Babylon 5 Seitenstory zu >Time, Space and a incurable Romantic< Part 2

von Xyn
GeschichteFamilie, Sci-Fi / P12
Marcus Cole
17.02.2015
12.10.2015
3
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Babylon 5 Sidestory to: Time, Space and a incurable Romantic
Part 2



Unruhig wälzte sich Marcus auf seinem Lager hin und her.

Egal wie er es drehte und wendete, er war unfähig einzuschlafen.

Er stand immer noch unter den Eindrücken der letzten Tage oder besser gesagt eine Nacht, als ein Schiff seine selbstgewählte Isolation durchbrach und Passagiere an Bord beherbergten, die seine alte Welt in Scherben schmetterten.....und gleichzeitig ihm die Möglichkeit bot einen neuen Weg ohne den Altlasten der Vergangenheit zu beschreiten.

So unfassbar war dies, was geschehen war. Er fühlte sich förmlich überrollt von den Ereignissen und Erlebnisse, Empfindungen und Gedanken der letzten Tage, nein der letzten Monate und Jahre....es schien, als wäre er in einen Malstrom geraten.

So irrwitzig war alles, konnte er es glauben oder träumte er immer noch....? Hatte er es sich jemals vorstellen können welche Wendungen und Irrwege sein Leben nehmen würde? Hätte er sich damals sich vorstellen können den Rangern beizutreten, sich für eine Frau zu opfern, tiefgefroren drei Jahrhunderte überdauernd erneut zum Leben zu erwachen um seine große Liebe ebenfalls dem Tod zu entreißen?

Hätte ihm einer einst diesen Lebensweg prophezeit, den er nehmen und alles, was er bisher tat, tatsächlich Realität werden würde, den hätte er ohne mit der Wimper zu zucken für Wahnsinnig erklärt. Weil es einfach zu verrückt klang.

Und doch war es Realität geworden.

Eigentlich sollte er nicht hier sein....oder sonst irgendwo im Universum. Denn er war eigentlich tot. Gestorben vor dreihundert Jahren für die Frau, die er liebte und nicht mehr ohne sie sein wollte.

Sie wurde tödlich verletzt, als ein Trümmerteil direkt auf die Brücke des White Star einschlug und sie zerstörte. Er war weit genug entfernt, hatte sie noch gewarnt als er die Gefahr sah. Doch sie reagierte zu spät....und wurde unter den Trümmern begraben.

Mit übermenschlicher Kraft zog er sie aus dem Trümmerberg heraus und brachte sie sofort auf die Krankenstation. Dort erfuhr er die niederschmetternde Nachricht.

Sie lag im Sterben.

Worte die Marcus niemals hören wollte, erst recht nicht über Susan. Zu viel hatte er bereits verloren und war nicht bereit auch noch die Frau zu verlieren, die er liebte, obwohl er realisieren musste, dass seine Liebe zu ihr unerfüllt bleiben würde. Doch dies war ihm egal, für ihn gab es keine Zukunft mehr ohne sie. Und dass er sie verlieren würde war so gut wie sicher, die Mediziner waren am Ende ihres Lateins angelangt, die Verletzungen einfach zu schwer. Nur die letzten Lebensstunden konnten sie ihr noch erträglich machen.

Was ihn zusätzlich belastete und schwer war zu akzeptieren war diese Untätigkeit... die Hilflosigkeit nichts tun zu können während sie um ihr Leben kämpfte und doch längst der Tod als Gewinner feststand. Er war Dankbar, dass niemand seine Tränen sah, die er am Krankenbett vergossen hatte.

Hätte Lennier kurz darauf bei einer hitzigen Debatte zwischen ihnen auf der Kommandobrücke nicht einige Andeutungen gemacht das auf die Existenz der Maschine deutete wäre er innerlich längst dem Wahnsinn verfallen und bereit im Kampf zu sterben. Doch in diesem Moment, als ihm die Worte des Minbari bewusst wurden, gab es für ihn kein Halten mehr. Wenn es tatsächlich stimmte was er aus den wenigen metapherhaften Worten Lenniers deutete gab auf Babylon 5 etwas was Susans Weiterleben ermöglichen würde. Rasend vor innerem Schmerz durchforstete er wenige Augenblicke später in seinem Privaten Quartier sämtliche themenbezogenen Dateien, knackte Codes wo es nötig war bis er in den gesicherten Aufzeichnungen von Doktor Franklin endlich das fand, was von Lennier nur angedeutet wurde.

Diese Maschine war die einzige Möglichkeit, ihr Leben zu retten. Doch der Preis den er für ihr Überleben zu entrichten hatte war sehr hoch, denn dieses geheimnisvolle Gerät würde seine Lebensenergie in ihren Körper übertragen und sie stärken während er an ihrer Seite sterben wird.

Doch um diesen Plan umzusetzen musste er nach Babylon 5 zurückkehren, wo dieses geheimnisvolle Gerät unter Verschluss gehalten wurde. Er musste unter allen Umständen so schnell wie möglich an sie gelangen und da konnte er keine zusätzlichen Hindernisse gebrauchen das Lennier für ihn darstellte. Dieser würde unter Garantie alles tun ihn daran zu hindern.

Um zu verhindern dass der Minbari hinter seine wahre Absicht kam sorgte Marcus mit einer fingierten Nachricht von Delenn dafür, das Lennier zum Mutterschiff fliegen musste um sie zu treffen. Das die Flotte in diesem Moment kurz vor einer Schlacht um die Befreiung der Erde stand und er sich mit seinem Schiff illegal aus der Formation löste war ihm in diesem Moment gleichgültig....es bedeutete ihm nichts mehr. Wenn sie starb war sein Leben ohnehin sinnlos geworden. Warum also noch seinen Hals für die Erde  riskieren, mit der er ohnehin nichts verband?

Er wusste, was er tat, als er sich und Susan an dieser Maschine anschloss. Doktor Franklin hatte in der Aufzeichnung deutlich die Gefahren und Wirkung dieser fremdartigen Maschine aufgezeigt, die sie kurz zuvor von einer selbsternannten Heilerin konfiszierten. Denn was sie bewirken konnte hatten sie selber am eigenen Leib erfahren.

Franklin und Sheridan hatten sich nur kurz mit ihr verbunden, um Garibaldi zu retten und da hatten sie schon die verheerende Wirkung spüren können, auch wenn es das Leben ihres Sicherheitschef rettete. Michael Garibaldi war von einem seiner Mitarbeiter in den Rücken geschossen worden als er hinter verdächtige Aktivitäten kam, die sich als Vorboten des aufkeimenden Schattenkrieges und später die des Bürgerkriegs auf der Erde entpuppten und deren enge Verflechtung zwischen den Beiden Parteien zu Tage brachte. Die Urheber drohten aufzufliegen und mit ihnen alles, was auf der Erde vor sich ging. Das dies ans Licht kam musste unter allen Umständen verhindert werden und lockten ihn in einen Hinterhalt.

Die Schusswunde hatte ihn tödlich verletzt. Nur sein zäher Wille hielt ihn noch am Leben. Doch es war allen klar, dass er diesen Kampf verlieren würde. Und dieses Wissen wer für dieses Attentat verantwortlich war und welche Gründe dahinter standen  hätte er ins Grab mitgenommen und die Attentäter hätten ihr Ziel doch noch erreicht. Eine Gefahrenquelle, die unter allen Umständen aufgespürt werden musste und das ging nur, wenn die wichtigste Person am Leben blieb um darüber zu berichten. Ein Vorhaben, das mit konventionellen Methoden der Medizin nicht zu erreichen war.

Bis man sich an diese Maschine erinnerte, die seit einigen Monaten damals unter Verschluss gehalten wurde, eben weil diese schon einmal ihre tödliche Macht demonstrierte, gleichzeitig maßvoll eingesetzt vielen Todkranken zu ihrer letzten Rettung wurde. Auch wenn die Heilerin damit Leben rettete war das Risiko einfach zu groß das sie in falsche Hände geriet oder der Transfer außer Kontrolle geriet. Es war ein unkalkulierbares Risiko der ihre Konfiszierung notwendig machte, denn niemand wusste woher sie stammte und welche ursprüngliche Funktion sie einst besaß. Das Wissen das sie auch zur Vollstreckung von Todesurteilen verwendet wurde und diesbezüglich erneut zum Einsatz kommen sollte verlieh ihr einen weiteren bitteren Beigeschmack. Am liebsten hätte man sie dem Vergessen anheimfallen lassen. Doch es gab keinen anderen Weg Garibaldi wieder ins Leben zurückzuholen und so wurde dieses Risiko eingegangen. Danach wurde sie wieder weggesperrt, die Aufzeichnungen des Arztes mit dutzenden Codes gesichert. Dr. Franklin hatte sicher niemals damit gerechnet, dass Jahre später ein liebestrunkener Ranger diese Informationen fand...und es mit tödlicher Konsequenz benutzte.

Das Kapitel hätte so eigentlich abgeschlossen sein sollen, er wäre im All bestattet worden und gut war`s, er hätte nichts mehr mitbekommen. Sein Sarg wäre in der Sonne verglüht, wie schon bei vielen vor ihm die auf Babylon 5 starben.

Doch statt dessen wurde sein Körper auf Befehl von Ivanova in eine Kältekapsel konserviert. Sie hatte es sich niemals verziehen Marcus keine Chance gegeben zu haben. Sie hatte gespürt dass in ihrem Inneren mehr war was weit über eine Freundschaft für den Ranger hinaus ging. Doch ihr eigener Stolz hatte jedes private Glück vereitelt.

Und sie musste mit der Tatsache leben, dass sie ihre Heilung durch die Übertragung seiner Lebensenergie verdankte, was ihn den Tod brachte. All seine Lebensenergie war in ihren Körper geflossen. Sie wollte sich von dieser Maschine losreißen, doch sie war einfach zu schwach dafür. Ihr blieb nichts anderes übrig mitzuerleben wie er an ihrer Seite immer schwächer wurde, sein zunehmend flacher Atem machte ihr deutlich klar das sich sein Leben dem Ende zuneigte.

Schließlich hauchte er in seinem zarten Liebesgeständnis an ihr sein Leben aus und es blieb nur noch eine grausame Stille übrig.
Sie hatte die Hoffnung das dies nur ein surrealer Traum im Angesicht ihres eigenen Todes war. Doch leider erwies sich diese Illusion als bittere Wahrheit, die Erkenntnis als sie wieder klar denken konnte dass ihre Sinne sie nicht betrogen hatten.

Natürlich wussten die Führungsoffiziere das der Ranger ein Auge auf Susan geworfen und mit ihr flirtete. Ivanova war schließlich alles andere als hässlich und zog folglich stets die Aufmerksamkeit des anderen Geschlechts auf sich und da war der Ranger keine Ausnahme. Doch seit Marcus` Reaktion  auf Susans Verletzungen und seiner Befehlsverweigerung war es John Sheridan und Delenn klar geworden wie tief Marcus` Gefühle für Susan waren. So tief, dass der sonst pflichtbewusste Ranger alle Prinzipien über Bord warf nur um Susan zu retten, bis hin zur bitteren Konsequenz.

Auch wenn sie sich nie etwas anmerken ließ, ja oftmals genervt war von seinen Avancen. Ihre Reaktion als sie durch seine tödliche Lebensenergiespende genesen war war mehr als deutlich. Ihr Nervenzusammenbruch auf der Krankenstation, als sie seine Leiche unter dem Laken liegen sah war dem Rest der Crew nicht verborgen geblieben. Kaum genesen gab sie die Anordnung heraus, dass sein Körper in Kälteschlaf zu verbleiben war bis die Maschine beherrschbar wurde. Es war ihr gleich wie lange es dauern wird bis die fehlenden Informationen zur Verfügung stand, um sie gefahrlos zu bedienen.  Marcus sollte eine zweite Chance erhalten. Nur durch diesen Umstand, dass er durch diese Maschine wieder ins Leben zurück geholt werden konnte machte ihr weiteres Leben einigermaßen erträglich. Das die Suche vielleicht Jahre, Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte dauern könnte um die Schöpfer zu finden, vorausgesetzt sie existierten noch, spielte für sie keine Rolle mehr.

Doch sie war nicht imstande noch länger an dem Ort zu bleiben, die ihr nur noch seelischen Schmerz bereitete. Sie schlug die Beförderung aus die Station Babylon 5 zu führen, als nach dem Ende des Bürgerkriegs Sheridan Präsident der Erd-Allianz wurde. Statt dessen ging sie an Bord eines Zerstörers, stieg in den folgenden Jahren erfolgreich die Karriereleiter hoch bis sie sich irgendwann als hochdekorierter General hinter dem Schreibtisch wiederfand. Eine Position, die ihr im Laufe der Zeit alles andere als Freude bereitete und zunehmend zur Last wurde.

Sie hatte sich es wohl nicht träumen lassen, dass sich ihr Lebensweg mit dem der Ranger erneut kreuzen und ihr eine neue Wendung in eine Richtung gab die sie vorher nie in Betracht gezogen hatte. Geschuldet durch die Umstände, in der sich John Sheridan befand. Ihr ehemaliger Vorgesetzter und einem der wenigen engen Freunde, für den sie durch das Feuer gehen würde. Als Kosh von den Schatten getötet worden war hatte man alles getan dessen Tod geheim zu halten um keine Unruhe unter den Verbündeten zu stiften. Für viele besaßen die Vorlonen den Status von Göttern, undenkbar, das sie verwundbar oder gar sterben konnten. Diese Tatsache hätte eine regelrechte demoralisierende Schockwelle ausgelöst, denn wenn selbst ein Vorlone sterblich war, wie sollten sie es erst schaffen gegen die Schatten zu kämpfen wenn diese imstande waren einen Vorlonen zu vernichten? Diese Wahrheit durfte unter allen Umständen nicht ans Licht kommen. So wurde alles arrangiert, das niemand etwas mitbekam, das der Vorlone der nach Kosh folgte ein anderer war.

Doch man musste bald feststellen, das dessen Nachfolger das krasse Gegenteil von Kosh war. Zwar war er genauso geheimnisvoll wie Vorlonen es nun mal waren, doch die Güte, was das Wesen seines Vorgängers ausmachte fehlte. Statt dessen agierte er mit Unbarmherzigkeit und Kälte. Vor allem Lyta Alexander die nach Kosh auch ihn als Assistentin zur Seite stand bekam dies zu spüren.

Und das blieb auch dem Kommandostab nicht verborgen. Nach und nach kristallisierte sich die bittere Erkenntnis heraus das sie auf die Hilfe der Vorlonen nicht mehr rechnen konnten. Es war nun sichtbar, dass sie von einstigen Verbündeten zur Gefahr geworden waren. Mehr noch, Vorlonen und die Schatten standen sich waffenstarrend gegenüber, bereit sich einen mörderischen Krieg zu liefern. Und zwischen drin befanden sich all die jüngeren Völker, die der Menschen eingeschlossen, die den Preis des ganzen zahlen würden. Kosh`s Nachfolger ließ keinerlei Zweifel dass die jüngeren Spezies in diesem Universum für ihn zu bedeutungslos waren um auch nur einen Gedanken an ihnen zu verschwenden. Als Konsequenz dieser Erkenntnis befahl Sheridan dem Vorlonen die  Station zu verlassen. Da dieser jedoch nicht im Traum daran dachte es freiwillig zu tun musste John Sheridan all seine List und seine Möglichkeiten ausspielen um ihn loszuwerden ohne das er Verdacht schöpfte. Schließlich hatte er schon mehrmals von Kosh entsprechende Kostproben seiner Fähigkeiten erfahren müssen und würde im Fall einer direkten Konfrontation den kürzeren ziehen. Doch darauf konnte er keine Rücksicht nehmen. Als die Versuche der Sicherheitskräfte, ihn aus den Hangar in sein Schiff zu treiben erfolglos blieben und die Situation außer Kontrolle geriet geschah etwas, was niemand für möglich gehalten hatte.

Eine Energiewolke stieg aus dem Körper des Kommandanten, was unverkennbar ein Vorlone war.

Wenige Sekundenbruchteile war auch Kosch´s Nachfolger aus seinem Schutzanzug gefahren, um sich mit seinem Vorgänger einen mörderischen Clash zu liefern.

Weder sein Offiziersstab und noch weniger Sheridan selbst hatte vermutet das Kosh ein Teil von sich in dessen Körper hinterlassen hatte. Auch wenn ihm stets das Gefühl beschlich ihm irgendwie besonders nah zu sein obwohl der Umgang miteinander nicht anders war seit ihrer ersten Begegnung.

Doch offenbar hatte Kosh geahnt, dass er eines Tages einen sehr hohen Preis bezahlen würde und hatte den Kommandanten für würdig befunden ein Teil von sich zu bewahren. Und diese Ahnung wurde bald grausame Wirklichkeit. Denn er hatte sich offen gegen die Schatten gestellt und ihnen eine verheerende Niederlage beigebracht. Eine Reaktion, den die Schatten natürlich nicht unbeantwortet ließen. Kosh war bereit das Unabwendbare zu akzeptieren. Vorlonen waren nicht unsterblich auch wenn sie aus reiner Energie bestanden. Die Schatten waren bisher die einzigen Gegner, die ihnen wirklich gefährlich werden konnten. Seine Verschmelzung mit Sheridan hatte jedoch einen gravierenden Nachteil. Er hatte dessen Lebensenergie absorbiert, war eins mit ihm geworden. Und diese konnte er bei dem Verlassen seines geborgten Körpers nicht mehr zurückgeben.

Das wäre natürlich für John Sheridan das sichere Todesurteil gewesen. Doch ohne es zu wissen hatte er einen unschätzbaren wertvollen Trumpf in seinem Ärmel das ihm einst wertvolle Hilfe leistete nachdem er trotz aller Warnungen auf den Schattenplaneten gelandet war. Er war seiner totgeglaubten Frau gefolgt die einst mit einer Expedition nach Za´Ha´Dum aufgebrochen war. Sie gerieten in die Gewalt der Schatten und sie wurde wie alle anderen Besatzungsmitglieder  mental und bionisch verändert. Für Sheridan war es ein Schock als er, kaum auf Za´ha´Dum angekommen, erkennen musste dass außer ihrem Äußeren nichts mehr an die Frau erinnerte mit der er einst viele Jahre verheiratet war und deren plötzliches Erscheinen in ihm viele Wunden aufriss, die verheilt schienen. Man hatte ihr nur soviele Erinnerungen an ihm gelassen damit sie ihn nach Za´Ha´Dum lockte, was ja nun geschehen war.

Er sah nur noch eine Möglichkeit seinen von den Schatten zugedachten Schicksal zu entrinnen, er programmierte das Schiff auf einen direkten Kollisionskurs auf die Basis, das schließlich komplett zerstört wurde. Er selbst entkam dem Inferno weil eine innere Stimme mit aller Intensität befahl von der Brüstung zu springen.

Es war die Stimme von Kosh.

Als es ihm gelang nach endlos gefühlten Tagen und wider aller Erwartungen von der einstigen Heimatwelt der Schatten lebend zurückzukehren wurde Lorien, jenes mysteriöses Wesen auf Za´Ha´Dum, der Letzte der Allerersten, eine Zeitlang sein Berater und enger Begleiter. Als es zum Clash zwischen den beiden Vorlonen kam hatte er etwas von seiner eigenen Lebensenergie auf John Sheridan übertragen um zu retten. Zwanzig Jahre würde er durch diese Lebensenergiespende noch weiterleben können. Mehr konnte Lorien ihm nicht geben.

In den zwanzig ihm verbliebenen Jahren gründete Sheridan mit Delenn eine Familie, übte nach dem Ende des Bürgerkriegs auf der Erde pflichtbewusst sein Amt als Präsident der Interstellaren Allianz aus. Doch als sich zunehmend abzeichnete, dass ihm nicht mehr viel Zeit blieb konnte er eine für eine weitere Amtszeit als Präsident nicht mehr kandidieren. Er fand jedoch mit seiner Frau Delenn die ideale Lösung um die restlichen Lebensjahre sinnvoll auszufüllen. Somit übergab er, erneut zum Präsident gewählt, diese Aufgabe an seine Frau Delenn, die ihm im Gegenzug als Entil`Za bestätigen ließ. Bis an sein Lebensende kümmerte sich John Sheridan um die Ranger während sie die Präsidentschaft übernahm.

Doch schließlich kam irgendwann der Tag, den nicht nur Delenn so gefürchtet hatte. John Sheridan hatte kurz nach Loriens Lebensspende ein Brief verfasst, der an diesem denkwürdigen Tag an alle engen Freunde überstellt werden sollte, die als Inhalt ein letztes Treffen beinhaltete. Und das geschah schließlich auch. Bis auf wenige erschienen sie alle.

Delenn hatte bei der Zusammenkunft zu Sheridans Abschied gesehen, dass Susan nicht glücklich war. Ihre Position als General der Erdstreitkräfte, die sie förmlich zur Untätigkeit verdammte, aber auch der Verlust ihrer großen Liebe hatten sie verbittern lassen. In all diesen Jahren konnte sie ihn einfach nicht vergessen, die Erinnerungen an ihn waren so lebendig als sei alles gerade erst geschehen. Zumal er immer noch auf seine Wiederkehr wartete.

Die Minbari, die selbst kurz vor einem schweren Verlust des Menschen stand mit dem sie zwanzig Jahre ihr Leben teilte und somit Susans Gefühle nachvollziehen konnte, fasste den Beschluss, ihr ein besonderes Angebot zu machen. Delenn wusste dass Ivanova alle Voraussetzungen mitbrachte diese wichtige Aufgabe zu übernehmen und nahm sie in einem stillen Moment beiseite, als die meisten ihrer Gäste längst schon sich zur Ruhe gebettet und ihre Aufmerksamkeit nicht mehr beanspruchten.

