Re;Paranoia

von Hyouka
GeschichteDrama, Mystery / P16
Aki Crow Hogan Jack Atlas Kalin OC (Own Character) Yusei Fudo
17.02.2015
17.02.2019
110
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17.02.2015 1.863
 
Es war ein kalter, feuchter Morgen im Februar. Der kalte Winter neigte sich so langsam dem Ende zu und wurde nach und nach etwas wärmer. Doch in Satellite, dem zerstörten und durch eine Katastrophe entstandenen Stadtteil von Neo Domino City war nicht viel vom baldigen Frühling zu spüren. Da viele Häuser nur noch baufällig zusammen fielen, kam durch den eiskalten Winter auch nichts schönes in die Stadt hinein. Durch die Kriminalität, die in Satellite ohne hin schon groß war, konnte man diese Stadt nicht als Wohlfühlort bezeichnen. Polizisten aus den Security-Einrichtungen waren auch zur Genüge an jeder Ecke und man kam eigentlich nicht aus dieser Stadt raus.

Unsere Geschichte schreibt aber nicht nieder, wie das Klassensystem zwischen Satellite und Neo Domino City funktioniert. Das solltet ihr immerhin schon ganz gut kennen. Viel mehr erzählt sie eine eigene Geschichte, die sich im Rahmen um Yusei, Jack und Crows Geschichte abspielt. Wir beginnen im Prolog daher etwas eher, als die eigentliche Geschichte beginnen soll – nämlich einige Jahre eher. So spielt dieser Teil nun etwa acht Jahre vorher. Legen wir los.

So früh am Morgen waren die Straßen von Satellite wie ausgestorben. Doch zwei Mädchen liefen gerade in diesem Moment sehr leise durch diese bis jetzt noch ausgestorbenen Straßen. Die eine war etwa siebzehn Jahre alt und trug einen dunklen Mantel. Ihr schwarzes Haar reichte ihr bis zur Brust, welches ihr Gesicht sehr blass erschienen ließ. Ihre erschöpften Augen blickten voller Sorge immer wieder nach links und rechts, um sich zu vergewissern, das die Luft rein war. Das Atmen fiel ihr nach wie vor schwer und sie schien Seitenstechen vom Rennen zu haben. Ihr rechtes Auge und ein Teil ihres Gesichtes wurden von einem Teil ihres Haares bedeckt, weshalb dieser Teil auch recht verdeckt war. An der Hand hielt sie ein kleines Mädchen, etwa zehn Jahre alt. Die beiden sahen sich recht ähnlich, da sie Geschwister waren. Sie hatte noch etwas längeres Haar, aber man konnte ihr trotz ein paar Strähnen im Gesicht direkt in die Augen schauen. Die Kleine schien vollkommen ruhig gestellt zu sein und folgt ihrer Schwester ohne ein Wort von Angst oder Traurigkeit. Sie wirkte in diesem Moment viel eher leer und geistesabwesend. Die beiden hatten auch nichts dabei, was auffällig gewesen wäre. Die große Schwester trug eine Tragetasche, welche nicht ganz zu gemacht war. Der Reisverschluss hing noch etwas auf, aber dieses junge Fräulein hatte keine Angst, etwas zu verlieren. Irgendwann hielten die beide vor einer Tür an und die Größere von beiden schluckte.

„O-nee-chan? Was ist mit Mama? Wo sind wir hier?“ fragte die Kleine, ohne auch eine Miene zu verziehen. Ihr Blick wirkte vollkommen leer und hatte sich auch nach diesen Worten nicht verändert. „Wir sind nach Satellite geflüchtet. Das hier ist der einzige Ort, an dem wir noch vor ihm sicher sind. Und Mama ...“ Sie musste sich Tränen verkneifen, als sie ihren Satz aussprach. „Mama … ist nicht mehr hier. Wir werden sie nie wieder sehen.“ Die Kleine schien die Worte ihrer Schwester verstanden zu haben, äußerte sich aber nicht weiter dazu. Ihr vorher noch so leerer Blick wurde langsam zu einem eher traurigen Blick. Allerdings weinte sie nicht. „Ich kann es dir im Moment schwer erklären. Wir müssen erst einmal einen Ort finden, an dem wir sicher sind. Verstehst du das?“ Die Kleine schaute ihre Schwester nach wie vor traurig an, nickte dann aber nur stumm und schien auch nichts sagen zu wollen. Nun klopfte die Altere von beiden an der Tür und wartete darauf, dass jemand aufmachte. Sehr lange dauerte es auch nicht, bis jemand die Tür öffnete. Eine ältere Dame mit bräunlichem Haar öffnete die Tür.

