Anderer Blickwinkel

LeseprobeDrama, Horror / P18
Artjom Hunter Khan OC (Own Character)
16.02.2015
25.03.2015
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16.02.2015 3.065
 
Die Geschichte wird grundlegend überarbeitet und auf meinem Hauptaccount neu hochgeladen. Das bedeutet: Die Geschichte wird hier nicht weitergehen! Aber ich werde sie neu hochladen, schaut einfach mal in der Kategorie vorbei. Das ist im übrigen auch der Grund für die Änderung des Geschichtstitels!

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Die zarte Knospe der Verdammnis

Die einzige Überlebende meiner Familie

Als ich aufwachte, schien es gerade gegen Mittag zu sein. Genau sagen konnte ich es jedoch nicht, denn das Licht konnte uns hier unten in der Metro, keine Auskunft über die Tageszeit geben. Nur die Stimmen, draußen vor dem Zelt, konnten dies verraten. Langsam richtete ich mich auf und sah mich im Zelt um. Meine Schwester hätte mich doch eigentlich schon lang geweckt haben müssen, oder? Sie war diejenige, die von uns immer als erstes wach war und sich auf den Posten vorbereitete. Meine Schwester hatte einen ziemlich angesehenen Job, im Gegensatz zu mir. Ich war nur für die Verpflegung auf der WDNCh zuständig. Was für mich so viel bedeutete, wie das Putzen der Pilze, damit man sie schließlich in kleine Stücke schneiden und zum Trocknen aufhängen konnte. Kurz gesagt, war ich eine der Personen, die dafür zu sorgen hatte, das der Tee weiterhin so schmeckte, wie er es sollte. Doch ich war nicht eifersüchtig auf meine Schwester. Eher gönnte ich ihr den Status. Aljona hatte sich ziemlich schnell mit dem Leben hier abfinden können, nur ich konnte es einfach nicht. So sehr ich auch wollte und es versuchte. Die Erinnerungen an das Leben, dort oben, wie meine Schwester und ich es einmal erlebt hatten, hing über mir wie ein dunkler Schleier und ich konnte ihn nicht lüften. Es war als wenn er meine ganze Existenz beeinträchtigen könnte und sich dann über die Ruinen meines seins legte. Anders konnte ich es nicht mehr beschreiben. In meinen Gedanken war meine Existenz nur noch eine Ruine. Innerlich fühlte ich mich zerbrochen und kaputt, jedes Mal, wenn ich es auch nur wagte, darüber nachzudenken. Kurz schüttelte ich den Kopf, als ich bemerkte, dass sich ein Kloß in meinem Hals zu bilden begann. Ich musste dringend an etwas anderes denken.

Leicht rieb ich mir über die Augen und konnte schließlich nur noch auf einen leeren Platz neben mir blicken. Meine Schwester war nicht mehr hier.
„Aljona?“, fragte ich leise.
Beinahe hätte ich mich selbst nicht mehr verstanden, daher bezweifelte ich, das mich jemand anderes in diesem Moment gehört hätte. Also wiederholte ich ihren Namen noch einmal wesentlich lauter. Ich musste immerhin beachten, dass ihr Gehör, durch die vielen Schüsse, welche sie bereits abfeuern musste, ziemlich beeinträchtigt war. Das Leben als Ranger konnte ich mir keinesfalls leicht vorstellen. Nachdem auf weiteres rufen noch immer niemand reagierte, stand ich auf. Mich überkam ein ungutes Gefühl. Schlecht konnte ich leugnen, dass mich in diesem Moment eine unheimliche Angst überkam. Ich wollte nicht auch noch sie verlieren. Sie war alles, was ich von meiner Familie noch hatte. Sie zu verlieren wäre ein Rückschlag gewesen, den ich nicht auch noch hätte verkraften können.