Susan sah in Delenns Angebot die Chance für einen Neustart. Und so nahm sie nach einer kleinen Bedenkzeit Delenns Vorschlag die Position der Etil`Za zu übernehmen sehr gerne an und fand Erfüllung in ihrer neuen Aufgabe die Ranger zu führen. Für sie war es eine Herzensangelegenheit Marcus` Arbeit weiter zu führen. Auf der Erde bei der Streitkräften hatte sie nichts mehr zu erwarten, sie hatte alles erreicht was zu erreichen war ohne das Gefühl der inneren Leere zu tilgen, was seit mehr als zwei Jahrzehnte ihr Innerstes bestimmte. Und sie hatte noch nicht einmal die Hälfte ihres Lebensspanne hinter sich.

Es gab noch einen weiteren persönlichen Grund für ihre Entscheidung. Denn es gab einen Ort, dort wo sie Marcus nah sein konnte. Nach der Sprengung von Babylon 5 war er in die Medizinische Abteilung der Ranger-Trainingsstätte nach Tuzanor überführt worden und als Entil`Za konnte sie immer bei ihm sein wenn sie das Bedürfnis danach spürte. Wann immer es die Zeit zuließ besuchte und sprach sie mit ihm. Auch wenn er sie nicht sehen und hören konnte in seiner eisigen Ruhestätte. Ihn in ihrer Nähe zu wissen spendete ihr etwas Trost und intensivierte ihre Anstrengungen alles zu tun um seine Revitalisierung zu ermöglichen.
Sie tilgte auch den Verweis auf Marcus` Befehlsverweigerung aus den Akten, als er sich über alle Befehle hinwegsetzte nur um sie zu retten. Es war eine kleine Geste wenigstens etwas an ihm zurückzugeben als ihr klar wurde, dass sie in ihrem Leben seine Revitalisierung nicht mehr erleben würde, denn die Suche nach den Schöpfern dieser geheimnisumwitterten Vorrichtung war bisher erfolglos geblieben. Das Risiko ohne richtige Anleitung die Maschine zu benutzen war einfach viel zu hoch.

Als Susan starb wurde sie gemäß ihres Status in der Ranger-Gedenkstätte in Yedor beigesetzt.

Die Minbari zog sich Jahre später nach Sheridans mysteriösem Verschwinden, deren wahre Ursache nur die engsten Freunde kannten, in einem Tempel zurück. Bis zu ihrem Tod hegte und pflegte sie das Andenken ihres Mannes und später auch das von Susan. Delenn gab die Anweisung Susans Gedenkstätte täglich mit frischen Blumen zu bestücken.

Sie selbst folgte ihr einige Jahre später nach und fand ihre letzte Ruhe an der Seite von John Sheridan imaginärer Ruhestätte nicht unweit von Susans Monument.

Dreihundert Jahre, die darauf folgten tröpfelten sich gleich wie Wassertropfen durch das Universum. Wie ein Wasserrad an einer Mühle floss das Leben mit allen Höhen und Tiefen gleichförmig in Bach durch Zeit und Raum. Kleine und große Ereignisse schrieben nun das Kapitel des Universums weiter, hinterließen wie in einem fließenden Wasser kleine und große Strudel von Ereignissen und Momenten, die den Weg in die Geschichtsbüchern ihren Niederschlag fanden.

Auch auf Minbar blieb das Leben nicht stehen. Veränderungen griffen fast schon mit Lichtgeschwindigkeit tief in deren Gesellschaft seit die Allianz Minbar als zentralen Sitz ihrer Organisation auswählte. Die einst sehr zurückgezogen lebenden Minbari mussten sich damit arrangieren, dass sie zunehmend den Einflüssen fremder Zivilisationen ausgesetzt waren, was zuvor für sie undenkbar war.

Dies blieb natürlich auch bei den Anla`Shok nicht ganz folgenlos. Was einst wie fest gemeißelt für die Ranger galt veränderte sich zunehmend seit dem Tag an als sie sich nicht nur für Minbaris öffneten. Sondern auch seit die ersten Menschen die Führung übernahmen.

Aber nur wenige Entil`Za hatten markante Spuren in der Historie hinterlassen das man diese nicht nur in der Gedenkstätte von Yedor am Leben hielt. Eine davon war Susan Ivanova, die sich völlig dieser Pflicht hingegeben hatte. Unzählige Statuen und Gedenktafeln in Tuzanor, ihr Mausoleum in der Ranger Gedenkstätte in Yedor und ihre Erinnerungen auf sieben Speicherkristallen im Neural-Archiv auf Sirius Neun zeugten von ihrer einstigen Existenz und ihrer unermüdlichen Arbeit, die sie bis zu ihrem Tod als Anführer der Anla`Shok ausführte.

Auch wenn ihre Gegenwart mit jeder Generation etwas verblasste und zunehmend verklärt wurde war sie immer noch sehr präsent. Wie kein Entil`Za vor und nach ihr hatte sie die Ranger so entscheidend geprägt wie sie. Schon zu ihren Lebzeiten war sie zur Legende geworden was sich auch nach ihrem Tod fortsetzte. Ihr Vermächtnis was sie hinterließ prägten die Ranger über Generationen und hielt dadurch ihre wichtigste Mission am Leben.

Ein Befehl, das ihr besonders am Herzen lag.

Auch wenn es vielen widersinnig erschien und oft die Diskussion aufflammte ob es nicht besser wäre Marcus zu beerdigen statt auf unbestimmte Zeit seinen Körper weiter künstlich zu erhalten. Ob es überhaupt noch durchführbar war ihn wiederzubeleben angesichts der langen Zeitspanne die inzwischen vergangen war. Egal wie gut eine Methode der Konservierung ausgearbeitet worden war, war ein toter Körper auch dort natürlichen Zerfallsprozessen ausgesetzt, auch wenn diese sich sehr lange hinzogen.

Hinzu kam, die Person die einst diese Anordnung seiner Konservierung erteilte selbst schon längst zu Staub geworden war.

Doch die Befehle einer Entil`Za wurde niemals in Frage gestellt und so wurde es von einer Ranger-Generation zur nächsten weiter gegeben.

Dreihundert Jahre lang hatten sie danach gesucht, ihren Radius immer weiter nach außen erweitert, bis sie an den Rand der Galaxie gelangten, dahin, wo zuvor noch nie eine Expedition jemals vorgedrungen war  Das Schicksal war offenbar von der Selbstlosigkeit der Ranger ergriffen und ermöglichte eine zweite Chance für Marcus... und gab das fehlende Wissen in den Ruinen einer vergessenen Welt preis.

Niemand hatte damit mehr gerechnet jemals etwas zu finden. Nur ein Zufall hatte zu dieser Entdeckung geführt und das auch nur, weil eines der Forschungssonden durch einen Navigationsfehler etwas vom Weg abgekommen war. Die Kuppelförmige Struktur, die die Scanner dieser Erkundungssonde auf einen dieser unzähligen namenlosen Planeten erfassten war in diese schroffen Umgebung einfach zu perfekt geformt um natürlichen Ursprungs zu sein. Es waren ein deutliches Indiz, dass diese sehr karge und lebensfeindliche Welt, kaum mehr als ein Planetoid, einst das Interesse einer unbekannten Spezies erregte und beschlossen hatten dort ein Gebäude zu errichten.

Aber für was wurde diese Kuppel erbaut? Offenbar war dies einst eine Basis, deren Funktionszweck jedoch nicht zu ersehen war. Da die Scanner keinerlei Lebenszeichen registrierten wurde die Landung eingeleitet und eine Forschungsgruppe entsendet um herauszufinden, was diese Kuppel noch beherbergte und welchen Zweck sie einst diente.

Der erste Eindruck das sich der Crew darbot war die sehr spartanische Einrichtung in dem Bereich, was unverkennbar einst die Haupthalle gewesen war. Es wirkte wie leer geräumt, es gab fast nichts in Inneren. Keine Monitore, keine Steuerpulte.... es existierte keinerlei technisches Equipment die Aufschluss über den Verwendungszweck dieser Kuppel gaben. Die Landungsgruppe fand im Inneren der Kuppel lediglich einige Nebengelasse, die einen vagen Einblick über die einstige Ausstattung erahnen ließ. Eine Kammer beherbergte offenbar eine Art Bibliothek, eine weitere Kammer schien einst ein Labor gewesen zu sein. Die Regale in dem Laborraum waren komplett leer, bis auf einige aus einem Glas bestehenden Kugeln die ohne Inhalt waren.

Was mochten diese Gefäße einst beherbergt haben? Vielleicht Proben von Untersuchungen? Sie wirkten verloren in diesen Fächern, die für diese Gefäße gebaut worden waren.

Sonst gab es keine weiteren Spuren von ihnen. Es gab keinen Namen, wie sie sich einst nannten, woher sie kamen, wann, warum und wohin sie verschwanden. Offenbar hatten Unbekannte oder die Stationsbesatzung selbst einst alles ausgeräumt was nicht Niet-und Nagelfest war.

Oder besser gesagt fast alles. Die Bibliothek war entweder nicht sonderlich interessant gewesen oder aus irgend einem Grund hatte man es versäumt sie komplett zu räumen. Vielleicht wurden sie auch nur schlicht und einfach übersehen, denn zwischen den vielen leeren Kästen fanden sich fast verborgen ein paar kleine Boxen, die mit Datenkristallen recht gut bestückt zurück gelassen wurden. Sie hier vorzufinden war recht ungewöhnlich, denn Aufzeichnungen waren eigentlich das Herzstück solcher Forschungsstationen und wurden meist auch als erstes aus der Station geborgen. Ein Indiz was eher auf eine Plünderung durch Fremde deutete, es wahrscheinlich nur auf das technische Equipment abgesehen hatten. Es stellte sich nur die Frage, ob die Station auch schon damals längst verlassen war oder die Crew vertrieben wurde.

Egal aus welchen Gründen diese Archivboxen zurückblieben, für die Erkundungsgruppe war dieser Lapsus ein Glücksfall, bestand die Möglichkeit vielleicht einige Fragen zu beantworten. Vorausgesetzt diese Kristalle gaben ihre Aufzeichnungen preis, sofern sie welche enthielten die wichtig genug waren um daraus ein schlüssiges Bild zu ergeben was hier auf die einstige Besatzung und ihre Aufgaben deutete.

In einer weiteren kleine Kammer stand eine Vorrichtung, die jeden Irrtum ausschloss. Es war ein Generator für die Energieerzeugung, das fast den kompletten Raum ausfüllte und bis zur Decke reichte. Umgeben war das von filigranen Spulen umwobene Gerät mit Steuerpaneelen, das die einst Lebenserhaltung in Innern der Kuppel regulierte und alles was von Nöten war mit Energie versorgte. Wahrscheinlich schien es auch unter der Kuppel einen Bereich zu versorgen, denn einige Kabel führten in den Boden herab. Deutliches Indiz das sich dort noch ein weiterer Raum befinden musste.

Das erregte natürlich die Neugier und die Hoffnung doch noch auf weitere brauchbare Spuren ihrer ehemaligen Bewohner zu stoßen.

Und tatsächlich wurden ihre Mühen belohnt. Tief im Zentrum unter der Kuppel verbarg sich ein tatsächlich ein weiterer Raum, der in den Maßen dem der Kuppelhalle darüber zu entsprechen schien.

War dieser Raum einst nur aus Platzgründen direkt unter der Domhalle eingerichtet worden oder steckte mehr dahinter? Die Landungsgruppe hatte nicht damit gerechnet angesichts der fast  leergeräumten Kammern, was sich bisher ihnen im inneren der Kuppel darbot, das nebst dem Generatorraum es noch einen weiteren Raum gab, dass noch die komplette Einrichtung zu besitzen schien. Der Eingang zu ihr befand sich hinter einer perfekt getarnten Tür im Fußboden und der Raum selbst war mit einer nun deaktivierten Sicherheitsvorrichtung versehen worden, die ein unbefugtes Eindringen verhindern sollten.

In der Mitte des Raumes befand sich eine Liege, am Kopfende Apparaturen und Bedienungspaneele, von denen viele Kabeln abgingen und mit dem Generator über ihnen verbunden waren. In der Mitte dieser Apparatur befand sich ein bogenförmiger Gegenstand, in deren Mitte zwischen zwei sehr dünnen kristallinen Stiften eines dieser Glaskugeln fixiert war, die sie in einem der Nebenräume über dieser Kammer gefunden hatten.

Doch dies alles rückte förmlich in den Hintergrund als die Eindringlinge realisierten das sie vor einer wohl kompletten erhaltenen Anlage standen, wofür dieses eine Gerät wohl einst bestimmt war. Denn das Objekt ihrer Begierde befand sich am Kopfende zwischen zwei Pulten, sie war mit der bogenförmige Vorrichtung über dem Kopfende verbunden, deren Sinn sich keinem erschloss wie vieles in diesem und den anderen Räumen darüber. Man konnte nur erahnen welchen Zweck sie einst diente und zu was sie fähig war. Jeder Ranger, der sich auf die Suche begeben hatte war über die verheerende Wirkung dieser Maschine unterrichtet worden.  

War es vielleicht einst eine Krankenstation? Oder hatte es einen völlig anderen Zweck? Was für Versuche mochten hier einst stattgefunden haben, die diese Schutzmaßnahmen notwendig machten?Im Gegensatz zu den restlichen Räumen war dieser Raum besonders gut abgesichert. War es einzig diese Maschine der Grund für diesen Aufwand? Nur Dank der fehlenden Energieversorgung war es der Schiffsbesatzung überhaupt möglich ungehinderten Eintritt in diesen Raum zu bekommen.

Wie mochte diese Anlage einst funktioniert haben? Mit jener Maschine im Zentrum, die einst einem Ranger zum Verhängnis wurde, als er sich mit ihr verband um ein anderes Leben zu retten? Entil`Za Susan Ivanova verdankte dadurch ihr Leben. Dafür verlor sie Marcus. Um ihre Schuld wieder gutzumachen gab sie den Befehl nach den Schöpfern der Lebensenergietransfermaschine zu suchen damit diese ohne Gefahr bedient und Marcus wieder ins Leben zurückkehren konnte. Gleich wie lange es dauern würde.

Dreihundert Jahre waren inzwischen vergangen. Seitdem wurde dieser Befehl von den Rangern und den ihnen unterstellten Forschungsexpeditionen ausgeführt. Sollte die endlose Suche sich nun endlich ausgezahlt haben? Solange es keine Quelle gab, war es einfach zu gefährlich sie ohne jegliche Kenntnis über deren Fähigkeiten anzuwenden. Denn dieses Gerät konnte Leben zurückgeben... oder zerstören. Nun lag all ihre Hoffnungen in den zurückgeblieben Archivboxen. Aus welchen Gründen sie vergessen wurden, dieser Lapsus war für die Expedition ein Glücksfall, es bestand die Möglichkeit vielleicht doch noch einige Fragen zu beantworten. Vorausgesetzt diese Kristalle gaben ihre Aufzeichnungen preis, sofern sie welche enthielten die wichtig genug waren um daraus ein schlüssiges Bild zu ergeben was hier auf die einstige Besatzung und ihre Aufgaben deutete.

Offenbar waren diese Geräte zu umfangreich und die Zeit zu kurz um sie auf die schnelle zu demontieren und abzutransportieren. Es gab Indizien die darauf schließen ließ, dass diese Station wahrscheinlich nicht ganz freiwillig aufgegeben worden war. Es zeigten sich Spuren von Detonationen in der Nähe der Kuppel, Spuren die unmissverständlich von einem Angriff stammten. Denn einige Trümmerteile entpuppten sich als Überreste von kleineren Kuppeln, die zerstört worden waren. waren Die Einschläge durch Geschützfeuer waren hervorragend zu erkennen trotz der langen Zeitspanne die inzwischen seit dem Ereignis vergangen war.  Die dünne Atmosphäre des Planetoiden war einfach zu schwach um diese Spuren durch Erosionen zu tilgen.

Wofür mochte diese intakt gebliebene Kuppel gedient haben das sie zum Ziel eines Angriffs wurde? War es eben jene Maschine wonach sie suchten? Wussten die Angreifer, welche Funktion diese Kuppel besaß und beschlossen deshalb diese Station zu vernichten? Das würde den Aufwand erklären diese Anlage versteckt unter der Kuppel einzurichten und jede Spur ihrer Existenz zu verwischen. Die Crew hatte Stunden damit zugebracht den Eingang zu dieser Kammer zu suchen, deren Einstieg perfekt sich in den Ornament-artigen Muster auf dem Boden der Zentralen Halle verbarg.

Oder waren die zerstörten kleinen Kuppeln ihre Angriffsziele gewesen und die unversehrte Kuppel ohne jede Bedeutung eben weil dort nichts lohnenswertes vorgefunden wurde was einen Angriff rechtfertigte? Was mochte sich in den kleinen Kuppeln befunden haben dass sie total zerstört wurden, dass in deren Überresten nichts mehr zu finden war was auf deren Inhalt oder Funktion schließen ließ? Waren es vielleicht einst Plünderer wie die Raiders die hofften eine fette Beute vorzufinden und sahen diese Station als leichtes Opfer an? Hatten sie damals wie die Erkundungsexpedition heute eine längst verlassene Station vorgefunden und ihre Enttäuschung an den kleinen Kuppelgebäuden ausgelassen weil sie nichts zum Plündern vorfanden? Oder war diese Anlage schon damals in diesem Zustand gewesen?

Wie lange mochte es her sein dass sie verlassen wurde? Es gab absolut nichts was auf das genaue Alter dieser Anlage schließen ließ. Das einzige was man mit Gewissheit sagen konnte war, dass diese Station uralt sein musste. Erbaut offenbar zu einer Zeit, als es auf vielen Welten, deren Territorien an diesem Planetoidenfeld grenzte, noch nicht einmal Leben oder eine hochentwickelte Zivilisation gab.

Unendlich viele Fragen schwirrten im Raum, die mit höchster Wahrscheinlichkeit ohne eine Antwort bleiben würden. Möglich waren alle Varianten was einst dort geschehen war und sehr viel Raum für Spekulationen bot. Die Stations-Crew jedenfalls hatte offenbar rechtzeitig die Station verlassen und alles was für sie wichtig und wertvoll war auf ihre Schiffe verladen. Die Kuppel wirkte wie besenrein verlassen was wiederum für eine geordnete Evakuierung oder Aufgabe der Station sprach. Es gab keinerlei Spuren von Vandalismus wie herausgerissene Inhalte aus den Regalen oder zertrümmertes Mobiliar, was bei Plünderungen meist übliche Vorgehensweise war. Keine Kampfspuren in Innern der Kuppelhalle und in den Nebengelassen, keine Überreste von Leichen, die unter diesen Bedingungen perfekt konserviert worden wären, denn der Planetoid war biologisch tot, da sie keine Atmosphäre enthielt das Leben zuließ. Wertvolle Spuren wären dies gewesen die  Aufschluss über die Erbauer dieser Anlage hätten geben können oder wer sie angriff.

Auch wenn die zerstörten kleinen Kuppeln dabei nicht so recht ins dieses Bild passten. Die einzige Erklärung was durchaus im Bereich des möglichen wäre, das es die Stationsbesatzung selbst war, die diese Anlage zerstörten damit sie nicht in die Hände von Fremden fielen. Waren die planetaren lebensfeindlichen Bedingungen der Grund, warum sie diese Station aufgaben und alles taten um ihre Existenz zu vernichten? Oder hatten sie ihren Auftrag erfüllt, benötigten sie nicht mehr länger und ordneten deren Zerstörung an? Lagen unter der großen Kuppel irgendwo gut versteckt noch Sprengladungen, die aus unbekanntem Grund nicht detoniert waren?

Wäre diese Kuppel nicht entdeckt worden hätte das Team keine einzige Sekunde sich mit diesem Steinbrocken abgegeben. Denn diese Planetoiden waren mehr als lebensfeindlich und das manövrieren in diesem Asteroidenfeld in der sie ihre Bahnen zogen war für die Piloten nicht gerade ein Vergnügen. Wahrscheinlich war die Erkundungssonde seit dem Verlassen der Station die erste, die diesen Planetoiden wieder anflog und die große Kuppel dadurch erfolgreich die Zeiten überdauerte. Es gab keinerlei Spuren einer versuchten Demontage der Anlage die wirkte, als ob sie noch gerade benutzt worden war und der, der sie bediente, in jedem Moment in diesen Raum zurückkommen würde. Der Raum strahlte eine fast schon sterile Sauberkeit und Ordnung aus wie die restlichen Räume über dieser Kammer. So blieb die Maschine samt der Anlage über diese extreme Zeitspanne perfekt erhalten und war offenbar von den Erbauern rasch vergessen worden.

Ein Glücksfall für das Forschungsteam, das schon fast wie viele den Glauben verloren hatten jemals etwas über diese geheimnisvolle Maschine zu finden. Sie waren nun am Ziel.  

Oder besser gesagt fast am Ziel. Denn es gab ein kleines nicht ganz unerhebliches Detail von der das gelingen oder Scheitern der Expedition abhing. Auch wenn sie eine gut erhaltende Anlage sowie einige Datenkristalle gefunden hatten bedeutete es noch lange nicht das sie eine Art Bedienungsanleitung enthielt, worauf ihre primäre Suche ausgerichtet war. Fragen konnten sie die ehemaligen Bewohner nicht, denn diese waren schon längst fort. Die letzte Hoffnung lag nun auf den zurückgelassenen Dokumenten, die sie aus der ehemaligen Bibliothek der Station in ihr Schiff verluden.

Die Übersetzung verlangt alles Können der Linguisten ab, denn das Material war durchaus umfangreich und sorgte dafür, das sie viele Jahre damit zubrachten sich von Seite zu Seite zu arbeiten. Bis irgendwann sich etwas unter den unzähligen Datenträgern fand, was man als Bedienungsanleitung dieser Anlage identifizieren konnte nebst den unzähligen Schaltbildern und Zeichnungen, die es enthielt. Ihre Geduld und ihre Hingabe hatte sich nun endlich ausgezahlt. Wahrscheinlich war es einst das Handbuch eines Technikers der für die Wartung und Bedienung der Anlage zuständig war, dessen Daseinszweck trotz aller Bemühungen und Deutungen sich nicht erschloss.

Es vergingen noch weitere Jahre, bis eine weitestgehend fehlerfreie Übersetzung vorlag und das Risiko eingegangen wurde nach dieser Übersetzung die Transfermaschine zu aktivieren.

