Gesten der Zuneigung

von Nairalin
GeschichteAllgemein / P12
Caranthir Haleth
19.02.2015
19.02.2015
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Huhu,
hier ist mein Wichtelgeschenk für Súlimë zum Wichteln Winter-Drabbles von mir, Nairalin.

Ich hoffe, es gefällt dir, aber diese Idee hat mich nicht losgelassen!

Vorgabe:

Drabbleform: 100 (können aber auch gerne mehrere Drabbles mit jeweils 100 Wörtern werden)
Max. erwünschtes Rating: P16
Fandom: Das Silmarillion (J.R.R. Tolkien); Der Herr der Ringe (J.R.R. Tolkien); Star Wars; North & South; Jane Eyre;  Disney; Marvel
Sonstiges: Am liebsten hätte ich etwas im Bereich Silmarillion mit den Söhnen Feanors oder Haleths Volk :)

Caranthir = [Qu.] Morifinwë Carnistir

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Sie starrte zum Fenster hinaus auf den Hof, der voller Leben zu summen schien. Ihre Leute hatten einen Markt eröffnet und das heitere Gelächter drang an ihr Ohr. Haleth konnte Kinder sehen, die herumliefen und fangen spielten. Vor Monaten hätte sie niemals erwartet, derartiges wiederzusehen - wie sehr sie sich doch getäuscht hatte.
Ein Brummen hinter ihr, ließ sie zusammenzucken und sie drehte sich um. Dunkle, graue Augen durchbohrten sie und ein angedeutetes Lächeln war in seinen Mundwinkeln zu sehen. Fürst Morifinwë schaute an ihr vorbei auf die Menge im Hof. Sein Lächeln wurde breiter, als er ihren fragenden Blick bemerkte.

"Wir haben gute Arbeit geleistet", meinte er vollkommen ruhig und Haleth wusste nicht so recht, wie sie reagieren sollte. Sie hatte ihn als einen durchaus temperamentvollen, wenn auch oft mehr zurückhaltenden Mann kennen gelernt, der ungern diskutierte. Und auch wenn er sich gerne stur stellte, so akzeptierte er ihre Meinung, selbst wenn es widerwillig war.
"Das haben wir wohl", murmelte sie und zupfte unruhig an ihrem Ärmel. Sie konnte sehen, dass ihn ihr Verhalten amüsierte. Eine Hand legte sich auf ihre Taille und sie erstarrte.
"Ich habe etwas für Dich", sagte er nur bestimmt und zog sie einfach mit sich.

Sie fröstelte leicht und zog das Tuch, welches um ihre Schultern lag, etwas enger um sich. Auch wenn die Sonne schon höher stand, so war der Frühling noch nicht nah genug, um die Luft zu erwärmen. Einzig die Stelle, wo Morifinwës Hand lag, schien ihr zu brennen und sie musste all ihre Beherrschung aufbringen, um nicht rot im Gesicht zu werden.
"Was hast Du für mich?", fragte sie vorsichtig, das Duzen war sie immer noch nicht gewohnt. Aber er hatte darauf bestanden und hielt es auch weiterhin so.
"Das wirst du sehen", erwiderte er und Lachfältchen erschienen um seine Augen.

Sie kamen zu dem Gang, wo seine Gemächer lagen, und er führte sie bis vor die Tür, bevor er ihr andeutete, dass sie durchgehen sollte. Verwirrt folgte Haleth der Aufforderung und ging durch. Goldtöne waren vorherrschend, gefolgt von den Farben des Sandes und Weiß. Als sie weiterging, musste sie ein Kichern unterdrücken, denn eine Stoffsonne lag auf dem Bett. Doch dann entdeckte sie im Eck etwas, was sie sprachlos machte und nie erwartet hätte. Ungläubig starrte sie auf die gewaltige Gerätschaft und dann zu Morifinwë, der sie ernst ansah. Für einen Moment glaubte sie, Unsicherheit in seinen Augen zu erkennen.

"Ich habe das Talent meiner Großmutter geerbt", sagte Morifinwë leise und deutete dabei auf den riesigen Webstuhl. Nebenbei standen Körbe mit Garn, mit Stoffen und wahrscheinlich auch Nähzeug. Auf dem Tisch lagen unzählige Skizzen.
"Weshalb ich in meiner Familie derjenige war, der für alle die Kleidung webte und schneiderte. Ich weiß, es scheint unpassend zu sein…", erklärte er und stockte für einen Moment. Bevor er fortfahren konnte, war Haleth vor ihm und legte eine Hand auf seinen Arm. Ihr das zu zeigen musste Überwindung gekostet haben und war ein Vertrauensbeweis wie kein anderer. Er wirkte auf einmal jung und verletzlich.

"Es ist nur auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich", meinte Haleth beruhigend und lächelte ihn an. Er schien nicht überzeugt zu sein, weshalb sie sich wieder umdrehte und neugierig alles musterte. "Du hast mir damit einiges voraus, mich lässt man an keinen Webstuhl mehr, nachdem ich eine monatelange Arbeit ruiniert habe."
Er blinzelte, als sie ihn anschaute, bevor er leise lachte.
"Danke!"
Ihr Herz schlug höher, als er ihr ein strahlendes Lächeln schenkte und seine Hand sich zwischen ihre Schulterblätter legte.
"Aber der Webstuhl war nicht, weshalb ich Dich hierher gebracht habe."
Seine Augen funkelten vergnügt. Fragend sah sie hoch.