„Guten Morgen. Sind sie vielleicht Martha?“ Diese schaute verwundert und wusste nicht so recht, was sie antworten sollte. Um diese Uhrzeit war für gewöhnlich auch niemand unterwegs, der sie besuchen konnte oder wollte. „Ja, die bin ich.“ Man merkte dem jungen Fräulein deutlich Nervosität an, als sie zu sprechen begann. „Mein Name ist Misaki Nesaya. Das hier ist meine kleine Schwester Hotaru. Ich kann Ihnen die Umstände im Moment schwer erklären, aber wir beide haben keinen Ort an den wir unter kommen können und suchen Unterschlupf. Als ich von Ihnen hörte, sind wir sofort hergekommen. Es ist auch nicht für immer, sondern erst mal nur vorübergehend. Wenn Sie es wünschen, zahle ich Ihnen auch gerne Gel-“ Martha unterbrach Misaki mitten im Satz und versuchte sie erst einmal zu beruhigen. „Kommt erst mal herein. Ihr friert euch hier draußen noch zu Tode.“ Martha zog in ihrem Haus einige Waisenkinder auf und gab diesen ein Zuhause. Misaki schien von jemandem gehört zu haben, dass sie hier mit den Kindern lebte. Nach dem diese ins Haus kamen und ihre Jacken niedergelegt hatten, setzten sich die beide auf ein Sofa, in einem recht alt möbelierten Wohnzimmer. „Nun, Misaki-san, fang einfach nochmal ganz von vorn an und erzähl mir alles ganz in Ruhe.“ Martha wirkte sehr vertrauenswürdig auf Misaki, weshalb sie entschloss, ihr möglichst das zu erzählen, was wichtig war. „Eines noch … ich brauche keinen Schlaf, aber Hotaru ist noch klein. Könnte sie sich vielleicht schlafen legen?“ Daraufhin brachte Misaki ihre kleine Schwester erst einmal ins Bett, obwohl die meisten der Waisenkinder wahrscheinlich bald aufwachen würden. Es war zwar sechs Uhr morgens, aber manch ein Kind war schon zu dieser Zeit wach. „Es ist alles gut. Wir sind jetzt sicher, also schlaf ein bisschen, ja?“ Daraufhin nickte Hotaru nur stumm und verschwand langsam unter der Decke, woraufhin sie langsam die Augen geschlossen hatte.
„ … Ich weiß selbst, das diese Geschichte absolut unglaubwürdig klingt, aber wir können nicht mehr zurück. Es wäre eine viel zu große Gefahr, allein schon für Hotaru.“ Martha hatte sich ruhig Misakis Geschichte angehört und kein einziges Widerwort eingelegt. „Wir beurteilen hier niemanden danach, wonach er herkommt. Jemand der Hilfe benötigt, soll diese auch bekommen. Deshalb habe ich kein Problem damit.“ Misaki stand extra auf und verbeugte sich. „Haben Sie vielen Dank.“
„Aber nicht doch, keine Ursache. Aber du sprachst davon, das Hotaru etwas kränklich sei. Was hat es damit auf sich?“
„Hotaru … hat einen Herzfehler. Wir wissen nicht ganz genau, woher er stammt, aber die Ärzte erklären es sich so, das es quasi durch etwas zugeschnürt wird, das für Geräte der heutigen Zeit nicht sichtbar ist. Man könnte es als einen Tumor sehen, der von Außen ihr Herz angreift. Allerdings ist man bis heute noch nicht allzuweit voran gekommen, was das angeht, geschweige denn eine Heilung zu finden. Sie hat ein paar Tabletten, die ihr aber im Ernstfall wahrscheinlich nicht helfen werden. Sonst kann sie wie ein völlig normales Kind leben … wobei ...“
„Hm?“
„Ihr fiel es schon in der Grundschule schwer, Freundschaften zu schließen, da sie aufgrund ihrer Hochbegabung einige Klassen übersprungen hat und durch Sonderunterrichtsstunden oft allein war. Außerdem waren da noch die ganzen Arztbesuche, die sie immer tapfer durchstehen musste. Ich erhoffe mir auch, dass sie endlich ein Kind sein kann, dass auch etwas anderes kennenlernt als nur Dinge, die man lernen muss.“, erzählte Misaki, doch das schien für die ältere Dame überhaupt kein Problem zu sein.
„Mach dir deswegen mal keine Sorgen. Wir werden dich unterstützen, soweit es geht.“, antwortete Martha mit einem vertrauensvollen Blick und das junge Mädchen wusste, dass sie vorerst in Sicherheit war.