Und das unmöglichste geschah..... er kehrte tatsächlich ins Leben zurück.

Es hatte sehr lange gedauert bis Marcus realisierte, was geschehen war. Lange hatte sein Verstand sich dagegen gesträubt zu akzeptieren dass er überhaupt wieder am Leben war, so surreal wirkte alles. Zwar hatte er sich während seiner Rehabilitationszeit nie etwas anmerken lassen wie er sich dabei fühlte. Doch das Wissen weit entfernt in der Zukunft erwacht zu sein ohne mit der Frau an der Seite für die er sich einst opferte setzte ihm innerlich zu. Er hatte das Gefühl in einem Alptraum erwacht zu sein als er realisieren musste dass alles, was er einst für sie getan weite Vergangenheit und Susan längst zu Staub zerfallen war.

Vielleicht wäre für ihn irgendwann ein neues Leben möglich gewesen, ohne quälende Schuldgefühle. Doch was auch immer auch tat, gleich ob allein oder unter professioneller Hilfe von Psychologen, er konnte in dieser fremd gewordenen Gegenwart keinen Fuß in ihr fassen obwohl ihm alle Türen offen standen. Weil es einfach einfach nichts gab woran er hätte anknüpfen können das ihm Erfüllung hätte geben können. Ein Grund war auch die Omnipräsenz von Memorabilien, die Susan gewidmet waren.

Die Minbari taten zwar alles um sein Leben so angenehm wie möglich zu machen, doch das war nicht das selbe wie vor dreihundert Jahren. Selbst sein üppiges Konto, einst von den Anla`Shok für ihn eingerichtet damit er genügend Startkapital für sein neues Leben besaß konnte ihm diesen schalen Geschmack nicht nehmen.

Nein, nicht nur Minbar... es war überhaupt nichts mehr so wie einst, egal wohin er gehen würde. Es würde ihn permanent daran erinnern, dass er ein Relikt aus einer entfernten Vergangenheit war. Welchen Sinn hatte sein Leben sonst noch?

Allein und völlig auf sich selber gestellt.

...Allein.

Nur....Marcus wollte nicht allein sein. Er hatte es schlicht und ergreifend satt als einsamer Wolf durch die Gegend zu streifen und sich dabei wie ein Stück Treibgut zu fühlen. Wenn er schon in dieser Welt leben sollte, dann mit jemanden an seiner Seite, der ihm vertraut war um wenigstens eine Konstante zu haben in dieser fremden Gegenwart. Nur ein wenig privates Glück wollte er, nicht mehr oder weniger. Es war ihm bewusst dass nur eine Person dafür in Frage kam diesen Schmerz zu lindern. Er gab ihr einst sein Leben, hatte sie fortgerissen am Rand vor dem Abgrund an der sie einst stand. Jene Frau die ihn einst liebte auch wenn sie sich hartnäckig weigerte das anzuerkennen. Er war bereit für immer zu gehen, er hatte den Tod akzeptiert wenn Susan dadurch überlebte. Doch statt dessen erwachte er dreihundert Jahre später.

Er fragte sich, was und vor allem wie sie sich wohl in all dieser Zeit sich gefühlt haben musste. Welche Empfindungen hatte sie mit dem Wissen, dass sie ihr Leben nur durch seines verdankte? War dies der Auslöser für ihren Befehl ihn einzufrieren? War dies ihre Art zu zeigen dass sie ihn liebte? Oder wurde sie von Schuldgefühlen getrieben? Es gab nur sehr wenige Aufzeichnungen von Susan, die Aufschluss darüber gaben und ihn ahnen ließ, dass sie alles andere als Glücklich war.

Der Schock über diesen Zustand hatte ihn lange fest im Griff gehalten bis eine Idee in seinem Geist zu reifen begann, die mehr und mehr Konturen annahm und seine Rehabilitation vorantrieb als er sich an eine andere ebenfalls schon längst verblichene Person erinnerte, die einst seinem Bruder nahe stand und in der Gedenkstätte wie Susan einen würdevollen Platz erhielt.

Die Gespräche fielen ihm wieder ein, die er einst mit Kjeir führte. Die Freundin seines Bruders und mehr oder weniger seine Weggefährtin, als sie beide im alten Leben noch als Ranger tätig waren.  Als er ihr Portrait in der Ehrengalerie sah ließ er die Erinnerungen an diese Unterhaltungen aufleben wenn sie manchmal beieinander saßen, wenn die Zeit und Gelegenheit es zuließ. Er hätte es nicht für möglich gehalten dass er sie ebenfalls sehr vermisste.

Er hatte sie einst erst verspottet, sie für verrückt gehalten als sie von ihrem Plan erzählte William zurückzuholen. Deutlich hallten ihre Worte in seinem Gedächtnis nach, als wäre das Gespräch erst vor wenigen Augenblicken gewesen.

Nur....Marcus wollte nicht allein sein. Er hatte es schlicht und ergreifend satt als einsamer Wolf durch die Gegend zu streifen und sich dabei wie ein Stück Treibgut zu fühlen. Wenn er schon in dieser Welt leben sollte, dann mit jemanden an seiner Seite, der ihm vertraut war um wenigstens eine Konstante zu haben in dieser fremden Gegenwart. Nur ein wenig privates Glück wollte er, nicht mehr oder weniger. Es kam nur eine Person dafür in Frage diesen Schmerz zu lindern, der ihn seit seinem Erwachen in Griff hielt. Er gab ihr einst sein Leben, hatte sie fortgerissen am Rand vor dem Abgrund an der sie einst stand. Jene Frau die ihn einst liebte auch wenn sie sich hartnäckig weigerte das anzuerkennen. Er war bereit für immer zu gehen, er hatte den Tod akzeptiert wenn Susan dadurch überlebte. Doch statt dessen erwachte er auf ihre Initiative dreihundert Jahre später.

Er fragte sich, was und vor allem wie sie sich wohl in all dieser Zeit sich gefühlt haben musste. Welche Empfindungen hatte sie mit dem Wissen, dass sie ihr Leben nur durch seines verdankte? War dies der Grund für ihren Befehl ihn einzufrieren? War dies ihre Art zu zeigen dass sie ihn liebte?

Oder wurde sie von Schuldgefühlen getrieben? Es gab nur sehr wenige Aufzeichnungen von Susan, die Aufschluss darüber gaben und ihn ahnen ließ, dass sie alles andere als Glücklich war und seine Schuldgefühle verstärkte. Der Schock über diesen Zustand hatte ihn lange fest im Griff gehalten bis eine Idee in seinem Geist zu reifen begann, die mehr und mehr Konturen annahm und seine Rehabilitation vorantrieb als er sich an eine andere ebenfalls schon längst verblichene Person erinnerte, die einst seinem Bruder nahe stand. Und wie Susan einen würdevollen Platz in der Gedenkstätte erhielt. Er hätte es nicht für möglich gehalten dass er sie ebenfalls sehr vermisste.

Die Gespräche fielen ihm wieder ein, die er einst mit Kjeir führte. Die Freundin seines Bruders und mehr oder weniger seine Weggefährtin, als sie beide im alten Leben noch als Ranger tätig waren. Als er ihr Portrait in der Ehrengalerie sah ließ er die Erinnerungen an diese Unterhaltungen aufleben wenn sie manchmal beieinander saßen, wenn die Zeit und Gelegenheit es zuließ. Natürlich war William das zentrale Gesprächsthema. Gepaart mit ihren Plänen und Visionen, die sie für ihn zugedacht hatte. Darunter jedoch ein Vorhaben die keinerlei Zweifel an ihren Absichten ließ und Marcus ungeheuerlich erschien. Er hatte sie einst erst verspottet, sie dann für verrückt gehalten als sie von ihrem Plan erzählte William zurückzuholen. Deutlich hallten ihre Worte in seinem Gedächtnis nach, als wäre das Gespräch erst vor wenigen Augenblicken gewesen.

Jetzt, wo er wieder ins Leben zurückgekehrt und genötigt war über seine weitere Zukunft nachzudenken wurden ihm ihre Worte bewusst. Er begann zu ahnen, was in ihrem Kopf jahrelang vor sich ging. Was und wie sie sich dabei fühlte und schließlich zu dem trieb, was sich nicht nur in Aufzeichnungen ihres Nachlasses manifestierte die er einsehen konnte. Er kam zu der Erkenntnis das er sich in der gleichen Situation befand wie einst Kjeir. Offensichtlich hatte es bei ihr genauso begonnen wie nun bei ihm selbst. Er hatte niemals es für möglich gehalten welche Energie eine unerfüllte Liebe in einem Menschen freisetzen konnte das selbst die verrücktesten Optionen in Betracht gezogen wurde. Im Stillen leistete er für manch unbedachtes Wort an ihr deswegen innere Abbitte.

Durch einen Minbari, der Susans Grab pflegte erfuhr Marcus, dass von allen hochgestellten Persönlichkeiten Gedächtniskristalle angefertigt wurden. Die Entwicklung der Speichertechnik hatte in den drei Jahrhunderten, die Marcus >verschlafen< hatte, enorme Fortschritte gemacht. Es existierten nun Datenkristalle von der jede einzelne enorme Datenmengen erfassen und für das komplette Gedächtnis eines einzigen Menschen daher nur noch wenige Datenträger notwendig waren. Da Susan die Position als Entil`Za bekleidete war auch ihr Gehirn gescannt und ihre ganzen Erinnerungen und Persönlichkeitsmuster auf sieben Kristallen gespeichert und in das Neural-Archiv auf Sirius Neun deponiert worden. Diese Kristalle enthielten ihre komplette Persönlichkeit, all das was Susan einst ausmachte und all das was er an ihr liebte. Nur dadurch war nebst ihrer DNA in ihrer Haarsträhne ihre Wiederkehr als vertraute Person möglich. Und das Wissen dass es möglich war, hatte damals jede Angst vor Konsequenzen seines illegalen Tuns aus seinem Geist getilgt.

Und so beschloss er es zu tun. Er würde ihr neues Leben ermöglichen, sie erneut dem Tod entreißen. Nur dieses mal auf eine etwas andere Art, die statt seiner Lebensenergie ihn höchstens einiges an Mühen und Kredit-Einheiten kostete. Gleichzeitig durfte nichts von seinen Aktivitäten nach außen dringen, was eine penible Vorarbeit und Planung notwendig machte damit nicht einmal der Hauch eines Verdachts aufkam, was seine wirklichen Absichten waren.

Auch wenn es letzten Endes bedeutete, dass in der Zivilisation keinen Platz mehr für sie gab. Dies stellte für ihn kein Problem dar mit seinem alten Leben zu brechen und alles zurückzulassen. Das lag ohnehin schon längst in der Vergangenheit. Warum sich mit einer unbekannten Gegenwart auf einer fremden Erde abgeben, die selbst zu seiner alten Lebenszeit schon für ihn eine fremde Welt gewesen war?

Nur ein einzigen Platz gab es in seiner Erinnerung, wo er bereit wäre sich dort für immer niederzulassen. Jenen Planeten, weit weit weg von jeglicher Zivilisation. Diesen hatten sie entdeckt als er und sein Bruder einst nach Quantium 40 suchten und diesen ansteuerten in der Hoffnung dort eine ergiebige Quelle zu finden. Diese Expedition war zwar ein Fehlschlag, doch zugleich eines der wenigen Momente in seinem Leben, wo er wirklich richtig Glücklich war. Noch nie hatten sie beide eine Welt von solch paradiesischer Schönheit gesehen. Alle Sorgen und Nöte um die Elterliche Bergbaumine und die kriegsgebeutelten Jahre zuvor schienen in diesem Moment endlos weit weg. Wäre das Pflichtgefühl nicht so stark in ihm gewesen, er wäre mit seinem Bruder auf der Stelle für immer dort geblieben. So blieb nur ihm nur die Sehnsucht, die er bisher tief in seinem Herzen vergraben hatte.

War es eben diese Sehnsucht an dieses Paradies, von der restlichen Welt vergessen, das sehr schnell der Gedanke in ihm reifte, dort sein persönliches Himmelreich zu schaffen? Mit der Frau an seiner Seite die er tief und innig liebte wie niemals zuvor das er für sie über alle Grenzen ging? Jener weit entfernter isolierter Planet, dessen Schönheit ihn selbst dreihundert Jahre danach nie losgelassen hatte?

Er wusste was er tat als er diesen Entschluss fasste, sein ganzes Vermögen und seine Anstrengungen einzig dieser Aufgabe zu widmen. Er hatte alle Optionen für das Für und Wider seines Projektes abgewogen und befand schließlich, das es wert war es zu tun. Dank des Fonds, über den er nun nach Herzenslust verfügen konnte, konnte er eine ausgesprochen stolze Summe an Kredit-Einheiten auf der Haben-Seite verbuchen. Da es zweihundert Jahre nie angetastet worden war, war es alleine durch die Zinsen so üppig gewachsen, dass mehrere Generationen nach ihm sorgenfrei hätten leben können.

Dieser Geldsegen erlaubte ihm alles zu finanzieren was notwendig war. Preislisten und Kontaktadressen von Anbietern von illegalen Waren und Dienstleistungen wie das Klonen eines Menschen und Stehlen von Neural-Kristallen waren natürlich nicht in den offiziellen Reiseführern zu finden. Und das bedeutete, das er über inoffizielle Kanäle auf die Suche gehen musste und auf die Hilfe von professionellen Handlangern angewiesen war. Denn er würde viele reichlich bezahlen müssen um das zu bekommen was er vor hatte. Da die Risiken sehr groß waren dabei erwischt zu werden schlug sich das natürlich auf den Preis nieder.

Um seinen Plan in die Tat umzusetzen benötigte er als erstes ein kleines eigenes Schiff um jederzeit auch außerhalb der offiziellen Transitrouten mobil zu sein. Marcus erwarb aus zweiter Hand einen kleinen zivilen Flieger, das mit Sprungtechnologie ausgestattet war. Durch die inzwischen komprimierte Sprung-Technik, das die Herstellung kleinerer Triebwerke mit dieser Zusatzfunktion ermöglichte war sie in der Herstellung günstig geworden und konnte somit in jedem privat genutzten Schiff eingebaut werden. Eine Zusatzfunktion, die zu seiner Zeit nur in den White Stars existierte. Von den Sprungtoren unabhängig zu sein hatte für ihn Priorität, denn er würde viele verschlungene Routen fliegen müssen, die nicht in den offiziellen Kursbüchern verzeichnet waren. Er würde Wochen, vielleicht sogar Monate an Bord zubringen um all das zu arrangieren was nötig war. Und da war es von Vorteil, wenn man schnell in den Hyperraum verschwinden konnte, wenn es notwendig wurde.

Er war erstaunt über die geringen Maße des Fliegers als er es in Augenschein nahm. Die White Star Flotte der Ranger waren damals die ersten und einzigen Schiffe die von den Sprungtoren unabhängig selbst in den Hyperraum springen konnten. Sie benötigten jedoch eine komplette Besatzung von mehreren Leuten um zu funktionieren. Die heutigen Modelle hingegen waren regelrechte Zwerge im Gegensatz zu den White Star Schiffen seiner Zeit. Es benötigte gerade mal ein bis zwei Personen um das Schiff zu fliegen. Dieses Schiff war einfach perfekt, fast schon wie Maßgeschneidert für ihn. Er musste nur noch einige kleinen Umbauten vornehmen damit es genug Lagervolumen besaß um reichlich Frachtgut zu transportieren. Denn er hatte nicht vor sein altes Leben weiter zu führen, sondern ganz von vorn zu beginnen.... möglichst weit von jeglicher Zivilisation. Und je weiter ein Planet, dass ihr neues Zuhause werden würde, von einem Sprungtor und den offiziellen Transitrouten entfernt lag um so besser. Denn er hatte nicht vor diese Welt jemals zu verlassen oder gar Kontakt aufzunehmen. Denn nur dadurch konnte er Susan vor der Realität schützen, die nicht die ihre war.

Sein Endziel stand nun fest. Auf ChrynIII hatte alles vorgefunden, was ein gutes und vor allem ein ungestörtes Leben zu Zweit ermöglichte. Bis heute gab es keinerlei Interesse aufgrund der extremen Entfernung diesen Planeten kommerziell zu erschließen. ChrynIII würde somit auch in der Zukunft isoliert und vergessen bleiben was ihm natürlich nur recht sein konnte. Vorräte, Material sowie Gerätschaften um für den Rest seines Lebens mit allem versorgt zu sein und für ein autarkes Leben notwendig war gab es überall problemlos zu erwerben. Das war der leichteste Teil von seinem Plan.

Doch alles andere was er brauchte lag um etliche Hürden höher. Er würde ziemlich weit herumfliegen müssen um die richtigen Leute zu finden, deren Hilfe er benötigte.

Sein erster Kurs führte ihn nach Sirius Neun. Dort wo nun dieses Neural-Archiv erbaut worden war um ein weiteres wichtiges Puzzle Teil in seinen Besitz zu bringen. Innerlich dankte Marcus dem jungen Minbari für diese wertvolle Information.

Sirius Neun war ihm nicht unbekannt. Als Ranger hatte er diese Kolonie oft besucht, da sie auch eine sehr ergiebige Nachrichtenquelle und Treffpunkt mit seinen Informanten war. Seit je her trieb sich dort allerlei zwielichtiges Gesindel herum, denn diese Welt wurde in erster Linie von Reisenden aus allen Ecken und Enden der Galaxien als Durchreisestützpunkt genutzt bevor das Neural Archiv von Psi-Med eingerichtet wurde um Sirius Neun für anderes Klientel attraktiver zu machen mit der Hoffnung damit diese etwas länger blieben statt nur sich Proviant zu kaufen und dann weiter zu ziehen.

Als Folge durch den bis heute sehr lebhaften Reiseverkehr und den daraus entstandenen Schmelztiegel verschiedenster Rassen entstanden nebst offiziell lizenzierter Gastronomie und Hotels auch illegale Etablissements, Spelunken und Nachtklubs, wo man unter der Hand jegliche Art von inoffiziellen Dienstleistungen und Waren bekommen konnte, wenn die Bezahlung stimmte. Zwar versuchte die dortigen Verantwortlichen diese Einrichtungen zu schließen um den Ruf von Sirius Neun zu heben aber es war wie der sprichwörtliche Lauf zwischen Hase und Igel. Wenn eine illegale Spelunke geschlossen wurde tauchte es kurz darauf an anderer Stelle wieder neu auf und das Spiel ging von vorne los.

Wenn es um das Aufspüren von zwielichtigen Rattenlöchern ging hatte er im Laufe der Zeit ein ausgezeichnetes Gespür entwickelt. Denn die meisten dieser illegalen Vergnügungslokale, Bars und Kneipen hatten sich durch die vielen Razzien zunehmend im Untergrund angesiedelt und waren oft nur durch versteckte Hinweise oder gegen ein kleines Entgelt durch Insider zu finden.

So trieb sich Marcus in den übelsten Etablissements herum um nach Kontakte für seinen Plan  ausfindig zu machen. Je verrufener eine Bar oder Nachtklub war, desto ergiebiger waren die Quellen darin. Man musste nur eine große Portion Dreistigkeit, gute Beobachtungsgabe, Risikofreude und gegebenenfalls ein paar Kredit-Einheiten besitzen um sie abschöpfen zu können. Marcus machte einmal mehr die Feststellung, dass er der Zeit als Ranger durchaus positive Seiten abgewinnen konnte. Hatten sich seine erworbenen Skills während seiner Ausbildung als Anla`Shok als ausgesprochen nützlich erwiesen um passende Kontakte zu knüpfen. Auch seine Zeit als Boss einer Mine waren sehr profitabel gewesen entsprechendes Geschick mit Fremdspezies zu entwickeln.

Die meisten Kolonisten auf Sirius Neun waren Drazi und nicht wenige waren abgeneigt für Geld alles zu tun. Marcus kannte die Drazis und wusste, wie er mit ihnen umgehen musste. Hohe Intelligenz und Geduld waren nicht gerade deren Stärken und waren folglich nur fürs Grobe zu gebrauchen. Ein paar Kredit-Einheiten bescherten ihn den passenden Mann der den Ruf hatte fast alle Gebäude der Kolonie von innen zu kennen. Inklusive des Neural-Archiv.

So stahl er mit Hilfe mit diesem Drazi die Kristalle mit Ivanova`s Gedächtnisspeicher aus dem Neural-Archiv von Sirius Neun, schmierte den Sicherheitschef, der solche Aktionen normalerweise verhindern sollte, üppig mit entsprechenden Kredit-Einheiten damit er großzügig wegsah.

Kjeir`s Kontakte, die sie vor dreihundert Jahren akquirierte um das gleiche mit William durchzuführen waren leider nicht mehr brauchbar, denn diese waren ebenfalls schon längst nicht mehr unter den Lebenden. Dennoch waren ihre Pläne sehr hilfreich. Es gab ihm die notwendigen Hinweise, wie er seine Suche effizienter ausführen und worauf er zu achten hatte. Jemanden zu finden der all die Voraussetzungen besaß um seinen Wunsch zu erfüllen war wie die berühmte Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

Letzten Endes fand er im Brakiri-Raum doch noch das was er suchte. Einen Mediziner, der wegen diverser Verstöße von seinen Kollegen geächtet und aus den Verbänden ausgeschlossen worden war. Vor allem seine gewagten Experimente am menschlichen Genom hatte ihn in Schwierigkeiten gebracht und so suchte er sein Heil in der Flucht um der Strafverfolgung zu entgehen. Kurzerhand ließ er sich bei den Brakiri nieder, die in dieser Beziehung ausgesprochen großzügigerer Regelungen ihr eigen nannten und gegen eine kleine monatliche Gebühr ihn schalten und walten ließen wie er es für richtig hielt. Zumal das auch in finanzieller Hinsicht für ihn und den involvierten Brakiri ein lohnendes Geschäft war, denn seine Dienstleistung war unter der Hand sehr gefragt und wurde gut bezahlt. Und das sprach sich sehr schnell herum, dass er fast schon magische Wunder in der genetischen Modifikation vollbrachte, weil er sich nicht an lästige Regeln und Vorschriften halten musste, die er nur als Bremsklotz ansah.

