Der spezielle Weckdienst

KurzgeschichteHumor, Fantasy / P12
16.02.2015
16.02.2015
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Wissen Sie, das Problem bei einer zwei-Mann Einheit ist, dass es sterbenslangweilig werden kann. Nightingale ist ok, aber hin und wieder will ich auch mal andere Leute treffen, Leute in meinem Alter. So kam es also, dass ich mich abends auf den Weg in die AB-Kneipe machte und die anderen Leute der Belgravia-Einheit antraf. Nach etlichen Drinks und Pins machte ich mich auf den Rückweg. Dieser erwies sich als schwer, es war jedoch von Vorteil, dass es bereits hell wurde und ich sehen konnte, wo ein Bordstein anfing und aufhörte. Geradeaus laufen war nicht wirklich drin. Um die Tür zum Folly aufzubekommen brauchte ich gefühlte  zwei Stunden. Molly hatte mich mit Sicherheit schon längst bemerkt, fand es aber lustig, dass ich wie ein Vollidiot vor der Tür hin und her taumelte und versuchte das Schlüsselloch zu finden. Endlich stand ich im Eingangbereich und taumelte weiter, streifte Isaac und stolperte die Stufen hoch. Auf einmal vernahm ich schnelle Schritte, in meinem Zustand war dies bereits eine große Leistung. Ich überlegte, Molly konnte es nicht sein, die bewegte sich absolut geräuschlos durch das gesamte Gebäude, deswegen erschrak ich auch ständig, wenn sie irgendwo auftauchte. Ich schloss also, dass Nightingale auf mich zu lief. Verdammt, ich glaube nicht, dass er es gerne sah, wenn sein Lehrling sich so die Kante gab. Ich straffte also die Schultern und versuchte mich so gerade hinzustellen, wie es mir möglich war. Ich hatte Recht es war Nightingale, in voller Montur.
„Da sind Sie ja, ich hatte mich schon gewundert wo Sie sind. Wir haben einen Einsatz, beeilen Sie sich“, er winkte in Richtung Remise. Ich atmete durch, er hatte nicht bemerkt, dass ich einen über den Durst getrunken hatte. Ich wusste nicht was mich erwartet, betrunken war ich noch nie im Dienst gewesen und ich glaube, ich hatte es auch eigentlich nicht ausprobieren wollen. Ich torkelte, möglichst gerade, in Richtung Remise. Zu meinem Glück hatte sich Nightingale schon ans Steuer gesetzt. Ich kroch vorsichtig ins Auto. Nightingale startete den Wagen und hielt dann inne.
„Peter, wo waren Sie? Sie riechen wie ein laufendes Gasthaus“, er verzog das Gesicht.
„War Dr. Walid's Idee“, nuschelte ich.
„Ich glaube nicht, dass Dr. Walid Ihnen rät sich zu betrinken“, Nightingale seufzte und schüttelte den Kopf.
Wir fuhren schnell, zu meinem Bedauern. Nightingale's ,eigentlich guter, Fahrstil war nicht besonders förderlich für meinen Zustand. In etwa bekam ich mit wo wir uns befanden. Wir hielten vor einem Haus, es stand in einem kleinen privaten Park. Die Jalousien waren alle herunter gelassen und es sah unbewohnt aus, in der Nähe stand ein schwarzer Bulli. Ich erschauderte, offensichtlich ein Nest Vampire. Frank Caffrey kam aus dem Bulli und reichte ausgerechnet mir den Beutel mit den Granaten. Er war schwer und es fiel mir nicht leicht den Beutel über die Schulter zu werfen. Nightingale gab mir mit einer Kopfbewegung zu verstehen, dass wir zum Haus gehen würden. Ich ging so schnell es mir möglich war hinterher, ich versuchte mich zusammen zu reißen und konzentrierte mich den Beutel nicht fallen zu lassen. Das war ein Fehler gewesen, ich hätte mich gefälligst auf meine verdammten Füße konzentrieren sollen. Ich stolperte über die heimtückische Wurzel eines Baumes und fiel. Frank gab ein quietschendes Geschrei von sich, was schon lustig klang, bei einem Mann der über zwei Meter groß ist. Die Granaten kamen, mit mir zusammen, und einem unheilvollen 'Klonk' zu Boden. Nightingale kam zu mir zurück gestapft, fauchte mich an und nahm die Granaten. „Sie bleiben hier und versuchen sich nicht selbst umzubringen.“
„Aye, aye Sir“, hickste ich und salutierte. Nightingale warf mir einen finsteren Blick zu und verschwand dann im Haus. Ich richtete mich wieder auf und lehnte mich an einen Baum.