Augenblicklich stand ich auf, zog mir eine alte, viel zu große Lederjacke über und hielt sie um mich geschlungen. Der Reißverschluss war mir sicher vor zwei Jahren kaputt gegangen und wir hatten einfach nicht die nötigen Materialien zur Hand, um ihn zu reparieren. Auch wenn meine Schwester ziemlich gut nähen konnte, schien ich zu nichts zu gebrauchen zu sein. Ja, manchmal kam es mir vor als hätte sie das Talent, den Mut und die Selbstsicherheit abbekommen, von der ich nur träumen konnte. Dennoch hatte ich irgendwann begonnen, mich damit zu arrangieren. Mittlerweile sah ich es nicht mehr als schlimm an, für die Verpflegung zuständig zu sein, denn immerhin hing von uns wenigen Frauen und Männern, Kindern und Alten das Leben der Station ab. Wir konnten uns sozusagen als die Engel der Station bezeichnen. Selbst wenn mir dieser Begriff ganz und gar nicht gefiel. Ich glaubte nicht an übernatürliches oder Außerirdische. Auch an Gott oder den Teufel glaubte ich nicht und das würde wahrscheinlich auch so bleiben, bis mich jemand von dem Gegenteil überzeugen würde. Dieser jemand musste nur erst einmal existieren. Bisher war ich ihm noch nicht begegnet. Schließlich zog ich den angerosteten Reißverschluss meines Zeltes auf und trat in die seichte Dunkelheit der Station. Nur an manchen Stellen waren die Wege durch rote Lampen ausgeleuchtet und ich begann mich allmählich zu fragen, ob meine Augen normales Licht überhaupt noch vertrugen. Wahrscheinlich war dies nicht der Fall, doch in solchen Momenten begann ich mir immer zu wünschen, dass ich in der Metro geboren wäre, ohne jemals etwas von dem Leben oben mitzubekommen. Sicher wäre mein Leben dann leichter und unsere Eltern vielleicht noch am Leben. Für sie hoffte ich einfach nur, dass es schnell und schmerzlos ablief.

Hektisch sah ich mich auf der Station um. Meine braunen, schulterlangen, schief geschnittenen Haare fielen mir wirr ins Gesicht und ich war die meiste Zeit damit beschäftigt, sie mir nach Hinten zu streichen, damit ich mehr sehen konnte. Um meine Beine wehte ein kühler Wind und ich begann zu frösteln. Eigentlich bräuchte ich langsam einmal eine neue Hose, doch die Frage war, woher wir diese nehmen sollten. Mittlerweile trage ich diese zerlumpte Jeans, seit vier Jahren, seit ich sechzehn war. Es war für mich ein Wunder, das ich überhaupt noch in sie hinein passte. Aber wenn man sich einmal überlegte, wie wir hier zum Teil hungerten, war es auch nichts Besonderes mehr. Aljona sagte manchmal zu mir, das mein Gesicht eingefallen und mein Körper ausgezehrt aussieht und dabei hatte sie wahrscheinlich recht. Ich vermied es seither in den Spiegel zu sehen, auch wenn ich froh sein konnte, dass wir es noch immer besser hatten, als manch andere Station. Gehört hatte ich ja schon ziemlich viel, doch bestätigen konnte ich nichts davon. Ich selbst war immerhin noch nicht ein einziges Mal von der WDNCh weg gekommen. Wenn man Fragen hatte, wendete man sich meistens an meine Schwester und diese erzählte liebend gern von einer verlassenen Station, deren Namen ich mittlerweile schon wieder vergessen hatte. Dennoch waren ihre Geschichten und das, was sie auf ihren Streifzügen durch die Metro erlebte, unheimlich genug um das man es am besten wieder verdrängte. Einmal erzählte sie von den Schwarzen und dann davon, dass jeder der Tunnel ein Eigenleben besäße und man hin und wieder Stimmen in ihnen hören würde. Allein diese Erzählungen reichten mir bereits um zu wissen, dass die Tunnel kein Platz für mich waren. Dafür war ich einfach zu schreckhaft.

Plötzlich spürte ich, wie sich eine Hand auf meine Schulter legte. Augenblicklich zuckte ich zusammen und fuhr herum, um der Person, die mich erschreckt hatte, in die Augen zu blicken. Blau-grün traf auf mein gemischtes Gewitterblau. Meine Augen, welche bis eben vor Schock noch weit offen standen, schlossen sich langsam wieder und ich begann mich zu beruhigen.
„Suchst du etwas bestimmtes?“, hörte ich Artjom schließlich fragen.
Im ersten Moment war ich einfach zu perplex um eine vernünftige Antwort zu geben. Wirres Gestammel drang aus meinen Lippen, doch dann begann ich endlich, mich zu fangen. Mein Puls normalisierte sich, beruhigte sich von dem Schock. Kurz schluckte ich und versuchte die Antwort schließlich noch einmal zu beginnen.
„Aljona… Wo ist meine Schwester?“, fragte ich nun leicht stockend.
Artjom blickte kurz auf eine der Uhren, bevor er meine Schulter los ließ und sich räusperte.
„Heute Morgen, vor ungefähr fünf Stunden, ist sie zusammen mit Suchoj aufgebrochen. Sie wollten zum großen Markt, aber mehr kann ich dir darüber leider nicht sagen.“, erwiderte er.
Auch ich sah nun auf die Uhr. Gerade zeigte sie mit ihren roten Ziffern die Zahl zwölf Uhr fünf. Das müsste ja heißen, dass sie bereits gegen sieben Uhr aufgebrochen sein musste. Warum hatte ich das nicht bemerkt? Sonst hatte ich doch auch immer einen so unvergleichlich leichten Schlaf. Für einen Moment hielt ich die Luft an. Innerlich machte ich mir Vorwürfe, doch fragte ich mich zur gleichen Zeit, warum sie mir nicht einmal eine Nachricht hinterlassen hatte.