Er war ein Meister seines Faches. Er hatte alle Fertigkeiten, die ihn zum perfekten Kandidaten für Marcus` Herzenswunsch machten. Während ein Klon von Susan zweiunddreißig Jahre und vier Monate unter Quijanos Obhut in der Röhre heranreifte und in Echtzeit ihre Erinnerungen in ihr Gehirn überspielt wurde, verbrachte Marcus diese Wartezeit im erneuten Winterschlaf auf dem Mars. Dieses Service-Center, gegründet von einem Nachkommen von Michael Garibaldi, dem Sicherheitschef auf Babylon 5 erfreute sich einer ausgesprochener Beliebtheit. Nach dieser Wartezeit bekam er schließlich von dem Sohn des Arztes das Ergebnis präsentiert, wofür er all seine Mühe und vor allem sein Geld investierte. Marcus bereute keine einzige Kredit-Einheit die er dafür ausgab. All seine Erwartungen waren zur vollsten Zufriedenheit erfüllt worden. Sie war eine perfekte Kopie des Originals. Er erinnerte sich, dass er sich kaum an ihr satt sehen konnte, nachdem er sie mit einer exakt kopierten Uniform, die sie während des Bürgerkrieges auf der Erde trug, angekleidet hatte. Solange sie sich ihm nicht freiwillig so zeigte wie er sie zuerst in der Röhre sah, war ihr nackter Körper anzusehen tabu für ihn.

Sofort brach er mit ihr in seine neue Heimat auf um endlich einen Schluss-strich unter sein altes Leben zu ziehen. Was zu erledigen war war nun getan, es gab keinen Grund mehr sich länger in dieser Gegenwart aufzuhalten. Sein Plan war fast vollendet, er hatte alles besorgt um für eine sehr sehr lange Zeit versorgt zu sein. Susan lag neben ihn auf dem Co-Pilotensessel. Seit ihrer Entlassung aus der Röhre hatte Marcus sie in sehr tiefer Bewusstlosigkeit gehalten, damit sie nichts von Flug und erst recht nichts von ihrer Umgebung mitbekam. Kaum auf ChrynIII gelandet vollzog er, nachdem er das Schiff komplett entladen hatte, den letzten Schritt der ihr zukünftiges Leben endgültig besiegelte. Nach der Landung und löschen der Ladung zündete er die Sprengladungen. Somit hatte er jede Möglichkeit zerstört ChrynIII zu verlassen oder Kontakt nach außen aufzunehmen.

Und nun waren sie hier, fernab jeglicher Zivilisation. Kein leichter Schritt, aber es war notwendig. Und weil es nicht anders ging, egal wie er es drehte und wendete. Denn was er getan hatte, einen Menschen zu klonen und mit ihren originalen Erinnerungen auszustatten, war im Allianz-Raum geächtet und das könnte ihn gehörig in Schwierigkeiten bringen, wenn dies aufflog. Alleine der Einbruch in das Neural-Archiv auf Sirius Neun und der Diebstahl der Speicherkristalle von Ivanova war alles andere als ein Kavaliersdelikt. Somit war das Exil für den Rest ihres Lebens auf diesen isolierten Planeten die einzig logische Konsequenz.

Wenn sie auf Minbar oder auf einer anderen Allianzwelt geblieben wären, wenn es denn möglich gewesen wäre....wie hätte sie wohl reagiert wenn er es ihr gesagt hätte, was sie in Wirklichkeit war? Würde sie es verkraften zu wissen das sie nicht die originale Susan Ivanova, sondern dass sie in Wirklichkeit aus einem einzigen Haar geklont wurde, versehen mit Erinnerungen einer weit entfernten Vergangenheit? Selbst wenn sie es mit Fassung ertragen hätte gab es eine weitere Schwierigkeit. Wie sollte er vor seiner Umwelt ihre plötzliche Existenz erklären? Ivanova wäre vielleicht der Willkür irgendwelcher Mediziner oder Behörden ausgesetzt, das würde sie unter Garantie nicht überleben. Dreihundert Jahre nach ihrer Zeitlinie, ihr altes wie sein Leben ferne Vergangenheit, die Freunde längst verblichen.

Hätte er sie danach vielleicht ein zweites Mal verloren? Vielleicht Endgültig?

Nein, es ist gut so wie es war und den Rest....würde sich irgendwann ergeben. Er konnte warten, das hatte er ausgiebig gelernt.

Vorsichtig stand er auf.  Es hatte keinen Zweck sich noch weiter das Laken zu zerwühlen und obendrein wollte er nicht noch mehr Unruhe verursachen. Susan schlief nebenan. Noch waren sie zu weit voneinander entfernt, um sich nebeneinander zu legen und somit Nähe zuzulassen. Obwohl es ihm manchmal schwer fiel der Sehnsucht und dem Verlangen nach ihr Herr zu werden. Sie waren ja auch erst wenige Monate auf ChrynIII. Ihm war klar dass noch sehr viel zu tun war.

Latent schwebte auch eine vage Bedrohung über ihn. Es war die Furcht das irgendetwas dieses Idyll zerstörte und all seine Mühen vielleicht umsonst gewesen war. Dass dies alles ihm streitig gemacht werden könnte war das Letzte was er hätte ertragen können. Die Befürchtung alles zu verlieren drohte wahr zu werden, als eben vor ein paar Tagen jenes fremde kleine Schiff landete. Er wäre bereit gewesen bis zum Äußersten zu gehen um seine kleine heile Welt zu beschützen.

Die Individuen die nun in dieser Gegenwart lebten bedeuteten ihm nichts, warum hätte er auf sie Rücksicht nehmen sollen? Zumal die isolierte Lage von ChrynIII es ihm erleichtert hätte Personen auf Nimmerwiedersehen verschwinden zu lassen. Gleichzeitig war er erschrocken über diese Vorstellung. Er verabscheute es, fühlte Scham überhaupt solch niedere Gedanken zu entwickeln. Wie konnte er diese heikle Situation entwirren ohne das Susan Verdacht schöpfte das hier etwas nicht stimmte? Zu seinem Ärger musste er sich eingestehen das er sich darüber nie Gedanken gemacht hatte das sich noch weitere Interessenten hier einfinden könnten. Woher auch, es gab keinerlei Indizien das das Desinteresse an ChrynIII nachgelassen hatte.

Bis sich eine von den beiden Besuchern ihm zu erkennen gab. Sie schien geahnt zu haben welche Gedanken ihn umtrieben und beschloss die Begegnung statt am Tage Nachts am Wrack stattfinden zu lassen, das ziemlich weit von seiner Höhlenwohnung lag. Denn sie hatte all ihre Erinnerungen an ihn, kannte seine Gewohnheiten. Und sie war sich gewiss dass er fieberhaft nach der Quelle der Störung suchen würde, die auf diese Welt herabgesunken war. Verursacht durch eine Person, der er in gewisser Hinsicht sehr zum Dank verpflichtet war das dies alles möglich wurde. Denn dieser Besuch, das vor einigen Tagen die Isolation durchbrach und hier landete war die Verbindung in seine Vergangenheit und gleichzeitig in eine völlig fremdartige Welt.

Er hatte niemals damit gerechnet jemals wieder ein weiteres, nein zwei weitere vertraute Gesichter zu sehen. Davon eines dass zu einer Person gehörte die ihm sehr nahe stand wie man als Brüder nur nahe stehen konnten. Er glaubte kaum seinen Augen zu trauen als ihm bewusst wurde, das Kjeir real und lebendig vor ihm stand.... mit William, seinem kleinen Bruder an ihrer Seite. Sie hatte es tatsächlich all dies wahr gemacht, was sie ausgiebig und detailliert in ihren Aufzeichnungen niedergeschrieben hatte, die nur er lesen durfte und zur Vorlage seines eigenen Vorhabens wurde.

Auch wenn das erneute Wiedersehen für den ersten Moment alles andere als Herzlich verlief. Wer rechnete auch schon mit so etwas? Er jedenfalls am allerwenigsten obwohl sie von diesem Thema fast wie besessen schien. Es erstaunte ihn das er ihr überhaupt etwas bedeutete, dass sie ein spezielles Testament verfasste um ihn wieder zu sehen. Marcus hatte zwar während seiner Ranger Zeit etliche Freunde, doch eine gewisse Distanziertheit blieb da er zu viele verlor die ihm nahe standen. Jeder Verlust ließ seine innere Wunde immer größer werden, was schließlich seinen Höhepunkt mit dem Tod Williams und Susan erreichte. Auch wenn er alles tat sich nie etwas anmerken zu lassen, wie er sich wirklich dabei fühlte. Er konnte nicht verhindern, das es einige Risse in dieser Mauer gab. Risse die für Kjeir wie ein offenes Buch für sie war. Risse, durch diese sie in sein Innerstes sehen und seinen Schmerz fühlen konnte.

Ein Schmerz der ihr nicht unbekannt war. Vielleicht war dies der Grund warum sie trotz allem was einst zwischen ihnen stand ihm in Freundschaft zugetan war weil sie sich genauso verlassen fühlte wie er selbst?

Doch langsam spürte er, dass diese Wunde langsam zu heilen begann. Kjeir hatte einen nicht ganz unbeträchtlichen Anteil daran dass er nun unbesorgt nach vorn sehen konnte. Er war einmal mehr erstaunt wie intensiv und mit welcher Akribie sie ihre Rückkehr plante und schließlich auch realisierte. Mühen die er nun auch auf sich selber genommen hatte. Ein einziges Haar und sieben Kristalle waren nebst den nötigen Kredit-Einheiten sein Schlüssel zu seinem Glück. Und empfand mehr als einmal seinen Respekt für Kjeir und für die tiefe Liebe, die sie für seinen Bruder William empfand.  Kam es überhaupt noch darauf an von welcher Welt Kjeir stammte und nun auch Heimat für seinen Bruder wurde, nachdem er während des Klon-Prozess zu einem Xyn verändert worden war, wovon ein Cyber-Transplantat an seiner linken Schläfe zeugte? Er lebte und das war für ihn das Wichtigste. Nur dadurch war er imstande mit seiner Vergangenheit abzuschließen die bis vor kurzen immer noch wie ein Schatten auf ihm lag.

Er erfuhr von ihr, dass ihre Spezies im Laufe ihrer Evolution, aber auch durch den enormen technischen Fortschritt, mit der sie schließlich eins wurden, die Grenze zum Tod aufbrachen und ihm den Schrecken nahm, indem sie nach dem physischen Ableben als reine Energie in einem Schrein weiter existierten. Ermöglicht durch ein komplexes Transfersystem das fähig war die Lebensenergie und Erinnerungen eines Individuums in einem Seelengefäß zu speichern oder in einen Körper rückübertragen konnten. Wenn sie den Wunsch hatten den Schrein zu verlassen, ließen sie kurzerhand ihren Körper neu klonen. Was er selbst mühsam arrangieren musste ohne gleichzeitig Verdacht zu erregen wurde bei den Xyn förmlich wie auf dem Silbertablett serviert. In dieser Beziehung schien Kjeir`s Gesellschaft einen ausgesprochen liberalen Umgang mit diesem doch heiklen Thema ihr eigen zu nennen. All dies, was Kjeir einst erwähnte und zum größten Teil in ihren persönlichen Aufzeichnungen niedergeschrieben war ergab nun einen Sinn.

Wie Susan hatte auch Kjeir ihn während seines Kälteschlafes besucht, später in Begleitung ihres Sohnes und manchmal ebenfalls Zwiesprache mit ihm gehalten. Offenbar war in diesem Moment in ihr dieser Plan entstanden eine Familienzusammenführung der besonderen Art zu ermöglichen und alles für die Realisierung ihres Planes in die Wege geleitet. Kjeir hatte schließlich die Endfassung ihres Testaments in einem ihrer Kugelsonden eingespeichert und diese unter ihrem Gedächtnisbild platziert mit dem Auftrag diese Nachricht an ihre Nachkommen zu übermitteln sobald es ein Lebenszeichen von ihm gab, damit der Klon-Prozess auf Kamino in die Wege geleitet konnte.

War diese verschleierte Xyn, die in Tranalls Begleitung vor ihm stand sogar mit Kjeir verwandt? Hatte sie die Nachricht übersandt? Kjeir hatte einen Sohn hinterlassen und der hatte sicher auch Nachkommen. War also diese verschleierte Person, die erschienen war um die Schatulle abzuholen ein direkter Nachkomme von Kjeir, die dieses Testament einst von der einen zur nächsten Generation reichten bis der Tag seiner Revitalisierung gekommen war? Marcus hatte nie danach gefragt ob es so war. Er bedauerte zutiefst kein Wort an diese verschleierten Gestalt gerichtet zu haben ob dies zutraf. Wenn die Lebenserwartung von zweihundert Jahren dort üblich war könnte es sich durchaus um eine Urenkelin Kjeir`s handeln.

War dies der Grund für die offenbar recht xenophoben Xyn ein Büro auf Minbar einzurichten? Denn nach und nach erfuhr er einige Details, die mit ihm in Verbindung standen. Laut Tranall sowie einigen Aufzeichnungen aus dem Archiv hatten die Xyn mehrere Male ihn im Ranger Medizinzentrum in Tuzanor besucht wo er noch in Kälteschlaf befand. Sie hatten ein ausgesprochen lebhaftes Interesse an ihm gezeigt.

Weshalb und warum, darüber hüllten sich die Xyn in Schweigen. Da Marcus inzwischen von der Existenz seines Neffen erfahren und somit nun mit Kjeir verwandt war nahm er an, dass dies der Grund war, das er oft von den Xyn besucht wurde. Da stellte sich zwangsläufig die Frage warum das Interesse seitens der Xyn an ihm so groß war. Das stand im völligen Gegensatz zu ihrem üblichen Verhalten, denn die Xyn waren sehr scheu und mieden jeden Kontakt zu anderen Zivilisationen, auf Minbar pflegten sie einzig und allein Kontakt zu den Anla`Shok.

Warum also dieser ganze Aufwand nur seinetwegen? Verwandtschaft zu William Junior, der zu diesem Zeitpunkt sicher auch nicht mehr an Leben war, allein dürfte kaum der Grund sein.

Noch merkwürdiger war, dass danach, kaum als er wiederbelebt worden war das Interesse der Xyn an ihm abrupt zu enden schien.

Das sie im Auftrag Kjeir´s handelten, seine Revitalisierung der Startschuss für ihre und Williams Wiederkehr und somit für die Nachkommen  mit der Übermittlung von Kjeir´s hinterlassenen Nachricht zu ihrer Heimatwelt ihr Auftrag erledigt war, wussten weder er noch sonst irgend jemanden zu diesem Zeitpunkt. Die Minbari hatten sich schon längst an das geheimnisvolle Verhalten der Xyn gewöhnt und nie Fragen gestellt.

Doch einige Informationen hatten die Xyn trotz ihrer verschwiegenen Art preisgegeben. Auch wenn diese recht spärlich waren gab eindeutige Indizien das die Xyn in der Vergangenheit offenbar recht weit gereist waren. Marcus erfuhr von Tranall nicht nur, wie sie an die Informationen gelangt waren die sie brauchten um ihn wieder ins Leben zurückzuholen, sondern auch, dass sich die Xyn an der Übersetzung der Schriften beteiligten. Diese Dateien waren aus einer längst verlassenen Station geborgen worden, in der eine ähnliche Ausführung der Lebensenergietransfermaschine existierte wie die dazugehörigen Datenkristalle, das die Bedienungsanleitung enthielt. Die von den Xyn sehr präzise und fast wortgetreue Übersetzung der Bedienungsanleitung sorgte schon bald für das Gerücht dass sie offensichtlich mehr über diese Maschine wussten als sie vorgaben, vielleicht sogar deren Erbauer waren. Denn bevor die Xyn ihre Mitarbeit anboten in der Übersetzung der Schriften behilflich zu sein war die Arbeit der Linguisten förmlich zu Stillstand gekommen, weil es auf allen bekannten Welten keine Sprache gab, die dieser auch nur in Ansätzen ähnelte, um sie als Vergleichsmaterial heranzuziehen.

Tranalls Informationen warfen in Marcus viele Fragen auf. Stammte diese Maschine gar von den Xyn? Wollten sie sehen welche Effekte sie auf einen menschlichen Organismus hatte? Hatten sie, nachdem seine Revitalisierung erfolgreich war von den Minbari verlangt ihnen die Maschine zurückzugeben wenn sie tatsächlich die Nachfahren dieser Schöpfer waren? Das Prinzip der Maschine Lebensenergie zu transportieren würde dem Verfahren ähneln die auf Kjeir´s Heimatwelt angewendet wurde, jetzt wo er von ihr die Zusammenhänge kannte die es ihr ermöglichte mit William zurückzukehren. Möglich dass die gleichen Transfermaschinen bis heute dort im Gebrauch waren, denn irgendwie mussten die Seelen aus dem Körper in den Schrein gelangen. Immerhin hatte er einst mit dieser Maschine nicht nur Susans Leben gerettet, sondern, wenn auch dreihundert Jahre verspätet, sein eigenes zurückbekommen.

Doch das hatte ihm auch die Frage aufgeworfen welche zusätzlichen Aufgaben diese Maschine zu erfüllen hatte, dass sie weit entfernt von dem Territorium der Xyn errichtet wurden, oft an Orten die nicht hätten lebensfeindlicher sein können. Von woher mochte jene Maschine stammen die einst auf Babylon 5 existierte und wie kam sie in den Besitz einer Heilerin, bis diese beschlagnahmt wurde? Hatte sie diese Maschine irgendwo auf dem Schwarzmarkt gekauft oder sie durch Zufall gefunden?

Wie viele dieser Artefakte existierten noch unentdeckt irgendwo in den unendlichen Weiten in verlassenen Gegenden? Angesichts der seit über mehreren Jahrtausenden währenden Isolations-Politik der Xyn, wodurch Expeditionen jenseits ihrer Territoriumsgrenze komplett zum erliegen gekommen war würde es erklären, warum nichts von der Existenz der Xyn zeugte. Wie es schien blieb nicht viel Zeit die Stationen zu demontieren wenn sie tatsächlich den Befehl erhielten in binnen kürzester Zeit auf ihre Heimatwelt zurückzukehren.

Mit dem Resultat, das einige Exemplare dieser Transfermaschinen zurückblieben und im Laufe der Zeit in fremde Hände gerieten. Das Testament von Kjeir hatte die Xyn, wenn auch durch Zufall, zu einer dieser Maschinen geführt, was sicher auch eines der Gründe sein dürfte warum die Xyn enge Kontakte zu den Anla`Shok knüpften und bereit waren zu helfen. Offenbar hatten die Xyn selbst während ihrer Zeit der Abgeschiedenheit stets das Ziel verfolgt diese vergessenen Transfermaschinen aufzuspüren und nutzten das breite Kommunikationsnetz der Ranger. Angesichts der brisanten Fähigkeit dieses Artefakts, deren Wirkung er schließlich am eigenen Leib erfahren hatte, konnte er die Heimlichtuerei um die Existenz dieser Maschine nachvollziehen.

Dann natürlich war noch Kjeir`s Nachlass die die Xyn nur ihm erlaubten einzusehen. Die umfangreichen Daten auf den Speicherkristallen, die sich nur mit Thema Klonen befassten..... es schien, als sollte er es lesen. Vielleicht sollte es ein Fingerzeig sein was Kjeir in ihrem Testament verfügen ließ, vielleicht war es auch nur Zufall. Er hatte nie eine Andeutung ihr gegenüber gemacht je so etwas tun zu wollen. Weil es für ihn damals keinen Grund dafür gab sich das auch nur ansatzweise vorzustellen. Doch nun war alles anders. Weil auch die Umstände völlig anders waren.

Er erinnerte sich noch deutlich an ihren erstaunten Gesichtsausdruck als sie erfuhr, dass er ihrem Beispiel gefolgt war um Susan zurückzuholen. Ein Plan geboren aus wahnwitzigen Ideen einer verzehrenden jungen Liebe, in der er nun selbst gefangen war. Qualen des Verlustes, die seine und auch ihre Seele zu verzehren drohte. Er konnte es immer noch nicht fassen das er selbst bereit war soweit zu gehen wie es Kjeir getan hatte. Manchmal beobachtete er Susan fast Stundenlang bei ihren Aktivitäten um sicher zu sein, dass er nicht träumte. Was würde er alles dafür geben den letzten Beweis für ihre Gegenwart zu erhalten indem er ihr so nahe sein durfte wie es nur zwischen zwei Liebenden möglich ist....

Vorsichtig ging er in einen kleinen Nebenraum, es war eines seiner privaten Fluchten, die er hin und wieder brauchte, denn es brauchte viel Kraft dieses Bild aufrecht zu erhalten, ihr den Glauben zu lassen dass sie immer noch die war, die sie zu glauben meinte.

Doch er musste bald feststellen das dieses Vorhaben anstrengender war als er ahnte. Immer wieder meinte Susan Reminiszenzen an ein Leben zu haben dass sie meinte gelebt zu haben, obwohl dies zu diesem Zeitpunkt ihre vergangene Zukunft war. Erinnerungen die sie nicht mehr hätte haben sollen. Marcus musste enorme Energien in seinen Bemühungen stecken ihre Bedenken zu zerstreuen. Unter keinen Umständen durfte sie die Wahrheit erfahren. Er spürte wie sehr es an seine psychische Substanz ging. Er hätte nicht vermutet wie sehr an dieser Beziehung gearbeitet werden musste und er war sich sicher, das es längst noch nicht ausgestanden war. Noch war die Zeitspanne zu kurz seit Susan wieder existierte. Wie viele unerwünschte Erinnerungssplitter mochten noch in ihr existent sein und an die Oberfläche drängen?