Nach kurzer Zeit kam Nightingale heraus geeilt und ich wusste, dass es gleiche eine Detonation geben würde. Plötzlich hörte ich wie ein Fenster aufgerissen wurde und sah wie eine Gestalt heraus blickte. Ein Vampir schätzte ich. Nightingale konnte ihn nicht sehen. Der Vampir hüpfte, zur gleichen Zeit mit der Detonation aus dem Fenster.
„Sir, einer entkommt“, rief ich. Der Vampir war nicht dumm, er rannte nicht in unsere Richtung, sondern schien es auf eine Flucht abgesehen zu haben und wusste, dass er sich unter gar keinen Umständen mit Nightingale anlegen sollte.
„Hinterher Peter, lassen Sie ihn nicht entkommen.“ Egal in welchem Zustand, den anstrengenden Part, das Hinterherrennen, darf immer der Constable übernehmen, ich fand das unfair. Das Problem ist, wenn man betrunken ist, spricht man schnell aus was man denkt. Es war der größte Fehler, den ich hätte machen können.
„Sie sind doch der Rugbyspieler, Sir, ich finde Sie können mal zeigen wie schnell Sie sind“, sagte ich vergnügt. Der Vampir war schon bereits im Dickicht des Parks verschwunden. Nightingale's Gesichtszüge entglitten ihm. Er war erst verwundert und dann extrem sauer.
„Peter erstens bin ich Ihr Vorgesetzter, zweitens bin ich wesentlich älter als Sie und drittens wurde mir zwei mal die Lunge durchgeschossen, wenn ich sage, dass Sie rennen, dann rennen Sie“, motzte er mich an. Auf dem Rückweg sagte keiner von uns ein Wort. Ich nickte zwei mal ein, versuchte aber wach zu bleiben. Ich hoffte nur, dass er sich nicht irgendeine Bestrafung ausdachte. Zu meinem Leidwesen, hatte er dies wohl gerade getan. Als ich ausstieg sagte Nightingale: „Peter Sie werden nie wieder etwas trinken.“ Ich fragte mich wie er das nur durchsetzen wollte, doch er schaffte es.
Im Folly lief ich zu meinem Zimmer und lies mich einfach auf mein Bett fallen und schlief auf der Stelle ein. Ein weiteres Problem ist, wenn man zu viel getrunken hat, fällt man manchmal in einen solchen Schlaf, dass man nichts mehr mitbekommt.
Nach etwa zwei Stunden wurde ich von einem Geräusch geweckt. Es war eine Art Knallen. Vorsichtig öffnete ich die Augen. Es war stockdunkel in meinem Zimmer. Da war es wieder das Geräusch. Irgendetwas hartes schlug auf etwas anderes, dann fiel etwas zu Boden. Es folgte ein seltsames Zischen. Ich erschrak, dieses Zischen kannte ich. Es war Molly. Verzweifelt fummelte ich nach meiner Taschenlampe, die neben meinem Bett stand. Ich schaltete sie ein und leuchtete in mein Zimmer. Ich fing an zu schreien. Molly hatte meinen Schreibtisch anscheinend zu ihrem Brettchen um funktioniert. Dort lag irgendein Fleischstück und Molly schlug voller Inbrunst mit ihrem Hackebeil auf das Stück ein. Das abgeschlagene Stück fiel zu Boden und sie lächelte mich kaltblütig an, sodass ich ihre Reihe spitze Zähne sehen konnte. Ich fiel vor Panik aus dem Bett und rannte zur Tür.
Verzweifelt versuchte ich sie auf zu machen, aber sie war abgeschlossen. Wieder wurde ein weiteres Fleischstück abgeschlagen und ein rhythmisches Zischen erklang. Ich hatte Todesangst. In meiner Panik jagte ich einen Feuerball durch das Schloss und konnte endlich mein Zimmer verlassen.
Wenn das Nightinagle's Idee gewesen war, ein spezieller Weckdienst für betrunkene Lehrlinge, dann würde ich nie wieder etwas trinken.
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