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Überleben im Schatten

von Ajnif
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16
Aragorn Eomer Faramir Frodo Gollum / Sméagol Sauron
16.02.2015
12.05.2015
53
100.257
35
Alle Kapitel
41 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
04.05.2015 3.503
 
An alle die das vorherige Kapitel vor oder an dem 30.04 gelesen haben:
Ich wurde darauf hingewiesen, dass ich vergessen habe zu erwähnen, warum Saurons Rüstung so leicht zu durchdringen war. Und zwar hat er sie aus Hochmut nicht mit einem Zauber geschützt. Am Ende werdet ihr erfahren, warum das noch wichtig wird. Ich hab das Kapitel schon überarbeitet, aber zur Sicherheit sag ich noch mal Bescheid.

Und noch ein Vorwort zu diesem Kapitel. Bitte überliest es, wenn euch ein paar Ungenauigkeiten auffallen in Saurons Geschichte, ich habe momentan mein Silmarillion verliehen und musste mich so auf mein Gedächtnis und das Internet verlasse. Ich werde das Kapitel, sobald ich das Buch wiederhabe noch einmal überarbeiten, aber ich wollte euch jetzt auch nicht drei Wochen oder länger warten lassen, bis ich es zurückbekomme. Also aufmerksame Leser (ja, du bist gemeint Narari ;)), seid dazu eingeladen, mich auf Fehler in den Reviews hinzuweisen, damit ich sie nachher auch alle finde, aber bitte nicht die Haare zu sehr raufen.


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Ich nahm kaum wahr, wie er flüsterte: „Nimm meine Hand.“ Ich hielt in meinem Schluchzen kurz inne, ich sah ihn an. Es war sein letzter Wunsch und ich würde ihm Folge leisten, ich nahm seine rechte in meine linke Hand. Ich verschränkte meine Finger mit den seinen und unsere Ringe berührten sich.
Ich sah nur Helligkeit, reines Weiß. Dann spürte ich einen Sog, es war wie im Palantír, ein Ziehen in der Magengegend. Ich blinzelte und war an einem anderen Ort.

Ich schwebte in einem blauen Dunst und betrachtete eine Gruppe von Gestalten unter mir. Ich sah zwei Gestalten an der Spitze hinter ihnen zwölf weitere. Die Gestalten flimmerten merkwürdig. Hinter diesen vierzehn Gestalten konnte ich eine weitere Gruppe erkennen, auch sie flimmerten, sogar noch stärker als ihre Anführer. Es war als würden die gestalten eine Treppe hinunter schreiten, auch wenn keine zu sehen war und mit jeder Stufe wurden ihre Umrisse klarer. Mir schien es zeitlos und ich konnte nicht sagen, wie lange ich die Gruppe beobachtete, sie waren nun fest umrissen und um ihre Füße schwebte ein dunstiger Nebel. Ich konzentrierte mich auf die einzelnen Gestalten, besonders die vierzehn sahen sehr majestätisch und erhaben aus, es waren sieben Frauen und sieben Männer. Doch auch die Gruppe hinter ihnen konnte sich sehen lassen. Die Frauen sahen alle wunderschön aus, auch wenn sie sich in Haarfarbe, Größe und Hautfarbe unterschieden. Die Männer ebenso, sie waren gut aussehend und schienen stark.
Besonders ein Mann fiel mir ins Auge, er hatte langes dunkles Haar, eine große, starke und dennoch nicht protzige Statur. Ich wusste nicht warum, aber ich wollte den Mann mir näher ansehen. Ich schenkte dem Fremden meine volle Aufmerksamkeit und wieder verspürte ich einen Zug im Magen. Ich war nun neben dem Dunkelhaarigen, ich blickte ihm in die dunklen Augen. Ich erschrak. Hohe Wangenknocken, eine leicht hakenartige Nase, ein markantes Kinn, schräge Augenbrauen und dunkle Augen, in denen eine Art Feuer glomm. Es war Mairon. Doch es war nicht mein Mairon. Seine Augen waren viel jünger, sie waren weniger kalt und noch nicht gezeichnet durch den Hass, der ihn antrieb.
Konnte das sein? Konnte ich wirklich gerade miterleben, wie die Valar und die ersten der Maja auf Arda hinab stiegen? Ohne mein Zutun griff ich nach Mairons Hand, ganz leicht streifte ich sie nur, doch das genügte. Ein Sturm von Gefühlen traf auf mich ein, Neugierde, Vorfreude und auch ein bisschen Angst. Ich fühlte sie so intensiv, als wären es meine eigenen und doch merkte ich, dass sie es nicht waren. Es waren Mairons Gefühle, Mairons Geschichte, die ich nun aus seinen Augen wahrnahm.
Ich konnte mich nicht weiter an diese merkwürdige Situation gewöhnen, denn ich fühlte schon wieder ein Ziehen, die Welt um mich herum versank im Nebel und festigte sich dann neu.