Schließlich nickte ich einfach nur mechanisch, als hätte mein Körper diese Aktion eigentlich gar nicht ausführen wollen, sondern wäre es die Machenschaft eines anderen gewesen. Meine Augen starrten beinahe durch den groß gewachsenen Mann vor mir hindurch und schienen glasig, ja beinahe durchsichtig zu sein.
„Es ist in Ordnung, danke. Ich muss jetzt zu meiner Schicht.“, meinte ich schließlich ziemlich kurzatmig und machte mich augenblicklich zu meiner Arbeitsstätte auf.
Mehr Worte brachte ich in diesem Moment wirklich nicht aus meiner Kehle heraus, selbst wenn ich Artjom nun schon so lang kannte. Ich hatte aufgehört, die Jahre zu zählen, in der Zeit, in der ich hier war. Aber ein Wunder war dies nicht mehr, die meisten hier auf der Station hingen an der Zeit, als wäre sie ein dickes Rettungsseil, doch für mich war es anders. Weder wusste ich, welchen Wochentag wir momentan schrieben, noch welches Datum wir hatten. Erst zu Silvester würde ich meine Orientierung wieder erlangen, wenn wir es denn bis dahin überleben würden. Artjom machte sich auf in sein Zelt, welches direkt neben dem von meiner Schwester und mir stand. Er sah müde aus, wahrscheinlich hatte er einmal wieder die Nachtwache übernommen und wollte sich nun erst einmal hinlegen. Ich gönnte es ihm wirklich. Suchoj kannte ich durch Artjom und dieser brachte mir, genau wie meine Schwester des Öfteren Bücher mit. Die meisten landeten im Endeffekt ohnehin bei Artjom, nur von einem Schriftsteller behielt ich sie immer bei mir. Edgar Allan Poe. Ich hatte mich so an seine Art und Weise zu schreiben gewöhnt, das ich kaum noch etwas anderes las. Immer wenn mir einer dieser Schätze in die Hände fiel, verschwanden sie sofort in meinem Zelt. Am besten unter meinem Kopfkissen, oder unter meiner provisorischen Decke.

Ja, niemand sah diese Bücher jemals wieder, wenn ich sie einmal in den Händen gehalten hatte. Insgesamt stapelten sich in meinem Zelt nun fünf Bücher von diesem berühmten Autor, doch ich wusste, dass ich nicht einmal die Hälfte besaß. Die wenigen Werke, die ich mir aneignen konnte, beliefen sich auf das verräterische Herz, der schwarze Kater, die Maske des roten Todes, die Scheintoten und der Geist des Bösen. Beim besten Willen war es nicht viel, doch mir reichte es, um es zu schätzen. Einen besonderen Wert bekamen die Bücher noch einmal dadurch, dass ich sie von Aljona bekommen hatte. Sie erinnerten mich immer an sie und irgendwie hatte ich es im Gefühl, dass dies irgendwann von Nutzen sein könnte. Auch wenn ich beim besten Willen nicht wollte, dass sie irgendwann stirbt. Ein Leben ohne meine Schwester, die mich immer beschützte, mir immer sagte, dass alles in Ordnung ist, selbst wenn jeder wusste, dass es eben genau das Gegenteil war, die immer für alle stark sein wollte, konnte ich mir einfach nicht vorstellen. Auch wenn ich mir eingestehen musste, das der Tod bei ihrem Job nicht abwegig war. Dennoch wollte ich nicht daran denken.