Aber er wusste, worauf er sich einließ. Er hatte nur ein einziges Haar zur Verfügung aus dem der Arzt eine möglichst komplette DNA extrahieren musste. Hinzu kamen noch sieben Kristalle, auf denen Susans komplettes Leben und Erinnerungen gespeichert war, von dem jedoch nur ein Teil für den Transfer in ihr Gehirn benötigt wurde. Marcus hatte Dr. Quijano detaillierte Anweisungen gegeben, wie er mit ihren Erinnerungen zu verfahren hat als er den Auftrag erteilte Susan zu klonen. Es sollten ausschließlich nur die Jahre an Erinnerungen  in Susans Hirn übermittelt werden bis zum Zeitpunkt der Schlacht im Sektor dreihundert.

Zweiunddreißig Jahre und vier Monate. Keinen einzigen Tag mehr.

Dr. Quijano, dessen Fähigkeiten der Genom-Modifikation unter der Hand einen sehr hohen Ruf genoss und deshalb von Marcus ausgewählt wurde hatte ihm alle möglichen Komplikationen aufgezeigt die eine Langzeitreifung und Erinnerungstransfer über einen Zeitraum von Zweiunddreißig Jahren in Echtzeit mit sich brachte. Der Arzt hatte für einem Laien verständlich erläutert, dass es durchaus zu sogenannten Flashbacks kommen konnte. Erinnerungssequenzen, die eigentlich nicht mehr vorhanden sein dürften, konnten sich in Fragmenten im Gedächtnis manifestieren. Oder Erinnerungen saßen nicht dort, wo sie im Gedächtnis sein sollten. Sie exakt dorthin zu platzieren, diese Fertigkeit war nur begrenzt machbar. Zu wenig wurde diese Art von Erinnerungstransfers durchgeführt um auf genug Erfahrungen und passenden Methoden zurückzugreifen. Die meisten waren Außerirdisch und nur begrenzt auf den Menschen anwendbar.

Es war nicht vorauszusehen wie dieses Experiment ausging, denn das, was Marcus von ihm verlangte, war für den Mediziner trotz seiner Erfahrungen absolutes Neuland. Der Wunsch seines Klienten einen Klon erst als zweiunddreißigjährige aus der Röhre zu holen und mit der gleichen Zeitspanne an gelebten Erinnerungen Punktgenau bis zu seiner Erweckung auszustatten ohne dass es später mit mentalen Irritationen zu kämpfen hatte, war selbst für erfahrene Neurochirurgen eine große Herausforderung. Keines seiner Kunden hatte ihm je solch einen Auftrag erteilt und Quijano war schon lange in diesem Geschäft.

Welches Ergebnis dabei herauskam, das würde sich erst im Laufe der Zeit zeigen, wenn der Klon eine eigenständige Person war. Somit konnte Quijano Marcus keine Garantie geben, dass alles so klappte wie er es sich gedacht hatte.

Die Krediteinheiten auf Marcus` prall gefülltem Konto überzeugte den Genetiker schließlich den Auftrag anzunehmen. Er würde ziemlich tief in die Trickkiste greifen und all sein Können aufbieten müssen damit später sein Sohn das Resultat Marcus präsentieren konnte wie er es haben wollte. Schließlich basierte sein ganzes Geschäftsmodell darauf jeden noch so extravaganten Wunsch seiner Klienten zu erfüllen, solange die Bezahlung stimmte.

Marcus war es egal wie viel es ihm kostete. Hauptsache er das bekam das was er wollte. Denn danach würde Geld ohnehin keine Rolle mehr in seinem Leben spielen.

Doch noch standen zwischen ihr und ihm Zweiunddreißig Jahre und vier Monate. Erst dann würde er sie endlich Wiedersehen. Zum Glück für ihn gab es auf dem Mars ein Kälteschlaf-Institut. Mit Kälteschlaf hatte er bereits seine Erfahrungen gemacht, kein Problem für ihn die Wartezeit so zu verbringen. Was sind schon zweiunddreißig Jahre wenn man es auch auf dreihundert bringen kann?

Er war völlig aufgeregt als er nach dieser Frist in Quijano`s Labor erschien um seine Bestellung abzuholen. Seit seinem erneuten Wiedererwachen aus dem Kälteschlaf kreiste nur noch diese einzige Frage in seinem Kopf: Würde das Ergebnis ihn überzeugen, all seine Mühen belohnen die er in diesen Auftrag investierte?

Quijanos Sohn erwartete ihn bereits und führte ihn in einen Raum.

Marcus Blick fiel auf eine Röhre in einer Nische, das in einem dezenten Licht getaucht war.

Seine Nervosität, das seit seinem erneuten Erwachen ins unerträgliche angestiegen war löste sich in Wohlgefallen auf. Der Arzt hatte sein Wort gehalten und eine absolut perfekte Kopie von Susan Ivanova geschaffen mit allen drum und dran.

Sie sah aus wie ein schlafender Engel, ihre langen Haare schwebten in der viskosen Flüssigkeit, ließ die Konturen ihres nackten Körpers verschwimmen.

Marcus erinnerte sich wie zärtlich seine Fingerspitzen das Glas berührten, noch mehr jedoch berührte ihn ihr Anblick. Überwältigt von Empfindungen die er einst spürte als sie sich zum ersten Male sahen, damals, in einer weit entfernten Vergangenheit.

Jetzt war sie wieder zu ihm zurückgekehrt.

Diesen Moment hatte er sehnsüchtig entgegengefiebert, hatte dafür viel riskiert. Dieser Moment ... es war im gleich was es ihm gekostet hat. Dies war es ihm Wert gewesen und er war sich hundertprozentig sicher, dieses Bild würde er für immer in seinem Herzen tragen ganz gleich was die Zukunft mit ihr bringen wird.

Aber in mentaler Hinsicht war sie nicht ganz fehlerfrei wie er später feststellen musste. Eine Garantie auf ein hundertprozentiges Endergebnis gab es nicht, egal wie gut ein Mediziner war und das wusste Marcus, Quijano hatte ihn schließlich darüber aufgeklärt. Aber das nahm er in Kauf. Nur sie war für ihn wichtig, sonst nichts weiter. Und wie sich insofern ihr künftiges Zusammenleben gestalten würde würde sich ohnehin erst im Laufe der Zeit zeigen.

Vorsichtig holte Markus eine kleine Schachtel hervor, die er stets gut verstecken musste. Es wäre etwas heikel gewesen zu erklären, wie er an ihre Aufzeichnung gekommen und warum er es ihr nicht zurückgab. Es war etwas, was er durchaus als >persönlich< bezeichnen würde, da er bis dato glaubte, dass die Verfasserin längst verblichen war wie alle anderen die er kannte, ihm einst nahe standen oder zu seinen Freunden wurden. Sonst wäre er niemals auf die Idee gekommen, in persönlichen Aufzeichnungen zu stöbern. Egal befreundet oder nicht, solche Aufzeichnungen waren tabu für ihn, da sie oft auch in einen sehr intimen Bereich gingen, gerade wenn eine Frau Autorin war. Aber er wollte schon gerne wissen wie sie tickte. Immerhin war sie die Geliebte seines Bruders.

Sie hatte ihm kaum Einblicke in ihre Persönlichkeit gewährt. Zumindest keine tiefen. Doch Marcus ahnte dass sie sehr vielschichtiger war als er sich einzustehen wagte. Zu lange hatten Vorurteile und Zwistigkeiten zu seinem Bruder den klaren Blick auf sie verhindert.

Hin und wieder war sie mit ihm zusammen um Missionen und Aufgaben zu erfüllen die all ihre Fähigkeiten erforderten. Es war vor allem während des Schattenkrieges dass sie oft zusammen arbeiteten und sich hervorragend ergänzten. Trotzdem musste er feststellen, das sie ihm doch sehr vielen Dingen fremd geblieben war obwohl sie sich oft unterhielten seit sie sich einst aussprachen. Er hatte gespürt, dass sie eine starke Barriere um sich herum aufgebaut hatte und das lag sicher nicht nur daran, dass sie durch ihre Bionischen Modifikationen auch zu Telepathie fähig war. Er konnte deutlich spüren, das eine Mauer zwischen ihnen existierte, die er in all dieser Zeit, seit sie beide bei den Anla`Shok waren, nicht durchbrechen konnte. Er hatte das Gefühl, dass sie sogar noch höher wurde. Diese Mauer konnte offenbar nur von seinem Bruder durchbrochen werden weil er die einzige Person war dessen Nähe sie erlaubte. William schien genau gewusst zu haben wie er mit ihr umgehen musste.

Wenn er genauer überlegte was er über sie wusste musste er sich eingestehen dass es so gut wie nichts gab und auch nie sich sonderlich viel Mühe machte dies zu ändern. Wäre natürlich die Frage gewesen ob Kjeir das ebenso gesehen hatte. Er konnte es ihr auch nicht verübeln das sie ihn auf Distanz hielt, denn seine eigenen Verluste von nahestehenden Personen inklusive seines Bruders hatte auch ihn verbittern lassen und sein Zynismus hielten oftmals Personen auf Distanz. Manchmal war er deswegen auch ungerecht ihr gegenüber, wenn auch nicht beabsichtigt. Aber er musste im nach hinein zugeben, dass der schwelende Konflikt zwischen ihm und seinem Bruder eine nicht unbeträchtliche Ursache war, dass er manchmal auf eine Art und Weise reagierte, die er hinterher wiederum bereute. Dafür zog sie sich innerlich von ihm zurück. Ihre Verschlossenheit machte es ihm unmöglich herauszufinden, was sie dabei empfand, wenn ihm hin und wieder etwas unbedachtes über seine Lippen rutschte.

Sie ließ sich auch nie etwas anmerken ob er sie damit verletzte. Es hatte zwar Momente gegeben, wo er ahnte, dass sie durchaus sehr tiefe Empfindungen besaß, aber dies war nur während den Aussprachen geschehen, als ihre Trauer noch frisch und ihre Selbstbeherrschung dadurch schwach war. Als sich sich jedoch wieder stabilisierte verbannte sie die emotionale Seite tief in ihr Innerstes und präsentierte sich ihrer Umgebung wie immer.....kühl, abweisend und emotionslos die keinerlei Aufschluss über ihr seelisches Befinden gab und hielt sich somit auch Marcus auf Distanz. Anderseits war sie auch sehr ehrlich und direkt und konnte ziemlich knallhart bis brutal sein, wenn es notwendig wurde. Schon mehrfach hatte sie ihn zurechtgewiesen, wenn er zu sehr über das Ziel hinaus schoss. Sie kannte seine gelegentlich spitze Zunge.

Vorsichtig öffnete er das Tuch mit dem er das Tagebuch eingewickelt hatte um es vor Beschädigungen und neugierigen Blicken zu schützen. Zum Glück hatte man nicht den Inhalt überprüft, ob noch alles Vollständig war. Dieser Inhalt war in gewisser Hinsicht der Schlüssel zu seinem jetzigen Leben. Denn das Tagebuch hatte sich einst in der Innenseite eines schweren nicht minder kunstvoll verziertem Fotoalbum verborgen.

Letzteres hatte er nicht mehr in die Schatulle zurückgelegt, das nun wieder in der Glasvitrine an ihrem Gedenkbild stand. Warum er es getan hatte wusste er eigentlich nicht. Vielleicht um etwas zu haben, was ihn auch an seinem Bruder erinnerte? William sein kleiner Bruder, der in einem Augenblick endgültig aus dem Leben gerissen worden war? Wenn es jemanden gab, der einige Erinnerungen an ihn konservierte dann war es Kjeir. Offenbar war die Neigung Tagebücher zu führen auch ihr nicht unbekannt. Es schien es eine typisch weibliche Eigenschaft zu sein, die sich als unerschöpflicher Fundus erwies.

Fast schon sanft, als ob er ein rohes Ei in den Händen hielt öffnete er das Einband und schlug die erste Seite auf. Er war damals wie heute überrascht, dass es keine Folie, sondern sich um echtes Papier handelte. Es musste ziemlich Alt sein, denn irgendwann wurde Folienpapier als kostengünstigere Variante ersetzt um dann später Datenkristallen zu weichen. Richtiges Papier gab es zwar noch, war jedoch extrem teuer. Es war nur noch ein reines Prestigeprodukt, das nur noch bei besonderen Anlässen wie Staatsverträge gebraucht wurde um die Tradition hochzuhalten. Und wenn sich Papier in privaten Hände befand waren es meist alte Bücher.

Noch seltener waren Bücher die noch unbeschrieben waren. Dieses gebundene Kunstwerk hatte Kjeir offenbar auf eines der Antikmärkten erworben oder aus Dankbarkeit geschenkt bekommen. Nun hatte sie diesem Buch, das wahrscheinlich einst als Poesiealbum bestimmt aber nie benutzt worden war, ihr in Form einer sehr filigran anmutenden Schrift Leben eingehaucht.

Viele Einträge kreisten nur um William. Einige Fotos waren auch dort mit dabei. Fotos aus einer Zeit, wo sie alle noch glücklich waren, auch wenn ihn damals die Leitung einer Quantium 40 Mine nicht sonderlich begeisterte. Aber die Welt war damals noch irgendwie in Ordnung.

Naja...fast....wenn William seiner Verantwortung bewusst gewesen wäre und mit ihm zusammen die Mine geführt hätte so wie es ihre Eltern gesehen hätten statt sich den Rangern anzuschließen.

Dieses kleine Buch spendete ihm Trost. Bevor er den Plan fasste Susan an seine Seite zurückzuholen hatte er sich förmlich an dieses kleine Buch geklammert. Es gab ihm ein Gefühl von Geborgenheit und einer imaginären Nähe. Er hatte stets das Gefühl gehabt das sie in jedem Moment durch die Tür kommen würde obwohl sie längst wie alle anderen vergangen und irgendwo auf ihrer Heimatwelt ihre letzte Ruhe fand. Die Dateien, die sich auf den Datenkristallen in der Schatulle befanden  hatte er kopiert, denn sie enthielten Informationen, die ihm halfen all das zu tun, dass Susan überhaupt existieren konnte, auch wenn ihm ein großer Teil der Aufzeichnungen durch diese fremde Sprache verschlossen blieb.

Er wusste aus ihren Unterhaltungen, dass Kjeir dieses Thema stark beschäftigt hatte, denn sie liebte seinen Bruder William so intensiv, dass sie ihn neu erschaffen wollte. Sie hatte zwar das Wort >Klonen< nie in den Mund genommen, aber Marcus wusste auch so, in welche Richtung das ging. Er hatte damals Zweifel an ihrem Geisteszustand, war aber klug genug seinen Mund zu halten und nichts zu sagen was er davon hielt, als sie es ihm sagte. Er wollte ihre Illusionen nicht zerstören. Weil er im Grunde genommen sie auch nie so recht ernst nahm. Es reichte ihm schon dass schon sein Bruder oft so abgefahrene Gedanken hatte und offenbar waren sie sich in dieser Beziehung auch ziemlich ähnlich. Es ließ ihn übersehen, dass ihre Gefühlswelt nur bedingt mit dem eines Menschen vergleichbar war. Zu diesem Zeitpunkt kannte er sie auch kaum um sie real einzuschätzen, denn die gegenseitige Trauer hatte eine Annäherung und Aufarbeitung ihrer Gefühle lange Zeit verhindert.

Er konnte es sich absolut es nicht vorstellen dass sie das tatsächlich tun würde und schon seit Williams Tod, vielleicht sogar davor mit der Planung begonnen, ja fast schon vor deren Vollendung stand was die Theorie betraf. Und noch weniger konnte er es sich vorstellen das er selbst irgendwann ihrem Beispiel folgen und das gleiche tun würde. Damals waren seine Gefühle für Susan schon recht tief, aber noch nicht so extrem, dass er diese Option auch nur ansatzweise in Betracht zog. Weil er trotz der beiden Kriege, erst gegen die Schatten, dann gegen die Erd-Regierung niemals sich hätte vorstellen können Susan vor seinen Augen tödlich verwundet zu sehen, die eine Kette von Ereignissen in Gang setzten, deren Schockwellen dreihundert Jahre später immer noch zu spüren war. Es war einfach jenseits des Vorstellbaren. Susan hatte immer so stark gewirkt als ob nichts und niemand ihr etwas hätte anhaben können. Er hatte nur gehofft, dass sie irgendwann ihm ihre Liebe gestehen würde. Irgendwann wenn der Krieg vorbei und Ruhe einkehrte, die bisher kaum Zeit zum Luftholen und erst recht kaum Raum für Träume ließ.

Doch das hatte sich alles auf einen Schlag geändert, das Schicksal erbarmungslos. All seine Pläne die er damals schmiedete waren von einem Moment auf den anderen Null und nichtig. Statt für seine große Liebe zu sterben erwachte er nach Jahrhunderten konserviert in dieser Zukunft auf die nicht einmal Ansatzweise der Zeit glich die ihm einst vertraut war. Welchen Sinn hätte dann noch sein Leben gehabt, jetzt dreihundert Jahre nach seiner Zeitlinie? Auch wenn er finanziell gut abgesichert und um seinen Lebensunterhalt sich keinerlei Sorgen zu machen brauchte. Er hätte komplett bei Null anfangen müssen. Nur, als was? Alles war nun Fremd, es gab nichts vertrautes mehr an das er sich halten konnte.

Selbst die Welt der Ranger war eine völlig andere geworden seit sie den Beitritt anderer Spezies ermöglichten. Das meiste was er erlernte und an Kampftechniken trainierte war längst überholt. Denn die Kriege, für die er einst primär ausgebildet worden war lagen längst zurück und waren nicht mehr als Buchstaben in historischen Dateien. Ein Neuanfang als Ranger war dadurch unmöglich geworden. Er müsste förmlich von vorn beginnen und das, so entschied er, wollte er nicht.

Als er dieses einzige Haar Susans an seiner Uniform fand und von der Existenz der Gedächtnis-Kristalle in dem Archiv auf Sirius Neun erfuhr erschien es ihm wie ein Wink des Schicksals. Nun hatte er es selber auch getan was Kjeir damals nur in Gedanken und Einträgen vorschwebte.

Seine Gedanken drifteten zu jenem Moment zweiunddreißig Jahre zurück....


Vorsichtig läutete es an der Tür.

„Herein.“ Marcus hob seinen Kopf und stand auf.

Tranall trat ein, mit einer kleinen Schatulle auf seinem Arm. Die offiziellen Datenkristalle hatte er schon Stunden vorher aus dem Archiv von Tranall erhalten, die er gerade abspielte. Getrieben von der Neugier seinem Neffen William Junior in Augenschein zu nehmen, nachdem er seinen Schock verdaut hatte als Tranall ihm vor Stunden eröffnete, dass sein Bruder ein Kind mit einer Außerirdischen zeugte.

Er musste anerkennen, dass der Junge tatsächlich unverkennbar von seinem Bruder stammte und seiner Anerkennung sicher sein konnte, wenn er ihm jemals begegnet wäre. Seine Befürchtungen über das Aussehen seines Neffen hatten sich weitestgehend ins Positive aufgelöst. William Junior war ein ausgesprochen attraktiver Mann der unverkennbar das beste von beiden Eltern vererbt bekommen hatte. Das Gesicht und die Augenfarbe war unverkennbar von William, lediglich die volleren Wangen stammten von Kjeir. Die helle Haut und das silbrig blaue Licht der Cybertransplantate betonte seine grünen Augen, seine schwarzen Haare und er hatte das gleiche verschmitzte Grinsen wie sein Vater und den hintergründigen tiefen Blick seiner Mutter.

Und es lag ebenfalls ein leichter silbriger Schimmer auf seinen Pupillen, die seine Augen förmlich leuchten ließ.

Wie seine Mutter Kjeir trug auch William Junior an der linken Schläfe ein bionisches Interface das offenbar auf natürlichem Weg vererbt wurde. Denn diese waren zum größten Teil Organisch gewesen und trug ihre DNA. Marcus fand, dass er darüber großzügig hinwegsehen konnte, da es nur um zwei sehr feine leicht schimmernde Drähte und einem Interface handelte. Diese wurde von einigen Schulterlangen Haarsträhnen verdeckt, in der ein leichter rötlicher Ton schimmerte, wenn Sonnenlicht darauf fiel.

Daneben stand ein weiterer junger Mann, dessen rudimentäre Knochenkrone sowie gewisse Gesichtszüge keinen Zweifel ließen, dass er der Sohn von Sheridan und Delenn war und ebenfalls in die Fußstapfen der Ranger trat. Offenbar waren nicht nur die beiden Männer eng befreundet, sondern auch Kjeir mit den Sheridans. Es erstaunte ihn, dass nun eine Ehe zwischen Minbari und Menschen geschlossen werden konnte obwohl ihm damals nicht ganz verborgen blieb, dass zwischen John Sheridan und Delenn eine besondere Beziehung existierte, die so zwischen den beiden verschiedenen Spezies nicht üblich war. Er hatte nie sich vorstellen können, dass zwischen den Beiden alles in eine Ehe mit Kindern gipfeln würde.

Offenbar war es wohl doch nicht mehr so selten, dass sich zwei Individuen aus zwei völlig unterschiedlichen Zivilisationen zueinanderfanden und sogar Nachkommen miteinander haben konnten.... so wie sein Bruder mit Kjeir.

Sein Neffe war offenbar voll in seiner Arbeit bei den Rangern aufgegangen und hatte seine Erfüllung gefunden im Gegensatz zu ihm. Es hatte sehr lange gedauert bis er dieses Dasein als Anla`Shok akzeptierte, denn dieser Lebensweg hatte ihm nie zur Debatte gestanden, trotz intensiver Bemühungen seines Bruders ihm einen Beitritt zu den Rangern schmackhaft zu machen. Er musste zugeben, dass er es nur seinem Bruder zuliebe getan hatte. Und weil ihm nach dem Schattenangriff auch nichts mehr geblieben war. Wo also hätte er sonst hingehen können? Er stand vor dem Nichts. Die Minenkolonie war zerstört, sein Bruder und seine Eltern waren tot, weitere Verwandte hatte er keine. Er war der Letzte aus seiner Familienlinie. Und finanziell sah es auch nicht gerade rosig aus. Zwar wurde Quantium 40 reichlich benötigt und die Mine förderte sehr gut. Arisia 3 war ausgesprochen sehr ergiebig. Aber hohe Steuern sowie hohe Wartungskosten sorgten dafür dass nicht viel für die eigenen Kasse übrig blieb.