Ich blickte mich um, ich schien mich in einer Art Schmiede zu befinden. Es war heiß und stickig, doch auch faszinierend. Das feurige Rot der Glut glimmte zwischen den pechschwarzen Kohlen, Funken stoben auf, wenn der Blasebalg betätigt wurde. Fremde Gefühle von Zufriedenheit, Geborgenheit und abermals Neugierde machten sich in meinem Kopf breit. Das mussten seine sein, da entdeckte ich ihn auch schon. Er stand an einem der Essen, Schweiß auf der Stirn und hielt ein Stück Metall ins Feuer. Neben ihn stand ein großer, mächtig aussehender Mann, er schien Mairon etwas zu lehren. Ich kannte den Mann aus der Gruppe der vierzehn, es musste Aule sein, der Mairon das Schmieden beibrachte. Mairon nickte und tat dann etwas mit dem Metall in seiner Hand, ich konnte nicht erkennen was, doch das starke Erfolgsgefühl, was mich durchströmte hieß wohl, was auch immer Mairon hatte tun wollen, es war ihm gelungen.
Ich trat näher zur Esse, niemand sah und spürte mich, schließlich war ich nur eine Erinnerung. Ich versank in dem Anblick Mairons, wie er voller Konzentration das Metall bearbeitete, was er wohl schmiedete? Mairon wurde von seiner Arbeit abgelenkt er sah auf, ich folgte seinem Blick.
Ein weiterer Mann von den vierzehn hatte die Schmiede betreten, er beriet etwas mit Aule, weder Mairon noch ich konnten verstehen, was gesagt wurde. Aule schien erzürnt über das, was der andere Mann sagte, er deutete mit dem Finger auf die Tür und schien den anderen hinauszuweisen. Der Mann ging und ich spürte Mairons Neugierde.

Eine andere Szene, erneut die Schmiede, von Aule war jedoch nichts zu sehen. Mairon stand alleine an der Esse. Er war vollkommen in deine Arbeit vertieft, lächelnd trat ich näher und beobachtete ihn. Ich spürte seine Gefühle und wurde stutzig. Wie beim letzten Mal war er konzentriert, neugierig und in gewisser Weise zufrieden, jedoch nicht mehr so glücklich. Er hatte das Gefühl, als würde ihm etwas fehlen und er schien hin und her gerissen, als müsse er eine Entscheidung treffen.
Ein kühler Luftzug strich um mein Gesicht, ich wandte mich um. Der Mann vom letzten Mal stand vor mir, natürlich sah er mich nicht, dennoch war es merkwürdig. Mairon hatte seine Arbeit zur Seite gelegt und sah nun auch den Mann an.
„Hast du dich entschieden?“, fragte der Mann.
„Nein“, antwortete Mairon. Zum ersten mal hörte ich den Klang seiner Stimme, sie klang wunderschön, viel weicher, als ich sie kannte.
„Was hält dich noch hier?“, gurrte der andere Mann schon fast.
„Ich habe ihm meine Gefolgschaft versprochen, er hat mir viel beigebracht“, antworte Mairon.
„Hat er das? Das Bearbeiten von Metall, das Formen mit bloßen Händen und ein paar billige Zaubertricks. Das nennst du lehren? Wann hat er dir das letzte Mal etwas Neues gezeigt? Wie viele Jahre ist das her? Du, Mairon, bist für größeres bestimmt, ich kann dir Dinge zeigen, von denen dein geliebter Aule nicht einmal zu träumen wagt. Schwöre mir deine Gefolgschaft und du wirst einmal der mächtigste Maja von gesamt Arda sein, wenn nicht sogar dasrüber hinaus.“
„Ich habe versprochen…“
„Versprechen kann man brechen. Es sind Worte im Wind, geflüsterte Geständnisse, die nichts zu bedeuten haben und Narren unsichtbare Ketten vorgaukeln.“
Ich spürte, wie Mairon ins Wanken geriet, schon vorher hatte er gezögert. Er war schon lange nicht mehr glücklich bei Aule. Etwas zog ihn aus der Schmiede, er wollte mehr erfahren, seine Neugierde stillen. Er wollten lernen, nicht nur das Handwerk, er wollte so viel mehr. Wonach es ihn genau dürstete, wusste Mairon nicht, doch er wusste, dass Melkor es ihm geben konnte. Ich begriff, dass hier alles seinen Anfang genommen hatte. Die Lust, nein, das Bedürfnis nach Neuem, hatte Sauron verführt, hatte ihn zu Melkor getrieben und zu dem Gemacht, der er zu meiner Zeit war. Melkor hatte ihn verdorben, Mairon war ein Opfer des Bösen geworden und auch wenn er sich dazu freiwillig entscheiden hatte, Mairon war bicht böse.