Schnellen Schrittes bahnte ich mir einen Weg durch die Verzweigungen der Station und kam schließlich auch an der Pilzzucht an. Wie immer lag der Geruch von Erde schwer in der Luft. Es war das einzige, was noch einigermaßen an die Zeit oben erinnerte. Wenn ich auch stark vermutete, das sich der Geruch mit der Zeit, ohne dass wir es auch nur im Ansatz bemerkt haben, verfälscht hat. Wahrscheinlich glauben wir, dass es das gleiche ist, aber wissen es einfach nur nicht besser.
„Svetlana? Da bist du ja. Wir dachten schon, du wärst krank.“, hörte ich plötzlich eine mir vertraute Stimme.
Meine Augen hatten sich zwar schon lang an die Dunkelheit gewöhnt, doch konnte ich noch nicht wirklich einordnen, aus welcher Richtung die Stimme kam. Ich wusste nur, dass ich sie ziemlich gut kannte. Sie gehörte zu Schenja. Behaupten, das wir befreundet waren, konnte ich nicht. Wir waren Bekannte und verhielten uns auch dementsprechend. Meistens begegnen wir uns, wenn es um die Herstellung des Tees geht, oder einmal morgens, doch das kommt so selten vor, dass ich es zum Teil nicht einmal aufzuzählen wagte. Es spielte auch keine sonderlich große Rolle. Zumindest nicht in meinen Augen. Wie andere dies sahen, konnte ich nicht sagen.
„Nein… Ich habe meine Schwester gesucht. Ich dachte sie wäre verschwunden.“
Diese Antwort presste sich so mechanisch aus meiner Kehle, das ich beinahe vor dem Klang meiner eigenen Stimme erschrak. Natürlich hätte ich es auch auf das Echo schieben können, oder auf die vielen verschiedenen, durcheinander redenden Stimmen, doch ich tat es nicht. Emotionslos starrte ich den blonden an, welcher ungefähr ein oder zwei Jahre älter als ich selbst wirkte. Genau konnte ich es nicht bestimmen, dafür kannte ich ihn zu wenig.

Schließlich hielt er mir einen Korb entgegen, welchen ich schon wieder genauso mechanisch annahm. Allmählich kam ich mir wirklich vor wie eine Maschine, die einfach nur noch funktionierte, für einen Zweck, den sie nicht einmal kannte. Es war nicht gelogen. Ich konnte mir den Grund nicht zusammenreimen, warum gerade wir lebten und unsere Eltern sterben mussten.
„Wäre ich doch nur oben geblieben…“, nuschelte ich leise vor mich hin, um die ersten Pilze aus der Erde zu ziehen oder zu drehen.
Je nachdem, wie sie sich besser ernten ließen. Allerdings hatte ich nicht geahnt, dass ich mit diesen leisen Worten, welche so durchsichtig und unscheinbar wirkten, das Interesse einer Person wecken könnte. Hätte ich es früher gewusst, hätte ich davon niemals begonnen. Ich hätte noch leiser gesprochen und gehofft, das der Wind, welcher unausweichlich durch all die Ecken pfiff, sie hinfort tragen würde, dahin, wo sie niemals jemand hören konnte.
„Erinnerst du dich gut an die Zeit oben?“, fragte der blonde neben mir plötzlich.
Wenn ich ehrlich sein sollte, dann wollte ich nicht antworten. Meiner Meinung nach, musste ich mich innerlich nicht noch mehr mit dem zerstören, was ich damals in der Metro sah. Es verfolgt mich ohnehin jede Nacht wie ein dunkler Fluch. Dann musste ich es nicht auch noch am Tag aufwärmen. Auch wenn ich mir gar nicht vorstellen konnte, welch Ironie dies hier unten bedeutete. Hier, wo man den Tag nicht von der Nacht unterscheiden könnte, hätten wir keine Uhren. Langsam aber sicher begann ich es einzusehen, dass diese Zeit vielleicht doch recht wichtig sein könnte. Auch wenn ich trotz des nicht verstand, warum man sie zählen sollte.