Auch der Erd-Minbari Krieg wirkte auch noch nach. Während dieser Zeit war der Betrieb der Mine förmlich zum erliegen gekommen was ebenfalls ein großes Loch in die Finanzen riss. Die Minen-Kolonie hatte weit über tausend Minenarbeiter und Angestellte. Spezialisten, die natürlich entsprechend bezahlt werden mussten, denn der Abbau dieses Minerals erforderte erweiterte Kenntnisse die über weit über das übliche hinaus gingen. Die Förderung war auch dadurch äußerst kostenintensiv denn es gab kein Mineral was so gefährlich und instabil war wie das Quantium – 40. Das schlug sich natürlich auf den Preis nieder. Es war auf dem Markt das teuerste und entsprechend das wertvollste Mineral. Einen preiswerteren Ersatz gab es nicht der die Voraussetzungen mitbrachte die Funktion der Sprungtore aufrecht zu halten.

Hinzu kam, dass sie in Konkurrenz zu große Multi-Konzernen standen, die mit besseren Fördermethoden und natürlich einem viel größeren finanziellen Budget ausgestattet waren. Kein Wunder, dass seine Liebe zur Erde vor allem zur Erdregierung sich ausgesprochen sehr in Grenzen hielt. Auch wenn Arisia nicht gerade Begeisterungstürme bei ihm auslöste, es war seine Heimat. Nicht die Erde. Ihm reichte schon sich an die Zeit zu erinnern, als er als junger Bursche zu den Erd-Streitkräften eingezogen wurde. Wenn auch nur im Nachrichtensektor. Denn zum Kämpfen war er damals im Erd-Minbari Krieg noch zu jung. Er war froh, diese Zeit hinter sich gelassen zu haben. Zu viele, darunter auch viele Bekannte und enge Freunde von Marcus, hatten einen zu hohen Preis in diesem sinnlosen Krieg bezahlt und auch sein Vater kam nicht ganz unbeschadet durch diese Zeit.

Marcus rümpfte angewidert seine Nase, als die ersten Bilder von ISN über dem Monitor flimmerten. Er fragte sich warum diese Aufzeichnungen aufbewahrt wurden. Er kannte die Rolle von ISN während Clark`s Regentschaft als Präsident, die damals alles andere als schmeichelhaft über Babylon 5 berichtete und diese Sendungen zappte er gleich weg. Die würden sowieso nur Nonsens und Lügen berichten. Nicht umsonst hatte sich eine Gegensendung auf Babylon 5 erfolgreich etabliert.

>Kein Wunder bei dieser wunderschönen Sprecherin....< erschloss für einen Moment die Augen. Was würde er alles dafür geben sie wieder zurück zu bekommen. Doch Tranalls Stimme brachte ihn wieder in die Gegenwart zurück.

„Wie gewünscht haben wir die Persönlichen Besitztümer Kjeir`s aus dem Tempel holen lassen.“

Vorsichtig stellte er die kleine Schatulle auf den Tisch.

„Ist das etwa die Schatulle aus ihrem Grab?“ Er runzelte skeptisch die Stirn. Der Gedanke in den Andenken einer Toten zu stöbern, dass Minuten noch auf ihrem Grab gestanden hatte, behagte ihn nicht gerade.

„Ja.“ erwiderte Tranall“ Wobei die Bezeichnung >Grab< nicht richtig ist. Es ist nur eine Gedenkstätte für sie, beerdigt ist sie auf ihrer Heimatwelt wie ihr Sohn.“ Er schob das Kästchen zu ihm hin. „Sie hat nicht viel hinterlassen. Um die Truhe zu erhalten musste ich natürlich die Xyn kontaktieren um deren Erlaubnis einzuholen. Die Xyn sind in manchen Dingen sehr eigen, erst recht wenn es um einen der Ihrigen geht. Auch wenn diese längst verstorben sind. Bisher haben sie niemanden erlaubt die Vitrine zu öffnen und hatte damit gerechnet erneut eine Ablehnung zu erhalten. Aber wider Erwarten sie hatten nichts dagegen und gaben die Vitrine frei. Sie ist mit einer Energiesignatur gesichert die nur sie öffnen können. Sie begründeten dies mit ihrer Verwandtschaft zu Kjeir`s Sohn. Sie haben 24 Stunden Zeit, dann müssen sie die Truhe wieder abgeben.“

Er verneigte sich höflich und verließ den Raum.

Nun war Marcus mit sich, den Erinnerungen....und eben jenem Nachlass alleine. Was würde er darin finden?

Die Truhe schimmerte in einem silbernen Ton und war kunstvoll verziert, die unverkennbar auf eine irdische Herkunft schließen ließ. Und sie musste ziemlich alt sein, diese floral-verspielten Elemente waren Anfang des 20. Jahrhundert sehr gefragt, diese Kunstrichtung wurde als Jugendstil oder Art Nouveau bezeichnet. Für die Blumen-versessene Kjeir gerade sehr ansprechend. Dass sie einen durchaus erlesenen Geschmack hatte war auch ihm nicht ganz verborgen geblieben. Marcus liebte Frauen, die kultiviert waren und Kjeir war es durchaus. Sie liebte alles was schön war und umgab sich damit. Manchmal hatte er, wenn sie nicht im Einsatz war auf Minbar besucht. In Tuzanor Trainingszentrum auf Minbar hatte sie ein kleines Quartier.

Er erinnerte sich vor allem an Blumen, die bei ihr prächtig gediehen. In der stark von Kristallen dominierten Umgebung und dem spärlichen Bewuchs an Pflanzen durch das kühle Klima, das in Tuzanor stark dominierte, fielen diese besonders ins Auge.

Er erinnerte sich auch an den riesigen Arbeitsbereich, der komplett eine ganze Wandfront einnahm. Dieser war mit allerlei Gerätschaften und Werkzeugen bestückt, von denen er nicht einmal die Hälfte zuordnen konnte. Eine Mischung aus Labor und Gerätedepot. Dies bildete einen absoluten Gegensatz zu den Pflanzen in Kjeir`s kleinen Zimmer und war doch das Zentrum des Ganzen, was ihre Lebenssphäre ausmachte. Einmal mehr wurde er mit der Tatsachen konfrontiert, dass sie eine halb-kybernetische Lebensform war... eine Cyborg.

Technik und Leben...zwei Gegensätze und doch in einer Person vereint...

Obwohl es lange gedauert hatte bis sich zwischen den Beiden das Verhältnis entspannte spürte er, dass sie sich dennoch über seine Besuche freute, auch wenn sie es niemals offen zeigte. Aber er hatte gelernt auf subtile Zeichen zu achten.

Er schob seine Gedanken beiseite und öffnete vorsichtig die Schatulle. Nebst einigen Datenkristallen, einem schweren Fotoalbum, Schmuckstücken und den Ranger Insignien fiel ihm das Tagebuch auf, ebenfalls offenbar genau so alt wie die Schatulle. Das Einband war aus echtem Leder und mit metallenen floralen Elementen versehen in der Art wie bei der Schatulle. Marcus wusste, das originale Antiquitäten nicht leicht zu haben und ziemlich kostspielig waren. Sie musste bestimmt einst für diese Dinge etliches an Krediteinheiten dafür hinlegen um diese zu erwerben.

Nachdem er die Fotos durchgesehen hatte, nahm er das Büchlein und begann vorsichtig die erste Seite aufzuschlagen. Er sah, dass sie eine sehr schöne Schreibschrift und auch ein Talent zum Zeichnen hatte. Zwischendrin einige Fotos, die teilweise sehr intim waren und die enge Zuneigung zeigten, die sie füreinander empfanden. Er hatte Schwierigkeiten den Antlitz seines Bruders auf den Fotos anzusehen ohne Schmerz dabei zu empfinden.

Der Text war klar und präzise reduziert auf das Notwendigste, von jeglicher Art von Emotionen befreit.... so wie es ihrer Art wohl entsprach. Nüchtern und fast schon kalt empfand er diese Schreibweise. Diese Zeilen hätten problemlos auch als Tagesbericht auf Babylon 5 an Sheridan durchgehen können. Es ließ keinerlei Raum für Interpretationen oder Missverständnisse und stand im krassen Gegensatz zu den Passagen die seinen Bruder betrafen. Die Eintragungen, die sie seinem Bruder William widmete waren sehr liebevoll geschrieben. Zwar ebenfalls etwas sachlich, dafür war deutlich herauszulesen und auch zu spüren, wie sehr sie ihm zugeneigt und eine ausgesprochen sehr lebhafte erotische Phantasie ihr eigen  nannte.

Marcus grinste breit, gleichzeitig spürte er eine gewisse Hitze in seinen Kopf aufsteigen als sich in seinem Kopf entsprechende Bilder formten was sie wohl einst alles miteinander anstellten um sich entsprechende Hochgefühle zu ermöglichen.

„Ich muss sagen....stille Wasser sind in der Tat tief.“ Er hätte es nicht für möglich gehalten, dass sich unter der unterkühlten mit Cybertransplantaten bestückten Hülle Kjeir`s eine ausgesprochen sinnesfreudige Frau verbarg, die keine Probleme zu haben schien mit seinem Bruder ihre Sexualität auszuleben. Es würde ihm nicht wundern, dass er auch deswegen von ihr fasziniert war. Rasch blätterte er die entsprechenden Seiten um.

Kühl und nüchtern, als ob die innigen Zeilen  auf den Seiten davor nie existieren würden ging es in den Aufzeichnungen weiter. Marcus hatte das Gefühl, als ob zwei verschiedene Persönlichkeiten in einem Individuum an diesem Buch geschrieben haben. So gegensätzlich waren die Passagen. Offensichtlich trennte Kjeir auch in ihren Aufzeichnungen Alltag und ihre Beziehung zu William streng voneinander. Er las von ihren Sorgen, wenn William seine Einsätze bekam, ihre Angst ihn nie wieder zu sehen. Rare Stunden voller Zärtlichkeit, die sie mit ihm verbrachte. Empfindungen die sie nach Williams Tod hatte, ihre Eindrücke als sie und Marcus sich das erste Mal trafen, ihre Zeit auf Zagros 7....

Zwischendrin nebst einigen Liebesbriefen befanden sich auch einige Zettel die Skizzen von ihrem Medaillon enthielten, detaillierte chemische Formeln, DNA Sequenzen und Schaltbilder des Innenlebens die das Aufzeichnen und Speichern von Gedächtnismustern ermöglichen sollten. Marcus war ein wenig erstaunt ein solch sensibles Dokument zu finden, denn bisher hatte sie alles getan keine Spuren diesbezüglich zu hinterlassen. Gerade dieses Datenmedium wäre ein lohnenswertes Objekt für ausgiebige Forschungen gewesen, denn diese Technik war immer noch weiter entwickelt als ihre eigene Technologie. Schließlich hatte er ihre Unterhaltung nicht vergessen wie weit sie für den Schutz gegangen war. Entweder war ihr Vertrauen das niemand sonst ihre Aufzeichnungen las sehr groß oder sie hatte diesen Zettel aus irgend einem Grund vergessen zu vernichten nachdem sie für William ein solches Medaillon generiert hatte. Er konnte kaum glauben dass sie sich solch einen Fehler leistete.

Ausgesprochen schnell und deutlich deutlich kristallisierte sich in ihren Aufzeichnungen ihren Plan heraus, William durch Klonen wieder zu erschaffen, sollte ihm etwas passieren. Und er las auch, dass sie sich auch um ihn so ihre Gedanken so machte. Die Einträge zeigte sie deutlich ihre Missbilligung, die sie hin und wieder über sein Verhalten hatte und dadurch nicht so recht gut dabei wegkam. Sie versuchte natürlich mit ihrer rationalen Art sein und auch ihr Verhalten zu erklären. Genährt durch ihre eigene Unsicherheit, denn Kjeir hatte vor William kaum Umgang mit Menschen gehabt und viele Verhaltensweisen riefen ihr mehr Irritationen als Verständnis hervor.

Er musste anerkennen, dass sie seine Gründe und die Ursachen ahnte ohne das William auch nur ein Wort darüber verlor, es sogar versucht hatte es vor ihr zu verbergen. Es erstaunte und schockte ihn zugleich, wie gut sie über den brüderlichen Zwist zwischen ihm und William informiert war.

Manche Passagen entlockten ihm ein Schmunzeln, andere wiederum ließen ihn nachdenklich werden. Manchmal schluckte er schwer, vor allem, als er auch ihre Suche nach ihrer Heimatwelt in ihren Notizen verfolgte. Sah einige Seiten, die einige verräterische Flecken aufwies, die unverkennbar Tränen als Ursprung identifizierten. Er konnte ihr Gefühl der Entwurzelung förmlich spüren, das sie empfand und offenbar ihr ziemlich nahe ging. Auch wenn sie es nie äußerlich etwas anmerken ließ. Es waren Gefühle die ihm mehr als nur vertraut waren. Er fragte sich wie oft mochte sie heimlich deswegen geweint haben. Auch ihm war nichts geblieben was er als sein Zuhause definieren könnte, denn das war einst in einer gewaltigen Detonation für immer ausgelöscht worden, auch wenn dies aus einer Bergbaukolonie bestand.

Und jetzt....?

Er schüttelte den Kopf um nicht in noch trübere Gedanken zu versinken und widmete sich erneut dem Tagebuch.

Doch je weiter er blätterte, desto mehr sah er Seiten, die in einer fremden Schrift geschrieben war. Er hatte solche Buchstaben zuvor noch nie gesehen, die nur aus Strichen zu bestehen schienen. In den Translation Datenbanken  schienen sie nicht verzeichnet zu sein, denn er fand nichts die auch nur ansatzweise dieser mysteriösen Schrift glich.....

War dies ihre Heimatsprache? Was war so wichtig, dass sie es so verschlüsselte?

Als er sich danach den Datenkristallen widmete sah er, dass sie alle komplett wissenschaftliche Datensätze enthielten und eindeutig aus Quellen von den verschiedensten Spezies stammten. Sie enthielten alles, was das Thema Klonen und Mental Prägungen betraf, unendliche Datenketten an Informationen, die schon hohes medizinisch-genetisches Wissen verlangte, Dateien und Notizen, an eventuelle Quellen heran zu kommen, wie man damalige Gesetze umgehen oder nutzen konnte, was für Barmittel nötig waren um das Klonen zu finanzieren, welche Labore dafür in Frage kämen und Kontakte...

Danach reine Schriftdateien, ebenfalls erneut in der unbekannten Sprache wie teilweise im Tagebuch... Marcus gingen fast die Augen über bei dieser Datenflut.

Sie muss unendlich viel Zeit nur zum Zusammentragen der Informationen gebraucht haben.

>Ich muss sagen ein ziemlich helles Köpfchen. Wie viele Jahre hast du dich nur damit beschäftigt mit der Hoffnung meinen Bruder wiederzusehen?< dachte Marcus anerkennend und respektvoll zugleich.

Wie viel Energie mochte sie einzig und allein in den Plan investiert haben um William zurückzuholen? Er hatte es nun förmlich schwarz auf weiß vor ihm liegen, es ließ ihm nicht den geringsten Zweifel wie ernst ihr dieses Thema war. Sie hatte eine sehr professionelle to do Liste ausgearbeitet, die er nun selbst als Blaupause für seine Plan benutzte.

Was hätte er alles dafür gegeben sie an seine Seite zu wissen als er alles allein in die Wege leiten musste. Er wäre sehr dankbar gewesen, wenn er etwas Unterstützung erhalten hätte. Allein die Suche, bis er alle benötigten Materialien und Kontakte zusammen hatte die er für sein Vorhaben brauchte hatte ihm sehr viele Nerven gekostet und ihn manchmal regelrecht verzweifeln lassen. Zumal er obendrein niemanden in seinen Plan einweihen konnte. Nur eine einzige Person hätte er sein Vertrauen uneingeschränkt geschenkt wäre sie noch am Leben gewesen.

In gewisser Hinsicht war sie es bereits, aber das wusste er zu diesem Zeitpunkt nicht. Hätte er auch nur eine vage Spur von Kjeir`s neue Existenz gehabt, er hätte sie solange gesucht bis er sie aufgespürt hätte. Er wäre sogar auf eigene Faust zu den Xyn geflogen wenn es sein musste. Selbst eine bewachte Grenze hätte ihn nicht davon abgehalten, denn er hätte unter Garantie sicher einen Weg gefunden sie unbemerkt zu passieren. Jedes Sicherheitssystem hatte mehr oder weniger eine Lücke, man musste lediglich viel Geduld mitbringen um sie zu finden. Bisher war ihm noch kein Ziel zu weit gewesen es zu riskieren.

Er fragte sich wie sie wohl reagiert hätte wenn er mit seiner Bitte an sie herangetreten wäre, ob sie ihm bei seinem Plan helfen würde was er einst für ein Hirngespinst hielt. Vielleicht wäre sie erstaunt gewesen, vielleicht hätte sie ihm nicht geglaubt. Er wusste es nicht. Doch mit einem hätte er rechnen können. Sie hätte ihm alle Informationen in kürzeste Zeit geliefert, wofür er Monate brauchte. Vielleicht ihn sogar die Leute vermittelt, die auf diese Dienstleistungen spezialisiert waren. Kjeir war sehr hilfsbereit wenn sie wusste, dass es auf Gegenseitigkeit beruhte. Er selber spürte trotz aller Differenzen und Missverständnisse was ihr Miteinander nicht immer leicht machte, dass sie ihn mochte oder ihn  zumindest akzeptierte.

Wie es schien hatte sie während ihrer Missionen jede sich bietende Möglichkeit genutzt um an medizinische Dateien zu kommen die das Thema Klonen beinhalteten, egal wie, woher und vom wem. Das Resultat flimmerte nun über das Display. Und das waren massig Daten, er würde Monate, sogar vielleicht Jahre brauchen, um nur ein Teil davon zu verstehen.

Er sah endlose Abhandlungen die in den Bereich Kybernetik und Biologie gingen, das von beiden Fachgebieten sehr hohes Wissen verlangte. Das transferieren von Daten in das Gehirn eines Klons, der Aufbau einer entsprechenden Anlage erschien. Danach folgten Bilder, die mehr als fremdartig und verstörend wirkten als offenbar einem Klon im embryonalen Stadium organische Cybertransplantate verpflanzt wurden, gesprochen dabei in eine Sprache, die von den Lingual System nicht erfasst werden konnte. Wahrscheinlich die akustische Variante der Sprache aus Kjeir`s Tagebuch. Sah Gesichter, die ebenfalls Transplantate in den verschiedensten Varianten trugen, die von zart dezent bis großflächig über den ganzen Körper gehend. Cybertransplantate, die bläulich-silbern schimmerten, oder wie brennenden Kohlen regelrecht aggressiv grell-rot glühten. Dabei ratterten endlose Zahlenkolonnen und Buchstabenfolgen über das Display, während eine Wissenschaftlerin, sichtbar versehend mit Cybertransplantaten, die Funktionsweise erklärte.

Darauf Szenen von unbekannten Wesen vor verschiedensten Geräten in einem Labor arbeitend, Röhren, in denen unverkennbar humanoide Lebensformen zu erkennen waren....

Definitiv ein Klon Labor. Es fragte sich nur wo.

War dies ein Forschungslabor wo entsprechende Experimente durchgeführt wurden um organische Cybertransplantate zu entwickeln und zu verpflanzen? War Kjeir in diesem Labor entstanden? Befand sich dieses Labor auf ihrer Heimatwelt? War es überhaupt bei den Xyn üblich auf natürlichem Weg sich fortzupflanzen oder fand dieses nur noch unter Laborbedingungen statt, in dem man Nachwuchs genetisch nach Maß generierte um jeglichen Fehler von vornherein auszumerzen? Was passierte mit denen, die den Kriterien nicht entsprachen? Wurden sie einfach entsorgt?

Marcus fühlte sich durch diese Bilder ziemlich unwohl. Er fragte sich, wie wohl ihre Eltern ausgesehen haben mochten, wenn sie welche hatte. Zumindest musste jemand seine DNA zur Verfügung gestellt haben aus der Kjeir gezeugt wurde.

Er wäre durchaus geneigt gewesen ihre Welt zu besuchen. Doch die Informationen, die Tranall vorlagen wie auch in den offiziellen Quellen existierten machten es unmöglich. Die Xyn waren Kontaktscheu und förmlich von Panik besessen, dass Besuche auf ihrer Welt als Vorwand für Spionage missbraucht werden könnte, geboren aus einer leidvollen weit fernen Vergangenheit die von langen und blutigen Kriegen geprägt war die um ihre Technologie geführt wurden. Die Fähigkeiten die den Xyn nachgesagt wurden machte sie für die Invasionspläne fremder Spezies lukrativ.

Zwar konnten die Xyn die Angriffe abwehren, doch der Preis war sehr hoch. Die einst sehr offene Gesellschaft begann sich komplett in die Isolation zurückzuziehen und stellte jeden Versuch die Grenze der Hegemonie zu überschreiten, gleich von welcher Seite, unter Strafe. Ein nahezu undurchdringlicher Wall von Überwachungssatelliten und Beobachtungsposten trennte ihr Territorium vom Rest der Galaxie ab. Bisher hatte es keine Expedition geschafft unbemerkt in dieses Gebiet einzudringen, dort zu forschen oder gar Kontakt zu den Xyn oder den anderen Zivilisationen aufzunehmen, die in dieser Hegemonie beheimatet waren.

Doch offenbar schien bei den Xyn langsam ein Umdenken stattzufinden. Der Beweis für die langsame Öffnung nach außen schien das Botschaftsbüro zu sein, das die Xyn hier errichteten. Wenn es tatsächlich stimmte und täglich eine Xyn frische Blumen an Kjeir`s Gedenkbild stellte, würde er gerne einen Blick auf sie oder ihn erhaschen. Vielleicht konnte er mit ihr sprechen.