Die nächsten Bilder prasselten auf mich ein, wie Melkor Sauron dunkle Zauber lehrte, wie er ihm viele seiner Geheimnisse zeigte. Das Feuer in Mairons Augen loderte immer höher und der Hass nahm Einzug in seine Züge, Machgier fraß ihn auf. Wie viele sah ich sterben durch die Zeit hindurch? Ich sah, wie Melkor Arda zerstörte, wie die Valar versuchten ihn aufzuhalten und wie Mairon immer mehr zu Sauron wurde. Wie Sauron Heere befehligte, zur rechten Hand Melkors wurde und immer mehr Schlachten, Kriege und Verwüstungen. Er wandelte sich in unzählige Gestalten, doch die des Wolfes schien ihm die Liebste zu sein, gemeinsam mit seinen Werwölfen verwüstete er all die Werke von den übrigen Valar.
Ich wollte es nicht mehr sehen, ich wollte nicht mehr sehen, wie Mairon Sauron war. Doch ich hatte keine Wahl, ich sah alles, spürte alles und verstand immer mehr.
Melkor wurde besiegt und weggesperrt, Sauron floh nach Dorthonion, ein Plateau, welches überwiegend aus Kiefernwäldern bestand. Das erste Zeitalter neigte sich dem Ende zu, Mairon war zu Sauron geworden, hatte große Macht erlangt und wurde schlussendlich besiegt, doch er hatte nicht aufgegeben. Ich spürte seinen Machthunger, gepaart mit seiner noch immer währenden Neugierde, trieb er ihn dazu an, Neues zu entdecken, Neues zu lernen und ein Plan zu verfassen, wie er Melkors Platz einnehmen konnte. Über Eintausend Jahre blieb er im Norden Mittelerdes.

Inzwischen war das zweite Zeitalter angebrochen, die Schrecken Melkors waren schon zur Sage geworden, genau wie sein Handlanger. Ungestört konnte Sauron die Wälder des Nordens verlassen und sich im Osten niederlassen. Voller Stolz und bestrebt, der Herr über ganz Mittelerde zu werden, erklärte er Mordor zu seinem Land, machte es zu dem, als was ich es kannte und baute seine Festung Barad-Dûr. Die Gestalt des Vampirs hatte er abgelegt, er legte sich eine neue Gestalt zu, nicht unähnlich seiner ursprünglichen.
Voller Charme und mit gewandten Worten wandte er sich an die Elben, er zeigte ihnen seine hohen Künste, die er bei Aule erlernt hatte und auch die Elben zeigten ihm Neues. Denn so viel, Sauron auch wusste, er kannte nur das Böse Melkors und nicht das Schöne, was die Elben schaffen konnten.