„Nein.“, antwortete ich schließlich.
Ich hatte gelogen, auch wenn ich meiner Mutter einmal versprochen hatte, dies nie zu tun. In diesem Moment jedoch, wusste ich, dass es besser für mich war. Jedoch gab sich mein Gewissen damit einfach nicht zufrieden. Ohne dass ich es wollte, begann sich meine Zunge von selbst zu bewegen und die Worte nahmen ihren Lauf, ohne dass ich ihnen das Startsignal gewährt hatte. Heute schien mein Körper nur noch ohne mein Wissen handeln zu wollen, ich wusste nicht, was los war.
„Aber ich kann dir sagen, wie es damals um mich stand. Eigentlich lebten wir nicht einmal in Moskau. An jenem Tag, an dem das Unglück passierte, hatten wir uns entschlossen in der Metropole einkaufen zu gehen. Meine Schwester ist sieben Jahre älter als ich, deshalb hat man mich mit ihr gehen lassen. Wir wollten unseren Eltern etwas mitbringen, etwas Schönes, etwas Besonderes. Etwas, das man nur in Moskau finden konnte. Was diese Besonderheit sein sollte, weiß ich bis heute nicht. Aber dies war immerhin auch das erste Mal, dass wir in Moskau waren. Gebürtig kannten wir nur Belyaninovo. Das einzige, was ich dir noch sagen kann, ist das wir in der Nähe eines Sees wohnten. An mehr erinnere ich mich nicht.“
Auch das war eine Lüge. Meine Schwester hatte noch ein altes Foto in der Brieftasche. Auf diesem war ich gerade einmal ein Jahr alt, aber sie trug es immer bei sich. Es zeigte Vater, Mutter, meine acht Jahre alte Schwester und mich. Dies ist die einzige Erinnerung, die wir beide noch hatten. Das Foto wurde im Frühling aufgenommen, als die Sonne schien. Damals sah es noch so friedlich aus und ich glaubte nicht, dass es dies heute noch tat. Die Katastrophe hatte sich immerhin nicht nur hinter der Stadtgrenze ereignet, sondern sicher auch die umliegenden Dörfer befallen. Mein Blick trübte sich, als wir gerade einen etwas heller erleuchteten Raum betraten, um dort die Pilze zu schneiden. Irgendetwas sagte mir, das er meine innere Trauer bemerkt hatte, denn plötzlich lächelte er mich leicht an. So, dass ich sogar kurz stehen blieb.

„Artjom erzählte mir, das du gerne liest?“, fragte er schließlich.
Ich gab ihm keine Antwort, fühlte mich noch immer zu mitgenommen um zu reden. Innerlich hatte ich sogar Angst, dass der Kloß in meinem Hals, meine Worte verschlucken könnte und man dann merkte, dass ich nicht für dieses Leben geschaffen war, oder man es zumindest dachte. Wenigstens einmal in meinem Leben wollte ich die Stärke besitzen, die meine Schwester Tag für Tag ausstrahlte.
„Von ihm weiß ich auch, dass du einige Bücher von Edgar Allan Poe besitzt. Ich liebe seine Gedichte. Sie bereiten selbst einem gestandenen Mann noch Gänsehaut. Wobei ich nicht behaupten möchte, dass ich einer bin.“, lachte er.
Anscheinend versuchte er die ganze Situation aufzulockern. Ich musste gestehen, dass ihm das nicht gelang. Monoton machte ich mich an die Arbeit, die Pilze zu schneiden und schwieg einfach weiter, während er redete. Bis er schließlich etwas sagte, dass ich nicht so im Raum stehen lassen konnte.
„Dürfte ich fragen, ob ich mir einmal eines der Bücher ausleihen kann?“, meinte er höflich.
Auch wenn ich wusste, wie er es gemeint hatte, schüttelte ich augenblicklich den Kopf. Ich konnte es einfach nicht mit mir vereinbaren, eines dieser Bücher aus der Hand zu geben.
„Es tut mir leid, aber ich kann das nicht tun. Diese Bücher bedeuten mir zu viel.“, erwiderte ich schließlich und schluckte.
Der Kloß in meinem Hals wurde immer fester.

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So, ich versuche mich dann einmal an einem neuen Projekt. Ich hoffe, das es zusagt und freue mich natürlich über ein paar konstruktive Meinungen. Kritiken, Vorschläge, Verbesserungsvorschläge sind alle erwünscht, also lasst mir ruhig etwas da, ich kümmere mich dann darum. :D
Aber jetzt wünsche ich euch noch viel Spaß und würde sagen, das man sich im nächsten Kapitel hoffentlich noch einmal ließt.
Liebe Grüße,
eure GrotesqueNightmare :D

P.S. Die hier genannten Namen, bis auf die von Svetlana und Aljona und vielleicht auch später auftauchender Charaktere gehören nicht mir sondern Dmitry Glukhovsky. Die Werke von Edgar Allan Poe gehören natürlich auch nicht mir, sowie später erwähnte Zitate, Filme und Bücher. Diese Gehören ihren rechtmäßigen Eigentümern, versteht sich. Sonst gehört höchstens die Handlung und das Leben Svetlanas und Aljonas mir.
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