht gut ging oder wenn ich abschalten wollte. Genau das brauche ich jetzt. Es passiert nur ein paar Mal im Jahr, dass ich das Bedürfnis verspüre meinen Kopf vollständig zu entlüften und ich hätte nicht gedacht, dass der Sex mit einem Mann zu einem Grund werden könnte. So kann man sich irren.
„Rede einfach mit mir.", bietet er an und provoziert einen lauten, genervten Seufzer meinerseits.
„Ich will einfach nur meine Ruhe, okay." Um meine Aussage zu verstärken, krame ich meine Kopfhörer aus der Tasche und hänge sie mir um den Hals.
„Was ist dein Problem?"
„Jeff, verdammt, du zwingst mich auf diese Scheißparty zu gehen. Ich habe Kopfschmerzen, bin müde und außerdem habe ich wegen dir jetzt dauernd diesen schwarzhaarigen Großkotz an der Backe und... Verdammt noch mal, ich brauche diese Scheiße einfach nicht", belle ich aufgebracht.
„Entschuldige bitte, dass ich dich bei normal menschlichen Aktivitäten dabei haben möchte.", wehrt Jeff sofort ab. Seine Stimme zittert überrascht. Ich gebe ein verächtliches Geräusch von mir, sehe augenblicklich die Enttäuschung in den blauen Augen meines Mitbewohners.
„Ich habe dich nie darum gebeten...", knalle ich ihm zu guter Letzt noch an den Kopf. Jeff schluckt und schweigt. Er macht keine Anstalten zu gehen oder irgendwas zu erwidern, sondern sieht mich einfach nur mit diesem enttäuschten Blick an. Ich hasse es.
„Musst du nicht deinen Kerl ficken gehen?" Damit schiebe ich mich an ihm vorbei aus dem Zimmer. Vor dem Wohnheim stecke ich mir eine Zigarette an und trabe missmutig zum Sportplatz.
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