Charmant lächelnd betrachtete Sauron, beziehungsweise Annatar, wie er sich nun nannte, die Arbeit der Elben von Eregion. Die Schmiedekunst der Noldor war beeindruckend, sie konnte sich gar mit der der Zwerge messen.
Besonders einer der Noldor war Sauron aufgefallen. Ein besonders eifriger Elb, der Enkel des großen Fëanors, der größte Elbenschmied, den es je gab. Sein Enkel Celebrimbor wollte ihm gleichkommen, ihn sogar übertreffen.
Immer hang er wissbegierig an Saurons Lippen, wollte von ihm lernen, was andere niemals schaffen würden können. Sauron erkannte in dem Elben etwas, dass er auch an sich kannte und zu nutzen wusste. Nach Melkors Vorbild, verführte er Celebrimbor.
Nun standen sie hier an den heißen Essen von Eregion, Saurons Plan ging auf, sein Plan alle zu unterdrücken. Ich spürte seine Freude, die Zufriedenheit des Erfolgs und auch die Freude an der Arbeit, denn noch immer war er ein Freund des Handwerks. Ich sah durch seine Augen, wie das Metall Form annahm, wie aus den unförmigen Klumpen sechzehn wunderschöne Ringe wurden, neun für die Menschen, sieben für die Zwerge. Sechzehn einzigartige Edelsteine zierten die Ringe. Saurons allumfassende Freude, als der letzte Stein eingesetzt, der letzte Ring der Macht vollendet war, durchströmte mich.
„Sie sind vollkommen“, hauchte Sauron tonlos.
„Das Feuer eines Drachen…“, widersprach Celebrimbor.
„Ja, nur das Feuer, welches aus Melkors Lebenskraft zehrt, kann sie zerstören. Doch Lebenskraft kann sterben.“
„Drachen sind die mächtigsten und gefährlichsten Kreaturen, die noch auf Arda wandeln.“
„Aber sie sind nicht unzerstörbar. Sie werden gehasst und sind wenige. Sorge dafür, dass der Hass auf sie geschürt wird, verbreite, wie man sie töten kann. Bald wird kein Feuerwurm eine Bedrohung sein.“
„Wie Ihr sagt, Annatar.“

„Siehst du es?“, flüsterte Mairon zu Celebrimbor.
„Was?“, fragte dieser ahnungslos.
„Die Gier in den Augen der anderen. Sie sind eifersüchtig auf unser Werk, sie wollen auch die Macht, die wir haben. Die Macht etwas Großartiges und Einzigartiges zu schaffen.“
„Ja, ich sehe es.“ Celebrimbor hatte fiebrige Augen, er stand vollkommen unter Saurons Einfluss. Bei diesem Blick musste ich unwillkürlich an den jungen Mairon denken. Mein Eindruck verstärkte sich, als ich mit ansah, wie Sauron Celebrimbor und seine Schmiedegilde dazu überredete, Eregion unter ihre Kontrolle zu bringen. Ich musste mit ansehen, wie Galadriel floh, wie alles zunichte schien. Sauron stand nun nichts mehr im Wege, geblendet von dem Gefühl des Erfolgs und dem Glauben an seine Unbesiegbarkeit machte er sich zurück auf den Weg nach Mordor.

Es war beeindruckend, wie Sauron zwischen den Feuern des Schicksalsberges stand und Ihn schuf. Jeden einzelnen Hammerschlag, jeden einzelnen Zauberspruch in der dunklen Sprache, die Saurons eigen war, beobachtete ich. Ich sah, welches Material er verwendete und wie er seine Kräfte lenkte. Ich war nur ein Geist, doch ich spürte die Macht, die um mich herum flimmerte. Ich spürte, wie Sauron selber an Macht verlor, wie sie in den Ring einfloss.
Voller Bewunderung konnte ich sehen, wie Sauron mit filigranen Bewegungen die Gravur des Ringes anbrachte. Ich wusste, lange hatte er über die Worte nachgedacht und es waren nicht nur Worte. Sie waren ein Zauberspruch, ein Ziel und ein Versprechen.
Sauron fühlte sich erleichtert, es war als hätte man ihm eine Last von den Schultern genommen. Er wusste, er könnte es hier aufhören lassen, aufhören nach der Macht zu streben. Doch er konnte nicht, er wollte Neues erfahren, alles wissen. Wissen war Macht. Das Ziel seines Lehrmeisters war die ultimative Macht gewesen, hatte er es schon geschafft ihn zu übertreffen? Er wusste mehr, er kannte alle Seiten der Magie und dennoch war er ihm immer noch unterlegen. Noch immer von ihm abhängig, er verfolgte Sauron und Sauron wurde seinen Meister nicht los, obwohl er doch schon so lange im Nichts weilte. Der dunkle Herrscher schüttelte diese Gedanken ab, er betrachtete noch einen Moment seinen Ring, dann steckte er ihn auf.
Sofort war das Gefühl der Schwere zurück. Doch es war dennoch etwas Leichtes in ihr. Er tastete im Geist nach den anderen sechzehn Ringen. Da waren sie, die neun Ringe der Menschen und die Sieben der Zwerge. Doch was war das? Ich spürte die heiße Wut des Verrats. Sauron hatte die anderen drei gespürt. Er konnte nicht sagen, wo sie sich befanden, doch sie waren da. Celebrimbor hatte ihn betrogen, er hatte noch mehr Ringe hinter Saurons Rücken geschaffen. Sie würden eine Gefahr darstellen, wenn er sie nicht finden würde und sie unter seine Kontrolle bringen würde. Allerdings… Wenn er es schaffte, auch die drei Elbenringe unter seine Herrschaft zu bringen, würde er allmächtig sein, ihm standen neue Möglichkeiten zur Verfügung.