Morifinwë deutete auf sein Bett und Haleth schaute verwundert hinüber, bis sie die Kleidung darauf entdeckte. Sie ging darauf zu und hielt den Atem an. Der Stoff war unglaublich schön und wundervoll bestickt. Grün- und Sandtöne waren die vorherrschenden Farben. Sie wollte schon fragen, warum er ihr seine Kleidung zeigte, bis ihr die Größe dieser bewusst wurde.
"Das ist nicht Dein Ernst!", rief sie aus und drehte sich zu ihm um. Doch er lächelte nur schmal und nickte einfach.
"Das kann ich nicht annehmen… ich… das ist ein Vermögen…", wisperte sie verstört. Seine Hände lagen nun fest auf ihren Schultern.

"Haleth, es hat mich nichts außer Zeit gekostet", sagte er ruhig und erneut konnte sie die Unsicherheit erkennen. Als ob er Angst hätte verletzt zu werden und etwas Falsches getan zu haben.
"Und ich sehe jeden Tag, wie Du frierst, auch wenn du es gut zu verstecken weißt."
Es verschlug ihr die Sprache, dass er so scharfsinnig war und das bemerkt hatte. Sie biss sich in die Wange, weil es wohl offensichtlich sein musste. Sie war die Anführerin ihres Volkes, sie durfte nicht schwach wirken.
"Zudem ist es Kleidung einer Fürstin würdig", fügte Morifinwë noch an. Haleth starrte zu Boden.

"Wir arbeiten bereits lange zusammen und die Kleidung, die Du trägst ist schon so abgetragen, dass sie kaum mehr wärmt. Nimm es an!", drängte er und sie schluckte. Er hatte nicht Unrecht, aber ihr Stolz stand ihr im Weg.
"Es ist für dein Volk bereits weitere Kleidung in Arbeit, ich bin nur nicht so schnell, wie ich wollte", ergänzte Morifinwë und ihr Blick schnellte hoch. Ein Flehen war in seinen Augen zu sehen, welches sie weich werden ließ. "Und die Farben werden dein Augen und deine Haare wundervoll betonen."
Seine Stimme hatte etwas Heiseres angenommen.
"Von mir aus…", wisperte sie.

"Und ich weiß nicht, was so besonders an meinen Augen oder Haaren sein soll", murmelte sie und sah zur Seite. Sie spürte, wie ihre Wangen heiß wurden.
"Ich habe noch nie Augen in der Farbe von geschmolzener Bronze gesehen, noch Haare so dunkel, die trotzdem kupfern in der Sonne leuchten."
Er übertrieb maßlos, wie sie fand, doch die Röte, die langsam über ihr Gesicht, hinab zu ihrem Dekolleté kroch, konnte sie nicht aufhalten. Doch sein Lächeln brachte sie aus der Fassung. Sie drehte sich weg und fuhr mit der Hand, welche ganz kalt war, über ihr Gesicht. Es beruhigte sie.

Vorsichtig berührte sie den Stoff und bewunderte die Feinheit der Verzierungen. Dass er sich überhaupt die Mühe machte, etwas für sie so Aufwendiges zu kreieren. Als sie die Innenseite des einen Hemdes berührte, griff sie ungläubig nach. Der Stoff war ganz weich und leicht aufgeraut. Nach und nach besah sie sich alles. Ein Großteil bestand aus Hemden und Hosen, mit einem Schnitt, der für sie eindeutig feminin war. Doch dann entdeckte sie ein Kleid und hob es hoch.
Es war bezaubernd und doch so geschnitten, dass sie sich wohl mühelos bewegen konnte. Etwas so Schönes hatte sie noch nie bekommen.

Eine Tasche wurde Haleth gereicht und sie nahm sie dankbar entgegen, bevor sie mit allergrößter Vorsicht alles hineintat. Ihre Finger strichen immer wieder über den Stoff, um sich zu versichern, dass sie nicht träumte.
Sie brachte kein Wort hervor, denn nichts schien ihr genug, um ihre Dankbarkeit auszudrücken. Erst bei der Tür, drehte sie sich zu ihm um. Seine tiefgründigen, dunklen Augen lagen auf ihr. Zuneigung und leise Freude waren ersichtlich, wenn man nur wusste, wohin man schauen musste.
"Danke!", wisperte sie und stellte sich auf die Zehenspitzen. Dass er sich vorbeugte, um sie besser zu verstehen, war ihr Glück.

Ihre Lippen drückten sich nur für einen Moment auf seine Wange und sie legte eine Hand auf seine Brust. Er schnappte nach Luft, und als sie sich von ihm wieder löste, sah sie, wie sich seine Haut immer mehr rötete und er verzweifelt versuchte, sich unter Kontrolle zu bekommen.
Carnistir war wirklich ein Name, der zu ihm passte, auch wenn sie verstand, dass er ihn nicht mochte. Erneut war da Unsicherheit und dieses Mal lächelte sie amüsiert, bevor sie nun endgültig ging und ihn alleine ließ.
Die Tasche presste sie an ihre Brust. Sie würde die Kleider mit Dankbarkeit tragen.
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