Als er die Kristalle nach dem Abspielen genauer in Augenschein nahm stellte er fest, dass diese lange offenbar ungeschützt der Umgebung ausgesetzt worden waren. Es würde bei einigen die Bildstörungen erklären, manchmal wurde das Bild körnig oder die Audio Spur schwankte. Sie trugen Spuren von Witterung und unsachgemäßer Lagerung. Einige hatte auch leichte Frakturen und waren teilweise nicht mehr abspielbar. Und sie wirkten in gewisser Art auch fremdartig.Sie hatten einen gewissen silbrigen Glanz, wie er es nur stets bei Kjeir gesehen hatte.

Stammten diese Aufzeichnungen und die Kristalle etwa aus ihrer Heimat....gar aus dem Schiff was sie einst erwähnte, mit dem sie abgestürzt war? Marcus erinnerte sich an das Wrack dass er mit seinem Bruder auf dem Planeten fand, dessen Schönheit ihn nie losgelassen hatte.

Das Schiff, was ihre Bordinstrumente einst aufspürten, war nicht sehr groß gewesen. Fast schon winzig. Vielleicht nicht größer als der Sprinter, den er vor einigen Tagen gekauft hatte. Der vergebliche Versuch herauszufinden wer wohl dieses Schiff flog und zu dessen Grab wurde.

Existierte vielleicht noch etwas oder war es schon längst verrottet? Angesichts der sehr massiven Schäden durch den Absturz glaubte er nicht daran, dass es dieses Wrack war aus dem Kjeir einst gerettet wurde. Hinzu kam, ChrynIII war einfach zu weit weg. Selbst wenn es ein Notsignal abgesetzt worden war hätte es sehr lange gedauert bis ein Rettungsteam eingetroffen wäre. Natürlich hätte diese Besatzung auf diesen Planeten ohne Problem überleben können, wenn sie den Absturz ohne Verletzungen überstanden hätte. Nahrung gab es genug und ein einfacher Unterstand genügte um die Wartezeit zu überbrücken, wenn diese Wesen in ihren Bedürfnissen sich nicht all zu sehr von den meisten Humanoiden unterschieden. Das Wetter war in diesen Breiten etwas kühl, aber durchaus angenehm wenn man menschliche Standards anlegte. Für einen Drazi hingegen wäre es schon zu kalt wenn er dort leben müsste.

Das Schiff dass beide Brüder einst vorfanden hatte sich jedoch förmlich in den Boden gebohrt. Zeichen dafür das es in einem steilen Winkel aufgeschlagen war. Ein Ding der Unmöglichkeit das einer diesen Aufprall hätte überleben können. Und doch schien ein Passagier irgendwie mit dem Leben davongekommen zu sein. Denn zwei Personen waren begraben worden was auf die Existenz einer weiteren Person deutete. Nur, wo war diese Person? Sie hatten die Umgebung gründlichst abgesucht. Doch es gab nichts, was auf die Existenz eines Überlebenden hinwies. Möglich, das auch ein weiteres Schiff dieser unbekannten Spezies in der Nähe war und versuchte, was immer auch geschehen war, zur Hilfe zu kommen und konnten letzten Endes nur deren Leichen bergen und begraben. >Wenigstens sind sie im Paradies verstorben.< dachte er.

Marcus lehnte sich zurück, sein Blick ging ins Innere. Der Gedanke hatte durchaus etwas für sich. Hatte er nicht einst gewünscht dort die restlichen Jahre seines Lebens zu verbringen, damals, als er diese Welt zum ersten Mal sah? Diese Schönheit, als diese unberührte Welt sein Innerstes berührte?Was wäre, wenn er nicht allein, sondern mit Susan an seiner Seite sich dort zur Ruhe setzte. Hatte sie mal nicht hin und wieder darüber gesprochen allein auf einer Insel zu leben, ohne Stress oder Pflichten? Auf ChrynIII könnte sich dieser Wunsch erfüllen, denn es war der perfekte Ort dafür.

Nur ein Detail würde hinzukommen. Er würde entgegen ihrer Vorstellung ihre einzige Gesellschaft sein. Und das hoffentlich auf lange Zeit. Nur....wie würde es sein mit ihr zu leben, weit entfernt ohne Möglichkeit jemals dieses Paradies zu verlassen? Würde es funktionieren?

Das es möglich war, was ihm vorschwebte, hatte er in der Theorie vor sich liegen. Ein Teil des Puzzles bewahrte er in einer Plastiktüte auf. Er brauchte nur noch die Gedächtnis-Kristalle aus diesem Neural-Archiv und einen Mediziner, der sich auf das Klonen verstand. Dann würde er endlich das haben was er vorher nie besessen durfte. Er spürte, wie sich diese Vorstellung mehr und mehr in seinen Gedanken formte. Er konnte förmlich spüren, dass seine Vitalität zurückkehrte.

Irgendwann war er dann eingeschlafen. Zu viel war auf ihn eingeprasselt und musste erst einmal wenigstens eine Nacht darüber schlafen um das gesehene zu verarbeiten. Auch physisch war er noch nicht fit genug sich die Nächte um die Ohren zu schlagen.

Doch es war das erste Mal, dass er nicht von Alpträumen gepeinigt wurde. Für ihn ein Zeichen, das sein Entschluss richtig war.

Am nächsten Tag kopierte er heimlich die Daten, denn die Schatulle musste er nach einer bestimmten Frist wieder zurückgeben so wie es Tranall es ihm ausrichtete. Als er Schritte auf dem Flur wahrnahm versteckte er die Kopien rasch um keinen Verdacht zu erregen.

Tranall war pünktlich gekommen um die Schatulle abzuholen. Er war in Begleitung einer tief verschleierten Person. Er sah, dass diese Person definitiv keine Minbari war und das lag nicht nur an der Kleidung der Frau, die zu schimmern schien und extravagant designt war.

Obwohl Marcus nicht das Gesicht sehen konnte hatte er das Gefühl von diesen Augen durchbohrt zu werden.

Vielleicht war es jene Xyn, die für Kjeir`s Gedenkbild stets Blumen hinstellte. Doch es schien als würde etwas in ihm ihn zurückhalten ihr nachzufolgen, als diese mit der Schatulle die Klinik in Richtung Gedenkstätte verließ. Er fragte sich, wer wohl am jeden frühen Morgen Kjeir`s Gedenkbild mit Blumen schmückte so wie es Tranall erwähnt hatte. War es die verschleierte Frau, die mit Tranall die Schatulle abholte? War es ihr nicht sichtbarer doch deutlich spürbarer Blick mit dem sie ihn musterte dass er kein Wort herausbekam? Vielleicht konnte er mit ihr ungestört sprechen sollte er das Glück haben sie an dem Gedenkbild anzutreffen. Einige Fragen die Marcus auf der Zunge lagen waren zu privat um sie für weitere Ohren zu zulassen. Vorausgesetzt sie war daran interessiert.

Doch zu seiner Enttäuschung traf er am nächsten Tag nur einen Minbari, der im Dienst der Xyn stand und keinerlei Auskünfte über seine Arbeitgeber geben durfte. Er erfuhr lediglich, dass die Xyn, die Kjeir`s Gedenkbild pflegte und über deren Nachlass wachte auf  unbestimmte Zeit verreist  war.

Marcus` Gedanken kehrten in die Gegenwart zurück. Er rieb sich die Augen. Wie lange hatte er so dagesessen? Er hielt immer noch das kleine Kästchen mit den von den Originalkristallen kopierten Dateien und dem Tagebuch in seiner Hand. Dateien und ein Tagebuch, dass ihm nicht gehörten. In diesem Moment fühlte er sich wie ein sprichwörtlicher Spanner, der  heimlich seine Nase in die intime Sphäre einer Frau gesteckt hatte, auch wenn es nur Buchstaben auf Papier waren. Jetzt wo er wusste, dass sie sich des Lebens mit seinem Bruder erfreute war es ihm wichtig, dass sie es zurückbekam. Es war ihr Eigentum, nicht seines.

Nun war sie wieder wie er selbst ins Leben zurückgekehrt. Neugierig wie er nun mal war hatte er sie gefragt, wie sie vorgegangen war.

Sie hatte ihn sehr oft besucht er selbst noch Kälteschlaf lag. Und je öfters sie ihn besuchte desto mehr reifte in ihr die Frage ob es möglich wäre ihn irgendwann wiederzusehen. Denn wie alle Ranger kannte sie Susans Order alles zu tun die Erbauer der Maschine zu finden um Marcus gefahrlos zu revitalisieren. Und wenn sie schon plante William zu klonen, warum sollte es auch für sich selbst nicht möglich sein? Zusammen zurückzukehren und ganz von vorn zu beginnen?

Eine Aufgabe, an der sie jedoch zu Verzweifeln drohte als sie realisieren musste, dass sie ihre Vorstellungen so nicht umsetzen konnte, weil immer ein oder mehrere Details nicht dem entsprachen wie es sein sollte. Sie hatte nicht bedacht wie komplex diese ganze Thematik war. Vor allem wenn noch eine dritte Person in ihr involviert war und dies war eben Marcus. Hinzu kam, dass sie dies auch noch nicht einmal auf offiziellen Wegen durchführen konnte weil eine entsprechende Ächtung des Klonens auf den Allianzwelten existierte und somit auf zwielichtige Quellen und Anbieter zurückgreifen musste, deren Zuverlässigkeit selbst mit entsprechenden Kredit-Einheiten noch nicht mal garantiert werden konnte.

Der Umstand, dass sie nicht wusste wann Marcus zurückkehrte zwang Kjeir unendlich viele Variationen und Möglichkeiten zu berücksichtigen, die ihr Vorhaben fast schon unmöglich erscheinen ließ. Selbst wenn sie alle Gegebenheiten und Eventualitäten einkalkulierte war es lange kein Garant dass alles so funktionierte wie sie es plante.

Den ursprünglichen Plan, deren Realisierung von Williams Rückkehr um etliches mühsamer und die Risiken viel höher waren verwarf sie kurzerhand. Ein Grund waren ihre Verpflichtungen als Mutter, weil sie für ein Kind zu sorgen hatte, dann natürlich das fortschreiten ihres Alters. Und je mehr Jahre ins Land gingen desto schwieriger wurde es ihren Plan umzusetzen. Damit der Altersunterschied nicht all zu groß ausfiel hätte der Prozess des Klonen ab einer gewissen Zeitspanne ihres eigenen Lebens um etliches beschleunigt werden müssen um noch ein paar Jahre mit ihm an ihrer Seite zu haben.

Sie war zwar keine Genetikerin, wusste aber, dass es sich um ein hochriskantes Manöver handelte. Sie hatte sich extra in einen Studiengang eingeschrieben um sich intensiver mit dieser Materie auseinanderzusetzen. So sehr sie William vermisste und lange brauchte um zu akzeptieren dass sie ihn nie mehr wiedersehen würde, es war ein Risiko dass sie nicht gewillt war einzugehen. Dazu liebte sie ihn zu sehr und wollte ihn so in Erinnerung behalten wie sie ihn kannte statt mit einem Ergebnis konfrontiert zu werden die ihr und vielleicht auch für ihn nur eine Qual war.

Die Option diese Wartezeit in Kälteschlaf zu verbringen wie es Marcus getan hatte um diese Jahre zu überbrücken die für die Reife des Klons benötigt wurde existierte damals noch nicht. Sie wurde nur angewendet wenn es medizinisch notwendig war. Die Idee den Winterschlaf  kommerziell zu nutzen kam erst nach ihrem Tod auf.

Es wäre möglich gewesen auch das zu arrangieren. Eine Gefriereinheit zu besorgen war das kleinste Problem. Doch dann hätte jemand ihren Schlaf überwachen müssen, der ebenfalls mehrere Jahre dauerte und gleichzeitig sicherstellen müssen, das auch der Klon-Prozess ohne jegliche Störung verlief. Dafür hätte sie ihren Sohn zurücklassen müssen, denn er wäre bereit gewesen dies alles zu überwachen. Er war der Einzige dem sie uneingeschränkt vertraute. Doch den Gedanken ihren einzigen Sohn als älteren Mann anzutreffen, ihn vielleicht sogar noch überlebt zu haben, das erschien ihr wie ein weiteres Horrorszenario. Nein, das wollte sie auch nicht.

Das sie letzten Endes doch ihren Herzenswunsch umsetzen konnte lag an einer besonderen Fügung des Schicksals. Ihre Heimatwelt hatte sie zwar erst im hohen Alter gefunden, aber es bot alles was ihr Herz begehrte um ihren innigsten Wunsch zu erfüllen, denn ihre Spezies war in allen Dingen weiter entwickelt als sie es jemals für möglich gehalten hatte. Besonders auf einem Gebiet, um die  sich stets all ihre Gedanken gedreht hatte.

Für die Xyn war es längst zur Normalität geworden den physischen Körper durch Klonen neu zu generieren. Durch den enormen Fortschritt ihrer Technologien hatte sich nicht nur die Fähigkeit entwickelt nach ihrem physischen Tod als pure Energie weiter zu existieren, sondern diese Seelenenergie auch in einem Klon zu übertragen, wenn dieser bionisch modifiziert war. Dies war auch einst der hauptsächliche Grund Bionik in Körper zu verpflanzen. Der Transfer der Seelenenergie wurde durch speziell befähigte Priester und einer ausgeklügelten Transferanlage tief im Innern des Schreins vollzogen. Entweder in ein Seelengefäß, der in die Obhut der Priester übergeben wurde oder in einem Körper um denen sich dann Kybernetik-Ingenieure und Tutoren kümmerten.

Als Folge verlor der biologische Körper dadurch die einst herausragende Stellung, das bis heute bei den meisten Spezies inklusive der Menschen das Maß aller Dinge ist. Für die Xyn hatte dies keine große Bedeutung mehr, da Individuen jederzeit und in großer Zahl nach belieben kopiert werden konnten. In ihrem Verständnis war ausschließlich die Seele einzigartig und kostbar, denn diese konnte in Gegensatz zum Körper nicht dupliziert werden.

Der Schrein der Erinnerung und des Wissens wurde für jede Xyn nach dem physischen Ableben ihr neues Zuhause solange sie es wünschte nur körperlose Energie und mit Milliarden körperlosen Seelen verbunden zu sein. Folglich wurde alles getan um sie zu erhalten und ihr die höchst möglichste Sorgfalt gewidmet. Sie wurde gehegt und gepflegt, von den Priestern behütet wie ein Augapfel während ein Heer aus Wächtern, Kriegern und einer sehr hochgerüsteten Abwehranlage dafür sorgten, dass der Schrein den höchst möglichsten Schutz erhielt. Wenn ein Xyn in einem Seelengefäß den Wunsch hatte nur gelegentlich mit der Außenwelt zu kommunizieren nahmen die Priester als Medium stellvertretend die Position eines physischen Körpers ein. Sie wurden zur Verbindung zwischen dem Schrein und der Außenwelt. Eine Sitte, die bis zu dem Konflikt übliche Praxis war. Der Wunsch nach einer Wiedergeburt war nur begrenzt vorhanden was lange Zeit auch technische Gründe hatte.

Doch das hatte sich nach dem Krieg geändert. Viele Seelen waren plötzlich getrennt, Millionen Xyn durch die ungenügende Verteidigung umgekommen. Lücken die nun irgendwie wieder geschlossen werden mussten. Seitdem war die Wiedergeburt zu einem festen Ritual geworden, um den massiven Bevölkerungsschwund durch die Verluste langsam wieder auszugleichen und gewaltsam getrennten Seelen die Suche nach einem neuen Gefährten zu ermöglichen. Und das wurde auch nur möglich, weil eine weitere Spezies in der Hegemonie existierte, die diese Art des Weiterbestehens zur absoluten Perfektion entwickelt hatten.

Kein Xyn konnte nachvollziehen warum im Allianz-Raum die Wiedergeburt in einem neuen Körper mit Tabus belegt war wenn die dazugehörige Seele und der zurückgebliebene Seelengefährte die Wiederkehr des Partners wünschte. Es war undenkbar einem Xyn die Wiedergeburt durch gesetzliche Verbote zu verweigern. Nach ihrer Definition war ein Individuum am Leben, wenn seine Seele existierte. Es war zweitrangig in welcher Hülle, sei es ein Seelengefäß, ein neuer Körper oder gar in einem Körper einer fremden Spezies, das als Ersatzgefäß herhalten musste. Für einen Xyn machte dies keinen Unterschied.

Es schien also perfekt. Doch es gab einen Makel, der alles andere als unerheblich war. William war kein Angehöriger ihrer Spezies. Für Fremde war diese Option nicht vorgesehen, sofern sie nicht manifestierte Xyn waren. Xyn, die nach ihrem Tod kurzerhand in einem fremden Körper weiter existierten. Deshalb wurde sie eines Tages in den Schrein vor einem Untersuchungstribunal der aus den zwölf ältesten Seelen bestand berufen um Rede und Antwort zu stehen.

Sie musste sich vielen Prüfungen unterziehen um zu beweisen dass ihre und Williams Seele trotz dieser Unterschiede verschmolzen und somit auch ihm ein Platz im Schrein zustand. Ihrem Sohn wurde dabei eine besondere Schlüsselrolle zuteil. Durch ihn bestand sie diese Prüfungen und somit war für William der Weg in den Schrein offen. Dies gestattete ihr ein jenes Testament zu hinterlegen das es ihr ermöglichte mit William zeitgleich ins Leben zurückzukehren, wenn es ein Lebenszeichen von Marcus gab. Eine entsprechende Verfügung in ihrem Testament an ihre direkten Nachkommen sorgte dafür, dass ihr selbst nach ihrem Ableben die Aktivitäten um Marcus nicht verborgen blieben.

Der Grund für diese Zeitliche Abstimmung war natürlich, wie Marcus erfahren musste, sein Bruder William. Kjeir wusste wie sehr er unter Williams Tod litt und wollte ihm etwas von seinem Schmerz nehmen indem sie ihm eine Wiederbegegnung mit William ermöglichte. Das Medaillon, das sein sterbender Bruder ihm einst überreichte war, wie er später durch Kjeir erfuhr, ein mobiler Scanner und Datenträger die während des Tragens all dessen Erinnerungen aufzeichneten.

Er hatte erst nicht glauben wollen dass Kjeir imstande war einen winzigen Datenträger zu kreieren die die komplette Persönlichkeit eines Menschen speichern konnte. Und dann noch zusätzlich mit  einer integrierten Vorrichtung, die diese Erinnerungen erfassten und sie direkt auf den Datenträger überspielten. Die Möglichkeit Erinnerungen auf Datenträger zu transferieren gab es zu seiner Zeit schon, aber die dafür benötigten Geräte waren damals wie heute regelrechte Monster in den Ausmaßen, für deren Handhabung Spezialisten benötigt wurden. Das war eines der Gründe weswegen es ihm schwer fiel ihr Glauben zu schenken.

Doch das Neural - Archiv auf Sirius Neun hatte ihn nun eines besseren belehrt dass dies nicht mehr ganz abwegig war. Konnte damals das leistungsstärkste Speichermedium gerade mal das Volumen einer durchschnittlichen Bibliothek erfassen, waren dreihundert Jahre später für das komplette Gedächtnis nur noch wenige Datenträger notwendig. Nur sieben Kristalle enthielten alles, was einst Susans komplette Persönlichkeit ausmachte, von der Geburt bis hin zum dem Zeitpunkt, als diese Aufzeichnungen angefertigt wurde. Eine enorme Entwicklung der Speichertechnik in so kurzer Zeitspanne, die zu seiner Zeit weit entfernt des Vorstellbaren war.

Wie viele  Jahrhunderte würde es brauchen bis sich die Technik soweit entwickelt hatte bis sie denen der Xyn auch nur im entferntesten ähnelte? Wie viel Zeit würde also noch vergehen bis irgendwann ein einziges kleines Medaillon reichte um  komplette Erinnerungen und Persönlichkeitsmuster in ihr zu deponieren?

Hatte ihre Spezies einst ebenso klein angefangen? Wann mochten sie das erste Mal das komplette Gedächtnis eines Individuum auf ein Medium abgespeichert haben? Und seit wie vielen Jahren war es nun Praxis ihr Gedächtnis über den physischen Tod hinaus zu konservieren, in einem neuen Körper zu revitalisieren bis zu dem Niveau der für sie Normalität war?

Und er fragte sich immer wieder, wie wohl seine Reaktion sein wird, wenn sein Bruder tatsächlich eines Tages vor ihm stehen würde? Marcus musste sich auch eingestehen, dass er bezüglich der ersten Begegnung sehr skeptisch war. Sein Misstrauen saß noch tief weil er innerlich nie daran geglaubt hatte das Kjeir diesen Plan tatsächlich ausführen würde. Hatte sie doch noch jemanden gefunden der ihren Wunsch zu erfüllen bereit war? Steckte die Information irgendwo in dem Chaos aus Punkten und Strichen aus der diese unbekannte Schrift bestand? Was würde mit ihm geschehen wenn er tatsächlich wider aller Erwarten ein vertrautes Gesicht wiedersehen würde, dessen letzte Erinnerung an ihn sein schlaffer lebloser Körper war, den er im Arm hielt damals auf Arisia 3? Könnte er ihn in den Arm schließen, oder waren sie Fremde? Die Vorstellung eine exakte Kopie seines Bruders vor sich zu haben hatte noch keine Konturen angenommen....

….bis zu dem Tag, als er nach 32 Jahren seine Susan in den Armen halten konnte....ein Meisterwerk professioneller Klon-Technik.

Und somit hatte er den Beweis das es möglich war eine Person fast im Original neu zu erschaffen, wenn man den passenden Mediziner fand, der sich in dieser Materie bestens auskannte und das war bei Dr. Quijano zweifelsohne der Fall gewesen. Warum sollte es für Kjeir also nicht möglich sein William auf diesem Weg ins Leben zurückzuholen? Alle wichtigen Elemente dafür hatte sie in ihren Besitz, seine DNA und seine Erinnerungen, die in dem Medaillon gespeichert waren. Sie hätte sicher ihren Weg dafür gefunden ihren Plan umzusetzen.