Nach wenigen Stunden waren auch schon alle anderen Waisenkinder des Hauses wach und spielten schon untereinander, verteilt im Haus und vollkommen friedlich. Viele von Ihnen waren auch nach draußen gegangen, wobei nur eine nach wie vor in ihrem Bett lag. Eines der Kinder wunderte sich schon seit ein paar Stunden, wer dieses fremde Kind, im Nachbarbett war. Sie war wahrscheinlich im selben Alter, sehr zierlich und blass. Ihr weißblondes Haar trug sie offen und etwas länger als schulterlang. Sie schien eines der wenigen Mädchen zu sein und trug ein altes, dunkles Kleid, darüber eine blaue Strickjacke. Ihr Name war Rima.
„Hey, du. Schläfst du noch?“, fragte sie völlig unschuldig, doch das kam nicht so gut an.
Hotaru zitterte am ganzen Körper, versteckte sich unter der Decke und schluchzte. Sie schien Angst vor etwas zu haben, war völlig aus der Fassung.
„Hast du Angst? Ich tu dir nicht weh, du kannst ruhig unter der Decke hervorkommen. Hier wird dir keiner etwas antun.“, versprach Rima in diesem Moment, was zumindest einen kleinen Erfolg erzielte.
Der kleine Haufen Decke zitterte immer noch, schluchzte aber nicht mehr so stark, wie zuvor. So langsam kam sie hervor, doch schien sie nach wie vor Angst zu haben. Ihr Gesicht war feucht durch die vielen Tränen, die sie geweint hatte. Ihre Nase lief ebenso und sie hielt ein Taschentuch aus Stoff in den Händen. Die Augen der Kleinen wirkten sehr rot und brannten nach wie vor.
„ … Wirklich?“, fragte sie und ihr gegenüber versuchte ihr Mut zuzusprechen.
Rima lächelte sie an.
„Satellite ist vielleicht nicht schön, aber man kann hier gut zurecht kommen, wenn man sich zusammentut und an einem Strang zieht. Ich weiß nicht, was passiert ist, aber du bist jetzt hier und das ist, was zählt.“
Die Kleine hatte durchaus Recht. Martha brachte den Kindern auch einiges bei, da sie auch nicht zur Schule gehen konnten. So etwas gab es nun mal nicht in Satellite. Unter den Kindern schien Rima eines der Ersten zu sein, die Martha in das Waisenhaus aufgenommen hatte. In diesem Moment öffnete sich die Tür und Misaki trat herein.
„Geht es dir soweit gut?“, fragte ihre ältere Schwester, worauf die Kleine kurz erschrocken war. Hotaru schien immer noch etwas traurig und ängstlich, versuchte sich allerdings zu beruhigen und ihrer Schwester zu antworten.
„Ich hab nicht viel geschlafen, weil ich viel geweint hab. Nur … können wir wirklich nicht mehr zurück?“
Ihre Schwester schüttelte den Kopf.
„Nein. Im Moment ist es hier am sichersten für uns, auch wenn du es nicht glauben magst. Man kommt hier nur sehr schlecht wieder raus, durch die Securityleute, die hier überall sind. Ich werde dir auch alles erklären, nur müssen wir uns erst mal einen Ort schaffen, an den wir zurück kehren können. Ich arbeite momentan daran, aber vorerst müssen wir hier bleiben.“
„Das ist mir egal, nur habe ich Angst. Ich möchte nur nicht von dir getrennt werden.“, antwortete Hotaru ängstlich, doch Misaki wirkte nun schon um einiges ruhiger, als am Morgen, als sie angekommen waren.
„Du wirst nicht von mir getrennt werden. Wir packen das schon, auch wenn es schwer wird.“

Und so begann unsere Geschichte, im dunklen, verdreckten Satellite. Zwei Geschwister, die auf der Flucht waren und keinen anderen Ort als diesen fanden.
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Anmerkung: Das wäre dann erst mal der Prolog. Wie's weitergeht, werdet ihr natürlich noch erfahren. Ich werde die Geschichte in unregelmäßigen Abständen updaten und hoffe, mein altes Werk endlich etwas aufwerten zu können. Kritik ist gern gesehen, wenn nicht sogar erwünscht. Die alte Version ist mittlerweile nicht mehr online und das ist auch gut so. Und ja - ich weiß, dass in den ersten Kapiteln sehr viele Anreden drin sind. Auch so Sachen wie Okaa-san, die man nicht unbedingt platzieren sollte. Aber ich werde es so lassen, da ich es so in Ordnung finde. Ich komme noch aus der Zeit, in der Anreden gerade in Manga sehr vertreten waren - sie alle Shoujo-Ableger der damaligen Daisuki. Bis denne.
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