Das nun kommende bereitete mir Angst, ich wusste, was Sauron nun tun würde, wie ich alles wusste, aber es selbst mit anzusehen, war nicht das Gleiche, wie davon zu lesen.
Sauron sammelte sein Heer, er hatte die Reue Celebrimbors gespürt und er würde ihn bestrafen. Die Schlacht war schlimm, nicht zu vergleichen mit dem Kampf des Zorns, doch nicht weniger grausam. Seit seinem wiedererstarken waren erneut fast eintausend Jahre vergangen und nichts konnte den dunklen Herrscher aufhalten.
Es gelang ihm Celebrimbor gefangen zu nehmen, sowie die neun Menschenringe zu erlangen. Ich beobachtete voller Grauen, wie Celebrimbor zu Saurons Füßen lag. Der Noldor krpmmte sich vor Schmerzen, Sauron wandte den gleichen Zauber an, den auch ich schon zu spüren bekommen hatte.
„Wo sind sie?“
„Versteckt.“
„Wo sind sie?“
„Du wirst sie niemals finden.“
Eine neue Schmerzwelle kam über Celebrimbor. Er schrie und ich spürte Saurons Genugtuung, als er es hörte. Noch einmal verstärkte er den Druck, bis Celebrimbor schließlich nachgab. Er verriet Sauron das Versteck der sieben Zwergenringe.
„Sehr gut, kleiner Elb. Aber etwas musst du mir noch erzählen, um unserer alten Freundschaft willen. Wo hast du die Elbenringe versteckt? Ja, ich weiß von ihnen, dachtest du wirklich du könntest mich hintergehen?“
„Sie sind weit weg“, keuchte der Noldor. Eine eitere Folterwelle übermannte ihn.
„Wem hast du sie gegeben? Drei sind es, richtig? Also welchen drei Elben hast du am meisten vertraut?“
Ich wusste nicht, wie lange Sauron Celebrimbor weiter folterte, doch der Noldor gab nicht nach. Bis zu seinem Tod schwieg er über den verbleib der drei letzten Ringe. Ich spürte, wie Saurons Wut immer größer wurde, anfangs hielt er sich zurück, doch schlussendlich gab er ihr nach. Er tötete seinen ehemaligen Gefolgsmann unter großen Schmerzen. Als ehemaliger Handlanger Melkors wusste er, wie er einen langsamen, qualvollen Tod durchführen musste. Denn Celebrimbor starb genau dann, wann Sauron es wollte, er hatte die vollkommene Kontrolle über das leben des größten Schmiedes des zweiten Zeitalters.
Nach seinem Tod, wurde die Leiche des Elben zur Schau gestellt, die Orks trugen sie wie ein Banner vor sich.