Es war natürlich nicht einfach gewesen die Leute und Kontakte zu finden die er für die Ausführung seines Planes brauchte. Damit nicht einer ansatzweise davon Wind bekam was er vor hatte musste er diesen Plan im geheimen entwickeln. Nicht nur die Gesetzeslage, die keinen Zweifel zuließ, sondern auch sein besonderer Status als personifizierte Vergangenheit brachte ihm mehr Aufmerksamkeit ein als ihm lieb war. Tranall und sein Team hatten zwar versucht Marcus aus dem Fokus der Aufmerksamkeit herauszuhalten, auch um das Geheimnis seiner Wiederbelebung zu hüten. Konnten jedoch nicht immer verhindern, dass doch manchmal ein neugieriger Reporter vor seiner Tür stand. Denn die Revitalisierung und seine Vergangenheit aus einer bewegten glorreichen Zeit der großen Kriege hatte sich rasch nicht nur unter den Rangern wie ein Lauffeuer herumgesprochen. Und wann bekam man die Gelegenheit direkt mit einer lebenden Legende zu sprechen, dessen glanzvolle Zeit längst in ferner Vergangenheit lag? Eine Gelegenheit, die kaum einer entgehen lassen wollte.

Nur ob dies im Sinne des Betreffenden war hatte keiner gefragt. Es hatte ihm sehr viel Energie gekostet und irgendwann nervte es ihn letzten Endes die immer gleichen Fragen zu beantworten und das war nicht selten. Er verabscheute wie ein lebendes Fossil herumgereicht zu werden wo man ihn fast schon wie ein exotisches Tier bewunderte. Er fühlte sich wie vorgeführt und Marcus begann dies zu hassen.

Er hatte Mühe diese Fassade aufrecht zu halten und fühlte sich letzten Endes nur noch ausgelaugt. Er war dieses Leben einfach überdrüssig geworden. Er wollte nur noch seine Ruhe. Und das möglichst weit weg. Dorthin wo er sicher sein konnte, dass ihn niemand mehr behelligte. Nicht ohne Grund hatte er mit Chryn III eine isolierte Welt ausgesucht wo er sicher sein konnte, dass nur sie beide die einzigen Bewohner bleiben würden. Dieses kleine Paradies bot ihm und Susan alles was sie zum Leben brauchten.

Daher war er auch nicht erfreut darüber dass ein fremdes Schiff zur Landung ansetzte.

Bis eines der beiden Insassen ihm gegenüberstand. Er hatte nie im Leben damit gerechnet beide lebendig vor sich stehen zu sehen. Dreihundert Jahre nach seinem Einfrieren. Erst recht nicht seinen Bruder. Kjeir, dass wusste er von den Aufzeichnungen hatte zwar eine doppelt höhere Lebenserwartung als ein Mensch. Aber sie war tot, es hatte in Stein gemeißelt gestanden als er damals ihr Gedenkbild in der Gedächtnisstätte betrachtete, nachdem er eine geraume Zeit in dem für Susan errichteten Mausoleum zubrachte.

Im Gegensatz zu Susan Ivanovas weiteren Werdegang bei den Anla`Shok war über den weiteren Lebensweg von Kjeir nicht all zu viel bekannt gewesen. Nur das was auf der biographischen Tafel neben ihren Portrait in der Ehrengalerie geschrieben stand. Sie hatte so gut es ging jegliche offizielle Dokumentation über sich und ihren Sohn vermieden und sie nur gestattet, wenn es sich nicht vermeiden ließ. Rigoros blockte sie jegliche Anfrage von Psi-Med ab ihr Gedächtnis auf Kristalle zu bannen und sie in das Neural-Archiv auf Sirius Neun überstellen zu lassen. Die meisten und auch wichtigsten Aufzeichnungen waren Privat und ausschließlich in ihrem Nachlass deponiert, das bisher nur Marcus lesen durfte.

Kjeir hatte, nachdem sie das Angebot ausschlug nach Susans Tod sich zur Wahl als Entil`Za stellen zu lassen, das Leben als Ranger weitergeführt. Anfangs hatte sie sich nach der Suche nach dem Volk beteiligt, die einst diese Maschine entwickelten, die Marcus zum Schicksal wurde. Doch dann  verlagerte sich ihre Mission immer mehr auf die Suche nach ihrer Heimatwelt. Erst allein, dann einige Zeit später war sie mit ihrem Sohn viele Jahre unterwegs gewesen. Ihre Exkursionen nach dem Krieg führten sie in die entlegensten Winkel der Galaxien. Immer ein Ziel vor Augen, der schließlich ihr einziger Lebensinhalt wurde.

Es war nicht bekannt, wo und wann sie Kontakt zu den ihresgleichen bekam. Im Gegensatz zu den prall gefüllten Dateien über fremde teilweise noch unentdeckte Welten und Spezies die sie in dieser Zeit entdeckten fehlten Informationen über ihre eigene Zivilisation und wie ihre Begegnung stattfand. Sie hatte nie ein einziges Wort darüber verloren und auch ihr Sohn war in dieser Beziehung sehr Wortkarg.

Bis sie eines Tages nicht mehr zurückkehrte und ihr Sohn Jahre später ihr ebenfalls nachfolgte.

Er hatte nie geahnt wie viel er ihr bedeutete das sie sich all diese Mühe nur seinetwegen gemacht hatte. Sie hatten sich nach anfänglichen Anlaufschwierigkeiten einander respektiert, was er durchaus als Freundschaft werten könnte. Sonst hätte sie ihm wohl niemals ihren innigsten Wunsch anvertraut und ein ehernes Gesetz gebrochen, indem sie William ihre Technologie zugänglich machte. Nichts in ihrem Nachlass, was er einsehen konnte, deutete darauf hin, dass sie einen detaillierten Plan zu ihrer gemeinsamen Wiederauferstehung erstellt hatte, der mit seiner Revitalisierung verknüpft worden war. Er hatte einfach nicht damit gerechnet, wie ernst sie dies alles genommen, es mit allen Konsequenzen durchzog und dies zugleich auch noch auf sich und auf  ihn ausgeweitet hatte was sie einst nur für William vorgesehen hatte. Eine schier unglaubliche Leistung die zweifelsohne eine Portion Wahnsinn benötigte um auch nur ansatzweise solche Gedankengänge zu Papier zu bringen. Offensichtlich war dies alles auch nur möglich, weil auf ihrer Heimatwelt die Bedingungen dafür gegeben waren, wenn ihre Erzählungen stimmte.

Trotz allem, eben weil ihm dieser Plan so irrwitzig und undurchführbar erschien war er bezüglich seines Bruders skeptisch. Zu irreal erschien es ihm dass er plötzlich vor ihm stand.... lebendig. Es kam ihm immer noch wie ein Traum vor obwohl er mit Susan den gleichen Weg ging wie sie, getrieben von den gleichen Emotionen und Gefühlen.

War er das was er vorgab zu sein? Was war übrig geblieben was einst seinen Bruder ausmachte? Als er den Plan fasste Susan zu klonen konnte er sich innerlich darauf vorbereiten, dass er sie eines Tages wieder sehen würde obwohl ein Restrisiko im Raum schwebte. Es hätte durchaus auch schief gehen können. Nur ein einziges Haar hatte er von ihr, weiteres Material mit ihrer DNA hatte er nicht um Korrekturen vornehmen zu lassen. Zwar existierte ihre Leiche in dem Mausoleum und es wäre sicher möglich gewesen irgendwie an sie heranzukommen, aber der Körper war natürlich einbalsamiert worden, was stets die totale Zerstörung der DNA mit sich brachte. Einmal mehr zollte er tiefe Bewunderung für den Arzt, der nur mit einem einzigen Haar auskommen musste und es tatsächlich schaffte daraus ihre DNA komplett zu extrahieren und somit eine perfekte Kopie seiner großen Liebe erschuf. Susan war ein identisches Abbild des Originals, wie er sie aus ihrem ersten Leben kannte, denn sie wurde in keinster Weise genetisch verändert. Auch mental gab es kaum Unterschiede zu dem Original, sah man von ihrer Neigung zu Alpträumen ab, was die Folge des Gedächtnistransfers während des Klon-Prozess waren.

Doch sein Bruder tauchte schlagartig in sein Leben auf. Geklont nach den Bedingungen, die bei dieser Spezies üblich waren und das schloss die Transplantation organischer Bionik ein damit er sich in dieser hochtechnisierten Welt zurecht fand. Genetisch war er nun kein Mensch mehr, sondern war zu einem Xyn transformiert worden. Sichtbar durch das Interface an seiner linken Schläfe, einer etwas helleren Haut und Pupillen die wie die von Kjeir leicht zu schimmern schien.

Marcus hatte Mühe gehabt zu verbergen wie sehr ihn dieser Anblick irritierte, obwohl Kjeir ihn vorwarnte. Sie hatte die Gründe erklärt, aber er brauchte eine kleine Weile das zu verdauen, dass sein Bruder plötzlich etwas Fremdartiges an sich hatte. Denn sie kannte seine Vorbehalte und ahnte wohl, was in ihm vorging. Zu wissen, dass sein Bruder plötzlich einer fremdartigen Spezies angehörte war nicht jedermanns Sache. Dazu brauchte sie ihre mentalen Fähigkeiten nicht um das zu sehen.

Der Beginn ihrer Unterhaltung war erst stockend, wie zwei Fremde, die langsam sich umkreisten um herauszufinden, wie der andere dachte. Immerhin war es trotz Vorbereitung auf Williams Seite fast wie ein Schock sich nach so langer Zeit wiederzusehen und Marcus ging es nicht anders. Ein regelrechter Mix aus den unterschiedlichsten Empfindungen und Gedanken fluteten ihre Gedanken, hatten Mühe diese in geordnete Bahnen zu lenken. Aber nach und nach fiel die Zurückhaltung und die Gespräche wurden fließender. Wie ein Ping-Pong Ball warfen sie sich Fragen und Fangfragen zu, die der Gegenüber bravourös beantwortete oder revidierte. Während Marcus danach seinen Bruder förmlich ein Loch in den Bauch fragte wie es sich auf seiner neuen Heimat leben ließ, bohrte William im Gegenzug Marcus mit unendlich vielen Fragen über seinen weiteren Lebensweg nachdem er zu den Anla`Shok gegangen war, was er einst vehement für sich ablehnte.

Die Stunden im Zwiegespräch mit William waren eines der intensivsten Momente seines Lebens, und jener Moment, als er sich an Kjeir`s Schulter einfach sich öffnen konnte und sich völlig dem Schmerz hingab, dass ihn seit dem Schattenangriff innerlich zerfraß und nun mit seinen Tränen aus ihm herausfloss. Er hatte immer stets eine Maske vor sich her getragen damit keiner sehen sollte wie es ihm wirklich ging.

Doch jetzt war seine Energie dafür erschöpft diese Fassade aufrecht zu erhalten.

Warum auch eigentlich? Es gab einfach keinen Grund mehr sich weiter aufzureiben an etwas was drei Jahrhunderte zurücklag. Als er realisierte dass William wirklich sein Bruder war, wurde nun der Weg für ihn frei, nach vorn zu sehen. Der Grund für seine Schuld, versagt und Williams Tod verschuldet zu haben existierte somit nicht mehr.

So wie sein altes Leben nicht mehr existierte, das er bis jetzt wie ein Schatten hinter sich hergezogen hatte. Selbst dreihundert Jahre nach seiner Revitalisierung hatten sie immer noch Besitz von ihm ergriffen und jeden Versuch ein anderes Leben zu führen zunichte gemacht. In diesem Moment, als er zu dieser Erkenntnis kam fiel seine ganze Vergangenheit von ihm ab. Er konnte förmlich spüren, wie sich die Schatten in seinem Bewusstsein sich regelrecht verflüchtigten und langsam aus seinem Kopf wichen, die ihn bisher im Griff hielten. Dafür war er Kjeir für alles, was sie für ihm und William getan hatte zutiefst Dankbar. Noch nie war er einer so einer extrem tief fühlenden Person begegnet und er gönnte es seinem Bruder aus vollem Herzen sein Glück an ihrer Seite und ihres bei ihm.

Er hatte sich noch nie in dieser Nacht so befreit gefühlt. Er hatte das Gefühl wieder zu leben.

Und irgendwann war ihm auch egal gewesen wie er aussah. Er war trotz allem sein Bruder und würde es auch bleiben. Schließlich hatte er den gleichen Schritt getan und warum sollte dies auch Kjeir nicht das gleiche tun? Immerhin hatte sie diesen Plan zuerst gefasst und ihn eingeweiht. Vielleicht wäre er ohne diese Gespräche niemals auf diese Idee gekommen etwas schier unmögliches umzusetzen.

William wusste wo sie nach Marcus suchen mussten. Immerhin war er es, der Chryn III damals entdeckte. Und Kjeir besaß eindeutig Erinnerungen die sie unmöglich auf einem Medium vor ihrem Tod vor zweihundert Jahren hätte abspeichern können. Seine ganzen Pläne als er beschloss Susan zurückzuholen, seine Erlebnisse und Aktivitäten, die detaillierten Adressen und Namen aller Personen, die in dem ganzen Prozess involviert waren.... Marcus hatte nichts ausgelassen um seine Spuren zu verwischen die Kjeir im Gegenzug wieder rekonstruierte. Er kannte ihre Hartnäckigkeit den Dingen solange auf den Grund zu gehen bis sie die Antwort hatte.

Und das hatte sie nach der Suche nach ihm eindrucksvoll bewiesen, dass für sie keine Hindernisse zu existieren schien um seine Handlungen lückenlos zu verfolgen.

Irgendwie musste er erkennen dass es ihn, nachdem er den ersten Schock ihres Wiedersehens verdaut hatte nicht überrascht war  sie lebendig zu sehen auch wenn er darauf nicht vorbereitet war. Woher auch, es hatte ja nichts darauf hingewiesen und dennoch … Sie hatte schon mehrfach mit Überraschungen geglänzt, die er nicht an ihr vermutet hätte. Und bei sich selber auch nicht.

Manchmal war er erschrocken über sich selbst, welche verborgenen Energien in ihm schlummerten, die ihn zu den unmöglichsten Sachen trieben. In gewisser Hinsicht musste er erkennen, dass sie ausgesprochen ähnlich waren. Beide haben ihre Grenzen gesprengt und sich zu Handlungen hinreißen lassen, die sie wohl niemals auch nur in ihren Träumen hatten vorstellen können.

Woher auch, er hatte sie lange auf ihr kybernetisches Erbe reduziert und ihr biologisches irgendwie ignoriert. Das auch sie Gefühle und Bedürfnisse besaß, die sich nicht all zu sehr von dem eines Menschen zu unterscheiden schien hatte er unbewusst ausgeblendet. Was auch daran liegen mochte dass er nur schwer vorstellen konnte ein Alien statt eine menschliche Schwägerin als Familienmitglied zu haben. Trotz jahrelanger Kontakte der Menschen zu fremden Spezies war eine Verbindung weit außerhalb seiner eigenen Art schwer vorstellbar. Zu viele gab es, die alles Fremde ablehnten und reaktionäre Gruppierungen wie Earth-Watch ziemlich erstarken ließ mit all den hässlichen Folgen, die das Ansehen der Menschen auf Jahre hin beschädigte. In diese Beziehung war er recht konservativ....zu fremd, zu seltsam erschien sie ihm. Zumal damals noch nicht mal bekannt war welcher Spezies sie angehörte.

Er fragte sich wie wohl die Begegnung verlaufen wäre, wenn William sie damals mit nach Arisia gebracht und als seine Freundin vorgestellt hätte? Er hätte sie höflich begrüßt und sicher auch nichts anmerken lassen, aber die Beziehung zu einer Alien-Frau, die obendrein noch zur Hälfte ein Maschinenwesen unbekannter Herkunft war, das wäre zwischen ihm und William unter Garantie das nächste Streitthema geworden. William war auch in Beziehungen ziemlich flatterhaft wie bei allen anderen Aktivitäten. Denn die Konflikte sowohl um die Mine und noch einiges mehr hatte die Beziehung der Brüder mehr als belastet. Marcus` Nerven lagen längst blank durch die Sorgen um die Mine wie auch um seinen jüngeren Bruder, der sein eigenes Vergnügen statt Verantwortung für den Familienbetrieb im Sinn hatte. Auf die Idee, dass er dieses mal die Richtige gefunden und auch bei den Ranger zum ersten Mal wirklich das fand was er suchte wäre er niemals gekommen.

Er stellte fest, dass er sie in all diesen Jahren massiv unterschätzt hatte. Ihre abweisende Art hatte ihn auf Distanz gehalten, machte ein genaueres Kennenlernen nahezu unmöglich. Was ihm damals auch recht war, denn damit musste er sich nicht mit ihr um seinen Bruder auseinandersetzen. Er hatte erst nach und nach realisiert, dass sie im Unterbewusstsein sich deshalb gegen ihn sperrte und somit die Zusammenarbeit alles andere als Reibungslos verlief. Sie schien geahnt zu haben das es damals für ein Gespräch nicht der richtige Zeitpunkt war. Es hatte hatte eine Zeit gedauert, bis sie beide für dieses Thema bereit waren. Er war erleichtert, dass sie ihm keine Schuld um Williams Tod gab. Und er ahnte auch, dass sie ihn weitestgehend gut einschätzen konnte trotz seiner Versuche sein wahres Inneres vor ihr zu verbergen. Auch weil er auch einfach Angst hatte dass ihr Blick zu tief sein könnte und auf Dinge in seinem Leben stieß, die am liebsten für immer in dem hintersten Winkel seines Bewusstsein verbannt bleiben sollte, weil er die Auseinandersetzung scheute. Er hatte schon oft gemerkt dass sie eine sehr gute Beobachtungsgabe hatte und mental sehr weit gereift war was man nicht hinter ihr damals sehr junges Alter vermuten würde. Denn es gab viele unbequeme Momente in seinem Leben. Darunter vor allem die Fehlentscheidung und erst recht seine Ignoranz, die seinem Bruder letztem Endes den Tod brachte.

Marcus hatte aufgehört zu zählen wie oft er verflucht hatte am Leben zu sein. Selbst sein Dienst bei den Rangern hatte ihm dieses grässlich nagende Gefühl nicht tilgen können und Kjeir´s Gegenwart erinnerte ihn mit jeder Sekunde daran welches Leid er ihr angetan hatte. Auch wenn er es immer versucht hatte es zu verbergen hatte sie es gespürt.

Und dennoch hatte sie an ihm geglaubt. So sehr dass auch sie alles tat um wieder zurückzukehren. Um seinen Schmerz für immer aus ihm zu tilgen, entriss sie William dem Tod und leitete alles in die Wege, die schließlich in ihre gemeinsame Begegnung auf ChrynIII gipfelte. Waren sie doch  verbunden durch ein gleiches Schicksal die es ihnen erlaubte die Gefühle des Anderen nachzuvollziehen. Genährt durch eine treibende Kraft die so universell war das jedes Lebewesen von ihr durchdrungen war.... die Energie der bedingungslosen Liebe, die alle Grenzen zu sprengen zu imstande zu sein schien.

Ohne zu ahnen hatte Marcus ein wichtiges Puzzleteil verwendet, das es ihr ermöglichte diesen Plan zu entwerfen. Es war diese ominöse Maschine an der er sich mit Susan verband um ihr seine Lebensenergie zu überlassen. Eine Tat, die eigentlich sein sicherer Tod bedeutete. Doch Susan entschied ihn für die Revitalisierung zu konservieren. Ohne zu ahnen, das ihre Entscheidung für Kjeir zur Saat einer Idee wurde weiter zu gehen was sie einst für möglich hielt. Eine unglaubliche Meisterleistung von ihr, dieses perfekte Timing für ihre gemeinsame Wiederbegegnung zu arrangieren.

Wäre er selbst dazu in der Lage gewesen dieses unglaubliche Pensum zu bewältigen.... Jahre, oder besser gesagt Jahrzehnte währende Kleinarbeit in einen gigantischen Plan auszuarbeiten, wie es Kjeir getan hatte? All diese Geduld, all diese Mühe trotz des Wissens das es auch fehl schlagen konnte.... hätte er es durchführen können?

Oder wäre er daran zerbrochen? Er erinnerte sich an all seine Mühen, die er allein nur für Susan auf sich nahm und das war nicht wenig was er zu beachten hatte. Hätte er gleichzeitig auch Kjeir und William von den Toten auferstehen lassen können auf die Art wie es von Kjeir einst ausgearbeitet worden war? Der Plan, der einst nur Williams Wiederkehr beinhaltete war allein schon verrückt gewesen. Doch das was sie noch zusätzlich ausarbeitete hätte er als wahnwitzig und undurchführbar abgetan.

Aber offenbar waren wohl gerade wie wirrsten, verrückten und wahnwitzigsten Entwürfe die Erfolgreichsten weil sie denjenigen zwangen selbst die ungewöhnlichsten Methoden in Betracht zu ziehen um die Grenzen zu überwinden. Das Wort >Unmöglich< schien tatsächlich nicht in ihrem Wortschatz vorzukommen.

Hatte er sich überhaupt mal Mühe gegeben die Kjeir zu finden, die sich hinter den ganzen Cybertransplantaten befand? Zu seiner Schande musste er sich eingestehen….nein.

Und dafür schämte er sich bis heute.

Nun musste er lernen, wieder nach vorn zu sehen. Jetzt wo er vom Ballast der Vergangenheit befreit war, was ihn bisher blockierte und ein Großteil seines Denken und Handelns bestimmte. Er würde sehr viel Energie benötigen um das Fundament ihrer Beziehung zu errichten. Der Anfang war da, aber es war eben nur der Anfang. Noch war Susan im Gegensatz zu William und Kjeir völlig unzugänglich eine Vorstellung zu entwickeln mit ihm eine Beziehung zu beginnen. Und er war sich sicher dass noch lange dieses Spiel andauern würde. Zu tief ihre Narben, die natürlich wie alle Erinnerungen dieser Zeitspanne in ihr überspielt wurden.

Doch das Wissen aus ihrem ersten Leben, dass was sie tat obwohl sie ihm und erst recht nicht vor sich selbst eingestehen wollte bestätigte ihm das, was er tat, richtig gewesen war.  Er brauchte nur noch Geduld und Zeit. Und das hatte er hier auf ChrynIII reichlich....
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