Die nächsten Ereignisse prasselten auf mich ein. Die Übergabe der Ringe der Macht an die Neun, die erneute Verwüstung Mittelerdes durch die Orks und schließlich die Schlacht gegen die Númenórer. Ich sah, wie Sauron sich von ihrem König gefangen nehmen ließ.
Wie Sauron Ar-Pharazôns größte Schwäche erkannte, seine Angst vor dem Tod, er wurde der Berater des Königs, nicht mehr seine Geisel.
„Ihr seht nicht gut aus, König“, säuselte Sauron.
„Ach, Tar-Mairon. Ich werde alt und spüre mit jedem verstrichenen Tag den Tod näher rücken. Spürt Ihr es denn nicht? Das Alter meine ich.“
„Nein. König.“
„Aber Ihr seid doch bestimmt schon dreihundert Jahre alt, ich höre Euren Namen seid meiner Kindheit und die liegt über einhundertfünfzig Jahre zurück.“
„Ich bin mehrer tausend Jahre alt.“
„Wie? Ihr seid kein Elb.“
„Nein, ich bin älter als jeder Elb, der euch begegnen wird, König.“
„Ihr seid unsterblich! Sagt mir, wie!“
„Ich bin unsterblich und wenn Ihr es wünscht, König, werde ich Euch verraten, wie. Ich kann Euch die Unsterblichkeit nicht schenken, doch ich kann Euch denjenigen zeigen, der es kann.“
„Wer?“
„Einer der Valar, der Größte von allen.“
„Manwe?“
Saurons Augen blitzen gefährlich auf, als Ar-Pharazôn nach diesem einen Vala fragte. Doch er bekam sich wieder unter Kontrolle. „Nein, nicht Manwe. Viel größer und mächtiger als er: Melkor.“
Der König der Númenórer zog scharf die Luft ein, bei dem Klang des Namens. Doch er wies Sauron nicht zurecht und ließ ihn erklären. Ich verfolgte, wie Ar-Pharazôn der glühenste Anhänger Melkors wurde, wie der König ihm sogar einen Tempel baute. Die Opfergaben im Tempel und schließlich das Fällen des weißen Baumes Nimloth.
Doch der König alterte trotz all seiner Bemühungen weiter und seine Angst wuchs mit ihm.
„Ich altere immer noch, Tar-Mairon. Wieso altere ich noch? Wieso bin ich nicht unsterblich, wie ihr es versprochen habt.“
„Schon damals, habe ich Euch gesagt, es steht nicht in meiner Macht, Euch unsterblich zu machen, nur die Valar können es vollbringen. Ihr müsst zu ihnen.“
„Wie soll ich das tun? Sie leben alle in Valinor, keiner kann dorthin gelangen.“
„Das ist eine Lüge für die Sterblichen. Baut eine Flotte, die größte Flotte, die Arda je gesehen hat und fahrt dann nach Westen. Ihr werdet nach Aman gelangen und dort unsterblich werden.“
So geschah es. Die Flotte wurde gebaut, die Segel gesetzt. Neununddreißig Tage brauchte die Flotte, um nach Aman zu gelangen.

Wassermassen brachen über die Schiffe herein, ich hörte die Seeleute schreien, manche wandten sich in ihrer Verzweiflung wieder an die alten Götter, wandten sich von Melkor ab, schrieb zu Manwe oder Ulmo. Die Soldaten, die Aman erreicht hatten wurden von großen Gesteinsbrocken getroffen.
Sauron sah all dies, doch es kümmerte ihn nicht, er selber fühlte sich sicher, er saß im Tempel Melkors und lachte über den stumpfsinnigen König. Sollte Ulmo doch das Meer aufbauschen, niemand konnte ihn aufhalten. Nicht einmal, als die Erde unter ihm zu beben anfing, spürte ich Angst seitens Sauron. Er betrachtete den Ring an seinem Finger und erst, als die ersten Steine des Tempels auf ihn herabstürzten, sah er auf. Immer noch furchtlos ging er zum Fenster, des Tempels. Einen Moment war er verwirrt, dann traf ihn leichte Angst, die aber sogleich wieder verflog. Er hatte den Ring, er war das mächtigste Wesen Mittelerdes, ein paar Wellen und sinkendes Land konnte ihn nicht töten. Er wandte sich vom Fenster ab und schritt wieder zu Melkors Altar, auf den er spöttisch hinabblickte. All dieser Prunk, was für eine Verschwendung, Melkor war vergangen, er war in der Leere und würde niemals wiederkommen. Sauron hatte ihn überlebt, ihn übertroffen. Der Maja hatte den Vala besiegt.
Um ihn herum wurde es dunkel, er spürte, wie es um seine Füße nass wurde. Noch einmal erzitterte der Tempel, es rauschte, letzte Teile der Decke stürzten zu Boden, dann war es schwarz.
Um mich herum war es ebenfalls schwarz geworden, ich sah nur, was Sauron damals gesehen hatte, fiel er in Ohnmacht, tat ich es auch, blieb aber bei Bewusstsein. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor, bis endlich wieder etwas um mich herum geschah. Wir waren unter Wasser, da wir mit Númenor untergegangen waren. Ich sah unter mir Saurons Körper liegen, er war zerquetscht. Verwirrt sah ich mich um, Saurons Körper war tot, doch wo war sein Geist. Ich fühlte ihn noch, seine Verwirrung und dann seinen Kampfeswillen, wie seinen Zorn. Ich sah ihn nicht, aber ich folgte ihm. Sauron schoss aus den Tiefen des Meeres an die Oberfläche, unsichtbar, nur ein Geist, doch den Ring hatte er nicht verloren.
Er floh vor seinem toten Körper, er war geschwächt, doch seine Macht war ungebrochen.
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